Alien
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Dienstag, 7. September 2010

Herr N.

hatte heute morgen anscheinend einen - nein, keinen Clown -, sondern einen Aktenvernichter gefrühstückt. Als er zur Tür hereinkam, blätterte ich gerade in einem persönlichen Ordner, in dem ich auch einige Tabellen aus vergangenen Jahren aufbewahre. Das ist manchmal ganz nützlich, wenn man alte Akten aufarbeiten muß und zu mir kommen immer alle, wenn sie denn doch mal wissen müssen, wie die Sätze von den alten Krankenscheinen waren. Ich glaube, Herr N. erspäht altes Papier schon aus drei Kilometern Entfernung. "Oh, altes Papier!" war dann auch das erste, was er sagte, noch vor "Guten Morgen!". Ich sah auch sofort die Gier in seinen Augen aufblitzen und eine rote Lampe leuchten. Altes Papier! Wegwerfen! Vernichten! Sofort! - So etwas in der Art dürfte ihm durch den Kopf gegangen sein. "Ja," antwortete ich, "und Sie lassen schön die Finger davon!"

Es ist manchmal ziemlich anstrengend, mit jemanden auch nur acht bis neun Stunden zusammenzuarbeiten, der so einen Ordnungszwang hat und dabei keine Skrupel, die Grenzen anderer zu überschreiten. Ich weiß zum Beispiel, daß er in meinen Rollcontainern herumwühlt. Der Kollege vor mir hat seine deshalb immer abgeschlossen und ich glaube schon, daß dies Herrn N. geärgert hat. Schließlich braucht er über alles unbedingt die Kontrolle. Ich mache das nicht, weil ich nichts zu verbergen habe und davon ausgehe, daß er zumindest keine Sachen wegwirft, die persönlich oder wichtig sind. Wenn es nur der Block mit den Kurzmitteilungen ist, die er für unwichtig hält, da er sie nicht benutzt, nun ja... Auf meinen Kalender habe ich jetzt groß drauf geschrieben "Nicht wegwerfen!". Bin gespannt, ob er sich daran hält. Es ist überhaupt unglaublich erstaunlich, wovon er sich manchmal gestört fühlt. Vor einiger Zeit hatte sich ein Kollege einen meiner Listenordner ausgeborgt und lange nicht zurück gebracht. In der Reihe meiner Ordner war nun eine große Lücke und die muß ihn enorm gestört haben, denn er hat ständig die anderen Ordner nachgeschoben, um die Lücke zu schließen. Ich jedoch habe die Ordner immer wieder auseinandergeschoben, weil mich nämlich genau diese Lücke sozusagen als Taschentuchknoten daran erinnerte, daß der bewußte Ordner noch ausgeborgt ist. Meistens nehme ich das alles mit Humor, aber manchmal ist das schon nicht mehr einfach, weil es so nervt. Herr N. ist demnächst zwei Wochen im Urlaub und ich habe ihm spitzzüngig angekündigt, daß ich dann gründlich beim ihm aufräumen und seine Akten neu ordnen werde. Er hat gelacht, aber ich glaube, würde das wirklich jemand tun, würde er das nicht so locker hinnehmen, denn er hasst jede Veränderung.

Im Beipackzettel

des Säureblockers steht, daß man davon gelegentlich eine Glatze bekommt. Bei der drei Meter Länge des Beipackzettels denke ich mal, daß die Glatze wahrscheinlich noch das Harmloseste ist, was man davon kriegen kann. Aber egal, ich muß die nächsten Tage ohne Schwächeanfälle überstehen.

Gerade mit meinem Kumpel telefoniert - seit er zu seiner neuen Freundin gezogen ist, hört diese immer im Hintergrund mit oder wirft irgendwelche Bemerkungen ein. Und wollte doch wissen, was bei mir die Liebe macht. Das war klar....schnell mal abchecken, ob ich in ihn verliebt bin. Aber da muß sie sich absolut keine Sorgen machen. Allerdings würde ich trotzdem gerne mal wieder allein mit ihm telefonieren, da ich mich bestimmte Sachen nicht zu fragen traue, wenn sie dabei ist.

