schon mal super. Auf meiner Strecke ist jetzt ebenfalls Schienenersatzverkehr, eine Email teilt mit, daß eventuell in unserer Etage die Elektroanlagen erneuert werden, und meine Chefin bedroht mich mit der Ankündigung, daß wir uns unbedingt diese Woche noch unterhalten müssen. Endlich verstehe ich wieder mein eigenes Wort am Telefon, während die Fenster geschlossen sind, der Straßenlärm draußen bleibt, und dann fangen sie an, hier die Wände aufzustemmen. Das ganze Haus ist doch eine Ruine, die Fußböden kaputt, der Fahrstuhl spinnt, das Wasser darf man eigentlich nicht trinken, bzw. soll die Partikel der uralten Leitungen erst abfließen lassen, da kommt es auf die altersschwache Elektroanlage auch nicht mehr an. Und daß meine Chefin mich sprechen will, bedeutet eigentlich selten etwas Gutes. Hab ich vielleicht 200.000 EURO doppelt gezahlt, weil ich den Kopf unterm Arm hatte, das Land Berlin in die Pleite geführt oder bekomme ich 'nur' wieder 50 Akten mehr übergeholfen? Die Schwarzseherei wird bei mir langsam chronisch, was aber nicht nur an mir allein liegt. Ich fühle mich so unliebens-wert, die Ratten nagen an mir, nagen alles weg, was von meinem Urvertrauen nach 40 Jahren noch übrig geblieben ist. Je unliebens-werter ich mich fühle, um so negativer werde ich, und je negativer ich werde, um so unliebens-werter bin ich - glaube ich. Ich könnte den Kreislauf ziemlich einfach unterbrechen, denn ich kenne diesen Schalter in meinem Kopf, den ich nur umzulegen brauche. Das habe ich schon oft getan. Aber ich sehe zur Zeit irgendwie keinen Sinn darin. Vielleicht ist ja dieses ganze positive Denken nichts weiter als eine riesige Selbstverarsche. Man kommt zehn Jahre damit ganz gut durchs Leben bis die Illusion zerplatzt, bis man wieder an den Anfang und auf die nackte Wahrheit geschleudert wird. Vielleicht ist auch der freie Wille nichts als Selbstverarsche. Man denkt, man könnte dies tun oder jenes. Dann tut man jenes, obwohl man besser dies tun sollte, und spürt doch innerlich, daß man eigentlich in genau diesem Moment keine andere Wahl hat. Später tut man vielleicht dies, aber nicht, weil man sich nun endlich richtig entschieden hat, sondern weil man genau dann ebenfalls keine andere Wahl hat. Vielleicht ist ja das Universum nichts anderes als ein riesiger Witz und wir sind nichts weiter als Laborratten, die meinen, sie könnten selbst denken, handeln und entscheiden, aber eigentlich über ein Parasitengehirn ferngesteuert werden. Die durch ihre seltsamen Wege gelotst werden und keine Gnade zu erwarten haben, und falls doch, dann nur weil es ebenfalls zum Weg gehört, um uns 'heiß' zu machen. Wie die Mäuse, welche ein vom Laborhimmel gefallenes Stück Käse als Gnade empfinden, während der tödliche Virus bereits seine Arbeit beginnt. Ich störe? Solche Gedanken will niemand lesen? Eben. Und dann diese Flashbacks, dieses höhnische Grinsen, nicht nur das eine, sondern das eine, dicht gefolgt von dem Dr. T.s und danach, wie es scheint, allen, die mir in diesem Leben begegnet sind. Das kann die optimistischste Stimmung von einer Sekunde zur anderen völlig unerwartet zerstören. (Manchmal frage ich mich, ob es nicht humaner wäre, jemanden wie einen Problembär zu erschießen, als ihn mit Blicken, falschem Gerede oder demütigenden Spielchen zu töten.) Es heißt, wenn man nichts erwartet, kann man nicht enttäuscht werden. Seit der Pubertät, als ich noch dachte, mir könnte ein Puzzlestück der Welt gehören, sind meine Erwartungen auf ein Nichts geschrumpft, dachte ich. Ich habe allerdings die Erwartung vergessen, fair behandelt zu werden. Die hatte ich übersehen, wahrscheinlich weil sie zu grundlegend ist. Man möchte einfach gerne davon ausgehen. Im Umkehrschluß bedeutet das, um nichts zu erwarten müßte ich generell davon ausgehen, daß mich eventuell früher oder später jeder verarschen und für blöd verkaufen möchte, völlig unabhängig davon, aus welchem Grund. Kann man so leben? Muß ich so leben? Oder ist das vielleicht gar kein Problem und ich mache es erst zu einem? Ich mein, genaugenommen ist dieses Verhalten ja gang und gäbe, sogar in den engsten Beziehungen. Meine Eltern haben sich 50 Jahre lang gedemütigt, gegenseitig und/oder vor anderen, manipuliert, tyrannisiert, Psychospielchen gespielt....vielleicht ist das ja alles völlig normal und nur ich bin verrückt, weil ich es nicht als normal erkennen und dieses Spiel nicht mitspielen will, zumindest, so weit es mir bewußt ist. Vielleicht ist es eine Sünde, es nicht mitspielen zu wollen. Vielleicht bin ich auch einfach nur eine extrem überempfindliche Schnepfe.
