Zuerst ein langer Arbeitstag im Büro. Alle bleiben bis 20-21 Uhr, weil das jetzt wohl häufig so angeordnet wird. Danach finde ich mich in einem Krankenhausbett wieder. Es steht in einer großen Halle mit vielen anderen Betten. Jedes Bett für sich ist eine kleine Anlage. Ein Roboter, der aussieht wie ein Einkaufswagen, kommt um die Ecke angefahren und rollt unter meinen Füßen hindurch, wohl um den Verband oder die Wunde zu scannen. Nirgendwo ist Personal zu sehen, alles wird durch diese Roboter erledigt. Ich wundere mich, woher die wissen, wann ich aus dem Op gekommen und auf Station bin, aber wahrscheinlich wird das irgendwo vorher einprogrammiert. Neben mir steht eine andere Krankenbettanlage und an dieser sehe ich, wie das mit der Essensausgabe funktioniert. Neben dem Bett befindet sich eine lange weiße Leiste, in welche verschiedene Behälter eingelassen sind. Automatisch wird in diese Behälter die jeweilige Nahrung durch einen Greifarm(?) hineingelegt, in einen Behälter z.B. die Brotscheiben, in den nächsten die Butter, usw. Aber anscheinend kann man in das Krankenhaus auch seine Haustiere mitbringen, die sonst alleine bleiben würden, denn es gibt ebenfalls Behälter für Tierfutter. In der Krankenbettanlage neben mir werden in diese Behälter Motten und eine lebende Amsel gefüllt. Ich weiß ja nicht, was für ein Haustier mein Bettnachbar mitgebracht hat, aber mir tut die schwarze Amsel leid, die jetzt in ihrem Käfig sitzt und darauf wartet, verfüttert zu werden. Durch ein eingearbeitetes quadratisches Loch in der Seite der Leiste, kann ich alle Inhalte genau von außen einsehen. Doch da - plötzlich quetscht sie sich durch dieses Loch aus ihrem Gefängnis und flüchtet in die Halle. Flatternd sucht sie in einer Fensterecke nach dem Ausgang, findet in der hohen geschlossenen Fensterwand jedoch keinen. Ein mittleres Chaos entsteht durch diesen unerwarteten Vorfall, auf den die Automaten nicht vorbereitet sind. Auch die Patienten geraten in Aufruhr. Sie protestieren, indem sie Transparente hochhalten, auf welche sie Gedichte und Sprüche geschrieben haben. Das wichtigste Wort in allen von ihnen ist 'Leben'. Bei einigen steht aber auch 'Lebel' statt 'Leben'. Ich denke mir erst, daß dies wohl die Umkehrung von 'Leben' ist, aber das stimmt ja gar nicht. Die Umkehrung von 'Leben' ist 'Nebel'. Jedenfalls haben diese Ereignisse die schön automatisierten Abläufe fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die Krankenhausleitung muß eingreifen und verspricht, die Amsel freizulassen, um die Patienten zu beruhigen. Das freut mich für sie...
hatte ich das Abschlußgespräch bei der Ärztin mit transylvanischer Verwandtschaft. Damit hatte ich fast jedesmal eine andere Ärztin und immer muß man wieder alles vom Urschleim an erzählen. Sie erklärte mir diesmal, so wie ich es mir gedacht hatte, daß die Strahlung durch das Schlüsselbein ging und am Rücken wieder austrat. Außerdem meinte sie, daß ich mit meiner Haut gut weggekommen sei und wollte wissen, wie ich sie gepflegt hätte. Gepflegt habe ich überhaupt nicht viel, aber immer Panthenoltabletten gelutscht. Vielleicht hat das geholfen, aber vielleicht habe ich nur eine robuste Haut. Gegen Sonnenbestrahlung bin ich ja auch recht unempfindlich. Wie ein gegrilltes Spanferkel sehe ich trotzdem aus und es dauert laut ihrer Aussage wohl ziemlich lange, bis die Haut wieder einen normalen Farbton annimmt. Und ich bin die ganze Zeit mit fiesem Strahlenkater herumgelaufen, der angeblich, so habe ich gerade gelesen, heute selten geworden ist im Gegensatz zu früher, als hochdosierter und großflächiger bestrahlt wurde. Schön, daß das heute so selten vorkommt, toll, wirklich. Warum dann ausgerechnet bei mir? Lt. Patientenpass wurden mir insgesamt 60 Gray verabreicht.