Montag, 6. September 2010

Ich wurde instruiert,

auf keinen Fall den Fotoapparat zu vergessen. Wie könnte ich? Ich vergesse zwar manches, aber sicher nicht die Kamera. Allerdings bin ich zur Zeit erstmal panisch damit beschäftigt, meinen letzten Rest Gesundheit zu retten, bzw. was man noch so nennen kann. Dazu hatte ich mir eigentlich vorgenommen, die nächsten Tage zu fasten, um meinen Magen zu schonen und zumindest noch diese Woche ohne akuten Ausbruch zu überstehen. Ich habe ein bißchen den Eindruck, daß der Stress, nicht doll krank zu werden, die Sache eher verschlimmert. Also am besten nicht zuviel daran denken, sonst werde ich doch richtig krank, weil ich nicht krank werden will. Vorhin bei der Bäckerei habe ich jedenfalls überhaupt nicht gedacht und etwas getan, was ich nicht tun wollte, nämlich Kuchen gekauft. Wahrscheinlich auch aus lauter Streß, denn zum Fasten paßt das nun überhaupt nicht. Oder es war eine Eingebung des Teufels. Bisher habe ich den ganzen Tag nichts gegessen außer einer Möhren-Kartoffel-Suppe, aber jetzt liegen hier Mohn- und Pfirsichkuchen und ich schleiche immer drum herum, einmal links herum, dann rechts herum, und wieder links herum und hypnotisiere den Kuchen. Er ist bereits völlig willig, aber ich noch nicht, denn ich frage mich, ob das nicht eine ganz böse Falle ist, so in der Art: Kuchen gegen Dresden. Das wäre ein schlechter Tausch. Es könnte natürlich auch sein, daß gar nichts passiert. Gehe ich das Risiko ein? Oder nicht? Ach man....(und überhaupt)

Sonntag, 5. September 2010

Neuer Ausblick und falscher Helfer

Das Zimmer in meiner Wohnung ist sehr viel größer und ein Großteil davon mit kleinen Pflastersteinen gepflastert, wie eine Art Straßenplatz. Um diesen herum habe ich Stühle gestellt und dazwischen ist irgendwo eine Kommode mit Fernseher und ein Schreibtisch. Der Platz wird von einer Wand begrenzt mit zwei quadratischen Fenstern. Mir gefällt es so, denn man hat ein wenig das Gefühl, draußen zu sein, obwohl man sich im Zimmer befindet und schön viel Bewegungsfreiraum. Die Heizung in Form eines Kühlergrills eines Oldtimers ist etwas verformt, fällt mir auf, und außerdem schaue ich, wenn ich am Schreibtisch sitze, genau an die Wand. Wozu habe ich eigentlich die Fenster? Interessiert schaue ich aus dem linken Fenster hinaus und sehe eine ruhige Hafenlandschaft mit einem schlafenden Segelschiff, das vollständig abgetakelt wurde. Wow! Ich wußte nicht, daß ich solch eine tolle Aussicht habe! Da werde ich doch gleich den Schreibtisch umstellen, damit ich diese auch genießen kann. Als ich erneut aus dem Fenster schaue, hat sich das Bild vollständig gewandelt. Es ist zwar immer noch eine Hafenlandschaft, aber diesmal ein überaus belebter Flußhafen. Große Schleppkähne fahren hin und her und eine Gruppe Menschen scheint von dort genau auf mich zu zu flüchten.

