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Mittwoch, 24. September 2008

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Warst unser Liebling alle Zeit, und bleibst es auch in Ewigkeit.

Warst unser Liebling alle Zeit

Riesenschnecken auf dem Friedhof

Ich darf mich bis Ende der Woche jeden Tag auf dem beheizten Wasserbett im Keller von meiner Ärztin vergnügen. Die Praxis ist zur Zeit zwar geschlossen, aber die Schwestern sind da und mummeln mich in eine Kuscheldecke ein bevor es losgeht. Dann hab ich Ruhe und kann meinen Gedanken nachhängen, während ich massiert werde. So angenehm das auch ist, muß ich doch sagen, an eine "handgemachte" Massage reicht so ein Massagebett nicht heran. Wahrscheinlich ist solch ein Bett auf Dauer kostengünstiger, aber ein richtiger Masseur (wobei ich nicht sagen will, daß der unbedingt männlich sein muß) kann ganz anders die wichtigsten Punkte im Rücken erspüren und bearbeiten, und den Druck optimal anpassen. Aber, ok, man ist ja schon froh, daß es noch keine Pflegeroboter gibt.

Nach dem Wasserbett bietet sich ein Spaziergang regelrecht an. Zuerst ging es an meiner alten EOS (Erweiterte Oberschule) vorbei.

Die alte Schule

Irgendwelche nostalgischen Gefühle kommen dabei aber weniger hoch, zumal ich eh die meiste Zeit geschwänzt habe. Es ist so eine wirklich alte Schule mit Physik- und Chemiehörsälen, in denen man an hölzernen Pulten sitzt, wie man sie auch aus dem Film "Die Feuerzangenbowle" kennt. Die alkoholische Gärung haben wir da allerdings nicht durchgenommen.

Danach führte mich der Weg auf einen Friedhof. An Friedhöfen mag ich am liebsten die alten und verwilderten Teile, in denen sich die Natur das Territorium wieder zurückerobert. Da stromer ich auch gerne mal zwischen den Wegen umher, man muß aber höllisch aufpassen, um nicht über irgendwelche zurückgebliebenen und überwachsenen Teile von Grabumrandungen zu stolpern. Auf diesem Friedhof war das verwilderte Gebiet wirklich riesig, fast schon ein richtiger Wald.

Friedhof 2

Friedhof 3

Friedhof 4

Friedhof 5

Friedhof 6

Friedhof 8

Auf dem Friedhof findet man aber nicht nur Grabsteine, sondern auch Eichhörnchen

Friedhof 9

Spechte

Friedhof 10

und Riesenschnecken.

Friedhof 11

So ein riesiges Schneckenhaus habe ich ehrlich noch nie gesehen. Vielleicht leben auf dem Friedhof ja mutierte, zweihundert Jahre alte Urschnecken, oder so. Da das Haus verlassen war, nahm ich es mit. Ich hoffe, es wird nicht irgendwann vermisst.

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Dienstag, 23. September 2008

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Es könnte ein Gödelsches Prinzip in der Metaphysik geben, demzufolge es für jedes Deutungssystem, das innerhalb des Bereichs einer zu interpretierenden Tatsache gebildet wird, mindestens eine unbeantwortbare Frage geben muß, nämlich die Frage bezüglich des Charakters dieses Bereichs als Gesamtheit.

Demgemäß kann es für die Erlösung/Befreiung auch aus einer theistischen Sicht kaum notwendig sein zu wissen, ob die Welt ewig ist. Wenn also die indischen Religionen ihre zeitliche Unendlichkeit behaupten und die semitischen Religionen eben dies leugnen, ist dies keine Auseinandersetzung, die Einfluß auf die soteriologische Wirksamkeit einer der beiden Gruppen von Traditionen hätte...Wir wissen also nicht nur nicht, ob die Welt ewig ist, sondern dieses Nichtwissen versperrt uns in keiner Weise den Weg zur Befreiung; darüber hinaus würde die Annahme, daß dies soteriologisch von Belang wäre, den Erlösungsprozeß wahrscheinlich nur behindern...
Solche Überzeugungen bezüglich transhistorischer Tatsachen sind in ihren jeweiligen Glaubenssystemen von unterschiedlicher Bedeutung, wobei sie am oberen Ende der Skala für ein gegebenes Lehrgebäude unverzichtbar sein können. Hieraus folgt aber nicht, daß dieses Gebäude selbst für die Erlösung/Befreiung unverzichtbar wäre. Es ist vielmehr das Gegenteil richtig, denn es erscheint wenig einleuchtend, daß unser endgültiges Schicksal vom Bekenntnis zu transhistorischen Sachverhalten abhängen sollte, über die wir nichts Endgültiges wissen.

