Zur Zeit denke ich häufig an Frida Kahlo. Nicht daß mir ihre Kunst sehr nahesteht, es ist mehr ihre Lebensgeschichte, die jetzt wieder, nach den vielen Jahren, in meine Erinnerung tritt. Damals, noch vor der Verfilmung ihres Lebens, las ich eine Biographie über sie, die ich von einer befreundeten Bildhauerin geschenkt bekam. Ich fand ihr Leben und ihr Schicksal sehr beeindruckend, doch ich denke, daß ich nicht wirklich die Wahrheit über ihr Leben begriffen hatte, denn ich kannte noch keinen chronischen Schmerz. Ich bekam nur eine Information, deren Ausmaß jenseits meiner Vorstellungskraft lag. Heute denke ich an Frida Kahlo und staune. Ich frage mich, wie man mit ständigen Schmerzen so kreativ sein kann. Ich habe es vor Jahren bereits einmal in einer (sehr akuten, aber im Vergleich nicht sehr langen) Schmerzphase versucht, aber es ging gar nichts. Ich finde ihn äußerst uninspirierend, zumindest, wenn ich selbst gerade davon betroffen bin. Erst in der Rekonvaleszenz-Phase (glücklich, wer eine erlebt), sobald ich wieder neue Kräfte und Lebensfreude verspüre, bin ich bereit, mich mit dem Erlebten kreativ auseinanderzusetzen. Chronischer Schmerz ist tückisch. Er vergiftet den Kopf, verändert Stimmung und Persönlichkeit. Er verursacht einen inneren Aufruhr, begleitet von Sorgen und Existenzängsten, und läßt einen ständig durch dunkle Löcher der Hoffnungslosigkeit stolpern. Man erkennt sich nicht mehr wieder, bzw. man erkennt etwas, jedoch nicht sich, sondern die Züge von Personen, von denen man im Leben schon einige kennengelernt hat, denen man aber nie nacheifern wollte. Man erkennt sie in sich selbst und man begreift, was aber die Situation keineswegs bessert, sondern höchstens zu einer größeren Weisheit beiträgt, auf die man aber in diesem Moment gerne sch.... würde. Fast fühle ich mich wie eine Marionette in den Händen des Schmerzes - ein kurzer Zug hier, ein kurzer Zug da und schon fällt man von einer vorhersehbaren Stimmung in die nächste, ohne sich in der körperlichen Schwäche dagegen wehren zu können. Der wirklich verändernde Faktor ist dabei weniger die Stärke des Schmerzes, als viel mehr die Dauer. Proportional zur Dauer nimmt auch das jeweilige Schmerzempfinden zu, selbst wenn man dieses Ziehen, dieses Spannen, dieses Bohren über nur eine Woche hinweg locker wegstecken würde. Über den Zeitraum eines ganzen Lebens wird der kleinste Schmerz zu einem Monster. Ich gehe zwar arbeiten, funktioniere, wenn auch vielleicht ein wenig langsamer, was einem zusätzlich abschätzige Blicke einbringt, da man ja jung und dynamisch sein soll, trotzdem versuche ich mir nichts anmerken zu lassen und auch nicht darüber zu reden, weil ich aus jahrelanger Bürohyänenerfahrung weiß, wie man hinter dem Rücken sich über jedes Klagen oder selbst nur sachliche, erklärende Äußerungen die Mäuler zerreißt, sich der wahren Diagnose gewiß. Auf Verstehen kann man hier nicht hoffen, nicht einmal bei jedem Arzt kann man das. Normalerweise ist es mir relativ egal, ob ein Arzt selbst schon einmal eine Grippe, eine Angina, eine Gastritis, oder was es noch so alles an akuten Krankheiten gibt, hatte - schließlich weiß ich ja, daß es relativ schnell vorbei ist und der Arzt einen dann wieder gern haben kann, doch wenn es um chronische Beschwerden geht, würde ich am liebsten wissen, ob er selbst bereits unter ähnlichen