Im Bett liegend, macht sich jemand, der mir anscheinend nahesteht, pflegerisch an meinem Bein zu schaffen. In einer plötzlichen Vision sehe ich, daß das Bein weg ist, vielleicht amputiert, und mir wird plötzlich bewußt, daß dies genau der Wunsch desjenigen ist, der mir hilft. Es geht gar nicht um mein Wohlergehen, sondern darum, mich in Abhängigkeit zu halten. Es erschreckt mich, durch meine Krankheit jemandem ausgeliefert zu sein, bzw. von jemandem abhängig zu sein, der zwar vordergründig mein Bestes will und sich anscheinend für mich mehr oder weniger aufopfert, dessen Absichten aber insgeheim nur daraus bestehen, mich an sich zu binden und das auch auf Kosten meiner Gesundheit. Einerseits habe ich das Gefühl, ihm dankbar sein zu müssen, da sich sonst niemand um mich kümmert, aber andererseits muß ich ständig auf der Hut sein, da ich ihm nicht vertrauen kann und er mir möglicherweise schaden wird.

Resümee Read-a-thon

Irgendwann so gegen 5 Uhr und nur 32 Seiten später, muß ich friedlich weggeschlummert sein. Das macht insgesamt 345 Seiten. Und wenn ich mir angucke, was andere so weggeputzt haben, bin ich wahrscheinlich Bummelletzter. War mal ein interessanter Test, wie ich finde, um zu sehen, wieviel Lesen man verkraften kann. Aber ich glaube, in Zukunft werde ich dann doch lieber wieder die Bücher und den Zufall entscheiden lassen, wann ich die Nacht durchmache.

Sechster Abschnitt Read-a-thon

Yo, bin noch wach. Allerdings werde läßt mein Tempo wieder zunehmend nach. Gerade einmal 41 Seiten bisher im neuen Buch. Das sind insgesamt dann....äh....Rechnen versagt auch schon....313 Seiten. Bin mir aber nicht sicher, ob es sich lohnt, für dieses geringen Output weiter zu machen. Wenn ich wenigstens einen unheimlich spannenden aufputschenden Thriller hätte!

Fünfter Abschnitt Read-a-thon

So, das Traumbuch habe ich beendet und damit insgesamt 272 Seiten gelesen. Nicht dolle. Beginne jetzt mit "Wir wissen mehr als unser Gehirn" von Stanislav Grof u.a., weiß aber noch nicht, ob es sich in der Nacht nicht etwas zu anstrengend liest. Irgendwie wäre mir ein leichter, aber sauspannender Krimi in diesem Moment lieber, nur leider kaufe ich sowas selten. Als Alternative gäbe es da nur Mary Shelleys Frankenstein. Wollte ich auch schon immer mal lesen.

Samstag, 4. September 2010

Vierter Abschnitt Read-a-thon

Habe mir wenigstens beim Lesestoff Abwechslung geholt und lese jetzt "Träume und ihre spirituelle Bedeutung" von Sri Chinmoy. 62 Seiten davon sind geschafft und ich schätze, ich beende das Buch in der Nacht, denn es hat nur 110 Seiten. Gesamt sind es damit bisher 224 gelesene Seiten. In diesem Buch sind auch viele Sachen drin, die ich gerne zitieren würde, aber das muß bis später warten, wenn ich dann noch Lust habe. Kriege im übrigen einen unwahrscheinlichen Hieper auf Fernsehen wie schon seit Monaten nicht mehr.

Dritter Abschnitt Read-a-thon

So, bin auf Seite 162 und hätte jetzt langsam Lust, etwas ganz anderes zu machen. Eine Runde Sex zum Beispiel, oder auch nur ein langweiliges Kaffeekränzchen. Trotz Niedrigtemperaturrekord bin doch mit Kuscheldecke auf den Balkon gezogen, weil man bei frischer Luft einfach wacher bleibt und sich besser konzentriert. Aber leider dimmt jetzt jemand zunehmend das Licht. Ich glaube, nach dem Read-a-thon werde ich erstmal eine Woche lang kein Buch mehr anfassen.

Es gibt Leute,

die googlen nach Sarrazins rechtem Auge. Anscheinend ist es nicht nur mir aufgefallen.

