''Mir ist übel" - so beginnen normalerweise die Abkotzeinträge in vielen Blogs. Bei mir ist es heute nur eine ganz wortwörtliche und etwas überraschte Feststellung. Überrascht deshalb, weil die Übelkeit nach der Physiotherapiesitzung und einer Massage begann, die zugegebenerweise eine sehr handfeste war. Durchgeführt zwar von keiner
Nonne, aber von einer blonden jungen Frau, der ich so viel Kraft gar nicht zugetraut hätte. Nach der Massage hatte ich ein solch rotes Gesicht, als hätte ICH massiert, während sie nicht einmal ins Schwitzen gekommen ist. Die Massage war sogar noch fester, als die von dem jungen Mann in der ersten Sitzung und als ich zu ihr sagte: "Sie machen das aber gut." antwortete sie etwas abfällig: "Ist alles ziemlich hart hier" (womit sie meinen Rücken meinte). Ich vermute mal, daß mein Traum nicht nur in Hinsicht auf meine Muskeln recht hatte, sondern auch in der charakterlichen Einschätzung. Ein wenig hatte ich nämlich den Eindruck, daß die Freundlichkeit nur rein äußerlich vorhanden war, sozusagen in einem kundenorientierten Beruf antrainiert. Irgendwie merkt man es, ob freundliche Sprüche wirklich so gemeint sind, wenn man in anderen Momenten das Gesicht und die Augen beobachtet. Doch mir soll es egal sein, wenn sie es braucht, um einen so rabiat durchzuwalken. Denn ich hatte dabei das Gefühl, daß genau dies hilft. Und die Übelkeit nehme ich jetzt mal als positives Zeichen.
verschiedene Möglichkeiten, Geld auf den Kopp zu kloppen. Eine davon durfte ich gestern in Form eines Hochzeitalbums für sage und schreibe 570 € bewundern. Und darin sind noch nicht einmal die Negative der Fotos enthalten. Ich wüßte ja andere Dinge, die man mit dem Geld anstellen könnte, wenn man es unbedingt für's Heiraten ausgeben will. Man könnte es zum Beispiel sinnlos in Las Vegas verzocken, hätte aber wenigstens Spaß dabei gehabt.
hatte ich gerade. Allerdings nicht auf dem Balkon, sondern vor dem Fenster im anderen Zimmer, vor dem ich ebenfalls einen Balkonkasten zu stehen habe, in welchem ich aber nur ein Feuchtbiotop züchte. Ich saß gerade am Schreibtisch, als gleich drei Grünfinken im Balkonkasten landeten und neugierig durch die Fensterscheiben spähten. Ich hätte schwören können, daß sie mich erkennen. Vielleicht haben sie sich ja auch gewundert, daß sie mich so lange nicht mehr gesehen haben. Das liegt ausschließlich am Wetter. Bei dieser Kälte und Feuchtigkeit bleibe ich lieber drinnen.
Microsoft scheint nicht nur ein Vorreiter in der Softwaretechnologie zu sein (wobei ich mich bei dem Festplattenplatz, den die Programme benötigen, manchmal frage, warum sie sich nicht "Macrosoft" nennen), sondern auch in der Produktion von Verpackungsmüll. Ich habe mich ja früher schon oft über die riesigen Pappschachteln voller Luft aufgeregt, in denen eine CD-Rom und vielleicht noch ein Handbuch verkauft wurden. Diesmal habe ich mir eine Home-Version von Office OneNote 2007 bestellt und was ich bekam, schlägt dem Fass den Boden aus. Eine riesige PLASTIK-Packung voller Luft für eine einzige Scheibe und das noch sogar ohne Handbuch. Jetzt verstehe ich auch, warum das Zeug so teuer ist. Weil man nämlich die Produktion der sinnlosen Verpackungen gleich mitbezahlt. Allerdings habe ich weder den Platz, noch die Lust, mir eine kleine Scheibe in so einem Paket irgendwo hinzustellen, so daß ich die Packung wegwerfen und die CD in eine ganz normale CD-Hülle tun werde. Bill Gates mag zwar eine Villa haben, in der er Plastikkisten stapeln kann, ich aber nicht. Wieder ein Haufen Müll und rausgeworfenes Geld, diesmal jedoch noch schädlicher als Pappe, zumal ich mir gar nicht vorstellen möchte, was bei der Produktion schon an Energie verbraucht wird und an Giftstoffen entsteht. Und dabei würde eine kleine CD-Hülle mit Booklet völlig reichen. Langsam bekomme ich ebenfalls Lust auf ein Boykott von Microsoft.
