WS ...Die neuronalen Antworten auf erwartete Reize werden verstärkt und besser synchronisiert als Antworten auf Reize, denen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird...Ferner gibt es Hinweise darauf, daß Synchronisation oszillatorischer Aktivität im Gamma-Frequenzband eine notwendige Voraussetzung für die bewußte Verarbeitung von Information(Anmerk: statt unbewußter) sein könnte....
MR Die Zustände von Mitgefühl und reinem Gewahrsein weisen von allen meditativen Zuständen die stärksten Gamma-Wellen auf, stärker als Einsgerichtetheit zum Beispiel....
Wie es scheint, hinterlassen die unterschiedlichen Meditationsformen, die bereits untersucht wurden, unterschiedliche Spuren im Gehirn. Alle rufen wohl Gamma-Wellen hervor, wenn auch im unterschiedlichen Ausmaß, aber sie aktivieren sehr verschiedene Hirnbereiche.
(aus "Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog." von Wolf Singer und Matthieu Ricard)
MR Interessanterweise zeigt eine vorläufige Studie an Meditierenden aus der tibetischen Schule des Buddhismus, daß Alpha-Wellen (Anmerk.: Hirnwellen bei Entspannung) für eine Weile verschwinden, wenn man das mentale Geplapper plötzlich aus dem Geist verbannt...
WS...Ich würde deshalb voraussagen, daß Meditation Alpha-Aktivität unterdrückt, weil sie ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Aufmerksames Verarbeiten geht mit hoher Gamma-Aktivität, also mit hochfrequenten Oszillationen einher, und diese schließen gleichzeitige Alpha-Aktivität aus.
(aus "Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog." vonWolf Singer und Matthieu Ricard)
An Gefieder ist heute schon mehr zu sehen und das ist auch gut so, denn eigentlich müssen sie ja bald fliegen lernen. Vierzehn Tage bleiben sie angeblich im Nest. Und das Nest ist jetzt bereits ziemlich eng. Die kleinen Flugsaurier stapeln sich regelrecht übereinander und jedesmal, wenn einer herumzappelt, steht das ganze Nest in Aufruhr, bis sie sich wieder geordnet haben. Auch scheinen sie völlig unterschiedliche Temperamente zu haben. Während die einen mich neugierig beim Fotografieren beäugen, ist trotzdem einer dabei, der dann schnell seinen Kopf einzieht und diesen unter seinem Geschwistervogel versteckt, bis nur noch die Schnabelspitze hervorschaut. Angsthase!
Edit 18:25:
Also einer von den Sechsen macht mir ja ein wenig Sorgen. Sein Kopf sieht viel kleiner aus, insgesamt ist er viel dünner, und während die anderen die Schnäbel aufsperren, hängt er mit dem Kopf meist nur schlaff über den Balkonkasten. Ab und zu reckt er ihn auch in die Höhe, aber nur sehr kurz, ich habe den Eindruck, er ist zu erschöpft, denn schnell sinkt er wieder mit geschlossenem Schnabel zur Seite. Ich frage mich, ob er genug Futter abbekommt. Außerdem hat er seitlich am Hals zwei Öffnungen, die sehen aus wie Kiemen. Die habe ich bei den anderen nicht gesehen.
Edit 19:36:
Die Ältesten sehen jetzt langsam aus wie Vögel, aber die beiden Puschel auf dem Kopf tragen sie immer noch. Ich habe heute das erste Mal über das Gefieder von einem gestrichen. Ich hatte nicht den Eindruck, daß es ihn oder die Eltern stört, sonst hätte ich es gelassen. Die scheinen mich schon als Inventar zu betrachten (oder als Putze).
Edit 19:50:
Irgendwie haben die keine Peilung mehr. Jetzt hocken sie alle übereinander im Hollerbusch und das Nest ist halb leer.
