Von Hexen, Eulen und einer Geisteranthologie
Bei mir geht es gerade sehr geisterhaft zu, ja, Hexen schießen mir in den Rücken, Eulen fliegen durch meine Träume und eine neue Anthologie über die "Stadt voller Geister", bei welcher ich mitgewirkt habe, wurde veröffentlicht. "Die Eulen sind nicht, was sie scheinen" heißt es bei David Lynch und bei mir sind sie das auch nicht, denn seit ich mich mit meiner Kindheit beschäftige, begannen sie wieder zu fliegen und haben eindeutig eine Verbindung zu meiner Vergangenheit, denn der allererste Traum, an welchen ich mich als Kind von ca. 5 Jahren überhaupt erinnern konnte, war der einer riesenhaften sprechenden Eule. Jetzt tauchen sie ständig auf. Letztens träumte ich, aus einem Fenster zu schauen, während sich draußen etwas Bedrohliches zusammenbraute. Der Himmel wurde schwärzer und schwärzer, eine geradezu elektrische Spannung lag in der Luft, wie vor einem Gewitter, und ein Schwarm viel zu großer Eulen flog auf den Kinderspielplatz, den ich vom Fenster aus sehen konnte, ließ sich auf dem bunten Klettergerüst nieder und pickte auf die Kinder ein, die dort noch spielten. Ich schloß das Fenster, da klingelte es auf einmal an der Tür, klingelte immer wieder, aber ich wollte nicht aufmachen, um das Bedrohliche nicht hereinzulassen. Erinnerte sehr stark an Hitchcocks "Die Vögel", nur daß es eben Eulen waren. Diese wirken ja rein äußerlich noch unheimlicher, auch heute noch finde ich es etwas befremdlich, wenn ich eine Eule sehe, die ihren Kopf fast um 360 Grad drehen kann. Genau genommen sind es nur 270 Grad, aber das reicht auch schon. Wo Eulen sind, sind Hexen nicht weit und diese toben sich ordentlich an meinem Rücken aus. Im Dezember hatte ich den ersten Hexenschuß, eine kleine Bewegung, ein grausam stechender Schmerz und es ging gar nichts mehr. Trotzdem hatte ich im Dezember irgendwie ein gutes Gefühl, so als hätte sich etwas an den Wirbeln wieder eingerenkt und dorthin verschoben, wo es hingehört. Nach zwei Wochen waren die Schmerzen weg und ich hatte seitdem fast gar keine Schmerzen mehr. Der Rücken fühlte sich an, wie noch vor 10 Jahren. Doch dann, letzte Woche, eine winziges leichtes Vorbeugen und es war vorbei. Wieder der alte Hut, Schmerzen beim Husten, Niesen, Lachen, die bis in den Hüftknochen ziehen und einen nicht mal schlafen lassen, weil die kleinste Muskelzuckung auf den Nerv drückt. Ich habe das dumme Gefühl, der Wirbel hat sich erneut dorthin verlagert, wo er NICHT hingehört. Jetzt muß ich wohl auf den nächsten gnädigen Hexenschuß warten, der die Sache wieder rückgängig macht. Bis dahin versuche ich es wie immer mit Zumba. Vielleicht sollte ich mir den Wirbel, wenn er denn mal an der richtigen Stelle sitzt, festtackern lassen oder so.


zuckerwattewolkenmond - Fr, 20:17