"intuitiv um Arbeit bemühen" statt "intensiv um Arbeit bemühen"
Solange mein Vater noch da war, hat meine Mutter ihm gerne den ganzen technischen und finanziellen Kram überlassen. Damit wollte sie sich nie befassen und meinem Vater war das nur allzu recht, weil er so das ganze Geld für sich ausgeben und das Fernsehprogramm bestimmen konnte. Das ging so weit, dass meine Mutter nicht einmal alleine den Fernseher angemacht hat. Nachdem nun mein Vater weg ist, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich doch mit diesen Dingen zu befassen. Ich zeigte ihr, wie sie die Programme umschaltet und Videos abspielen kann. Trotzdem treten immer wieder unvorhergesehene, meine Mutter in mittlere Panikanfälle treibende Probleme auf, wie zum Beispiel die nicht mehr funktionierende Fernbedienung. Als sie völlig verstört bei mir anrief, riet ich ihr, sie solle es mal mit neuen Batterien versuchen. Doch Batterie ist nicht gleich Batterie, und Batterien legt man nicht so oder so rum ein, und das Öffnen des Batteriefaches ist auch eine Wissenschaft für sich. Irgendwie haben wir es dann telefonisch geschafft und meine Mutter war glücklich, weil sie nämlich zur Zeit dabei ist, das Fernsehprogramm für sich zu entdecken und feststellt, dass es nicht nur Krimis im TV gibt, die sie sich bei meinem Vater immer anschauen musste. Besser gesagt, sie musste die nicht anschauen, aber wenn sie sie nicht schauen wollte, bekam sie auch nichts anderes zu sehen, sondern beschäftigte sich anderweitig. Die Sendung "Kunst und Krempel", die ich ihr empfahl, schaut sie nun ebenfalls gerne, allerdings weiß sie nicht mehr, dass ich ihr die Sendung empfohlen habe, weshalb sie mir jetzt jedesmal wenn wir telefonieren davon erzählt, als müßte sie mir einen Supergeheimtip mitteilen. Aber eine ihrer absoluten Lieblingssendungen ist "Deutschland sucht den Superstar". Mit wahrer Wonne und gespielter Empörung regt sie sich über Dieter Bohlen und seine Sprüche auf, aber irgendwie habe ich den starken Eindruck, dass sie sich in Wirklichkeit heimlich darüber amüsiert, zumal sie schon immer ein Mensch war, der anderen das Machen einer Meinung und das Denken überläßt und selbst nur nachplappert. Aber ok, das wird sie sich nicht mehr abgewöhnen, deshalb lasse ich sie Schimpfen wie einen Rohrspatz und amüsiere mich selbst über ihre kindliche Begeisterung, die die neue große Fernsehwelt bei ihr auslöst.
Manchmal weiß ich wirklich nicht mehr, was ich alles für Geschreibsel auf meiner Festplatte habe. Heute fand ich zum Beispiel ein uraltes angefangenes "Sherlock-Holmes-Plagiat", welches ich total vergessen hatte. Das Schlimme ist, dass ich auch nicht mehr weiß, wie die Geschichte eigentlich ausgehen sollte. Da kann ich jetzt selbst nur noch rätseln. Das wird wohl der erste Fall für Sherlock Holmes, der für immer ungelöst bleiben muss.*gg*
Die Gaslaternen versuchten mit fahlen Licht den grauen Londoner Nebel zu durchdringen, der mit Einbruch der Dämmerung heraufgezogen war und den alten Straßen ein unwirkliches und traumhaftes Aussehen gab, als sei die Vergangenheit dabei, erinnerte Bilder wiederauferstehen zu lassen. Durch die Fenster des 1. Stockes der Baker Street No. 221B fiel der schwache Lichtschein einer Kerze und beleuchtete die hagere, hochgewachsene Gestalt eines Mannes, der einen dünnen, spiralförmig gebogenen Draht in ein Glas mit Flüssigkeit hielt.
"Kupferdraht ist die einzig bekannte Methode, um Arsen nachzuweisen, Watson. Was für ein Segen, dass es sie gibt, denn langsam scheint sich unter den potentiellen Giftmischern herumzusprechen, dass es doch nicht so risikolos und einfach ist, lästige Mitmenschen mit Rattengift zu beseitigen."
"Woher wissen Sie das?" Dr. Watson, der langjährige und früh ergraute Freund und Assistent des Meisterdetektivs schmauchte gemütlich an seiner Pfeife. "Übrigens ausgezeichneter Tabak, Holmes."
"Ja, Mister Cleveland hat sich durchaus nicht lumpen lassen, nachdem ich im geholfen habe, lebend in den Genuss der Erbschaft zu kommen. Scotland Yard konnte in den letzten Jahren weit weniger Fälle von Arsenvergiftungen verzeichnen seit es diese Nachweismethode gibt. Allerdings befürchte ich, dass dafür jetzt andere Mittel zum Einsatz gelangen, von denen wir noch nichts ahnen. Es gibt genug Gifte, die nicht oder nur sehr schwer nachweisbar sind. Solches Wissen stammt oft von Naturvölkern und wird nach und nach von Reisenden nach Europa gebracht." Ein Holzscheit im Kamin ließ sein funkensprühendes Knacken vernehmen und unterbrach für einen Moment die Stille im Raum.
"Ja, wer töten will ohne verdächtigt zu werden, wird wohl immer wieder etwas finden." nickte nachdenklich Watson. "Ich will nur hoffen, daß Sie ihren Giftschrank gut unter Verschluss haben." fügte er hinzu und warf einen argwöhnischen Blick auf das kleine Wandschränkchen, dass eine Sammlung von Giften aller Art enthielt, mit denen Holmes von Zeit zu Zeit experimentierte.
Plötzlich war ein lautes, und dennoch zaghaftes Pochen an der Haustür in der unteren Etage zu vernehmen. Deutlich hörte man, wie Mrs. Hudson, Holmes Haushälterin, öffnete und von einer aufgeregten Frauenstimme übertönt wurde. Hastig stolperten Schritte nach oben und gleich darauf stand Mrs. Hudson auch schon in der Tür. "Mr. Holmes, eine junge Dame möchte sie sprechen."
"Ah ja, lassen Sie sie eintreten." Schnell säuberte er die Hände an einem Tuch und schaute erwartungsvoll in Richtung Treppe. Eine junge Frau, nicht älter als dreißig, trat mit ängstlichen und zugleich erleichtertem Gesichtsausdruck heran, nervös an einem seidenem Handtäschchen nestelnd.
"Guten abend, Miss ....?"