Ann Treisman, eine Expertin der Erforschung von Aufmerksamkeitsprozessen, hat bei Mönchen mit großer Meditationserfahrung ein Phänomen untersucht, das man 'attentional blink' nennt. Wörtlich übersetzt bedeutet das etwa das "Blinzeln der Aufmerksamkeit"....
...Diese Unfähigkeit, schnell aufeinanderfolgende Bilder lückenlos wahrzunehmen, nennt man attentional blink. Die Interpretation dieses Phänomens ist, daß die Aufmerksamkeit, solange sie an die Verarbeitung des bewußt wahrgenommenen Reizes gebunden ist, nicht für die Verarbeitung des jeweils nächsten Bildes zur Verfügung steht...
...Der überraschende Befund war nun, daß Menschen mit großer Meditiationserfahrung ungewöhnlich kurze Blink-Intervalle hatten oder überhaupt keinen attentional blink aufwiesen. Trotz hoher Darbietungsfrequenz waren sie in der Lage, jeden Reiz bewußt wahrzunehmen.
(aus "Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog." von Wolf Singer und Matthieu Ricard)
so nenne ich jetzt meine kleinen Flugsaurier, denn sie sehen wirklich witzig aus. Es ist, als würden ihnen zwei Irokesenkämme auf dem Kopf wachsen.
Witzig ist auch, daß sie mich anscheinend für ihr drittes Elternteil halten, denn immer, wenn ich nur ein wenig an den Pflanzen herumzupfe, recken sie wie auf Kommando ihre Köpfe zu mir und sperren ihre Schnäbel auf. Dabei bin ich doch nur die Reinigungstante, denn die Mutter ist inzwischen wohl bei sechs Kleinen mit gut funktionierender Verdauung etwas überfordert. Sie trägt zwar immer noch Vogelkot im Schnabel weg, kommt aber bei den Massen nicht mehr hinterher, da sie ja auch noch Futter suchen muß. Also kratze ich das Zeug dann und wann mit einem Holzstäbchen von den Rändern des Nestes und dem Balkonkasten, weil die sonst bald dahinter nicht mehr zu sehen wären. Zuerst dachte ich, daß sie nur auf Geräusche oder Bewegungen reagieren und dann jeweils ihre Köpfe recken, aber wenn sie so mit den Köpfchen über den Balkonkastenrand lugen, ganz besonders neugierig, wenn ich fotografiere, könnte ich schwören, sie beobachten mich.
Da wird mal schnell ein Stengel als Kopfkissen benutzt:
Gestern kam extra meine Mutter zu Besuch, um sich die Kleinen anzuschauen und fragt mich, wann meine EchsenFlugsaurier Vögel denn Gefieder bekämen. Im übrigen sind es immer noch sechs. Habe gerade noch einmal nachgezählt.
Edit 17:20:
Die Stimmchen der kleinen Echsen werden auch immer kräftiger. Inzwischen höre ich es bis an das andere Ende der Wohnung, wenn Fütterung ist. Da wird getschipt und getschirpt, jeder will der erste sein, und es wird dem Geschwisterchen auch schon mal der Flügel ins Gesicht gehauen, damit es leer ausgeht. Das Leben ist hart.
meine neuen Nachbarn unter mir machen Disko, singen im Chor "Völlig losgelöst von der Erde" und mein Zimmer stinkt nach Qualm, als würden die alle direkt bei mir sitzen.