Ein riesiger Aufbau von Tischen, anscheinend im Freien. Um die Tische herum sitzen ehemalige Mitschüler, bunt gemischt aus Polytechnische und Abi. Ich sitze noch nicht, sondern laufe zwischen den Tischen herum, denn ich habe irgendwelche Aufgaben zu verrichten. Mein Job ist nicht ganz abseits. Man zeigt mir eine große Kiste voller Erdnüsse, die ich sortieren soll und einige andere Dinge. Ich bin genervt und frage mich, wozu ich eigentlich meine Qualifikation habe - zum Erdnüsse sortieren? Außerdem reicht man mir ständig irgendwelche Karten oder Artikel hin, mit denen ich auch etwas machen soll, wohl katalogisieren. Unter anderem die Karten von zwei katholischen Priestern mit den anerkennenden Worten "Die schreiben sogar!", als wäre das bei katholischen Prirestern äußerst ungewöhnlich. Und ich schreibe im übrigen ebenfalls, aber das interessiert ja keinen. Nicht einmal wenn ich es sagen würde. Ich bin anscheinend nur für die grobe Arbeit gut. Aber ok, wenn es meine Aufgabe ist, dann ist es meine Aufgabe und dann werde ich es eben machen.
Etwas später suche ich mir auch einen Platz an den Tischen. Ich erwische gerade noch den letzten Stuhl und setze mich damit genau an den Platz, an dem eine sehr leckere Torte steht. Die Torte ist natürlich für alle, aber da ich nun genau davor sitze, muß ich innerlich kichern, weil es so aussieht, als wäre sie nur für mich alleine. Sie anzufassen wage ich allerdings nicht, auch wenn ich fast mit der Nase hineinfalle.
Durch einen Durchgang zu einem inneren Hof winkt die ehemalige Mitschülerin L.D. Sie zeigt mit ihren Handbewegungen, daß ich kommen soll. Ich gehe also auf sie zu und sie sagt, sie brauche unbedingt meine Hilfe. Ich müsse ihr sagen, was "Stola Gaga" aus dem Französischen übersetzt heißt. Upps. Na die will ja Sachen wissen. Ich antworte spontan: "Herrentasche, es heißt Herrentasche." Sie ist erfreut und erleichtert, und jetzt leuchtet es ihr augenblicklich ein. Natürlich. Obwohl, ich selbst bin nun nicht mehr so sicher. Stola ist doch mehr ein Halstuch. Eigentlich müßte es ein Halstuch sein. Als ich meine Bedenken zu der ersten Übersetzung äußern will, wischt sie sie sofort beiseite. Nein, Herrentasche sei richtig, das wisse sie genau. Nun ja, wenn sie meint...
Bemerkung:
"Frauen, die nachts von Nüssen träumen, sind unter einem wahren Glücksstern geboren. (ind. )" - Ich glaube, das gilt nur für Indien. *lol*
Als aber Jesaja noch nicht zum mittleren Hof hinausgegangen war, kam des HERRN Wort zu ihm:
Kehre um und sage Hiskia, dem Fürsten meines Volks: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich gesund machen - am dritten Tage wirst du hinauf in das Haus des HERRN gehen -, ...
(2. Könige 20.4-5)
Schöne Geschichte übrigens:
http://www.bibel-online.net/buch/12.2-koenige/20.html
Außerdem glaube ich, dass das Falten der Hände zum Gebet genau die entgegengesetzte Wirkung im Gespräch mit dem Schöpfer hat: Es sorgt dafür, dass das Gespräch mit dem Gott (in uns selbst) nicht stattfinden kann. Wer ein wenig Erfahrung mit Yoga und Meditation hat, weiß, dass durch das Kreuzen von Gliedern die kosmische Energie blockiert wird. Yogis und Zen-Priester legen die Fingerspitzen gegeneinander oder halten ihre Handflächen nach oben gekehrt, so dass durch das Bewusstsein der göttlichen Glückseligkeit das "Gespräch" mit dem Unterbewusstsein, die Kommunikation mit dem innersten Selbst entstehen kann.
