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Sonntag, 8. April 2007

Ostersonntag

Zuerst sind wir gesammelt in das Pflegeheim eingefallen, mein Vater schien heute ziemlich gut gelaunt zu sein, er war sogar bereit, seine Amaretto-Ostereier zum Kosten anzubieten, und der Grund entdeckte sich uns später beim Gespräch mit der Schwester. Diese meinte, der Koch hätte sich heute selbst übertroffen und mein Vater gegessen wie eine siebenköpfige Raupe. Zuerst das Mittagessen, und als dann noch ein Stück Torte kam, hätte er schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, doch wenig später war auch das verschwunden. Und als wir kamen, war er schon wieder sehr interessiert an den Ostereiern, die wir mitgebracht hatten. Außerdem entschuldigte sie sich schnell, ehe es uns unser Vater erzählen würde, dass sie das Glas Wein für ihn vergessen habe. Wir hatten nämlich am Aushang gelesen, dass es heute für jeden ein Glas Wein gab und das hatte sie gesehen, aber sie schwor hoch und heilig, dass er das Glas Wein noch bekommt. Als er mich sah, fragte er gleich, ob ich gestern bei irgendeinem Tierfest gewesen sei. Er hätte mich im Fernsehen gesehen. Als ich verneinte, meinte er, diejenige sah genauso aus wie ich. Aber seine Schwester a la Angela Merkel sieht er ja auch ständig im Fernsehen. *gg*

Ich finde es ein bißchen schade, dass man da nicht wirklich lange bleiben kann. Nicht dass ich es im Heim so schön finde, aber ich habe auch schon zu Weihnachten gemerkt, dass es ihm gefallen würde, wenn wir uns alle dort in das Zimmer setzen und Kaffeetrinken oder erzählen würden, selbst wenn er überhaupt nichts davon mitbekommt, da er nichts hört und wir uns nicht weiter um ihn kümmern würden. Es ist wahrscheinlich einfach das Gefühl von vertrauter Gesellschaft und halt nicht ganz ausgeschlossen zu sein. Er sagt dann auch immer zu meiner Mutter, sie soll doch Sitzgelegenheiten holen und ob wir nicht noch bleiben usw., bloß leider ist dieses Zimmer so klein, dass man sich schon zu dritt auf die Füße tritt, ich selbst bin froh, wenn ich wieder draußen bin, weil es so beengt ist, und gar kein Platz zum Sitzen ist. Der Raum ist zwar an sich schön, mit einem großen Panoramafenster mit Blick auf den Park, aus welchem er auch die "Bären", die Leute gegenüber beobachtet, und so für den alltäglichen Gebrauch für einen bettlägerigen Menschen ausreichend, aber eben wirklich nur das mindeste. Wenn man dann nicht mehr so mobil ist, um in den Gemeinschaftsraum zu kommen, kann man auch nicht mehr viel Besuch empfangen. Und wahrscheinlich fänden die Schwestern es auch etwas seltsam, wenn wir dort unsere Familienfeiern abhalten, aber ich kann mir nicht helfen, ich finde es einfach schade.
Da wird mit dem Platz gegeizt, um so viele Leute wie möglich aufnehmen zu können, und aus Blick des Heimes ist das auch finanztechnisch verständlich, aber eine Kaninchenbuchte muss dann halt ausreichen. Ansonsten kann man aber über das Heim nichts Negatives sagen, es ist wohnlich, sauber, gemütlich und die Schwestern kümmern sich wirklich sehr gut. Mein Bruder hat schon geäußert, er wolle dort auch hin und an den Betreuungsangeboten, wie Bastelnachmittage usw. teilnehmen. Na ja, aber mit seinen 50 Jahren ist es hoffentlich noch eine Weile hin, bis er sich auf das Altenteil setzt.

Nach dem Besuch sind wir auf einen kleinen Osterspaziergang durch den Park und mussten feststellen, dass es dort anscheinend einen Brand gegeben hat. Einer der Pavillions ist völlig ausgebrannt und es sieht stark nach Brandstiftung aus.

Danach haben wir gemütlich in einem kleinen Restaurant gegessen und wurden zu Hause bei meiner Mutter noch ca. vier Stunden mit "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" gequält. Meine Schwägerin hat nämlich dieses Spiel gekauft, dass es inzwischen davon gibt, mit ca. 200 Karten bzw. Fragen. Das war ist ja immer wieder recht interessant, doch merken tue ich mir das trotzdem nie. Jetzt weiß ich außerdem, dass meine Sprache veraltet ist, da es für mich noch immer heißt: "Wenn ich ein Fischlein wär, schwämme ich zu dir.", aber es heute angeblich richtig ist zu sagen "Wenn ich ein Fischlein wär, schwömme ich zu dir.". Na ja, egal, dann bin ich eben antiquiert, ich bleibe bei "schwämme".

