Ich könnte brechen.
Und ich könnte noch nicht einmal genau beschreiben, weshalb das so ist, weil mir dazu ob des Überdrusses die Worte fehlen. Doch das Bloggen kotzt mich an. Nicht direkt das Bloggen an sich, als viel mehr diverse affige Dinge, die es mit sich bringt. Und der Job kotzt mich an, da ich noch immer nicht viel weiter bin, ich völlig alleine im Zimmer sitze und dort den Telefondienst schieben darf. Dass ich alleine bin, stört mich nur deshalb, weil wieder keiner da ist, der mir auch mal wirklich was beibringt. Letzte Woche habe ich mir Herrn M. vor seinem Urlaub noch zur Brust genommen, damit er mir wenigstens schon ein bißchen was zeigt, so dass ich mir jetzt immerhin ein paar Sachen aus der Post suchen und anweisen kann. Aber es nervt, dass ständig andere Leute in der Post wühlen, die anscheinend genauso wenig Ahnung haben wie ich, und von denen jeder andere Ansagen macht. Die eine gibt lauter Zeug an eine Kollegin und die gibt es wieder zurück, weil sie diese Sachen gar nicht macht. Die andere erzählt großartig, wie sie Post durchschaut, aber hinterher waren die Briefe immer noch alle in den Umschlägen, doch alle fragen, ob ich genug zu tun habe, während ich ständig von einem Telefon zum anderen sprinte und die Kollegen in den Nebenzimmern selbst anscheinend nicht an das Telefon gehen, so dass diese Anrufe auch noch alle bei mir auflaufen. Es kotzt mich an, dass ich in "fremden" Akten wühlen, mich nach anderen richten muss und nicht einfach meine eigene Arbeit in meiner eigenen Arbeitsweise machen kann. Es kotzt mich an, in diesem lauwarmen Teamsüppchen zu rühren, wo nichts vorwärts geht, während ich einfach nur mein eigenes Ding machen will und mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Ja, ich weiß - ich bin nicht teamfähig und unflexibel. Überhaupt sollte ich mich schämen für meine Einstellung. Aber seit meiner Kindergartenzeit versuche ich mich den anderen, den schnelleren Langsamen und langsamen Schnelleren anzupassen und ich habe keinen Bock mehr darauf. Ich will mich nicht mehr anpassen oder versuchen wie die anderen zu sein.
Wenn ich die Berichte über die geistig Behinderten lese, mit denen ich jetzt zu tun habe, frage ich mich, ob die Hälfte der ihnen unterstellten Behinderung nicht einfach darin besteht, dass sie nicht so sein wollen wie alle anderen, nichts so machen wollen, wie alle anderen, ihnen vielleicht ein Gen fehlt, dass sie formbar macht. Sie erscheinen mir manchmal klüger als die geistig gesunden und so angepassten ehrenwerten Bürger. Und natürlich wird ihnen das bei den "Helfertreffen" angekreidet, sie müssen von ihren Helfern immer wieder hören, dass sie eigentlich anders, besser und überhaupt zu funktionieren haben. Warum nicht selbst unter die geistig Behinderten gehen und mir eine geistige Behinderung zulegen? So weit entfernt davon kann ich ja nicht sein und meine Kollegen hatten auch gleich einen tollen Vorschlag dazu: ich müsse nur jede Büroklammer einzeln zur Büroleitung tragen, mir diese dort quittieren lassen, und man nähme mir garantiert jede Behinderung ab. Es geht mir einfach alles viel zu langsam. *mit den Beinen aufstapf und tot umfall*
PS.: Nur um Gerüchten vorzubeugen, ich leide weder unter Hormonirritationen - bin wieder voll auf Droge -, noch unter dem Vollmond - morgen wird er neu.
Bin heil wieder zurück, und außer der masochistischen Aktion meiner Mutter, sich mit einer Hand oben an der Autotür festzuhalten und mit der anderen diese zuzuschlagen - mit den Fingern dazwischen, gab es keine weiteren Unfälle. Das war original meine Mutter, die hat immer sowas drauf. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sie einmal aus einem Zug mitten auf der Strecke abgesprungen ist, weil der dort regelmäßig etwas länger hielt und einige Einheimische die Gelegenheit gerne nutzten, um den Weg zu ihren Gärten abzukürzen. Sie ist natürlich hinterhergesprungen, hat sich den Fuß verstaucht, ist damit aber noch 3 km bis zum Garten unserer Bekannten gelaufen ohne was zu merken, während mein Vater und ich schon zwei Stunden eher dort waren, weil wir nicht hinterhergesprungen, sondern am richtigen Bahnhof ausgestiegen sind, und warteten, dass sie irgendwann da auftaucht. Glücklicherweise scheint den Fingern nichts passiert zu sein, deshalb konnten wir unsere Fahrt normal fortsetzen.
