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Montag, 26. Januar 2009

Urban Knitting

Bei Mart bin ich zuerst auf das Phänomen des Urban Knitting gestoßen. Und ich muß sagen, in meinen Augen ist es viel schöner und kuschliger als jedes Graffiti. Auch diesen Bus mit Strickkleid finde ich richtig cool. Wenn ich Stricken als Tätigkeit nicht so hassen würde, ich glaube, dann würde ich sofort anfangen, die nächste frierende Ampel zu bestricken.

Den ersten Katastrophentag

kann ich abhaken. Meiner Zahnärztin kam mein Gesicht bekannt vor, aber anscheinend erinnerte sie sich nicht mehr an das Goldinlay, mit dem sie mich vor Jahren belagerte. Meine Akte war wohl schon entsorgt und ich werde ihrer Erinnerung sicher nicht auf die Sprünge helfen. Dafür konnte ich sie anders überraschen, denn als sie hörte, daß ich neun Jahre bei keinem Zahnarzt war, erwartete sie scheinbar ein Ruinenfeld und war dann verblüfft, als sie nur einen kariösen Zahn fand, nämlich den, den ich selbst erst im Dezember entdeckte, nachdem mir ein Stückchen davon abbrach, und wegen welchem ich mir wieder einen Termin besorgt habe. "Also dafür, daß Sie so lange nicht da waren, sieht das wirklich gut aus." meinte sie und ich erklärte, daß ich eher gekommen wäre, wenn ich vorher was gefunden hätte. Natürlich hielt sie mir einen Vortrag, daß man doch regelmäßig....wegen Zahnstein....und überhaupt. Alles richtig - wenn sie mich nicht dauernd mit dem Goldinlay genervt hätte, obwohl ich ihr gesagt habe, daß ich keines will..... Daß ich nun doch wieder zu ihr gehe, liegt einfach daran, daß ich ihre Arbeit wirklich zu schätzen weiß. Alles, was sie bisher bei mir gemacht hat, sitzt bombensicher. Ich habe noch nie irgendwas verloren und sie gehört auch nicht zu den Zahnärzten, die ständig sinnlos irgendwo rumbohren. Also hoffe ich mal, daß das Goldinlay ihrem Gedächtnis vollständig entschwunden ist und ihr jetzt bessere Sachen einfallen. Der kariöse Zahn konnte noch problemlos plombiert werden, witzigerweiser äußerte sie, sie daß es kariesaktive und kariesinaktive Zeiten gäbe. Das kommt mir ebenfalls so vor, nur daß ich immer den Eindruck habe, daß diese kariesaktiven Zeiten kollektiven Charakter haben, denn als ich im Dezember wieder in eine kariesaktive Phase eingetreten bin, berichteten seltsamerweise zeitgleich um mich herum ständig Leute, daß ihnen plötzlich irgendein Zahn Probleme macht.
Jetzt kann mich seelisch und moralisch auf die morgige Beerdigung vorbereiten und vor allem sollte ich nicht vergessen, ein frisches Taschentuch einzustecken. Dieses werde ich bestimmt brauchen und das von heute sieht nach der Zahnbehandlung etwas blutig aus. Das kommt auf der Beerdigung wahrscheinlich nicht so gut.

Grauenhaft,

einfach nur grauenhaft wird diese Woche. Heute muß ich zum Zahnarzt und morgen zur Beerdigung. An den Donnerstag möchte ich auch nicht denken. Falls die Zahnärztin auf die Idee kommt, ohne Betäubung rumbohren zu wollen, dann stehe ich auf und gehe wieder, so viel steht fest. Die Beerdigung wird zwar nicht groß, da die Bekannten und Verwandten in Papas Alter ebenfalls schon alle gebrechlich sind, außerdem ist die Kapelle ziemlich winzig, aber trotzdem, ihn unter die Erde zu bringen wird noch einmal das Schlimmste. Ich glaube und ich hoffe auch, daß diese Woche die fürchterlichste des ganzen Jahres wird. Hoffen deshalb, weil man ja immer denkt, es kann nicht schlimmer kommen und sich dann wundert, daß man sich so irren konnte. Ich mein, ich könnte in zwei Monaten auch in einen der angedrohten Terroranschläge verwickelt werden oder in fünf Monaten geht die Welt unter. Schlimmer geht immer. Mir ist schlecht. Mir ist einfach nur schlecht. Am liebsten würde ich mich schlafen legen und erst übernächste Woche wieder aufwachen.