Zu den wenigen Beispielen einer historischen Überzeugung einer Tradition, die in einer anderen Tradition ausdrücklich abgelehnt wird, zählen die christliche Lehre, daß Jesus am Kreuz starb, dem die koranische Lehre gegenübersteht: "Aber sie haben ihn nicht getötet und nicht gekreuzigt. Vielmehr erschien ihnen ein anderer ähnlich."(4,157), und die Überzeugung der Achmedija, daß Jesus die Kreuzigung überlebte, später starb und in Kashmir begraben liegt, sowie auch die Aussage der Thora, daß Abraham seinen Sohn Isaak beinahe am Berge Moria geopfert hätte (Genesis 22), gegenüber der koranischen Version (Sure 37, 91-111), daß es sein anderer Sohn Ismael war....
...Für manche Anhänger der einzelnen Traditionen sind solche Behauptungen grundlegende Glaubensartikel, die nicht überprüft und auch nicht im Lichte bereits vorhandener und neuer Erkenntnisse geändert werden können. Dies ist typischerweise die Haltung nicht nur der relativ ungebildeten Mehrheit, sondern auch vieler gelehrter Bekenner mit einer konservativen Grundhaltung. Man kann daher nicht behaupten, daß es psychologisch jedem möglich ist, Differenzen bezüglich der historischen Elemente seiner Tradition zu tolerieren. Man kann nur behaupten, daß einige Menschen - deren Zahl in der modernen Welt immer größer wird - solche Fragen nicht mehr als für ihren Glauben wesentlich erachten und darüber hinaus akzeptieren, daß unsere geschichtlichen Anhaltspunkte nicht ausreichen, um die meisten dieser Fragen endgültig zu klären.

(aus "Religion" von John Hick)

Assoziationen zu sowjetischen Ehrenmälern

Gleich in der Nähe von meiner Orthopädin befindet sich ein sowjetisches Ehrenmal. Also nutzte ich die Gelegenheit für einen Spaziergang. Ich mag diese Orte, was vor allem daran liegt, daß sie so leer und still sind. Man trifft in der Regel nur wenig Menschen dort. Die Assoziationen die mich beim Anblick der Ehrenmäler, insbesondere dieses einen heimsuchen, sind jedoch etwas merkwürdig. Ich kann mir nicht helfen, aber die Form des Ehrenmals erinnert mich stets an einen aufgerichteten Phallus, um das mal wissenschaftlich auszudrücken. Mit dem Gestrüpp, das auf der Spitze wächst, zeigen sich noch zusätzlich ganz spezielle Details, die ich hier nicht näher erläutern möchte. Und wenn ich dieses Ehrenmal anschaue, dann bildet sich in meinem Kopf und in meinen Gedanken immer nur die eine Botschaft: "Wir haben euch so richtig gefickt. (tatsächlich und symbolisch)"
Ich weiß nicht, ob man das als kunsthistorische Deutung gelten lassen kann, ich weiß auch nicht, ob das nur meiner Einbildung und zu versauten Phantasie entspringt, oder eventuell doch genau so als unterschwellige Botschaft gemeint war, aber ich kann nichts dafür. Ich kann wirklich nichts dafür. Ich sehe einfach nichts anderes. Und es ist nun absolut nicht so, daß mich ständig und überall solche Assoziationen plagen. Dann würde ich mir nämlich beginnen, Sorgen zu machen.

Sowjetisches Ehrenmal 8

Sowjetisches Ehrenmal 6

Sowjetisches Ehrenmal 7

Sowjetisches Ehrenmal 5

Sowjetisches Ehrenmal 4

Sowjetisches Ehrenmal 3

Sowjetisches Ehrenmal 2

Sowjetisches Ehrenmal 1

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Menschen, die etwas zu sagen haben, werden keine Redner.
(Finley Peter Dunne)

Das scheint mir auch so...