"Merfield. Bitte Mister Holmes, sie müssen mir helfen. Ich weiß nicht, zu wem ich sonst gehen könnte. Hier habe ich Geld. Bitte schicken sie mich nicht weg. Ich kann noch mehr besorgen." Mit zittrigen Händen hielt sie dem Detektiv ein Bündel Pfundnoten entgegen und beobachtete mit flehendem Blick seine Reaktion.
"Stecken sie das Geld wieder ein." erwiderte Holmes mit unbeweglicher Miene.
"Bitte..."
".....und erzählen sie, was sie veranlaßte zu so später Stunde bei uns hereinzuschneien und sich vorher am Hafen herumzutreiben."
Miss Merfield zuckte zusammen. "Wieso Hafen? Ich.....ich....war nicht am Hafen."
"Miss Merfield, wenn Sie vorhaben uns unsere Zeit zu stehlen, lege ich keinen Wert darauf, Ihre Geschichte zu hören."
Die junge Frau begann zu schluchzen und Watson schaute Holmes tadelnd an, denn er wußte natürlich, dass sein Freund vor Neugier platzte, auch wenn er es sich hinter seinem undurchdringlichen Blick nicht anmerken ließ.
"Die junge Dame wird sicher ihre Gründe dafür haben, dass sie einiges nicht preisgeben möchte.....aber..." damit wandte er sich wieder Miss Merfield zu"...wissen sie, Mister Holmes meint es nicht so. Doch die Wahrheit sollten Sie schon sagen, wenn Sie seine Hilfe beanspruchen wollen."
"Es tut mir leid. Ich hätte es mir denken können. Woher wußten Sie?" fragte sie nun wieder halbwegs gefaßt und mit einem resigniertem Ton in der Stimme.
"Der Kreidestaub am Saum Ihres Kleides. Den findet man nur auf dem Gelände des Londoner Westhafens. Ich vermute, Ihr Treffen dort verlief nicht so glücklich."
Miss Merfield wurde ebenso bleich wie der Staub an ihrem dunkelblauem Samtkleid, fasste sich aber sogleich wieder und an ihrer sich straffenden Miene erkannte man, dass sie einen Entschluss gefasst hatte.
"Sie haben recht, Mr. Holmes. Ich habe jemanden getroffen, jemanden, der mir sehr viel bedeutet. Doch würde meine Familie davon erfahren, würde dies zu einem furchtbaren Unglück führen. Ich bitte Sie deshalb inständig, ich will absolut ehrlich zu Ihnen sein, aber bitte, waren Sie das Schweigen gegenüber meiner Familie."
"Ich versichere Ihnen, Ihr Geheimnis ist bei mir in guten Händen." antwortete Holmes versöhnlich. Ein winziges Lächeln huschte über das Gesicht der jungen Frau und war genauso schnell verschwunden, wie es gekommen war.
Die schwere Standuhr in der Diele schlug 11 Uhr abends. In einem Moment des Schweigens schien der Klang ungewöhnlich lange nachzuhallen und das Zimmer in Schwingungen zu versetzen. Doch vielleicht war es auch die Spannung der anwesenden Personen, die den Raum vibrieren ließ.
"Kommen Sie," sagte Holmes zu der jungen Frau gewandt, die einige Male zu sprechen angesetzt hatte, aber unsicher zögerte. "setzen Sie sich an den Kamin, Sie zittern ja, und dann erzählen Sie mir in Ruhe, wobei ich Ihnen helfen soll." Wie ein Lamm zur Schlachtbank ließ sie sich führen. Erst als sie im bequemen Sessel saß, tat sie einen teils erleichterten, teil verzweifelten Seufzer und schaute misstrauisch zu Watson hinüber, der gerade dabei war, etwas Tabak in seine Pfeife nachzulegen und nun prüfend und geräuschvoll daran sog. Als er den finsteren Blick der jungen Frau bemerkte, hielt er sofort inne, doch ehe er etwas sagen konnte, kam Holmes ihm zuvor. "Auf die Diskretion meines Freundes können sie sich ebenfalls verlassen." und sie nickte.
"Wissen Sie," begann die junge Frau nun völlig gefasst und ruhig, als ob nie was geschehen wäre, "ich habe ihn vor einem Jahr bei einer Schiffsreise kennengelernt. Er ist ein lieber Kerl, der beste Mann, den ich mir wünschen könnte, doch leider als einfacher Matrose niemand, den mein Vater als Schwiegersohn akzeptieren würden. Er würde mich umbringen, wenn er erfahren würde......"Miss Merfield sprach nicht weiter, sondern suchte errötend nach Worten. ".......na ja, wir träumen davon, zusammen wegzugehen. Nur leider fehlt uns das Geld dafür. Mein Vater ist zwar wohlhabend und besitzt ein großes Anwesen, aber natürlich habe ich keinen Zugriff auf sein Vermögen. Es fällt mir erst zu, wenn er verschieden ist. Ich kann mich nicht beklagen, ich bekomme alles, was ich brauche und mein Vater ist großzügig. Er versucht außerdem alles, um Kontakte zu knüpfen und mich mit jungen Männern der höheren Gesellschaft bekannt zu machen, lässt mich zu allen Bällen und Empfängen gehen, kauft mir jedes Kleid, das mir gefällt, hat eine umfangreiche Mitgift für mich zurückgelegt. Doch Sie werden jetzt sicher verstehen, dass mich dies erst recht unglücklich macht. Denn das, was ich wirklich will zu bekommen, darauf besteht keine Hoffnung."
Für einen kleinen Moment kehrte Stille ein. Holmes, der die ganze Zeit mit zusammengelegten Fingerspitzen und geschlossenen Augenlidern gelauscht hatte, so dass man nur am leichten, zeitweiligen Nicken seines Kopfes feststellen konnte, dass er nicht schlief, schlug die Augen plötzlich auf und griff seitlich auf ein Tischchen, wo seine kunstvoll geschnitzte Pfeife auf einem Stapel von Büchern ruhte. "Was ist mit Ihrer Mutter?" fragte er, während er sie sorgfältig zu stopfen begann. Konzentriert, wie er war, wirkte sein Gesicht hagerer und sein Blick noch durchdringender.
"Meine Mutter ist während meiner Geburt gestorben und mein Vater hat nie wieder geheiratet. Ich hatte bis zu meinem 21. Lebensjahr eine Gouvernante, die mir sehr ans Herz gewachsen und auch heute noch wie eine Mutter für mich ist. Aber nicht einmal sie weiß von meinem Geheimnis. Sie würde es mißbilligen und meinem Vater erzählen."
Watson räusperte sich. "Ja, nun kennen wir also Ihr Geheimnis und Ihre Lebensgeschichte. Aber was kann Holmes für Sie tun?"