Dauerbeschwerden gelitten hat. Erst dann kann ein Arzt tatsächlich begreifen, was die primären Symptome, denen in der Regel die alleinige Beachtung geschenkt wird, für Folgen nach sich ziehen. Schmerz macht dumpf, selbst das Denken erfolgt automatisch und mechanisch, dreht sich vor allem um eben diese Lebenssituation, da er sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in Erinnerung bringt. Man bekommt ihn nicht aus dem Kopf - ein schleichendes Gift, das die Lebenskräfte zersetzt. Und ich gebe mir selbst die Antwort auf obige Frage, wie man damit kreativ sein kann - es funktioniert wahrscheinlich erst, wenn man den Schmerz annimmt und akzeptiert. Ich kann und will das nicht, ich will nicht so leben, schon gar nicht, wenn ich wüßte, daß es für den Rest meines Lebens ist. Ich bin kein Held und ich bin nicht geduldig. In dieser Situation gelangt mein Laster, die Ungeduld, sogar zu neuen Steigerungen. Vielleicht gelingt es Menschen besser, die Schmerzen seit ihrer frühesten Kindheit kennen, weil sie es nicht anders gewohnt sind. Allerdings gibt es auch viel Gelegenheit, um dankbar zu sein, da ich weiß, daß es Menschen gibt, denen es schlimmer ergeht als mir. Ich bin dankbar, daß ich schlafen kann, dankbar über Momente der Schmerzfreiheit, die ich in der Bewegungslosigkeit erleben kann, danke sehr, vielen Dank, aber das reicht nicht. Das Leben stellt Aufgaben und schon das Einkaufen ist jedesmal eine Tortur. Heute morgen stand ich beim Zähneputzen vor dem Waschbecken und dachte, nein, da kommst du jetzt nicht mehr runter, es ist vorbei, es geht nicht mehr, auch nicht mit Zähnezusammenbeißen. Seit ich das Leiden meines Vaters gesehen habe, bin ich sensibilisierter, und auch durch das eigene Leiden, natürlich gar kein Vergleich dazu, aber leugnen hat keinen Zweck, verliert der Tod seinen Schrecken. So gesehen ist der Schmerz vielleicht sogar ein Freund, der helfen kann, sich vom Leben zu lösen, wer weiß, wozu es gut ist. Frida Kahlo schrieb in ihrem Tagebuch sinngemäß, sie hoffe, daß das Ende glücklich wird und sie nicht wiederkehre. So erkennt man die Wissenden....
(Diesen Text schrieb ich bereits am 23. 4. in mein Tagebuch. Zur Zeit ist es glücklicherweise dank Physiotherapie wieder besser. Allerdings habe ich Ende August meinen ersten Schmerzjahrestag. Vielleicht hätte ich den Text erst dann posten sollen, sozusagen zur Feier des Tages. )
Ähnlich erging es mir mit einem anderen, alles in allem doch wichtigeren Roman von Hesse, dem "Steppenwolf". Ich habe ihn, nicht ganz freiwillig, dreimal gelesen: In den dreißiger Jahren war ich entzückt, in den fünfziger Jahren enttäuscht, in den sechziger Jahren entsetzt.
(aus "Mein Leben" von Marcel Reich-Ranicki)
Hm, ich habe das Buch erst einmal gelesen. Ob mir es ebenso ergehen würde? Ausgeschlossen ist das nicht.
Keine Erkrankungen des Rückenmarks zu erkennen. Die schlechte: Dafür jede Menge andere nette Plaisirchen, wie Arthrose, Chondrose, Osteochondrose, Spondylisthesis, Bandscheibenprotrusion, Spondylosis deformans usw. Und nu? Warten auf das Delirium tremens? Ich glaube kaum, daß ich meiner Orthopädin noch mehr Physiotherapie aus den Rippen schneiden kann. Am liebsten wäre ihr, ich würde mich täglich mit Schmerzmitteln und Antidepressiva zudröhnen und sie in Ruhe lassen. Die guckt schon immer ganz komisch, wenn ich wieder da bin.