Das Heimatdorf meines Vaters und meiner Großeltern hätte ich fast nicht wiedererkannt. Früher war es ein absolut verschlafenes Spreewalddorf, aber seit es jetzt das Reha- und Wellnesszentrum dort gibt, tobt hier das Leben. Fast schon wie in Berlin. Das mag zwar gut für das Dorf sein, aber für mich hat es damit jeden Reiz verloren. Die Tour durch das Dorf gestaltete sich dann auch mehr wie eine Shopping-Tour. An der Stelle des alten Spielplatzes, wo ich einst Schaukeln lernte, und hinter welchem gleich die Felder begannen, steht nun ein riesiger Sendemast, der alles im Dorf überragt, es ist außerdem überall die freie Fläche neu bebaut. Am alten Backsteinhaus, wo meine Großeltern ihre frühere Wohnung hatten, bevor sie hinaus mussten, lag einstmals der Garten meiner Großeltern, wo ich mit einer uralten zinnernen Kochmaschine und einem Nachbarsmädchen unter Haselbüschen spielte, und auf welchem alte Scheunen standen. Das Haus gehört heute der Kreisverwaltung und der Garten ist vollständig weg. Stattdessen haben sie einen modernen Erweiterungsbau an das Verwaltungsgebäude angeschlossen. Der Hafen, wo man früher tote Fische von den ihn umschließenden flachen Treppen sammeln konnte, ist jetzt so befestigt, dass nur noch ein kleines Stück Treppe übrig ist, während der andere eintmals großzügige Platz Cafes und Biergärten gewichen ist und man außer an der Paddelbootverleihstelle und der Kahnanlegestelle nicht mehr direkt an das Wasser kommt, sondern von oben herabschaut. Am alten B.turm, von wo man auf die umliegende ursprüngliche ländliche Gegend und die Trasse der Spreewaldbahn schauen konnte, welche jedoch bereits zu DDR-Zeiten stillgelegt wurde, wimmelt es jetzt von Imbissbuden und Biergärten, während der hintere Teil, wo es in die grüne Landschaft geht, durch Zäune abgesperrt ist, wahrscheinlich, damit die Touristen da nicht alles verdrecken, die mit langen Rumpelbahnen auf der Landstraße ankutschiert werden.
Ich bin mir nicht sicher, ob es gut war, das gesehen zu haben, denn die Erinnerungen an die für mich als Stadtkind märchenhafte Atmosphäre des stillen Dorfes mit vergrabenen Schätzen, tanzenden Irrlichtern, sonnendurchtränkten Feldern voller Vogelscheuchen, die in der weiten Stille schaurig herüberlinsten, dem Hahnenschrei am frühen Morgen vor dem Fenster des Schlafzimmers meiner Großeltern, dem einsamen Friedhof, den stillen Wasserläufen von hohen Bänken überspannt und weißen Birken gesäumt, hatten für mich immer eine ungemein inspirierende Wirkung, auch wenn ich als Kind vielleicht manches zu zauberhaft erfahren habe und es so als verfremdete Erinnerungsbruchstücke, aber insbesondere als ein Gefühl, bewahrt habe. Doch die Entzauberung ist vollbracht, die Touristen sehen etwas, was nicht ich als Spreewald kenne und das bei mir keinerlei Fühlen mehr auslöst, dazu ist alles zu gewöhnlich geworden. Am B.turm finden zwar jetzt für die Touristen tolle Sagenspiele o.ä. statt, aber die Umgebung lässt Wundern nicht mehr zu, als dass man an die Sagengestalten noch glauben möchte, und wahrscheinlich sind die Zeiten vorbei, in denen das Wundern noch geholfen hat.
Fotos folgen.
PS: Sorry für die verschrobenen Sätze. Irgendwie sehe ich mich heute zu einem verständlichen Satzbau nicht mehr in der Lage.
ist ja auch immer wieder, was und wo man diverse Sachen beim Suchen wiederfindet. Anlass der Suche war eigentlich eine 1 GB Speicherkarte, von der ich schwören möchte, dass ich davon noch eine besessen habe. Gefunden habe ich jedoch meine Küchenschere, die ich schon seit mehreren Wochen vermisste, und zwar in einer Umhängetasche. Wie und zu welchem Zweck sie dort hineingekommen ist, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, ebenso, wo meine zusätzliche Speicherkarte abgeblieben ist.