"Es ist etwas geschehen." erwiderte sie. "Ein Mordanschlag auf meinen Vater. Nicht weit vom Tatort entfernt wurde das Halstuch meines Verlobten gefunden, sowie im Garten seine Fußabdrücke. Sie wurden identifiziert und er gilt nun als Hauptverdächtigter. Deshalb wird er von Scotland Yard gesucht."
"Sagten Sie gerade Ihr Verlobter?" unterbrach der Detektiv sie.
"Ja, wir haben uns heimlich verlobt. Niemand weiß davon."
Holmes schloß erneut die Augen und signalisierte, dass er bereit war, weiter zuzuhören.
Miss Merfield zögerte. "Ich nehme an, Sie wissen, wo sich Ihr Verlobter vor dem Scotland Yard versteckt?" half er ihr auf die Sprünge.
"Das werde ich Ihnen aber nicht sagen." antwortete sie und wurde rot.
"Ich sehe, Ihr Vertrauen werde ich wohl nicht vollständig gewinnen, aber seien Sie gewiss, sollte diese Information für die Aufklärung des Falles von Bedeutung sein, werde ich es auch ohne Ihre Mithilfe herausfinden. Um genau zu sein, vermute ich, dass ich das Versteck sogar schon kenne. Aber ich will Sie nicht beunruhigen. Erzählen Sie weiter."
Verwirrt schaute sie auf Holmes unbewegliches Gesicht bis Watson sie beschwichtigte.
"Machen Sie sich keine Sorgen. So lange er ihren Freund nicht für schuldig hält, wird er nichts an das Yard weitergeben."
"Nun also..."fuhr sie vorsichtig fort "ich war vorhin bei ihm und die Sache sieht immer schlechter aus für ihn. Aber ich weiß, dass er kein Mörder ist, auch wenn mein Vater der Grund ist, dass wir beide nicht zusammensein können. So etwas würde er niemals tun. Deshalb bitte ich um Ihre Hilfe. Auch wenn ich ihn nie werde heiraten können, möchte ich doch nicht, dass er für etwas verurteilt wird, was er nicht getan hat oder sich sein ganzes Leben lang verstecken muß."
"Miss Merfield, ich werde alles in meinen Kräften liegende tun, um den Fall aufzuklären. Berichten Sie mir jetzt bitte so genau wie möglich über den Anschlag auf Ihren Vater und die Umstände der Tat. Versuchen Sie sich an jede Einzelheit zu erinnern und lassen Sie nichts aus."
Die alte Standuhr in der Diele tat den zwölften Schlag, als Holmes den Satz beendet hatte.
"Vielleicht sollte ich Sie lieber morgen weiterbemühen. Es wäre unhöflich, Sie so spät noch aufzuhalten."
"Machen Sie sich keine Sorgen. Vor 3-4 Uhr gehe ich nie zu Bett und je schneller ich mir ein Bild der Geschichte machen kann, umso schneller kann ich Ihrem Freund helfen. Und auch Mister Watson scheint sehr begierig auf die Geschichte zu sein."
"In der Tat." stimmte Watson zu und versuchte ein kleines Gähnen zu unterdrücken, während er eine Uhr aus der Tasche seines Tweedwamses zog, einen kurzen Blick darauf werfend. Doch seine Augen blitzten aufmerksam und wach unter den buschigen Augenbrauen hervor. "Wenn Sie wollen nehme ich Sie nachher auch gerne mit der Droschke mit und setze sie zu Hause ab. Wo wohnen Sie eigentlich?"
"Danke, das ist sehr freundlich. Ich bin zur Zeit für ein paar Tage bei einer befreundeten Familie zu Gast. Sie wohnen nur ein paar Straßen entfernt von hier. Doch nun will ich gleich weitererzählen, um die Sache nicht unnötig auszudehnen. Mein Vater ging am Abend des 2. Septembers wie gewöhnlich hinaus, um ein paar Schritte durch den Garten zu laufen. Der Garten geht nach hinten hinaus nahtlos in die Waldbestände unseres Anwesens über, in welchem sich manchmal Wilderer herumtreiben. Als er kurz vor dem Waldrand war, traf ihn plötzlich ein Pfeil, glücklicherweise jedoch nur in die Schulter. Einer unserer Bediensteten eilte gleich hinzu und brachte meinen Vater in das Haus."
Sherlock Holmes schien mit einem mal hellwach und erregt, um sich gleich darauf jedoch wieder bedächtig zurückzulehnen. Nur am Funkeln seiner Augen konnte man erkennen, dass ihn der Fall immer neugieriger machte.
"Hm, ein Pfeil..."murmelte er wie zu sich selbst. "Finden Sie das nicht auch etwas ungewöhnlich, Watson?"
"Ja, seltsam. Vielleicht ein Wilderer, der noch mit Pfeil und Bogen auf die Jagd geht?" brummte Watson unsicher zurück.
"Das werden wir sehen. Ich glaube, wir sollten Ihrem Vater so schnell wie möglich einen Besuch abstatten." erklärte Holmes bestimmt und wandte sich Miss Merfield zu.
"Wie wäre es mit morgen, ähm, heute nachmittag?"
"Ja, gerne." stotterte die junge Frau. "Sie werden doch nicht....?"
"Keine Sorge" unterbrach Holmes Sie ungeduldig.
Noch lange nachdem das Getrappel der Pferdedroschke auf der nachtschweigenden Straße verklungen war, saß Holmes versunken in seinem braunen Ohrensessel. Nur durch eine winzige Bewegung seiner Hände von Zeit zu Zeit war erkennbar, dass er hellwach war.
***
Viel zu langsam näherten sie sich dem Anwesen der Familie Merfield, welches sich als ein äußerst imposanter Landsitz erwies. Die kleinen viktorianischen Türme des Gebäudes mit ihren verzierten Giebeln ragten düster in den mit dunkel drohenden Wolken überzogenen Himmel. Mit kurzen Befehlen trieb Holmes den Kutscher zu mehr Eile an.
"Holmes..." begann Wartson beschwichtigend. "Das Haus wird uns nicht weglaufen und Miss Merfields Vater ebensowenig."
"Nein, das sicher nicht!" knurrte Holmes, ohne sich beirren zu lassen und die Kutsche fegte mit noch größerer Geschwindigkeit über das flache, mit kargen Grasnarben überzogene Land.
Ein sehr ruhig gewordener, schwitzender Watson und ein angespannter, zerzauster Holmes betraten schließlich die repräsentative, mit Jagdtrophäen ausgeschmückte Empfangshalle und wurden von zwei Bediensteten begrüßt. Die junge Miss Merfield eilte ebenfalls herbei, nicht ohne nochmals einen flehenden Blick auf Holmes und Watson zu werfen.
"Wie geht es Ihrem Vater?" fragte Holmes wie beiläufig, aber ohne sie aus den Augen zu lassen.