Ich bewohne ein neues Haus in einer Art Vergnügungs- und Tierpark. Neben Gehegen mit Tieren, die vom Eigentümer des Parkes gerettet werden, wie er stolz in einer Ansprache verkündet, bewohnen hier auch Blogger kleine Anwesen mit Gärten. Allerdings gehören diese Anwesen mit zum Park und sind somit ebenfalls mehr oder weniger öffentlich. Der Park selbst wurde auf einem alten Eisenbahngelände errichtet und durch die Bahndämme ist er leicht hügelig. Es ist eine große Auszeichnung, ein Anwesen zu erhalten. Nicht jeder darf hier ein Haus beziehen und ich freue mich darüber, dennoch merke ich schnell, daß es auch einige Nachteile hat, als ich einen Mann sehe, der von einem Baum aus durch meine großzügige Fensterfront mit einem Fernglas ins Haus späht. Ein wenig fühlt man sich wie ein Ausstellungsstück. Erst stelle ich mich eine Weile tot, doch dann gehe ich aus dem Haus, um mich selbst unter das Volk im Park zu mischen. Dort falle ich weniger auf, als würde ich in meinem öffentlichen Heim sitzen. Eigentlich habe ich noch Glück, überlege ich mir, denn in der Ecke des Parks, wo ich wohne, befinden sich eher langweilige Tiere, wie Rehe usw., so daß sich dorthin nicht ganz so viele Besucher verirren. Während des Gangs durch den Park entdecke ich, daß es außerdem noch einen unterirdischen Teil gibt, für den man Karten lösen muß. Ich spiele mit dem Gedanken, eine Karte zu kaufen, lasse es aber doch. Ein anderes Mal... Während meines Rundgangs fällt mir eine Frau auf, die rittlings, aber verkehrt herum, auf einem großen Vogel sitzt. Ist das wirklich ein Vogel? Nein, es ist wohl nur ein Rucksack in Vogelform. Und schließlich bin ich wieder am Eingang meines Anwesens. Hier bemerke ich ein Begrüßungsportal, wie ich es von Ranchs kenne, und versuche die Schrift darauf zu entziffern. "Tänzerin...." Der Rest ist im ersten Moment unverständlich. Jedenfalls heißt es nicht "Tänzerin zwischen den Welten". Ob die meinen Blognamen falsch geschrieben haben? Fast will ich etwas ärgerlich werden, aber dann entziffere ich "Tänzerin sound comes soon". Aha. Also wohl eine Ankündigung. Aber worauf? Auf eine Klingel? Oder wird hier bald wie im Museum eine Stimme vom Band etwas über mich und das Blog erzählen? Bin gespannt, was die Betreiber sich haben einfallen lassen.
Aber Pierre blieb ernst, er war wie erstarrt von dem eisigen Schauer, der ihn überlief. Waren das nicht die verzweifelten Verwünschungen des Lazarus, die er da eben gehört hatte? Oft hatte er sich vorgestellt, daß Lazarus, aus dem Grabe gestiegen, Jesus zugerufen hätte: "O Herr, warum hast du mich wieder zu diesem entsetzlichen Leben erweckt? Ich schlief so schön den ewigen, traumlosen Schlaf, endlich kostete ich die süße Ruhe in den Wonnen des Nichts! Alle Schmerzen und alles Elend habe ich kennengelernt, alle Tücken, alle falschen Hoffnungen, alle Niederlagen und alle Gebrechen; ich hatte mit Leiden die schreckliche Schuld meines Lebens abbezahlt, denn ich kam zur Welt, ohne zu wissen warum, und hatte gelebt und wußte nicht wie; und da läßt du mich doppelt bezahlen, Herr, und verdammst mich dazu, meine Strafzeit noch einmal zu beginnen!... Habe ich denn ein unsühnbares Verbrechen begangen, das Du mit einer so grausamen Züchtigung ahndest? Ach, wiederum leben! Täglich zu fühlen, wie das Fleisch um ein weniges hinstirbt, Geist zu haben, nur um zu zweifeln, Willen zu haben, nur um sein Unvermögen zu sehen, und ein empfindsames Herz, nur um zu weinen über seine Qual! Und das alles war nun endlich