Eigentlich sollte ja heute der Ausflug in die alte Heimat meines Vaters, ein Spreewalddorf, stattfinden. Da es jedoch seit Tagen stürmt, regnet und hagelt, haben wir den Ausflug kurzerhand auf morgen verschoben, wo es angeblich wieder schöner sein soll. Ideal ist der Tag morgen auch nicht, wegen erhöhter Unfallgefahr und sonstigen Spannungen, aber na ja, ich hoffe mal, dass es für uns trotzdem ein entspannter Tag wird. Die Zeitplanung finde ich allerdings nicht so ideal, da ich es besser gefunden hätte, wenn wir erst der Mutter den Besuch abgestattet hätten, um dann den restlichen Tag genug Muße zu haben, ganz in Ruhe da herumzulaufen. Stattdessen ist aber geplant, dass wir zwei bis drei Stunden Zeit haben und danach pünktlich in der Klinik auflaufen müssen. Nun ist es ja so, dass ich diesmal nicht nur aus Vergnügen fotografiere, sondern halt direkt von meiner Familie "beauftragt" wurde, schöne Fotos zu machen, da mein Vater auch so ein Fotobuch erhalten soll, wie ich es schon meiner Mutter geschenkt habe. Sowas passiert aber nicht schnell im Vorbeigehen, indem man mal aus dem Handgelenk ein Foto macht. Und wenn ich einen Ort mit vielen neuen Motiven gefunden habe, brauche ich meine Zeit. Das war vor zwei Jahren im Heimatort meiner Mutter genauso. Während die anderen bereits drei Kilometer weiter waren und einmal um die ganze Festung rum, bin ich immer noch in den Ruinen rumgekraxelt. Nur deshalb hatte ich auch viele schöne Fotos für ein Fotobuch. Ich fand das damals schon ätzend, immer hinterherhetzen zu müssen. Irgendwie verstehen die meisten nicht, das das Wichtigste beim Fotografieren das Sehen ist, und zwar das bewußte Sehen, dazu muss man dann aber auch wirklich mal hingucken und die Umgebung nicht nur im Vorbeirasen registrieren. Und das ist der Grund, dass ich Fototouren am liebsten alleine oder mit meinem Kumpel mache. Der ist da erstaunlich geduldig und drängelt nie, wenn ich mal wieder an einem Ort oder Motiv "hängengeblieben" bin. Aber ok, ich werde mein Augenmerk morgen einfach weniger auf die Fotos legen, sondern einfach den Tag so nehmen, wie er kommt. Notfalls müssen wir dann eben nochmal hinfahren.
heute schon wieder so eine gewisse Vorahnung. Doch anrufen werde ich nicht, ich will es nicht wissen.
Ich bin bei meinen Eltern, um ihnen zu sagen, dass ich in das Krankenhaus muss. Es ist aber nicht schlimm, ich weiß selbst nicht so genau, warum. Als ich bei ihnen bin, habe ich Probleme mit dem Sprechen, meine Stimme ist fast weg und mein Hals kratzt. Meine Mutter gibt mir gute Rateschläge in der Art, dass es schon spät ist und ich gleich gehen sollte, weil man auf dem Kreuzberg, wenn man noch so spät unterwegs ist, von der Polizei angehalten und dann gefahren wird. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass der Kreuzberg ganz woanders liegt.
Schließlich gehe ich und betrete im Krankenhaus zuerst den internen Blumen- und Büchershop. Im Büchershop hole ich mir ein Buch, das ich wahrscheinlich während der Zeit dort brauchen werde und im Blumenshop versuche ich einen Blumentopf in das Schaufenster zu stellen, was sich aber als schwierig herausstellt, da ich nicht richtig sehen kann, es ist alles so dunkel um mich herum. In meiner Ungeschicklichkeit knicke ich die pinkfarbene Blüte ab, binde sie aber irgendwie wieder hoch. Dieses Blumentopf in das Schaufenster stellen ist anscheinend eine symbolische Geste, die wohl alle Kranken dort im Krankenhaus machen. Nun suche ich mein Zimmer und irre durch diverse Gänge, merke aber, dass ich gar nicht weiß, wo ich hin muss. Die Einweisung habe ich bei meinen Eltern vergessen. Also irre ich weiter durch die Gänge, schauer dabei durch offene oder mit Glaseinsätzen ausgestattete Türen und entdecke große, leere Säle, ich denke sofort an Tanzsäle. Es ist viel Betrieb, Patienten und Schwestern schwirren um mich herum. Die Schwestern lächeln mich alle freundlich an und eine erklärt mir, wo ich den Ausgang finde. Zum Ausgang muss ich an der Chefärztin vorbei. Vorher gehe ich aber in ein Zimmer, wo ich mir einen Verband besorgen will. Ich brauche einen für mein linkes Bein, doch die Verbände scheinen schon alle weg zu sein. Ich finde nur noch eine Jeans-Latzhose mit nur einem Bein. Eine Schwester fragt mich, was ich wünsche und ich frage nach einem Verband. Sie gibt mir ein winziges, fast nur stecknadelkopfgroßes Verbandspad. Ich sage ihr, dass das viel zu klein ist, ich brauche etwas für den ganzen linken Unterschenkel. Dann gehe ich hinaus. Das Krankenhaus ist ein sehr altes Gebäude. Mir fällt auf, wie schön es ist. Mit den geschwungenen offenen Gängen darin, gleicht es ein wenig einem Ameisenhaufen. Es soll einmal an der Spree liegen, doch dazu muss die Spree erst umgeleitet werden. Die hügeligen Uferpromenaden sind jedoch bereits fertig. Das wird bestimmt sehr schön hier, wenn alles fertig ist. Eigentlich wollte ich nochmal nach Hause, um meine Einweisung zu holen, doch nun suche ich einen anderen Eingang des Krankenhauses. Dazu kraxel ich über einige Hügel, was gar nicht so einfach ist. Hinter einem davon liegt ein winziges, totes Hündchen. Es muss eben noch herumgelaufen sein, denn ich höre, wie sein Besitzer nach ihm ruft. Ich überlege, ob ich winken und ihm das zeigen soll, habe dann jedoch wenig Lust, den Unglücksboten zu spielen. Ich gehe einfach weiter.
