Die versunkenen Stunden
meine Krankenkasse versteht nur Chinesisch. Oder besteht ausschließlich aus Robotern. Jedenfalls wäre in beiden Fällen die Chance mindestens genauso hoch, dieselben Schreiben zu erhalten, die mir bisher zugekommen sind. Erst schickte ich den Antrag auf Kostenübernahme für den Reha-Sport mit der Bitte hin, mir entsprechende Anlaufstellen für diesen Zweck mitzuteilen. Diese Bitte wurde völlig ignoriert, mit keinem Wort erwähnt, statt dessen erhielt ich den Antrag mit dem Hinweis zurück, ich müsse den Leistungserbringer eintragen (nach dem ich aber gefragt hatte). Diesmal hatte ich einen Leistungserbringer drin zu stehen und bekomme den Antrag zurück - die Kostenübernahmebestätigung unausgefüllt -, aber mit einem Schreiben, in welchem zwar steht, daß der Antrag genehmigt ist, dieser jedoch nur bei anerkannten Leistungserbringern gültig ist. Ja, hallo? Der Leistungserbringer steht doch da! Warum schreiben die mir nicht, ob der nun anerkannt ist oder nicht, wenn sie mir schon vorher keine nennen wollten? Ist das jetzt Geheimniskrämerei, Doofheit oder einfach nur Desinteresse? Andererseits sage ich mir, wenn ich sowieso 12,50 EUR im Monat zahle, soll sich doch der Verein mit der Krankenkasse herumschlagen, wenn er das zusätzliche Geld haben möchte, was auch immer die Krankenkasse da bezahlt. Mir ist das echt alles zu blöd.
habe ich gerade hinter mir und ich muß sagen, es war witzig. Wir jonglierten mit "Sandsäckchen", eigentlich Kirschsteinsäckchen, erst auf dem Fuß, dann auf der Schulter, schließlich von Handrücken zu Handrücken werfend und die Kursleiterin meinte, jetzt von Handrücken zum Fuß werfen und umgekehrt - nee, war bloß ein Scherz. Bei den Bauchmuskelübungen fange ich allerdings immer an zu träumen. Einmal habe ich sogar die Entspannungspause verpaßt und hatte den Kopf die ganz Zeit oben, dabei mit den Gedanken völlig woanders. Bin gespannt, ob ich Muskelkater bekomme, aber ich glaube es eher nicht.
Weil ich bis zum neuen Jahr viel, viel Zeit habe, meine alte Kompaktkamera langsam den Geist aufgibt und es bald Weihnachten ist, dachte ich mir, ich kaufe mir mal wieder ein hübsches Spielzeug, nämlich eine neue. Meine Ricoh Caplio R4 hatte eine Brennweite von 28 - 200 mm, also für damalige Verhältnisse schon ein recht ordentliches Zoom. In den meisten Situationen war es auch ausreichend, aber die neue sollte doch etwas mehr können, zumal es ja inzwischen einige Kompakte gibt, die das versprechen. Ich habe alle verglichen und meine Wahl fiel auf die
Samsung WB500, die zufällig auch die preiswerteste Kamera ist mit 184,00 EURO. Der Preis war aber nicht ausschlaggebend, sondern sie hat mich in den technischen Daten und im Aussehen von Anfang an mehr überzeugt als andere hochgelobte und bekanntere Kameras. Ihre Brennweite liegt zwischen 24 - 240 mm, wobei für mich der Weitwinkel interessanter ist als mehr Zoom, da ich viel Gebäude und Landschaften fotografiere. Sie hat außerdem weniger Megapixel als andere (10), aber inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, daß mehr Megapixel nicht bessere Fotos machen und meine alte Kamera mußte noch mit 6 Megapixel auskommen. Die Samsung WB500 ist ein wenig größer und schwerer als die Ricoh Caplio, aber die Verarbeitung begeistert zuerst einmal, und in die Manteltasche paßt sie immer noch ohne Probleme. Sie wirkt sehr hochwertig und stabil, ist außerdem aus echtem Metall. Die Lage des Auslösers ist etwas gewöhnungsbedürftig und in den Amazon-Rezensionen beschweren sich einige, daß man mit dem Finger leicht den Blitz verdeckt. Zum Glück benutze ich den Blitz so gut wie nie, so daß mich das nicht viel stört. Und von den ersten Testbildern bin ich wirklich begeistert. Auch mit vollem Zoom schärfere Bilder als mit der alten Kamera, im Dunkeln, wo die alte längst aufgibt, macht sie noch brauchbare Fotos und selbst mit ISO 800 ist das Rauschen im Vergleich zur Ricoh Caplio erträglich. Das Schneider-Kreuznach-Objektiv scheint für eine Kompakte erstaunlich lichtstark zu sein. Vielleicht kann ich ja Mittwoch nach der Physiotherapie bei einem Ausflug gleich mal testen, wie lange der Akku reicht. ;o)
Zoom mit Samsung:
Zoom mit Ricoh Caplio R4:
ISO 800 Samsung WB500:
ISO 800 Ricoh Caplio R4:
Dunkles Zimmer, Ricoh Caplio, ISO 200:
Dunkles Zimmer, Samsung WB500, ISO800:
Die Bilder sind natürlich alle unbearbeitet!
