Ich spüre regelrecht, wie ich vom Wachsein in einen dieser bleiernen Träume gleite, in denen man wie ein Gespenst zwischen Traum und Wirklichkeit umhertappert, und erwache (natürlich!) in meinem Bett. Sofort weiß ich, daß ich träume, denn um die Konturen aller Dinge ist ein geheimnisvoller kupferfarbener Schimmer, eine Art Aura zu sehen. Und auch einige andere Details der Umgebung stimmen nicht. Ich mag solche Träume nicht, denke ich bei mir, denn man weiß nie, was als nächstes geschieht und oft sind es ziemlich gruselige Sachen. Aber so schnell werde ich hier wohl nicht wegkommen. Ich bin traurig und unglücklich, weil bestimmte Personen einen Bogen um mich machen, als hätte ich die Pest, und jeden Kontakt zu mir meiden. Was stimmt denn mit mir nicht? Diese Frage stelle ich mir unentwegt und dann fällt mir ein, daß ich vielleicht etwas dazu erfahre, wenn ich in einen Traumspiegel schaue. Eigentlich meide ich Spiegel in solchen Träumen, denn gerne zeigen sich fremde Wesen darin, um einen zu erschrecken, aber diesmal bin ich mutig und stelle mich direkt vor einen großen Wandspiegel. Was ich sehe ist nicht außergewöhnlich und bin eindeutig ich: große grüne Augen und auch sonst alles ganz normal. Nur ziemlich verhärmt und verheult sehe ich aus. Doch ich traue der Sache nicht so ganz und will es nicht auf sich beruhen lassen, weshalb ich noch einmal sehr langsam und vorsichtig um die Ecke in den Spiegel blinzel. Und da - wußte ich es doch - sehe ich tatsächlich einen kleinen weißen Alienkopf mit einem riesigen Ohr, einem lippenlosen Alienmund und völlig ohne Augen. Schnell verkrümel ich mich in mein Bett zurück und versuche angestrengt aufzuwachen. Fast scheint es mir gelungen, als plötzlich K. durch die Tür tritt und auf mein Bett zukommt. Ich bin erstaunt und weiß jetzt, daß ich noch immer träume. Ich bin keineswegs aufgewacht. Er setzt sich an mein Bett und lächelt mich liebevoll mit einem Gesicht an, welches seinem heutigem Alter entsprechen dürfte. Es ist mit feinen, winzigen Fältchen überzogen und wirkt völlig frei von Hass oder negativen Emotionen, weshalb ich mich von ihm umarmen und brüderlich auf den Mund küssen lasse. Es ist ein schönes Gefühl, fast wie ganz am Anfang, als er noch verliebt und sehr fürsorglich war. Doch lange halte ich es in seiner Umarmung nicht aus, denn mir fällt ein, daß ich mich irren und er sich in meinen Armen in ein Monster verwandeln, oder zumindest etwas Schlechtes im Schilde führen könnte. Gerade für eine Umarmung braucht es hundertprozentiges Vertrauen, da man das Gesicht des anderen nicht sehen kann und so nicht gewarnt ist. Und nicht immer konnte ich ihm trauen. Ich gehe also etwas auf Abstand, damit ich ihn ansehen kann, greife seine Hände und frage ihn ganz direkt, ob er mir irgendetwas übel nimmt oder wegen etwas grollt. Lächelnd verneint er dies und umarmt mich erneut. Ich bin erfreut darüber, daß zwischen uns alles im Reinen ist, aber nach kurzer Zeit kommen mir wieder Zweifel, so daß ich etwas Abstand suche. "Liebst du mich?" frage ich, womit ich eine positive und wohlwollende Einstellung mir gegenüber meine, und er bejaht glaubhaft. Erneut umarmen wir uns bis mir Zweifel kommen, und alles beginnt von vorn. So geht es noch mehrere Male, bis sich sein Kopf plötzlich in einem gleißenden Licht, einer Glühbirne nicht unähnlich, auflöst. Danach laufe ich etwas planlos umher, treffe diesen und jenen, und es wird deutlich, daß der gesamte Traum von einer bestimmten Hintergrund-Erkennungsmelodie begleitet wird. Wenn ich mit Personen rede, dann werden die Antworten meistens singend vorgetragen, so als wäre dies alles ein Musical. Ich öffne einige Türen, hinter denen sich immer andere Personen verbergen, und gelange schließlich in einen Raum, in welchem mich mehrere Frauen singend zu "schmutzigem" Traumsex einladen. Nicht mit ihnen, sondern sie zeigen mir den Weg um eine Ecke. Wenn ich dorthin gehe, findet das alles statt. Doch mich stört der ironische und abfällige Ton ihrer Stimmen. Ich will keinen schmutzigen Traumsex und schon gar nicht, wenn ich so schnippisch dazu eingeladen werde. Und endlich erwache ich wirklich.

