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Sorgen berauben niemals das Morgen seiner Sorgen, sondern berauben das Heute seiner Freude. (Leo Buscaglia)

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Fitnesswahn

Ok, da das Sterbedatum von Twoday.net nun erstmal bis Ende Juni verschoben wurde, kann ich ja fröhlich hier weiterbloggen. Allerdings weiß ich nicht mehr, was ich noch glauben kann und soll, von dem, was mal da und dort als Info geboten wird.

Die Hitzewelle ist etwas abgeflaut und so wollte ich gestern abend wieder zum Zumba. Und es fühlt sich so an, als ob es keine gute Idee war. Während der größeren Hitze hatte ich, was das Tanzen betrifft, eher langsam oder gar nichts gemacht, aber dafür mehr Kraftübungen. Unter anderem auch einbeinige Kniebeuge. Nur damit hier nicht das falsche Bild aufkommt, ich sei super fit und stark: diese einbeinigen Kniebeuge mache ich immer nur halb, aber auch das ist schon anstrengend und fordernd genug. Danach tanzte ich am Dienstag wieder länger und übte an einem Lied, bei welchem ich in eine gespreizte Kniebeuge gehe. Irgendwann kam ich nicht mehr hoch. Meine Muskeln haben total versagt. Ich versuchte zwar, noch weiter zu tanzen, aber meine Beine waren wirklich nur noch wie Pudding und hatten keine Kraft mehr, weshalb ich schnell aufgab. Nun hatte ich den restlichen Dienstag und den Mittwoch zur Erholung, und am Mittwoch merkte ich eigentlich auch nichts mehr an meinen Beinen, allerdings anscheinend nur, weil ich sie eben nicht viel benutzte. Als ich dann vor dem Training mich umzog, Tasche packte usw., da spürte ich plötzlich, daß die Beinmuskeln doch noch ganz schön schwächeln und zwicken und fragte mich schon, ob es besser wäre zu Hause zu bleiben. Schließlich sind die Beinmuskeln das Wichtigste, um eine Stunde Zumba durchzuhalten. Beine wie Pudding kann man da nicht gebrauchen. Aber dann dachte ich mir, was soll's, dann tanze ich halt nur noch mit den Armen, wenn die Beine versagen, oder was weiß ich. Irgendwie habe ich die Stunde dann doch ganz gut über die Runden gebracht - aber heute, heute krieche ich durch die Wohnung wie eine 80jährige Oma. Mir tut alles weh, obwohl ich normalerweise nach dem Zumba nie Muskelkater habe. Das gestern war dann wohl das i-Tüpfelchen für meine überforderten Beinmuskeln.

Wie wichtig längere Erholungsphasen für die Muskeln sind, durfte ich schon in der Woche vorher eindrucksvoll erleben. Als ich nämlich fünf oder sechs Tage meine Armmuskeln wegen der Hitze nicht mehr extra trainiert hatte, konnte ich mich das erste Mal seit meiner Kindheit wieder in eine Brücke stemmen. Als Kind konnte ich die Brücke, aber als Erwachsener bin ich nicht mehr hochgekommen, zumal ich ja als Erwachsener auch schwerer bin. Diese plötzliche Kraft hat mich so motiviert, daß ich sofort mit extra viel Workout weitermachte, das Ergebnis ist allerdings, daß ich seitdem wieder nicht mehr in die Brücke komme. Wahrscheinlich müßte ich meinen Muskeln dazu genug Zeit zur Regeneration lassen, um in diese motivierenden Kraftspitzen zu gelangen. Überhaupt ist mir das schon häufiger aufgefallen, daß ich nicht nur am kräftigsten, sondern auch am beweglichsten bin, wenn ich längere Sportpausen mache. Sobald ich regelmäßiger Sport mache, selbst wenn es nur alle zwei Tage ist, werde ich sofort unflexibler und schwächer. Wenn man nicht mehr so viel Kraft hat, macht Bewegung aber auch weniger Spaß, weil es sich nicht mehr so gut anfühlt und man braucht mehr Selbstdisziplin, weil die Motivation abnimmt. Selbstdisziplin braucht man ja eigentlich nur, wenn man sich zu irgendetwas zwingen muß. Deshalb halte ich Selbstdisziplin auch für so überschätzt, weil sie schnell in eine Sackgasse führen kann, sobald man sich immer mehr zwingen muß, weil man durch zu wenig Pausen stets schwächer wird. So gesehen bringt mir jedes Training, bei welchem ich in meiner vollen Kraft bin, mehr, als fünf Workouts, bei denen ich mich nur so schwächelnd durchschleife, weil es enorm viel Motivation gibt. und die ist viel mehr wert als Selbstdisziplin.

