Ich hatte ja nun in der letzten Woche Gelegenheit, an verschiedenen freiwilligen Versuchskaninchen meine Kartenlegekünste auszuprobieren, und ich muß sagen, es war doch eine ziemlich interessante Erfahrung. Zum einen war ich selbst manchmal über die Karten überrascht, zum anderen empfand ich es als sehr lehrreich, was das Interpretieren betrifft, und vor allem hat es viel Spaß gemacht. Es ist etwas ganz anderes, als für sich selbst Karten zu legen, und irgendwie scheint es mir, als wären die Karten bei anderen klarer, es kann aber auch daran liegen, daß ich mich hier mehr von meiner Intuition lenken lasse, während ich ansonsten gerne zuviel nachdenke. Und mir ist aufgefallen, daß ich in mir stets eine leise Unruhe verspürte, einmal richtig katastrophale Karten zu legen. Vor dieser Situation hatte ich echt Bammel. Gute Karten dagegen freuen mich. Klar, wer überbringt schon gerne schlechte Nachrichten? Glücklicherweise kam es nicht zu dieser Situation.
Grinsen mußte ich, als ich auf dem Weg zur Physiotherapie ein kleines Geschäft für Reformartikel entdeckte, welches sich in seinem Reklameschild nach der Kirche benennt, die sich unweit von dem Laden befindet. Denn auf dem Schild stand: "xxxx-Kirche, Ch. Ketzer".
Jose: "Das ist eine der Ankündigungen aus den Kalenderprophezeiungen der Mayas: Die Beschleunigung der Zeit...Da sich der Maya-Kalender in völligem Gleichgewicht mit den kosmischen Zeitzyklen befand, war das Leben der klassischen Mayas in präzisem Gleichgewicht mit dem Kosmos und den Rhythmen der Natur."
Lloydine: "Im Gegensatz zu unserem Kalender, der eine völlige Zerrüttung zur Folge hat."
Jose: "....Unsere Zeitrechnung stimmt überhaupt nicht mehr mit den natürlichen Zyklen überein. Darüber hinaus dreht sich der Mond 13-mal im Jahr um die Erde und nicht 12-mal. Es müssen also 13 Monde on der Kalenderjahresrechnung sein."...
Aber seit der Einführung des gregorianischen Kalenders hat sich der Mensch immer weiter von dem Weg entfernt, der dem Gleichgewicht der Natur folgt. Warum? Weil wir durch unsere verkehrte Zeitwahrnehmung vom natürlichen Weg weggeführt wurden...
Ich hatte irgendwo gelesen, dass eines der wichtigsten religiösen Symbole der Mayas ebenfalls ein Kreuz gewesen war - noch bevor die Spanier nach Amerika kamen. Es gab noch mehr dieser unerklärlichen Übereinstimmungen zwischen den Mayas und den Christen. Der Popol Vuh, der Schöpfungsmythos der Mayas, war in seinen Anfangsworten eine fast buchstäbliche Wiedergabe des Buches Genesis: Die Geschichten über eine weltweite Sintflut (die übrigens in fast allen Kulturen zu finden sind), die Suche des Maya-Volkes nach einer Maya-Version des 'gelobten Landes', bei der sich ebenfalls das Wasser des Meeres teilt, um die Menschen hindurchzulassen.
All diese merkwürdigen Übereinstimmungen ließen die ersten Missionare noch glauben, dass es sich bei den Mayas eigentlich um ein verirrtes christliches Volk handelte. Diese Haltung änderte sich allerdings schnell, bis zu dem dramatischen Tiefpunkt, an dem der übereifrige Bischof Diego de Llanda den Befehl erteilte, die gesamte Pergamentbuchbibliothek der Mayas, in der ein großer Teil ihrer Kosmologie in piktographischer Schrift festgelegt war, auf einen riesigen Stapel zu werfen und zu verbrennen, als wären es die Verse des Teufels....