vorbei, ich hatte die düstere Pforte des Todes durchschritten, die so furchtbar ist, daß sie schon das ganze Leben vergiftet. Ich hatte gefühlt, wie der Schweiß des Todeskampfes mich näßte, das Blut aus meinen Adern zurückfloß und der Odem im letzten Röcheln entfloh. Und nun willst Du, daß ich all diese Angst zum zweiten Mal leide, daß ich zweimal sterbe und daß meine Qual alles menschliche Elend überragt!... Ach, Herr, mach, daß es gleich vollbracht werde! Ja, ich flehe Dich an, tue noch das zweite große Wunder, lege mich wieder ins Grab, bette mich, ohne zu leiden, wieder in meinen ewigen Schlaf, den niemand stört! Sei gnädig und nimm die Marter eines zweiten Lebens von mir, die furchtbare Qual, zu der Du noch kein Wesen jemals verdammt hast! Ich habe Dich immer geliebt und Dir gedient allezeit, nun mach mich nicht zum Beispiel Deines höchsten Zorns, der alle Geschlechter der Menschen mit Schrecken schlüge. Gib mir den Schlaf zurück, den ich mir wohl verdient habe, sei gütig und mild, o Herr, und schläfere mich abermals ein in die Wonnen Deines Nichts!"
(aus "Lourdes" von Emile Zola)
Ich schreibe dies mit Bubbles-Augen und zuckendem Klickfinger. Ich bin dem Bubbles-Fieber verfallen. Wer hätte gedacht, daß sich Jupiter und Neptun auf diese Weise bemerkbar machen würden, mit Spielsucht. Normalerweise bin ich recht resistent gegen solche Obssessionen, aber diesmal werde ich erst geheilt, wenn ich auch die letzte Ebene aller meiner Bubbles-Spiele durchgespielt habe.
Ungefähr einen Meter von mir entfernt steht eine Mutter mit Kinderwagen. Ihre Haare, lang, aschblond und kraus, erinnern mich an die (jetzt graugesträhnten) Haare von
Traumzeit, allerdings sind sie zu einem kecken Pferdeschwanz gebunden. Im Kinderwagen liegt ein Säugling, nicht älter als sechs Monate, schätze ich. Wie reiße ich plötzlich vor Erstaunen die Augen auf, als er im Kinderwagen in sekundenschnelle einen Kopfstand macht und die kleinen Beinchen in die Höhe streckt...
Das gibt es doch gar nicht! Der kann noch nicht einmal sitzen, geschweige denn laufen, und macht schon einen Kopfstand! Wie geht das denn? Und dann weiß ich auf einmal: Er ist nur deshalb zurück auf die Erde gekommen und wiedergeboren worden, weil er unbedingt Turner werden wollte. Und jetzt kann er einfach nicht abwarten bis er alt genug dafür ist. Er möchte sofort damit loslegen, die turnerischen Möglichkeiten seines neuen menschlichen Körpers zu erkunden.
nimmt kein Ende. Aber wenigstens regt man sich in Dresden noch über solche Bauten auf. In Berlin kümmert es niemanden, ob an die Spree ein klotziger und morscher Hauptbahnhof gebaut wird, der beim ersten Sturm zusammenfällt, und die neue Zugangsbrücke davor den letzten freien Blick auf eine einstmals luftige Flußlandschaft verhindert.
Auch war das Wasser alles andere als einladend; denn aus Furcht, die aus der Quelle fließende Menge könnte nicht ausreichen, ließen die Patres der Grotte das Wasser in den Bädern nur zweimal am Tag wechseln; und da an die hundert Kranke durch dasselbe Wasser hindurchgingen, kann man sich vorstellen, zu was für einer entsetzlichen Brühe es zuletzt wurde. Da war alles drin, Blutfäden, Hautfetzen, Schorf, Wattestücke, und Verbandslumpen, ein gräßliches Spülwasser aller Krankheiten, aller Wunden, aller Fäulnis. Es war offensichtlich eine wahre Brutstätte giftiger Keime, eine Essenz der fürchterlichsten Ansteckungen, und das Wunder bestand wahrlich darin, daß man lebend aus diesem menschlichen Unrat wieder herauskam.