Sonntag, 25. Januar 2009

Auf arte

läuft heute ein "Zauberberg"-Themenabend und ich frage mich gerade, ob ich erst in ein Sanatorium eingewiesen werden muß, bis ich mal dazu komme, den Zauberberg zu lesen. Der Film hat mir zwar Lust darauf gemacht, aber bei meiner gesunden Lunge stehen die Chancen ziemlich schlecht. Den Tod in Venedig habe ich gelesen, ohne schon einmal in Venedig gewesen zu sein, aber damals hatte ich noch viel, viel Zeit nach der Schule. Ach ja, und den Dr. Faustus wollte ich auch noch lesen. Na vielleicht lebe ich lange genug, daß ich es als Rentner schaffe.

Die Entschlüsselung der DNA

Luftwürmer, welche sich unsichtbar durch die Luft fressen, gleich Holzwürmern durch das Holz, überall um mich herum. Exotische Pflanzen in seltsamen schillernden Farben und bizzaren Formen, an Fraktale erinnernd. Eine Stimme, die über die Entschlüsselung der DNA berichtet, dabei als Bilder geometrische Formen vor Augen. Beim letzten Satz: "Und schon ist das Geheimnis der Entschlüsselung der DNA gelöst!" - halb triumphierend und halb lässig (in einem Tonfall, als wolle die Stimme suggerieren, es sei doch alles total einfach) dahergesagt, erwache ich mit dieser geometrischen Form im Kopf:

Traum: Die Entschlüsselung der DNA

Dies ist nur eine grobe Skizze. Im Traum entsprach das innere Achteck genau dem äußeren, halt nur verkleinert und in exakter Formation zum größeren Achteck. Außerdem kann ich mich nur an vier Fluchtlinien erinnern, weshalb die anderen, die zu fehlen scheinen, gestrichelt angedeutet werden.
Es wundert mich, daß ich sowas träume, zumal ich mich damit zur Zeit überhaupt nicht beschäftige und sowieso nicht wirklich Ahnung habe. Also wenn der Traum etwas Konkretes sagen will, sollte er sich vielleicht besser an einen Genetikforscher wenden, der schon ewig darauf wartet (wie damals der Wissenschaftler auf die korrekte Strukturformel des Benzol, die endlich im Traum erschien). Erinnert auch an diesen "Chromosomen-Traum".

Donnerstag, 22. Januar 2009

Es ist Zeit!

Es ist Zeit!

Mittwoch, 21. Januar 2009

Spinat auf den Augen

Ich laufe heut schon den ganzen Tag mit einer Packung Tiefkühlspinat auf dem rechten geröteteten Auge herum. Es tränt und tränt und will einfach nicht aufhören. Aber noch lästiger ist, daß mir dabei auch ständig die Nase läuft. Das heißt, in der rechten Hand halte ich den Tiefkühlspinat und in der linken das Taschentuch. Ich hoffe, das hört irgendwann wieder auf. Spätestens zum nächsten Dienstag. Sooo verheult möchte ich selbst auf der Beerdigung nicht aussehen.

Dieser Amtseinführungsklimbim

interessiert mich ja herzlich wenig. Das Einzige, was mich interessiert, ist die Frage, was wohl in der ersten Nacht nach der Amtseinführung im Schlafzimmer des Weißen Hauses stattfindet und bei den vergangenen Amtseinführungen schon stattgefunden hat.

Dienstag, 20. Januar 2009

Also heute hätte ich

Lust, meine Zurückhaltung zu unterbrechen und mal wieder richtig anzuecken. Mir würde eine Menge einfallen, bei dem Zeug, das ich an diesem Tag bereits gelesen habe. Wenn mir nur nicht meine Zeit zu schade wäre. Ich könnte jedoch einen ausführlichen Rundumschlag in das Blog setzen und dann still und heimlich untertauchen....