Auf dem Hangar der Nacht
ruhen schweigend die Träume,
still und stumm stehen sie,
auf ihren Flügeln
liegt der Wüstensand,
den der Westwind herbeitrug
als er in den Osten zog,
doch tief unter ihnen
brennen die Salzadern
in der dunklen Erde
schmerzlicher noch
als das Feuer der Sonne
in ihrem letzten Zenit
In einem von Vernes weniger bekannten Artikeln, den er 1889 für eine amerikanische Zeitschrift schrieb, machte er spielerische Vorhersagen über das Leben in Amerika in tausend Jahren. Verne, der zu einer Zeit schrieb, als die europäischen Mächte noch den Globus beherrschten, visualisierte bereits die USA als Supermacht - die nicht nur den gesamten amerikanischen Kontinent annektiert hatte, sondern auch England als Kolonie besaß. In seinem zukünftigen Amerika herrschten Medienmagnate mit absoluter Macht über ein Reich des 'Telefonjournalismus' - seine Vision des Rundfunks. Auch beschrieb er webcam-ähnliche Geräte, von ihm 'Phonotelephot' genannt, die es den Menschen ermöglichten, einander über Tausende Kilometer Entfernung hinweg zu sehen und zu sprechen. Die Umweltnachrichten waren zumeist jedoch schlecht: Verne sah ein Land, in dem große Werbeanzeigen an den Himmel gebeamt wurden und das ganze Land wie ein riesiges Spinnennetz von Stromkabeln durchkreuzt war.
(aus "Prophezeiungen" von Tony Allan)
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass Blavatsky der Meinung war, die neue Menschheit nach dem nächsten Pralaya würde aus Amerika kommen.
Wie so oft in der Geschichte der Prophezeiungen brachten dem Propheten von Chesire seine Talente zwar Ruhm, aber wenig Freude ein. Als König Heinrich von seinen Fähigkeiten hörte, beorderte er ihn an den Hof und befahl einem Schreiber, ihm überall hin zu folgen, für den Fall, dass er eine Vision hätte. Doch seine Gefräßigkeit wurde Nixon (dem Propheten) zum Verhängnis. Immer wieder stahl er Essen und als der König eines Tages auf einem Jagdausflug war, schloss ein aufgebrachter Koch den Propheten in einen Keller und vergaß ihn. Als der König einige Wochen später zurückkehrte und sich nach seinem Schützling erkundigte, war es bereits zu spät - Nixon war an Hunger und Durst gestorben.
(aus "Prophezeiungen" von Tony Allan)
Vielleicht hätte man ihm einfach ein bißchen mehr zu essen geben sollen? Außerdem würde mich interessieren, was der König dazu sagte, als er erfuhr, dass man seinen Propheten im Keller vergessen hat. Das scheint nicht überliefert zu sein, vielleicht deshalb, weil der Koch danach einen Kopf kürzer war.
- Reich-Ranitzki ist der Dieter Bohlen der Literatur
- Bloggen ist wie nach Hause kommen, ab und zu schön, aber manchmal warten auch diverse Hausdrachen im Bloghaus
Entweder bin ich in Twin Peaks oder an einem sehr ähnlichem Ort, weiß aber genau, dass es sich um etwas künstlich Erschaffenes handelt, eine Serie oder Geschichte. Trotzdem wundert es mich nicht, dass ich direkt mittendrin bin. Auch dort gibt es eine Frauenleiche, mit roten Haaren und in der Badewanne oder Dusche. Ich sitze in einer schmalen Küche, neben mir eine weiß gestrichene Tür. Ein Mann ist ebenfalls dort, er erinnert mich an den FBI-Agenten Dale Cooper.
Mir fällt auf einmal auf, dass sich an der weißen Tür mit schwarzen Buchstaben ein Inhaltsverzeichnis befindet, anscheinend ein Inhaltsverzeichnis der Serie oder Geschichte mit Überschriften zu den einzelnen Kapiteln. Ich meine zu wissen, dass es fünfzehn sind. Sofort ist mir klar, dass das ein Fehler sein muss, da ich mich in einer der fortgeschrittenen Kapitel oder Folgen befinde, aber sich davor nie ein Inhaltsverzeichnis an der Tür befunden hat. Ich zeige mit ausgestrecktem Zeigefinger auf dieses Verzeichnis und bemerke laut: "Das ist ein Fehler!".
Dale Cooper kommt sofort zur Tür und ich erkläre ihm, was ich meine. Er untersucht alles genau und erzählt dabei, dass dies wie ein Suchrätsel wäre und dass er Rätselraten liebt. "Ich auch." sage ich. Danach heftet er Landkarten an die Küchentür und zeichnet irgendwelche Strecken und Orte nach, wobei er mich voll einbezieht. Anscheinend arbeiten wir zusammen und besprechen das weitere Vorgehen.
1. Ein Film, den du mehr als zehnmal gesehen hast.
Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass ich irgendeinen Film mehr als zehnmal gesehen habe, aber wenn doch, dann ist es wahrscheinlich ein Hitchcock.
2. Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast.
