Alien
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Freitag, 20. November 2009

aufbrüchig

Der Schrecken des Morgens
ist der Schrecken deines Antlitzes,
strahlende Flammenschwerter
verbrennen den Horizont,
ein Aschelied über der Erde,
tonlos und geisterhaft,
Schönheit und Grauen
im Dämmern der Wandlung

...

Einer, der uns nüchtern nach unserem Woher und Wohin fragt und uns gegen unseren Willen dahin zurückschickt, wo wir eben davonlaufen wollten, kann ein Bote Gottes, ein Engel sein.
(Sören Kierkegaard)

Seheiah (6. Engel)

Seheiah steuert die kosmische Energie. Er bzw. ermöglicht es, eine magische Zeit zu erleben. Es ist an der Zeit, Ihrer Intuition, die Sie zu den richtigen Lösungen führen wird, mehr Raum zu lassen. Schützen Sie sich nur vor Worten und Taten, die sich gut anhören, jedoch zu schlechten Zwecken eingesetzt werden.
Wenn Sie mit Seheiah in Verbindung stehen, lindern Sie menschliches Leid oftmals durch Ihre bloße Anwesenheit, auch wenn Sie sich dessen selbst nicht bewußt sind.

Donnerstag, 19. November 2009

Noch mehr Weihnachtsgeschenke

Eigentlich hatte ich nie vor, mir ein Engelorakel zu kaufen. Die meisten gefallen mir außerdem gar nicht. Bei Netto gab es heute jedoch eines, welches mir sofort spontan zusagte. Zum einen, weil es die echten Engelnamen verwendet und zum anderen, weil es im Ikonenstil gestaltet ist und ich ein großer Ikonen-Fan bin. Und für 3,99 EUR inklusive Buch ist es dazu noch ein echtes Schnäppchen. Aus diesem Grund habe ich außer für mich auch einige zum Verschenken mitgenommen. Inzwischen habe ich zusätzlich zu den eigentlichen, bereits längst vorhandenen teuren Weihnachtsgeschenken, jede Menge kleinere Geschenke gekauft. Es macht einfach so viel Spaß. Oh je...

Engelorakel

Mittwoch, 18. November 2009

Albertus Magnus

Aber ehe noch Herz und Füße sich ausgeruht hatten, mußte er wieder Ort und Tätigkeit wechseln. Das Leben hatte den erkannt, der nach ihm suchte: es liebte ihn wieder und bot ihm die Stufen, seine Höhe zu ersteigen, von selber an, zugleich damit das Wagnis und die Schwere...
(aus "Albertus Magnus - Pilger des Herzens" von Wilhelm Schmidtbonn)

Das Buch gibt es übrigens hier gratis als Ebook.

Zurück vom Konzert

Jazz war noch nie meine bevorzugte Musikrichtung und G.arb.arek kannte ich bisher gar nicht, aber es hat sich gelohnt. Unter Musikern gilt er als Geheimtip und dies war das einzige Konzert in Berlin. Ich gebe zu, Saxophon wird auch nach diesem Abend nicht mein Lieblingsinstrument werden, ganz besonders nicht Sopransaxophon, das mich immer wieder mal an schreiende Katzen erinnert, aber ich war überrascht, wie viele sanfte Töne G. ihm entlocken kann. Da klingt es mal nach Pan- und dann wieder nach tibetanischer Hirtenflöte, passend zu den jazzigen Ethnothemen. Besondere Einblicke hatte ich durch meinen Logenplatz auf das Schlagzeug. Schlagzeug konnte man es gar nicht nennen, es war mehr eine Geräuschfabrik. Der Schlagzeuger war ein Ehrengast und wohl sehr bekannt, den Reaktionen nach zu urteilen, als er angekündigt wurde. Er sah aus wie ein Sufi und bewegte sich auch so an seinen Arbeitsinstrumenten. Derwischartig fegte er in seinem dreiwandigen Kämmerlein voller Utensilien umher. Sogar einen Wassereimer mit Wasser gab es, nicht nur für echtes Wasserplätschern, sondern er schepperte mit einer Hand den Tragegriff hin und her, während er mit der anderen und einem Paukenschlegel gegen den Eimer schlug. Zwischendurch versenkte er dabei einen Gong im Wasser, der je nachdem, wie tief er im Wasser hing, völlig unterschiedliche Töne hervorbrachte. Würde ich so etwas tun, wäre es nur Lärm. Bei ihm war es echte Musik. Witzig war auch, daß unsere Loge sich so nah am Schlagzeug befand, daß ich bis zu mir hoch die Vibrationen spüren konnte. Und ich saß sehr weit oben. Den Abend war deshalb gleichzeitig eine Art Konfrontationstherapie gegen meine Höhenangst, denn die Logen sind nicht nur weit oben, sondern auch sehr steil. Beim Sitzen hat man quasi den Eindruck, mitten in der Luft zu hängen, was bei mir das eine oder andere Schwindelgefühl erzeugte. Zum Glück gab es an meinem Sitz vorne einen Haltegriff zum Festhalten.