"Schlechter. Wir machen uns große Sorgen um ihn. Die Wunde war zwar nicht tödlich, aber der Schock könnte es sein. Er hat ein schwaches Herz, wissen Sie." Ihr standen die Tränen in den Augen, während sie sich hilflos und verschreckt umblickte.
"Wo liegt das Zimmer Ihres Vaters?"
"Oben die erste Tür im rechten Flügel."
"Watson kommen Sie!" befahl Holmes und sprintete auch schon die breite Treppe zur Galerie hinauf, so dass sein Freund Mühe hatte, Schritt zu halten, und das Hauspersonal beiden etwas verwundert und ärgerlich hinterherschaute.
Kurz vor der Schlafzimmertür Mr. Merfields hielt Holmes inne und betrat behutsam den Raum. Mr. Merfield lag in seinem Bett und wirkte selbst bleicher als das Bettlaken. Er schien sich nicht über die Eindringlinge zu wundern und als Watson ihm erklärte, dass er Arzt sei, nickte er nur stumm. Hinter ihnen trat schließlich seine Tochter in das Zimmer.
"Er weiß Bescheid. Ich habe ihm gesagt, dass Sie kommen."
Holmes untersuchte Mr. Merfield aufmerksam mit seinen Blicken und befragte ihn nach seinen Beschwerden, während Watson ihn abhorchte. Mit einem Mal entspannte sich Holmes Gesicht merklich und fast lächelnd murmelte er vor sich hin: "Das ist es also nicht."
"Was ist es nicht, Holmes?" fragte Watson.
"Keine Zeit, keine Zeit.....kommen Sie, wir wollen uns den Tatort anschauen. Mr. Merfield sollten Sie strenge Bettruhe verordnen. Es ist aber nötig, dass immer jemand bei ihm ist."
und schon eilte er wieder zur Tür, wünschte Mr. Merfield jedoch vorher noch gute Besserung.
"Nun warten Sie doch mal, Holmes..." pustete Watson atemlos hinter ihm her. "Was soll das alles? Ich verstehe nichts mehr."
"Das müssen Sie auch nicht, lieber Watson, das müssen Sie auch nicht." grinste der Meisterdetektiv ihn an.
"Ich würde auch sehr gern wissen, was mit meinem Vater ist." ließ sich eine zaghafte Stimme hinter ihnen vernehmen.
"Ah, Miss, es tut mir aufrichtig leid, dass ich Sie so übergangen habe. Am besten Sie führen mich jetzt zum Tatort und dann erkläre ich es Ihnen."
Ich besichtige eine Wohnung an einem mir nicht ganz unbekanntem Ort. Es ist das alte Pfarrhaus meiner Eltern. Das Zimmer, in welchem ich zur Untermiete wohnte, sowie beide Pfarrwohnungen wurden zu einer riesigen Etagenwohnung zusammengelegt. Sie ist sehr hell und weitläufig, so weitläufig, dass man sich darin fast verlaufen kann. Allein mein ehemaliges Zimmer ist groß wie eine Hotelempfangshalle und hat einen Treppenaufgang. Als ich es betrete, denke ich bei mir, dass mir ein Zimmer dieser Größe schon als Wohnung reichen würde.
Anscheinend soll die Wohnung öffentlich vermietet werden, was mich etwas wundert, da es ja normalerweise Dienstwohnungen sind. Ich sehe eine junge Frau mitten im Raum stehen und irgendeinen Streifen ausfüllen. Das muss ich auch noch machen, deshalb renne ich durch das hallenweite Zimmer dorthin, doch weil hinter mir eine Frau die Treppe heraufkommt und mich rennen sieht, habe ich nun ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, dass man es bestimmt nicht gerne sieht, wenn ich in den "heiligen Hallen" renne. Es ist die Hausverwalterin, sie sagt jedoch nichts deshalb, fragt mich aber über einige Dinge aus, zum Beispiel, ob ich eine Beziehung habe. Ich antworte mit "nein", und sage zu ihr auch noch einmal, dass mir ein Zimmer allein eigentlich schon ausreichen würde bei dieser Größe.
"Wir werden sehen." meint sie, und dass sie mich jemandem vorstellen möchte. Es ist der Pfarrer K., der in einer der zusammengelegten Wohnungen wohnte. Die Hausverwalterin stellt ihn irgendwie anders vor und nennt ihn "Bruder". Im Traum trägt er eine schwarze Soutane und hat kohlrabenschwarze Haare und Augen. Sein Finger ziert ein Ring mit einem riesigen funkelndem Edelstein und merkwürdigerweise trägt er auch noch im Ohr einen eckig geschliffenen, sehr großen Stein, so wie es für junge Männer teilweise modern gewesen ist, nur dass es zu seinem konservativem Priester-Outfit nicht so recht passen will. Im übrigen sieht er aus wie ein katholischer Priester und nicht evangelisch. Kurzzeitig meine ich auch Edelsteine vor seinen Augen zu sehen - vierfach gebrochene, so dass er eigentlich ein vierfaches Bild sehen müsste. Wirklich erfreut bin ich nicht, ihn zu treffen, aber da es um die Wohnung geht, gebe ich ihm freundlich die Hand und grüße ihn. Irgendwie habe ich den unbewußten Eindruck, dass er es tatsächlich darauf anlegt, dass ich die Wohnung bekomme, auch wenn mir nicht klar ist, wieso.
Nach diesem Teil des Traumes schlief ich durch die Schmerzen in meinem Bein sehr unruhig und bin immer wieder aufgewacht, habe jedoch den Traum mehr oder weniger weitergeträumt. In der nächsten Schlafphase befinde ich mich an einem öffentlichen Aushang, wo die Wohnung ausgeschrieben ist, und wo man sich als Bewerber eintragen kann. Ich überlege, ob ich es tun soll, lasse es aber aus der Überlegung heraus, dass die Wohnung eh nur ein Bediensteter der Kirchengemeinde bekommt. Ich schaue auf die Liste der Bewerber und erkenne den Namen "Renate Schulze". Sollte das etwa meine ehemalige, berentete Kollegin sein?
Nach einer erneuten Wachphase träume ich weiter, dass ich nun in der Wohnung wohne, allerdings anscheinend nur in einem Zimmer, meinem alten Zimmer, welches auch wieder viel kleiner ist. Ich habe Puschel im Arm und mein Telefon mitgebracht, mit dem ich jemanden anrufen möchte. Jedoch meldet sich, so oft ich es versuche, immer eine merkwürdig rauhe Männerstimme, die seltsame Sachen sagt, so als würde jemand mich abhören und sich mit Absicht stets in meine Gespräche einklinken. Wahrscheinlich wird mein Telefon überwacht und alle Gespräche werden entweder mitgehört oder vereitelt. Und wahrscheinlich ist das der Grund, warum mich Pfarrer K. unbedingt wieder dort haben wollte - damit er sein böses Spiel mit mir treiben und mir Angst machen kann.