Zweiter Abschnitt Read-a-thon

Zwischendurch unter die Dusche gesprungen. Bin jetzt bei 103 Seiten angekommen. Andere haben schon das sechsfache davon gelesen und twittern oder bloggen nebenbei noch fleißig. Wie sie das machen, ist mir ein Rätsel. Ich würde auch gerne generell, nicht nur heute, schneller lesen können, muß aber bei meiner Geschwindigkeit bleiben, denn sonst habe ich nichts mehr vom Buch. Und das ist mir wichtiger.

Erster Abschnitt des Read-a-thons

Begonnen habe ich mit "Rasputin: Das Geheimnis seiner Macht" von Elisabeth Heresch. Die Wahl fiel auf dieses Buch, weil sich Biografien für mich meistens am spannensten und leichtesten lesen und auch diese liest sich schnell und interessant weg. Trotzdem bin ich erst auf Seite 53, weil ich zwischendurch von nachgeisternden Traumbildern und einer Horde randalierender Spatzen gestört wurde. Bei draußen gerade mal 16 Grad ist außerdem die Wahl an Leseorten nicht allzu groß. Ich stelle fest, daß der Sommer definitiv zu kurz war.

Freitag, 3. September 2010

Hm,

eine Glühbirne ist jetzt auch noch durchgebrannt. Diese Woche läßt wirklich gar nichts aus. Ein würdiger, krönender Wochenabschluß wäre es, finde ich, wenn meine Waschmaschine explodiert. #Vorschlag

Vorbereitungen zum Read-a-thon

Damit es auch am letzten Tag der Woche nicht langweilig wird, hat gleich am Morgen meine Armbanduhr irreparabel den Geist aufgegeben. Und ich sah heute Unmengen zerrupfter Vögel, aber immerhin keine Ratten. Gerade bin ich dabei, mich auf den 24stündigen Lesemarathon vorzubereiten. Als Traumtänzerin Hinkebein bei miesem Wetter (sieht zwar jetzt etwas besser aus, aber Sonne nur in homöopathischen Dosen) gibt es wohl kaum eine Alternative zum Read-a-thon. Da meinem Fuß Ruhe sicher nicht schadet, habe ich mich schließlich doch zu der Aktion angemeldet. Inzwischen bin ich bereits etwas aufgeregt, denn keinesfalls sicher, daß ich durchhalte. Der Wecker ist auf 8 Uhr früh gestellt. Ich habe mir eine Auswahl an Büchern neben das Bett gelegt, weil ich bestimmt keine Lust verspüre, gleich um 8 Uhr aufzustehen. Desweiteren stehen eine 2,5 l-Dose mit mundgerecht geschnittener Wassermelone und eine 2,5 l-Dose mit ökologischem Nudelsalat im Kühlschrank bereit, so daß ich mir nicht mehr den Kopf wegen der Nahrungsaufnahme zerbrechen muß. Ich hoffe, daß mich morgen beim Lesen trotz allem nicht zu viele Gedanken ablenken und ich gut versinken kann, denn wenn ich jeden Satz drei- oder viermal lesen muß, geht es nur schleppend voran und wird mühsam, zumal ich sowieso ein Langsamleser bin. Auch das Einschlafen ist eine große Gefahr, da ich dies beim Lesen besonders gerne tue. Ich habe bisher aber noch keinen speziellen Plan, was ich dagegen unternehme. Vielleicht heißer Kakao? Oder doch lieber eine Runde Türschaukeln? Und damit mische ich mich nun hochoffiziell ebenfalls unter die Ratten, nämlich die Leseratten.

Bei der Debatte um und mit Thilo Sarrazin

verwundert mich eigentlich am meisten, wieviele Leute das Buch von ihm lesen. Ich weiß nicht wirklich, was darin steht und will es auch nicht wissen, denn mir reichen noch völlig seine Sprüche, die wir zu hören bekamen, als er Finanzsenator von Berlin war. Wie war das noch mit den Hartz IV-Empfängern?

http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/sarrazin-so-sollten-arbeitslose-einkaufen/1164148.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,568669,00.html
(Hartz IV-Empfänger sollen sich warm anziehen - doppeldeutig eindeutig)

Als jemand, der auf der anderen Seite sitzt und beruflich täglich mit diesen Menschen zu tun hat, sage ich mir: Jemand, der so einfach gestrickt ist, wird auch zum Migrationsproblem nichts Nennenswertes beitragen. Seine Methoden als Finanzsenator hatten allenfalls Brechstangenmentalität und Berlin ist immer noch arm aber sexy. Das sehe ich doch vorher schon und kaufe das Buch erst gar nicht. Jedenfalls wird Herr Sarrazin so nicht mehr in den Genuß kommen, von 3,76 EUR am Tag zu leben.

