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Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn es ihnen übel ergeht, werden sie mich suchen.... (Hosea 4.5.6)

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Montag, 25. Juni 2007

Die Zeit der alten Männer

Während der Dienstzeit meines Vaters als Pfarrer gehörte über einige Jahre hinweg zu seinen Aufgaben die Leitung eines Männer-Bibelkreises, von uns kurz "Männerkreis" genannt. Zu diesem Männerkreis gehörten, abgesehen von meinem Vater, ca. zehn Männer im Alter ab 70. Ich weiß nicht mehr genau, wie oft dieser Bibelkreis stattfand, ich vermute, es war einmal im Monat, aber wenn er stattfand, dann, bis auf einige Ausnahmen wie Weihnachtsfeiern, in unserer Wohnung. Ich als Kind hatte bei dem Männerkreis natürlich nichts zu suchen, aber da ich ebenfalls in der Wohnung wohnte, blieb es nicht aus, dass ich die alten Herrschaften ab und zu begrüßen musste und einige Male durfte ich auch zu besonderen Anlässen, wie sie z.B. eine Feuerzangenbowle darstellte, bei der Zusammenkunft teilnehmen. Eigentlich war ich darauf nicht wirklich sehr erpicht, aber die Feuerzangenbowle wollte ich mir nicht entgehen lassen, zumal diese doch höchst selten bei uns auf den Tisch kam. Genaugenommen kann ich mich nur an zwei bis drei Male erinnern. Überhaupt hatte ich mit alten Männern nicht viel am Hut, trotzdem wurde ich regelmäßig genötigt, bunte Weihnachtskarten aus Servietten für sie zu basteln, immerhin wurde ich durch diverse zugesteckte Tafeln West-Schokolade dafür entschädigt. Der Männerkreis bestand aus einem harten Kern, der regelmäßig teilnahm, und einigen, die nur sporadisch vorbeischauten und an die ich mich deshalb nicht mehr erinnern kann. Der harte Kern bestand zuerst aus dem "Leitwolf", der gleichzeitig der Jüngste war und noch dazu ein Clown - also kein echter Clown, aber eben immer zu Scherzen aufgelegt. Sein Sohn, ungefähr gleichaltrig mit mir und in meine Christenlehregruppe gehend, war ganz sein Vater und "Klassenkaspar". Heute ist er übrigens Konditor. Desweiteren gehörte zum harten Kern ein älterer Herr, der in seiner Wohnung wertvolles chinesisches Porzellan sammelte. Mein Vater nahm mich einmal zu einem Hausbesuch mit, außer Unmengen chinesischen Vasen gab es dort einen Porzellanchinesen gegenüber der Eingangstür, der mit dem Kopf nicken konnte, wenn man ihn anstubste. Es gibt ein Märchen von Andersen, das mich immer an diesen Porzellanchinesen erinnert, nämlich "Die Hirtin und der Schornsteinfeger".
Diese beiden Herren sind mir am stärksten in Erinnerung geblieben und ich kenne noch ihre Namen.
Der Bibelkreis war keineswegs so fromm, wie er sich anhört. Zwar wurden anfangs einige Bibelstellen und -sprüche vorgelesen, doch mit fortgeschrittenem Abend wurde es dann lustiger, es wurden Witze gerissen, geplaudert, Cocktails geschlürft, die mein Vater ab und zu mixte, oder es gab halt sogar mal eine Feuerzangenbowle. Irgendwann begann das Ende dieses Männerkreises. Es begann mit dem Abend, als einer der alten Herren schon krank bei uns ankam. Er klagte darüber, dass ihm nicht gut sei, auf der Couch sitzend übergab er sich und als schließlich der Notarzt kam und ihn abholte, verstarb er auf dem Weg ins Krankenhaus. Meine Eltern wunderten sich, dass er sich noch bis zu uns geschleppt hatte, denn es muss ihm vorher bereits nicht sehr gut gegangen sein. Natürlich habe ich davon nur aus ihren Erzählungen erfahren, denn ich lag zu dieser Zeit schon im Bett. Da mein Zimmer jedoch genau gegenüber der Wohnungstür lag, konnte ich an diesem Abend lange nicht einschlafen, weil es ständig klingelte, viele fremde Stimmen zu hören waren und es ein dauerndes Hin und Her zwischen Wohnzimmer und Eingangstür gab. Jetzt waren es nur noch neun. Der nächste war der alte Herr mit dem Porzellanchinesen. Er erhängte sich am Fensterkreuz seiner Wohnung. Meist hielt mein Vater auch die Beerdigung der Verblichenen ab, doch irgendwann gab es mehr Beerdigungen als Männerkreise. In dieser Weise ging es weiter, bis nur noch zwei übrig waren und der Männerkreis aufgelöst wurde. Immer mal wieder denke ich an die Zeit der alten Männer zurück.

