Das verlorene Schriftwerk
Schlaf nur, schlaf weiter,
ermatteter Dieb -
alles wird anders,
wenn du erwachst,
wenn die Zeit sich wendet,
das Unendliche endet,
denn die vielen Sekunden,
die du gestohlen dir,
aus des Albtraumes
großer Heimlichkeit,
seiner spröden Undenkbarkeit,
wurden zu Sternen dir,
die dich noch leiten
durch raumverkrümmte Nacht.
Und fühlt ich auch das Nahen der Geschichte
- der Hoffnung Nahrung wollt ich sein
und formen so der Zukunft Bild
nach meinem gewünschten Gesichte.
Fünf Worte nur verführten zum Schnitte,
der Vergessenheit anheim fallend,
so sollt es sein, niemals wird wahr,
was nicht Erlaubnis hat zum nächsten Schritte,
von mir persönlich abgesegnet.
Fünf Worte warten in gedenkender Ablage,
auf neuerliche, zwiespältige Ehren,
traurige Ehre wird das sein, fürwahr,
doch straften sie mich bereits für die Absage
und ließen zurück im Gefühl eine Lücke,
das falsche Setzen des Endes,
das spontane Enden der Sätze,
auf daß die schlaue Überlistung glücke -
sie tat es nicht.
Gib mir Antworten,
die ich nie wollte -
Fragen stell ich,
weil ich leb
im tiefen Silbergrau,
Antworten finden sich ein
wie Amseln am Morgen,
ihr Lied singen sie
nur in der Freiheit.
Gib mir Antworten
auf meine Fragen
und du erhältst Fragen,
die deine Antworten werden.
Fang sie ein
und sie gehören dir,
bunte Schmetterlinge,
wenn du es wagst -
doch töte sie nicht
mit Besitzerstolz.
Eisiger Wind und Regen,
grau und schweigend verbirgt
sich der Bruch der Figuren.
Ferne Worte berühren,
Erdbeeren sind sie
und manche Stelle schimmlig ist.
Sternleuchten im Zodiak -
Was ist dein Wesen?,
die Stimme fragt.
Es ist ein Spiegel,
die Eselsbrücke der Liebe,
der Mystiker sagt.
So kehrst du auf den Straßen um,
die sich deinen Füßen gaben,
kehrst dich hin und kehrst dich her,
blockierst jeglichen Verkehr,
bis sich auf dem müden Pfade
verkehrt der Wille hin zu Gnade.
Und die Tauben ziehn vorüber,
taub jedoch ist nur dein Ohr,
findet keine Wegsignale
aus der Verkehrsleitzentrale
und das Herz funkt immer lauter
- ach du Trottel, hör doch her!
In der finstern Mitternacht,
da geht er durch die Welt,
schreit seine Klage entgegen
dem, was ihm das Liebste ist.
Wind aus dem Norden ist er,
tobt über seine Schöpfung hin,
bringt die Erde zum Schwingen
und die Saiten zum Klingen,
die ihre Harfen gebannt.
In den Sinnen der Schlafenden,
in den Sinnen der Wachenden,
durch Neutronen und Neuronen
dröhnt donnernd sein Gebrüll
und er wandelt vorüber,
schreiend in der Nacht -
in der Nacht brüllt er,
läßt die Welt erzittern,
in der Nacht schreit er,
nicht unhörbar, doch leise
für das Menschenohr,
in der Nacht schreit er
in heiliger Schuld
in göttlichem Leid.
Nein, ist das schön,
wollten wir doch Wandern gehn
dass am blauen Himmel ist
(als Zeichen von Bereitschaft)
ein Complize ist zu sehn
in strahlender Begleitschaft
Ich sag dir, Sonne
schienest du nur halb so hell
schminkt ich mir die Fratze grell
und zöge selbst die Bahnen,
die alleine vorbehalten dir,
du unrühmlich verließest.
Ahnungen tanzen coloriert,
rauschen mit Luftgeistern
durch enge Kabelkanäle -
Weißt du noch, wie es war
als wir Köpfe und Arme
an alten Kirchenmauern fanden?
Der wilde Farn wucherte,
barg ein Mysterium,
fern und fremdartig.
Spielend suchten wir
nach Tod, nach Leben,
magische Welten pulsten
durch junges Blut,
unberührt und ewig.
Wenn Kinder lachen,
wissen sie noch nichts
vom träumenden Schmerz
in ihren Adern.
Sonne und blind
Wind im Schatten
Hör dich noch lachen
während du eilst
und dann verweilst
Sieh, das Siegel
der roten Dahlie
bewahrt es fest,
das Geheimnis,
im Erdentief,
wenn du es brichst
wirst du erfahren
wie man verliert
Silberspinnennetz (am weiten Himmel),
wolkiges Silberblau,
fängst die Sonne und hältst sie fest
im Federlarvenkokon.
Dort am Horizont (im fernen Rund)
lauert die Achtbeinige,
der große Schatten,
webt und sammelt das glutende Rot,
läßt tausend Tautropfen funkeln.