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ist zwar nichts, was mir besonders viel Spaß macht und das ich jetzt ständig tun möchte, aber wie alles im Leben können sogar existenzerschütternde Ereignisse durchaus zu positiven Dingen führen, wie zum Beispiel mehr Gelassenheit. In der Küche blieb ich heute mit einer Assiette überbackenen Fischs (der in flüssigem Fett schwamm) hängen, die Assiette federte wie ein von einem Bogen abgeschossener Pfeil und der Fisch einschließlich Soße schoß in hohem Bogen durch die gesamte Küche und auf meine Hose. In der ersten Schreckensekunde spürte ich einen nahenden Nervenzusammenbruch, doch dann lachte ich nur und sagte mir: "Nee, DARÜBER regst du dich jetzt nicht auf.". Meine Küche ist sowieso seit fünf Jahren eine stillgelegte Baustelle, jetzt halt eine Baustelle mit Fischsoße drüber. Dafür konnte aber endlich im Wohnzimmer zusammengeführt werden, was zusammengehört. Montag bekam ich zum neuen Fernseher ein passendes TV-Regal und Säulenregal. Da beide nicht besonders groß sind und auch leicht zusammenzuschrauben, dachte ich mir nichts dabei, als ich genau dies am Montag tat. Allerdings hatte ich nicht mit meinem körperlichen Zustand gerechnet. Nachdem ich fertig war, war mir mal wieder richtig fies übel und ich fiel wie tot ins Bett. Am nächsten Tag war ich immer noch total am Ende, gestern weiterhin fertig und heute fühle ich mich auch noch fertig, aber ich schätze, das kann nicht mehr an den Regalen liegen. Irgendwie verfalle ich bei solchen Beeinträchtigungen immer in leichte Panik. Krank- oder Altsein ist einfach nichts für Widdermond und Löwe-Mars/Sonne/Aszendent. Ich mein, der Löweanteil ist ja gerne und auch ausgiebig mal faul, aber wenn es dann an das Jagen geht, dann bitte mit voller Power und nicht mit Ächzen und mit Stöhnen. Na jedenfalls habe ich mich heute wieder halbwegs danach gefühlt, die Regale ganz vorsichtig einzuräumen, das überfüllte Bücherregal etwas zu lichten und dabei Ludwig und Elisabeth zusammengeführt. Warum bin ich darauf nicht eher gekommen?

Als ich heute vom Fahrer abgeholt wurde, empfing der mich gleich mit der Nachricht, daß eine italienische Maschine mit dem Papst und zwei Kampfflugzeuge über die Straße hinweggeflogen wären. Er hätte sich erst über die Kampfflugzeuge gewundert, aber dann sei ihm eingefallen, daß das nur der Papst sein könne. "Wow", antworte ich, "dann kann ich ja jetzt sagen, der Papst ist über mein Haus geflogen!" Aber er meinte dazu, es sei etwas mehr über der Kreuzung gewesen. "Mist!" schimpfe ich darauf, "dann wird es ja doch nichts mit der Wunderheilung!"
Die tägliche Dosis eines bestimmten Stoffes für mich und für andere und dann das Bewußtsein einer drohenden Gefahr. Kann es sein, daß diese Substanz die Menschen verändert? Gefahr, Gefahr, Gefahr!