Als ich mir heute die Physiotherapie-Termine holte, fiel mir wieder ein Gespräch ein, welches ich letztens belauschte, als ich mich wegen Reha-Sport erkundigen wollte. Während ich wartete, war die Tür zum Behandlungsraum nur angelehnt und ein Mann erklärte der Physiotherapeutin, daß er ja mal eine Behandlung mit Schrumpfköpfen bekommen haben. Ich draußen dachte nur - Hä?, wobei ich mir mehrere Schrumpfköpfe auf dem Rücken platziert vorstellte, aber mich fragte, wie die gegen Rückenschmerzen helfen sollen und wie man Schrumpfköpfe für die Physiotherapie wohl industriell herstellt. Von der Physiotherapeutin hörte ich erstmal gar nichts, bis er wieder die Schrumpfköpfe erwähnte und sie etwas irritiert fragte, was er meine. Er behaarte auf seinen Schrumpfköpfen bis bei der Physio der Groschen fiel und sie sagte: "Ach, Sie meinen Schröpfen!" Und er: "Ja natürlich! Wie komme ich denn nur auf Schrumpfköpfe?" Damals hatte ich es wieder vergessen, aber heute muß ich die ganze Zeit darüber lachen.
hat mich nie eine wildfremde Person mit der Bitte zu sich herangewunken, eine heruntergefallene Sache aufzuheben. Aber genau dann, wenn ich selbst nicht runterkomme, fällt natürlich einer frischgebackenen Mutter mit Baby auf dem Bauch der Brief aus der Hand und nur ich bin in der Nähe. Das Universum beliebt mal wieder zu scherzen. Irgendwie hab ich es dann doch geschafft, an den Brief zu kommen.
auf meiner Krankschreibung und Überweisung steht als Verdachtsdiagnose O99.8 V. Wenn ich jetzt im Internet nachschaue, finde ich: "Sonstige Krankheiten der Mutter, die anderenorts klassifizierbar sind, die jedoch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett komplizieren - Sonstige näher bezeichnete Krankheiten und Zustände, die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett komplizieren" - Hä? Habe ich irgendwas verpasst?
doch noch einen Adventskranz ergattert, diesmal mit Bambi. Und mit zunehmenden Alter stelle ich fest, daß die Düfte immer wichtiger werden. Den Tannenduft genieße ich fast mehr, als die Kerzen.

den Titel möchte ich nicht nennen, das ist eine Biographie in Romanform über eine mittelalterliche Persönlichkeit. Der Schreibstil ist nicht direkt mittelalterlich zu nennen, erinnert jedoch in seiner Sprache durchaus an diese Zeit, wenn auch mehr deshalb, weil er etwas antiquiert wirkt, ohne deshalb schlecht zu sein. Nein, schlecht ist er nicht, aber dafür trotzdem einschläfernd, weil er so bemüht ist. Es sind zwar schöne Sätze, aber eben bemüht und unlocker, zurechtgedrechselt. Es gibt Autoren, die schreiben und schöne Sätze entstehen wie von selbst, zumindest scheint es so. Dann gibt es Autoren, die bemühen sich und schreiben ebenfalls schöne Sätze, aber irgendwie animieren diese nur zum Gähnen, obwohl man auch unter ihnen ab und zu eine Perle findet. Ich nenne diesen gestelzten Stil für mich "Hausfrauenstil", was natürlich gemein und völlig falsch ist, da es nicht nur Hausfrauen sind, die so schreiben (der Autor des Buches ist ein Mann - gibt er zumindest vor), und es sicher jede Menge Hausfrauen gibt, die anders schreiben. Doch was mich ständig irritiert, während ich dieses Buch lese, ist das Gefühl, daß dieses genau der Stil sein könnte, den ich selbst schreibe. Ich meine, man ist sich selbst und den eigenen Texten gegenüber manchmal blind. Ein fremder Leser könnte vielleicht durchaus Ähnlichkeiten entdecken, während ich mich über den Stil eines anderen auslasse. Vielleicht ist das wie in der Psychologie, daß einen immer das an anderen am meisten stört, was in einem selbst stark angelegt ist. Irgendeinen Grund muß es ja haben, daß mich dieser Gedanke nicht losläßt, zumindest teilweise meinen eigenen Stil zu lesen.