Die Kinder von Thomas Mann erzählen von ihrer Kindheit und zeigen deren Schauplätze. Dazu gehört auch ein riesiger, angeblich furchteinflößender Dachboden. Diesen möchte ich gern allein erkunden, eine Art Mutprobe sozusagen. Während ich die dämmrige Treppe hinaufsteige, komme ich an Fenstern vorbei, die aus unterschiedlich getönten Scheiben in Grau und Sepia bestehen, was den Wänden durch das einfallende Licht ein interessantes Aussehen gibt. Bei einem Blick hinaus meine ich kurz, meine alte Kirche zu sehen - das kann jedoch eigentlich gar nicht sein, denn Thomas Mann hat doch woanders gewohnt. Bei genauerem Hinsehen wird auch klar, daß es eine völlig andere Kirche ist. Beim Öffnen der schweren Dachbodentür fällt mein Blick zuerst auf einen relativ hellen und sehr chaotisch unaufgeräumten Raum, der aber nicht furchteinflössend wirkt. Doch als ich ihn einmal abgelaufen bin, sehe ich, daß es auf der anderen Seite weitergeht. Hier führen dunkle Gänge mit Holzverschlägen, so wie in einem Keller, tief in das Innere des Dachbodens. In Abständen muß ich stets erneut nach einen Lichtschalter suchen, um das funzelige Licht anzuschalten. Diese Gänge sind nun wirklich unheimlich. Trotzdem gehe ich sie bis zu ihrem Ende. Hier finde ich einen Verschlag voll mit einem großen Berg Ton. Das hier war anscheinend das Bildhaueratelier von Thomas Mann. Bildhauerei muß sein Steckenpferd gewesen sein, zumindest wußte ich davon bisher nichts. Als ich zurückgehe, komme ich in einen Raum, der voller Gips- und Tonfiguren ist - Pferdchen, Menschen und vieles mehr. Das erstarrte Leben wirkt märchenhaft, unübersichtlich und zugleich störrisch kühl. Ahhh, hier hat er wohl gearbeitet. Völlig chaotisch alles, man kommt kaum an den Figuren vorbei. Während ich mich an ihnen entlangschlängele, sehe ich IHN plötzlich. Er sitzt mit dem Rücken zu mir an einem Tisch, still, klein, und tief in Gedanken versunken. Von hinten erkenne ich seine Glatze und ein paar spärliche Haare. Es ist Thomas Mann und er ist sicher nicht sehr erbaut darüber, wenn ich auf seinem Dachboden herumschleiche. Deshalb unterlasse ich es lieber, mich bemerkbar zu machen, sondern husche vorsichtig zum Ausgang. Sein Hund, ein gescheckter und krummbeiniger, hat mich allerdings bemerkt und macht einen äußerst bissigen Eindruck. Mit lautem Gebell ist er hinter mir her. Gerade noch rechtzeitig kann ich die Dachbodentür hinter mir zuwerfen, bevor er nach meinen Beinen geschnappt hätte.
Die Kinder von Thomas Mann zeigen mir nun weitere Schauplätze ihrer Kindheit im Freien. Dazu führen sie mich über einen bepflanzten Platz eine dämmrige Straße hinunter. Schließlich läuft man darauf wie auf einer Brücke und kann unter sich ein riesiges Gelände besichtigen. Dieses Gelände gehört ebenfalls Thomas Mann und es ist mindestens genauso chaotisch wie der Dachboden. Kahl, aufgewühlt, wie eine große Baustelle, aber voller seltsamer Dinge, wie z.B. einem echten Panzer. Sogar eine Lok fährt auf dem Gelände, doch auf einmal höre ich lautes Geschrei und Aufregung. Die Lok von Thomas Mann fährt geradewegs mit vollem Tempo auf einen stehenden Zug zu, der auf einem Bahnhof pausiert. Der Bahnhof befindet sich nur wenige Meter vor mir und ich gehe trotzdem weiter auf ihn zu. Die Lok kann nicht mehr aufgehalten werden, so viel ist klar. Doch ich komme gar nicht auf den Bahnsteig, weil ich dazu eine luftige Rolltreppe ohne Geländer überqueren müßte. Und das ist mir doch etwas zu gefährlich und hoch, weshalb ich wieder kehrt mache und von ihr herunter steige. Da kracht auch schon die Lok seitlich in den Zug, frißt sich durch ihn hindurch und zerstört gleichzeitig sämtliche Zugangswege zum Bahnhof. Wie komme ich jetzt von hier weg? Ich suche nach einem Ausweg, finde aber keinen. Da sehe ich eine der Töchter von Thomas Mann. Sie steigt über eine Grasnarbe auf eine sumpfige Wiese hinunter, die halb unter Wasser liegt. Ah, hier muß ein Weg sein. Ich selbst hatte gedacht, daß das Wasser zu tief ist, um es zu durchlaufen, oder daß man im Sumpf einsinkt, aber anscheinend ist es doch nicht so tief und auch nicht gefährlich. Die Tochter von Thomas Mann muß es wissen, wahrscheinlich ist sie schon öfters diesen Weg gelaufen. In einigem Abstand folge ich ihr also, mit etwas ungutem Gefühl, da ich den Wiesenboden unter der Wasserfläche nicht sehen kann, aber er trägt.
