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Donnerstag, 30. September 2010

Wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen...

Ich glaube, ich weiß es jetzt, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, nämlich ganz genau auf dem Schloßplatz in Berlin. Aber von vorne...
Völlig verpeilt bin ich heute, da ich Karten für ein Konzert hatte, gleich nach der Spätsprechstunde losgerast, weil ich der Meinung war, ich müsse mich ganz doll beeilen. Erst am Berliner Dom, dem Veranstaltungsort, merkte ich, daß ich noch eine volle Stunde Zeit bis zum Einlaß habe. Ich hatte mich auf eine völlig falsche Zeit festgenagelt und die Kamera natürlich auch gleich vergessen. Da ich den ganzen Tag hindurch noch nichts gegessen hatte, fütterte ich mich erst einmal ein bißchen mit Fast Food, aber keinem Burger, sondern einer ostdeutschen Grilletta. Ich dachte eigentlich, die wären bereits ausgestorben. Zwischenzeitlich hatte mein Auskunftsbüro wieder geöffnet und jemand an der Ampel fragte mich: "How did you say west?" Ich verstand erst nicht den Sinn, und er: "East - west?" "Ah, Westen!" "Ye, ye, WESTEN. We have to take the right train, you know?" Ja, verstehe. Ich beschloß zu schauen, was sie inzwischen aus dem Schloßplatz neues ausgebuddelt haben. Allerdings dämmerte es bereits und es war nicht mehr so viel zu erkennen, doch während ich herumstreifte, sah ich auf einer der alten Schloßgewölbe etwas, das von weitem wie das Standbild einer Katze aussah. Zuerst hielt ich es tatsächlich für eine künstlich hingestellte Skulptur, aber eine winzige Bewegung verriet mir, daß es lebte. Für eine Katze hatte jedoch die Nase eine verdächtig spitze Form. Das könnte höchstens eine Katze mit etwas abwegiger Clownsnase sein. Ich kam näher und dann erkannte ich ihn. Es war ein leibhaftiger Fuchs, kaum anderhalb Meter von mir entfernt und er schien sich auch nicht davon stören zu lassen, daß ich ihn fasziniert anstarrte. So wunderschön mit diesem aristokratisch schmalen Schnäuzchen. Erst nach einer Weile gähnte er betont unhöflich und schlich gelangweilt davon. Inzwischen war es so weit, daß ich mich wieder zum Einlaß begeben konnte und als ich meinem Bruder von dem Fuchs erzählte, meinte der gleich: "Na der hat auf dich gewartet - den Hasen!" Und für diese Stunde sinnlosen Herumlungerns muß ich nun eine Stunde mehr nacharbeiten, aber gut, selbst schuld. Das Konzert mit G.arb.arek hat mir diesmal noch besser gefallen als das letzte in der Philharmonie. Die Akustik war irgendwie schöner und das Saxophon weniger quietschig. Sakral meets Jazz war das Motto und dementsprechend war es sehr besinnlich. Toll fand ich, wie die vier Sänger und das Saxophon durch den Kirchenraum wanderten und man das Gefühl hatte, total von Klang umgeben zu sein. Später habe ich aber auch zu den anderen gesagt, eigentlich sind vier Männer ein bißchen wenig. Wenn sie mehr davon angekarrt hätten, einen richtig großen Chor, der in Prozessionen von allen Seiten singt und summt, wäre das bestimmt ein umwerfendes Musikerlebnis. Aber jetzt sage ich erst einmal:
Gute Nacht, Füchschen!
Gute Nacht, Maus!
Gute Nacht, Ratte!
Gebt acht, daß der Fuchs euch nicht frißt heut nacht!

Mittwoch, 29. September 2010

Can't get enough

Unsichtbar

Wohin ich auch gehe,
du siehst mich nicht.
Egal wo ich stehe,
du kennst mich nicht.
Fliehst irrend umher,
dein Blick ist suchend,
doch suchst nicht mich.
Bin nicht mehr da,
und war es auch nie,
ein Hauch von nichts,
die Ruhe, die hörte,
der Spiegel, der glänzte.
Berührte den Boden,
den deine Schuhe kannten,
fing die Luft in Schalen
aus deinen Lungen
und häufte Worte mir
in die Trichter der Ohren.
'In dir' ist ein Ort,
welchen ich niemals sah
und in den kein Nachtzug
mich je bringen wird.