Zu Ostern

noch ein Sprüchlein aus "Die Stimme der Stille":

Möge deine Seele jeden Schmerzensschrei hören gleich dem Lotus, der sein Herz öffnet, um die Morgensonne zu trinken.
Lass die feurige Sonne nicht eine Schmerzensträne trocknen, bevor du selbst sie von des Leidenden Auge genommen hast.

Ein schönes Osterfest an alle!

...

Wir nähern uns dabei der Erfahrung, dass Wachsein sich wohl aus den Träumen entwickelt hat. So wie die Kinder noch heute das Erwachen lernen und dabei erwachsen werden, so haben Menschen im Laufe vieler Generationen ihr Bewusstsein zur Wachheit erzogen. Heute ist es eine Hyperwachheit. Aber vielleicht braucht ein Homo sapiens für seine nächste Bewusstseinsmutation ein hochfrequent pulsierendes Bewusstsein.
(aus "Der schamanische Weg des Träumens" von Carlo Zumstein)

Oder anders gesagt, wir kommen aus den Träumen und kehren wieder dorthin zurück.

Samstag, 7. April 2007

Sehr verehrter Herr Rilke,

seit einer Nacht und einem Tag überlege ich nun hin und her, ob ich es wagen soll, Ihnen einen Brief zu schreiben. Natürlich kennen Sie mich nicht, und ich fürchte, es wird Ihnen nicht recht sein, dass ich auf Briefe antworte, die eigentlich nicht für mich bestimmt sind. Ich weiß, dass es sich normalerweise nicht gehört, fremde Post zu lesen, doch bei großen Dichtern (wie Sie einer sind) wird eine Ausnahme gemacht, und das ist gut so, denn was für eine Verschwendung an wundervollen Gedanken wäre es, wenn es Ihre Briefe heute nicht überall in gedruckter Form zu kaufen gäbe. Man könnte fast ein wenig neidisch auf den Herrn Kappus werden, der so beseelende und bezaubernde Zeilen von Ihnen erhalten hat. Natürlich weiß ich auch, dass es Ihnen in Ihrem jetzigen Zustand kaum möglich sein wird, auf diesen Brief zu antworten - ich hätte ganz einfach eine Unterhaltung mit Ihnen führen können, denn Ihr zarter Geist umgibt uns noch heute überall, wenn man denn empfänglich dafür ist, aber da ich las, wie hoch Sie das Briefeschreiben schätzen, entschied ich mich, meine Gedanken auf diese Weise offenzulegen. Ich hoffe sehr, dass meine ungelenken Sätzen Ihr ästhetisches Empfinden nicht gar zu sehr stören. Ich gebe mir wirklich jede Mühe, mir Mühe zu geben, glaube aber, dass es damit alleine nicht getan ist, wenn nicht auch das Lesen mühselig und beladen sein soll. Deshalb ist es ein fast beschämendes Gefühl, gerade Ihnen zu schreiben, dessen Feder von so viel Schwere schreibt, aber dessen Worte so leicht und anmutig zu fließen scheinen, als seien Elfenfüße über das Papier getanzt, und dabei nicht leer sind, wie es so viele schöne Worte sind, sondern Gewicht und Tiefe haben. Es gelingt mir nur annähernd zu beschreiben, was ich empfand, als ich diese nicht für mich bestimmten Zeilen las, und noch weniger, es auch nur im entferntesten so wohlklingend wie Sie zu tun. Aber gerade das ist der Grund, weshalb ich Ihnen schreiben möchte, so dass dies kein Grund sein darf, es zu unterlassen.