Bemerkung: Wann hört das endlich wieder auf, daß ich dauernd von Prominenten träume? Ist das eine Nebenwirkung des Neptun/Jupiter-Transits gegenüber meiner Sonne?
Ich befinde mich in New York und laufe herum. Eine Straße, die ich durchqueren will, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, ist vollständig gesperrt, weil da gebaut wird. Anscheinend wird ein ganzer Gebäudekomplex abgerissen und wieder aufgebaut. Ich muß einen großen Umweg machen, komme aber trotzdem bei der Filmkonferenz an, zu der ich eigentlich wollte. Bei der Konferenz sitzen in einem großen Raum verteilt in Grüppchen Leute. Irgendwie nicht all zu viele, aber ein paar Gesichter fallen mir auf, wie zum Beispiel das eines jungen Mannes, der ein bekannter Reporter ist. Ganz hinten, am Ende des Saals, erkenne ich Bruce Willis, der allein an einem Tisch sitzt. Ich stehe auf und gehe zu ihm hin, um ihn um ein Autogramm zu bitten. Als ich näher komme, bemerke ich, daß er an der Schläfe blutet und auch seine Hand blutig ist. Wahrscheinlich hat er sich damit abgestützt. Irgendwie komme ich mir in dieser Situation jetzt blöd vor, nach einem Autogramm zu fragen, weshalb ich stattdessen die Frage in "Brauchen Sie ein Taschentuch?" umändere. Bruce Willis schaut mich teils erstaunt, teils spöttisch an und schüttelt nur den Kopf. "Versuchen kann man es ja mal." antworte ich und gehe an meinen Platz zurück.
Ok, ich geb's zu. Eigentlich mag ich das Wort "Hexe" nicht, weil einem damit leicht Verbindungen zu gewissen Gemeinschaften nachgesagt werden. Ich mag ja religiöse oder verwandte Gemeinschaften überhaupt nicht, ganz egal ob sie christlich, heidnisch, buddhistisch, hinduistisch, theosophisch oder sonst irgendetwas sind. Aber meine Träume haben mich überzeugt - ich bin eine Hexe. Und wie jede ordentliche Hexe besitze ich ein ganz persönliches magisches Kartendeck. Meines besteht aus den Zigeunerkarten, die wir unter den Sachen meines Vaters gefunden haben. Es sind inzwischen meine Lieblingskarten, ich schaue gar keine anderen an, und auch Online-Tarots können mich nicht mehr locken. Das liegt wahrscheinlich an der erstaunlichen Treffsicherheit, die ich bisher erlebt habe. Ich kann mich so gut wie immer auf die Karten verlassen. Im Unterschied zum Tarot sind diese Karten nicht so stark symbolisch, was sie zur Vorhersage von konkreten Ereignissen prädestiniert, während das Tarot vielseitiger auslegbar ist und, wie ich meine, eher innere Bewegungen und Vorgänge anzeigt. Zwar kann beim Zigeunerdeck die Aussage einer Karte ebenfalls zweideutig sein, aber auch in ihrer Zweideutigkeit sind sie relativ eindeutig.