...Aber auch das Maya-Kreuz war im Endeffekt nicht genau das Kreuz, an dem sich der Querbalken nicht im oberen Drittel, sondern exakt in der Mitte befand...
...Die beiden Balken des Kreuzes verweisen neben den Windrichtungen auch auf Zeit und Raum: Der vertikale Balken ist symbolisch das Zeichen für den Ort, an dem wir uns befinden - das Hier, diese Erde, in Verbindung mit dem Himmel. Der horizontale Querbalken ist ein Zeichen für das Verstreichen der Zeit - ein Strich, der von links nach rechts verläuft....
War das nicht eine noch nie da gewesene Symbolik, dass zu Beginn des kosmischen Fischezeitalters vor zweitausend Jahren ein Mensch irgendwo auf einem Berg in dieser Welt ans Kreuz genagelt wurde?..Der Zeitbalke, aus der Mitte verschoben, war aus dem Gleichgewicht...
...der Mensch, der in diesem Fischezeitalter tatsächlich von der Verschiebung der Zeit gekreuzigt werden würde, der Verschiebung aus dem Jetzt, aus der Mitte, womit das große Leiden seinen Anfang nahm. Zum Ende des Fischezeitalters werden wir nun mit den Folgen dieser Verschiebung des Gleichgewichts konfrontiert: Niemand hat noch Zeit, wir alle rennen der Zeit hinterher, und der Mensch ist der Natur völlig entfremdet....
(aus "Der Ruf der Mayas" von Wiek Lenssen)
Meine Thermoskanne ist gerade explodiert, einfach so. Dabei hab ich nichts gemacht, außer vor zehn
Minuten heißen Tee einzufüllen. Normalerweise macht man das mit Thermoskannen. Wer wird da so empfindlich sein. Den Tee kann ich vergessen, die Kanne auch.
Die Shuar-Indianer sprechen davon, dass sich eine Traumwelt nähert, die vierte Dimension, die bis vor kurzem nur von Schamanen und unter dem Einfluss von Ayahuasca betreten werden konnte, aber die in nicht allzu langer Zeit für jedermann zugänglich werden würde, weil wir dann insgesamt auf ein höheres Niveau evoluiert wären, in dem wir problemlos Zugang zur Traumwelt hätten.
(aus "Der Ruf der Mayas" von Wiek Lenssen)
Der letzte Schmutzfink Grünfink hat es jetzt ebenfalls geschafft. Er hat zwar ein riesen Drama daraus gemacht, stundenlang ohrenbetäubend getschilpt, als würde er am Spieß gebraten und mindestens hundertmal seine Flügel gestreckt, um zu sehen, ob sie tatsächlich funktionieren, aber dann hat er es geschafft. Beim ersten Mal nur bis auf den gegenüberliegenden Ast, aber wenn man einen ganzen Tag später als alle anderen geschlüpft ist, hat man es halt nicht einfach. Noch die Babypuschel auf dem Kopf und schon fliegen müssen. Meine hoffnungsgrünen Pfingstfinken und Botschafter, die Flugsaurier und Puschelechsen sind fort. Vielleicht besuchen sie mich mal, jedenfalls sehe ich sie als Familienbande ab und zu über das Haus fegen. Und jetzt beginnt es zu grollen, zu regnen und wie bescheuert zu hageln- das erste Unwetter außerhalb des geschützten Nestes.