PS: Daß dieses Einbahnstraßendenken im Falle der Ausländer auf sehr viel mehr offene Ohren stößt, wundert mich überhaupt nicht. Kaum jemand ist mit der Ausländerpolitik hierzulande zufrieden. Aber die Wahrheit über einen Menschen und seine grundsätzliche Gesinnung sagt letzten Endes sein Verhalten gegenüber anderen Menschen aus, seien es nun Hartz IV-Empfänger, Ausländer oder auch nur die Angestellten des eigenen Bundeslandes. Es sagt ebenfalls deutlich aus, was von einem entsprechendem Buch zu halten sein wird.

Donnerstag, 2. September 2010

Die Katholische Kirche

scheint eine Terrorinvasion zu planen. Nicht nur, daß die Glocken neuerdings am Sonntag pünktlich um 8:40 Uhr läuten, als ich das Haus verließ, lag vor der Tür ein buntes Kärtchen mit dem Abbild Johannes Paul II. Herr N. war heute enorm putzig und später traf ich eine Ratte, die an einer Mirabelle knabberte. Die vierbeinigen Ratten sind ja im Gegensatz zu den zweibeinigen irgendwie putzig, allerdings frage ich mich immer, wenn ich eine sehe, vor wem ich mich nun wieder in acht nehmen muß. Armer Ratten-Unglücksbote. Meinen Fuß habe ich dem Härtetest mit Franzbranntwein ausgesetzt. Normalerweise wird es davon meist schlimmer, diesmal nicht. Das nehme ich als ein gutes Zeichen. Wahrscheinlich ist es doch nur eine Prellung, die ich mir in einem Paralleluniversum zugezogen habe, weshalb ich mich nicht daran erinnern kann. Und mit meinem neuen Spielzeug mache ich Fortschritte. Während ich anfangs nur drei, später vier Anhocken geschafft habe, sind es jetzt schon sechs. Dabei gehe ich nicht einmal irgendeinem Fitnessprogramm nach, sondern baumle und hänge einfach zwischendurch ein bißchen rum, richtig schaukeln geht inzwischen auch wieder. Wenn man das seit dreißig Jahren nicht mehr getan hat, hängt man anfangs ein bißchen steif.

Mittwoch, 1. September 2010

Traumsplitter

Während ich negativen Gefühlen im Traum nachhänge, tauchen plötzlich wie eine Erscheinung lang vergessene Dinge auf, welche mich erkennen lassen: Es liegt gar nicht an mir. Es ist nichts falsch an mir. Denn erst in der jüngsten Vergangenheit lief genau seitenverkehrt zum jetzigen Moment alles ohne jede Probleme. Mich wundert es ein bißchen, daß ich die jüngste Vergangenheit so vollständig vergessen konnte. Ich sehe, nein, spüre glückliche Bilder, vor allem mit K., Nähe, Intimität, Vertrauen. Gab es das wirklich? Ich zweifle daran, denn es kommt mir fremd vor, und doch, in diesem Hologramm der Zweisamkeit und Gemeinschaft selbst scheint es völlig normal, leicht und real zu sein, bzw. gewesen zu sein. Vielleicht ist es nicht die hiesige Vergangenheit, sondern die eines Paralleluniversums. Die Erkenntnis erleichtert mich, bringt mich aber auch nicht weiter. Die Universen einfach wechseln, kann ich nicht. Wie soll ich es aber anstellen, daß die Parallelwelten wieder im Gleichklang schwingen und nicht wie eine Schere auseinanderdriften?