Montag, 19. Januar 2009

In der Zeitung

habe ich gerade gelesen, daß am letzten Mittwoch um 14 Uhr das gesamte Kommunikationssystem der Bahn lahmgelegt war. Das muß innnerhalb von zwei Stunden nach dem Todeszeitpunkt gewesen sein. Mein Vater hat sein Leben lang immer wieder von Zügen geträumt, die er erreichen will oder verpaßt. Irgendwie finde ich die Vorstellung witzig, daß er schuld an dem Totalausfall gewesen sein könnte.

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Meine "Kinder"lieder - Brüder, zur Sonne, zur Freiheit



Brüder, in eins nun die Hände
Brüder, das Sterben verlacht
ewig der Sklaverei ein Ende
heilig die letzte Schlacht

Wenn die Kämpfer von damals wüßten, daß es nicht die letzte Schlacht gewesen ist....

Meine "Kinder"lieder - To i hola



Natürlich haben wir das Lied nicht auf Polnisch sondern auf Deutsch gesungen und die ersten beiden Strophen kann ich sogar noch auswendig. Das Lied hatte aber ein paar mehr Strophen, die muß ich verdrängt haben.

Um das Haus ringsumher
reiten schmucke Reiter
weil ich arm aber bin
reiten alle weiter

To i hola hola la...

Bin ich arm ohne Geld
nehm ich doch nicht jeden
will er mich muß er erst
mit der Mutter reden

To i hola hola la...

Sonntag, 18. Januar 2009

Am frühen Sonntagmorgen

war ich heute schon unterwegs und hatte einen weiten Weg vor mir, um meiner Schwägerin Nachhilfe an ihrem Computer zu geben. Immerhin bekam ich ein leckeres Essen dafür. Als sie das Mittagessen machte, ließ sie mich an ihrem Computer herumschrauben, um einige Fehler zu beseitigen, kam aber zwischendurch angeschlichen um mich vorsichtig darauf aufmerksam zu machen, falls ich auf eine Seite mit Privatamateuren stoßen würde, solle ich mich nicht wundern. Sie hätte die Adresse zwischen den Diktatpapieren ihres Chefs gefunden und wollte einmal schauen, wo der sich im Internet herumtreibt. Nun ja, dann glaube ich das mal.

Am frühen Sonntagmorgen

Es ist merkwürdig,

woran ich zur Zeit denke. Bei allem, was ich tue, meine ich seine Kommentare oder Bemerkungen zu hören, die er dazu gegeben hätte. Das war vorher nie der Fall. Und ich stelle mir manchmal vor, daß er von irgendwo zuschaut, was ich treibe, aber verwerfe den Gedanken sofort wieder, da er sich noch nie sonderlich für andere interessiert hat. Also wäre es zum einen unwahrscheinlich und zum anderen auch ok, denn er soll zusehen, daß er den Weg durch die samsarischen Täuschungen findet. Ich denke oft an seine Hände, diese fleischigen, immer warmen, mit tiefen Linien durchzogenen Pranken, die anscheinend nur Grobheiten kannten, und die zum Schluß so verkrüppelt waren. Aber ich sehe sie gesund vor mir und meine sie fast zu spüren. Ich denke an meine Hände, die so anders sind als seine, flach und mit kaum sichtbaren Linien. Und ich denke an die Hände von A., die nicht sehr fleischig sind, aber mit breiten Zeichnungen. Ich sehe sein Gesicht, stets mit Bart und noch voll und kräftig, leicht gebräunt, manchmal denke ich aber auch an das weiße kleine Etwas, das jetzt in Schöneberg in einem dunklen Kühlfach liegt. Diese Unwiederbringlichkeit ist schwer zu fassen, selbst wenn man weiß, daß es so sein muß.

Samstag, 17. Januar 2009

...