Dienstag, 28. September 2010

To have and to hold

Die hochansteckende Geldkrankheit

Vermutlich wirkt nicht nur mein Heuschnupfen seuchenartig ansteckend, besser gesagt übertragbar (denn ich selbst niese ja nicht, sondern nur die anderen um mich herum, und das immer mehr und immer häufiger - die Kollegin im Nebenzimmer hat heute gar nicht mehr aufgehört zu niesen). Ansteckend muß auch mein diesjähriger Geldsegenstern sein, welcher an dem Symptom erkennbar ist, daß mich ständig irgendwelche Leute mit der Frage belästigen, wohin sie mir Geld überweisen sollen. Doch ist es hier eher eine Art Ausweitung der Reichweite, die meine Umgebung infiziert. Dauernd bekommen Klienten von mir riesige Geldnachzahlungen oder haben plötzlich zehntausend Euro auf dem Konto, die ich dann unter Berücksichtigung der Freigrenzen als Ersatz für die gewährten Leistungen fordern muß. Natürlich nicht für mich, sondern für meinen Arbeitgeber, der so ebenfalls von meinem Geldstern profitiert. Auch Herrn N. ist das bereits aufgefallen. Er fragt schon immer, wieviel es jetzt wieder ist. Heute habe ich zum Beispiel neuntausend Euro eingenommen. Wenn das so weiter geht, saniert Berlin mit mir noch seinen gesamten Haushalt. Und das Beste ist - anscheinend wirkt sich dies indirekt erneut auf mich aus, denn jetzt werden plötzlich Beförderungen in Aussicht gestellt, etwas, das ich bisher nur vom Hörensagen kannte. Aber stopp, bevor nun alle zu meinem Haus pilgern: Das Berühren der Figüren kostet Fünf Euro pro Nase und ich übernehme keine Verantwortung für etwaige Unfälle, bei denen statt der Geldkrankheit die Rückenpest oder der Heuschnupfen übertragen werden.

Montag, 27. September 2010

vergelesen

"die Maus auf dem Käse"

statt

"der Mann auf der Karte"

Der Wind steht günstig

und weht aus der Richtung Streuselschnecke by Backkombinat. Zumindest riecht er so, wenn man an der Bushaltestelle steht, was die Wartezeit ungemein verkürzt und Wahnsinnshunger macht. Die Packung Pfannkuchen aus der Tiefkühltruhe, noch vom letzten Dezember, kann da nicht wirklich mithalten. Nicht auszudenken, man würde in der Nähe des warmen Streuselschneckenwindes wohnen und den ständig um sich haben. Ab heute bin ich "alleinstehend", denn Herr N. hat mehr als zwei Wochen Urlaub. Ich hatte ihm ja versprochen, seine Akten umzuhängen und neu zu sortieren, am besten nach den Vornamen. Seinen Schreibtisch könnte ich auch ein bißchen in Unordnung bringen, aber das wird er allein bei den täglichen Massen von Post und Akten. Und beim Sport brauchten wir heute tatsächlich nur den linken Fuß kreisen, was mir sehr gelegen kam. Der rechte hat diesmal einen geschwollenen Knubbel am Gelenk, dafür aber immerhin keine neuen Blutergüsse. Auf dem Rückweg habe ich beschlossen, das mit dem Duschen für die nächsten Tage erst einmal sein zu lassen, so lange ich bei jedem Schritt auf die Straße tropfend nach Hause komme. Scheinbar macht der Oktober in diesem Jahr Urlaub und der November hat sich schon angemeldet.