Die transzendente Materialisation eines schwarzhaarigen Mädchens. Genaugenommen ist nur das Gesicht zu sehen. Die schwarzen Haare umrahmen ein blassweißes Gesicht, in dessen Weiße sich ebenfalls ein schwarzer Fleck auftut. Oder ist es Blut? Irgendwoher weiß ich, daß das Mädchen Myra heißt. Die Erscheinung verfolgt mich eine Weile überallhin, zumindest glaube ich das. Ich halte sie für eine Personalisation des Bösen, auch wenn ich nicht weiß warum. Doch schließlich ist sie verschwunden. Nach einer Weile sage ich völlig gedankenverloren: "Ich liebe dich.", ohne jemanden anzusprechen oder jemanden zu meinen. Der Satz ist einfach so da und fast genau in diesem Moment, wie nach einem Zauberwort, ebenfalls wieder die Erscheinung des Mädchens. Sie dachte, ich meine sie mit diesem Satz, und jetzt ist sie noch anhänglicher als vorher. "Bleib bei mir!" wimmert sie und klammert sich an mir fest. Mit Mühe und Not kann ich mich von ihr losreißen und sie loswerden.
Eine neue Wohnung irgendwo in Berlin. Des nachts stehe ich auf und öffne zwei Fensterflügel weit. Wasser erstreckt sich direkt bis an das Haus und darüber ein funkelnder klarer Sternenhimmel. Es ist wunderschön, aber trotzdem bin ich darüber erstaunt, wo das Wasser herkommt. Dann fällt es mir ein: Das Besondere an diesem Haus ist, daß zu einer bestimmten Zeit nach Mitternacht die Spree über ihre Ufer tritt bis direkt an das Haus, sich aber im anbrechenden Morgen wieder zurückzieht und in ihrem Bett strömt, als wäre nichts gewesen. Dieses Geheimnis macht die Wohnung so außergewöhnlich. Am nächsten Morgen, wenn das Wasser noch nicht weg ist, trifft sich das halbe Haus auf den Stufen des Hauseingangs, um in den Fluten zu baden und zu schwimmen, bevor das Wasser weg ist. Man muß dafür allerdings schon sehr früh aufstehen. Doch dann am Tag die böse Überraschung. Eine Familie kommt und sagt, es sei ihre Wohnung, sie hätten einen Schlüssel dafür bekommen. Das kann doch gar nicht sein, schließlich haben wir ebenfalls einen Schlüssel. Ich beschließe, zum Empfang des Hauses zu gehen und die Sache zu klären. Vielleicht hat sich nur jemand in der Wohnungsnummer geirrt.
Bei einer Art Bankett an einer langen Tafel. Als ich mich setze sind fast alle Schüsseln am Tisch bereits leergegessen. Die Frau mir gegenüber hat einen Teller voll Milchreis vor sich. Hm, Milchreis...darauf hätte ich jetzt auch Appetit. Es kann doch nicht sein, daß alles schon weg ist. Sicherlich steht außerhalb der Tafel irgendwo Nachschub. Doch so viel ich mich auch umschaue, nirgends ist etwas Eßbares zu entdecken. Dann hebt die Frau eine Schüssel hoch und darunter hat sich tatsächlich ein Teller mit einigen Erdbeeren versteckt. Na, der ist doch jetzt sicher für mich, denke ich etwas zu voreilig. Schließlich habe ich bisher nichts abbekommen und das wäre nur gerecht. Aber die Frau scheint das nicht so zu sehen, denn ohne Umschweife hat sie den größten Teil der Erdbeeren, bis auf zwei einzelne, die ich schnell stibitzen konnte, und einige grüne, unreife, weggegessen. Ein wenig fühle ich mich vor den Kopf gestoßen. Hier ist wohl nichts mehr zu holen, deshalb stehe ich auf und suche einen Raum auf, wo man sich über den Tag mit einigen Lebensmitteln und Proviant eindecken kann. Dann muß das trockene Zeug eben reichen, wenn ich Hunger bekomme. Doch auch hier kann ich statt Eßbarem nur Handtücher entdecken. Überall Handtücher, einige besonders schöne und große Badetücher sind sogar an die Wand drapiert. Aber von Handtüchern werde ich nicht satt.