(Und dann diese Träume, die den Worten trotzen, sich nicht beschreiben lassen, und mir erzählen wollen, alles geschehe nur wegen meiner negativen Erwartungshaltung. Und ich bräuchte nur ein wenig starken Willen, um mir den Kopf zu entwirren und jemanden, der in meiner rechten Schulter herumschraubt. Die Träume, die sich so anfühlen, als wäre ein Knoten geplatzt und auf einmal alles fein. Doch am Anfang können da noch keine negativen Erwartungen gewesen sein, wenn sie aus Erfahrungen gewachsen sind. Und trotzdem ist alles so geschehen. Ich mißtraue sogar meinen Träumen. Sie wollen mich nur wieder in diese positives Denken-freier Wille-Falle locken, dabei sind sie ebensolche Illusion.)
Über eine witzige Aktion bin ich bei
LovelyBooks gestolpert, die mir bisher entgangen ist, nämlich den Read-a-Thon. Vom 4.9. um 8 Uhr bis zum 5.9. um 8 Uhr findet über 24 Stunden so eine Art Hardcore-Lesen unter Bloggern und Bücherliebhabern statt. Jeder liest so viel, wie er kann. Preise oder Gewinne gibt es keine, dafür erhält man gratis eine neue Herausforderung und Spaß soll es machen. So ein Read-a-Thon ist wahrscheinlich eine gute Gelegenheit, all die herumliegenden angefangenen Bücher endlich weiterzulesen, vielleicht aber auch, zwanzig neue anzufangen, denn schließlich muß man ja die finden, welche sich besonders gut und schnell lesen. Wenn man es genau nimmt, sollte man eigentlich die ganze Nacht hindurch lesen und dazu braucht man ein besonders spannendes Buch. Mir ist bisher nur eines unter gekommen, das ich tatsächlich eine Nacht lang bis zum frühen Morgen nicht mehr aus der Hand legen konnte. Als Kind war ich Meister darin gleichzeitig zu essen und zu lesen, am liebsten im Bett. Dieser Disziplin bin ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr nachgegangen, könnte man aber auch mal wieder probieren. Leider bin ich nicht nur beim Rennen eine Schnecke, sondern auch beim Lesen. Während andere drei Bücher weggeratzt haben, bin ich noch bei einem. Ich lese lieber besonders gründlich, da ich sonst fürchte, etwas zu verpassen. Besondere Rekorde würde ich mir deshalb von meiner Seite nicht erwarten. Was aber relativ egal ist, denn es ginge für mich vor allem um das Dabeisein und Durchhalten. Ich kann mich aber trotzdem nicht so recht entscheiden, mitzumachen. Woher weiß ich, ob ich ausgerechnet zu dieser Zeit Lust zum Lesen habe und nicht lieber meine Küche putzen möchte? Ich mein, wenn es hart auf hart geht, kommt man plötzlich auf die abwegigsten Sachen, die man lieber tun würde. ;o)
War früh mit meiner Mutter die Wohnung besichtigen, die sie so gerne wollte. Es geht damit immer hin und her, weil es erst hieß, es gäbe bereits Nachmieter, doch die sind wieder abgesprungen. Durch Zufall hat es meine Mutter mitbekommen, hat gleich erneut bei der Verwaltung angerufen und nochmals einen Besichtigungstermin vereinbart. Der Hausmeister, welcher uns die Wohnung zeigte, war nicht nur äußerst attraktiv, sondern hatte auch unglaublich blaue Augen mit unglaublich langen Wimpern. Deshalb mußte ich ihm immer auf die Wimpern starren. Meine sind gar nichts dagegen, nicht einmal getuscht. Würde man sie bei ihm tuschen, sähen sie bestimmt aus wie angeklebt. Nicht bei jedem Mann sehen lange Wimpern gut aus, aber bei ihm ist das richtig niedlich.