Sonntag, 26. September 2010

Ich kann mir

für einen Sonntagnachmittag nichts Schöneres vorstellen, als mich bei der Herumtragerei von Umzugstaschen bis auf die Haut durchnässen zu lassen. Da ich sowieso bereits tropfte, verzichtete ich, mit dem Bus zu fahren und lief nach Hause. Meinen Rücken kann ich kaum noch bewegen, mein Fuß tut schon wieder weh, warum auch immer, und ich fühle mich wie ein Eisblock. Wenigstens haben sich die anderen Unannehmlichkeiten inzwischen verzogen. Glück ist, wenn sich alles hübsch der Reihe nach einstellt. Nicht auszudenken, ich würde alles gleichzeitig kriegen! Gastritis und Schmerztabletten machen sich zusammen besonders erfolgreich. Und ich frage mich, ob meine Bemühungen um gesunde Lebensweise und Ernährung, die ich zumindest im Urlaub und während des Hamburger Modells ganz gut durchgehalten habe, einfach für die Katz sind, oder ob ich den Ernst der Lage verkenne, weil ohne das alles noch schlimmer gekommen wäre.
Aber nichtsdestotrotz hat dieses kräfte- und nervenzehrende Jahr durchaus auch positive Seiten. Wenn man nämlich die einzigen Ereignisse nur noch Krankheiten sind, man ständig gezwungenermaßen um die eigenen Probleme kreist, einen einzig interessiert, wie man den nächsten Tag übersteht, und dabei nicht gerade vor Lebensfreude überschäumt, sondern sich irgendwann vor lauter vergeblicher Anstrengung, sich nichts anmerken zu lassen, und Schwarzseherei selbst nicht mehr leiden kann, von Zukunftsängsten geplagt wird und aus entsprechenden Erfahrungen heraus noch mißtrauischer wird als sonst und selbst an den Menschen zweifelt, denen man eigentlich vertrauen sollte, dann, ja dann, stellt sich ziemlich bald heraus, wer die wahren Freunde sind. Und das sind nicht unbedingt die, mit der höchsten Betroffenheitsskala, sondern manchmal nur die, mit der größten Geduld. Aber eines steht fest: Noch so ein Jahr überstehe ich nicht. Das nächste Jahr muß einfach besser werden. Und dann werde ich wieder da sein, stärker als je zuvor, wenn niemand mehr mit mir gerechnet hat. Oder aber, das alles bleibt nur ein Traum. 999.995 von 1.000.000 nehmen ihren Vorsatz "Euch werde ich es noch zeigen!" mit ins Grab.

Physiotherapie in Los Angeles

Auch in dieser Nacht wieder gereist, diesmal jedoch von Physiotherapie zu Physiotherapie. Zuerst hatte ich nur einen Physiotherapietermin, dann hieß es irgendwann, ich solle in eine Physiotherapie-Wohngemeinschaft ziehen. Ich landete in einer großen Halle, in der die Patienten wie auf dem Fließband abgefertigt wurden. Eine Liege neben der anderen. Und es war so viel Betrieb durch die vielen Patienten und Physiotherapeuten, daß ich meine Physiotherapeutin, ziemlich jung mit langen dunklen Haaren, nie verstand, wenn sie mir etwas sagte. Das ist ja wie bei mir auf der Arbeit, dachte ich, während ich auf der Liege lag und sie weiter auf ihre Uhr zeigte. Schließlich verrstand ich. Drei Minuten, sagte sie. Doch was will sie mir damit sagen? Doch wohl nicht, daß die Behandlung nur drei Minuten dauert? Das kann ja eigentlich nicht möglich sein. In der nächsten Physiotherapie war man gerade sehr aufgeregt, weil es irgendwelche neuen Bestimmungen darüber gab, wer behandelt werden dürfe, weshalb ich lange nicht an die Reihe kam, sondern lebhaft diskutiert wurde. Dafür gab es eine Art Kantine, in der bereits einige Leute bei Kaffee und Kuchen saßen. Ich setzte mich dazu und fand es recht gemütlich, aber irgendwann war ich auf dem Weg zur nächsten Physiotherapie. Hier sah ich eine Patienin, die herausgeführt wurde und um die Beine irgendeinen Schutz hatte, der dem Schutz von Cowboys ähnelte. Er war mit Sicherheitsnadeln am Slip befestigt, vielleicht, damit man ihre Beine nicht sieht. Schließlich stand ich vor einer Physiotherapie in Los Angeles, traute mich aber nicht hinein, weil man mir gesagt hatte, daß hier die Stars hingehen. Stattdessen spähte ich nur neugierig über den Zaun und in die Fenster. Alles war sehr elegant mit weißen Wänden und dunklem Holz eingerichtet, allerdings nicht sehr groß, sondern wirkte fast etwas beengt. Es gab ein kleines Cafe und eine Art Bühne mit schräg abfallenden Zuschauersitzen, von denen jeder einzelne einen durchsichtigen Vorhang zum Schutz gegen einfallende Sonnenstrahlen besaß. Ab und zu ging jemand hinein oder wieder hinaus, aber niemand, den ich erkannte. Insgesamt ging alles recht ruhig zu. Nachdem ich nun genug gesehen hatte, stand ich auf einem riesigen Platz, der an den um die Dresdner Frauenkirche erinnerte. Es begann zu regnen und ich wußte nicht wohin ich gehen sollte, sondern irrte ziellos umher.

