In einer völlig fremden Stadt, in die ich mit meinem Partner zu einem Wochenendtrip mit der Bahn gereist bin. Ein anderes Paar, welches wir noch nicht persönlich kannten, hat uns dorthin eingeladen und ihre Gastfreundschaft angeboten. Sie holen uns vom Bahnhof ab und führen uns durch die Straßen zu ihrem Haus. Neugierig schaue ich mich überall um und verliere dabei die anderen aus den Augen. Mitten auf einer großen Kreuzung stehend, mutterseelenallein in einer unbekannten Stadt, versuche ich herauszufinden, in welche Richtung sie gegangen sind. Was ist, wenn ich sie nicht mehr finde? Doch nach dem ersten Schreckmoment erkenne ich jetzt ihre Köpfe in der Straße vor mir, wenn auch in ziemlicher Entfernung. Ich hole sie ein und befinde mich damit bereits vor ihrem Wohnhaus. Es hat einen kleinen Vorgarten, in welchem ein alter Mann arbeitet. Er wird von den beiden "Vater" genannt. Als wir das Haus betreten und außer Hörweite des alten Mannes sind, werden wir von den beiden vorgewarnt, daß es ein "geiler alter Bock" wäre. Aha. Sie zeigen uns unser Zimmer und mein Freund ist erst einmal verschwunden, vielleicht um sich frisch zu machen. Ich sitze währenddessen mit den beiden im Wohnzimmer, wo die Frau ganz ungezwungen nackt vor mir herumläuft und eine heftige Knutscherei mit ihrem Mann anfängt, so daß nicht mehr viel fehlt und sie es vor meinen Augen miteinander treiben. Das wird mir etwas zu peinlich, deshalb verlasse ich das Zimmer und wundere mich, wo ich hier gelandet bin. Die beiden sind sauber und freundlich, auch die Wohnung ist ordentlich, aber sie wirken recht einfach gestrickt, etwas "proletenhaft", mit nicht viel im Kopf und gehören anscheinend zu der Sorte, deren Haupt- und einziges Interesse dem Sex gilt. In mir schwant der Verdacht, daß sie mit der Einladung einen Hintergedanken hatten. Vielleicht schwebte ihnen Partnertausch oder eine Gruppenorgie vor. Und ich hatte mich auf einen interessanten Städtetrip gefreut! Nun ja, die paar Tage werden wir schon überstehen.
Am Abend laden sie uns ins Kino zu einem Film ein. Der Film ist, wie erwartet, für mich nicht besonders spannend, da eher anspruchs- und belanglos. Jedoch kommt eine kurze Szene darin vor, die mich total vom Hocker reißt. In dieser Szene legt Charlie Sheen mir persönlich ein Kondom auf den Bauch. Es ist dabei, als würde sich mein Oberkörper im Kinosaal befinden und mein Unterkörper inklusive Bauch in die Kinoleinwand übergehen, und es fühlt sich total echt und glibberig auf dem Bauch an. Gefühlsecht sozusagen. Wow, das muß eine ganz neue Technologie sein. Vielleicht diese 3D-Technologie? Oder eine noch neuere? Das war jedenfalls ein irres Erlebnis. Die nächsten Stunden denke ich an nichts anderes und rede auch von nichts anderem.
Etwas später, wahrscheinlich ist es bereits der nächste Tag, bin ich gerade allein in einem Zimmer, als der alte Vater den Raum betritt. Er kommt in einer sabbernden Winselhaltung auf mich zu und ich merke gleich, was er will. Allerdings habe ich wenig Lust, mich von dem alten Bock besteigen zu lassen, weshalb ich ablehnend reagiere. Je ablehnender ich reagiere, um so mehr spüre ich, wie sich sein Körper strafft und gewaltbereit wird. Schließlich drückt er mich mit seinem ganzen Gewicht auf das Bett, aber ich wehre mich, indem ich ihm mit dem Kopf drei Schläge auf die Nase gebe, so daß er zurücktaumelt. Habe ich es bisher vermieden, in direkt anzuschauen, blicke ich ihm nun direkt in die Augen. Das wirkt meistens immer, und tatsächlich wird er kleinlaut und läßt mich gehen. Auf dem Flur laufe ich an unserem Gastgeber vorbei, welcher mich auch sehr angegeilt anschaut, aber ihn ignoriere ich einfach.