Katastrophensurfen

Mein Fuß macht mir Angst. Er sieht ein bißchen aus, als wäre ein Auto drübergefahren und fühlt sich auch so an, aber ohne dabei geschwollen zu sein. Theoretisch und praktisch würde ich behaupten, daß der Fleck, der sich täglich mehr ausbreitet, ein Bluterguß ist. Was mich daran beunruhigt ist die Tatsache, daß weder irgendetwas über den Fuß drübergefahren ist, noch ich mich irgendwo gestoßen habe oder umgeknickt bin. Was soll ich davon nun halten? Ich will nicht zum Arzt, zumindest nicht, so lange ich nicht humple wie der Glöckner. Durch das ständige Laufen auf dem Ballen oder der Innenseite fangen aber langsam schon andere Stellen an weh zu tun und in Dresden würde ich gerne vernünftig laufen können. Was mir der Fuß, ist meiner Mutter der Wasserrohrbruch (wie immer bei uns stets synchron). Eine Kollegin, dessen Tochter im gleichen Haus wie meine Mutter wohnt, kam gleich früh in das Büro und fragte, ob ich schon die neueste Katastrophenmeldung von dort gehört hätte. Ein Wasserrohrbruch - von oben an bis in den Keller hinein stand alles unter Wasser. Einige Mieter wurden deshalb in Ausweichwohnungen umgesetzt. Ich hab dann gleich in der Mittagspause angerufen, zumal ich mich wunderte, von meiner Mutter noch nichts gehört zu haben. Sie meinte nur, sie sei total genervt. Ihre unterste Wohnung ist zwar nicht so stark betroffen, daß sie da raus muß, aber dafür haben sie ihr so eine Turbine zum Trocknen in die Wohnung gestellt, die den ganzen Tag Lärm macht und die sie auch noch bedienen und irgendeinen Behälter leeren soll. An der Decke hängt bei ihr alles in Fetzen herunter. Sie will jetzt nur noch raus aus der Wohnung und wartet ungeduldig, daß sie bald den Mietvertrag für die neue Wohnung bekommt. Bei dieser gibt es zwar auch einige Unstimmigkeiten, aber sie meint, ihr ist alles egal, auch wie es dort noch aussieht, sie will da rein, so schnell wie möglich, denn die alte Wohnung kann sie nicht mehr ertragen. Übrigens gehören Wasserrohrbrüche und Füße zu Neptuns Ressort. Ich frage mich nur, warum es ausgerechnet bei mir der Fuß und bei meiner Mutter ein Wasserrohrbruch ist. Aber die umgekehrte Version wäre mir auch nicht viel lieber.

PS. So langsam kann ich das Blog hier vom Literaturblog in Hypochonderblog umbenennen. Es nervt...ich hätte meinen Kopf gerne wieder für anderes.

Dienstag, 31. August 2010

Scherben

eröffneten den Tag gleich nach dem Aufstehen und eine matschige Brenngelpfütze in der Küche beendet ihn. Außerdem hat sich ein anderes mysteriöses Zipperlein bemerkbar gemacht. Mein Körper stellt mich jeden Tag vor neue Rätsel. Aber diese Rätselspiele machen langsam keinen Spaß mehr. Schon gar nicht so kurz vor der Dresdenfahrt. Ich habe in diesem Jahr bereits mehr zerkloppt als vorher in zehn Jahren. Es fängt jetzt sogar an, mir Spaß zu machen. Warum nicht noch öfters? Die alten, übrig gebliebenen Eßteller zum Beispiel. Dann könnte ich mir neue kaufen. Aber erzähle mir niemand, daß Scherben Glück bringen...