Der Rhodonit ist ein Stein der Wanderer. Im übertragenen Sinne heißt dies, dass er uns die Kraft gibt, Veränderungsprozesse, wie z.B. Umzug oder neuer Arbeitsplatz besser zu bewältigen. Er schenkt Freude und Zuversicht für den kommenden Lebensabschnitt und verhilft zu Offenheit, Selbstverwirklichung und Herzenswärme im Alltag...
...Er bewirkt einerseits, sich gegen ungerechtfertigte Kritik zu behaupten und unterstützt er andererseits, auch sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und zu seinen Fehlern zu stehen. Besonders in Stresssituationen und bei neuen Aufgaben bewahrt der Rhodonit vor Prüfungsangst und Lernblockaden (mangelndes Selbstvertrauen). Er hilft Schattenseiten zu transformieren und verborgene Fähigkeiten zu entwickeln. Er befreit von seelischem Schmerz, hilft, alte „Wunden“ und „Narben“ zu heilen.
stehe ich heute total neben mir. Gestern habe ich wieder an ein paar Möbeln geschraubt und mir dabei so die Beine verknotet und draufgesessen, dass ich abends nicht mehr laufen konnte. Leider ging das trotz Dehnungs- und Streckübungen nicht weg, so dass ich in der Nacht kaum schlafen konnte. Allerhöchstens vier Stunden, doch danach bin ich bei jeder Bewegung mit meinem Bein aufgewacht und wußte nicht, wie ich es hinlegen sollte, damit ich es nicht mehr bewege. Nachdem ich dann erstmal nach dem Aufstehen mein Make-up über den Badfussboden verteilt und die Ohrringe vergessen habe, humpelte ich zur Arbeit und kam natürlich einige Minuten zu spät, da ich doch nicht so schnell humpeln konnte, wie ich dachte. Danach hab ich noch fast im Halbschlaf vor mich hin gedödelt und erst als meine Chefin mir die Story vom Wochenende erzählte, bin ich etwas wacher geworden. Und zwar erzählte sie, dass sie wegen eines Brandes mitten in der Nacht herausgeklingelt wurde. Es hatte wohl in einem Bordell gebrannt und auch Anwohner waren davon betroffen, so dass sie jetzt eine alte, 76jährige Frau irgendwo unterbringen sollte. Da die Pensionen nicht zu erreichen waren und sie sonst nicht wußte, wo sie die Oma hinbringen sollte, entschied sie, sie in einem kleinen Hotel gleich bei sich an der Ecke unterzubringen, natürlich auf Kosten der Kommune. Sie setzte die alte Frau also in ihren Wagen und fuhr mit ihr hin, doch als sie da waren, wollte die nicht aussteigen. Stattdessen erklärte sie, dass sie in das Hotel Adlon wolle. Da meine Chefin merkte, dass die Omi leicht verwirrt ist, versuchte sie ihr weißzumachen, dass das kleine Hotel eine Außenstelle des Hotel Adlon ist, aber darauf ließ sich die alte Frau nicht ein. Sie erklärte, sie wollte schon lange umziehen und möchte nun in das Hotel Adlon, mit dem hier habe sie nichts zu schaffen. Irgendwann gab meine Chefin auf, ließ die Omi laufen und sagte ihr bloß, wenn sie eine Unterkunft benötige, solle sie sich bei der Polizei melden. Sachen gibt's....
zieht es mich wieder an die Spree und ich habe gestern einige neue Beobachtungen gemacht:
Das Stück Spreeufer, auf dem man früher durch den Schlamm gewatet ist, wurde neu aufgeschüttet, wahrscheinlich im Zuge der Wiedereröffnung des Bodemuseums, da es dorthin führt. Nur das letzte Stück, wo vorher immer eine Strandbar war, ist noch Baustelle.
Berlin hat nun auch einen schiefen Turm, den schiefen Turm vom Hauptbahnhof. Entweder habe ich einen Knick in der Optik oder das Teil ist wirklich schief. Leider ist mir auch aufgefallen, dass die Holzbohlenbrücke, auf der man nun direkt über die Spree zum Hauptbahnhof kommt, dem Spreeufer den besonderen Blick nimmt, den man dort vorher hatte. Schade irgendwie. Es wird immer schwieriger, Orte zu finden, wo man einen weiten Blick hat, gerade in der Stadt, und die Brücke sieht auch noch grottenhäßlich aus.
Die Waschmaschine sieht nicht nur wie eine Waschmaschine aus, sondern hört sich auch noch so an. Das Super-Schleuderprogramm.
Meine Wohnung, allerdings eine andere als die reale, ist plötzlich voller Untermieter. Ein blasses dünnes Männchen (Herr Luchterhand?), eine junge blonde Frau, und mir steht auch noch mit einem Mal eine ältere Frau mit gefärbten blonden Haaren gegenüber. Gefärbt nehme ich deshalb an, weil sie gleichzeitig sehr starke schwarze Augenbrauen hat. Außerdem ist sie etwas rundlich. Ich schaue sie entgeistert an, da ich nicht weiß, was sie in meiner Wohnung will. Sie kommt mir fremd und gleichzeitig vertraut vor, als müßte ich sie irgendwoher kennen. Sie sagt mir, wer sie ist und dann erkenne ich sie. Natürlich! Es ist die von dem und dem. Spontan umarme ich sie herzlich. (Nach dem Aufwachen weiß ich aber immer noch nicht, wer sie ist.) Wir sitzen nun alle beim Essen, es sind aber noch viel mehr Leute dabei, und mir fällt auf, dass so viele Untermieter einen Nachteil haben - ich kann mein dreckiges Geschirr nicht mehr stehen lassen. Wenn das jeder machen würde, würde bald Chaos herrschen. Also stehe ich sofort nach dem Essen auf, um meinen Teller abzuspülen und so für die entsprechende Vorbildwirkung zu sorgen. Kurzzeitig überlege ich, ob ich für die anderen gleich mit abwaschen sollte, bin dann jedoch der Meinung, dass das jeder selbst machen kann. Vergessen zu erwähnen habe ich, dass es in der Wohnung ein großes offenes Fenster oder einen Balkon gibt, von wo aus man ganz Berlin überblicken kann. Im Traum erkenne ich deutlich den Fernsehturm in der Ferne. Ich mache mir aber Sorgen, dass irgendjemand die Balkone zum Fassadenklettern benutzt, da ich nicht möchte, dass jemand abstürzt, und tatsächlich schwingt ein Mann, anscheinend ein Handwerker, seine Beine über die Balustrade und springt in das Zimmer. Überhaupt scheinen in der gesamten Wohnung alle möglichen Leute ein- und auszugehen. Ich erzähle verschiedenen davon, dass ich irgendetwas geschafft oder gemeistert habe (eine bestandene Prüfung?), jedenfalls erhalte ich von zweien jeweils 2 5-Euro-Scheine als Belohnung oder Anerkennung, so dass ich insgesamt 4 5-Euro-Scheine habe.