Montag, 22. September 2008

USA muß sich selbst helfen

Es gibt so seltene Tage, an denen man sich nicht über die Nachrichten ärgern muß. Der US-Finanzminister plant ein Rettungspaket in Höhe von 700 Milliarden Dollar zur Sanierung amerikanischer Banken, an dem sich, so die Idee Henry Paulsons, die G7-Partnerländer beteiligen sollten. Dies ist ab heute vom Tisch. Bravo! So langsam nimmt der Größenwahn der USA immer dreistere Formen an. Die Leute, welche die Finanzmärkte kontrollieren, kriegen den Hals nicht voll und wir schieben mal schnell ein paar Milliarden hinterher, um die selbstgemachten Krisen und deren Ausbreitung abzuwenden. Das grenzt ja schon an Erpressung.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,579723,00.html

Dieses Haus Gott bewahr' vor falschen Freunden und Gefahr

Dieses Haus Gott bewahr'

Ich wollte ja schon fast

an mir zweifeln, weil die Rückenschmerzen trotz all der Spritzen noch immer nicht weg sind und nur sehr langsam besser werden. Ich dachte schon, es ist wieder so eine psychosomatische Sch...., bei der man erst noch Depressionen kriegen und kurz davor sein muß, aus dem Fenster zu springen, damit einem geholfen wird, aber nein - als sich die Orthopädin die Röntgenbilder anschaute, meinte sie zu mir:
"Bei diesen Befunden darf es Ihnen noch weh tun."

Gut zu wissen, daß es mir noch weh tun darf, besser wäre natürlich, es täte es nicht. Dabei diktierte sie der Schwester, was diese in den Computer eintragen soll und erwähnte auch irgendeine IS-Arthrose, was immer das ist:

"Und vielleicht noch eine IS-Arthrose, oder? Ja....nein, lieber doch nicht. In diesem Alter gibt es noch keine IS-Arthrose." Schluß. Punkt.

Ich habe also die Erlaubnis, daß es mir weh tun darf, aber keine Erlaubnis für eine IS-Arthrose, ich mein, nicht daß ich scharf darauf bin. Allerdings hat die Arthrose der Wirbelgelenke ja auch nicht Halt vor meinem Alter gemacht, was letzten Endes wohl der Instabilität durch einen nicht zugewachsenen Gelenkbogen zu danken ist. Nachdem sie die Befunde diktiert hatte, erklärte sie noch: "In Ihrem Alter kommt sowas natürlich eher selten vor. Aber so ist das Leben."

Ja, so ist das Leben. Irgendwann kriegt es mich auch noch gebeugt.

Trotz Wind und Wetter

lasse ich mich noch immer nicht von draußen vertreiben. Die letzten Sonnenstrahlen, das letzte Licht tanken, bis die Finger klamm und blaugefroren sind, bis die Regentropfen zu hartnäckig auf das Gesicht prasseln. Krähenschwärme ziehen vorüber unter grauen Wolkenbänken, ein langer Abschied von der Freiheit des Sommers bis die Kälte mich wieder freiwillig in meinen beheizten Käfig treibt, dort, wo der Himmel so fern ist und das Leben so eng. Von den anderen Balkons ist nichts zu hören und auch aus den meisten Fenstern dringt kein Ton mehr. Während im Sommer eine Kulisse von menschlichen Lauten im Hof mitschwingt, ist jetzt alles still - nur die Krähen krächzen melancholisch oder aufgeregt. Die vielen kleineren Vögel rechnen nicht mehr mit menschlicher Besetzung. Manchmal fliegen sie bis zu einem Meter heran, bevor sie mich entdecken und sich erschrocken auf die Regenrinne retten. Von da äugen sie mißtrauisch, fast ärgerlich herunter. Ich fühle mich als Störfaktor in den emsigen Winter- und Reisevorbereitungen.

Sonntag, 21. September 2008

...

Der Sitz der Fantasie ist zugleich der Sitz der Furcht.
(Leo Perutz)

Aus der Rubrik "Coole Sprüche"

"Sie haben mich in meinem Schönheitsschlaf gestört!"

"Ja, das sehe ich. "


*lol*

Samstag, 20. September 2008

...