Der erste Augenblick einer Wahrnehmung ist immer hell und klar. Nur unsere Abgelenktheit verhindert, dass wir das erkennen und jeden Augenblick des Lebens mit echter Wertschätzung erleben.
(aus "Übung der Nacht" von TenzinWangyal Rinpoche)

Liquid Story Binder

Ich muß sagen, ich finde diesen Liquid Story Binder zum Schreiben richtig cool, denn eigentlich ist es nicht nur eine Textverarbeitung. Man kann inspirierende Bilder laden, Playlists für Musik während der Arbeit zusammenstellen, sich einen eigenen Arbeitsplatz frei erstellen, alle Fenster, Farben usw. sind editierbar, es gibt Funktionen für Storyboards, Zeitstrahlen, Checklisten, Dossiers, Gliederungen und Sequenzen, Zeit und Wörter werden automatisch mitgezählt - auch ein Ziel ist einstellbar, und der Character Generator - na ja , ich glaube, ich bleib doch lieber bei meinen eigenen Charakteren. Aber vor allem - er ist anders als Word portabel, läuft also auch auf USB-Sticks, arbeitet jedoch mit dem kompatiblen rtf-Format. Die deutsche Übersetzung ist allerdings noch nicht ganz ausgereift.

Workspace

Frankreich via S-Bahn

Durch irgendwen erfahre ich, daß ich jetzt von Berlin aus mit der S-Bahn bis nach Frankreich fahren kann. Das ist aber praktisch! Sollte ich direkt mal probieren und einen kleinen Ausflug machen. Am Alex gehe ich einen U-Bahn-Tunnel hinunter. Der Tunnel ist leer, bis auf einen einzigen Mann, der vor mir läuft und überall an die Seiten des Tunnels rote Kreuze malt. Aus irgendeinem Grund möchte ich ihn nicht überholen und schließlich gehe ich wieder zurück und eine schmalere Treppe nach oben. Hier bin ich richtig, denn hier ist der Bahnsteig, der nach Frankreich führt. Auf der Anzeigentafel steht groß "Troite de Stete". Dieser Ort ist mir unbekannt, es muß ein kleinerer sein. Doch bevor man in die S-Bahn steigt, muß man eine Sonderfahrkarte an einem Schalter lösen. Ich überlege mir, daß ich eigentlich doch keine Lust habe, dorthin zu fahren. Da ist ja kein Meer. Was soll ich irgendwo, wo kein Meer ist? Also lasse ich es und verlasse den Bahnhof wieder. Anscheinend weiß ich nicht wohin und streune völlig durchnäßt und heimatlos um den Alex herum. Später im Traum streune ich wieder durch Berlin, diesmal aber mit ganz anderem Gefühl. Ich habe eine Freundin, eine junge Frau kennengelernt. Diese trägt über normalen Feinstrumphosen Netzstrumpfhosen, deren Löcher so groß sind, daß es an den Beinen nur noch wie schwarze Paketschnüre aussieht. Etwas abgefahren, aber ich kann sie gut leiden. Mir ist klar, daß sie jünger ist und sich noch in einer anderen Phase befindet, die ich schon hinter mir habe. Arm in Arm schlendern wir nachts durch die Straßen von Berlin, um uns die Lichter der Stadt. Auf einer bogenförmigen Brücke legen wir uns mit dem Rücken mitten auf den Weg und schauen in die Sterne. Es ist ein tolles Gefühl, mit ihr durch Berlin zu spazieren. Das Empfinden von Heimatlosigkeit ist einem Empfinden von Vertrautheit, Entspannung und Abenteuer gewichen. Und ich sage zu ihr: "Es macht richtig Spaß mit dir nachts durch die Stadt zu streifen!"

Beim Aufwachen hatte ich diesen neuen Song, der immer auf einem Fernsehsender gespielt wird, im Kopf:

"Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht...."