Der Inhalt Ihrer Briefe hat Dinge aus meiner tiefsten Seele ausgesprochen und mir verständlich und klar in Sätze gefasst, wie es mir selbst bisher nicht gelungen ist. Nach dem Lesen hatte ich das starke Verlangen, das Buch an mein Herz pressen und mit ihm zusammen einzuschlafen, ein Privileg, das ansonsten nur meine liebe Puschel geniesst. Ich habe es nicht getan, um das Buch nicht zu zerknittern. Das alles mag für Sie vielleicht komisch klingen (zumal ich vielleicht auch ein wenig komisch schreibe), ist es für mich aber keineswegs. Und überhaupt müssen Sie nicht denken, dass ich, nur weil ich die Angewohnheit habe, mich gerne etwas spaßig auszudrücken, nicht verstehe, was Sie sagen wollen oder gar oberflächlich bin. Was gewisse menschliche Spitzfindigkeiten betrifft, mag das vielleicht so sein, aber nicht was die wirklich wichtigen Fragen unserer Existenz und meines eigenen Daseins angeht. Mit diesem Humor versuche ich der Schwere des Lebens wütend zu trotzen, so wie ich sie selbst sehr gut kenne, denn das Dasein ist schon schwer genug auch ohne dass ich dessen Ernst wie einen Orden vor mich her trage, bewundere aber ebenso die Ernsthaftigkeit und Hingabe, mit welcher Sie sich, den Briefen nach zu urteilen, dem Schrecken und der Traurigkeit zu stellen suchen, um Ihr Selbst zu bewahren, nicht zu dulden, dass es begrenzt wird und um andere Menschen wahrhaft lieben zu können, so wie es Ihrer
Vision der menschlichen Liebe entspricht. Und dennoch spricht aus allem, was Sie über die Schwere schreiben, ein großer Optimismus. Ich kenne Sie und Ihr Leben nicht gut genug, um zu wissen, wie weit Sie tatsächlich die Ängste der Einsamen kennen, die sogar jene befallen, welche die Einsamkeit brauchen wie die Luft zum Atmen, jedoch zeigen mir Ihre Zeilen, dass Sie zumindest teilweise aus eigenem Empfinden wissen müssen, worüber Sie schreiben und gerade das macht Ihre Briefe tröstlich in der Gewissheit, dass es immer Menschen gab und geben wird, die den Mut haben, der inneren Wahrheit in das grausame Gesicht zu sehen, aus der Hoffnung heraus, damit zur Geburt einer besseren Welt beizutragen. Eigentlich wollte ich noch viel mehr schreiben, gerade auch über das, was Sie über das Schaffen und die Kunst erklären, doch genau genommen gibt es dazu nicht mehr zu sagen, als dass es genau so ist, auch das, was Sie über das natürliche Wachstum schreiben, und doch wieder nicht ist, weil das Innere nichts ist ohne das Äußere und das Äußere nichts ohne das Innere, ebenso wie ein Same zwar im Dunkel keimen, aber der zarte Keim nicht ohne Nahrung und Licht wachsen und blühen kann. Aber es ist wahr, je jünger das Pflänzchen ist, um so wichtiger ist das richtige Maß, denn genauso wie zu wenig Sonne und Nahrung, so können auch zu viel Sonne und andere äußere Einflüsse das Pflänzchen verbrennen und töten. Weder ein Zuviel noch ein Zuwenig kann die Entwicklung beschleunigen, deren Geschwindigkeit ganz im eigenen Sein angelegt ist.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für die wunderbaren Zeilen, die es mir vergönnt war zu lesen, und die ich sicherlich in meinem Leben noch öfters zur Hand nehmen werde, um mich an ihnen zu erfreuen.

Ihre

Zucker

Ich schaue

gerade "Goebbels und Geduldig" im Ersten. Das ist ja wirklich mal ein richtig witziger Film zu dem Thema. Ich lach mich schlapp.

Freitag, 6. April 2007

Von Links nach Rechts singen (Fluorit)

Im Traum singe ich eines meiner Lieblings-Geschichtenlieder:

Es war einmal ein König,
der schlief des nachts nur wenig,
denn er zählte alle Sterne
und er hätte so gerne
nur für sich allein besessen,
sie am liebsten aufgefressen.
Er wurde ganz von Sinnen
und fiel von seiner Zinnen
in einen tiefen Teich
ein Goldfisch frass ihn gleich,
ein Goldfisch frass ihn gleich.

Eine junge Frau hört mir fasziniert dabei zu. Als ich fertig bin, sagt sie, dass es eine Art zu singen gäbe, die die meisten nicht hören könnten, so eine Art räumliches Singen oder Surround-Singen. Ich könne so singen, auch wenn ich es selbst nicht weiß. Ich würde von Rechts nach Links singen.

Zitat: Der Fluorit hilft dabei, sich selbst zu strukturieren und eine eigene, authentische Ordnung zu entwickeln.
Wenn Chaos herrscht, bringt er Ordnung ins Denken und Handeln, wirkt positiv auf Koordination, Konzentration und Verstand. Er wirkt auch anregend bei starrer Ordnung und festgefahrenem Leben. Hier regt er den Freigeist an, stärkt den Bewusstseinssinn und macht kreativ und erfinderisch.
Er verleiht Gefühlstiefe und löst kleinkariertes Denken auf.
Der Fluorit hält den Geist wach, flexibel und weitsichtig.

Donnerstag, 5. April 2007

Ist ja ein Ding!

Altägyptische Mumie in Jena gefunden:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,475824,00.html

Erstaunlich, was man so alles hier finden kann...

Mittwoch, 4. April 2007

Heute scheint ein Abend der Überraschungen zu sein...