(aus "Der Ruf der Mayas" von Wiek Lenssen)
war es heute. Diese hatte nämlich die falsche Entscheidung getroffen, sich auf meiner Strickjacke niederzulassen und wurde dort an der Bushaltestelle von mir entdeckt. Ich schnippte sie schnell herunter und sie landete unbeschadet auf dem Bürgersteig, war aber anscheinend nun etwas desorientiert, denn sie bemerkte nicht das Schicksal, das sich ihr in Form eines älteren Herrn mit großen Schuhen langen Schrittes näherte. Ein wenig hatte ich ja ein schlechtes Gewissen, als er sie so an seinem Schuh klebend mit sich fortschleppte. Das ist das Leben, eine falsche Entscheidung und du bist platt.
Ich sitze auf meinem Bett, welches mit der gelben Bettwäsche aus meiner Kindheit bezogen ist. Plötzlich bewegt sich die Bettdecke, als würde wer darunter sein, auch das Kopfkissen bewegt sich. Nanu? Schnell lüfte ich die Bettdecke und schaue hinunter, finde aber nichts. Ich schaue noch einmal genauer unter mein Kopfkissen und da finde ich schließlich meine (verstorbene) Katze. Huch! Sie hatte ich vor lauter Grünfinken ganz vergessen! Ich beginne sie zu streicheln und zu knuddeln und sie scheint sehr zufrieden, endlich wieder meine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ich hatte ja nun in der letzten Woche Gelegenheit, an verschiedenen freiwilligen Versuchskaninchen meine Kartenlegekünste auszuprobieren, und ich muß sagen, es war doch eine ziemlich interessante Erfahrung. Zum einen war ich selbst manchmal über die Karten überrascht, zum anderen empfand ich es als sehr lehrreich, was das Interpretieren betrifft, und vor allem hat es viel Spaß gemacht. Es ist etwas ganz anderes, als für sich selbst Karten zu legen, und irgendwie scheint es mir, als wären die Karten bei anderen klarer, es kann aber auch daran liegen, daß ich mich hier mehr von meiner Intuition lenken lasse, während ich ansonsten gerne zuviel nachdenke. Und mir ist aufgefallen, daß ich in mir stets eine leise Unruhe verspürte, einmal richtig katastrophale Karten zu legen. Vor dieser Situation hatte ich echt Bammel. Gute Karten dagegen freuen mich. Klar, wer überbringt schon gerne schlechte Nachrichten? Glücklicherweise kam es nicht zu dieser Situation.
Grinsen mußte ich, als ich auf dem Weg zur Physiotherapie ein kleines Geschäft für Reformartikel entdeckte, welches sich in seinem Reklameschild nach der Kirche benennt, die sich unweit von dem Laden befindet. Denn auf dem Schild stand: "xxxx-Kirche, Ch. Ketzer".
Jose: "Das ist eine der Ankündigungen aus den Kalenderprophezeiungen der Mayas: Die Beschleunigung der Zeit...Da sich der Maya-Kalender in völligem Gleichgewicht mit den kosmischen Zeitzyklen befand, war das Leben der klassischen Mayas in präzisem Gleichgewicht mit dem Kosmos und den Rhythmen der Natur."
Lloydine: "Im Gegensatz zu unserem Kalender, der eine völlige Zerrüttung zur Folge hat."
Jose: "....Unsere Zeitrechnung stimmt überhaupt nicht mehr mit den natürlichen Zyklen überein. Darüber hinaus dreht sich der Mond 13-mal im Jahr um die Erde und nicht 12-mal. Es müssen also 13 Monde on der Kalenderjahresrechnung sein."...
Aber seit der Einführung des gregorianischen Kalenders hat sich der Mensch immer weiter von dem Weg entfernt, der dem Gleichgewicht der Natur folgt. Warum? Weil wir durch unsere verkehrte Zeitwahrnehmung vom natürlichen Weg weggeführt wurden...
Ich hatte irgendwo gelesen, dass eines der wichtigsten religiösen Symbole der Mayas ebenfalls ein Kreuz gewesen war - noch bevor die Spanier nach Amerika kamen. Es gab noch mehr dieser unerklärlichen Übereinstimmungen zwischen den Mayas und den Christen. Der Popol Vuh, der Schöpfungsmythos der Mayas, war in seinen Anfangsworten eine fast buchstäbliche Wiedergabe des Buches Genesis: Die Geschichten über eine weltweite Sintflut (die übrigens in fast allen Kulturen zu finden sind), die Suche des Maya-Volkes nach einer Maya-Version des 'gelobten Landes', bei der sich ebenfalls das Wasser des Meeres teilt, um die Menschen hindurchzulassen.