Trotz dieser Einschränkung der Analogie bringt der Begriff einer göttlichen persona gut zum Ausdruck, wie die Götter in Interaktion mit ihren Anhängern entstehen: Sie sind idealisierte Projektionen der Charaktermerkmale dieser Anhänger und gleichzeitig Manifestationen des WIRKLICHEN....
...Diese beobachtbaren Tatsachen legen den Schluß nahe, daß Mystiker innerhalb der verschiedenen Traditionen nicht unabhängig von ihrer kulturellen Konditionierung sind. Sie bleiben verkörperte Geister, die in ihrer Zeit und an ihrem Ort verwurzelt sind. Sie tragen auf dem mystischen Pfad ihre hinduistischen, buddhistischen, jüdischen, christlichen, muslimischen oder Sikh-Vorstellungen und Erwartungen mit sich und werden von ihnen zu jener Erfahrung hingeführt, die ihre Tradition ihnen verheißt. Dies untermauert die Hypothese, daß selbst in der tiefsten Einigungsmystik der Geist mit kulturspezifischen Begriffen operiert und die gemachte Erfahrung demgemäß eine Manifestation des WIRKLICHEN, nicht das postulierte WIRKLICHE an sich ist...
...Der Wert religiöser Traditionen und ihrer verschiedenen Elemente (Überzeugungen, Erfahrungsmodi, Schriften, Rituale, Schulungswege, Ethik und Lebensformen, sozialer Regeln und Organisationen) bemißt sich daran, ob sie die erlösende Transformation fördern oder behindern....
...Die soteriologische Transformation geschieht normalerweise im Kontext einer bestimmten Tradition (was in der Vergangenheit wohl praktisch immer der Fall war) und nimmt eine Form an, die durch die Tradition ermöglicht und anhand von in dieser entwickelten Kriterien identifiziert wird. Es gibt demzufolge buddhistische Heilige, muslimische Heilige, christliche Heilige und so weiter, nicht einfach nur Heilige. Es gibt allerdings ein entscheidendes gemeinsames Merkmal, das sowohl heute zu beobachten als in den Aufzeichnungen aus der Vergangenheit festzustellen ist. Dies ist die Transzendenz des Ich-Standpunktes, an dessen Stelle Hingabe an eine Manifestation des WIRKLICHEN oder eine konzentrierte Ausrichtung auf diese tritt, die dann Mitleid und Liebe zu anderen Menschen oder allem Leben hervorbringt.

(aus "Religion" von John Hick)

Das Osterkörbchen vom Wilden Kaiser

Der Wilde Kaiser beschwert sich, daß das Osterkörbchen, welches ständig an seinem Eßplatz steht und das er einmal von jemanden geschenkt bekommen hat, inzwischen leer ist. Es ist nur noch etwas Ostergras darin, aber keine Ostereier mehr. Ich frage ihn, warum er dann das Körbchen nicht wegwirft oder zumindest wegstellt. Er bedeutet mir daraufhin, daß er auf das Osterkörbchen auf seinem Frühstückstisch nicht mehr verzichten möchte, weil er sich so daran gewöhnt hat. Anscheinend mag er es sehr, obwohl keine Eier mehr darin sind, ob nun wegen des Körbchens selbst oder der damit verbundenen Erinnerungen, wage ich nicht beurteilen, vermute aber, daß es vor allem die Geste ist, die ihn daran hängen läßt.