Meine Mutter hat jetzt die ersten 190 Seiten von "Der kleine Herr Luchterhand und das große Vergessen" gelesen und erklärt mir doch heute wahrhaftig, sie hätte mir das eigentlich insgeheim nicht zugetraut, so etwas zu schreiben. (So wenig Zutrauen hätte ich ihr wiederum nicht zugetraut.) Sie wußte zwar, daß ich einen Roman schreibe, dachte aber bei sich - na ja, wer weiß, was das wird. Lesen wollte sie ihn trotzdem und sie wurde angenehm überrascht, bezeichnet den Text als kurzweilig und spannend, genau richtig als Urlaubslektüre, hat aber natürlich auch einige Sachen auszusetzen. Sie behauptet, noch nie einen Mann gesehen zu haben, der Tagebuch schreibt. Hm, also ich höre und lese ständig von Männern, die Tagebuch schreiben, aber ok, Klaus Luchterhand ist nun nicht gerade ein Künstlertyp oder Intellektueller, bei denen das eher vorstellbar ist. Weiterhin meint sie, daß ich einen sehr humorvollen, ironischen bis hin sarkastischen Stil habe, manchmal sogar ein wenig zu locker (Ich glaube, sie meint damit die kackenden Zwerge. *gg*) und außerdem bemängelt sie, daß ich bei so einem Text, der mehr für "Normalbürger" ist und der Unterhaltung dient, so viele intelligente Details eingestreut habe, welche die meisten Leser gar nicht mehr verstehen würden. Nun ja, darauf kann ich nur antworten, daß ich persönlich Bücher, in denen ausschließlich Dinge stehen, die ich schon kenne und verstehe, meistens ziemlich langweilig finde und zum anderen, daß auch intelligente Menschen vielleicht irgendwann mal leichte Unterhaltung lesen wollen, ohne daß es sie anödet.
Wo zum Teufel ist der sechste? Fragte ich mich heute morgen, als ich beim besten Willen nur noch fünf Grünfinken finden konnte. Ich gehe mal vom positivsten aus und denke, daß er es bereits gewagt hat, zu fliegen. Der fünfte hat sich dann in meinem Beisein vom Balkon gestürzt. Jetzt sind es nur noch vier und die werden wohl auch nicht mehr lange da sein. Jedenfalls sitzen die Eltern ständig gegenüber im Baum und locken.
Edit 10 Minuten später:
Ist ja witzig. Jetzt sehe ich die beiden Entflogenen gegenüber auf der Baumspitze sitzen. Das müssen sie sein, weil sie viel kleiner sind als Vater und Mutter. Sie rufen ebenfalls und es ist ein heilloses Gepfeife, Getschirpe und Gezwitscher. Die im Nest verbliebenen bekommen immer noch Nahrungslieferungen. Ich frage mich, ob die anderen beiden sich ab jetzt ihr Essen selbst suchen müssen oder von den Eltern bei der Nahrungssuche eingewiesen werden.
Edit 10:08:
Eben wollte wohl der vierte einen Versuch wagen. Sie haben sich einen Geranienstengel wie eine Brücke bis über das Balkongitter gelegt und er trippelte darauf bis zum Ende, also quasi schon halb in der Luft, machte plötzlich aber kehrt und flatterte ganz schnell ins Nest zurück.
Edit 10:34:
Unten sehe ich gerade die Hofkatze herumschleichen. Ich hoffe, die Eltern haben den Kleinen schon gesagt, daß sie sich vor diesem samtpfötigen, grünäugigen Etwas mit scharfen Zähnen in Acht nehmen sollen.
Edit 10:53:
Mutige vor! Statt zu fliegen sitzen die restlichen Vier im Nest und putzen sich ihre Flügel. Man will ja gut vorbereitet sein auf den großen Moment und je gründlicher man sich mit den Flügeln beschäftigt, um so länger kann man im Nest bleiben und sich drücken.
Edit 11:25:
Upps, jetzt sind es nur noch drei. Und da, der nächste startet nun auch. Geht doch sehr gut. Er ist sogar gleich bis zum weiter entfernten Baum geflogen. Der Vorletzte saß erst minutenlang auf dem Geranienzweig und starrte versonnen in die Luft bis er sich endlich traute. Jetzt hockt nur noch der Kleinste verlassen im Nest, tschirpt aufgeregt, macht aber keine Anstalten zu fliegen.