Keinen, da ich mir die meisten Filme sowieso nicht mehr als einmal anschaue.
3. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen.
Johnny Depp, Sean Connery
4. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen.
Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger
5. Ein Film aus dem du regelmässig zitierst.
Akte X - Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen und
Twin Peaks - Die Eulen sind nicht, was sie scheinen,
sind allerdings beides Serien.
6. Ein Musical, von dem du alle Texte der darin gesungenen Songs auswändig weisst.
Also bis auf "Summertime" aus "Porgy and Bess" kenne ich überhaupt keine Musicaltexte auswendig, kann aber bei diversen Songs trotzdem mitsummen, wenn ich sie höre.
7. Ein Film, bei dem du mitgesungen hast.
"Singin' in the rain" und mitgetanzt natürlich auch. *gg*
8. Ein Film, den jeder gesehen haben sollte.
Ich würde niemanden dazu verdonnern, irgendeinen Film gesehen haben zu müssen, zumal mein Geschmack da sowieso sicher anders ist, aber wenn es denn sein muss, würde ich den Klassiker-Stummfilm "Nosferatu" empfehlen. Ein Film, den man unbedingt im Kino gesehen haben sollte, und NUR im Kino, ist "Schlafes Bruder". Auf der Heimkinoanlage bringt es nicht viel, aber im Kino ist er ein unvergessliches Erlebnis.
9. Ein Film, den du besitzt.
Das sind einige, unter anderem einige der unbekannteren Filme von Hitchcock wie "Die rote Lola", "Der falsche Mann" und "Der Fremde im Zug".
10. Nenne eine/n Schauspieler/in, die ihre Karriere nicht beim Film startete und die dich mit ihren/seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat.
Wüßte ich jetzt keine.
11. Hast du schon einmal einen Film in einem Drive-In gesehen?
Nein.
12. Schonmal in einem Kino geknutscht?
Nein. Dafür gibt es wirklich bessere Orte.
13. Ein Film, den du schon immer sehen wolltest, bisher aber nicht dazu gekommen bist.
Im Moment bin ich auf den neuen Lynch gespannt, hiepere alle zwei Wochen der neuen "Twin Peaks"-DVD entgegen, allerdings nicht ohne einen gewissen Schrecken, da sich die Serie bald dem Ende neigt und meinetwegen nie zu Ende sein sollte, außerdem wollte ich mir schon längst "Das Leben der Anderen" anschauen - steht auch schon auf meiner Verleihliste.
14. Hast du schon jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?
Nö. Ich bin Optimist. Selbst "Mexican" habe ich durchgehalten.
15. Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat.
Im Kino nicht, zu Hause kommt das schon mal vor. Leider verdränge ich solche Filme danach, so dass sie mir dann nicht mehr einfallen. Ich glaube, "Schindlers Liste" war auch dabei.
16. Popcorn?
Nichts. Ich mag es nicht, im Kino zu essen. Das lenkt zu sehr ab.
17. Wie oft gehst du ins Kino?
Selten, allerdings nur aus Faulheit. Eigentlich mag ich Kino.
18. Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?
Noch immer "Kill Bill". Das sollte ich endlich mal ändern.
19. Welches ist dein Lieblingsgenre?
Mystery/Drama/Tragikkomödien
20. Was war dein erster Film, den du im Kino gesehen hast?
Puh, zumindest weiß ich noch, welchen Film ich als ersten völlig alleine im Kino gesehen habe und das war "Abwärts".
21. Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen?
Ich bereue nichts. Nicht mal "Casino Royale", denn jetzt habe ich wenigstens meine Neugier befriedigt.
22. Was war der merkwürdigste Film, den du mochtest?
"Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam", wobei der Film nicht wirklich merkwürdig ist, sondern ganz entzückend, aber die Handlung beinhaltet allerhand Merk- und Denkwürdigkeiten.
23. Was war der beängstigendste Film, den du je gesehen hast?
Das war so ein B-Horrorfilm, ich glaube, der hieß "The Witch", den ich billig im Kaufhaus gekauft hatte. Nach zehn Minuten hielt ich mir die Augen zu und hörte nur noch, könnte aber schwören, dass von Anfang bis Ende nur Geschrei und Gekreische zu hören war - an Dialoge kann ich mich nicht erinnern. Danach habe ich die Laschen überklebt, die Kassette sofort überspielt und das Papp-Cover weggeworfen.
24. Was war der lustigste Film, denn du je gesehen hast?
Also bei "Arsen und Spitzenhäuptchen", mit dem umwerfend komischen Cary Grant, konnte ich mich früher ständig wegwerfen. Legendär ist auch die Szene aus "Ein Hauch von Nerz", als sich Cary Grant versucht, in einen ultaminikleinen Wagen zu quetschen - bei dieser Szene liege ich regelmäßig unterm Tisch. Überhaupt finde ich, dass Cary Grant enorm viel komisches Talent hatte. Da gibt es ja auch noch den Film, in dem er im Neglige zu sehen war. Welcher Film war das noch? "Leoparden küsst man nicht"? Leider nimmt die Lustigkeit mit der Häufigkeit des Sehens ab, was ich sehr schade finde, da es wahnsinnig wenige tatsächlich witzige Komödien gibt, gerade auch neueren Datums, zumindest solche, die meinem Humor entsprechen. Und dabei lache ich wirklich gerne.