Das Problem bei der Sache: Wenn ich längere Pausen mache, steigt in diesen Tagen auch schnell das Gewicht wieder und ich kann mich nicht entscheiden, was die höhere Priorität haben sollte - Fettverbrennung oder Kraft und Beweglichkeit. Immerhin verbrennen mehr Muskeln ja auch mehr Fett. Ja, was nun? Aber das viel größere Problem bei der Sache ist, daß mich mehrere Tage Pause meist echt nerven. Irgendwie macht es mich ungeduldig, wenn ich nicht gleich richtig weitermachen kann. Ein echtes Dilemma.

Und dann war da gestern dieser Themenabend bei 3sat über Menschen im Fitness- und Ernährungswahn, deren Lebensinhalt aus nichts anderem besteht, und die darüber online berichten. Irgendwie habe ich das ungute Gefühl, auf dem besten Weg zu solch einem "Lifestyle" zu sein. Denn mein Leben besteht im Prinzip nur noch aus Tanzen, der nächsten Choreografie, neuen Yoga-Variationen und den besten Kraftübungen. Ohmm, ich weiß nicht, ob ich das so gut finde. Das Leben muß doch auch noch aus etwas anderem bestehen. Versuche ich allerdings etwas anderes zu finden, das mich zwischendurch begeistert und interessiert, fällt mir nicht wirklich viel ein. Und muß ich halt dann doch mal Pausen einlegen, hänge ich bei Youtube herum und schaue mir Tanzvideos (ok, manchmal auch Katzenvideos) an. Das macht mir Angst. Andererseits, solange es Freude macht, kann es ja eigentlich nicht so verkehrt sein, oder? Und ich könnte aus der Not eine Tugend machen, und auch so ein Fitness-Lifestyle-Blog mit Online Coaching anbieten. Eine Kollegin von mir meint, ich könne gut motivieren und inspirieren.

Nur gibt es auch hierbei ein Problem: Ich quäle mich so ungern. Ich quäle mich weder beim Sport, noch beim Essen. Bei mir muß alles immer reinste Freude sein, ansonsten höre ich sofort auf. Ich tue nur das, was mir entspricht. Zum Beispiel esse ich, was und wieviel ich will und was mir schmeckt, habe aber kein Problem damit, nur ein oder zwei Mahlzeiten pro Tag zu essen, weil das für mich total natürlich ist. (Jemand anderes kann vielleicht nicht auf drei oder mehr Mahlzeiten verzichten, kommt aber gut damit klar, eine bestimmte Diät einzuhalten.) Ich meide zwar Zucker, bestimmte Milchprodukte und Weizenmehl, bin da aber auch nicht übermäßig penibel. Mein Körper zeigt mir recht schnell mit seinen Signalen, wann es genug ist. Von Zucker bekomme ich weiche Zähne, von Milchprodukten Pickel und von Weizenmehl ein aufgeschwemmtes und wabbliges Bindegewebe - und schon bin ich wieder voll motiviert, gesündere leckere Sachen zu essen. Ok, beim Sport haut das mit der reinsten Freude nicht immer so hundertprozentig hin, weil es ja dazu gehört, seine Grenzen immer mehr zu erweitern und das gelingt natürlich nicht, wenn man nur in der Komfortzone bleibt, Aber so eine wohl gewählte Herausforderung, die weder unter- noch überfordert, kann ja auch Spaß machen. Doch als Fitness-Guru komme ich mit so einem Prinzip der Freude nicht weit.
Um wie ein Fitness-Guru auszusehen und genug Follower zu sammeln, scheint es mir, muß man sich dann doch mit eiserner Willenskraft durch Trainingspläne hindurchprügeln.