(aus "Lourdes" von Emile Zola)
flog letzte Nacht durch meinen Traum und nahm ihn mit sich fort...
Betreff: Der Weg aus der Krise
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Wieso kriege ICH eigentlich solche Mails? Wäre das nicht besser etwas für den Bundesfinanzminister?
fand ich überhaupt nicht schlimm. Ich habe auch nie geglaubt, daß es schlimm wäre, allerdings haben die Leute, die mir in letzter Zeit ihre Geschichten von "der Röhre" erzählt haben, es geschafft, daß ich tatsächlich richtig Schiß hatte. Zwar dachte ich mir immer, erst mal abwarten und sich selbst ein Bild machen, und trotzdem prägen sich einem die erzählten Dinge ein. Deshalb fragte ich auch etwas halbherzig nach Beruhigungsmittel - eigentlich mehr, weil meine Mutter stets sagt, ich solle bei allen Behandlungen nach Betäubung oder Beruhigung fragen, da die von alleine sowas nie rausrücken - was allerdings gleich abgewinkt wurde, und letztendlich habe ich es wirklich nicht gebraucht. Die Röhre war ja sogar am Kopfende offen, ich dachte vorher immer, die wäre geschlossen - dann wäre die Wahrscheinlichkeit schon größer gewesen, daß ich Beklemmungen bekommen hätte. Außerdem erhielt ich einen Kopfhörer, aus dem beruhigende Wellness-Musik kam. Es war tatsächlich sehr laut, wie auf der Baustelle, aber ich habe mir vorgestellt, daß ich am Meer bin, wo Waldarbeiter kranke Bäume fällen, sowie immer auf meine Atmung geachtet, wie ich es vom Meditieren her kenne, und ich habe den Lärm kaum noch bemerkt. Ich wurde relativ schnell wieder aus der Röhre geholt, da man im Verzug sei. Und auch kein Kontrastmittel mehr gespritzt, wie es für bestimmte Fälle angekündigt wurde. Nun gehe ich mal davon aus, bzw. hoffe, wenn man mich so schnell wieder nach Hause schickt, daß dann auch alles in Ordnung ist und die das nicht machen, weil sie keine Lust oder Zeit mehr haben. Aber es nervt mich, daß man, wie überall, nie etwas gesagt bekommt. Kein "Alles in Ordnung", kein "Alles bestens", in der verkürzten Form "Alles ok" würde es sogar weniger als eine Sekunde dauern, das zu sagen. Das müßte eigentlich sogar noch drin sein, wenn man unter Zeitdruck steht. Man fühlt sich wie so ein Gegenstand, mal schnell irgendwo reingeschoben, und was dabei rauskommt, hat einen nicht zu interessieren. Holen Sie sich Ihren Befund nächste Woche. Daß man sich noch eine Woche zusätzlich den Kopf zerbricht und ständig grübelt, ob vielleicht nicht doch etwas gefunden wurde, ist völlig unerheblich.
Nach der Untersuchung bin ich erst einmal auf den Friedhof neben dem Krankhaus spaziert, um mich wieder abzureagieren. Ist aber irgendwie ein wenig merkwürdig, in solch einer Situation auf einen Friedhof zu gehen, insbesondere einen Krankenhaus-Friedhof. Gegen Friedhöfe an sich hab ich eigentlich nichts, aber gegen Krankenhäuser schon und deshalb sind mir auch Friedhöfe neben Krankenhäusern suspekt, weil ich da immer an die Leute denke, die in eben denselben Krankenhäusern "austherapiert" wurden und vielleicht auf dem Friedhof gelandet sind. Doch in dieser Stadt hat man ja kaum irgendwo anders die Möglichkeit, seine Ruhe zu haben, jedenfalls nicht gerade in der Nähe. Als ich ihn wieder verließ, lief gerade ein Vater mit seiner ca. dreijährigen Tochter an den dicken Friedhofsmauern entlang. Die Kleine zeigte neugierig auf diese, wahrscheinlich wollte sie wissen, was dahinter liegt - Kinder sind bekanntlich neugierig - und radebrechte etwas von "Dahin gehen?". Doch der Vater zog sie zurück und antwortete mit bestimmter Stimme: "Nein, dahin müssen wir noch nicht."