Nicht nur das Päckchen von Xchen kam an, nein, ich erhielt auch noch einen Brief, der mir den Atem stocken ließ, denn der Absender nennt sich Benedetto di Savonarola vom Vikanischen Konzil zur medialen Ahnenforschung. Beim ersten flüchtigen Blick dachte ich erst an das Vatikanische Konzil, aber die können wirklich nichts von mir wollen. Seltsam ist, dass das Vikanische Konzil ebenfalls seinen Sitz in Rom zu haben vorgibt. Was für ein Zufall!
Der ehrenwerte Benedetto di Savonarola schreibt mir:

am 2. April im Jahre des Herrn 2007

Hochverehrte Frau XXXXXx!

Das Vikanische Konzil zu Rom und Köln hat am heutigen Montag in einer gemeinsamen Sitzung im Rahmen der XX. Internationalen Ahnenforschung 2007, beauftragt durch die ehrenwerte Golden Esoteric Society, festgestellt, dass auch Sie heute in dieser ganz besonderen Angelegenheit angeschrieben werden müssen. (Hui!)....

...Sie haben körperliche Ahnen, denen Sie Ihr Dasein als Mensch zu verdanken haben. Das sind Ihre Eltern, Ihre Großeltern, und so weiter.....
...Ihre Ahnen sind wichtig für Sie, denn sie prägten Sie und sie verantworten Ihre Gene und vieles, was Sie in körperlicher und persönlicher Weise heute sind.

Doch viel, viel wichtiger für Sie, wie für alle Menschen, sind Ihre medialen Ahnen!
Das sind Seelen, die sich im Laufe der Jahrtausende, die wir Menschen auf Erden wandeln, wiederum mit Ihrer Seele verbunden haben, und die Sie in der Entwicklungsgeschichte Ihrer Seele und Aura geprägt und geleitet haben....

...Ihre medialen Ahnen sind von allergrößter Wichtigkeit für die folgenden drei Bereiche Ihres Lebens, wir nennen Sie auch das "mediale Dreieck": Gesundheit, Wohlstand, Zuneigung. (Aha!)

...Und Sie, liebe XXXX, haben nach unserem Erkenntnisstand unter vielen anderen einen ganz besonderen medialen Ahnen, der für Sie ein unglaubliches Glück bedeuten wird...

Einer meiner direkten Vorfahren, der 1498 verstorbene große Girolamo Savonarola, der eines der größten spirituellen Leitbilder aller Zeiten ist, ist nach diesem Erkenntnisstand einer Ihrer medialen Urväter, verehrte XXX! (Wow! Der große.....wie war nochmal der Name?........Girolamo Savonarola! Wahnsinn! *umkippt*)


Leider will mein mir bis heute unbekannter Urvater Girolamo Savonarola gerne 29,73 €, bevor er mir verrät, wie ich für immer ein glückliches und sorgenfreies Leben führen kann.
Was mich aber absolut beunruhigt ist das seltsame Gefühl, dass man irgendwo und irgendwie meine tägliche Lektüre überwacht. Wie kann es sonst sein, dass ich Post von Indianern bekomme, wenn ich schamanische Bücher lese, Post von Wahrsagern und Astrologen bei astrologischen Büchern und Post von medialen Urvätern bei Blavatsky? Und vor allem die Briefe immer ganz genau irgendwelche in meinem Blog kürzlich gefallene Begriffe wiederholen, wenn auch in etwas merkwürdigen Zusammenhängen? *langsam paranoid wird* *sich hektisch umschaut*

Heiliger Girolamo Savonarola, verschone mich!

Etwas,

was ich wirklich hasse, sind diese Leute, die hinter einem an der Kasse stehen und meinen, mir ständig ihren Einkaufswagen in den A..... schieben zu müssen. Sie könnten ja etwas verpassen, wenn sie zwei Sekunden später 20 cm weiter sind. Bei mir weckt sowas immer spontan den Eselreflex - ich bleibe erst recht stehen und mache richtig schööööön laaaangsaaaam. Selbst schuld...

Dienstag, 3. April 2007

Irgendwie

habe ich den Eindruck, das Geiselnahme langsam zur neuen Trendsportart wird.