Nach einiger Zeit finde ich mich mit der Gastgeberin auf dem Bett liegend wieder. Wir sind beide angezogen und unterhalten uns über dies und das. Dabei kommt die Rede auch auf unsere finanzielle Situation. Die beiden sind anscheinend Hartz IV-Empfänger und mir rutscht heraus, daß ich finanziell echtes Glück habe und ein ganz gutes Polster. Darauf wird sie hellhörig und fragt verschiedene Dinge ab, ob ich mir diese kaufen und leisten könnte. Als ich immer mit 'ja' antworte, versucht sie mir plötzlich meine weiße Rüschenbluse mit den Zähnen zu öffnen und scheint rattenscharf auf mich zu sein. Zu Hülfe, jetzt versucht sie mich auch noch zu verführen weil ich Geld habe! Dabei stehe ich gar nicht auf Frauen, schon überhaupt nicht, wenn sie nur auf mein Geld aus sind. Glücklicherweise kommen mein Freund und der Gastgeber in das Zimmer und pfeifen sie von mir runter. Jetzt wo das Chaos perfekt ist, ist es auch Zeit, wieder abzureisen.
Beim Abschied ist die Gastgeberin erneut splitternackt und während ich ihren recht ansehnlichen, etwas molligen Körper betrachte, frage ich mich, ob mein Freund eventuell bei ihr "angebissen" hat. Leicht verwundert stelle ich fest, daß es mir nicht viel ausmachen würde. Allerdings habe ich nicht diesen Eindruck. Sie wirkt nicht so, als hätte sie bekommen, was sie wollte, und ist wohl eher enttäuscht, wie die Tage verlaufen sind. Was für ein Glück, daß mein Partner genauso langweilig ist wie ich. Überraschenderweise meine ich bei ihm sogar etwas Eifersucht zu spüren, weil ich so begeistert von Charlie Sheens 3D-Kondom bin. Dabei war es doch nur ein Film, wenn auch ein sehr wirklichkeitsnaher. Den kleinen Spaß könnte er mir ruhig gönnen.
Notiz an mich: Ich sollte nicht so exzessiv "Two and a half men" schauen.
kann ich mich kaum vor Anrufen und Emails retten. Auch die Kollegen wollen schon wieder ein Lebenzeichen, dabei fühle ich mich viel zu fertig, um Lebenszeichen von mir zu geben. Die unbeantworteten Emails stapeln sich und ich stecke den Kopf lieber ins Kopfkissen. Aber so wie ich ihnen entnehmen kann, hat es sich wohl inzwischen bis in die hinterletzte Abteilung herumgesprochen, was mit mir los ist, was ich nicht so toll finde. Spießrutenlaufen zwischen mitleidigen und neugierig abschätzenden Blicken ist nicht so mein Ding. Irgendjemand, ich weiß nicht wer, hat mir dies als Brief in meinem Briefkasten hinterlegt:
Vielen Dank dafür. Die helfen bestimmt auch bei Erwachsenen.
Im Telefonat mit meiner Schwägerin erzählte mir diese, daß anscheinend in diesem Jahr fast jeder Wespennester auf dem Balkon hat. Jedenfalls hat sie das schon von zich Leuten gehört, hatte selbst auch eines und eine Bekannte hatte sogar zwei. Ich habe jetzt ebenfalls noch ein zweites unter dem Dach entdeckt. So wie das vorletzte ein Grünfinkenjahr und das letzte ein Rattenjahr war, ist dieses wohl ein Wespenjahr. Ich frage mich, was das für die Zeitqualität bedeutet. Zuerst würde ich bei Wespen an Aggressivität denken, aber das kann ich nicht guten Gewissens so stehen lassen, den zumindest "meine" Wespen sind so unglaublich friedlich. Vielleicht liegt das aber auch daran, daß ich zu Hause immer gestreift herumlaufe. Wahrscheinlich denken sie dann, ich bin eine von ihnen, auch wenn das mit der Wespentaille nicht ganz so hinkommt.
