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Freitag, 18. April 2008

Das Traumspiel - Verschlungene Pfade mit Anknüpfungspunkten

In einer dunkel stürmischen und verregneten Nacht erwache ich. Ein Blick auf den Wecker zeigt mir, daß es erst Punkt fünf Uhr ist. Dies gibt mir ein Gefühl, als hätte ich noch die halbe Nacht vor mir und jede Menge Zeit, da ich erst um acht Uhr oder noch später aufstehen muß. Im Moment habe ich keine Lust, sofort wieder zu schlafen, sondern würde lieber lesen oder am Computer sitzen. Ich rechne mir aus, daß die Zeit trotzdem ausreichen müßte, um nochmals zwei Stunden vor dem Aufstehen zu schlafen. Und müde bin ich sowieso überhaupt nicht. Es gibt mir ein befriedigendes Gefühl, so viel Zeit zu meiner freien Verfügung und Einteilung zu haben. Ich bleibe bei einem nagelneuen Computerspiel hängen, welches es in zwei Varianten gibt. Die zweite Variante nennt sich "Traum", was sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Spiel wird mit memoryartigen, quadratischen Karten gespielt, die am Computer virtuell dargestellt sind. Auf ihnen befinden sich symbolartige, Gebilde, welche aus einer durchgehenden Linie gezeichnet sind, die ganz verschiedenartige verschlungene Formen annimmt. Mal mit mehr, mal mit weniger Kringeln, und mal endet die Linie mitten in der Karte, während sie bei anderen Karten durchgehend ist. Aufgabe ist es anscheinend, die richtigen Anknüpfungspunkte zwischen den Karten zu finden. Irgendetwas im Zimmer lenkt mich ab und ich stehe auf, um mich umzusehen. Plötzlich habe ich das starke Gefühl, beobachtet zu werden. Vor einem wandhohen Fenster hängt zwar ein indigoblauer Vorhang, der etwas vom Wind bewegt wird, und trotzdem werde ich den Eindruck nicht los, daß dahinter jemand steht, den ich nicht sehen kann, aber er mich. Während ich mich mehr in eine Ecke drücke, in der ich meine, nicht erkennbar zu sein, beobachte ich weiter den blauen Vorhang, versuche ihn regelrecht mit meinen Blicken zu durchdringen. Sollte dies vielleicht ein Vorhang sein, der von der einen Seite undurchsichtig wirkt, aber von der anderen transparent ist? Durch mein fortwährendes Starren auf den Vorhang entsteht jetzt tatsächlich ein Bild vor meinen Augen, nämlich das eines kleinen und völlig weißen Männchens, eine Art schnoddrig-lustiges Strichmännchen. Irgendwas stimmt aber mit der Perspektive nicht, denn wenn es direkt hinter dem Fenster ist, müßte es mit dem Boden abschließen und größer sein. Deshalb bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das Männchen tatsächlich sehe, oder ob es nicht vielmehr eine Art inneres Bild, bzw. eine Ahnung ist, in welcher ich das Männchen auf dem Weg zu mir sehe, also noch in einiger Entfernung. Das Bild ändert sich nun, das Männchen wird größer und trägt jetzt einen ebenso weißen Regenschirm über dem Kopf. Der Größe nach zu urteilen ist es also meinem Fenster näher gekommen. Vielleicht steht es jetzt wirklich schon genau hinter dem indigofarbenen Vorhang?

Bemerkung: Ich habe den Eindruck, daß im Traum viele verschiedene Gedanken, die mich zur Zeit beschäftigen, zusammengekommen sind. Da ist zum einen das herrliche Gefühl, Zeit und Muße zu haben (obwohl die relative Zeitspanne nicht wirklich groß war), was ich im Moment sehr vermisse, gleichzeitig das Gefühl, ausgeschlafen und munter zu sein, das ich ebenfalls vermisse, denn gerade bin ich in einer Phase, in der ich nicht mehr weiß, was ich zuerst machen soll und mich ständig müde fühle, egal wie viel oder wenig ich schlafe. Dann ist da das Traumspiel, welches mich daran erinnert, daß ich, seit ich in dieser Phase bin, kaum noch erinnerbar träume. Das Spiel selbst ähnelt im übrigen einem westlichen Gesellschaftsspiel, welches ich in meiner Kindheit zwei oder drei Mal mit meinen Eltern spielte. Es hatte quadratische Kärtchen mit Linien darauf, die man passend zu den Anknüpfungspunkten der Linien aneinander reihte. Allerdings waren die Linien nicht verknäult und verkringelt. Gleichzeitig denke ich zur Zeit oft über irgendeine Macht nach, welche meine Gedanken liest, zumindest kommt es mir so vor - das ist das Gefühl beobachtet zu werden, ohne zu wissen von wem. Und das Strichmännchen selbst erinnert mich an das Regenmännlein aus dem Kinderbuch "Das Haus unter den Kastanien", auch dadurch wie es erst winzig immer größer wird. Vielleicht wollte es mich ja in das Traumland bringen.