weiß ich, wo ich meinen Reha-Sport betreiben werde. Ich habe ja bisher einige Einrichtungen abgeklappert und bei manchen habe ich schon vor dem Eingang wieder kehrt gemacht, weil bereits der Aufgang, das Haus oder das Ambiente so uneinladend waren, daß ich einfach nicht hinein wollte. Oder aber Kurse mit massig Teilnehmern und dazu hohe monatliche Gebühren boten. Diese kahlen, neonbeleuchteten und unpersönlichen Reha-Fabriken und Fitness-Käfige finde ich einfach abstoßend. Durch Zufall bin ich dann im Internet auf den Eintrag eines relativ kleinen Physiotherapiestudios gestoßen, das ebenfalls Reha-Sport anbietet. Und es liegt nur 10 Minuten zu Fuß von meinem Umsteigepunkt entfernt, so daß ich von der Arbeit günstig hinkomme, aber es auch von zu Hause nicht weit ist. Also dachte ich mir, ich gucke mir das heute mal auf dem Heimweg an. Zuerst bin ich dran vorbeigelaufen, weil es von der Straße gar nicht zu sehen ist. Es ist ein kleines "Extrahaus" auf einem der Hinterhöfe. Gleich am Eingang wußte ich, daß es mir hier gefällt. Wunderschönes warmes und lichtvolles Ambiente mit Kerzen, Duft- und Salzkristallampen, sehr gemütlich und kuschelig. Vom Entree führt eine Wendeltreppe mit rotem Läufer in einen anscheinend ausgebauten Keller. Da sich die Physiotherapeutin gerade mit einem Patienten beschäftigte und ich einen Moment warten mußte, versuchte ich neugierig hinunterzuspähen. Dann hatte sie Zeit für mich und sie fand ich auch gleich richtig nett. Weder war sie eine dickliche KWV-Beamten-Tussi, noch eine jugendliche Zicken-Tusse. Zufällig, sagte sie, würde genau am 14.12. ein neuer Kurs beginnen, und "zufällig" würde ich richtig gut in diesen Kurs passen. Ich hoffe, sie meinte damit nicht nur meinen Mantel, der zumindest gut in das Ambiente passen würde. Statt achtzehn Teilnehmer, wie in anderen Kursen sind wir wohl sehr privat zu sechst, und alles sehr nette Leute, wie sie versicherte. Natürlich kostet es auch dort etwas, nämlich 12,50 EUR im Monat als Vereinsbeitrag und dafür, daß es ein fester Kurs mit fester Zeit ist, finde ich das immer noch ziemlich viel, aber zufällig las ich hinter ihr auf einem Schild, daß ab Januar 2010 auch Gerätetraining angeboten wird. Wenn das im Beitrag enthalten wäre, wäre es perfekt. Jedenfalls fand ich es so einladend und nett, daß ich mir von ihr widerspruchslos die ärztliche Verordnung abnehmen ließ. Sie erklärte mir, daß es mir viel Spaß machen wird, denn dann wird unten - mit dem Finger zeigte sie die mysteriöse Wendeltreppe hinunter - die Musik voll aufgedreht und es gehe die Post ab. Ich müsse mir außerdem keine Sorgen machen, nicht mithalten zu können, denn jeder trainiere nur so, wie er könne - es seien ja alles Versehrte. Sie freue sich, daß ich dazugestoßen bin und auf unseren Kurs. Die Freude schien mir echt zu sein und wirkt geradezu ansteckend. Hinterher dachte ich so, der erste Eindruck kann manchmal täuschen, aber ich lasse mich jetzt einfach überraschen, wie es wird.