Zufällig bemerke ich, daß die Balkonkästen auf meinem Balkon durch das Fenster nicht mehr zu sehen sind. Es ist, als wäre da Luft. Genauer hinausschauend muß ich feststellen, daß die Kästen alle verteilt vier Stockwerke tiefer auf dem Hof liegen und von einem Balkon nichts mehr zu sehen ist. Erst denke ich, daß der Balkon abgebrochen ist, weil er zu schlecht gewartet wurde. Doch dann erkenne ich, daß die Ränder des Balkons fein säuberlich abgesägt wurden, nicht nur bei meinem Stockwerk, sondern auch bei den unteren. Anscheinend fangen die hier an zu bauen, ohne daß man vorher benachrichtigt wird.
Ich habe einen riesigen Saal voller Plunder und alter Möbel geerbt oder sonstwie übergeben bekommen. Schon voller Pläne, was ich davon noch verwende und was ich entsorge, beginne ich mit dem Entrümpeln und Umstellen der Möbel. Es sind Leute da, die mir eigentlich dabei helfen sollen, aber stattdessen immer neues Zeug anschleppen. So langsam werde ich wütend und explodiere schließlich, indem ich sie anfahre, daß sie nicht dauernd irgendwelches Zeug anbringen oder sammeln sollen, sondern ich das meiste davon eigentlich loswerden will, weil es mir nicht gefällt. Zum Saal gehört auch ein rudimentäres Klo, rudimentär deshalb, weil es mehr einer mittelalterlichen Latrine gleicht, wo die Exkremente irgendwo nach unten fallen. Während ich es betrachte und überlege, ob ich da wirklich draufgehen will, kommt mein Physiotherapeut und bringt eine ganze Schar von Ratten mit, die alle in kleinen blauen wasserdichten Neoprenazügen stecken. Er meint, die Ratten gehören zum Klo, weil es nur so funktioniert. Sie sind es nämlich, die die Exkremente wieder wegfressen. Doch ich lehne kategorisch ab. Mit der Vorstellung, beim Toilettengang ständig von Ratten umwuselt zu werden, kann ich mich nun wirklich nicht anfreunden.
Ich plumpse hier auch gleich vom Sessel. Seit dem Krankenhaus, obwohl ich im Juni putzmunter war, bin ich dauernd wieder so müde wie vor und während der Chemo. Das hat hoffentlich nichts zu bedeuten.
ich habe heute mit meiner Mitpatientin telefoniert, und diese meinte, bei ihr war nach der Op im Krankenhaus alles ganz anders. Ihr wurde gleich gesagt, was man wissen muß. Wie sich das Gewebe noch ändert, daß die Brust in zwei Jahren anders aussieht, daß sie einen BH tragen soll, bis alles verheilt ist usw. Vielleicht bin ich ja in der falschen Krankenkasse? Immerhin war heute die Befundbesprechung schon erfreulicher. Alles ist raus, nachoperiert werden muß nicht. Auch wurde mir gesagt, daß sich in der Brust Nähte befinden, die sich mit der Zeit lockern und daß sich die operierte Brustwarze, die jetzt höher sitzt als die unoperierte Brustwarze, noch senkt. Gut zu wissen, denn ich dachte schon, ich solle das schön finden. Wobei eine Brustwarze die nach oben guckt und die andere nach unten durchaus einen interessanten Symbolgehalt hat. Da ich von einer anderen Brustkrebspatientin erfuhr, daß das Brustgewebe bei den Bestrahlungen zunehmen, bzw.wachsen kann, besteht also zumindest die Möglichkeit, daß mit Hilfe der Schwerkraft und der Bestrahlungen sich alles noch ganz von alleine in Wohlgefallen auflöst und dies hier nur eine kurze Zwischenbegegnung mit meiner zwanzig Jahre jüngeren Hälfte war, die ich ja an sich schön, aber im Vergleich zur anderen Seite doch zu asynchron finde. Im Moment ist sie zum Glück etwas geschwollen und meinetwegen kann das auch so bleiben. Die Ärztin meinte so zu mir, ich hätte Ansprüche. Das stimmt. Anspruchslos bin ich erst, wenn ich tot bin. Dann dürfen sie mir sogar meinetwegen ein Ohr an den Hintern, einen Zeh an die Nase und einen dritte Brust an die Stirn nähen.