Wenn ich es mir überlege, gab es in meinem Leben nur einen alten Mann, den ich wirklich sympathisch fand und das war mein Großvater väterlicherseits. Ich weiß nicht, warum ich ihn sympathisch fand, denn eigentlich hat er nie mit mir gesprochen, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Dies lag zum einen wohl daran, dass ich spät geboren wurde und er früh starb, so dass dazwischen nur dreizehn Jahre lagen, in denen man sich aber nur alle zwei Jahre sah, da es weder meinen Großeltern, noch meinem Vater leichtfiel zu reisen, zum anderen hatte ich aber bereits in meinen ersten Erinnerungen an meinen Großvater den Eindruck, als hätte er eine gewisse Scheu vor mir, obwohl er selbst drei Kinder großgezogen hatte. Ich sehe ihn noch stumm auf dem Sofa in ihrer kleinen Stube sitzen, während ich mich auf dem Teppich mit der Spielkiste beschäftigte. Und auch als ich zwischen meinen Großeltern im großen Ehebett schlief, kann ich mich nicht erinnern, dass er etwas zu mir gesagt hätte. Nur dass er sehr kalte Füße hatte, worauf mich meine Großmutter lachend hinwies. Vielleicht war er ja schüchtern oder er interessierte sich nicht für Kinder. Oder vielleicht war es auch mein Neptun auf seiner Sonne und seinem Merkur, der mich für ihn nicht fassbar machte. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass er mich nicht mochte. Da ich als Kind ebenfalls sehr schüchtern war und nie fremde Erwachsene von alleine ansprach - fremd waren für mich fast alle außer meine Eltern - , kamen wir nie zusammen. Und trotzdem, selbst heute finde ich ihn auf Fotos noch sehr sympathisch und auf manchen von ihnen sehe ich außerdem eine andere, ausgelassene Seite an ihm, die ich nie persönlich kennengelernt habe. Ich berichtete bereits einmal, dass mein Großvater Gedichte geschrieben hat, zumindest bis zu seiner Heirat. Danach ist ihm das Dichten anscheinend vergangen. Mein Vater hat mir einmal das Heft mit seinen Gedichten gegeben und vor allem dieses eine, das im Refrain immer lautet: "Mein Mädchen hört ich singen", womit wahrscheinlich meine Großmutter gemeint ist, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Auch mein Vater hat früher Gedichte geschrieben, zumindest behauptet er dies, ich habe aber noch nie eines von ihm gelesen. Irgendwie scheine ich die väterliche Linie meiner Familie weiterzuführen, während mein Bruder ganz nach der mütterlichen und weiblichen Seite kommt. So kann es gehen.

Ich habe gerade

zugeschaut, wie eine Spinne ihr Opfer, einen kleinen Käfer, zugesponnen und gut verpackt mit den Hinterbeinen in ihre Vorratskammer unter meinem Balkonbalustradenabdeckblech (was für ein Wort) geschleift hat. Dem war nicht mehr zu helfen. Und wer weiß, was da noch alles gut versponnen hängt....

Fernsehtip

Heute um 19 h bei arte - "Die Ostsee", der erste Teil einer Natur- und Reisedokumentation. Der zweite Teil läuft morgen um die gleiche Zeit.