Freitag, 19. September 2008

Von Glaubensfundamentalisten besetztes Verlagshaus

Mit einem leeren Einkaufswagen suche ich den Eingang zu einem Haus. Ich fahre eine kleine Rampe hinunter und lande auf einer großzügigen Treppe, wo die Rampe allerdings endet. Da es etwas schwierig sein dürfte, mit dem Einkaufswagen die Treppe hinunterzukommen, suche ich einen anderen Weg und finde im Haus neben der Treppe eine Fahrstuhltür. Oh prima! Dann stell ich mich jetzt mit dem Wagen in den Fahrstuhl, auch wenn ich noch nicht weiß, wo ich damit lande. Statt nach unten fährt der Fahrstuhl nach oben und ich steige in einem Flur aus. Anscheinend bin ich in einem Verlagshaus gelandet. Ich schlendere den mit Teppich ausgelegten Flur entlang (den Einkaufswagen habe ich wohl irgendwo stehen gelassen, denn der ist nicht mehr dabei) und mir fällt auf, daß überall auf dem Flur stehend oder sitzend Araber herumlungern. Der Flur macht eine Biegung nach links und auch hier steht eine dunkelhaarige, wahrscheinlich palästinensische Frau herum. Sie trägt vor sich auf der Brust das Foto von irgendjemanden angeheftet. Es scheint so, als würde sie für oder gegen etwas protestieren. Mir kommt es auch so vor, als würde sie einen Sprengstoffgürtel tragen, aber ich wage nicht, genauer hinzusehen, sondern mache, daß ich weiterkomme. Hauptsache, sie sprengt die Bombe nicht gerade jetzt. Der Flur macht erneut eine Biegung nach links und hier findet sich so eine Art Wartezimmer, welches ebenfalls voller Araber mit Turbanen auf dem Kopf ist. So langsam dämmert es mir, daß sie das Verlagshaus besetzt haben, wenn ich auch nicht weiß, was sie weiter planen. Eine Bombe? Friedliche Demonstration? Geiselnahme? Ich sollte machen, daß ich weg komme. Der Flur macht wieder eine Biegung nach links und mir wird klar, daß das gesamte Haus quadratisch ist und man, wenn man einmal durch den Flur gelaufen ist, an derselben Stelle herauskommt, wo man den Flur betreten hat. Inzwischen muß ich das Haus verlassen haben, da unterhalte ich mich mit jemanden. Eigentlich wollte ich von dem Verlag ein bestimmtes Buch oder Manuskript haben, das fällt mir aber jetzt erst ein. Die Stimme des Gesprächspartners, den ich nicht sehe, sondern der irgendwie nur in meinem Kopf ist, fragt mich, was ich mache, wenn man mir das Buch oder Manuskript nicht gibt. Ganz einfach, sage ich, ich werde über meine Mutter gehen, die in dem Verlag arbeitet, bzw. gearbeitet hat. Für mich ist es in diesem Moment so sicher wie das Amen in der Kirche, daß ich dann zu dem Buch oder Manuskript kommen werde. Also absolut kein Grund, sich über irgendwelche Eventualitäten den Kopf zu zerbrechen.

Donnerstag, 18. September 2008

Was spielt man hier?

Im Fernsehen läuft gerade irgendeine Live-Doku (oder wie die heißen) mit einer Frau, die in eine fremde Familie mit fünf Kindern gekommen ist. Da die Kinder den ganzen Tag an Fernseher, Gameboy oder Spielkonsole hingen, dachte sie sich, sie geht mit ihnen mal auf den Hof spielen. Sie standen dann also vor der Tür und was ich sah, brachte mich erst zum Lachen, später aber fand ich es wirklich erschreckend. Da standen sie also und die Kinder hingen wie bestellt und nicht abgeholt auf der Stelle, schauten sich gegenseitig an, schauten den Hof an, den sie gar nicht zu kennen schienen, und fragten sich anscheinend: Äh....Hof? Was macht man hier? Wie spielt man denn etwas? Was sollen wir hier tun?
In meiner Kindheit war draußen spielen das schönste überhaupt. Am liebsten von frühmorgens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Mütter hatten jede Mühe, uns überhaupt wieder zum Abendessen einzufangen. Und ich kann mich an kaum einen Moment erinnern, in dem wir uns gelangweilt hätten. Selbst wenn, fiel uns relativ schnell irgendein neues Spiel ein. Ok, zu unserer Zeit gab es noch keine Computer und Gameboys und im Fernsehen liefen nur fünf oder sechs Programme. Im Nachhinein bin ich recht dankbar dafür. Besonders würde mich interessieren, woran sich diese Kinder denn später erinnern werden. Werden sie überhaupt noch irgendeine Erinnerung an ihre Kindheit haben? Oder wird diese Zeit in einem eintönigen Geflimmer versunken sein?

Wie sah Caesar wirklich aus?