Danach mußte ich mit Engelszungen auf meine Mutter einreden, damit sie, wenn es wirklich zum Umzug kommt, ihre völlig kaputten und uralten Möbel endlich entsorgt und sich neue kauft. Sie hat drei Renten - mit zweien davon bereits mehr Geld als ich heute verdiene, und ich verdiene eine ganze Menge. Sie könnte sich alles leisten, wenn sie wollte. Die Möbel sind noch von ca. 1955-1960, als sie mit meinem Vater einen Hausstand gegründet hat. Immerhin hat sie sich endlich ein neues Bett gekauft, aber auch nur, weil sie mit dem alten zusammengekracht ist und danach immer Bettzeug unter den Lattenrost stopfen mußte, um nicht auf dem Boden zu schlafen. Eben Kriegsgeneration. (Die Erlebnisse meiner Mutter während des Krieges hatte ich
hier einmal notiert.)
Ich sage zu ihr, sie kann nichts mitnehmen von dem Geld, und der Umzug wäre DIE Gelegenheit, sich neu einzurichten. Wenn sie den alten Sperrmüll erst einmal in der neuen Wohnung und wieder vollgeräumt hat, fängt sie damit auch nicht mehr an. Leiste dir was, klopp dein Geld einfach mal auf den Kopp....
Da ich nun den Tag noch Zeit hatte, wollte ich einen kleinen Spaziergang im Regen machen. Bei diesem kleinen Spaziergang bin ich allerdings irgendwann auf der Dorfstraße in Malchow gelandet. Die Strecke hin und zurück dürfte laut Karte ungefähr dreizehn Kilometer lang gewesen sein. Die Blasen halten sich trotzdem in Grenzen, obwohl die Füße nicht getapt und beim Laufen teilweise naß waren. Während ich durch eine Gartenstraße lief, flitzte plötzlich direkt vor meinen Füßen ein wuscheliges Etwas von rechts unter dem Zaun hervor und geradewegs auf einen Baum. Ich bekam erst einen Schreck und erkannte dann ein harmloses Eichhörnchen. Dieses blieb noch direkt auf halber Höhe auf dem Baumstamm stehen und starrte mich wie angewurzelt an, kaum einen Meter von mir entfernt. Im Maul hatte es ein grünes rundes Ding, vielleicht eine Eichel, und so starrten wir uns beide gegenseitig über eine Minute lang an. Es hatte anscheinend vergessen, wo es hin wollte und ich traute mich nicht, den Fotoapparat zu zücken, allerdings sah das Eichhörnchen aus, als würde es geradezu darauf warten und deshalb extra so still halten. Vielleicht aber auch nur, um mir gerne die Nase zu drehen. Schließlich verschwand es keckernd und glucksend in der Baumkrone. Als ich durch einen schmalen Durchgang auf die große Straße trat, fuhr genau in diesem Moment ein Bus vorbei und eine Fontäne erwischte mich bis über den Kopf hinweg. Nun war ich zwar vorher durch den Regen schon ziemlich naß, jetzt aber so richtig. Ich suchte die Pfütze, durch die der Bus gefahren war und fand fast nichts an Wasser. Kein Wunder, da ja alles über meinen Kopf geschüttet worden ist.