Inzwischen sind dann auch die Laborergebnisse des Bluttests eingetrudelt und alle bestens, auch dieses Thrombosegen-Dingsbums, allerdings bin ich wieder verunsichert, weil da steht, daß eine Faktor V...Mutation mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist, meine Mutter aber eine Faktor VIII-Mutation hat. Kann ich bei dem Test nun davon ausgehen, daß dieses auch in Ordnung ist, oder nich - verstehe nur Bahnhof.
Putzig: Als ich von der Ärztin nach Hause lief, rannte mir ein rotgepuscheltes Etwas entgegen, das sich als Eichhörnchen entpuppte, als es vor mir über den Gehweg flitzte. Dann hoppelte es ein Stück neben mir auf dem Bordstein, flitzte wieder genau vor mir zurück über den Gehweg und verdrückte sich auf einen Baum. Warum es dieses Umweg machte, weiß ich nicht, anscheinend konnte es sich nicht entscheiden. Aber ich könnte mir nächstes Jahr ganz gut Eichhörnchen als Haustierchen vorstellen. Die fressen wenigstens nur Nüsse, hoffe ich doch, falls sie nicht ebenfalls schon schlechte Angewohnheiten angenommen haben. Jedenfalls war das eine dieser Situationen, in denen ich es bereue, keine Nuß in der Tasche zu haben.
Während eines Unterrichts nähe ich ein zartes Gitter aus Rechtecken auf ein rotes Stück Stoff. Ich finde, dies Nähte sind mir schon recht gut gelungen, jedenfalls sind sie sehr gerade und regelmäßig, allerdings ist mein Lehrer, ein älterer Herr mit Brille und einem Gesicht aus faltiger Güte, nicht ganz zufrieden. Ich habe nicht auf die Anfänge und Abschlüsse geachtet, die auf eine bestimmte Weise als kleine Knötchen angeordnet sein sollen. Mein Lehrer nimmt seine Brille ab und erklärt mir sehr geduldig, fast liebevoll, und ohne mir das Vertrauen in mich selbst zu nehmen, wie ich es anzustellen habe. Ich höre aufmerksam und lernwillig zu, denke aber bei mir, daß ich sicher noch besser verstehen und lernen würde, wenn ich nicht nur das WIE, sondern auch das WARUM erklärt bekäme. Wenn ich weiß, warum etwas so oder so zu machen ist, kann ich auch die Zusammenhänge erkennen und mir die erforderlichen Schritte viel besser merken. Sicherlich würde mein Lehrer nichts dagegen haben, wenn ich ihm entsprechende Fragen stelle, aber wird er mir diese auch beantworten?
ganze Schwärme davon, genauer: 600 pro Stunde. Das alles heute Nacht in westnordwestlicher Richtung aus dem Sternbild des Drachen. Das ist Balkonlage, haargenau. Inzwischen hat sich die riesige Regenwolke abgeregnet und der Himmel ist da und dort aufgeklart. Das heißt, das Fernsehprogramm fällt aus, ich werde mich dick einpacken (ist ja doch schon kühler) und etwas Knabberzeug bereitstellen für die Sternenshow. Meine Haustierchen dagegen rollen schon ihre Honigwein-Pocketflaschen neben das Bett, um mit mir die Show gemeinsam von der Dachloge aus zu genießen. Schließlich gibt es die Darconiden erst in 51 Jahren wieder zu sehen. Das könnte eng werden und es wäre doch gelacht, wenn heute nicht wenigstens ein kleines Schnüppchen für mich abfiele.
Edit: Immerhin vier Schnuppen, bevor eine dicke Wolkendecke aufgezogen ist. Man muß aber in der Stadt schon ziemlich genau hinschauen bei so viel Lichtverschmutzung. Auf dem Land wäre sicher mehr zu sehen gewesen.
gibt es ebenfalls im Weidevieh-Biotop, wie ich heute feststellen durfte. Als wir mit dem Auto vorbeifuhren, saß dort auf einem der Zaunpfosten ein majestätisches Exemplar und ließ den Autobahnstrom seelenruhig an sich vorbeifließen. Ein Bild wie gemalt. Einfach großartig!
sind am schönsten, wenn sie vorüber sind. Eigentlich hat die Zahnärztin gar nicht viel gemacht, außer Dreck abzukratzen und wieder Füllstoff raufzubauen. Doch wo sie gekratzt hat, muß schon der blanke Nerv gewesen sein. Ich bin bald an die Decke gegangen und der Zahn hat noch Stunden später gepocht und gezogen. Irgendwann soll eine Krone drauf, aber jetzt möchte sie mich damit noch nicht belasten. Ich hoffe mal, daß der halbe aufgesetzte Zahn vorerst wirklich hält. Ein bißchen skeptisch bin ich beim Backenzahn.