All diese merkwürdigen Übereinstimmungen ließen die ersten Missionare noch glauben, dass es sich bei den Mayas eigentlich um ein verirrtes christliches Volk handelte. Diese Haltung änderte sich allerdings schnell, bis zu dem dramatischen Tiefpunkt, an dem der übereifrige Bischof Diego de Llanda den Befehl erteilte, die gesamte Pergamentbuchbibliothek der Mayas, in der ein großer Teil ihrer Kosmologie in piktographischer Schrift festgelegt war, auf einen riesigen Stapel zu werfen und zu verbrennen, als wären es die Verse des Teufels....
...Aber auch das Maya-Kreuz war im Endeffekt nicht genau das Kreuz, an dem sich der Querbalken nicht im oberen Drittel, sondern exakt in der Mitte befand...
...Die beiden Balken des Kreuzes verweisen neben den Windrichtungen auch auf Zeit und Raum: Der vertikale Balken ist symbolisch das Zeichen für den Ort, an dem wir uns befinden - das Hier, diese Erde, in Verbindung mit dem Himmel. Der horizontale Querbalken ist ein Zeichen für das Verstreichen der Zeit - ein Strich, der von links nach rechts verläuft....
War das nicht eine noch nie da gewesene Symbolik, dass zu Beginn des kosmischen Fischezeitalters vor zweitausend Jahren ein Mensch irgendwo auf einem Berg in dieser Welt ans Kreuz genagelt wurde?..Der Zeitbalke, aus der Mitte verschoben, war aus dem Gleichgewicht...
...der Mensch, der in diesem Fischezeitalter tatsächlich von der Verschiebung der Zeit gekreuzigt werden würde, der Verschiebung aus dem Jetzt, aus der Mitte, womit das große Leiden seinen Anfang nahm. Zum Ende des Fischezeitalters werden wir nun mit den Folgen dieser Verschiebung des Gleichgewichts konfrontiert: Niemand hat noch Zeit, wir alle rennen der Zeit hinterher, und der Mensch ist der Natur völlig entfremdet....
(aus "Der Ruf der Mayas" von Wiek Lenssen)
Meine Thermoskanne ist gerade explodiert, einfach so. Dabei hab ich nichts gemacht, außer vor zehn
Minuten heißen Tee einzufüllen. Normalerweise macht man das mit Thermoskannen. Wer wird da so empfindlich sein. Den Tee kann ich vergessen, die Kanne auch.
Die Shuar-Indianer sprechen davon, dass sich eine Traumwelt nähert, die vierte Dimension, die bis vor kurzem nur von Schamanen und unter dem Einfluss von Ayahuasca betreten werden konnte, aber die in nicht allzu langer Zeit für jedermann zugänglich werden würde, weil wir dann insgesamt auf ein höheres Niveau evoluiert wären, in dem wir problemlos Zugang zur Traumwelt hätten.
(aus "Der Ruf der Mayas" von Wiek Lenssen)
Der letzte Schmutzfink Grünfink hat es jetzt ebenfalls geschafft. Er hat zwar ein riesen Drama daraus gemacht, stundenlang ohrenbetäubend getschilpt, als würde er am Spieß gebraten und mindestens hundertmal seine Flügel gestreckt, um zu sehen, ob sie tatsächlich funktionieren, aber dann hat er es geschafft. Beim ersten Mal nur bis auf den gegenüberliegenden Ast, aber wenn man einen ganzen Tag später als alle anderen geschlüpft ist, hat man es halt nicht einfach. Noch die Babypuschel auf dem Kopf und schon fliegen müssen. Meine hoffnungsgrünen Pfingstfinken und Botschafter, die Flugsaurier und Puschelechsen sind fort. Vielleicht besuchen sie mich mal, jedenfalls sehe ich sie als Familienbande ab und zu über das Haus fegen. Und jetzt beginnt es zu grollen, zu regnen und wie bescheuert zu hageln- das erste Unwetter außerhalb des geschützten Nestes.