Irdische Ketten, mal süß und mal schwer,
sind der Ballast der Unendlichkeit.
Die Süßen sind leichter zu tragen,
doch schwerer abzustreifen.
anderen beim Arbeiten zuzusehen. Habe eine halbe Stunde lang den Ameisen auf dem Balkon beim Melken meiner Blattläuse zugeschaut. Jetzt weiß ich auch, warum sie den langen Weg von vier Stockwerken auf sich nahmen. Wahrscheinlich haben sie den Braten bereits vor der Kellertür gerochen. Die Kreuzspinnen dagegen lassen sich dieses Jahr überhaupt nicht blicken. Ich glaube fast, das sind Frostbeulen. Einerseits ist es mir ja lieber so, andererseits ist es kein gutes Zeichen.
ich abends über den Hof laufe und in die Fenster schaue, scheine ich so gut wie die Einzige zu sein, die Türen und Fenster noch immer sperrangelweit offen hat. Also mir ist warm, angenehm warm, könnte eigentlich immer so bleiben. Bis auf die Füße. Ich glaube, die sind bald gar. Bin schon am überlegen, ob ich die Moorpackung in den Eisschrank stecke und heute mit ins Bett nehme. Ich habe mal ein bißchen gegoogelt und festgestellt, daß ich anscheinend nicht alleine bin mit diesem Problem. Habe von einer Frau gelesen, die im Schlaf die Füße nicht nur nicht zudeckt, sondern sie gleichzeitig noch mit einem Ventilator belüftet. Nun ja, ich gehe mal davon aus, daß meine Füße spätestens im Winter wieder ihre Normaltemperatur erreichen, wobei ich mich sehr gut noch an jene Zeiten erinnern kann, als meine Füße ständig kalt waren. Ist auch nicht besser.
war meine letzte Nacht. Sie wäre vielleicht etwas besser gewesen, wenn ich nicht eine Banane vor dem Einschlafen gegessen hätte. Ich wußte nicht, daß die so schwer im Magen liegen können. Nach gerade zwei Stunden Schlaf erwachte ich mit leichten Bauchschmerzen und kochenden Füßen. Mir passiert es in letzter Zeit öfters, daß meine Füße plötzlich nachts um drei so glühend heiß werden, daß ich es im Bett nicht mehr aushalte und aufstehen muß, um die Füße abzukühlen. Keine Ahnung, ob das Hitzewallungen sind, allerdings habe ich noch nie davon gehört, daß man die an den Füßen bekommt. Und dabei decke ich im Sommer die Füße meistens nicht einmal zu. Nach einigem Herumlaufen und Wiedereinschlafen erwachte ich eine Stunde später erneut. Diesmal grummelte und rumorte es im Bauch deutlich gefährlicher. Auf dem Klo wäre ich fast im Sitzen eingeschlafen. Vielleicht bin ich es auch. Neuerlich im Bett und nach geschätzt noch einer Stunde Schlaf, erwachte ich, weil mein neues Vertragsverlängerungshandy piepste. Es piepste einmal, zweimal, und beim dritten Mal dachte ich, ok, bevor das jetzt die ganze Nacht so weiter geht, stehste doch lieber nochmal auf und siehst nach. Es schrie nach Saft, aber ich gab ihm keinen, sondern schaltete es aus. Wobei ich eigentlich vorher schon gemeint hatte, es wäre aus. Bei diesem LG KP500 stört mich, daß es keinen Screensaver hat, sondern immer ein schwarzes Display anzeigt, so daß man nie auf den ersten Blick erkennen kann, ob es nun aus- oder eingeschaltet ist. Im Bett versuchte ich weiter zu schlafen, doch irgendjemand, hinter irgendeinem offenen Fenster, begann in regelmäßigen Abständen so laut zu pupsen, daß es über den ganzen Hof schallte. Statt einzuschlafen wartete ich jetzt lauschend auf die nächste Böe. Schließlich doch wieder weggeschlummert, wurde ich gerade einmal zwei Stunden später von kreischenden Rasenmähern und Heckensägen geweckt, die zur unchristlichsten Zeit und in aller Herrgottsfrühe sowohl vor dem Haus, als auch hinter dem Haus über alles zu hoch gewachsene Grün herfielen, und das mehrere Stunden lang. Manchmal könnte man wirklich den Eindruck bekommen, einige Leute langweilen sich am Wochenende so furchtbar, daß sie es kaum erwarten können, bereits Montags im Morgengrauen in ihre übliche Betriebsamkeit zurückzufallen.