Vor meinem Vorstellungsgespräch und der neuen Stelle zog ich z.B. die Karte "Heirat", was auf den ersten Blick kaum einen Zusammenhang vermuten läßt, doch wenn man sich überlegt, daß Heirat bedeutet, einen Bund, bzw. Vertrag zu schließen, ist es wiederum logisch. Manchmal sind die Karten sehr direkt, wie z.B. als der Bericht vom Fax verschluckt wurde und ich die Karten "Botschaft" und "Verlust" zog. Als meine Berufskarte hat sich inzwischen die Karte "Treue" herauskristallisiert, was ich sehr passend finde. Aber nun würde ich gerne einmal wissen, ob die Karten nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen so gut funktionieren. Ich suche deshalb freiwillige Versuchskaninchen, die sich von mir in die Karten gucken lassen. Natürlich ohne Netz und doppelten Boden, und völlig ohne Gewähr. Wer Interesse hat, kann sich per Kommentar oder Mail bei mir melden.
unter mir müssen Kettenraucher sein. Mal ganz abgesehen davon, daß sie gerne nachts Möbel rücken oder so laut Musik spielen, daß bei mir der Boden bebt, stinkt mein Zimmer neuerdings ständig nach Zigarettenqualm, der durch die Balkontür hereinzieht. Auch im Treppenhaus steht der Qualm manchmal messerdick. Tja, vorbei mit Sommer- oder Regenduft. Ab jetzt nur noch Tabak. Warum gibt es eigentlich kein Grundrecht auf frische Luft?
Die Kleinen haben heute zu ersten Mal ihre Augen geöffnet und ein paar Flügel sind in dem Vogelknäuel auch schon zu entdecken. Bei der Fütterung zähle ich allerdings nur fünf Schnäbel, die sich in die Höhe recken. Hab ich mich verzählt oder fehlt einer?
Edit 14:13:
Man sagt ja, daß Vögel von den Sauriern abstammen. Und wenn ich mir die ziemlich unbehaarten und ungefiederten Kleinen so anschaue, muß da irgendwas dran sein. Sie sehen fast mehr aus wie Reptilien.
Edit 18:20:
Irgendwie habe ich den Verdacht, meine stachligen Flugsaurier wachsen jetzt in Rekordzeit. Sie sehen stündlich größer aus.
Immer weiter, immer mehr
kluge Konzepte müssen her:
Ein Konzept zur Vorsorge,
ein Konzept zur Nachsorge,
ein Konzept zur Übernahme,
ein Konzept zur Weitergabe,
ein Konzept zur Rücknahme,
ein Konzept zum Wasserlassen,
ein Konzept zum Futter fassen,
ein Konzept zur Kundennähe,
ein Konzept für Arbeitspläne,
und brauchen wir bald
ein Konzept für Menschlichkeit,
so haben wir verloren.
Neptun/Chiron/Jupiter stehen zur Zeit direkt gegenüber meiner Sonne, und es ist wohl tatsächlich so, daß diese Verbindung besonders zum Thema Krankheit und Heilung relevant ist (zumal bei mir auch auf der Spitze des achten Hauses), aber die Schweinegrippe habe ich hoffentlich nicht.
Ein erfolgreiches Ablenkungsmanöver führte heute Herr Grünfink aus, nachdem ihm mein ständiges Geglotze wohl zu bunt wurde. Mit viel Lärm flatterte er vom Nest aus durch die Balkontür ins Wohnzimmer, nur um geschickt und heimlich wieder daraus zu verschwinden. Ergebnis: Ich rannte ihm natürlich hinterher in die Wohnung und begann sämtliche Lampen und Gardinenstangen abzusuchen. Das Nest hatte Ruhe. Recht hat er. Ich mein, ich würde es ebenfalls etwas nervig finden, wenn ständig zwei riesige Augen durch meine Fenster glotzen würden. Im übrigen muß der Sonnenblumenhausmeister, falls er mich wie sonst von gegenüber beobachtet, mich inzwischen für völlig bekloppt halten, wenn ich dauernd mit der Nase in meinem Balkonkasten herumstehe. Wahrscheinlich denkt er, ich rede nun schon mit den Regenwürmern.
daß es an solch einem neptunischen Tag wie heute völlig sinnlos ist, komplizierte Berechnungen machen zu wollen. Den ganzen Nachmittag hab ich an so einem Vorgang gesessen, nur um kurz vor Feierabend zu merken, daß alles falsch ist, was ich gerechnet habe. Also fange ich morgen von vorne an...