Vor dem Konzert 2

Vor dem Konzert

Montag, 16. November 2009

Traumsplitter

Elsa gibt mir ein längeres Schriftstück, welches ich lesen soll, denn sie möchte mich um einen Gefallen bitten, bzw. etwas fragen. Vielleicht ist es ein Brief. Ich lese den Text sehr gründlich und aufmerksam, Wort für Wort, es geht wohl um einen Mann aus Berlin, bzw. das Schriftstück ist von einem Mann aus Berlin. Sie möchte wissen, ob Berlin 3 und Berlin 4 oder Berlin 5 und Berlin 6 richtig ist. Ganz spontan tippe ich auf Berlin 5 und Berlin 6, weiß es aber leider nicht hundertprozentig. Sie scheint etwas enttäuscht und ich sage zu ihr, daß man das ja ganz einfach im Postleitzahlenverzeichnis nachschauen könne. Ich hätte sogar eines da. Aber das muntert sie nicht auf. Sie wollte es wohl unbedingt von mir wissen. Plötzlich bemerke ich, daß ich mitten in einer riesigen Pfütze Blut stehe, und denke bei mir: "Hey, ich sollte heute nicht zur Arbeit gehen!"
Nach dem Aufwachen dachte ich sofort: "Hey, nach so einem Traum solltest du heute nicht zur Arbeit gehen. Lust habe ich sowieso keine.". Ich war dann aber doch und es gab keine besonderen Vorkommnisse.

Samstag, 14. November 2009

Samstagabendstöckchen

Von Bibi gemopst:

1. Sechs Namen, auf die du hörst:
Sanne - mein primärer Rufname, auch in diversen Abwandlungen,
Schnecke - nur meine Mutter nennt mich so,
Zicke - nur mein Vater nannte mich so, und eine gewisse Dame,
Susi, Suse,
und wenn es ernst wird - Susanne.

2. Drei Dinge, die du gerade trägst:
-rotes Korallenarmband
-Silbercreolen
-Tunika

3. Drei Dinge, die du dir wünscht:
-eine neue Küche, möglichst ohne Arbeit
-den Rücken einer Zwanzigjährigen
-lange und sorglose Sommer

4. Drei Dinge, die du gestern, gestern Nacht und heute getan hast:
-die Router-Firmware geupdatet, aber T-Online läßt mich immer noch nicht rein
-Geburtstag gefeiert
-zwei plötzliche Eingebungen für die neue Küche notiert