Alles beginnt damit, dass ich auf dem Rücken mit großzügiger Zeitzugabe in 110 Gedichten schwimme. Ich hatte auf meinem neuen Smartphone nach oben gerichtete kleine Lichtstrahler anbringen können und sehe, wie die Hexe Ssolocha eine Hand voll Sterne vom Himmel stiehlt, um sich Akten herauszusuchen und meine Eltern aus "Der Wein des Mystikers" (eine Übersetzung mit Deutungen von Paramahansa) zu zitieren: "Es findet sich mehr Weisheit unter den Gästen, als ich Tränen gelacht habe."
Eine hübsche junge Frau erfährt gerade, dass die IT-Stelle sich zwar zahlreich eingefunden hat, ist aber ein bißchen skeptisch, besonders weil sie nicht süß schmecken, sondern scharf pfefferminzig. Lernen von den IT-Menschen, wir selbst dürfen dabei eigentlich nichts anfassen, ebensowenig die Hausmeister. Sie fragt, was der Wahrheit entspricht, und ist dann doch zu alt, um Nähen, Klöppeln oder Latein zu lernen. Heute ist es ihr auf die Östrogene zuzubilligen. Also bleibe ich zum Kurswert und wie nicht abgeholt im Flur stehen. Ich mache den Vorschlag, den Schreibtisch besser neben das Mädchen zu setzen, das im Juni geliefert werden sollte und bekomme sogar prompt eine Antwort: "Ich mag immer mit Herrn N." (wobei mich letzterer stark an unsere letzte Inkarnation als Adonai, Genius der Sonne; Tao, des Mondes; Eloi, des Jupiter; Sabaoth, des Mars; Orai, der Venus; Astaphai, des Merkur; und Ildabaoth erinnert). „Aber eine Frau hat sich auf die Bank zu setzen und zu heulen" sagt sie weiter und grüßt. Ich grüße zurück, übers Treppengeländer.
Mein Kumpel nennt einen Bekannten von ihm 'Phonotelephot'. So wie auch Botticelli in den Bergen und Hitchcock im Tierpark habe ich die Aufgabe, ihn jeden Dienstag irgendwohin zu bringen. Das muss immer ein anderer versteckter Platz sein. Mein Kollege versucht Essen zu organisieren und es sind keine Abfälle, sondern riesige Hechte. Deshalb sah ich einmal seine rote Gestalt die Baumallee entlanggehen. Die Wangen im sonst bleichen Gesicht des Alten glühten. Wie nicht anders erwartet, fielen Benediktinertulpen vom Sturm zerpflückt, leuchtend auf seine Wege. Zwar hoppelte manchmal ein Spaziergänger am Eingang, als wollte er mich fragen, ob ich auch die Zeit und Muße zum Fotografieren finde, um sie mit einem bunten, manchmal aberwitzigen, und lehrreichem Abenteuer zu unterhalten, aber es ist mir durch vielfache Beobachtungsgelegenheiten klar geworden, dass mein Kopf ab ist, und das half mir galant aus dem Lot.
Im Jahre 1692 ließ der Bischof von Ayre in Santiago de Compostela fünf Mönche lebendig einmauern, weil sie vertikal in die Hände der Jesuiten gefallen waren. Er ließ sie mit einem hübschen Band um ihre Aura verschnüren, so wie man sie früher in Truhen und Schränke gehängt hat, um sich daran zu erinnern, daß Liebe aus dem einsehbaren Teil der Nacht kommt. Es war ein alter steinerner Kamin. Der Ofen hatte eine Hintertür.