Das Kuriose ist, dass ich heute, nach dem Traum, tatsächlich 4 5-Euro-Scheine bekommen habe, allerdings nicht als Geschenk, sondern als Wechselgeld. Ich habe mir spaßeshalber mal die Nummern aufgeschrieben: U02320768319, U23487746531, V07280207959, X14453545133. Und ich frage mich, warum man solche belanglosen Dinge, wie 4 Geldscheine, ein schwarzes Weblog, jemanden, den man in der U-Bahn trifft, usw. vorausträumt, während die wichtigeren täglichen Dinge, wie z.B. ein Anpfiff von der Chefin, verschwundene Akten oder eine lästige Zollinhaltserklärung eher selten vorkommen.
"Henker macht halbes Dutzend voll" statt "Henkel macht halbes Dutzend voll"
Irgendwie hab ich's heut mit rollenden Köpfen....
Weiß eigentlich irgendwer, was das für eine Linie ist, die schräg vom Mondberg, quer über die ganze Hand bis zum Jupiterberg verläuft? Oder kann es sein, dass meine Schicksalslinie schräg liegt? Ich habe so eine Linie bisher noch nirgendwo erwähnt gefunden.
"Merkel köpft Kauder" statt "Merkel knöpft sich Kauder vor"
Was ist das? Den ersten Teil fand ich witzig, besonders durch den köstlichen Johnny Depp alias Jack Sparrow, auch wenn es kein Film ist, den ich mir zweimal anschaue. Aber dieser zweite Teil ist nur noch grausamster Humbug, den selbst Johnny Depp nicht mehr aufwerten kann. Im Gegenteil, im Rahmen der Handlung wirkte sein Witz ebenfalls irgendwie müde, so als ob er dazu gezwungen worden wäre, Fluch der Karibik 2 zu drehen, aber gar keine Lust dazu hatte. Außerdem werde ich im Leben nie verstehen, warum in Abenteuerfilmen immer irgendwelche entarteten ET- und Monstermutanten vorkommen müssen. Untote Piraten reichen wohl nicht mehr? Das Ende läßt darauf schließen, dass es noch einen dritten Teil geben wird, aber diese Reise mache ich garantiert nicht mehr mit.
Fazit: Zum Gähnen
In die Kreuzspinnenburg,
die tief versteckte,
am großen Wasser,
unter den alten Kastanien
dort wo dein Liebchen eingekerkert
ihres Kreuzspinnenritters harrte,
dorthin schicktest du mich
und ließest mich allein
ohne Kreuzspinnenritter
und ohne Schwert,
die Kreuzspinnen liebten mich
und meine Gewänder,
das Zeichen trugen sie
der alten Götter,
umwebten mich
und zogen ihre Fäden enger
Was dachtest du dir bloß?
wie zum Beispiel, wenn mein Kumpel bei mir auf der Couch sitzt, einen schweren Fotokunstband auf seinen Knien, ihn umständlich versucht anzuheben und ich zu ihm sage "Kriegst ihn nicht hoch?" oder wenn ein junger Mann aus dem Nachbarhaus vor meiner Tür steht, weil er eine Lieferung bulgarischen Wein für meinen urlaubenden Nachbarn entgegengenommen hat und ich ihn frage, ob er was zum unten reinstecken hat, womit ich natürlich AUSSCHLIESSLICH den Briefkasten meinte. *grrrrrrr*
lauern die Fettnäpfchen, sondern auch beim Sprechen. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich wohlweislich und mit Bedacht von vornherein nicht viel sage. Aber selbst wenn ich dann mal den Mund aufmache, gelingt es mir immer noch, mich mit allergrößtem Elan in jedes umherliegende Fettnäpfchen zu stürzen. Wie zum Beispiel als ich ein Geburtstagsgeschenk von der Witwe des Freundes meines Vaters erhielt. Es war eine grellbunte, grottenhäßliche, abwaschbare, billige Plastik-Shopper-Tasche, wie man sie oftmals bei diversen Firmen als Geschenk für eine Bestellung erhält. Das Fatale in dieser Situation war, dass ich mich tatsächlich freute, da ich solche Taschen immer für meine Freibadbesuche verwende und bei der letzten kurz vorher der Reißverschluß kaputt gegangen war. Also sagte ich in meiner spontanen Freude: "Oh, toll! Die kann ich wirklich gutgebrauchen, weil ich solche ollen Taschen immer für das Freibad nehme." Erst als mich die Witwe etwas seltsam anschaute merkte ich, dass irgendwas an dem Satz nicht in Ordnung gewesen war. Als ich den Fauxpas bemerkte, wäre ich am liebsten im Erdboden versunken und noch heute könnte ich mir dafür aufs Maul hauen. Es gibt ja Leute, die machen sowas mit Absicht, ich aber nicht. *in peinlichem Gedenken*
gleich am frühen Morgen ein Besen in die Fresse fällt, den der Hausmeister gegen die Haustür gelehnt und dort vergessen hat, hätte ich eigentlich wissen müssen, dass der Tag nichts werden kann.
Ich finde, "Mulholland Drive" ist ein Film, über den man immer wieder meditieren kann. Bisher habe ich ihn zweimal ganz und zweimal halb gesehen (weil er so spät lief, dass ich eingeschlafen bin). Ich rätsel dabei gerne und komme jedesmal auf völlig neue Ideen. Der ganze Film ist wie ein Rätsel, oder besser, wie ein Traum, den es zu deuten gilt. Und da ich eh ein Faible für Träume habe, ist es kein Wunder, dass mir der Film liegt. Außerdem wollte ich als Kind immer eine Mischung aus Sherlocka Holmes und Emma Peel sein, wobei Emma Peel hier nichts zur Sache tut, da es mir mehr um die heute im Vergleich zu den unzähligen Kung Fu-Filmen müden Karatekünste ging. Aber auch Sherlocka Holmes passt nicht so richtig, da das große Vorbild stets die Logik und die Wissenschaft auf seine Fahnen schrieb. Dürfte ich heute noch Kind sein, wäre ich wohl eine Mischung aus Sherlocka Holmes, Emma Peel und Großstadtschamanin. Reizende Vorstellung, und sofort fällt es mir wie Schuppen von den Augen, warum ich FBI-Agent Dale Cooper so mag - er wäre das genaue männliche Pendant zu mir. Aber ich schweife ab.