setzen mich die Fahrer nach der Bestrahlung vor dem Supermarkt ab, damit ich gleich meine Einkäufe erledigen kann. Heute fragte er mich, ob er warten soll (wahrscheinlich ist er das von Frau Merkel und Co. so gewohnt). Ich habe NEIN gesagt. Die Kasse wird sowas ganz sicher nicht bezahlen, selbst wenn ich jeden Tag 10 EUR dazuzahle. Aber so ein eigener Chauffeur, der einem die Einkäufe nach Hause fährt, das wäre schon was. Man könnte sich dann glatt ein wenig wie ein Politiker fühlen...
Ein Störfall im Atomkraftwerk, in welchem ich mich befinde. Ich frage mich, ob wohl Radioaktivität freigesetzt wurde.
Irgendwo in einer entfernten Ecke eines großen Raumes muß sich meine Katze aufhalten. Mit verschiedenen Namen rufe ich sie, und tatsächlich sehe ich sie unter Tischen hindurch geradewegs mit ihren Beinchen zu mir laufen. Ich bin gerührt, denn schließlich haben wir uns eine Weile nicht gesehen. Während ich mit ihr schmuse, ist da ein Gefühl der nahenden Trennung.
Die Praxis meiner Gynäkologin gleicht mehr einer kleinen Firma mit recht vielen Angestellten, die durcheinanderwuseln, und einigen Büroräumen, als ich dort eintrete. Hinter allen Angestellten wischt eine Putzfrau mit ihrem Mob hinterher. Was ich dort wollte, weiß ich selbst nicht mehr, jedenfalls bleibt der Besuch ohne Ergebnis, außer, daß ich mich vor einem der Computer im Büro wiederfinde.
Später auf der Straße fällt mir ein weißes Arztschild auf, das an einem dunklen alten Gebäude hängt. Eine russische Ärztin, sogar ziemlich in meiner Nähe. Irgendetwas sagt mir, daß es sich lohnen könnte, in diese Praxis zu gehen. Als ich das Treppenhaus betrete, treffe ich einen ca. 14jährigen schwarzhaarigen Jungen. Einige Stockwerke weiter trete ich in einen engen, kleinen, aber hellbeleuchteten Flur, in welchem ziemlich viele Menschen sitzen. Das ist wohl das Wartezimmer. Die Ärztin selbst sitzt im Zimmer Nr. 36. Ich suche die entsprechende Nummer - 33, 34, 35 - ja, hier ist es. Einem Aushang entnehme ich, daß der schwarzhaarige Junge Alexander heißt und der Sohn der Ärztin ist. Auf einem anderen Schild lese ich groß und deutlich "Alle Kassen außer Humble Dum". Aha. Nun bei Humble Dum bin ich nicht. Die Kasse kenne ich nicht einmal. Ich überlege, ob ich mich anmelden soll. Es ist ziemlich voll, doch gerade stehen zwei Leute auf. Ja, ich denke, ich werde es tun. Zwischen den Träumen die kurze Feststellung, daß die fehlende Hälfte meines Backenzahns wieder an- und zugespachtelt wurde. Das ging ja sehr einfach und schnell. Hätte ich nicht gedacht.
Das Flackern eines Bildschirms vor meinen Augen. Ich schaue mir Videos an, neben mir mein Vater. Er umarmt mich und ich murmle "Gute Nacht!", denn er will wohl zu Bett gehen. "Mach dir man keine Sorgen...", sagt er zu mir, (es ist alles bestens?).
Bemerkung: Gestern dachte ich über einen Arztwechsel nach. Aber wo finde ich eine russische Ärztin, deren Sohn Alexander heißt, und die in einer Nr. 36 sitzt? Ich meine mich dunkel zu erinnern, daß der Name mit C begann. Doch wahrscheinlich gibt es die gar nicht.