5. Zwei Dinge, die du heute gegessen hast:
-Joghurt
-Fenchel-Auflauf

6. Zwei Leute, mit denen zu zuletzt telefoniert hast:
-Kumpel und Mutter

7. Zwei Dinge, die du morgen tun wirst:
-Wäsche waschen
-ein neues Buch anfangen

8. Drei Lieblingsgetränke:
-Cola
-Grapefruitsaft
-Weiße, am liebsten pur

Die Rache der Tiere

Den gesamten Traum hindurch halte ich mich für wach, was die Sache noch sonderbarer erscheinen läßt. Während ich im Bett auf dem Rücken liege, fällt mein Blick auf eine sich neben mir erhebende Ecke eines Hauses. Eigentlich ist es keine Ecke, sondern mehr ein angebauter runder Turm, der oben flach abgeschlossen ist. So ensteht eine kleine Plattform, während dahinter spitze Ziegeldächer zu sehen sind. Auf dieser Plattform entdecke ich drei schillernde Enten. Wahrscheinlich machen die eine kurze Flugpause, und im gleichen Moment, als ich das denke, fliegen sie auch schon weiter. Doch die Plattform ist jetzt nicht leer. Je länger ich hinschaue, um so mehr Tiere entdecke ich darauf. Erst ist eine bunte Taube, dann andere Vögel, sogar zwei sehr große graue Geier. Ein Koalabär ist zu erkennen, ein Äffchen und inzwischen ist es so voll, daß sich die Tiere drängen und die einzelnen nicht mehr so exakt auszumachen sind. Was wollen die alle da oben? Während ich mich das noch frage, bemerke ich, daß sie inzwischen sehr gebannt zu mir hinunterstarren. Ich starre zurück und beginne mich zu fragen, ob ich träume. Aber nein, ich bin mir hundertprozentig sicher, daß ich völlig wach bin. Um so schockierter bin ich deshalb, als ich plötzlich die Tiere Kameras zücken sehe, mit denen sie mich fotografieren. Wie eine Schar Touristen stehen sie da oben. Ich glaube, ich spinne! Das gibt es doch gar nicht! Was soll das werden? Ist das vielleicht die Rache dafür, daß ich meinerseits Tiere fotografiert habe? Noch immer etwas geschockt, stehe ich auf und verlasse das Bett, gehe in meine Zimmer hinein. Und noch immer überlege ich, ob ich das alles nur träume, aber komme zu der festen Überzeugung, daß dies ausgeschlossen ist. Ich bin schließlich hellwach! Mir fällt auf, daß das Fenster offen steht und die Zweige eines Baumes bis in mein Zimmer hineingewachsen sind. Sehr merkwürdig! Wie konnte der Baum so schnell wachsen? Das Fenster stand doch nur ein paar Stunden offen? Aber statt mir weiter darüber Gedanken zu machen, bewundere ich die Schönheit der glutroten Blätter. Sie sind oval mit lanzettenförmiger Spitze und haben um das atemberaubende Rot herum einen weißen Rand, der wie Raureif wirkt. Außerdem sind sie sehr vereinzelt angeordnet, so daß die Zartheit und Feingliedrigkeit der Zweige und die Blätter selbst sehr dekorativ zur Geltung kommen. Zu meiner Überraschung muß ich feststellen, daß sie nicht nur durch das Fenster hereinwachsen, sondern auch aus dem Spiegel an der Wand daneben hinaus, so als wäre dieser Spiegel ebenfalls ein Fenster. Dabei ist dahinter nur Wand. Unglaublich!

Freitag, 13. November 2009

Das Universum

scheint mich zu verspotten. Von allen Seiten dieselbe Nummer und anscheinend ohne jede Probleme. So langsam frage ich mich, warum ich mir eigentlich so viele Gedanken um etwas gemacht habe, das gar nicht so unüblich und scheiterungsschwanger ist.

Reform der Deutschen Sprache nach Mark Twain

Die Deutschen scheinen keine Angst davor zu haben, ein Wort zu wiederholen, wenn es das richtige ist. Sie wiederholen es sogar mehrmals, wenn sie wollen. Das ist klug. Aber wenn wir im Englischen ein Wort in einem Absatz mehrmals verwendet haben, bilden wir uns ein, tautologisch zu werden, und dann sind wir so schwach, daß wir es gegen irgendein anderes Wort auswechseln, das der genauen Bedeutung nur nahekommt, um dem zu entgehen, was wir fälschlich für den größeren Makel halten. Wiederholung mag schlecht sein, aber bestimmt ist Ungenauigkeit schlimmer.