Ich habe

jetzt bereits Angst vor dem Fensterputzer, der im Frühjahr immer durch unsere Büros zieht. Meine Gedanken drehen sich nur noch darum, dass er plötzlich in der Tür steht. Wie kann man Angst vor einem Fensterputzer haben? Ganz einfach, ich seh ihn jetzt schon wieder vor mir, wie er auf das Fensterbrett steigt und darauf herumbalanciert. Alleine bei dem Gedanken wird mir schlecht. Als er beim letzten Mal da war, habe ich mich unauffällig unter dem Tisch verkrochen, wie früher als Kind, wenn ich Angst vor dem
Weihnachtsmann hatte. Natürlich hätte es weder ihm, noch mir irgendetwas genutzt, wenn er den Absturz gemacht und ich dabei untem Tisch gehockt hätte. Und natürlich kann er auch aus jedem anderen Fenster fallen, aber dann bin ich wenigstens nicht dabei. Ich überlege, ob ich ihm sage, dass er oben nicht zu putzen braucht, aber wahrscheinlich hat er andere Anweisungen.
Erleichtert war ich übrigens, als meine Schwägerin erzählte, wie sich beim Anbringen der neuen Markise auf dem Balkon im 10. Stock alle Männer geweigert haben, auf die Leiter zu steigen. Sie ist selbst hinaufgestiegen, während mein Bruder und ihr Bruder unten die Leiter festgehalten haben. Normalerweise würde ich ja sagen: typisch Männer, schicken wieder die Frau vor, aber ganz unter uns und im Vertrauen gesagt - ich könnte auf meine Schwägerin eher verzichten als auf meinen Bruder.

Pünktlich wie der Glücksklee

Ich brauche nicht mehr hinauszugehen, brauche nicht aus dem Fenster zu schauen, kann alles verriegeln und verrammeln und die nichtvorhandenen Fensterläden schließen, trotzdem würde ich es sofort mitbekommen, wenn der Frühling da ist. Das liegt an dieser kleinen fabelhaften, falterhaften, aber alles andere als flatterhaften, und selbst von mir unausrottbaren kleinen Blume in meiner Küche. Ich weiß nicht, wie die es macht, aber obwohl sie bei mir warm, trocken und sonnig steht, verliert sie pünktlich zum Herbst alle ihre Blätter, bis nur noch die blanke Erde aus dem Topf guckt. Den lasse ich dann den Winter irgendwo rumstehen, vergesse ihn in irgendeiner Ecke, bis die Erde steinhart ist. Jedes Jahr denke ich, wenn mein Blick darauf fällt: "Na, das wird doch nix mehr...." Und jedes Jahr wieder, seit ich weiß nicht wie vielen Jahren, muss ich erstaunt feststellen, wie sich pünktlich zum Frühjahr das erste Stengelchen aus der harten Erde schiebt und bald der ganze Topf mit mahagonifarbenen Faltern übersät ist. Es ist ein Wunder!
Ich kann nur hoffen, dass das Glück, das sie bringen, genauso unvergänglich ist.

Sonntag, 1. April 2007

Tip

Unter http://www.theosophischer-verlag.de - Bücher online kann man eine PDF-Datei der "Stimme der Stille", sowie diverse andere Literatur herunterladen.

"Hast du dein Herz und Gemüt mit dem großen Gemüt und Herzen der ganzen Menschheit in Harmonie gebracht? Denn wie in der tosenden Stimme des heiligen Stromes sich alle Töne der Natur widerhallend finden, so muß das Herz dessen, der in den Strom eintreten will, auf jeden Seufzer und Gedanken von allem, was da lebt und atmet, mitfühlend reagieren."

Traumklassifizierung nach Blavatsky

In ihrer Studie über Träume, enthalten im Anhang der 'Transactions of the Blavatsky Lodge', antwortet sie auf die Frage "Gibt es Methoden, mit denen Träume gedeutet werden können - wie zum Beispiel die Art von Interpretationen der Traumdeutungsbücher?"
"Nein, es gibt nur hellseherische Fähigkeiten und die geistige Intuition des 'Interpreten'. Alle träumenden Egos unterscheiden sich voneinander, genauso wie unsere Körper." Die Bezeichnung 'hellseherische Fähigkeiten' sollte sicherlich kein Hinweis auf öffentlich praktizierende Hellseher sein, da sie von deren Zuverlässigkeit wenig hielt.

Als Hilfsmittel zur Klassifizierung unserer Träume führt HPB am Ende ihrer Studie folgende Aufstellung an:

Man kann Träume in sieben allgemeine Kategorien aufteilen...:

1. Prophetische Träume. Sie werden vom höheren Selbst in unser Gedächtnis und sind zumeist einfach und klar: Entweder wird eine Stimme gehört oder ein kommendes Ereignis vorausgesehen.
2. Allegorische Träume. Das sind kurze, verschwommene Einblicke des Gehirns in Wirklichkeiten, die zusätzlich durch unsere Phantasie verfälscht werden.
3. Träume, die übermittelt werden von Adepten, guten oder schlechten, von Hypnotiseuren oder durch die Gedanken von sehr mächtigen Geisteskräften, die uns ihren Willen aufzwingen wollen.
4. Retrospektive Träume. Das sind Träume von Ereignissen, die in früheren Inkarnationen stattfanden.
5. Warnträume, für andere Menschen bestimmt, die selbst keine Einprägungen empfangen können.
6. Konfuse Träume, deren Ursachen bereits erwähnt wurden.
7. Träume, die nichts anderes als reine Einbildung und chaotische Bilderfolgen sind und auf Verdauungsstörungen, mentale Probleme oder ähnliche äußere Ursachen zurückgehen.