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Der Ort, an dem die Eltern meines Freundes oder meiner Freundin leben, gleicht einen Trümmerberg. Über einem unwegsamen Gelände aus angehäuften Trümmern, befinden sich einige halbwegs intakte Räume. Ich bin hier zu Besuch und lerne auch sogleich die Mutter kennen. Ihre schulterlangen dunklen Haare mit wenigen grauen Strähnen sind zu einem Zopf gebunden, als sie direkt auf mich zukommt. Ihr Alter würde ich auf Mitte Fünfzig schätzen. Ohne Umschweife und Begrüßung fragt sie mich, wie ich mit meiner Brustkrebserkrankung klar komme. Mein Blick fällt auf ihren grauen Pullover, unter dem sich nur eine einzige Brust abzeichnet. Die andere, die rechte Brust wurde amputiert, da sie dieselbe Krankheit hatte. Ich meine mich zu erinnern, daß man mir gesagt hätte, sie würde nicht gerne über ihre Erkrankung sprechen. Ihre offensive Frage erstaunt mich deshalb ein wenig. Und was soll man darauf antworten? Wieweit kann man damit klar kommen oder nicht klar kommen, wenn man sowieso keine Wahl hat? Hm....ganz gut....ja, antworte ich. Dann setze ich mich zu ihr und einem anderen Familienmitglied in das Wohnzimmer. Neben meinem Stuhl fällt mir eine weiße Katze auf. Spontan beginne ich sie zu streicheln, was die Katze auf den Gedanken bringt, mich ganz für sich zu vereinnahmen, indem sie auf meinen Schoß springt und meine Hand sowohl mit spitzen Krallen als auch spitzen Zähnen festhält, um immer neue Streicheleinheiten von mir zu fordern. Aua!
In einem Hotel oder einer Pension entbrenne ich in wilder Leidenschaft zu einem fast mannshohen Teddybären. Wenn er mit seinem großen Teddybärenkopf auf mir liegt und ich mein Gesicht in sein flauschiges Fell drücke, ist es, als wäre ich in einer weichen und warmen Höhle geborgen. Das macht mich ungeheuer an. Ich beginne deshalb zu masturbieren, unterbreche aber schnell wieder, weil mir einfällt, daß mir durch das Fenster wahrscheinlich jeder beim Teddybärchensex zusehen könnte. Und das wäre doch äußerst peinlich. Also stehe ich auf und untersuche die Lamellenvorhänge am Fenster, in der Hoffnung, sie irgendwie blickdicht schließen zu können. Währenddessen knallt die Tür auf und mein früherer und erster Bereichsleiter stürmt mit einer Klientin herein. Schlagartig wird mir bewußt, daß ich nur ein Nachthemd trage und keine Perücke. Eigentlich würde ich gerne im Erdboden versinken, aber bemühe mich trotzdem, mit gespielter Selbstverständlichkeit und Souveränität durch die Situation zu kommen. Aber eigentlich könnte man vorher ja auch mal anklopfen! Der Bereichsleiter will von mir, daß ich den Antrag der Klientin bearbeite und ihr helfe. Anscheinend soll sie sogar in der anderen Doppelbetthälfte meines Zimmers schlafen. Hallo gehts noch? Was ist mit meiner Privatsphäre? Und überhaupt bin ich hier nicht, um zu arbeiten! Trotzdem füge ich mich. Einmal kann man ja aushelfen, wenn es denn so dringend sein muß. Als ich durch das Zimmer auf die Frau zugehe, fällt mein Blick im Vorbeigehen auf einen bodenhohen Wandspiegel. Darin sehe ich vorwitzige tizianrote Haarsträhnen sich um meinen Nacken schlängeln und im gedämpften Licht seidig glänzen. Ich bin erstaunt, wie lang meine Haare so schnell geworden sind. Das sieht ja weniger schlimm aus, als ich dachte. Die Klientin lasse ich ein paar Papiere unterschreiben und mein Bereichleiter beginnt sich indessen den Bart zu rasieren. "Sie kommen doch wieder zu mir.." mehr Frage als Feststellung, sagt er und schaut mich hoffnungsvoll an. Damit meint er wohl in seinen Bereich, wenn ich arbeitsfähig bin. Ich antworte nicht, denn insgeheim bin ich verärgert. Wer will sich schon freiwillig solche Überfälle gefallen lassen? Ich betrachte sein Gesicht etwas genauer. Während die eine Hälfte des Bartes noch unter weißem Rasierschaum steckt, ist auf der anderen Seite des Gesichts ein kunstvoll und großzügig gezwirbelter Musketier-Bart zu erkennen.