David Lynch hat selbst 10 Hinweise zur Lösung des Rätsels gegeben:
Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit, denn zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor der Eröffnungssequenz.
Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine wichtige Rolle spielen.
Achten Sie darauf, wie der Name des Films heißt, für den sich der Regisseur Adam Kesher Schauspielerinnen anhört und ansieht. Wird dieser Titel an einer anderen Stelle im Film wiederholt?
Beachten Sie genau, an welchem Ort der Unfall stattgefunden hat.
Wer gibt wem einen Schlüssel und in welchem Zusammenhang, und warum tut er das?
Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher und die Tasse Kaffee.
Wer macht sich im Club Silencio bemerkbar? Was ist dort zu spüren, zu beobachten und zu entschlüsseln?
Ist es allein Camillas Begabung, die ihr hilft?
Achten Sie genau auf die Ereignisse im Umfeld des "schwarzen Mannes" hinter Winkies.
Wo ist Tante Ruth?
Ich persönlich glaube ja, dass es durchaus mehrere Lösungen geben kann, aber am interessantesten ist es natürlich die zu finden, die sich Lynch dabei gedacht hat.
Sherlocka Holmes kombiniert:
Im Film ist eine deutliche Zweiteilung zu erkennen, welche durch die alptraumhafte Sequenz einer Theatervorstellung erfolgt. Auffällig ist ebenfalls das alte Ehepaar, welches sowohl am Anfang, als auch am Ende des Filmes auftritt. Ich denke, der Anfang ist nicht der Anfang und das Ende nicht das Ende, sondern das alte Ehepaar markiert einen Schnittpunkt, an dem beide Teile aneinandergefügt werden müssen. Damit wäre dann der zweite Teil der erste und der erste der zweite. Unter diesem Gesichtspunkt wird der erste Teil der Story schon etwas klarer.
Diane (später Betty), eine junge angehende Schauspielerin, verliebt sich in Hollywood in ihre Kollegin Camilla (später Rita). Diese spielt mit ihr und schnappt ihr die Hauptrolle zu einem Film weg. Später läd sie Diane (Betty) zu einem Essen bei dem Regisseur ein, macht vor ihren Augen mit diesem rum und verkündet schließlich, dass sie ihn heiraten wird. Diane (Betty) kocht vor Eifersucht, trennt sich und beschließt einen Auftragskiller auf Camilla (Rita) anzusetzen. Diesen trifft sie in einem Diner, wo sie auf dem Schild der Bedienung den Namen Betty liest, und er gibt ihr einen Schlüssel. Sie fragt, was der Schlüssel öffnet, aber der Killer gibt keine klare Antwort. Diane (Betty) versinkt nun in immer tieferer Trauer und Schuldgefühlen, wird mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert (das Ehepaar als Todesdämonen?) und erschießt sich selbst. Ist der Tod das Ende?
Ab hier wird es jetzt schwierig, da kommt selbst Sherlocka Holmes nicht so recht weiter. Sie könnte sagen, dass beide Filmteile völlig getrennt voneinander existieren und der eine einfach die bunte Glitzerwelt und der andere die Abgründe Hollywoods zeigt, aber das wäre zu einfach. Dazu greifen sie zu sehr wie Zahnräder ineinander und zeigen merkwürdige Parallelen.
Hier kommt die Großstadtschamanin ins Spiel, die von der Existenz verschiedener, nebeneinander, bzw. ineinander bestehender Welten ausgeht. Diane könnte zum Beispiel von ihren Todesdämonen in einer Zwischenwelt, einer Matrix, abgeliefert worden sein, wo sie Gelegenheit hat, ihr Handeln durch eine gute Tat wieder auszugleichen. Die gute Tat besteht darin, Rita (Chamilla) dabei zu helfen, ihr nach einem Autounfall verlorenes Gedächtnis wiederzufinden. Das würde auch erklären, warum Betty (Diane) mit einem Mal verschwindet, als Rita (Chamilla) den blauen Würfel mit dem Schlüssel öffnet und anscheinend ihre Erinnerung zurückkehrt. Solange sie von dem Autounfall traumatisiert war und nicht wußte, wer sie ist, konnte sie mit Betty (Diane) kommunizieren. Dass es sich bei dem ersten Teil nicht um reine Realität handelt, scheint auch die Theatervorstellung anzudeuten, in welcher der Showmaster auf der Bühne raunt, es sei alles, ALLES Illusion. Doch die große Frage ist, wessen Illusion? Ich glaube, dass es Bettys (Dianes) ist, denn angenommen, sie ist die Frauenleiche in dem Haus, worauf alles hinweist, dann sagt der mysteriöse Cowboy zu IHR, dass es Zeit ist aufzuwachen. Wenn man von zwei, völlig unabhängig voneinander existierenden, Filmteilen ausgeht, könnte es auch die Illusion des Regisseurs sein. Sehr geheimnisvoll ist die Funktion des kleinen blauen Würfels, welcher mit dem Schlüssel geöffnet wird. Mich erinnert dieses Bild an die Büchse der Pandora. Eventuell enthält er das Böse, das in die Welt gelassen wird. Diane (Betty) erhielt den Schlüssel dazu, hat ihn benutzt und ist selbst daran zugrunde gegangen. Unter diesem Gesichtspunkt könnte die Rückkehr in eine Zwischenwelt oder Matrix aber auch ganz anders motiviert sein. Betty (Diane) kehrt zurück, um Rita (Chamilla) dazu zu bringen, ebenfalls den Würfel zu öffnen, ihr Gedächtnis wiederzuerlangen und schließlich, durch das entwichene Unheil ebenso wie Betty (Diane) ihren Dämonen zu erliegen. Nun nach dem Autounfall, nachdem sie weiß, dass sie von Killern gejagt wird und Diane in ihrem Haus hat verfaulen sehen, stehen die Chancen gut. Dies wäre dann eine andere Möglichkeit ausgleichender Gerechtigkeit, aber noch wahrscheinlicher ist es, das beide Motive gar nicht voneinander zu trennen sind, da höhere Gerechtigkeit weder böse noch gut ist, sondern einfach ein Gleichgewicht herzustellen sucht.