macht Kung Fu, hat er mir heute erzählt. Richtig im Verein. Irgendwie wirkte er mit seinem Äußeren auf mich immer wie jemand, der auch viel am PC sitzt und beim letzten Mal klagte er darüber, daß er ebenfalls vermehrt Rückenschmerzen durch das Sitzen am PC habe. Und das macht er bestimmt nicht im Job. Etwas später meinte er dann so, daß ich eine sehr große Frau sei, er schätze 1,80 m, und daß mein Ehemann, Freund....äh... Gefährte sicher viel größer sei als ich. Währenddessen dachte ich etwas verwundert, was kommt denn jetzt wohl, und antwortete, daß mir gleich groß reichen würde. Darauf unterhielten wir uns darüber, ob in einer Partnerschaft der Mann besser größer als die Frau ist. Nach einer Weile kam er durch den Song "All you need is love", der im Radio dudelte, auf "Nur die Liebe zählt" mit Kai Pflaume und machte eine Bemerkung darüber. Ich zuckte mit den Schultern und sagte, daß ich mir sowas nie angeschaut hätte. Das entsetzte ihn völlig. "Was? Sie kennen 'Nur die Liebe zählt' nicht?" Natürlich kenne ich die Sendung, aber sie hat mich halt nie interessiert, versuche ich zu erklären. Ich schaue lieber Dokus. Ah, meint er, sowas wie "Meine Chance", nicht wahr? Hähhhh, denke ich bei mir....das kenne ich ja nun wirklich überhaupt nicht. Noch nie gehört. Doch das traute ich mich nicht mehr zu sagen. Sicher irgend so eine Dokusoap...
Nehme gerne wieder Kommentare und Stimmen entgegen. ;o)
Schweigend liegt das alte Pfarrhaus, eingebettet in der samtigen Geborgenheit der Nacht. Kein Mondlicht fällt durch die hohen Fenster als ich erwache. Angestrengt lausche ich in die Dunkelheit. Dann und wann ist ein leises Ächzen und Seufzen der Dielen zu hören. Es ist der tiefste Punkt der Nacht, eine Zeit in der jeder Mensch schläft. Ich allein bin wach. Aus einem inneren, unwiderstehlichem Drang heraus, zieht es mich hinaus und ich schleiche barfuss, nur mit meinem Pyjama bekleidet, am Schlafzimmer meiner Eltern vorbei, öffne die Wohnungstür und tappe vorsichtig die Treppen des Hausflurs hinunter. Sobald sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, reicht das Licht gerade aus, um die allernötigsten Umrisse zu erkennen. Unten angekommen öffne ich die massive, schwere Haustür, indem ich mein ganzes Körpergewicht dazu einsetze. Doch was ich dann erblicke ist atemberaubend und überraschend. Es muss während der vergangenen Stunden geschneit haben und weißer Schnee bedeckt die Wege und Vorgärten außerhalb des Hauses, erleuchtet die lichtlose Nacht mit seinem Strahlen. Es ist, als gehe ein zarter Lichtschein von ihm aus. Verzückt betrachte ich diesen märchenhaften Anblick, noch immer gegen die schwere Haustür gelehnt und im Glitzern der winzigen Kristalle schwelgend. Bewusst wird mir nun auch die große Stille, eine Stille, die außergewöhnlich ist. Doch ich fürchte sie nicht, ebenso wenig wie die Dunkelheit. Im Gegenteil. Ich fühle mich schützend umhüllt vom seidigen Schwarz der Nacht und ihrer Schönheit.