Es gibt in der Welt Leute, die sich ziemlich viel Mühe geben, die Mängel an einer Religion oder Sprache aufzuzeigen, und dann gelassen ihrer Wege gehen, ohne Abhilfe vorzuschlagen. Ich bin kein Mensch dieser Art. Ich habe bewiesen, daß die deutsche Sprache reformbedürftig ist. Nun gut, ich bin bereit, sie zu reformieren. Zumindest bin ich bereit, die geeigneten Vorschläge zu machen. Ein solches Vorgehen wäre bei jemand anderem unbescheiden; aber ich habe alles in allem mehr als neun Wochen einem gewissenhaften und kritischen Studium dieser Sprache gewidmet und daraus ein Zutrauen zu meiner Fähigkeit gewonnen, sie zu reformieren, das mir eine bloß oberflächliche Bildung nicht hätte verleihen können.

An erster Stelle würde ich den Dativ fortlassen. Er bringt die Plurale durcheinander; und außerdem weiß man nie, wann man sich im Dativ befindet, wenn man es nicht zufällig entdeckt - und dann weiß man nicht, wann oder wo man hineingekommen ist, wie lange man schon drin ist oder wie man jemals wieder herauskommen soll. Der Dativ ist nur eine närrische Verzierung - es ist besser, ihn aufzugeben.

Als nächstes würde ich das Verb weiter nach vorn schieben. Man kann mit einem noch so guten Verb laden, ich stelle doch fest, daß man bei der gegenwärtigen deutschen Entfernung nie wirklich ein Subjekt zur Strecke bringt - man verletzt es nur. Deswegen bestehe ich darauf, daß diese wichtige Wortart an einen Punkt vorgeschoben wird, wo sie mit bloßem Auge leicht zu erkennen ist.

Drittens würde ich einige kräftige Wörter aus der englischen Sprache importieren - zum Fluchen und auch, um alle Arten kräftiger Dinge kräftig auszudrücken. (Anmerkung: „Verdammt" und seine Abwandlungen und Erweiterungen sind Wörter, denen viel Bedeutung innewohnt, aber der Klang ist so mild und wirkungslos, daß deutsche Damen sie gebrauchen können, ohne sich zu versündigen. Deutsche Damen, die man durch keinerlei Überredung oder Zwang dazu bringen könnte, eine Sünde zu begehen, stoßen sofort eines dieser harmlosen kleinen Wörter aus, wenn sie ihr Kleid zerreißen oder die Suppe ihnen nicht schmeckt. Es klingt ungefähr so verrucht wie unser „My gracious!" Deutsche Damen sagen immerzu "Ach Gott!", „Mein Gott!", "Gott im Himmel!", "Herrgott!'" "Herr Jesus!“ und so weiter. Vielleicht glauben sie, unsere Damen hätten denselben Brauch, denn ich habe einmal eine freundliche und liebe alte deutsche Dame zu einem reizenden, jungen amerikanischen Mädchen sagen hören: "Die beiden Sprachen sind sich so ähnlich - wie nett; wir sagen „Ach Gott!" und Sie sagen ,Goddam!").

Viertens würde ich die Geschlechter reorganisieren und sie entsprechend dem Willen des Schöpfers verteilen. Dies als Ehrfurchtsbeweis, wenn schon nichts anderes.

Fünftens würde ich diese großmächtigen, langen, zusammengesetzten Wörter beseitigen; oder den Sprecher auffordern, sie in Abschnitten vorzubringen, mit Pausen zum Einnehmen von Erfrischungen. Das beste wäre, sie gänzlich zu beseitigen, denn Ideen werden leichter aufgenommen und verdaut, wenn sie einzeln kommen, als wenn sie in einem Haufen anrücken. Geistige Speise ist wie jede andere; es ist angenehmer und bekömmlicher, sie mit einem Löffel einzunehmen, statt mit einer Schaufel.