Seit der letzten Woche muß ich ständig an den Arzt von der ersten Mammographie denken. Dieser hat mir bei der darauf folgenden Sonographie völlig ungefragt erklärt, wie günstig der Tumor liegt, daß man ihn gut operieren kann, mir gezeigt, wo an der Brustwarze entlanggeschnitten wird und mir zum Abschluß mit auf den Weg gegeben, daß wir uns noch viele Jahrzehnte wiedersehen werden. Damals fand ich das nur supernett, heute denke ich, das war wohl eine Ausnahme. Jedenfalls hat es mir enorm Mut gegeben, als ich nur zwischen ernsten und meist stummen Gesichtern hin und her geschickt wurde. Doch damals war ICH diejenige, die, als er mir die Operationsmethode erklärte und sagte, daß kaum etwas zu sehen sein würde, bei sich dachte: "Meine Güte, hat er jetzt keine anderen Sorgen als sich zu überlegen, wie meine Brust hinterher aussehen wird?" In der ersten Panik hätte ich mir trotz dieser Worte freiwillig alles abnehmen lassen (aber sicherlich auf eine ordentliche brustaufbauende Op mit allem Drum und Dran bestanden). Heute ist es andersherum - ich habe die Ansprüche und die Ärzte wundern sich, so kann es gehen. Doch ich habe den Verdacht, daß Männer im Allgemeinen solchen unwichtigen Eitelkeiten gegenüber aufgeschlossener sind.
Ich habe das Geheimnis des Wanderpfades entdeckt, auf dem ich bereits viele Male gegangen bin. Die größte Zeit des Tages ist es ein relativ langweiliger Weg mit langweiligen Dingen am Wegesrand. Jedoch zu einer ganz bestimmten Uhrzeit ist es, als würde sich ein Schleier lüften und märchenhafte Kulissen werden freigegeben.
Gerade stehe ich vor einer seitlichen kleinen Lichtung, wo Bäume und Gebüsch etwas auseinandergerückt sind. Dahinter schimmert nun ein ganzes Meer, dabei dürfte hier eigentlich gar keines sein. Das Meer ist von kleinen Buchten begrenzt, die abgesperrt sind und in denen sich Delphine tummeln. Obwohl ich den Raum für die Delphine ziemlich klein finde, springen sie munter umher, scheinen sich wohl zu fühlen und fröhlich miteinander zu spielen. Mir fällt auf, daß die Stellen der Haut, die ich bei ihnen für blau gehalten hatte, eher wässrig grün sind. "Wow", denke ich bei mir, "ich habe noch nie echte lebendige Delphine gesehen. Und ich habe auch noch nie in einem Traum echte lebendige Delphine gesehen. Wow!"
Meine Brust hat die Funktion eines Briefkastens, in welchen man wie bei der Post Briefe einwerfen kann. Nur leider ist sie kaputt, irgendetwas funktioniert nicht wie es soll. Entweder läßt sie sich nicht mehr öffnen und leeren oder irgendwo ist ein Stau. Es wird eine außerordentliche Sitzung einberufen, in der beraten wird, wie man die Funktion wiederherstellen kann. Denn anscheinend ist diese, d.h. das Einwerfen der Briefe, hier in diesem Betrieb nicht ganz ohne Bedeutung.
wie der Protagonist des Romans, den ich gerade lese, etwas mit dem Gewehrkolben oder dem Revolverschaft über die Rübe gezogen bekommt, befürchte ich beinahe, er wird am Ende der Geschichte unter einem massiven bleibenden Hirnschaden leiden und ich um das Happy End gebracht werden. Wer will dafür schon einen Komapatienten im Rollstuhl?