Leider habe ich nicht mitbekommen, wie der Schlüssel von dem Couchtisch Dianes in die Tasche von Rita gekommen ist. Darauf will ich beim nächsten Mal noch einmal besonders achten. Stimmt meine zweite Theorie, müßte er von Betty (Diana) bewußt oder unbewußt dort hineingetan worden sein. Meine Hoffnung ist gering, dass es so ist, aber vielleicht ist im Film auch überhaupt nichts dazu zu sehen. Womit ich anfangs ein wenig Probleme hatte, das war die Szene, in der sich Rita (Chamilla) die Haare abschneiden will und von Betty (Diane) eine blonde Perücke verpasst bekommt, mit der sie ihr verdammt ähnlich sieht. Ich hatte immer das Gefühl, dass dies eine Schlüsselszene ist, konnte sie aber nicht einordnen, bis ich es so erklärt habe, dass Rita (Chamilla) seit dem Besuch in Dianes Haus irgendwie wußte, dass sie von Killern gejagt wird. Trotzdem bleibt immer so ein kleines Kribbeln, welches mir zu bedeuten scheint, dass noch mehr dahinter steckt, ebenso wie hinter diesen Besetzungs- und Namensspielchen. Aufgefallen ist mir dazu die Szene, in welcher eine Chamilla Rhodes beim Casting singt und genauso aussieht wie Betty (Diane), während sich diese eiligst verabschiedet, und würde erklären, warum Rita meint Diane zu heißen, als sie den Namen auf dem Schild der Bedienung liest. Doch wenn ich dieser Möglichkeit weiter folgen will, versagt das Vorstellungvermögen meiner kleinen grauen Zellen.
Vielleicht hat Diane (Betty) alias Chamilla sich als Chamilla (Rita) alias Diane ausgegeben, um zu der Hauptrolle zu kommen, deren Besetzung wie man weiß, von unsichtbaren Drahtziehern vorher schon bestimmt wurde. Der Cowboy sagt zu dem Regisseur, dass dieser ihn noch einmal sehen wird, wenn er richtig gewählt hat, aber zweimal, wenn er falsch wählt. Eventuell sagt er das nicht nur dem Regisseur, sondern auch den Zuschauern. Deshalb sind das Dinge, auf die ich ebenfalls beim nächsten Anschauen nochmals mein Augenmerk richten will.
Interessant wäre außerdem eine Deutung des Männchens hinter den Vorhängen und des Cowboys. Als Großstadtschamanin finde ich die Metapher sehr amüsant, das kleine Männchen im Rollstuhl hinter den Vorhängen (des Theaters?) wäre Gott und der Cowboy sein Gesandter/Engel, der den Willen Gottes verkündet. Als Sherlocka Holmes sage ich, dass es auch nur ein Mächtiger Hollywoods sein könnte, der gerne Gott spielt. Überhaupt keinen Reim machen kann ich mir auf den träumenden Mann und den Mann im Traum des träumenden Mannes.
Sicher ist aber, dass ich diesen Film nicht das letzte Mal gesehen haben werde.
Zwischen Steinen fand ich ihn,
im Graben bei der Kirche,
gesucht hatte ich ihn lange,
einen Tag und eine Nacht
mit flatterndem Herzen
und pochendem Blute,
der Sturm in den Adern,
der wirbelnde Taifun,
wollt sich nicht legen.
Der Sturmvogel schrie
in regennassen Wolken
hinter meiner Brust
und unruhig hockten
die Geister in ihren Höhlen,
da schüttete in reicher Fülle
er strahlende Sterne aus
(mit offenen Händen fing ich sie).
Zur Zeit versuche ich ja, mich beim Kommentieren etwas zurückzuhalten, um mich vor den Fettnäpfchen in acht zu nehmen, also ist es gerade die richtige Zeit, um mir generell über mein Kommentierverhalten Gedanken zu machen. Mir ist dabei aufgefallen, dass es sich zur Zeit wieder mehr meinem Verhalten im realen Leben annähert, wo ich sehr schüchtern bin. In meinen letzten Blogs hatte ich trotzdem komischerweise keine Probleme auf fremden Blogs Kommentare zu hinterlassen. Diese Fremde-Blog-Hemmung habe ich erst hier bei twoday.net entwickelt. Vielleicht liegt das daran, dass ich mich bei twoday nicht wirklich sehr wohl fühle, obwohl ich nicht benennen könnte, warum. Irgendwie kommt es mir manchmal so vor, als ob hier jeder ziemlich einsam ist, und irgendwie finde ich die Blogger manchmal etwas, na ja, elitär. Ich habe mich schon einige Male gefragt, ob es daran liegt, dass es ein österreichischer Anbieter ist, kann mir aber nicht wirklich vorstellen, dass das so viel Unterschied macht. Natürlich gibt es hier auch viele sehr sympathische Blogger, auf jeden Fall die, die ich noch von 20six kenne, und obwohl ich mich selbst nicht viel hinaus wage, so verirren sich doch stets genug Leute auf mein Blog, so dass ich mich nicht langweilen muss und trotzdem immer wieder neue interessante und nette Blogger kennenlerne. Ich verrate ein Geheimnis: bevor ich das 20six-Weblog hatte, führte ich schon einmal ein Testweblog auf twoday.net, welches ich aus eben jenem Grund, dass ich mich nicht wirklich wohl fühlte, wieder aufgegeben habe. Nach dem Niedergang von 20six war twoday jedoch die beste Alternative und nachdem ich inzwischen über ein Jahr lang dieses Blog aufgebaut habe, werde ich mich erst hier wegbewegen, wenn ich vertrieben werde. Ich habe einfach nicht die Zeit und die Geduld, dauernd an neuen Blogs zu basteln. Ein bißchen Paranoia mag da ebenfalls mitschwingen, zumal ich doch einen gewissen kleineren Bekanntheitsgrad noch aus den Zeiten von 20six annehme und weiß, dass es Blogger gibt, die mich nicht leiden können. Ich möchte sie keineswegs in die unangenehme Lage bringen, durch einen Irrtum meinerseits Kommentare von mir auf ihrem Weblog zu haben. Ich gestehe, dass ich ab und zu etwas nostalgisch an mein allererstes Blog auf freenet denke und stelle fest, dass
Schreibman der "älteste" Blogger ist, den ich kenne und nicht aus den Augen verloren habe. *mal hinüberwink*
Nun, da die Beller hunden, nun, da die Kräher hähnen,
nun, da morgengrauend die Klänge glocken,
Und die Schnauber eseln und die Pieper vögeln,
Und Pfeifer nachtwächtern und Grunzer schweinen,
Und das morgenrotige Rosa die weiten Golder feldet
Perlend Flüssiges, wie ich vergossen träne
Und vor Beben kälte, indes die Glut seelt,
Klag ich meine Seufzer fensternd unter deinem.
(Jose Manuel Marroquin)
Schade, dass es von dem anscheinend kein deutsches Buch gibt. Würd' ich sofort kaufen, zumal es ja bei mir auch manchmal weckert. Ich glaube, wenn man das stundenlang liest, hat man danach nur noch Quark im Kopf. Ich liebe sowas. *gg*