Samstag, 25. September 2010

Die milchige Eiswürfelstraße

Vor einem kleinen Park inmitten unseres Bezirkes, an welchem ich in meiner Kindheit öfter vorübergekommen bin. Mir fällt auf, daß ein Weg durch den Park geradewegs in die Ferne führt, der nur mit Eiswürfeln gepflastert ist, die wie Kieselsteine abgerundet wurden. Ich untersuche ihn genauer und stelle fest, daß man die Eiswürfel einzeln aus dem Weg herausnehmen kann. Und ich entdecke überraschend am fernen Horizont das Meer, welches einigermaßen bewegt zu sein scheint, denn selbst von hier aus sind größere Wogen auszumachen. Mein Herz beginnt sofort höher zu schlagen und ich sage zu meiner Begleitung: "Laß uns diesen Weg hinunter bis zum Meer laufen!", befürchte aber, daß der Weg ihr vielleicht zu beschwerlich und lang ist.

Auf Reisen. Von einem schnellfahrenden Zug aus versuche ich Fotos durch die Fenster hindurch zu machen. Erstaunlicherweise gelingt das auch, denn immer, wenn ich ein Motiv fokussiere, scheint der Zug langsamer zu fahren oder sogar stillzustehen. So fotografiere ich gespenstisch weiß leuchtende Baumkronen eines Waldes und altertümliche Häuser mit hohen, kunstvollen Giebeln. Schließlich nehme ich einen historischen Hof mit einer Kutsche ins Visier. Das diesmal längere und genauere Fokussieren hat zur Folge, daß ich direkt in den Hof hineinversetzt werde. Ich fokussiere weiterhin, während eine Gemüsehändlerin in der Nähe mir einige Worte zuruft.

Hm,

im Lexikon für Früchte und Gemüse lese ich gerade, daß sich in Granatäpfeln das größte bekannte Vorkommen an natürlichen Östrogenen befindet. Soll ich die jetzt trotzdem essen? Nicht daß mir noch Brüste wachsen...

Freitag, 24. September 2010

...

Schweigsam am Himmel
trotten die Schäfchen,
spätgestreifte Wespen
knuspern am Häuschen,
die sterbende Sonnglut
wirft sich verschwenderisch
in winterwachsende Schatten.

Donnerstag, 23. September 2010

Ich weiß zwar,

daß ich Vierzig bin, daß ich damit aber schon zu den Senioren zähle, war mir neu. Doch auf einem Aushang las ich heute: "Neu! Senioren-Selbstverteidigung. Für alle ab 35."
Außerdem fand ich im Internet das Expose einer irren Wohnung gleich in meiner Nähe: Zwar nur zwei Zimmer, aber alles riesig. Bad riesig, Küche riesig, die Zimmer mit Stuckraumteilern und Stucksäulen, schöne, ruhige Lage. Und für 145 qm finde ich die Miete sogar sehr günstig. Doch in 145 qm alleine verlaufe ich mich sicher, und überhaupt, schon bei nur 48 qm geht dauernd der Urlaub für das Sauberhalten drauf. Derselbe Immobilien-Anbieter hat auch schnuckelige Wohnungen jeder Größe in denkmalgeschützen Backsteinvierteln in Potsdam. Aber so lange ich noch arbeiten muß, ist Potsdam ein bißchen weit.

Traumsplitter

Im Traum bin ich mit A. zusammen. Nach einem opulenten und ausgiebigen Frühstück chillen wir zufrieden, glücklich und faul in einem loftartigen Raum. Während ich auf einem Sofa oder Bett liege, sitzt er daneben, betrachtet mich mit aufgestützten Armen und macht freche Bemerkungen. Dafür packe ich ihn an der Nase und drehe sie herum, so daß er lachend "Aua!" ruft. Jetzt betreten einige Verwandte den Raum, machen einige fröhliche Sprüche über das "junge Paar" und beginnen die große rechteckige, mit einem weißen Tischtuch bedeckte Tafel abzuräumen. Auf ihr liegen wild durcheinander und zu einem kleinen Hügel aufgetürmt anscheinend die Reste unseres Frühstücks aber auch noch sehr viel mehr Dinge. Wir bequemen uns dazu, denn schließlich können wir die anderen ja nicht alleine aufräumen lassen.