Bemerkung: Mein früherer Bereichsleiter war in der Tat ein Schaumschläger.
meinen neuen Fernseher. Gut, wenn ich vorher mehr recherchiert hätte, hätte ich dieses Modell wahrscheinlich nicht gekauft, denn wie ich in diversen Foren lesen konnte, kann man damit ziemliches Pech haben. Auch zu mir mußte bereits der Fernsehmechaniker kommen, weil das CI+-Modul nicht funktionierte. Er tauschte die gesamte Hauptplatine aus und jetzt läuft alles wie es soll, bis auf ein paar störende Winzigkeiten. 3D wird zum Beispiel nicht als FullHD angezeigt, was mir aber alleine nie aufgefallen wäre, wenn ich es nicht im Forum gelesen hätte. Das sieht man nämlich nur, wenn man 10 cm vom Fernseher entfernt ist und einige Leute scheinen tatsächlich mit der Nase vor der Mattscheibe zu hängen und Pixel zu zählen. Mit dem Programmguide bekomme ich sämtliche Sendungen einschließlich der aller empfangbarer Radiostationen angezeigt, leider nur, wenn ich in die gewünschten Sender erst hineinzappe. Doch dafür kann ich sowohl die Wiedergabe als auch Aufnahme mit einer angehängten Festplatte programmieren. Wie ich feststellte, habe ich sogar Zugriff zu allen Mediatheken, auch vom ZDF oder diversen Radiosendern, wenn ich über die HD-Versionen (ZDF) gehe und die "Startleiste" einblende. In der Mediathek des WDR finden sich zum Beispiel alte Sendungen von "Zimmer frei" und überhaupt, mit dieser Internet-Suchfunktion lassen sich mehr Videos, Filme und Archive aufstöbern, als man je sehen möchte. Mit der Youtube-App könnte man beispielsweise alle Robbie-Williams-Konzerte auf Großbild-TV anschauen, wenn man wollte, und mit einer anderen App werden ähnlich wie bei Last.fm nur Musikvideos gezeigt, die den eigenen Musikvorlieben entsprechen, welche im übrigen von Last.fm importiert werden. Mit der SocialTV-App kann man während des Fernsehens twittern, facebooken (heißt das so?) und googletalken. Das interessiert mich nun allerdings weniger. Egal ob Internetforen oder soziale Netzwerke, nichts davon kann mich wirklich überzeugen bis auf das Bloggen. Liegt wahrscheinlich daran, daß man mit einem Blog die meisten Freiheiten und die wenigsten Gruppenzwänge hat. Und es ist entspannend zu wissen, daß es bei denjenigen aus der Bloggergemeinde, die dauerhaft dabeibleiben, ziemlich sicher nicht um Punkte-, Sternchen- oder Kommentaresammeln geht. Mehr interessiert mich da schon die neue App der Berliner Philharmoniker, mit der man, wenn man wollte, im Wohnzimmer zu einem Live-Konzert gehen könnte, bzw. in Konzert-Archiven stöbern. Allerdings kosten 24 Stunden 9,90 EUR und es ist fraglich, ob es sich so für das Wohnzimmer tatsächlich lohnt. Sogar Yoga-Trainer gibt es als App, doch hat es mir da mehr ein neuartiger Fernsehsender angetan, Body Balance, auf dem 24 Stunden lang Yoga- und Tanz-Workouts gezeigt werden. Ich würde gerne stundenlang zuschauen, vom Fernsehsessel aus versteht sich (ok, ich habe manchmal schon mitgemacht, aber pssst). Nicht zu vergessen die tolle Funktion des automatischen Einschaltens. Ich lasse mich jetzt täglich von Dr. Quincy, Gerichtsmediziner, wecken. Normalerweise mache ich ja um jedwede Arzt- oder Krankenhausserie, mit Ausnahme von "
Kingdom Hospital", einen weiten Bogen, und das sogar, wenn sie lustig sind. Aber die Quincy-Serie ist so albern unrealistisch, daß mich da nicht einmal die Ärzte stören. Seit ich den Fernseher habe, sehe ich dem kommenden Winter sehr gelassen entgegen, denn immerhin steht man dann nicht mehr unter Druck, gutes Wetter ausnutzen zu müssen und kriegt auch keine Hummeln mehr, wegen denen ich bisher so richtig ausgiebig den Fernseher noch nicht probieren konnte. Und wenn ich vor dem Einschlafen beschließe, noch eine Sendung aus der riesigen Auswahl anzuschauen oder anzuhören, bin ich regelmäßig nach zehn Minuten eingeschlafen. Das bringt mich zu der EINZIGEN Funktion, die mein alter Bildröhren-TV ebenfalls konnte: den Sleeptimer. Unglaublich, daß mir so ein rudimentäres Mittelalter-Teil bisher völlig ausgereicht hat....