Edit 14:10:
Das ist ja süß. Einer der Geschwister des verlassenen Nesthockers kam zurück ins Nest geflogen, um ihn zu besuchen. Der Nesthocker dachte allerdings, er würde etwas zu essen bekommen und sperrte den Schnabel weit auf, jedoch umsonst. Der Geschwistervogel fütterte ihn nicht, sondern suchte selbst neben dem Nest nach Nahrung, die er aufpickte. Ich frage mich, ob die Eltern den letzten überhaupt noch lange füttern, wenn er nicht fliegen will. Es ist übrigens der, der mir schon vorher Sorgen bereitet hat, weil er so schwach aussah. Ein Sorgenkind gibt es wahrscheinlich in jeder Vogelfamilie.
Heute um 20:15 h bei Pro7 - "'Marie Antoinette", die Verfilmung des Lebens der französischen Königin von Sofia Coppola. Die sehr moderne und poppige Art der Darstellung hat dem Film viele kritische Stimmen eingebracht. Aber gerade weil er kein trockenes Historiendrama ist, sondern auf ganz neue Weise in der Dekadenz des Rokoko schwelgt, lohnt es sich, ihn anzuschauen. Er will ganz sicher nicht eine Geschichtsstunde sein, sondern ein sinnliches Erlebnis und dabei Parallelen zur heutigen konsumorientierten Jugend andeuten.
Die Flugstunden beginnen, es wird bereits fleißig Flügelschlagen geübt. Ihren Eltern gucken sie jetzt neugierig und aufgeregt in die Bäume hinterher. Und einer hat es mit viel Flügelschlagen sogar schon auf den Halm einer Geranie geschafft. Bravo!
Edit 10:23:
Ich habe das Gefühl, die Eltern wollen die Kleinen animieren zu fliegen, denn sie rufen immer vom gegenüberliegenden Baum herüber und die Kleinen schauen sehr unruhig und aufgeregt vom Balkonkastenrand.
Im Warteraum der Physiotherapie sehe ich an einem kleinen Tischchen meine Exkollegin A.L. sitzen. Sie erkennt oder beachtet mich nicht, ist ganz mit sich selbst beschäftigt, bis ich sie anspreche: "A....!" Sie blickt nur auf und legt gleich ohne Gruß oder einleitende Worte los sich zu beschweren, daß sie irgendeine gesundheitliche Sache damals nicht gleich dem Arbeitgeber gemeldet hätte. Anscheinend wurde dies durch die Arbeit verursacht, aber jetzt wird es nicht mehr anerkannt und sie hat den Schaden. Ich kann ihr da nur beipflichten, allerdings hätte ich das wahrscheinlich auch nicht gleich gewußt und erkannt. Wir warten gemeinsam und währenddessen erfahre ich, daß diese Physiotherapie von zwei Nonnen geführt wird. Die Nonne Heise sehe ich. Sie trägt zwar eine Nonnentracht, diese läßt aber trotzdem vorne ein tiefes Dekollete und sehr viel Goldschmuck hervorblitzen, nämlich ein breites Goldcollier, Goldarmreifen und -ringe. Irgendwie finde ich das ja etwas merkwürdig für eine Nonne, aber persönlich ist mir das egal. Ich gönne ihnen gerne Goldschmuck und tiefe Dekolletes. Nicht egal allerdings ist mir, daß diese Nonne sehr unbeliebt ist, weil sie so streng, unfreundlich und herzlos sein soll. Zum Glück meine ich zu wissen, daß ich zu der anderen Nonne komme, welche Hader heißt. Als ich an der Reihe bin, merke ich gleich, daß sie auch nicht gerade besonders herzlich oder freundlich ist. Etwas rundlich, mit einem aufgeschwemmten weißen Gesicht, hat sie merkwürdigerweise weiße Krümel an der Haut um den Mund herum, als würde sich dort die Haut lösen. Sie holt ein kleines Impfmesserchen hervor, damit will sie mir später noch in den Rücken schneiden. Mir ist zwar neu, daß man sowas bei der Physiotherapie macht, aber gut, wenn es hilft. Doch vorher untersucht sie erst einmal meinen Rücken und macht mich auf zwei rote Punkte an meiner linken Hüfte aufmerksam. Da habe sie ja schon geschnitten! Achso? Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Jetzt liege ich mit dem Bauch auf einer Liege und sie beginnt meinen Rücken zu massieren. Sie hat ziemliche Mühe damit und ruft immer wieder ärgerlich aus, wie hart dieser, bzw. meine Muskeln seien. Die kriege sie ja nie wieder weich.