Und in Klinik erzählen sie mir, daß Montag mein letzter Bestrahlungstag sei. Ich kann mir nicht helfen: So viel ich auch rechne, ich komme immer auf Dienstag, bzw. unter Berücksichtigung des Feiertags, an dem ja nicht bestrahlt wurde, auf Mittwoch als letzten Bestrahlungstag. Selbst wenn die Simulation als Bestrahlung mitzählt, ist da immer noch der Feiertag und 30+5 ist ja eigentlich nicht falsch zu verstehen. Aber ok, mir soll es recht sein. Immer noch besser als ein paar Bestrahlungen zuviel.
Nach dem Zahnarzt war mal wieder ein Besuch bei den freilaufenden Kühen fällig. Schon als ich das Gelände betrat, roch es stark nach Vieh, ohne daß etwas zu sehen war. Der Duft stammte wohl von den riesigen Kuhfladen, die überall auf den Wegen herumlagen. Eigentlich wollte ich nur in den Elfenwald und mich dort auf die Rastbank setzen, aber ausgerechnet diesen Weg blockierten sie diesmal. Ok, wenn man sie von weitem sieht, ist es immer noch besser, als wenn hinter der Ecke plötzlich eine Herde steht. Und die Elfen hatten sich heute wegen des starken Windes eh verkrochen statt zu tanzen. Nur ein paar wenige sehr pummelige Elfen trotzten ihm. Doch auch auf dem zweiten und später auf dem dritten Weg standen Kühe, als hätten sie sich diesmal in den Kopf gesetzt, alle meine Wege zu blockieren, während vorher nie etwas von ihnen zu sehen war. Und dann begann es so zu stürmen und zu regnen, daß ich sowieso den Rückzug antreten mußte. Tropfnass kam ich zu Hause an.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen. Die eine besteht darin, so zu tun, als gäbe es keine Wunder. Die andere besteht darin, so zu tun, als gäbe es nichts als Wunder.(Albert Einstein)
Mehrere hölzerne Bankreihen wie in einer Schule, auf denen da und dort jemand sitzt. Ich bin noch fast völlig unbewußt oder konzentriert auf irgendetwas, während Charlie Sheen neben mir steht und irgendwelche Sprüche klopft, auf die ich aber kaum achte. In einen höheren Grad Traumbewußtheit tauche ich erst auf, als ich sehe, daß meine Orthopädin vor mir in der Reihe sitzt und uns beobachtet hat. Sie stellt in einem Satz fest, daß Charlie Sheen mich anbaggert und ich sein Liebling bin. Weiter sagt sie, daß sie mich sprechen müsse. Wie? Was? Charlie Sheen baggert mich an? Und ich bin sein Liebling? Und woher weiß sie das? Erst jetzt nehme ich ihn so richtig neben mir wahr. Aber weshalb will sie mich eigentlich sprechen? Mysteriös...
laut Wetterbericht, verbrachte ich mal wieder mit Ärzten. In der Klinik wurden neue Einstellungen vorgenommen und jedesmal ist dort eine andere Ärztin. Ich nutzte die Gelegenheit, um nach dem Schlüsselbein zu fragen, bekam zur Antwort, daß die Lymphbahnen bestrahlt werden, dann fragte ich nach dem Rücken und sie antwortete: "Ja, ja, die Lymphbahnen auch am Rücken." Nun weiß ich zwar immer noch nicht, wie das geht, daß ich am Rücken bestrahlt werde, wenn ich darauf liege, aber sie wirkte jetzt schon so genervt von meinen dummen Fragen, daß ich mir eine weitere verkniff. Da möchte man sich fast entschuldigen, daß man anwesend ist. Vielleicht sollte ich mich von meinem Körper abspalten und als Geist den Raum verlassen, damit ich dort nicht störe, wenn ich behandelt werde. Danach mußte ich mich beeilen, zum Termin bei meiner Ärztin zu erscheinen. Da ich ja demnächst fünf Jahre lang ein Antiöstrogen nehmen soll, welches das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien stark erhöht, erzählte ich ihr von den Thrombosen meiner Mutter und daß bei ihr ein bestimmtes "Thrombose-Gen" festgestellt wurde und ich damit ebenfalls die Chance habe, das Gen zu haben - ob das nicht getestet werden müßte? Das Ergebnis war, daß mir sofort gefühlt ein Liter Blut abgezapft wurde für verscheidene Untersuchungen, unter anderem einem Gentest diesbezüglich. Ich hoffe aber doch sehr, daß ich zumindest das