Mittwoch, 22. September 2010

Dresden zu Land, zu Wasser und zur Luft - Teil 4

Auf dem Plan stand der Zwinger. Wenn man diesen vollständig mit allen Ausstellungen besichtigen will, braucht man bestimmt einen ganzen Tag. Da wir so viel Zeit nicht hatten, mußte eine Ausstellung reichen und wir entschieden uns für die Alten Meister mit der Sonderausstellung zum Frühwerk Vermeers. Am interessantesten fand ich den Raum, in welchem das Bild "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster" zusammen mit einer Unmenge von Kopien und Nachempfindungen dieses Bildes gezeigt wurde. Es gab natürlich auch ein Wiedersehen mit der Sixtinischen Madonna, deren Engel meine Eintrittskarte zierten. Aber mein Lieblingsbild dieses Rundgangs ist "Frühstück mit Brombeerpastate" von Heda. Eigentlich auf den ersten Blick kein spektakuläres Werk, doch die wirklich gekonnt fast fotorealistische Darstellung macht mich atemlos. Nun weiß ich, daß fotografisch realistische Darstellungen unter Malern und bildenden Künstlern eher verpönt ist. Schließlich habe ich in Kindheit und Jugend viel mit bildenden Künstlern zu tun gehabt und selbst gemalt. Man legt zumindest heutzutage viel Wert auf persönliche Ausdruckskraft. Früher, als es noch keine Fotografie gab, war das etwas anders. Wenn man sich dagegen heute für solche Kunstwerke begeistert, wird einem gerne ein guter Kunstgeschmack abgesprochen. Doch bei mir ist es so, daß ich einfach auch immer das wirkliche handwerkliche Können dahinter sehe, das, wie ich finde, sehr viel rarer gesät ist als persönliche Kreativität, und es ist genau dieses Können, welches in mir Ehrfurcht auslöst. Wahrscheinlich ist das für mich bei Gemälden wie mit den tausendseitigen, spannenden Romanen. Wenn jemand einen solchen schreibt, der zwar nicht im besonderen Maße künstlerisch wertvoll ist, aber von der ersten bis zur allerletzten Seite eine wirklich fesselnde und berührende Geschichte erzählt, macht mich dieses Können mehr sprachlos, als jemand, der eine zwölfseitige sprachlich und stilistisch spektakuläre Kurzgeschichte schreibt. Faszinierend an diesem Können ist gerade, daß es sich in eigenartiger Bescheidenheit trotz vollendeter Perfektion hinter der zu erzählenden Geschichte oder aber der abzubildenden Szenerie versteckt, sich zurücknimmt, und damit selbst eine Art von Ehrfurcht gegenüber dem ausstrahlt, was sich hier in wesenseigener Reinheit zur Weitergabe darbietet.

Nach der Gemäldegalerie besuchten wir das Nymphenbad, ein magischer Ort (besonders wenn man alleine dort ist, was aber heute wahrscheinlich nicht mehr allzu oft möglich ist), der in luftiger Höhe von Unmengen an pausbäckigen, wenig bekleideten Nymphen und Nymphchen belebt wird, welche in ewiger Verspieltheit und Leichtigkeit sich über die Stadt unter ihnen zu amüsieren scheinen.

Und es stand eine Führung durch die Semperoper auf dem Programm. Wenn bis hierher mein Rücken relativ brav war, wurde es jetzt kritisch, zumal gerade das langsame Gehen zum Beispiel durch die Gemäldegalerie, besonders anstrengend ist. Unglücklicherweise bestand außer uns die gesamte Gruppe aus Reisenden der Studiosus-Reisen, im Schnitt zwischen 65 und 85 Jahren alt. Es gab zwar auf den Fluren einzelne Sitzplätze, allerdings traute ich mich nicht, mich hinzusetzen, weil unsere Vortragende, immer wenn sie von der Jugend sprach, zu mir herüber schaute, und ich mir dachte, wenn ich mich jetzt setze, hagelt es bestimmt böse Blicke oder aber Sprüche über die verweichlichte, bzw. egoistische Jugend. Zum Glück fand die zweite Hälfte der Führung im Zuschauerraum statt, wo nun alle einen Platz fanden. Als Essenz der Führung habe ich mitgenommen, daß so gut wie alles an der Semperoper falsch ist, also sozusagen eine riesige Bühnenkulisse, was aber niemanden stört, und daß man in das Gießwasser von Hortensien Alaun tun soll, damit sie blau blühen. Es gab noch einen Bummel über die Brücke zum Goldenen Reiter und über den umwerfend großen Töpfermarkt, dann hieß es auch schon Abschied nehmen von Dresden. Die Zeit war wie im Fluge vergangen.