(aus "Leben und Werk Helena Blavatskys")

In der Geheimlehre heißt es, was auch im Hinblick auf allegorische Träume anwendbar ist:
Da es für jedes Symbol und jede Allegorie sieben Interpretationsschlüssel gibt, werden dort, wo z.B. keine passenden psychologischen oder astronomischen Bedeutungen entschlüsselt werden können, sicherlich korrekte physische oder metaphysische Erläuterungen gefunden.

...

Zum Schluß seines Artikels schreibt Dr. Algeo: "Weitere Beweise für Baums theosophische Interessen spiegeln sich in seinen Kinderbüchern, insbesondere in dem 'Zauberer von Oz' wider....Sein Werk ist getränkt von theosophischem Gedankengut, ihm verdankt er seine Inspiration." Tatsächlich darf diese Zaubergeschichte als theosophische Allegorie aufgefasst werden, worauf Algeo in einem zweiten Artikel hinweist.
(aus "Leben und Werk Helena Blavatskys")

...

Sie redeten, und sie legte Patiencen und addierte ihre Punkte auf der grünen Tischdecke; sie schien zuzuhören, aber manchmal wurde es ihr zu viel. Einmal redete eine Frau unaufhörlich von dem "göttlichen Funken" in ihrem Innern, bis Madame Blavatsky sie zum Schweigen brachte: "Ja, meine Liebe, Sie haben einen göttlichen Funken in sich, und wenn Sie nicht sehr aufpassen, werden Sie ihn bald schnarchen hören!"
(Yeats über Blavatsky)

(aus "Leben und Werk der Helena Blavatsky")

Samstag, 31. März 2007

...

Für geistig träge und stumpfsinnige Menschen wird die Theosophie immer ein Rätsel bleiben. In der Welt der Gedanken und der Spiritualität macht man Fortschritte nur durch eigene Anstrengungen. Die Autorin kann dem Leser nicht das Denken abnehmen, und er hätte auch nichts davon, selbst wenn ein solches stellvertretendes Denken möglich wäre.
(Aus dem Vorwort zu "Der Schlüssel zur Theosophie" von Blavatsky)

Ich finde, sowas wie der letzte Satz sollte in JEDEM Buch stehen, einschließlich der Bibel, genau wie in der Werbung "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" oder auf Zigarettenschachteln "Rauchen kann tödlich sein"- vielleicht als "Warnhinweis: Das Lesen dieses Buches ersetzt nicht das eigene Denken" oder so, denn leider habe ich immer wieder den Eindruck, dass sich das noch nicht überall herumgesprochen hat. Es soll sogar Leute geben, die allein aus der Anwesenheit von vielen Fremdwörtern in einem Text schließen, dass dieser eine geistig hochwertige Aussage hat und von besonderen Fähigkeiten des Schreibers zeugt.

...

Aber das Problem der Kommunikation bleibt. Wie kann das Wesen des Samadhi-Zustands jemandem vermittelt werden, der ihn nicht persönlich erfahren hat, wenn Sprache, das wichtigste Kommunikationsmittel, ihren Ursprung gerade in jenen Erfahrungsbereichen hat, , die durch Samadhi überschritten werden? Natürlich lösen Zen-Meister das Problem auf ihre Weise, indem sie versuchen, die Sprache überhaupt wegzulassen. Die traditionelle buddhistische Lösung des Problems ist weniger drastisch. Eine Gruppe der Sutras....beruht hauptsächlich auf der Methode des systematischen Paradoxons. Eine andere Gruppe....greift auf die Poesie zurück, insbesondere in der hochentwickelten Form des kosmischen Mythos. "Die Stimme der Stille" ist wahrscheinlich einzigartig, indem sie beide Methoden kombiniert, ein Vorgang, der ohne Zweifel viel mit der außergewöhnlichen Wirkung dieser kleinen Abhandlung auf das Erwachen der schlummernden Seelen-Weisheit des qualifizierten Jüngers hat.
(aus einem Vortrag von Dennis Lingwood über "Die Stimme der Stille")

...