Sechstens würde ich einen Sprecher auffordern, aufzuhören, wenn er fertig ist, und seiner Rede nicht eine Girlande dieser unnützen „haben sind gewesen gehabt haben geworden seins“ an den Schwanz zu hängen. Kinkerlitzchen dieser Art entehren eine Rede, statt ihr einen zusätzlichen Reiz zu verleihen. Sie sind daher ein Ärgernis und sollten verworfen werden.

Siebentens würde ich die Parenthese abschaffen. Ebenso die Unterparenthese, die Unterunterparenthese und die Unterunterunterunterunterunterparenthesen sowie die abschließende, weitreichende, allumfassende Hauptparenthese. Ich würde von jedem einzelnen, hoch oder niedrig, verlangen, daß er eine einfache, gradlinige Erzählung entwickle oder aber sie zusammenwickle, sich darauf setze und still sei. Übertretungen dieses Gesetzes sollten mit dem Tode bestraft werden.

Und achtens und letztens würde ich „Zug“ und „Schlag“ mit Ihren Anhängseln beibehalten und den Rest des Vokabulars verwerfen. Das würde die Sache vereinfachen.

Nun habe ich angeführt, was ich als die notwendigsten und wichtigsten Änderungen betrachte. Man kann wohl kaum erwarten, daß ich umsonst noch mehr nennen würde; aber es gibt weitere Vorschläge, die ich machen kann und werde, falls meine beabsichtigte Bewerbung zur Folge hat, daß ich von der Regierung in aller Form dazu angestellt werde, die Sprache zu reformieren.

Meine philologischen Studien haben mich davon überzeugt, daß ein begabter Mann Englisch (ausgenommen Rechtschreibung und Aussprache) in dreißig Stunden lernen kann, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren. Es hegt also auf der Hand, daß die letztgenannte Sprache gestutzt und ausgebessert werden muß. Wenn sie so bleiben sollte, wie sie ist, müßte man sie sanft und ehrerbietig bei den toten Sprachen absetzen, denn nur die Toten haben Zeit, sie zu lernen.

(aus "Bummel durch Europa" von und mit Mark Twain)

Donnerstag, 12. November 2009

In-Mich-Traum

Es war ein "In-Mich",
das träumte vom Winter
als wäre er ein Sommer,
und schwelgte in Weiß
als wäre es Bergesgrün,
pflückte die Eiskristalle
als wären es Blumen.
Es lauschte den Raben
als wären es Amseln
und küsste das Blau
wie einen Rosenmund.
Es wärmte sich am Winterherz
als wäre es die Sommersonne,
der Herzschlag eine
Grillenserenade.
Dann erwachte es
und es war grauer Herbst.

Meister des Zen

Bürounterhaltung zwischen Herrn N. und einer Kollegin. Sie bittet ihn, bei einer Prüfakte doch unbedingt noch ein bestimmtes Formular auszufüllen, auf welches viel Wert gelegt wird, das er jedoch gerne unter den Tisch fallen läßt.
Er, etwas unwillig: "Reicht doch, wenn ein Stempel drin ist."
Kollegin, beschwörend auf ihn einredend: "Herr N., Sie wissen doch, wie sich hier alle immer einkacken."
Er: "Na und, sollen sie doch. Deswegen muß ich hier ja nicht gleich wegen diesem Schwachsinn wirbeln, wenn es noch gar keinen interessiert. Gehandelt wird erst, wenn se gekackt haben und es anfängt zu stinken."

Edit: Es nervt, wenn beim Emailbloggen neuerdings nur die Überschrift ankommt.