Dresden Souvenirs

Jan Vermeer van Delft - Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster

Willem Claesz Heda - Ein Frühstückstisch mit einer Brombeerpastete

Keuchhusten und Ambrosia

Eine Kollegin versetzte uns die letzten Tage in Panik, während sie mit Schniefnase und kaum noch vorhandener Stimme Akten und Schriftstücke verteilte. Ich hätte am liebsten jedesmal ein Abwehrzeichen gemacht, wenn sie das Zimmer betrat, aber ich möchte ja niemanden diskriminieren. Ich bin mit anderen gesundheitlichen Baustellen genug beschäftigt, eine Erkältung wäre das letzte, das ich noch gebrauchen könnte. Also vermied ich es, die abgelegten Schriftstücke früher als nach drei Stunden zu berühren, frei nach dem Motto, nach drei Stunden haben sich sämtliche Viren und Bakterien auf dem Papier zu Tode gelangweilt. Heute ging nun das Gerücht um, daß sie Keuchhusten hätte, den man wohl auch trotz Impfung bekommen kann. Und Herr N. erzählte mir, daß man in Berlin eine riesige Brache voller Ambrosia gefunden habe, eines der stärksten Allergene überhaupt. Bisher dachte man, diese Pflanze gäbe es nur in Übersee. Ich empfinde es jedoch als riesigen Witz, wenn ich auf der Ambrosia-Webseite lese, daß die Verbreitung der Pflanze unbedingt verhindert und alle auftretenden "Herde" ausgerottet werden sollen. Wenn man so denkt, kann man gleich alles ausrotten, was um uns herum kreucht und fleucht. Stattdessen sollte man lieber mal ehrlich und schonungslos, und nicht nur um gewinnbringende Allergiemedikamente abzusetzen, untersuchen, warum solche Immunstörungen immer mehr zunehmen. An den "bösen" Pflanzen liegt das bestimmt nicht. Bekannt ist zum Beispiel, daß Pollen um so aggressiver werden, wenn sie sich mit vielen Rußpartikeln in der Luft verbinden. Die Pflanzen auszurotten, und das womöglich noch mit chemischen Giftbomben, erscheint da geradezu als ein Schildbürgerstreich. Es wundert mich, daß ich bei meinem Glück von Ambrosia noch nichts gemerkt habe. Überhaupt ist mir aufgefallen, daß ich, seit Herr N. ständig mit einem merkwürdigem Schnupfen herumschnieft, nicht ein einziges Mal mehr geniest habe. Ich glaube fast, sein Heuschnupfen ist meiner, d.h. ich habe ihm meinen Heuschnupfen angehext. Früher mußte er ständig 'Gesundheit!' sagen, jetzt bin ich es. Ich habe angemerkt, dies sei die Rache dafür, daß er immer dumme Bemerkungen gemacht hat, wenn ich dauernd niesen mußte. Und er antwortete, daß er ja schon gar nichts mehr sage. Nun müßte ich nur noch herausfinden, wie ich es mit den Rückenschmerzen genauso mache. Ich wüßte einige Kandidaten, denen ich die gerne mal probehalber anhexen würde. Oder auch länger.