Ich habe alles, was ich gesehen, gehört, beobachtet habe, gesammelt und verwertet. Meine Werke haben von tausend verschiedenen Personen Nahrung bezogen.....ich habe oft geerntet, wo andere gesät hatten, mein Werk ist das eines Sammelwesens, und es trägt den Namen Goethe.
(Goethe über sich und sein Werk, 1832)

Freitag, 30. März 2007

Über dem Berliner Hauptbahnhof

scheint ein verhängnisvoller Fluch zu liegen. Erst macht ein Amokläufer die Einweihung desselben zum ungewollten Schlachtfest, dann stürzt beim ersten kleinen Stürmchen ein lässig aufgelegter Stahlbalken auf die Treppe und gestern (eigentlich der Tag, an dem ich diesen Eintrag schrieb, wenn er denn per Email angekommen wäre) gab es erneut eine Komplettevakuierung wegen einer Bombendrohung. Ich glaube, ich werde künftig einen großen Bogen um das Teil machen. Der schiefe Turm ist mir sowieso suspekt.

Wobei,

bei der Sache mit der Meise, nicht meiner, sondern der am Fenster, fällt mir gerade noch eine Begebenheit von gestern ein. Auf dem U-Bahnhof sehe ich einen älteren Mann herumstromern, der interessiert in die Müllkörbe guckt und darin herumwühlt. Er zieht diverse Zeitungen heraus, wirft einen Blick darauf, und dann höre ich ihn laut schimpfen: "So ein Scheiß hier! Wieder alles nur Westzeitungen." Er schimpft noch empört ein bißchen weiter, was ich aber nicht mehr verstehe, und meine Bahn kommt. Zum Glück bin ich es diesmal nicht, die schuld ist, dass nicht die richtigen Zeitungen in den Papierkörben liegen.

Also wirklich!

Da habe ich den Futternachschub für die Meisen eingestellt, weil ich mir denke, die finden wieder genug und können selbst mal was tun, kommt doch so eine (richtig dicke) Meise vor mein Fenster geflogen, schimpft und randaliert, dass es mir selbst drinnen in den Ohren klingelt, und guckt dabei frech und vorwurfsvoll zu mir ins Zimmer. Gehts noch? Du siehst ja nun wirklich nicht verhungert aus.

Mittwoch, 28. März 2007

Casino Royale

habe ich nun auch endlich gesehen. Und ich muss ehrlich sagen, zu behaupten, ich bin enttäuscht, wäre untertrieben. Ich bin nicht enttäuscht, ich bin entsetzt! Das soll ein Bond-Film sein? Also bitte!
Das ist vielleicht ein Action-Film (und nicht mal ein guter), aber niemals ein Bond-Film, und ich werde auch sagen warum.
Nach einer Stunde ermüdender Langeweile stand ich kurz davor, auf den weiteren Genuß derselben zu verzichten, hielt aber durch. Das war auch gut so, denn sonst wären mir die wichtigsten Sätze des Filmes entgangen.
Der bescheuertste Satz ist mit Abstand: "Sie sind sehr witzig, Mr. Bond.", denn das stimmt HIER definitiv nicht. Ich habe im ganzen Film vielleicht zwei bis drei Male ein kleines bißchen gelacht, aber es war niemals an einer Stelle, an der Bond etwas zu sagen hatte. Die anderen waren eindeutig witziger. Aber wer weiß, vielleicht bin ich ja auch zu doof, irgendeinen tieferliegenden, verborgenen Humor zu begreifen.
Der wahrste und hoffentlich auch selbstironische Satz des Abends: "Das MI6 wird inzwischen nur noch von Buchhaltern regiert." Schade, dass sie diesen nicht an den Anfang gesetzt haben, dann wäre man gleich vorgewarnt gewesen.
Die wirklich dämlichste Filmszene aller Zeiten: die Szene, in der sich Bond selbst defribillieren soll, mit einem Defribillator, der sich nur einmal aufläd, und sich cool nebenbei noch eine Injektion in die Halsschlagader setzt. Was ist das bitte? Früher waren die technischen Gadgets der Bond-Filme visionär bis revolutionär. Heute hat jeder 75jährige herzkranke Greis bessere Geräte als Bond. Vielleicht sollten sich die Filmemacher mal nicht nur für das Geldverdienen interessieren, sondern auch für andere Dinge. Dann würde ihnen mit viel Glück auch mal wieder was einfallen, das nicht nur Gähnen oder Kopfschütteln hervorruft.
Aber das störendste am ganzen Film ist wirklich der neue Bond selbst. Nach spätestens einer Stunde kann man dieses ständig verkniffene, verklemmte, schmollende und überanstrengte Gesicht nicht mehr anschauen. Ich habe genau aufgepasst - ich habe im ganzen Film nicht einmal richtig seine Zähne gesehen. Er schafft es nicht, eine Frau gerade heraus anzulächeln. Was anscheinend ein Lächeln sein soll, sieht mehr aus wie ein nervöses Zucken. Ein bißchen wirkt er auf mich ständig so, als säße ihm irgendwas quer, oder als hätte ihn seine Mutti nicht lieb gehabt, er deshalb zuviel Ballerfilme gesehen, und müsse sich nun an den bösen Verbrechern und an sich selbst für sein Unglück rächen, indem er mit übermenschlicher Anstrengung den Actionheld seiner Ballerfilme mimt, zum Geheimdienst geht und davon träumt die Welt zu retten, um endlich von seiner Mama geliebt zu werden. Als psychotischer Bösewicht hätte er eindeutig eine bessere Figur gemacht.
Am liebsten möchte ihm dauernd zurufen: "Mensch Junge, mach endlich eine Psychotherapie und verschone uns mit diesem bedauernswürdigem Anblick!"
Wo ist der weltmännische Charme, die elegante Nonchalance, die tierische Sinnlichkeit, die distanzierte Kaltblütigkeit, die souveräne Selbstherrlichkeit? Wo ist das absolute Pflichbewußtsein gepaart mit dem locker-überlegenem Auftritt gegenüber Autoritäten? James Bond ist ein Halbgott und war es immer. Er steht über allem und hat es nicht nötig, sich von irgendjemandem ärgern zu lassen oder sich gar mit ihm anzulegen. Er hat für alles, was nicht direkt sein Leben bedroht, nur ein Lächeln übrig, ob nun verächtlich, ob charmant, sei es nun Bürokratie, nervende Chefs oder zickige Frauen. Ein ECHTER Bond hat es nicht nötig, zu einer Frau ein müdes "blöde Kuh" zu sagen, er hat viel bessere Argumente, sei es nun rhetorisch oder erotisch.
Ein ECHTER Bond hat die Kindheit und alle kleinlichen Konflikte lange hinter sich gelassen, nimmt in ständiger Todesnähe alles mit, was sich ihm bietet. Ein ECHTER Bond ist unantastbar, unberührbar, abgehoben, und muss sich nicht anstrengen, um seine Überlegenheit zur Schau zu stellen. Er trägt sie selbstvergessen in sich, sie ist ein Teil von ihm, die Verachtung des Todes und die Gewißheit überlebt zu haben.
Ich bin wirklich froh, den Film nicht im Kino gesehen zu haben.