Ich habe eine Brotbackmaschine, jedoch das Problem, daß das Brot zwar schmeckt, sich aber meist keine dünnen Scheiben damit schneiden lassen. Also dachte ich mir, backe ich doch einfach mal Brötchen. Immerhin läßt sich die Brotbackmaschine auch zum Teigkneten gebrauchen, so daß sie nicht ganz nutzlos herumsteht. Die Zutaten also hineingetan (natürlich nur Bio), kneten und gehen lassen. Brötchen gefornt und Himalayasalz und Schwarzkümmelsamen oben drauf. Ich mag den Schwarzkümmel, weil er sehr lecker würzig riecht, auch beim Fladenbrot. Leider habe ich wohl, da ich gelesen hatte, daß man für Vollkornmehl mehr Wasser braucht, etwas zuviel davon dazugegeben, so daß die Brötchen recht flach geworden sind. Aber das läßt sich ja beim nächsten Mal ändern. Und ich ärgerte mich darüber, daß ich nur ein einziges Backblech zur Verfügung habe, fand jedoch beim Blick in die Ofenschublade sogar noch ein zweites und einen Alubräter obendrauf, von dem ich nicht wußte, daß ich ihn überhaupt besitze und den ich noch nie benutzt habe. Ich überrasche mich halt immer wieder selbst.
stehe ich in meinem Wespen-, Ameisen- und Hummelbiotop vor den Aromaerdbeeren und prüfe, ob sie mir eine Nascherei anzubieten haben. Die Aromaerdbeeren schmecken noch köstlicher als die vom Erdbeerhof und es wird Ware bis in den Oktober hinein versprochen. Leider brauchen sie ihre Zeit um rot zu werden, da helfen auch keine versauten Witze. Deshalb muß ich manchmal ohne morgendliche Erdbeere wieder abziehen. Das ist dann ein schlechter Tag. Leuchten sie mir rot entgegen, ist es ein guter. Das einfachste Orakel der Welt. Heute durfte ich gleich zwei Erdbeeren naschen. Es muß wohl ein guter Tag sein.
werde ich gegen den Spruch allergisch, daß mit Erreichen der Talsohle alles nur noch aufwärts gehen und besser werden kann. Wer bestimmt eigentlich, wo die Talsohle liegt? Immer wenn ich denke, ich hätte sie erreicht, tun sich neue Abgründe auf.
In der Stadt findet eine Massenveranstaltung, vielleicht Fußball, statt und alle Menschen sind auf den Beinen. Ich finde mich in einem Krankenhaus mit hieroglyphenartig bemalten Wänden wieder, wo ich von einem großen Mann im Krankenbett durch die Flure geschoben werde. Dann werde ich auf eine relativ breite grüne Liege oder einen Operationstisch gelegt, um den eine Menge grüngekleideter Leute stehen, die mir mit allerlei medizinischen Instrumenten auf die Pelle rücken. Unter anderem wird mir immer so eine Art weißer Deckel ins Gesicht gedrückt, was mich vermutlich narkotisieren soll. Da ich auf meine Fragen, was das werden soll und was man mit mir vorhat keine Antworten bekomme, wird mir plötzlich klar, daß dies keine echten Ärzte sind und ich in Gefahr bin, weshalb ich das Gesicht vom Deckel wegdrehe, ihn zur Seite drücke, vom Operationstisch hoppse und mich aus dem Staub mache. In der Stadt ist inzwischen etwas passiert. Man merkt es daran, daß noch immer Massen von Menschen unterwegs sind, die sich aber völlig anders benehmen. Außerdem liegen überall in den Straßen Leichensäcke mit Inhalt herum. Vielleicht ist eine Seuche ausgebrochen. Eine Frau, mit der ich zusammen unterwegs bin, springt in einen kleinen Teich, taucht dort unter und befestigt ihre Habseligkeiten in einem Bündel irgendwo unter Wasser, wo sie sie später wiederfinden kann. So will sie sich vor Plünderung und Raub schützen. Wir sitzen schließlich zusammen auf einer Treppe am Fuße eines Turms, die Hälfte des Horizonts nimmt ein ruhiges Meer ein, welches anscheinend die Stadt überflutet hat. Die Brandung reicht bereits bis kurz vor meine Füße. "Wir haben richtig viel Glück", sage ich zu ihr, "daß wir hier am Fuße eines Turms sitzen. Auf denen können wir uns nämlich flüchten, wenn das Wasser noch steigt." Sie nickt und nach einer kurzen Pause setze ich hinzu: "Die Leute am Fernsehturm haben aber mehr Glück als wir, weil der viel höher ist." Dies nur als gedankliche Feststellung, denn eigentlich halte ich es für unwahrscheinlich, daß das Wasser so hoch steigt.