nicht geerbt habe, wenn ich schon sonst jeden Sch... aus der Familie mitbekommen habe - außer die schlechten Augen und den Bauchansatz, denn das hat beides mein Bruder. Der ist insgesamt noch der Gesündeste der Familie, muß aber Ende Oktober eine Graue-Star-OP durchführen lassen. Am Donnerstag habe ich dann schon wieder das "Vergnügen", meine Zahnärztin zu sehen, da der letzte Rest der Plombierung aus dem halb abgebrochenem Backenzahn herausgebröselt ist. Und seit der Zahn erneut offen ist und zieht, tut mir seltsamerweise auch wieder das rechte ISG weh. Nachdem der Zahn im Juli ganz zugemacht wurde, hatte ich von dem ISG gar nicht mehr viel bis nichts gemerkt. Ich frage mich, ob der linke Backenzahn und das rechte ISG wohl irgendwie zusammenhängen, kann es mir aber nicht recht vorstellen. Ende November schließlich gehe ich zu einem N.ana M.ous.kouri-Konzert. Ok, das ist nicht gerade mein Wunschkonzert, aber immer noch besser als jeder Arztbesuch. Das hier ist zwar nicht N.ana M.ous.kouri, aber mir ist gerade so:
bei meinen neuen Haustieren! Seltsames geht vor im Staate der Gestreiften. In den letzten Tagen konnte ich immer wieder beobachten, wie Wespen mit riesigen Brocken von irgendwas sowohl ein- als auch ausflogen. Nicht nur das, manchmal wälzten sie sich auch mit den Brocken auf dem Rücken herum, während sie an seinem Ende nuckelten oder plumpsten damit immer wieder auf den Boden. Eine Wespe rettete sogar den Brocken unter Einsatz ihres eigenen Lebens aus einem Spinnennetz, indem sie ihn mit ihrem Körper Stück um Stück wieder hinausschubste. Es mußte also etwas ziemlich Wertvolles für sie sein, nur was? Ich betrachtete den Brocken genauer (übrigens nicht der, der auf den Fotos zu sehen ist) und stellte fest, daß er eigentümliche Ähnlichkeit mit dem gestreiften Hinterleib eines Insekts hat. Zwar nicht einer Wespe, aber doch mit dem Hinterleib einer Biene. Sie werden doch wohl nicht....???? Den Rest möchte ich gar nicht in Worte kleiden, sicher ist jedoch, daß Bienen einen Honigsack in ihrem Inneren besitzen, in welchem sie ihren Nektar sammeln und die ersten Fermentationsprozesse stattfinden. Später fand ich dann einige Bienenrümpfe ohne Kopf und ohne Hinterteil, aber noch mit Flügeln dran, auf meinem Sitzkissen. Schönen Dank auch! Ich recherchierte ein bißchen bei Google und las in einem alten Werk, der Naturgeschichte von Bienen, Wespen und Ameisen, bei GoogleBooks folgendes: "Diese Wespe füret den Namen Bienenfalk absonderlich deswegen, weil besonders die Honigbienen ihr Raub und Fraß sind, und er dadurch denselben sehr nachteilig ist. Seine Größe ist zwar nicht so vollkommen als einer Biene, aber er ist sehr behend und beherzt, und fänget die Bienen im Flug hinweg, größtenteils aber auf den Blumen, und besonders auf dem Buchwaizen oder Heidenkorn. Mit seiner krummen Freßzange reißt er der Biene den Leib auf und frißt die Honigblase heraus, oder schleppet sie zu seinen Jungen, denen er zugleich die Eingeweide mitteilet." Nun ist die beschriebene Wespe nicht die, die bei mir nistet, allerdings bin ich mir sicher, daß sich schlechte Angewohnheiten unter Wespenvölkern genauso schnell verbreiten wie unter Menschenvölkern. Jetzt wird mir auch die äußere Ähnlichkeit der Wespen mit Tigern bewußt - es sind geflügelte Tiger des Insektenreiches. Und nicht nur das. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Wespen nicht nur die Honigblasen aus dem Inneren der Bienen fressen, sondern das Zeug sogar liegen lassen, bis es gärt und sich dann daran besaufen. Das würde das seltsame Torkeln und das Herumrollen auf dem Rücken erklären, sowie, daß sie das Zeug sogar unter Einsatz ihres Lebens wieder aus Spinnennetzen holen und es dauernd mit sich herumschleppen. Jeder Trinker würde es nicht anders machen, nur daß Flachmänner leichter zu transportieren sind...