Montag, 30. August 2010

Die Woche beginnt

schon mal super. Auf meiner Strecke ist jetzt ebenfalls Schienenersatzverkehr, eine Email teilt mit, daß eventuell in unserer Etage die Elektroanlagen erneuert werden, und meine Chefin bedroht mich mit der Ankündigung, daß wir uns unbedingt diese Woche noch unterhalten müssen. Endlich verstehe ich wieder mein eigenes Wort am Telefon, während die Fenster geschlossen sind, der Straßenlärm draußen bleibt, und dann fangen sie an, hier die Wände aufzustemmen. Das ganze Haus ist doch eine Ruine, die Fußböden kaputt, der Fahrstuhl spinnt, das Wasser darf man eigentlich nicht trinken, bzw. soll die Partikel der uralten Leitungen erst abfließen lassen, da kommt es auf die altersschwache Elektroanlage auch nicht mehr an. Und daß meine Chefin mich sprechen will, bedeutet eigentlich selten etwas Gutes. Hab ich vielleicht 200.000 EURO doppelt gezahlt, weil ich den Kopf unterm Arm hatte, das Land Berlin in die Pleite geführt oder bekomme ich 'nur' wieder 50 Akten mehr übergeholfen? Die Schwarzseherei wird bei mir langsam chronisch, was aber nicht nur an mir allein liegt. Ich fühle mich so unliebens-wert, die Ratten nagen an mir, nagen alles weg, was von meinem Urvertrauen nach 40 Jahren noch übrig geblieben ist. Je unliebens-werter ich mich fühle, um so negativer werde ich, und je negativer ich werde, um so unliebens-werter bin ich - glaube ich. Ich könnte den Kreislauf ziemlich einfach unterbrechen, denn ich kenne diesen Schalter in meinem Kopf, den ich nur umzulegen brauche. Das habe ich schon oft getan. Aber ich sehe zur Zeit irgendwie keinen Sinn darin. Vielleicht ist ja dieses ganze positive Denken nichts weiter als eine riesige Selbstverarsche. Man kommt zehn Jahre damit ganz gut durchs Leben bis die Illusion zerplatzt, bis man wieder an den Anfang und auf die nackte Wahrheit geschleudert wird. Vielleicht ist auch der freie Wille nichts als Selbstverarsche. Man denkt, man könnte dies tun oder jenes. Dann tut man jenes, obwohl man besser dies tun sollte, und spürt doch innerlich, daß man eigentlich in genau diesem Moment keine andere Wahl hat. Später tut man vielleicht dies, aber nicht, weil man sich nun endlich richtig entschieden hat, sondern weil man genau dann ebenfalls keine andere Wahl hat. Vielleicht ist ja das Universum nichts anderes als ein riesiger Witz und wir sind nichts weiter als Laborratten, die meinen, sie könnten selbst denken, handeln und entscheiden, aber eigentlich über ein Parasitengehirn ferngesteuert werden. Die durch ihre seltsamen Wege gelotst werden und keine Gnade zu erwarten haben, und falls doch, dann nur weil es ebenfalls zum Weg gehört, um uns 'heiß' zu machen. Wie die Mäuse, welche ein vom Laborhimmel gefallenes Stück Käse als Gnade empfinden, während der tödliche Virus bereits seine Arbeit beginnt. Ich störe? Solche Gedanken will niemand lesen? Eben. Und dann diese Flashbacks, dieses höhnische Grinsen, nicht nur das eine, sondern das eine, dicht gefolgt von dem Dr. T.s und danach, wie es scheint, allen, die mir in diesem Leben begegnet sind. Das kann die optimistischste Stimmung von einer Sekunde zur anderen völlig unerwartet zerstören. (Manchmal frage ich mich, ob es nicht humaner wäre, jemanden wie einen Problembär zu erschießen, als ihn mit Blicken, falschem Gerede oder demütigenden Spielchen zu töten.) Es heißt, wenn man nichts erwartet, kann man nicht enttäuscht werden. Seit der Pubertät, als ich noch dachte, mir könnte ein Puzzlestück der Welt gehören, sind meine Erwartungen auf ein Nichts geschrumpft, dachte ich. Ich habe allerdings die Erwartung vergessen, fair behandelt zu werden. Die hatte ich übersehen, wahrscheinlich weil sie zu grundlegend ist. Man möchte einfach gerne davon ausgehen. Im Umkehrschluß bedeutet das, um nichts zu erwarten müßte ich generell davon ausgehen, daß mich eventuell früher oder später jeder verarschen und für blöd verkaufen möchte, völlig unabhängig davon, aus welchem Grund. Kann man so leben? Muß ich so leben? Oder ist das vielleicht gar kein Problem und ich mache es erst zu einem? Ich mein, genaugenommen ist dieses Verhalten ja gang und gäbe, sogar in den engsten Beziehungen. Meine Eltern haben sich 50 Jahre lang gedemütigt, gegenseitig und/oder vor anderen, manipuliert, tyrannisiert, Psychospielchen gespielt....vielleicht ist das ja alles völlig normal und nur ich bin verrückt, weil ich es nicht als normal erkennen und dieses Spiel nicht mitspielen will, zumindest, so weit es mir bewußt ist. Vielleicht ist es eine Sünde, es nicht mitspielen zu wollen. Vielleicht bin ich auch einfach nur eine extrem überempfindliche Schnepfe.
(Und dann diese Träume, die den Worten trotzen, sich nicht beschreiben lassen, und mir erzählen wollen, alles geschehe nur wegen meiner negativen Erwartungshaltung. Und ich bräuchte nur ein wenig starken Willen, um mir den Kopf zu entwirren und jemanden, der in meiner rechten Schulter herumschraubt. Die Träume, die sich so anfühlen, als wäre ein Knoten geplatzt und auf einmal alles fein. Doch am Anfang können da noch keine negativen Erwartungen gewesen sein, wenn sie aus Erfahrungen gewachsen sind. Und trotzdem ist alles so geschehen. Ich mißtraue sogar meinen Träumen. Sie wollen mich nur wieder in diese positives Denken-freier Wille-Falle locken, dabei sind sie ebensolche Illusion.)