Die Primaten feierten gerade eine riesen Fete (inklusive Konfrontationstherapie gegen Kommentarphobie) und beschlossen: Heute werden wir mit den lebenden Gläubigen Dave Hunt von der Post abholen. Dann wird die Spinne angekrabbelt kommen und sich friedlich schnurrend direkt südlich der Tür hängen. Wenn es sie in einer dunklen Nacht nicht weggeweht hat, besitzen wir den Schlüssel zum lebendem Mer-Ka-Ba-Feld, und diese Entdeckung könnte irgendwann beweisen, daß Caesar wie Alice im Fashionland aussah.
Gewiefte Primatenjournalisten haben einen Riecher für Ideen, die die Körperoberfläche umspannen.

Tarantino in Babelsberg

Tarantino dreht seinen nächsten Film "Inglorious Bastards" ab Mitte Oktober in Babelsberg. Komparsen werden noch gesucht, insbesondere Menschen mit amputierten Armen und Beinen. Wer also einmal in einem Tarantino dabei sein möchte, sollte sich auf den Weg nach Potsdam machen. (Rückengeschädigte kann er in einem Kriegsfilm sicher nicht gebrauchen, nehme ich an. *gg*)

Mittwoch, 17. September 2008

Adams Äpfel

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Die besten Filme laufen bekanntlich nachts. Ich glaube, das wird irgendwann der meistgeschriebene Satz in diesem Weblog werden, aber ich bestehe darauf, ihn immer wieder zu zitieren, denn manchmal finde ich es schon fast erschreckend, was für Kulturgut "normalschlafenden" Bürgern vorenthalten wird. Heute um 1:25 h lief auf arte eine Wiederholung des Filmes "Adams Äpfel", der irgendwann vorher mal um 22:55 h ausgestrahlt worden ist. Die Handlung dieser dänischen schwarzen Komödie ist nicht ganz so einfach zu umschreiben. Ein Skinhead trifft in einer Resozialisierungsanstalt auf einen Landpfarrer. (Das erste, was er dort tut, ist das Kreuz in seinem Zimmer abzunehmen und ein Hitler-Porträt stattdessen hinzuhängen.) Es entspinnt sich ein Wettkampf zwischen Gut und Böse, allerdings nicht in gewohnter Art auf der Ebene der Handlungen, sondern in der Wahrnehmung und Weltanschauung der Protagonisten. Es geht weiter um das Buch Hiob, um Gott und Teufel und darum, wer von beiden Apfelkuchen haßt. Der Film ist so aberwitzig, daß er einen trotz der äußeren Rauhheit, Härte und Tragik ständig zum Schmunzeln und Lachen bringt. Einfach nur wunderbar verrückt, verrückt, verrückt... (Ach ja, und es ist sicherlich kein Zufall, daß ausgerechnet der Song "How deep is your love" von Take That darin vorkommt.)

Dienstag, 16. September 2008

Day Night Day Night

Die besten Filme laufen bekanntlich immer nachts. Leider hat sich an dieser Feststellung bisher nichts geändert. Das ZDF strahlte heute um 0.20 h in der Reihe "Glaubenskrieger" den Film "Day Night Day Night" aus. Der Film läuft ab 25.9.08 auch in den Kinos an. Im Fernsehen lief er nur mit Untertiteln, ich weiß nicht, ob das bei der Kinoaufführung anders sein wird. Es geht um eine junge Frau, die sich freiwillig als Selbstmordattentäterin zur Verfügung stellt:

'Jeder muss sterben. Manche haben einen Autounfall. Andere werden erstochen, erschossen oder erwürgt.' So versucht sich eine junge Frau (Luisa Williams) selbst zu beruhigen. Sie nennt sich Leah Cruz, doch der Name ist falsch. Sie fährt nach New York, doch die Stadt interessiert sie nicht. Ihr bleiben zwei Tage und zwei Nächte, bevor sie stirbt und viele fremde Menschen mit in den Tod reißen wird: Leah hat sich einer Organisation als Selbstmord-Attentäterin zur Verfügung gestellt und soll auf dem Times Square eine Bombe zünden.'