Die ersten Kleinen versuchen schon aus dem Nest zu krabbeln, obwohl sie noch nicht einmal gucken können. Trotzdem scheinen noch alle vollständig zu sein (falls ich richtig gezählt habe).
Im übrigen muß meine Grünfinkfamilie tatsächlich überaus viel Wert auf Ordnung zu legen, denn Herr N. erzählte heute von einem Nistkasten in seinem Vorgarten, wo kleine Meisenkinder direkt auf alten Eierschalen hocken. Also bei mir ist nicht ein Krümelchen Eierschale mehr zu finden. Meisen nehmen es mit der Sauberkeit wohl etwas lockerer, tse.....
Edit 21:04:
Einer der Kleinen hat gerade gegähnt. Wird langsam Zeit zum Schlafen nach einem langen Tag voller Gepurzel.
Sie war recht belesen in deutscher Literatur und hielt Schiller für den bedeutenderen Dichter. Überrascht war sie, daß in Deutschland Prinzen und Poeten einträchtig nebeneinander in derselben Gruft ruhen durften, was ihrer Meinung nach eine gewisse Hochachtung der Deutschen für ihre Dichter zum Ausdruck bringen würde.
Ansonsten war sie von Deutschland nicht sonderlich angetan. In Berlin schienen ihr lediglich die verschiedenen Exponate der Gemäldesammlungen und Galerien bemerkenswert. Da der Sommer 1842 extrem heiß war, herrschte Dürre, und das Wasser mußte rationiert werden. "Überflüssig", meinte Mary Shelley in einem Brief an Leigh Hunt, "denn die Deutschen halten nicht viel vom Waschen."
(aus "Mary Shelley" von Alexander Pechmann)
Ah, das Männchen beteiligt sich also auch an der Aufzucht der Jungen. Beim Brüten hat er sich ja seltener blicken lassen, jetzt aber kommt er regelmäßig und es wird gemeinschaftlich gefüttert, wobei sie ausgiebig miteinander schnäbeln, vielleicht um das Futter untereinander auszutauschen. Die Geräusche dabei sind niedlich, denn jetzt wird nicht mehr laut getrillert, sondern man hört nur noch ein ganz feines, zartes Tschirpen. Allerdings ist er immer noch ein Feigling, denn wenn ich bei der Fütterung zusehen will, ist er weg und Frau Grünfink muß allein weitermachen.
Edit 16:23:
Wie man sieht, sieht man noch nicht sehr viel.
Gerade in einem Forum gelesen, wo es um das merkwürdige Verhalten mancher Ärzte in Bezug auf MRTs geht, und jemand schrieb, es gäbe ein Schild zu kaufen, auf dem steht: "Nicht wiederbeleben - Kassenpatient!". Sowas sollte ich mir vielleicht auch mal um den Hals hängen.
Die Vögel haben sich kein gutes Timing zum Schlüpfen ausgesucht, denn es regnet. Frau Grünfink sitzt im Nest und hat ihre Flügel über jeden Winkel des Nestes gebreitet, damit die Kleinen geschützt sind, wird aber selbst ganz naß.
Edit 13:09:
Fünf kleine Federknäuel. Und ich muß mich korrigieren - die kleinen Vögel sehen aus wie ein Haufen stachliger Kletten, die lebendig geworden sind und jetzt von allein umherpurzeln. Nur wenn Fütterung ist, haben die Kletten plötzlich riesige Schnäbel.
Edit 14:30:
Sechs kleine Kletten mit Schnabel. Sie sind endlich vollzählig.