Überraschungstarif
statt
Überraschungsaperitif
Auf einen Überraschungstarif würde ich mich jedenfalls nicht verlassen. Die Überraschung könnte auch böse werden.
(in einem alten Zeitungsartikel):
"Bauen die Hände und Finger Ihres Gegenübers Hindernisse oder Gitter? Oder bilden sie ein Dach? Dann haben Sie es mit einem Besserwisser zu tun und der ist sich ganz sicher: "Nur ich weiß, wo's langgeht!" Diese Haltung wird gerne von Oberlehrern eingenommen. Die signalisieren dann auch durch nach unten zeigende Fingerspitzen, daß Sie bei der Prüfung durchgefallen sind. Danach können Sie sich jeden weiteren Flirtversuch schenken."
Da fällt mir doch sofort ein:
Nun ja, ich hatte auch nicht vor, mit ihr zu flirten...
Heute in der Anmeldung. Gerade habe ich mich in den Warteraum gesetzt, als eine Schwester aus einen der Bestrahlungsräume kommt und zu ihrer Kollegin sagt: "Ich bin dann mal weg. Ruf mich an, wenn meine Hüfte da ist." Immerhin wußte ich sofort, daß ich nicht gemeint sein kann, denn meine Keule ist noch in Ordnung. Ich bin die Brust...
fühlt man sich manchmal etwas eigenartig. Man heißt plötzlich "die Brust", ein Spitzname, mit welchem man in seinen kühnsten Träumen nicht während diesen Lebens gerechnet hätte. Man wird von den Fahrern 'ausgeladen'. Und es wird mehr auf die Maschinen Rücksicht genommen als auf die Bestrahlungsobjekte. Klar, die Maschinen sind teure Produktionsgeräte und wahrscheinlich sehr viel wertvoller als ein Mensch. Zumal die nur in der Masse Amortisation und Einkünfte garantieren. Auf dem Bestrahlungsgerät wird man wie eine Rinderhälfte hin- und hergeschoben. Aber als die Bestrahlungsschwester heute mit original der Geste über mir stand, die eine Verkäuferin macht, wenn sie gerade Hackfleisch abwiegt, dann wird es wirklich strange. Ich habe nur darauf gewartet, daß sie mit einem Schaber noch 100 g drauf packt. Wenn es so einfach wäre, hätte ich aber nichts dagegen.
Und der Fahrer erzählte mir, er habe gelesen, daß man aus einer Blume einen Stoff extrahiert habe, der bei Mäusen sämtliche Tumore zum Verschwinden gebracht hat. Jetzt will man ihn bald an Menschen testen. Als ich fragte, welche Blume das sei, meinte er, das habe er vergessen. Aber es sei eine stinknormale Schnittblume, die man an jeder Ecke bekomme...
Edit: Hm, habe mal gegoogelt und wurde fündig. Er meinte wohl diese Blumen hier:
http://www.bz-berlin.de/ratgeber/gesundheit/krokuss-extrakt-soll-krebszellen-abtoeten-article1270346.html