Ich halte Selbstdisziplin für überschätzt, finde innere Motivation wichtiger und hasse Trainingspläne. Ich bin eher so der spontane Typ. Hier mal schnell fünf Klimmzüge, da mal eine Yogasession, dazwischen nochmal ein paar Liegestütze, und jetzt mal zwei Stunden tanzen. Alles rein aus dem Impuls heraus, was dann aber auch dazu führt, daß es kaum einen Tag gibt, an dem ich überhaupt nichts mache. Und so kriege ich das auch mit den Ruhepausen nicht so richtig hin, weil ich dann mal eben doch noch die ein oder andere Yogaübung, ein paar einbeinige Kniebeugen oder was auch immer mache. Wahrscheinlich braucht man Trainingspläne ebenfalls eher dann, wenn man sich zu etwas zwingen und durchprügeln will. Ich muß mich zu nichts zwingen, ich mache alles aus der Lust an Bewegung heraus, aber ich höre auch auf, um später weiterzumachen, wenn die Lust nachläßt oder ich demotiviert bin. Aus diesem Grund werde ich wohl nie wie ein Fitness-Guru aussehen. Mit meinem Aussehen kann ich wohl höchstens ein paar Senioren einsammeln, denen ich verspreche, daß sie mit meinen Fitnesstips ihr jugendliches Äußeres bewahren.

Wenn aus der Not eine Tugend zu machen also doch keine so gute Idee ist, bliebe noch die Möglichkeit, etwas anderes zu finden, das mich begeistert, und woran ich in den notwendigen Pausen ebenso Freude habe, damit mein Leben mehr ist als nur Fitness. Dann wäre meine Stimmung in den Pausen vielleicht auch besser und ich wäre geschützt davor, zuviel zu machen. Mir fällt jedoch einfach nichts ein.

(Beim Schreiben dieses Beitrages herrschte draußen am Vogelhaus ein mörderisches Gezeter. Erst dachte ich, es seien Spatzen, doch dann sah ich, daß es Meisen sind, jedoch eine Art, die ich noch nie vorher gesehen habe. Extrem klein, das Äußere ein wenig wie Kohlmeisen, aber mit anderen Farben. Die Recherche ergab, daß es sich wohl um diese Tannenmeisen handelt. Ich kenne zwar nicht alle Meisenarten, aber ich würde behaupten, die kleinsten Meisen haben das lauteste Organ. Schlimmer als Spatzen, sage ich euch!)
rosenherz - Do, 21:59

Ja, die Tannenmeisen, die finde ich besonders hübsch! Aber das Gezeter das sie machten, das würde ich mit einer Katze in Verbindung bringen, die irgendwo in der Nähe. Ich hab das bei meiner Arbeit im Freien entdeckt, dass die Singvögel eine ganz bestimmtes Gezeter anstimmen, wenn eine Katze sich in der Nähe aufhält. Es klingt, als würden sich die Vögel untereinander warnen, da könnte Gefahr drohen.

Katzen gibt

es hier nicht, das kann es nicht gewesen sein. Ich hatte eher das Gefühl, sie streiten sich um die letzten Krümchen im Vogelhaus, da ich es nicht neu befüllt hatte. Vielleicht haben sie aber auch die Knoblauchzehen so in Aufregung versetzt, die ich in meine Balkonkästen gelegt habe. *gg*
C. Araxe - Do, 22:18

„Hitzewelle abgeflaut”? Hier geht es gerade wieder richtig los. So viel zum kühlen Norden.