Seit 15 Jahren studiere ich nun die Heizung und den Füllstand des Samowars. Kähne, Yachten und Motorboote liegen bewegungslos auf dem Büroschreibtisch. Irgendeine Art schlechtes Karma? Oder eine Spiegelung meines inneren begrenzten Horizonts? Die Installation funktionierte sogar noch in meiner letzten Stunde nicht.
kann man sich die große Vier relativ gut versüßen lassen. Deshalb habe ich mir gleich auch noch selbst eines spendiert, nämlich dieses
Tür-Reck.
Ich dachte bisher, in meiner kleinen Wohnung hätte ich keine Möglichkeit, irgendetwas zu finden, wo ich mich dranhängen kann, da wußte ich aber noch nicht, daß es solche praktischen Sportutensilien gibt, die quasi völlig ohne Schrauben halten und die man einfach zwischen zwei Türrahmen klemmen kann. Für die inneren Türen käme das allerdings höchstens für Zwerge in Frage, aber ich habe ja die hohe Balkontür mit stabilem Klinkersteinrahmen. Bei Holzrahmen hätte ich außerdem Bedenken, daß entweder der Rahmen beschädigt wird oder aber das Teil nicht wirklich richtig hält. Doch zwischen den Steinen hängt das Teil bombensicher. Ich habe schon so viel daran gezappelt, daß ich wohl davon ausgehen kann. Ich werde jedoch trotzdem versuchen, es mit den vorsorglich beigefügten Sicherungsschrauben zu befestigen, einfach um mich noch sicherer zu fühlen. Und ich habe nicht vor, die Stange ständig abzunehmen und wieder anzubringen. Dann würde ich sie nicht benutzen, das weiß ich. Zum Verschrauben muß ich aber erst prüfen, ob ich überhaupt zwei parallele Fugen habe, denn mit dem Schlagbohrer komme ich in Klinkerstein nicht rein. Ich bin ebenfalls gespannt, wie sie die Witterung ab kann, denn für Outdoor ist sie eigentlich nicht gedacht. Dort direkt unter dem Balkondach bekommt sie immerhin in der Regel keinen Regen ab. Na ja, wir werden sehen. Das Baumeln hatte ich irgendwie einfacher in Erinnerung. Das liegt wahrscheinlich daran, daß man als Kind den Affen noch näher steht und sich öfters mal mit den Armen fortbewegt, was dann mit dem zunehmenden Erwachsenenalter nachläßt.
Klimmzüge werde ich daran sicher keine machen, denn wenn man es gerade mal 2 mm hoch schafft, zählt sowas vermutlich noch nicht als Klimmzug. Aber dazu habe ich sie ja auch nicht gekauft, sondern einfach nur, um meinen Rücken ab und zu zu entgräten. Ich habe festgestellt, daß ich, so wie die Stange jetzt befestigt ist, mich oft fast automatisch dranhänge, wenn ich entweder den Balkon betrete oder ihn verlasse. Jetzt muß ich mir nur noch überlegen, was ich mache, wenn die Bäume ihr Laub verlieren und mich die Leute von gegenüber sehen können. Die werden sich sicherlich wundern, wenn ich wie ein nasser Sack ständig in meiner Tür hänge. Mit drei bis vier sportlich eleganten Klimmzügen sähe die Sache natürlich schon anders aus, aber so ist es wohl das Beste, wenn ich dann einfach das LIcht im ZImmer ausmache.
Ein eigenartiges Geburtstagsgeschenk habe ich dagegen von meiner Mutter erhalten. Sie hat mir nämlich das erste Mal, seit ich überhaupt denken kann, etwas in die Geburtstagskarte hineingeschrieben. Sonst gab es die Karten immer "blank" mit einem Schein drinnen. Ich habe mich zwar einerseits gefreut, andererseits war ich mir nicht sicher, ob ich mir deshalb Sorgen machen muß. An ihrem Bett habe ich dann ein Buch von Kübler-Ross liegen sehen. Das erklärt einiges. Außerdem hing an ihrer Wohnungstür innen ein weißer Zettel und als ich sie fragte, warum sie leere Zettel an die Tür hängt, erklärte sie, daß sie immer vergißt ihre Zähne mitzunehmen, wenn sie vor die Tür geht. Und da ja nicht jeder wissen muß, worum es geht, habe sie nichts auf den Zettel geschrieben. Aber er erinnert sie jetzt immer daran, ihre Zähne einzusetzen. Nun ja, so lange es nur ein einziger Zettel ist und die Wohnung nicht damit gepflastert ....