Mit meinem Freund, ein Brillenträger, bin ich auf dem Weg in die Fachhochschule. Ein Lastwagen fährt vorüber, auf dem eine Friedrich-Engels-Statue abgefahren wird. Anscheinend findet mal wieder eine Aufräumaktion mit der Vergangenheit statt. Meinen Freund nehme ich mit in den Unterricht, weil er mir bei irgendetwas, das nicht direkt etwas mit dem Unterrichtsstoff zu tun hat, helfen möchte. Wir sitzen uns gegenüber und er ist die ganze Zeit damit beschäftigt, während wir eigentlich Aufgaben lösen sollen, die wie Sudoku-Rätsel aussehen. Da ich ihm dabei zuschaue, habe ich verpaßt, bei welchem Rätsel, bzw. welcher Aufgabe, wir eigentlich sind. Die Seminarleiterin kommt, schaut interessiert, was er macht, und scheint sich nicht daran zu stören. Zum Glück hat sie nicht gemerkt, daß ich etwas planlos bin. Ich schaue suchend auf die Tafel, ob dort vielleicht ein Hinweis zu finden ist. In großen Buchstaben steht dort ein Ereignis geschrieben, auf welches wir wohl mit dem Unterricht alle hinarbeiten. Vielleicht eine Prüfung oder ähnliches. Unter dem Ereignis steht in zwei Sternchen, vielleicht als optischer Ansporn für uns, damit wir unser Ziel immer vor Augen haben: "★In 860 Tagen bin ich (?)★"....
Im allgemeinen gelte ich als gute Zuhörerin mit geradezu unendlicher Geduld. Ich habe für fast alles Verständnis und bin immer bereit, Bestätigung zu spendieren, wenn ich merke, daß diese dringend gebraucht wird. Diese Eigenschaften prädestinieren mich anscheinend dazu, daß ich einen ganz bestimmten Menschen- und Männerschlag überdurchschnittlich oft anziehe. An sich ist Selbstliebe ja etwas wünschenswertes, wenn sie der Ausgangspunkt für die Liebe zu anderen Menschen ist. Leider jedoch, gerade bei der fixierten Selbstverliebtheit, stecken oft eher Minderwertigkeitskomplexe dahinter. Minderwertigkeitskomplexe sind mehr oder weniger ziemlich weit verbreitet, aber es erstaunt mich immer wieder, wie unterschiedlich Frauen und Männer damit umgehen. Während Frauen diese gerne mit autoaggressivem Verhalten bearbeiten, egal ob bewußt oder unbewußt, neigen Männer doch sehr zum Kompensieren. Dann brauchen sie Statussymbole, Macht und immer wieder Menschen, die ihnen huldigen. An sich finde ich es allein nicht schlimm, wenn ein Mann viel redet und dabei am liebsten über sich selbst. Da ich nicht übermäßig gesprächig bin, entsteht dadurch sozusagen ein natürliches Gleichgewicht. Und ich mag es auch, wenn Männer aus ihrem Leben erzählen. Wenn ich trotzdem zuvorkommend und wie ein eigenständiger Mensch behandelt werde, ist das für mich ok. Noch lieber sind mir allerdings Männer, die es nicht nötig haben, sich dauernd in den Vordergrund zu stellen und das Talent besitzen, auch ein inhaltlich ausgewogenes und gleichwertiges Gespräch zu führen, und das nicht nur aus Berechnung. Wirklich schlimm sind aber diejenigen, die einem tatsächlich das Gefühl geben, daß sie einen nur als Publikum aus der zweiten Reihe brauchen. Die merken es noch nicht einmal, wenn man irgendwann völlig verstummt - nur wenn der Applaus ausbleibt, das bekommen sie mit. In solchen Situationen verfluche ich mich immer für diesen ganzen miesen Verständnisschmus und meine Gutmütigkeit, die ich nicht loswerde, dann hätte ich Lust mal so etwas richtig wirklich richtig Böses und Gemeines zu sagen. Nur leider fällt mir nie etwas ein.
Ich weiß zwar nicht, in welche Contest-Kategorie dieses Bild gehört, mag sein irgendwo dazwischen, doch jedenfalls scheine ich gerade eine ziemliche Aggression gegen meinen Ball zu hegen. Vielleicht bin ich auch nur sauer, daß man mich mit so einem langweiligen runden Ding abspeist.