Na ja,

kühl ist es hier auch nicht wirklich, aber im Gegensatz zur letzten Woche doch schon etwas moderater.
C. Araxe - Do, 23:05

Draußen sind es aktuell noch 21 °C, im RL-Gruselkabinett unterm Dach gefühlt mindestens 30 °C ...

Hm, bei mir sind es aktuell

draußen noch 23 Grad. Ich wohne auch unter dem Dach, allerdings mit einem Dachboden dazwischen. Sobald es draußen wärmer wird als drinnen, mache ich alles zu und ziehe auch die Vorhänge vor. So hatte ich glücklicherweise nie mehr als 28 Grad im Zimmer. Und sobald es abends kühler wird, wird alles aufgerissen. Allerdings muß ich dann immer Wache stehen, bzw. sitzen, wegen der Raucher unter mir.
g a g a - Sa, 13:55

es ist sicher besser, seinen Körper in seiner Bewegungsfähigkeit zu ehren und zu feiern, als ihn in Regungslosigkeit verwahrlosen zu lassen und nur noch den Geist zu bewegen. Das wird sich auch einpendeln, wenn du meinst, es wäre zu einseitig, wie du es betreibst. Mach weiter und genieße es. Man verdummt nicht, weil man sich körperlich bewegt, im Gegenteil werden sogar neue Synapsen gebildet, wenn du dich mit Choreographien herausforderst.

Stimmt,

das Gehirn wird dabei ebenfalls trainiert. Aber trotzdem ist es irgendwie einseitig und auch seltsam, wenn man immer nur noch an "das eine" denkt. Zumal der Körper ja auch nicht unbegrenzt leistungsfähig ist und seine Pausen braucht. Da hinkt er dem Kopf irgendwie immer hinterher. Und das macht dann halt schlechte Laune, weil man das Gefühl hat, in den Pausen seine Zeit zu verplempern, statt diese sinnvoll anderweitig zu nutzen. Zeit ist ja sowieso so ein brisantes Thema für mich geworden. Dabei merke ich selbst immer wieder, daß es eigentlich besser ist, langsam zu gehen, wenn man es eilig hat, wie es so schön heißt. Nur muß ich mich halt ständig selbst daran erinnern, weil ich dauernd in Ungeduld verfalle. Das liegt auch daran, daß ich, selbst wenn ich Pausen brauche, trotzdem das Gefühl habe, eigentlich nicht viel geleistet zu haben (vielleicht ja auch, weil ich es meist nicht als Arbeit, sondern als Spaß empfinde). Deshalb denke ich manchmal, daß es vielleicht nützlich wäre, noch sozusagen ein anderes Standbein zu haben, für das ich ebenso brenne, um die Ungeduld auszutricksen. Die Gefahr besteht dann allerdings, daß man gar keine richtigen Pausen mehr macht und quasi von zwei Seiten ausbrennt. Wahrscheinlich sollte ich einfach lernen, mit meiner Ungeduld besser umzugehen und mit meinem Leistungsanspruch. Und davon ausgehen, daß im Leben von alleine auch wieder andere Interessen wichtiger werden. Vielleicht kann ich ja irgendwann auch mein Schreibtalent reaktivieren, das zur Zeit bis auf das Bloggen total brach liegt. Wenn ich mein Langlebigkeitsgen aktiviere, würde dazu die Zeit noch reichen. *gg*

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Chauvinismus par excellence....
Chauvinismus par excellence. :·(
C. Araxe - Fr, 03:53
Ah,
interessant. Diese Generation kannte ich noch gar nicht....
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Hallo Frau zuckerwattewolkenmond,...
... eventuell ging es in die Richtung "Generation Schneeflocke",...
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Uiiiii,
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