Witzig war es, als ich ihr zum Geburtstag gratulierte und meinen Blumenstrauß auspackte. Da fing sie lauthals an zu lachen und kriegte sich kaum wieder ein. Ich fragte sie verdutzt, was denn an dem Strauß so lustig sei und sie zeigte zu einer Vase, in der genau derselbe Strauß stand, welchen sie mir zum Geburtstag schenken wollte. So haben wir dann einfach mal den Strauß getauscht. Ich bestreite ja immer, daß wir den gleichen Geschmack haben, aber manchmal ist es wohl doch so.
In der Ecke eines Raumes finde ich einen großen, grünen Edelstein, vermutlich ein Aventurin. Ich gebe ihm jemandem, der sich im gleichen Raum befindet, da ich selbst bereits einen Stein besitze, allerdings einen roten. In seinen Händen verwandelt sich der Stein in ein hellgrün schimmerndes Handy aus Edelstein. Ob es auch funktioniert?
Ich gratuliere einem Vogel, der nicht vorhanden ist, schriftlich zum Geburtstag. Den Text sehe ich direkt vor mir. Ich weiß nicht, ob es da zur nächsten Traumsequenz einen Zusammenhang gibt, aber plötzlich bin ich von Ärzten und Krankenschwestern umzingelt. Alle wuseln um mich herum, während ich in einem Bett liege. Man hat mir irgendetwas um den Hals gelegt, vermutlich einen feuchten Halswickel, unter dem ich kaum Luft bekomme. Ich habe Angst zu ersticken. Als man mich mit einer weißen Daunendecke zudeckt, nehme ich trotzdem meine letzte Kraft zusammen und rufe, mich dabei etwas aufrichtend: "Ins Bett? Warum ins Bett? Ich bin doch gerade noch herumgelaufen. Ich kann das. Ich hab doch gar nichts!" Die Chefärztin schaut mich ungläubig an, so als könne sie nicht glauben, daß ich in meinem Zustand noch protestiere und als wüßte sie mehr als ich. Sie zuckt nur mit den Schultern. Es hat den Anschein, als hätte sie keine andere Wahl und könne daran nichts ändern. Ich ergebe mich meinem Schicksal, hoffe aber, daß die Leute um mich herum wissen, was sie tun und mich nicht vollends unter Halswickeln und Daunendecken ersticken. Das ständige Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, macht mich leicht panisch. Und ich muß an meinen Vater denken und daran, was sie mit ihm im Pflegebett alles angestellt haben. Aber das hier ist ja wohl kein Pflegebett, sondern nur vorübergehende Bettruhe. Hoffentlich. Ganz bestimmt.
Bemerkung: Ok, ich bin zwar immer auf Leute neidisch, die so viel schlafen dürfen wie sie wollen und brauchen, aber Bettruhe ist so ziemlich das Schlimmste, was man mir verordnen kann. Bettruhe ist wie lebendig begraben sein.
Auf einem Stuhl sitzend nähert sich mir ein Hund, dessen Kopfform an Snoopy erinnert, stellt sine Vorderpfoten auf meine Beine und legt zutraulich, wobei er die Augen schließt, seinen Kopf auf meinen Knien ab. Und alle um mich herum so: "Oh! Ist das süß!"