Mit anderen Leuten zusammen suche ich einen Studentenclub auf, um etwas Gutes zu tun, zu spenden oder ähnliches. Dazu wollen wir den Club besichtigen, der im Paterre eines normalen Wohnhauses liegt. Man muß unten an der Haustür klingeln, um hineinzugelangen. Beim Blick durch das offenstehende Fenster erblicken wir zwar eine gemütliche, aber kaum genutzte Einrichtung. Das ist schade, denn so kann der Club wohl nicht lange erhalten werden. Es gilt also zu überlegen, was geändert werden sollte. Im Hausflur mit dem Leiter des Clubs stehend, steuere ich auch schon meinen ersten Einfall bei: Mir ist aufgefallen, daß nicht nur die Haustür geschlossen ist, sondern auch die Wohnungstür, an der man noch einmal klingeln muß. Der Club ist sozusagen zweifach gesichert und damit wenig einladend. Ich plädiere dafür, daß zumindest die Wohnungstür geöffnet bleibt.
Später im gleichen Haus wohnend, ist meine Mutter zu einem Fernsehabend zu Besuch. Sie will sich irgendeinen Kunstfilm anschauen, schläft dabei jedoch ein. Ich bereite ihr Bett vor und sie äußert den Wunsch, zum Einschlafen Andy Borg zu hören. Die Musik soll über den Hof in das Fenster tönen. Ich rede ihr das aus und schlage ihr Kopfhörer vor, damit sowohl ich als auch die Nachbarn verschont bleiben. Nachdem ich meine Mutter versorgt habe, krame ich in einer großen Kiste mit drei oder vier Einteilungen. In einem Abteil befinden sich Kuchen und ich kann mich nicht zwischen Mohn- und Johannisbeerkuchen entscheiden. In einem anderen Abteil findet sich eine Sammlung bunter Kinderschuhe. Plötzlich fällt mir ein, daß ich diese ja eigentlich weder brauche, noch brauchen werde, deshalb wundere ich mich, sie aufgehoben und die ganze Zeit behalten zu haben. Besser wäre es, sie auszusortieren und wegzugeben. Doch so wirklich, merke ich, möchte ich mich nicht davon trennen, warum auch immer.
Gestern war Regenwetter und ich liebe Regenwetter, ganz besonders jetzt. Es hat drei große Vorteile:
- Die Luft ist besonders schön.
- Es sind wenig Menschen auf der Straße.
- Man kann mit Kapuze herumlaufen, ohne daß es merkwürdig aussieht.
Ich beschloß also einen kleinen Abendspaziergang zu machen, der dann doch drei Stunden dauerte. Der Rückweg erfolgte schon in der Dunkelheit. Japaner oder Thailänder scheinen Regenwetter auch zu lieben, denn in regelmäßigen Abständen kamen mir welche auf Fahrrädern entgegen und grüßten mich höflich. Da muß an dem Wanderweg irgendwo ein Nest sein. Ich liebe an meiner Wohnung, daßl ich in einer Viertelstunde Fußweg im Naturpark bin, mit zwanzig Minuten Fahrweg aber in Mitte. Wenn noch jemand ein paar Zimmer und einen Fahrstuhl dranbauen würde, wäre es perfekt. Leider vergaß ich, daß Kapuzen bei mir immer sehr stramm sitzen, da ich so einen großen Kopf oder so einen langen Hals oder weiß der Geier was habe. Nach drei Stunden Wanderschaft hatte das zur Folge, daß meine Nackenmuskeln und der Rücken völlig verspannt waren und höllisch schmerzten.