Meine Mutter hat jetzt die ersten 190 Seiten von "Der kleine Herr Luchterhand und das große Vergessen" gelesen und erklärt mir doch heute wahrhaftig, sie hätte mir das eigentlich insgeheim nicht zugetraut, so etwas zu schreiben. (So wenig Zutrauen hätte ich ihr wiederum nicht zugetraut.) Sie wußte zwar, daß ich einen Roman schreibe, dachte aber bei sich - na ja, wer weiß, was das wird. Lesen wollte sie ihn trotzdem und sie wurde angenehm überrascht, bezeichnet den Text als kurzweilig und spannend, genau richtig als Urlaubslektüre, hat aber natürlich auch einige Sachen auszusetzen. Sie behauptet, noch nie einen Mann gesehen zu haben, der Tagebuch schreibt. Hm, also ich höre und lese ständig von Männern, die Tagebuch schreiben, aber ok, Klaus Luchterhand ist nun nicht gerade ein Künstlertyp oder Intellektueller, bei denen das eher vorstellbar ist. Weiterhin meint sie, daß ich einen sehr humorvollen, ironischen bis hin sarkastischen Stil habe, manchmal sogar ein wenig zu locker (Ich glaube, sie meint damit die kackenden Zwerge. *gg*) und außerdem bemängelt sie, daß ich bei so einem Text, der mehr für "Normalbürger" ist und der Unterhaltung dient, so viele intelligente Details eingestreut habe, welche die meisten Leser gar nicht mehr verstehen würden. Nun ja, darauf kann ich nur antworten, daß ich persönlich Bücher, in denen ausschließlich Dinge stehen, die ich schon kenne und verstehe, meistens ziemlich langweilig finde und zum anderen, daß auch intelligente Menschen vielleicht irgendwann mal leichte Unterhaltung lesen wollen, ohne daß es sie anödet.
Wo zum Teufel ist der sechste? Fragte ich mich heute morgen, als ich beim besten Willen nur noch fünf Grünfinken finden konnte. Ich gehe mal vom positivsten aus und denke, daß er es bereits gewagt hat, zu fliegen. Der fünfte hat sich dann in meinem Beisein vom Balkon gestürzt. Jetzt sind es nur noch vier und die werden wohl auch nicht mehr lange da sein. Jedenfalls sitzen die Eltern ständig gegenüber im Baum und locken.
Edit 10 Minuten später:
Ist ja witzig. Jetzt sehe ich die beiden Entflogenen gegenüber auf der Baumspitze sitzen. Das müssen sie sein, weil sie viel kleiner sind als Vater und Mutter. Sie rufen ebenfalls und es ist ein heilloses Gepfeife, Getschirpe und Gezwitscher. Die im Nest verbliebenen bekommen immer noch Nahrungslieferungen. Ich frage mich, ob die anderen beiden sich ab jetzt ihr Essen selbst suchen müssen oder von den Eltern bei der Nahrungssuche eingewiesen werden.
Edit 10:08:
Eben wollte wohl der vierte einen Versuch wagen. Sie haben sich einen Geranienstengel wie eine Brücke bis über das Balkongitter gelegt und er trippelte darauf bis zum Ende, also quasi schon halb in der Luft, machte plötzlich aber kehrt und flatterte ganz schnell ins Nest zurück.
Edit 10:34:
Unten sehe ich gerade die Hofkatze herumschleichen. Ich hoffe, die Eltern haben den Kleinen schon gesagt, daß sie sich vor diesem samtpfötigen, grünäugigen Etwas mit scharfen Zähnen in Acht nehmen sollen.
Edit 10:53:
Mutige vor! Statt zu fliegen sitzen die restlichen Vier im Nest und putzen sich ihre Flügel. Man will ja gut vorbereitet sein auf den großen Moment und je gründlicher man sich mit den Flügeln beschäftigt, um so länger kann man im Nest bleiben und sich drücken.
Edit 11:25:
Upps, jetzt sind es nur noch drei. Und da, der nächste startet nun auch. Geht doch sehr gut. Er ist sogar gleich bis zum weiter entfernten Baum geflogen. Der Vorletzte saß erst minutenlang auf dem Geranienzweig und starrte versonnen in die Luft bis er sich endlich traute. Jetzt hockt nur noch der Kleinste verlassen im Nest, tschirpt aufgeregt, macht aber keine Anstalten zu fliegen.
Edit 14:10:
Das ist ja süß. Einer der Geschwister des verlassenen Nesthockers kam zurück ins Nest geflogen, um ihn zu besuchen. Der Nesthocker dachte allerdings, er würde etwas zu essen bekommen und sperrte den Schnabel weit auf, jedoch umsonst. Der Geschwistervogel fütterte ihn nicht, sondern suchte selbst neben dem Nest nach Nahrung, die er aufpickte. Ich frage mich, ob die Eltern den letzten überhaupt noch lange füttern, wenn er nicht fliegen will. Es ist übrigens der, der mir schon vorher Sorgen bereitet hat, weil er so schwach aussah. Ein Sorgenkind gibt es wahrscheinlich in jeder Vogelfamilie.