dass die Post jetzt ganz neue Werbeflächen für sich entdeckt hat, nämlich die Pakete, die sie versendet. Ist ja auch gar nicht so abwegig, allerdings würde ich schon gerne wissen, nach welchem Prinzip sie sich die Pakete raussuchen, auf welche sie dann die neusten Kreditzinssätze der Postbank mit Büroleim pappen. Ikea-Pakete bieten wahrscheinlich von Größe und Motivation her eine ausreichende Kosten-Nutzen-Angriffsfläche, wenn man voraussetzt, dass gerade jemand dabei ist, seine Wohnung einzurichten. Allerdings dürfte die Postbank ziemlich in die Röhre gucken, wenn Ikea weiter so großzügig ist. Wer braucht da noch Kredite - in meinem Paket waren, außer der bestellten Gardinen-Garnitur, gleich noch zwei andere Garnituren, die ich weder bestellt habe noch bezahlen muss. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob das einfach nur enorm großzügige Gratis-Geschenke sind, oder ob es sich um ein Versehen handelt. Irritierend finde ich, dass es gleich zwei Stück derselben Sorte sind. Jedenfalls finde ich es so herum aber sehr viel besser, als wenn die Hälfte im Paket fehlt oder die falschen Sachen verschickt wurden. Sollte die Garnituren niemand zurückhaben wollen, hätte ich die nächsten Hundert Jahre mit Gardinen ausgesorgt, denn mein Angebot an Fenstern reicht dafür bei weitem nicht. *gg*
"Das durch das Gewackel der Erde bei ihren Drehungen im All verursachte Vorrücken der Tagesundnachtgleichen bedeutete, dass sie (die Ekliptik) sich beständig verschob und sich seit der ersten Aufstellung des Tierkreises um nicht weniger als ein ganzes Haus weiterbewegt hatte."
aus "Prophezeiungen" von Tony Allan
Mir ist schon ganz schlecht von diesem vielen Gewackel...
Nach einer schlaflosen Nacht habe ich beschlossen, der ganzen griechischen Tragödie ein Ende zu bereiten. Ich werde meinen Quasselauftrag annehmen und mich nicht mehr zwischen sechs Fronten aufreiben, sondern alles an den Nagel hängen, was mich von meiner Pflichterfüllung irgendwie ablenken könnte. Ich glaube, das Quasseln ist DIE Tätigkeit der Zukunft, den überall, wo ich hinkomme, sehe ich Menschen in ihre Freisprecheinrichtungen murmeln, ob beim Einkaufen, beim Einparken, auf der Straße, in der U-Bahn, beim Radfahren oder in der Post. Ich frage mich immer, wie die das schaffen, Ihr Denken, Ihr Reden und Ihre sonstigen nebenherlaufenden Tätigkeiten miteinander zu koordinieren. Sie schaffen es aber nicht wirklich. Das erkennt man daran, dass sie immer wieder völlig unkoordiniert in einen hineinlaufen, oder aber so abrupt vor jemandem stehenbleiben oder ihn schneiden, dass derjenige gar nicht anders kann, als sie anzurempeln. Meine Theorie geht nun dahin, dass sich durch die Evolution irgendwann, wenn die Menschen noch einige tausend Jahre lang mit dieser hochentwickelten Form der Kommunikation fortfahren, neue Gene entwickeln werden, die uns dazu befähigen, gleichzeitig zu telefonieren, fernzusehen, Musik zu hören, Auto zu fahren, Playstation zu spielen, zu essen und die Brille zu putzen. Wer weiß, vielleicht ist sogar genau das der geheime Plan Gottes. Denn wenn alle Tätigkeiten einmal gleichzeitig ablaufen und lineare Zeit nicht mehr notwendig ist, sind wir wieder in die Einheit zurückgekehrt.
Ich werde nicht mehr schreiben, nicht mehr fotografieren, außer zu ganz besonderen Anlässen wie der goldenen Hochzeit der Großtante Berta, und keine Bücher mehr lesen, um mir keine schädlichen Denkwürmer zu holen. Statt dessen werde ich quasseln und arbeiten, bis ich als 80iger Jubilar mit einem wohlverdienten Fußtritt meines Arbeitgebers in den Sarg versetzt werde. Meine nun gigantisch viel freie Zeit werde ich damit verbringen, vor dem Fernseher zu hängen, zu quasseln oder sonstwie zu betäuben, ich werde die angenehme Dumpfheit in meinem Kopf genießen und ich werde mein Bewußtsein zurückentwickeln, um nicht mehr zu träumen und wie ein Stein zu schlafen. Das bewahrt mich davor, auch nur ansatzweise mit Dingen wie Freiheit oder Phantasie in Berührung zu kommen. Ich werde keine Vögel mehr kennen und sie erst recht nicht beobachten, und dem Adler im Tierpark werde ich fragen, wozu er die komischen Dinger an seiner Seite hat. Und dieses Blog wird es in dieser Form auch nicht mehr geben, es wird ein youtube- und Filmblog werden.
hat heute Gesellschaft von einem dunkelroten japanischen Fächerahorn, blutroten Mittagsblumen, himmelblauen Hängeverbenen und pinkfarbiger japanischer Scheinmyrte bekommen. Im Baumarkt entdeckte ich übrigens, dass es eine Pflanze namens "Verpiss dich" gibt, die eigentlich gegen Hunde-, Katzen-, Marder- und Maulwurfbesuche wirken soll, aber ich finde, das wäre für manche Zeitgenossen ein hübsches, aussagekräftiges Mitbringsel.