Quadrate in der Matrix

Im Regenschloß

Es regnete. Es regnete so lange, bis Gras und Wege blankgewaschen waren und die Pfützen sich in richtige Seen verwandelt hatten. Auf den Pfützen bildeten sich glänzende Regenbläschen und erloschen wieder. Nicht jeder weiß, dass in diesen Bläschen Regenmännlein auf dem Wasser schwimmen. Peter wußte es.
"Sie verlöschen so schnell, daß man das Regenmännlein nicht immer erblicken kann. aber manchmal sieht man es." Peter schaute sich nach dem Tigerchen um, das neben ihm herlief, denn es fürchtete sich nicht vor dem Regen.....
....Peter war sicher, dass die Regenmännlein sie sahen.
"Sie kennen auch unseren Tiger, und er kennt sie. Komm, Tigerchen, ich will dir etwas sagen." Peter flüsterte ihm etwas ins Ohr und das Tigerchen begriff sofort.
Eines der Bläschen, es glich den übrigen, war aber wohl etwas größer, blieb plötzlich stehen, schwamm näher an den Rand der Pfütze heran und wuchs und wuchs wie eine Seifenblase. Und dann war es wie ein durchsichtiger, gläserner Kahn. Im Kahn stand das Regenmännlein mit einem riesigen Hut und mit einer Pelerine. Es verneigte sich, und Peter und Kati warteten, was es ihnen sagen würde, aber es sang nur leise vor sich hin, so wie der Regen manchmal singt:

"Regenmännlein heiße ich.
Es fährt mein Wunderkahn
euch brave Kinder alle
ins Traumland wundersam."

Sie stiegen ein, und der Kahn schwankte nicht einmal, obwohl er ausah, als wäre er aus dünnem Glas gemacht. Tymonek (der Tiger, bzw. Kater) war als erster hineingesprungen.
Sie fuhren, fuhren lange im rauschenden Regen, und das Regenmännlein pfiff leise vor sich hin, flüsterte und sang ein Lied, und das klang und tönte wie der Regen in der Dachrinne an einem frühen Sommermorgen, wenn man noch schläft...
....Peter fragte das Regenmännlein nicht mehr, wohin sie fuhren, denn sie erblickten gerade das Regenschloß. Sie erkannten es sofort: Es war grün wie Wasser, durchsichtig wie der Regen. In der Nähe rauschte ein Bach, und an seinem Ufer troff von den Zweigen der Trauerweiden und Hängebirken der Regen. Doch es war gar nicht traurig und langweilig in diesem Regenland, denn in allen Dachrinnen klang und tönte es wie ein großes Orchester, Springbrunnen plätscherten, und in den Springbrunnen hüpften Regenmännlein, die wiegten sich auf den Wasserfäden und kreischten vergnügt....
....Wie hurtig die Regenmännlein am Werke waren - selber ganz blau, grün, lila von dem Regenbogen, den sie gerade webten, wirkten und glätteten! Die bunten Fäden, Bänder und Streifen flogen nur so durch die Luft, und auch der Boden war damit bedeckt....
....Die Regenmännlein sangen bei ihrem fröhlichen Schaffen...

...."Der Sonnenschein wartet", wiederholte das Regenmännlein im Kahn die letzten Worte des Liedes. " Kommt, ich öffne euch das Tor."
Hinterm Tor rauschte der Regen nicht mehr, die Springbrunnen waren verstummt, nur ein letzter feiner Regen wisperte noch zum Abschied und klopfte gegen den Regenschirm. Die bunten Vögel auf dem Schirm hatten nasse, blankgewaschene Federn.
Kati schloß den Regenschirm. Am Griff hing ein buntes Bändchen.
"Das war vorhin nicht da, wie kommt es hierher?"
"Ein Regenmännlein wird es zum Andenken um den Griff geschlungen haben, das ist doch klar", sagte Peter.
Am Himmel leuchtete ein herrlicher, breiter Regenbogen...
...Auf der großen Pfütze waren schon alle Bläschen erloschen. Nein, nicht alle: Eines entfernte sich eilig, kleiner und kleiner werdend. Darin stand das Regenmännlein und winkte mit seinem großen Hut.

(gekürzt - aus "Das Haus unter den Kastanien" von Helena Bechlerowa)

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Chutzpe - 2008/12/04 00:09
Ist ja nett,
daß du mir das zutraust, aber solche schwierigen...
zuckerwattewolkenmond - 2008/12/04 00:04
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Chutzpe - 2008/12/03 23:48
Hilferufe
aus dem Äther? Hab ich da gerade etwas gehört?
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mayday.autorespzßwrzkx (anonym) - 2008/12/03 21:17
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Chutzpe - 2008/12/03 20:56
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twoday.autoresponder (anonym) - 2008/12/03 20:41
Vertrauen
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zuckerwattewolkenmond - 2008/12/03 20:24
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books and more - 2008/12/03 07:41
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Thomas Schneider (anonym) - 2008/12/02 12:07
Ich weiß,
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zuckerwattewolkenmond - 2008/12/02 00:25
Wann
kommt denn nun eigentlich das Ende, das so nahe sein...
A. (anonym) - 2008/12/02 00:15

Meine Kommentare

Ist ja nett,
daß du mir das zutraust, aber solche schwierigen...
weltentanz - 2008/12/04 00:04
Natürlich
mit einem Anagramm-Generator. Ich habe ja schließlich...
weltentanz - 2008/12/03 23:54
Hilferufe
aus dem Äther? Hab ich da gerade etwas gehört?
weltentanz - 2008/12/03 21:22
Das wird
ja immer unheimlicher heute. Soll ich diesem automatisch...
weltentanz - 2008/12/03 20:45
Vertrauen
ist gut, Kontrolle besser, oder so. *gg*
weltentanz - 2008/12/03 20:25
Herr Books?
Sind Sie noch da? Oder hat Sie das mysteriöse...
weltentanz - 2008/12/03 20:24
*freut mich* :-)
weltentanz - 2008/12/03 00:42
Der Spruch könnte...
Der Spruch könnte beinahe, aber nur beinahe, auch...
noemix - 2008/12/02 21:49

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