Es war genau jene Zeit, in der dieser Song über Wochen ständig auf Nr. 1 der Charts stand, als ich begann Donnerstags regelmäßig zur Badezeit meines Vaters am alten Radioempfänger im Wohnzimmer die verbotenen West-Charts zu hören. Es war die gleiche Zeit, zu der mein Spielfreund anfing, sich sein ganzes Zimmer mit Sandra-Postern zuzupflastern.
Gerade wollte ich mich wundern, warum ich nur noch vier Grünfinken im Nest sehe. Ich dachte schon, zwei hätten sich bereits davon gemacht oder eine Elster hätte sie geholt, aber nein, die wagemutigen Abenteurer erkundeten meine Balkonkästen. Sobald allerdings Futter in Sicht ist, dann sind sie ganz schnell wieder zu Hause.
Edit 21:40:
Pssst! Es schlafen alle tief und fest, die Schnäbelchen im Gefieder. Irgendwie erinnert mich das an kleine Katzen, aber die will ich jetzt nicht heraufbeschwören, deshalb streiche ich diesen Satz wieder.
ist mir aus eigener Anschauung klar geworden, warum der Volksmund ausgerechnet von Schmutzfinken spricht. Aber, mein Gott, so viel natürlichen Geraniendünger hatte ich noch nie. Und wer kann das den kleinen Dreckspatzen Schmutzfinken schon übel nehmen?
Wenn das mit den Orkanböen so noch lange weiter geht, dann werden es Sturmfinken. Die hätten sich doch lieber ein Nest weiter unten bauen sollen als in meiner luftigen Windfangschneise.
mich langsam von Grünfinken umzingelt. Wenn ich das Fenster zur Straße öffne, höre ich Grünfinken, wenn ich auf dem Balkon bin, höre (und sehe) ich ebenfalls Grünfinken. Und immer scheinen sie sich direkt vor meinen Fenstern aufzuhalten.
Die 13 machte mal wieder ihrem Ruf alle Ehre. In der Nacht erlebten die kleinen Grünfinken ihre erste richtig schlimme Sturm- und Regennacht. Ich dachte schon, die fliegen wie Dorothy in "Der Zauberer von Oz" mitsamt dem Nest davon. Und am Morgen ging der Ärger gleich weiter, denn ein Spatz näherte sich unerlaubter Weise meinem Balkon und wurde darauf von Mama und Papa Grünfink mit Zeter und Mordio-Geschrei verjagt. Er verzog sich auf einen Baum gegenüber und tschirpte beleidigt unflätige Schimpftiraden herüber.
Vögel mit schillernd bunten Kopfhauben. Das Besondere: Je härter und schlimmer das Schicksal einen Vogel trifft, um so schöner, größer und leuchtender ist seine Haube.
Parallel dazu heute morgen beim Betrachten der Grünfinken der Gedanke, daß ihre Kopfpuschel von oben wie eine Dornenkrone aussehen.
Der säubert ab jetzt meine Fußböden. Zugegeben, beim ersten Durchgang sah es nachher dreckiger aus als vorher, da er erstaunlich viel Dreck von irgendwoher geholt hat, obwohl ich selbst nur einen Tag zuvor gesaugt hatte. Sogar eine kleine Spinne hat er mitgenommen. Und hat sich ewige Zeit unter meiner Badewanne aufgehalten, wahrscheinlich weil da besonders viel schöner Dreck lag. Wenn er fertig ist, begibt er sich von allein wieder zu seiner Dockingstation. Schade eigentlich, daß er nicht auch das Klo putzen und Müll wegtragen kann. Die Qualität des Videos ist total mies, keine Ahnung wieso, es liegt nicht an euren Augen. Aber ich denke, das Prinzip wird deutlich.