Der Film packte mich deshalb, weil mir die Handlungen der jungen Frau ein Rätsel blieben, ich aber gleichzeitig in ihren letzten Stunden mitlitt. Rätselhaft blieb für mich nicht nur, wie man sich freiwillig in die Luft sprengen kann (wobei mir die Gründe, warum sie es tun, bewußt sind, aber ich kann es halt emphatisch nicht nachvollziehen), sondern auch einige ganz alltägliche Dinge, die in dem Film ausführlich erzählt werden. Zum Beispiel gab es eine lange Szene, in der sie sich am letzten Tag super gründlich die Zähne putzt. Ich fragte mich die ganz Zeit, ob sie tatsächlich glaubt, daß ihr Karies jetzt noch schaden könne. Die letzten Tage und Stunden werden fast in Zeitlupe dargestellt und dadurch tritt der Effekt auf, daß manche ansonsten normale Handlungen doch relativ widersinnig wirken. Als der Moment gekommen war, in dem sie die Bombe auslösen wollte, stand ich kurz vor einem Herzinfarkt. Für mich gab es nur zwei mögliche Wege der Geschichte - entweder sie tut es und der Film ist aus oder aber, sie läßt den Rucksack irgendwo auf dem Klo stehen und macht sich aus dem Staub. Letzteres fand ich eher unwahrscheinlich, da ja der Fanatismus und der Gehorsam dieser Leute bekannt sind, trotzdem ertappte ich mich dabei, daß ich dem Fernseher zurief: "Tu's nicht, Kleine!" und mir wirklich von Herzen wünschte, sie würde plötzlich zur Besinnung kommen. Beim ersten Versuch tat sie es tatsächlich nicht, sondern pinkelte sich in die Hose. Und dann beim zweiten Versuch - nun ja, jedenfalls endete der Film doch überraschend anders als erwartet. Eine Frage an das ZDF hätte ich jedoch noch: Wenn solche Filme mitten in der Nacht gezeigt werden, wie soll man danach bitte schlafen können?

Ich versuche

wie jedes Jahr dem beginnendem Herbst noch immer den Sommer abzutrotzen, indem ich das Wetter einfach ignoriere und barfuß in offenen Schuhen, kurzärmlig und mit leichtem Strickjäckchen herumlaufe. Nach meinem heutigen abendlichen Ausflug ahne ich es aber schon - der Herbst wird auch diesmal wieder Sieger bleiben. *bibber*

Montag, 15. September 2008

Edgar Wallace - Der zweite Versuch

Im Moment steht mir der Sinn nicht nach Hochgeistigem und "Dracula" hat mich wieder auf den Geschmack des guten alten entspannenden Schmökerns gebracht, dem ich mangels geeigneten Materials in den letzten 20 Jahren kaum noch nachgegangen bin. Nun scheine ich diesmal ebenfalls kein gutes Händchen zu haben, denn ich dachte mir, ich versuche es erneut mit der dicken Ausgabe von fünf Edgar Wallace-Romanen. Diese hatte ich bereits vor ca. 10 Jahren einmal angefangen zu lesen, sie aber nach weniger als 50 Seiten irgendwo vergessen und auch nicht vermisst. Ok, dachte ich also, du hast jetzt Zeit und kannst dich dem Teil ganz Ruhe widmen. Immerhin hat mich das schon auf Seite 105 von 940 möglichen Seiten gebracht, aber wenn mich jemand fragen würde, was bisher geschehen ist, würde ich dumm dastehen und in arge Bedrängnis kommen. Gefühlt habe ich nämlich den Eindruck, daß absolut nichts passiert ist, was aber so nicht stimmt. Denn wenn ich ganz scharf nachdenke, kann ich mich an eine Explosion und einen Garten erinnern, immerhin. Und stets, wenn ich weiterlesen möchte, muß ich mühsam und manchmal erfolglos rekapitulieren, was für eine Person dieser und jener ist, sogar die Namen vergesse ich sofort. Nun ja, es könnten die Symptome einer beginnenden Alzheimer sein, aber ich bin frech und schiebe die Schuld ganz einfach auf den Autor. Irgendwie ist die ganze Story so belanglos und hastig geschrieben, daß selbst eine Explosion einschläfernd wirkt und die Personen vollkommen farblos und austauschbar bleiben. Vielleicht habe ich ja nur das Pech, daß der schlechteste Roman am Anfang steht - ich möchte gerne daran glauben. Und ich möchte ungern das Buch wieder irgendwo vergessen, um nach mehreren Jahren einen dritten Anlauf zu wagen. Könnte ja sein, daß ich dann die Geduld verliere.