Heute um 20:15 h bei Pro7 -
"'Marie Antoinette", die Verfilmung des Lebens der französischen Königin von Sofia Coppola. Die sehr moderne und poppige Art der Darstellung hat dem Film viele kritische Stimmen eingebracht. Aber gerade weil er kein trockenes Historiendrama ist, sondern auf ganz neue Weise in der Dekadenz des Rokoko schwelgt, lohnt es sich, ihn anzuschauen. Er will ganz sicher nicht eine Geschichtsstunde sein, sondern ein sinnliches Erlebnis und dabei Parallelen zur heutigen konsumorientierten Jugend andeuten.
Die Flugstunden beginnen, es wird bereits fleißig Flügelschlagen geübt. Ihren Eltern gucken sie jetzt neugierig und aufgeregt in die Bäume hinterher. Und einer hat es mit viel Flügelschlagen sogar schon auf den Halm einer Geranie geschafft. Bravo!
Edit 10:23:
Ich habe das Gefühl, die Eltern wollen die Kleinen animieren zu fliegen, denn sie rufen immer vom gegenüberliegenden Baum herüber und die Kleinen schauen sehr unruhig und aufgeregt vom Balkonkastenrand.
(Rätselfrage: Wo ist der sechste Grünfink?)
Im Warteraum der Physiotherapie sehe ich an einem kleinen Tischchen meine Exkollegin A.L. sitzen. Sie erkennt oder beachtet mich nicht, ist ganz mit sich selbst beschäftigt, bis ich sie anspreche: "A....!" Sie blickt nur auf und legt gleich ohne Gruß oder einleitende Worte los sich zu beschweren, daß sie irgendeine gesundheitliche Sache damals nicht gleich dem Arbeitgeber gemeldet hätte. Anscheinend wurde dies durch die Arbeit verursacht, aber jetzt wird es nicht mehr anerkannt und sie hat den Schaden. Ich kann ihr da nur beipflichten, allerdings hätte ich das wahrscheinlich auch nicht gleich gewußt und erkannt. Wir warten gemeinsam und währenddessen erfahre ich, daß diese Physiotherapie von zwei Nonnen geführt wird. Die Nonne Heise sehe ich. Sie trägt zwar eine Nonnentracht, diese läßt aber trotzdem vorne ein tiefes Dekollete und sehr viel Goldschmuck hervorblitzen, nämlich ein breites Goldcollier, Goldarmreifen und -ringe. Irgendwie finde ich das ja etwas merkwürdig für eine Nonne, aber persönlich ist mir das egal. Ich gönne ihnen gerne Goldschmuck und tiefe Dekolletes. Nicht egal allerdings ist mir, daß diese Nonne sehr unbeliebt ist, weil sie so streng, unfreundlich und herzlos sein soll. Zum Glück meine ich zu wissen, daß ich zu der anderen Nonne komme, welche Hader heißt. Als ich an der Reihe bin, merke ich gleich, daß sie auch nicht gerade besonders herzlich oder freundlich ist. Etwas rundlich, mit einem aufgeschwemmten weißen Gesicht, hat sie merkwürdigerweise weiße Krümel an der Haut um den Mund herum, als würde sich dort die Haut lösen. Sie holt ein kleines Impfmesserchen hervor, damit will sie mir später noch in den Rücken schneiden. Mir ist zwar neu, daß man sowas bei der Physiotherapie macht, aber gut, wenn es hilft. Doch vorher untersucht sie erst einmal meinen Rücken und macht mich auf zwei rote Punkte an meiner linken Hüfte aufmerksam. Da habe sie ja schon geschnitten! Achso? Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Jetzt liege ich mit dem Bauch auf einer Liege und sie beginnt meinen Rücken zu massieren. Sie hat ziemliche Mühe damit und ruft immer wieder ärgerlich aus, wie hart dieser, bzw. meine Muskeln seien. Die kriege sie ja nie wieder weich.
Unter schwarzen Wolken, in stürmischer Höh',
tragen die Finken ihre Dornenkronen
und fiedern das Leid hoffnungsgrün.