(Dies wird wieder ein Eintrag der Kategorie "modernes Blogabhören")
Ein Brief einer wissenschaftlichen Astrologin hat mich heute aufgeklärt, was wirklich schuld an meinen intensiven Glücksgefühlen der letzten Zeit ist:
"Liebe S.,
Sie haben bestimmt in der Nacht vom 27. April auf den 28. April 2007 ein besonderes Hochgefühl gehabt. (Oh ja, es war unglaublich, obwohl das Datum ein paar Tage zu früh angesetzt ist.) Vielleicht haben Sie deshalb auch unruhiger geschlafen als sonst. Das verwundert mich nicht, denn diese astrologische Nacht wird Ihr ganzes Leben positiv verändern.....
Fachpresse, Radio und Fernsehen berichteten über dieses astrologische Ereignis, das für Sie persönlich von allergrößter Bedeutung ist....
In der Nacht der seltenen peripheren Mondfinsternis in unseren Breitengraden waren meine gesamten Energien auf dieses bedeutende astrologische Ereignis gerichtet. Plötzlich, Frau XXX, als ich die Messgeräte und mein Orbit- Fernrohr aufbaute, hatte ich ohne nennenswerten Grund eine Zahlenreihe vor Augen. Es waren die Zahlen XXXXX (identisch mit meiner Postleitzahl - tolle Leistung, zumal ich von ihr vorher schon ständig nette Briefe bekommen habe). ...
Ich baute mein Fernrohr weiter auf und gab genau diese Zahlen unbewusst in die Justiereinheit ein. Warum ich das tat, weiß ich nicht. Daraufhin geschah etwas sehr Bedeutendes und Wirkungsvolles. Denn mit dieser Zahlenreihe stellte sich mein Fernrohr präzise in den Zenit des Erdtrabanten ein. Das konnte kein Zufall sein. Dass die Zahlenkombination XXXXX eine ganz besondere übernatürliche Kraft und Bedeutung hat, das fühlte ich sofort.
Nach intensiven astrologischen Berechnungen entdeckte ich, dass die mystische Zahlenreihe Ihrem Lebensumfeld, Frau XXX in Berlin, zuzuordnen ist (kleiner Tip - das wäre einfacher mit einem Postleitzahlenverzeichnis gegangen)....
Die mystische Kraft des Mondes wird Ihr Leben verändern. Das spüre ich. Ich gebe Ihnen ein sehr guten Rat - nehmen Sie mein Angebot an. Bei so viel Vorbestimmung können Sie jetzt nur noch glücklicher werden."
Das Angebot besteht aus einen Zwölf- oder Sechs-Monats-Horoskop und als Gratis-Geschenk erhalte ich obendrein ein astrologisch wirksames Mondphoto, das aus der Nacht der peripheren Mondfinsternis stammt.
PS.: Ich wußte gar nicht, dass Astrologen heute noch mit Orbit-Fernrohren und Messgeräten arbeiten.
Wie ich letztens schon schrieb hatte ich ja bisher keinen Schlüssel zu meinem Zimmer, da der letzten Azubi diesen verschlampt hat. Die Gruppenleiterin war deshalb ganz aufgeregt, redete von Stellungnahmen und ähnlichem Zeug und wollte, dass das noch nicht gleich publik gemacht wird, versprach aber, sich um den Schlüssel zu kümmern. Nachdem es heute noch immer nicht so aussah, als ob irgendetwas wegen des Schlüssels passiert ist, rief ich kurzerhand selbst beim Hausmeister an und fragte nach dem Schlüssel für das Nebenzimmer, das mit unserem Zimmer verbunden ist. Der Hausmeister kam auch sehr schnell, fragte mich aber dann natürlich, warum ich den Schlüssel für das Nebenzimmer will, wenn ich im anderen Zimmer sitze. Ich kam schließlich nicht umhin, ihm zu verklickern, dass ein Schlüssel verlorengegangen ist, womit ich aber nichts zu tun habe, und dass ich auch einen Schlüssel für mein Zimmer nehme, wenn noch einer da ist. Und - siehe da, er hatte tatsächlich noch einen, den er mir überließ. Als er das Zimmer betrat, hatte er irgendwas von Azubi gemurmelt und ich hab das auf mich bezogen, weshalb ich deutlich klarstellte, dass ich kein Azubi bin, obwohl ich damit gar nicht gemeint war. Er hatte einfach nach dem letzten Azubi in dem Zimmer fragen wollen, aber da ich ständig selbst mit 36 noch für einen Azubi gehalten werde, bin ich darauf gleich angesprungen. Eigentlich hatte ich nicht den Eindruck, besonders heftig oder verärgert reagiert zu haben, aber der Hausmeister entschuldigte sich noch einmal extra und erklärte, dass er mich nicht Azubi nennen wollte. Sollte ich vielleicht doch überreagiert haben?