Das schneebedeckte Land vor der Haustür zieht mich magisch zu sich hinaus. Obwohl ich nichts an den Füßen habe, mache ich einen vorsichtigen kleinen Sprung in den Schnee hinaus. Es fühlt sich herrlich an. Nicht kalt und nicht nass, sondern einfach nur watteweich und erfrischend. Es ist ein bisschen wie auf Wolken zu gehen. Ich überlege, was ich mit dieser zauberhaften Nacht anfangen könnte. Sie zu verschlafen wäre viel zu schade. Besser wäre es, hinunter zum Fluss zu laufen und dort die Schönheit und die Stille um mich herum zu genießen. Sorgen, dass mich jemand nur mit dem Pyjama bekleidet trifft, muss ich mir wohl keine machen, denn ich bin ganz sicher allein in dieser Stunde. Kurzzeitig kommt mir die Gefahr des Erfrierens in das Bewusstsein, doch sie erscheint mir völlig unmöglich. Ich spüre keine Kälte noch sonst etwas feindliches. Ich bin völlig geborgen und geschützt in dieser traumhaften Welt und so mache ich mich auf den Weg zu der vereisten Quelle am Fluss.
Dort setze ich mich auf einen Felsen, sauge die klare Luft mit vollen Zügen in mich hinein und horche. Sogar der Kirchturm, der schwarz in die Nacht ragt, gibt keinen Laut von sich. Es ist wunderbar zu lauschen und je mehr ich es tue, um so mehr öffnet sich mir die Stille gleich einem geheimen Tor und offenbart ihre Schätze. Erst ist es das leise Knistern und Knacken des Schnees, später ist es das Seufzen eines Tieres oder das Rascheln eines Zweiges. Tiefer und tiefer dringe ich in die Stille, Hülle um Hülle durchbreche ich, lausche ihrem Gesang, der auf jeder Ebene anders tönt. Bald höre ich das Atmen meiner Poren und das Klingen der Sterne, eine Melodie, deren Resonanzkörper direkt im Herzen zu finden ist, für das Ohr unhörbar. Staunend nehme ich das Universum wahr, welches unerhört zwischen den Klängen des Außen schwingt, umgeben vom schwärzesten Schwarz der Nacht und weißesten Weiß des Schnees. Der Weg der Stille führt in mein Inneres, wo der Raum größer und größer wird, unermesslich und unfassbar groß, weiter als der Sternenhimmel. Tür um Tür öffne ich, ein Labyrinth, welches nur eine Richtung kennt, bis ich zur allerletzten Kammer gelange. Eines feines Vibrieren geht von dieser aus, vergleichbar dem Vibrieren eines Maschinenraumes, in welchem Maschinen im stetig gleichmäßigen Rhythmus arbeiten. Nur ist kein Ton zu hören. Das Vibrieren ist so lautlos wie Vogelflaum, der über die Haut weht. „Was ist das hier?“ frage ich und erhalte sofort die Antwort von einer unsichtbaren Stimme: „Dies ist der Klang, aus dem du geboren wurdest.“
Ehrfurchtsvoll lauschen die Härchen meiner Haut, lauschen die Sohlen meiner Füße, lauschen meine Muskeln, in denen der Schall sein Echo findet, lauscht der winzige Punkt in der Mitte meines Seins, der Punkt, der niemals schläft. Da hebt ein schreckliches Gebrüll an. Die Kirchturmuhr schlägt unerträglich laut in meinen Ohren, holt mich zurück durch jede einzelne der durchschrittenen Türen, bis ich fürchte, mein Kopf müsse mir zerspringen. Es brüllt und brüllt.....rasselt und rasselt, der Wecker rasselt und ich schlage erschrocken die Augen auf. Gleißendes Licht dringt durch die Fenster, Stimmengewirr und Türenschlagen aus den Nachbarzimmern ist zu vernehmen, Kinderweinen von der Straße und das Gedröhn der Müllabfuhr. Verwundert betrachte ich die Wasserflecken, welche ich zwischen dem Bett und der Türe entdecke...
"Bitte wechseln Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn die Wirkung zu stark oder zu schwach ist." statt "Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker....".