Freitag, 16. Januar 2009

Eine Träne von Herrn Books

Ich stelle fest, daß das Arbeitszimmer von Herrn Books sich gleich neben dem Zimmer befindet, in welchem ich mich aufhalte. Die Tür steht einen kleinen Spalt offen und ich kann ihn durch den Spalt im Zimmer herumgehen sehen. Ich wage allerdings nicht zu stören oder hineinzugehen, sondern schleiche an der Tür vorbei wieder in mein Zimmer. Dort überlege ich, wie seltsam es doch ist, daß wir die ganze Zeit unsere Blogs lesen und schreiben und gar nicht wissen, wie wenige Schritte wir nur auseinander sind. Jetzt betritt Herr Books mein Zimmer und unterhält sich mit anderen darin. Mich erkennt oder sieht er nicht und ich mache auch nicht auf mich aufmerksam. Sein Gesicht ist nicht zu sehen, da hinter einem Blatt Papier versteckt, von dem er etwas vorliest. Er trägt einen edlen, glänzenden Morgenmantel, der an das viktorianische Zeitalter erinnert. Und da, an einer Stelle auf dem Morgenmantel entdecke ich die Bahn einer Träne, welche den seidigen Stoff vom Hals abwärts bis hinunter zur Taille kreuzte. Nanu?

Chinesische Weltanschauung und Religion zum Anfassen

Eine riesige Halle voller Reihen von Regalen, bzw. chinesischen Statuen, Bauwerken usw. Die Regale und Reihen stehen Längsseite neben Längsseite und nur ein kleiner, endlos langer Gang bleibt dazwischen. Auch die Regale sind voll belegt mit chinesischen Artefakten, steinernen Symboliken u.ä. Jemand dirigiert mich durch die Halle und gibt mir Aufgaben, mit denen ich mit Hilfe der hier gesammelten Artefakte die chinesische Weltanschauung und Religion lernen soll. Diese ist sehr bildlich, weshalb sich diese Art zu lernen dafür eignet, aber ungeheuer umfangreich. Die ganze Halle ist wie ein großes Lehrbuch und die Regale dessen Seiten. Ich soll zum Beispiel bestimmte Dinge suchen, gewisse Pfade finden oder irgendeinen Gegenstand wählen, in welchem ich mich verstecke. Außen sind an den Reihen wie in einer Bibliothek Zettel angebracht, auf denen Stichpunkte und Schlagwörter stehen. Beim Umherstreifen in den Gängen finde ich einen etwas größeren Zettel, der die grundlegendste Lehre überhaupt enthält, die, die niemals aus den Augen verloren werden darf. Sie lautet: "Alle Unregelmäßigkeiten sind egal. Es gibt keine Logik."

Donnerstag, 15. Januar 2009

Mit der letzten Ruhe

wird es nicht so weit her sein, auf dem kleinen Friedhof, der uns empfohlen wurde, da auf dem Wunschfriedhof keine "Kunden" mehr angenommen werden - alle Plätze voll belegt. Der kleine Friedhof, den wir uns heute angeschaut haben, liegt genau zwischen zwei größeren Straßen und der Verkehrslärm ist noch von überall zu vernehmen. Meine Mutter stört das nicht, sie sagt, wenn sie unter der Erde liegt, hört sie doch sowieso nichts mehr. Mich stört es komischerweise schon. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, irgendwo zu liegen, wo Verkehrslärm zu hören ist, selbst wenn ich dann eigentlich nichts mehr mitbekomme. Dafür ist es ein ziemlich alter Friedhof und mein Vater liegt dort in guter Gesellschaft mit einem berühmten Filmpionier. Und es gibt eine richtige alte Friedhofsmauer mit einer Hecke aus kegeligen Zypressen ringsherum, die irgendwie an die Toskana erinnern. Meine Mutter hat sich nun doch für eine Doppelgrabstelle entschieden, obwohl sie anscheinend überhaupt nicht viel davon hielt, neben meinem Vater zu liegen. Und ich glaube, sie hat das nur gemacht, weil mein Bruder und ich das für eine gute Idee hielten. Auf dem Nachhauseweg mit meinem Bruder meinte der plötzlich zu mir, er könne sich ja auch eine Grabstelle dort besorgen. Ich hab ihn angeschaut, weil ich dachte, er macht einen Scherz, aber irgendwie sah es beinahe so aus, als ob er das ernst meint. Also ich möchte mir heute noch keine Gedanken darüber machen, wo ich einmal liegen werde. Ich weiß nur, daß es still sein soll. Oder vielleicht werde ich doch lieber ein Diamant, den niemand haben will.