Bond ist tot.

In ewigem Gedenken...

PS: Ich sperre die Kommentare, weil ich kein Bock habe darüber zu diskutieren. Das ist meine Meinung und die bleibt es auch. Basta!

Schlafen wie ein Stein (Landschaftsjaspis)

Seit Tagen und Nächten versuche ich nun schon, dem Landschaftsjaspis ein paar Träume abzulocken - ohne viel Erfolg. Es ist zwar nicht so, dass ich überhaupt nichts träume, jedoch sind es so bedeutungslose und kurze Dinge, dass sie sozusagen zur einen Gehirnzelle reingehen und zur anderen wieder raus. Letzte Nacht zum Beispiel habe ich von Kissen geträumt, die wie Tonkrüge und -skulpturen aussahen, sowie von einem Entertainer, der am Alex einzelne Leute auf einem Arm balancierte ("auf den Arm nahm"?). Etwas anderes ist viel auffälliger. Mit dem Landschaftsjaspis schlafe ich im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Stein, soll heißen, ich wache nach 6-7 Stunden auf, ohne mich auch nur im mindesten bewegt zu haben, genauso wie ich eingeschlafen bin. Das ist eher ungewöhnlich, da ich mir normalerweise beim Schlafen immer irgendwelche Nerven einklemme, den Hals verrenke, Muskeln zerre oder blaue Flecken hole. (Irgendwann werde ich mir einmal beim Schlafen das Genick brechen.)
Von daher finde ich es ganz angenehm, so tief zu schlafen, nur hat es leider den Nachteil, dass ich auch keinen von meinen drei Weckern mehr höre und zwei bis drei Stunden brauche, um nach dem Aufstehen richtig wach zu werden.

Ich versteh gar nicht,

was die alle mit meinem Pullover haben. Eben hat mich eine wildfremde Frau im Fahrstuhl angequatscht, wobei sie meinte, der Pullover sähe aber lustig aus, ob die Stulpen oben befestigt sind.

Und die Minka auf meinem Bildschrim streckt hier dauernd alle Viere von sich und schnarcht, während ich am arbeiten bin. Da wird man richtig neidisch, inzwischen schimpfe ich mit ihr, wie mit einem Haustier. Wie lange geht sowas ohne Einweisung gut?