Freitag, 27. August 2010

Lesemarathon

Über eine witzige Aktion bin ich bei LovelyBooks gestolpert, die mir bisher entgangen ist, nämlich den Read-a-Thon. Vom 4.9. um 8 Uhr bis zum 5.9. um 8 Uhr findet über 24 Stunden so eine Art Hardcore-Lesen unter Bloggern und Bücherliebhabern statt. Jeder liest so viel, wie er kann. Preise oder Gewinne gibt es keine, dafür erhält man gratis eine neue Herausforderung und Spaß soll es machen. So ein Read-a-Thon ist wahrscheinlich eine gute Gelegenheit, all die herumliegenden angefangenen Bücher endlich weiterzulesen, vielleicht aber auch, zwanzig neue anzufangen, denn schließlich muß man ja die finden, welche sich besonders gut und schnell lesen. Wenn man es genau nimmt, sollte man eigentlich die ganze Nacht hindurch lesen und dazu braucht man ein besonders spannendes Buch. Mir ist bisher nur eines unter gekommen, das ich tatsächlich eine Nacht lang bis zum frühen Morgen nicht mehr aus der Hand legen konnte. Als Kind war ich Meister darin gleichzeitig zu essen und zu lesen, am liebsten im Bett. Dieser Disziplin bin ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr nachgegangen, könnte man aber auch mal wieder probieren. Leider bin ich nicht nur beim Rennen eine Schnecke, sondern auch beim Lesen. Während andere drei Bücher weggeratzt haben, bin ich noch bei einem. Ich lese lieber besonders gründlich, da ich sonst fürchte, etwas zu verpassen. Besondere Rekorde würde ich mir deshalb von meiner Seite nicht erwarten. Was aber relativ egal ist, denn es ginge für mich vor allem um das Dabeisein und Durchhalten. Ich kann mich aber trotzdem nicht so recht entscheiden, mitzumachen. Woher weiß ich, ob ich ausgerechnet zu dieser Zeit Lust zum Lesen habe und nicht lieber meine Küche putzen möchte? Ich mein, wenn es hart auf hart geht, kommt man plötzlich auf die abwegigsten Sachen, die man lieber tun würde. ;o)