Verleser zur Gesundheitsreform

"zentrales Verbrechen der Koalition"

statt

"zentrales Versprechen der Koalition"

Dienstag, 21. September 2010

Schade,

daß es interessante Software meist nur in Englisch gibt. Deshalb ist meine am häufigsten benutzte Software in Englisch, was eigentlich, nach einiger Einarbeitung, auch ganz gut geht, allerdings bin ich faul und hätte nichts dagegen, wenn es in meiner Muttersprache so etwas ebenfalls gäbe. Da wäre zum Beispiel die Smart Diary Suite, meine Tagebuch-, Befindlichkeits-, Listen-, Organizer-, Kalender-, Notes- und Rezeptezentrale. Ausbaufähig und immer nur fast perfekt, allerdings mit einem großartigen Support, den ich hiermit einmal lobend erwähnen möchte, denn so etwas ist heute nicht mehr selbstverständlich. Auch wenn ich im Forum mit schlechtestem Denglisch meine Vorschläge, Wünsche oder Schwierigkeiten darlege, bekomme ich immer und das sehr schnell, Antwort oder Hilfe vom Entwickler. Die Software wird mit viel Enthusiasmus unter Einbeziehung der Nutzermeinungen- und -vorschläge weiterentwickelt, was nicht unbedingt jeder Software zur Vorteil gereicht, hier konnte ich bisher allerdings tatsächlich nur Verbesserungen feststellen. Dann die Traumsoftware Alchera, die es so mit ihren Funktionen nicht ein zweites Mal gibt, die aber leider anscheinend nicht weiterentwickelt wird. Zum Support kann ich nichts sagen, da ich ihn bisher über alle Plattformen von WinMe bis Win 7 nicht benötigte, was ja auf andere Art ein Qualitätsmerkmal darstellt. Und nun habe ich eine weitere Software gefunden, die es mir angetan hat, nämlich Visual-Tarot. Ich dachte sonst eigentlich: Tarotsoftware? Wozu braucht man sowas? Im Web findet man zehntausende von Seiten, um online Tarot zu legen, wenn es denn online sein muß. So denken anscheinend viele, denn Tarotsoftware findet man nicht sehr häufig und die meisten Versionen sind eher rudimentär. Ein bis zwei Decks, zwei bis drei Legungen, wenig Deutung und mit viel Glück noch eine Speichermöglichkeit. Das alles ohne Konfigurations- oder Ausbaumöglichkeiten. Die Speichermöglichkeit ist einer der Vorteile von Software, denn online kann man Legungen meist nicht speichern und "Handlegungen" habe ich mühsam im Tagebuch notiert. Doch Visual-Tarot kann noch mehr. Es ist möglich, eigene Auslegeformulare anzulegen und abzuspeichern, sehr praktisch, wenn man sich gerne eigene Muster ausdenkt. Deutungen können für jede Karte frei editiert und angelegt werden. Eine unbegrenzte Anzahl an Tarotdecks kann hinzugefügt werden, wobei es im Internet bereits eine große Anzahl davon zum Herunterladen gibt. Und falls man immer noch lieber per Hand auslegt, gibt es die Möglichkeit, auf dem entprechenden Muster die Karten per Hand nachzuvollziehen und abzuspeichern. Möchte man mit auf dem Kopf stehenden Karten arbeiten, gibt es verschiedene Optionen, um die Anzahl zu steuern, und man kann auch nur mit den 22 großen oder den 56 kleinen Arkanen spielen. Und und und...Bei verschiedenen Lizenzpaketen bekommt man die ähnliche Version für Lenormandkarten und Runen gratis mit dazu. Nun interessieren mich Lenormandkarten oder Runen weniger, aber die Software für Lenormand ist für 36 Karten angelegt, also auch für Zigeunerkarten geeignet. Leider können aber keine Kartenkombinationsdeutungen angezeigt werden, die ja bei den Zigeunerkarten recht essentiell sind. Und leider ist die Tarot-Software zwar für hunderte von Tarotsdecks mit 22, 56 oder 78 Karten angelegt, aber nicht für das bisher nur in Englisch erhältliche Minchiate-Deck mit 97 Karten, welches ich gerade erst als Mängelexemplar zum Schnäppchenpreis erstanden habe. Und eher negativ fällt auf, daß es auf der Website weder FAQs noch ein Forum oder ähnlichen Support gibt. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Ich gehöre nicht wirklich

zu den großartigen Verschwörungstheoretikern, aber immer mal wieder beschleicht mich das merkwürdige Gefühl, daß die meisten um mich herum in irgendeinem Punkt ein ganz wichtiges, entscheidendes Hintergrundwissen darüber besitzen, wie ein unbekannter Hase läuft, welches ich nicht habe und das sie mir gegenüber unter Androhung der Todesstrafe mit strengster Geheimhaltung behandeln.