Ich bekomme eine sehr entspannende Rückenmassage von einer älteren Frau. Dabei liege ich genau ausgerichtet im rechten Winkel zum Meer auf einem Strand, der Kopf Richtung Brandung, und auch mein Körper selbst ist absolut gerade und gleichmäßig ausgerichtet. Ich wurde von ihr extra so hingelegt und einzelne Körperteile und Muskeln entsprechend in Form gedrückt und gezogen. Dies scheint von einiger Wichtigkeit zu sein, denn die Frau betont ebenfalls, daß ich nun absolut gerade sei.
was sich die Ei- und die Samenzelle dabei gedacht haben. Ich weiß auch nicht, was sich meine Eltern dabei gedacht haben. Vielleicht sollte ich mich bei den Leuten beschweren, die nicht zum 40. Geburtstag meines Vaters erschienen sind und meine Eltern damit auf dumme Gedanken gebracht haben. Und vermutlich habe ich mal wieder zu laut JA statt NEIN geschrien. Jetzt sitze ich hier zwischen lauter Verrückten und Ratten in einem merkwürdigen, bedrückenden Traum und weiß manchmal nicht, wozu das gut sein soll. Als zweifaches Geburtstagspräsent hat man es nicht leichter, es verhilft auch nicht zu besserer Gesundheit. Und eigentlich hat man seinen Zweck bereits in den ersten zwanzig Jahren des Lebens erfüllt. Ab heute zähle ich von 40 rückwärts. Der Countdown hat begonnen.
Während eines Urlaubs in Rumänien machen meine Mutter und ich mit einem kleinen Flugzeug einen Rundflug über eine größere Stadt. Wir fliegen dabei so tief, daß wir sogar teilweise an Sehenswürdigkeiten vorbeifliegen anstatt darüber hinweg. Die Stadt ist wirklich spannend, man sieht überall Burgen, mächtige alte Bauten, runde, pagodenartige Gebäude, deren einzelnen Abstufungen bewachsen sind und manchmal auch mitten in der Stadt Felsen, die von niedlichen Schlössern mit vielen Türmen gekrönt werden. Da wir gerne mehr sehen würden, als mit so einem Flugzeug möglich ist, lassen wir uns vorübergehend absetzen. Das Flugzeug schwirrt in Zickzacklinien und mit atemberaubender Geschwindigkeit davon, wir sind allerdings der Meinung, daß es irgendwo in einiger Entfernung wartet. Als wir genug gesehen haben, schauen wir uns suchend um. Ich bin der Meinung, es ist nach rechts geflogen, meine Mutter meint, geradeaus. Aber egal wohin wir auch schauen, nirgends findet sich ein wartendes Flugzeug. Jetzt müssen wir zu Fuß zu unserer Herberge laufen. Unterwegs bekommen wir durch Radio oder Fernsehen mit, daß ein Flugzeug über der Stadt abgestürzt ist. Wir wissen sofort, daß dies unser Flugzeug ist und wir nur dadurch, daß wir ausgestiegen und es ohne uns weitergeflogen ist, dem Absturz entkommen sind. Doch werden sich die Herbergsleute, welche denken, daß wir in diesem Flugzeug saßen, sicher große Sorgen machen. Aus diesem Grund beeilen wir uns nun sehr und hetzen so schnell wie möglich zu unserem Quartier. Aber die Leute dort wissen bereits bescheid, denn das Flugzeug ist ganz genau über diesem Quartier abgestürzt. Überall liegen leblose Menschen, die von Sanitätern und Feuerwehr notversorgt werden. Da wir nicht darunter waren, hatten sich die Wirtsleute denken können, daß wir wohl doch nicht in diesem Flugzeug waren. Es werden aufgeregte und erleichterte Worte gewechselt. Während ich mich betroffen im Absturzgebiet umschaue, bemerke ich eine alte rumänische Frau mit runzeligem Gesicht und grauem Haar, welche mich ohne Unterlaß mit unwirklich stahlblauen Augen mustert. Da ich irritiert zurückschaue, versucht sie mir radebrechend etwas zu sagen, kann aber nicht viel Deutsch und nimmt immer wieder neuen Anlauf.
"Du hast.... - du hast....." Hm, was habe ich? Mir kommt der Gedanke, daß es eine Wahrsagerin sein könnte, zumal sie mich zwar anschaut, aber auch auf eigenartige Weise an mir vorbei, als würde sie etwas erkennen, das sich neben mir befindet. Was will sie wohl orakeln? Daß ich einen Schutzengel habe? Schließlich scheinen ihr die Worte plötzlich eingefallen zu sein. "Du hast Papier-Finger." sagt sie lächelnd. Papier-Finger? Was meint sie wohl damit?