Ich bin ganz froh, gleich am Anfang gesagt zu haben, dass ich mich selbst um den Computer kümmere, obwohl das eigentlich ebenfalls die Gruppenleiterin machen wollte. Aber ich glaube, dann hätte ich bis heute noch keinen eingerichteten Computer. Irgendwie sind die dort alle etwas umständlich und normalerweise müßte ich gut da rein passen, da ich ja auch immer etwas umständlich bin, aber bei diesen Umständlichkeiten werde sogar ich ungeduldig. Da der Hausmeister schon mal anwesend war, zeigte ich ihm gleich das kleine Schränkchen, das schon leer seit Ewigkeiten in dem Zimmer steht, das aber keiner aufbekommt, weil es keinen passenden Schlüssel dafür gibt. Er telefonierte mit dem Schlosser und ich hoffe, dieser kommt morgen vorbei und macht den Schrank zugänglich, damit ich endlich meine Sachen irgendwo unterbringen kann.
Eselsbrücken .... heute hat mir mein Einarbeiter erklärt, wie er die Schlüsselung für vollstationäre Einrichtungen und Tageseinrichtungen unterscheidet: Das X hat noch zwei Beine, geht also in die Tageseinrichtung und das Y hat nur noch ein Bein, weshalb es vollstationär untergebracht ist.
Durch
Xchens Eintrag dazu angestiftet, suchte ich, neugierig geworden, meinen Tauf- und Konfirmationsspruch heraus. Ein Poesiealbum habe ich nie besessen, da ich es nicht besonders erstrebenswert fand, mir von anderen immer dieselben Sprüche irgendwo reinschreiben zu lassen und die meisten Einträge hätte ich sowieso nie ersammelt. Ich fand es auch stets ätzend, in die Poesiealben von anderen Kindern etwas schreiben zu müssen. Also gibt es in meinem Leben nur zwei Sprüche.
Der Taufspruch lautet:
Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Römer 5,5b
Diesen Spruch finde ich sehr schön, schade nur, dass er mir nicht eingefallen ist, als so ein Seelen
fängerretter mir erzählen wollte, dass der heilige Geist ausschließlich auserwählte, bibelgläubige Personen "bewohnt". Dass der Spruch in der Bibel steht, hat zwar nicht unbedingt etwas zu bedeuten, aber wenn mit Bibelsprüchen geschossen wird, sollte man scharf mit Bibelsprüchen zurückschießen, die Welt ist eben ein großer Kindergarten und manche verstehen es nicht anders.
Mein Konfirmationsspruch lautet:
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6,8
Dieser Spruch gefällt mir sehr viel weniger, was zum einen daran liegt, dass es mir relativ egal ist, was irgendjemand von mir fordert, zum zweiten frage ich mich, warum uns gesagt werden muss, was gut ist, wenn wir doch gerade deshalb, WEIL wir eben vom Baum der Erkenntnis gegessen haben und so selbst gut von böse unterscheiden konnten, aus dem Paradies gejagt wurden, und zum dritten ahne ich sehr genau, warum mein Vater gerade diesen Spruch ausgesucht hat, denn ich war immer sehr aufmüpfig ihm und seinen totalitären Herrschaftsansprüchen gegenüber, nur blöd, dass er dabei übersehen hat, dass er als Verkünder Gottes nicht Gott selbst ist.
Bei dieser Gelegenheit ist mir ebenfalls wieder der dicke Stapel von Glückwunschkarten zu meiner Geburt in die Hände gefallen, welche mir meine Eltern irgendwann überreicht haben und die ich seitdem aufhebe. Allerdings ist es ein eher unangenehmes Gefühl, das mich beschleicht, wenn ich diese vielen Karten und Briefe anschaue. Zum einen kenne ich die meisten Schreiber gar nicht und zum anderen macht es mich nachdenklich, dass sie alle so freudig und hoffnungsvoll klingen. Ich frage mich, ob ich nicht viele der glücklichen Erwartungen, die mit meiner Geburt verknüpft waren, enttäuscht habe - die Erwartung meiner Großeltern an ein herziges Enkelkind, die Erwartungen diverser entfernter Onkel, Tanten und sonstiger Verwandten, an ein beliebtes und kommunikatives Familienmitglied, die Erwartungen der Gemeinde an ein sittsames und gewinnendes Pfarrertöchterchen und so fort. Ich war schon als Kind schwer zu lieben, weder herzig noch anschmiegsam, sondern scheu, teilweise auch wild und naseweis, und die meisten Erwachsenen auf Distanz haltend. Ich kann nichts dafür, dass ich so geboren bin und ich kann auch nichts für die Erwartungen anderer, aber wenn man sich überlegt, was für eine Last von Erwartungen, Wünschen und Vorstellungen auf einem neugeborenem Leben liegt, ist es fast erstaunlich, dass man dabei noch groß werden kann.