Wirrwarr an der Fachhochschule

Ich bin wieder an der Fachhochschule in einem Seminar. Die Dozentin meine ich zu kennen, jedoch fällt mir der Name nicht mehr ein. Sie versucht redlich, uns irgendwas zu vermitteln, jedoch macht fast der ganze Seminarraum Seins. Es ist furchtbar laut, weil alle durcheinander quatschen und keiner zuhört. Der Liebling der Seminarleiterin ist deshalb ein braunhaariges Mädchen, das außen allein an einer Bank sitzt. Anscheinend ist sie die einzige, die bei dem Seminar noch mitmacht. Allerdings scheint sie auch nicht viel Spaß dabei zu haben. Mein Kollege M. ist ebenfalls in dem Seminar. Als er mich sieht, sagt er meinen Namen und umarmt mich kurz. Wir gehen nun zu Mittagspause hinaus in die Kantine. Seltsamerweise trägt er im Traum einen langen Mantel und einen Ohrring. Auch ich trage einen langen braunen Mantel, was für mich gar nicht üblich ist. Nach der Kantine möchte ich die Fachhochschule verlassen, gehe dazu lange Treppen hinunter, die keine Stufen haben, sondern nur Fahrrampen, aber kurz vor dem Ausgang fällt mir ein, dass ich meinen Mantel irgendwo habe liegenlassen. Es ist kalt draußen, deshalb möchte ich nicht so gehen. Ich kehre also um und beginne meinen Mantel und auch meine Tasche zu suchen. Zwischendurch verwandelt sich die Fachhochschule in eine Art Krankenhaus und ich liege dort auf dem Gang und schaue in einen Spiegel an der Wand. Plötzlich höre ich laut diesen Song von Rammstein:

Man sieht ihn um die Kirche schleichen
seit einem Jahr ist er allein
die Trauer nahm ihm alle Sinne
schläft jede Nacht bei ihrem Stein
Dort bei den Glocken schläft ein Stein
ich alleine kann ihn lesen
und auf dem Zaun der rote Hahn
ist seinerzeit dein Herz gewesen
Die Furcht auf diesen Zaun gespießt
geh ich nun graben jede Nacht
zu sehen was noch übrig ist
von dem Gesicht das mir gelacht

Gleichzeitig sehe ich im Spiegel eine ganz in Schwarz gekleidete Gestalt zu mir herüberkommen. Erst ist die Situation beklemmend und angsteinflößend, da ich nicht weiß, wer das ist und was sie von mir will. Doch dann löst sich alles in Wohlgefallen auf, als mir einfällt, dass diesen Song "Die Ärzte" singen (was natürlich nicht stimmt) und die schwarzgekleidete Gestalt Bela B. von den Ärzten ist. Als er nähergekommen ist, plaudert er dann auch nur ganz locker und ich mache mich weiter auf die Suche nach meinem Mantel und meiner Tasche, welche mich noch in alle möglichen und unmöglichen Winkel führte.

Mantel
Psychologisch:
Je nach der Persönlichkeit des Träumenden ist der Mantel ein Traumsymbol für den Schutz, aber auch für die Verhüllung. Aber auch auf die Schutzbedürftigkeit von dem Träumenden bekannten Personen kann durch dieses Bild hingewiesen werden. Etwas wird verhüllt - ein Geheimnis, das man sich nicht entreißen lassen möchte, die Liebe, die man sich bewahren will. Zieht man sich einen neuen Mantel an, wird man nach außen hin glänzen und viel Verständnis für sich finden können. Ein zu weiter oder zu kurzer Mantel deutet an, daß man zwar den guten Willen hat, ein Geheimnis für sich zu behalten, daß es uns aber irgendwann einmal entfleuchen könnte. Wer sich selbst oder einen anderen mit einem Mantel zudeckt, möchte im Wachleben über irgend etwas den Mantel des Schweigens breiten. Spirituell: Der Mantel ist Sinnbild des Schutzes.

Volkstümlich:
(arab. ) : Dünkt es einen, er habe seinen Mantel verloren, wird er seines Reichtums verlustig gehen, in Not geraten und seine Macht verlieren, jemanden mit einem Mantel verhüllt sehen: Verstellung.
(europ.) : verlieren: Betrübnis und Not; man muß sein Glück zurückerobern, nachdem man bei Spekulationen zu gutgläubig war; - jemanden fest darin eingehüllt sehen: es besteht die Gefahr, durch Unaufrichtigkeit hintergangen oder geschädigt zu werden; auch Ankündigung eines Geheimnisses;

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zuckerwattewolkenmond - 2008/12/02 00:25
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Ist ja nett,
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weltentanz - 2008/12/04 00:04
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weltentanz - 2008/12/03 20:24
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