Früh wird erstmal gezählt - eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs - alle noch da. Und der eine, der sich gestern vorwitzig aus dem Nest entfernt und alleine im Busch übernachtet hat, kam wie ein geölter Blitz wieder zurück ins Nest geschossen, als die Eltern endlich mit der ersten Mahlzeit landeten.
Edit 13:35:
Einer der Kleinen hat seinen Kopf in eine Geraniengabel gelegt und schaut "fern".
Fluche dem König auch nicht in Gedanken und fluche dem Reichen auch nicht in deiner Schlafkammer; denn die Vögel des Himmels tragen die Stimme fort, und die Fittiche haben, sagen's weiter.
(Pred 20)
WS ...Die neuronalen Antworten auf erwartete Reize werden verstärkt und besser synchronisiert als Antworten auf Reize, denen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird...Ferner gibt es Hinweise darauf, daß Synchronisation oszillatorischer Aktivität im Gamma-Frequenzband eine notwendige Voraussetzung für die bewußte Verarbeitung von Information(Anmerk: statt unbewußter) sein könnte....
MR Die Zustände von Mitgefühl und reinem Gewahrsein weisen von allen meditativen Zuständen die stärksten Gamma-Wellen auf, stärker als Einsgerichtetheit zum Beispiel....
Wie es scheint, hinterlassen die unterschiedlichen Meditationsformen, die bereits untersucht wurden, unterschiedliche Spuren im Gehirn. Alle rufen wohl Gamma-Wellen hervor, wenn auch im unterschiedlichen Ausmaß, aber sie aktivieren sehr verschiedene Hirnbereiche.
(aus "Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog." von Wolf Singer und Matthieu Ricard)
MR Interessanterweise zeigt eine vorläufige Studie an Meditierenden aus der tibetischen Schule des Buddhismus, daß Alpha-Wellen (Anmerk.: Hirnwellen bei Entspannung) für eine Weile verschwinden, wenn man das mentale Geplapper plötzlich aus dem Geist verbannt...
WS...Ich würde deshalb voraussagen, daß Meditation Alpha-Aktivität unterdrückt, weil sie ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Aufmerksames Verarbeiten geht mit hoher Gamma-Aktivität, also mit hochfrequenten Oszillationen einher, und diese schließen gleichzeitige Alpha-Aktivität aus.
(aus "Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog." vonWolf Singer und Matthieu Ricard)
An Gefieder ist heute schon mehr zu sehen und das ist auch gut so, denn eigentlich müssen sie ja bald fliegen lernen. Vierzehn Tage bleiben sie angeblich im Nest. Und das Nest ist jetzt bereits ziemlich eng. Die kleinen Flugsaurier stapeln sich regelrecht übereinander und jedesmal, wenn einer herumzappelt, steht das ganze Nest in Aufruhr, bis sie sich wieder geordnet haben. Auch scheinen sie völlig unterschiedliche Temperamente zu haben. Während die einen mich neugierig beim Fotografieren beäugen, ist trotzdem einer dabei, der dann schnell seinen Kopf einzieht und diesen unter seinem Geschwistervogel versteckt, bis nur noch die Schnabelspitze hervorschaut. Angsthase!
Edit 18:25:
Also einer von den Sechsen macht mir ja ein wenig Sorgen. Sein Kopf sieht viel kleiner aus, insgesamt ist er viel dünner, und während die anderen die Schnäbel aufsperren, hängt er mit dem Kopf meist nur schlaff über den Balkonkasten. Ab und zu reckt er ihn auch in die Höhe, aber nur sehr kurz, ich habe den Eindruck, er ist zu erschöpft, denn schnell sinkt er wieder mit geschlossenem Schnabel zur Seite. Ich frage mich, ob er genug Futter abbekommt. Außerdem hat er seitlich am Hals zwei Öffnungen, die sehen aus wie Kiemen. Die habe ich bei den anderen nicht gesehen.