Mittwoch, 11. November 2009

Zehn und ein halbes

(dem hellsichtigen Kind)

Brennnesselhemden, die ich flechte,
sind die Sätze, an denen ich brenne,
die Worte, die ich verknüpfe,
die Zeilen, die ich binde zu Leben.
Doch der Empfänger bleibt unbekannt,
der Sinn ist verborgen und tröstet nicht.
„Es ist anders.“ möchte ich sagen
denen, die richten über mich -
wäre nicht Stummheit der Preis
für einen Zauber, dessen Wirkung
ungewiss ist.

Dienstag, 10. November 2009

...

Als ich damals in Venedig war, hatte ich wohl kein Gemälde gefunden, das mich sehr bewegt hätte; aber diesmal gab es zwei, die mich Tag für Tag zum Dogenpalast lockten und mich stundenlang dort festhielten. Eines davon war Tintorettos drei Morgen großes Gemälde im Saal des Großen Rates...
...Ich bin täglich dort hingegangen und nicht müde geworden, dieses großartige Bild zu betrachten. Wie ich angedeutet habe, ist seine Bewegtheit beinahe unvorstellbar stark, die Gestalten singen, hosiannaen, und viele blasen Trompete. So lebhaft drückt dieses Bild Lärm aus, daß Beschauer, die sich hineinvertiefen, fast immer anfangen, ihre Kommentare einander in die Ohren zu schreien und aus gekrümmten Händen Schalltrichter zu machen, weil sie fürchten, sie wären sonst nicht zu hören. Oft sieht man, wie ein Tourist, dem verräterische Tränen die Wangen hinabrinnen, die Hände trichterförmig an das Ohr seiner Frau legt und hindurchbrüllt: "Oh, dort zu sein zu ewigem Frieden!"

(aus "Bummel durch Europa" von und mit Mark Twain)

Tintoretto im Dogenpalast

(Ich finde ja, das die Bilder Tintorettos bis auf wenige Ausnahmen alle ziemlich "laut" sind, selbst wenn man sie nur am Bildschirm betrachtet.)

Die unglaubliche Rätselhaftigkeit des Seins

Ich betreute einmal einen Klienten, der hatte blonde, halblange und echte Engelslocken, blaue Augen und hieß mit Nachnamen Seraphin. Wenn ich nach der Arbeit in der Kaufhalle einkaufte und er draußen mit anderen Trinkern herumlungerte, baggerte er mich immer an und wollte meine Taschen tragen. Mit fünfunddreißig Jahren hatte er sich endgültig über den Jordan getrunken. Würde ich seine Person in einem Roman beschreiben, würde jeder denken, ich hätte mir das ausgedacht, oder schlimmer, ich hätte von denen abgekupfert, die dieses "Klischee" bereits vor mir verwendeten.

Montag, 9. November 2009

Heute wieder festgestellt:

Wenn man beginnt, eine lange Geschichte zu schreiben, einen Roman oder eine Erzählung, und, obwohl Thema, Story, Gerüst bereits in Zügen im Kopf existieren, sich mühsam von Satz zu Satz hangelt, um die Sache mit Leben zu füllen, kommt doch irgendwann immer der Punkt, an dem sich ein Universum auftut. Mal früher, mal später, mal nach den ersten zehn Seiten, mal nach den ersten zwanzig, aber plötzlich ist es da und mit diesem Zeitpunkt die Gewissheit, dass die Geschichte, wenn auch vielleicht nicht zu einem guten, so aber doch zu einem Ende kommt. Dieses Universum kann überraschend unähnlich der vorher existenten Vorstellung sein, und nach der ersten Begeisterung türmt sich die Wucht der Einfälle gerne wie ein Berg auf, der bezwungen werden will, aber der Weg liegt ab jetzt klar vor einem. Ein wunderbares Gefühl, von der Wissenschaft schnöde „Flow“ genannt.

Ein Wortgeschenk

erhielt ich von einem Leser, wenn auch nicht über Twitter sondern Email. "Traumblütenmeerschaumschöpferin" - schön, oder? Vielen Dank an Wanja.

Wortgeschenke