Edit 19:36:
Die Ältesten sehen jetzt langsam aus wie Vögel, aber die beiden Puschel auf dem Kopf tragen sie immer noch. Ich habe heute das erste Mal über das Gefieder von einem gestrichen. Ich hatte nicht den Eindruck, daß es ihn oder die Eltern stört, sonst hätte ich es gelassen. Die scheinen mich schon als Inventar zu betrachten (oder als Putze).
Edit 19:50:
Irgendwie haben die keine Peilung mehr. Jetzt hocken sie alle übereinander im Hollerbusch und das Nest ist halb leer.
Ann Treisman, eine Expertin der Erforschung von Aufmerksamkeitsprozessen, hat bei Mönchen mit großer Meditationserfahrung ein Phänomen untersucht, das man 'attentional blink' nennt. Wörtlich übersetzt bedeutet das etwa das "Blinzeln der Aufmerksamkeit"....
...Diese Unfähigkeit, schnell aufeinanderfolgende Bilder lückenlos wahrzunehmen, nennt man attentional blink. Die Interpretation dieses Phänomens ist, daß die Aufmerksamkeit, solange sie an die Verarbeitung des bewußt wahrgenommenen Reizes gebunden ist, nicht für die Verarbeitung des jeweils nächsten Bildes zur Verfügung steht...
...Der überraschende Befund war nun, daß Menschen mit großer Meditiationserfahrung ungewöhnlich kurze Blink-Intervalle hatten oder überhaupt keinen attentional blink aufwiesen. Trotz hoher Darbietungsfrequenz waren sie in der Lage, jeden Reiz bewußt wahrzunehmen.
(aus "Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog." von Wolf Singer und Matthieu Ricard)
so nenne ich jetzt meine kleinen Flugsaurier, denn sie sehen wirklich witzig aus. Es ist, als würden ihnen zwei Irokesenkämme auf dem Kopf wachsen.
Witzig ist auch, daß sie mich anscheinend für ihr drittes Elternteil halten, denn immer, wenn ich nur ein wenig an den Pflanzen herumzupfe, recken sie wie auf Kommando ihre Köpfe zu mir und sperren ihre Schnäbel auf. Dabei bin ich doch nur die Reinigungstante, denn die Mutter ist inzwischen wohl bei sechs Kleinen mit gut funktionierender Verdauung etwas überfordert. Sie trägt zwar immer noch Vogelkot im Schnabel weg, kommt aber bei den Massen nicht mehr hinterher, da sie ja auch noch Futter suchen muß. Also kratze ich das Zeug dann und wann mit einem Holzstäbchen von den Rändern des Nestes und dem Balkonkasten, weil die sonst bald dahinter nicht mehr zu sehen wären. Zuerst dachte ich, daß sie nur auf Geräusche oder Bewegungen reagieren und dann jeweils ihre Köpfe recken, aber wenn sie so mit den Köpfchen über den Balkonkastenrand lugen, ganz besonders neugierig, wenn ich fotografiere, könnte ich schwören, sie beobachten mich.
Da wird mal schnell ein Stengel als Kopfkissen benutzt:
Gestern kam extra meine Mutter zu Besuch, um sich die Kleinen anzuschauen und fragt mich, wann meine EchsenFlugsaurier Vögel denn Gefieder bekämen. Im übrigen sind es immer noch sechs. Habe gerade noch einmal nachgezählt.
Edit 17:20:
Die Stimmchen der kleinen Echsen werden auch immer kräftiger. Inzwischen höre ich es bis an das andere Ende der Wohnung, wenn Fütterung ist. Da wird getschipt und getschirpt, jeder will der erste sein, und es wird dem Geschwisterchen auch schon mal der Flügel ins Gesicht gehauen, damit es leer ausgeht. Das Leben ist hart.
meine neuen Nachbarn unter mir machen Disko, singen im Chor "Völlig losgelöst von der Erde" und mein Zimmer stinkt nach Qualm, als würden die alle direkt bei mir sitzen.