eine Glühbirne ist jetzt auch noch durchgebrannt. Diese Woche läßt wirklich gar nichts aus. Ein würdiger, krönender Wochenabschluß wäre es, finde ich, wenn meine Waschmaschine explodiert. #Vorschlag
Damit es auch am letzten Tag der Woche nicht langweilig wird, hat gleich am Morgen meine Armbanduhr irreparabel den Geist aufgegeben. Und ich sah heute Unmengen zerrupfter Vögel, aber immerhin keine Ratten. Gerade bin ich dabei, mich auf den
24stündigen Lesemarathon vorzubereiten. Als Traumtänzerin Hinkebein bei miesem Wetter (sieht zwar jetzt etwas besser aus, aber Sonne nur in homöopathischen Dosen) gibt es wohl kaum eine Alternative zum Read-a-thon. Da meinem Fuß Ruhe sicher nicht schadet, habe ich mich schließlich doch zu der Aktion angemeldet. Inzwischen bin ich bereits etwas aufgeregt, denn keinesfalls sicher, daß ich durchhalte. Der Wecker ist auf 8 Uhr früh gestellt. Ich habe mir eine Auswahl an Büchern neben das Bett gelegt, weil ich bestimmt keine Lust verspüre, gleich um 8 Uhr aufzustehen. Desweiteren stehen eine 2,5 l-Dose mit mundgerecht geschnittener Wassermelone und eine 2,5 l-Dose mit ökologischem Nudelsalat im Kühlschrank bereit, so daß ich mir nicht mehr den Kopf wegen der Nahrungsaufnahme zerbrechen muß. Ich hoffe, daß mich morgen beim Lesen trotz allem nicht zu viele Gedanken ablenken und ich gut versinken kann, denn wenn ich jeden Satz drei- oder viermal lesen muß, geht es nur schleppend voran und wird mühsam, zumal ich sowieso ein Langsamleser bin. Auch das Einschlafen ist eine große Gefahr, da ich dies beim Lesen besonders gerne tue. Ich habe bisher aber noch keinen speziellen Plan, was ich dagegen unternehme. Vielleicht heißer Kakao? Oder doch lieber eine Runde Türschaukeln? Und damit mische ich mich nun hochoffiziell ebenfalls unter die Ratten, nämlich die Leseratten.
verwundert mich eigentlich am meisten, wieviele Leute das Buch von ihm lesen. Ich weiß nicht wirklich, was darin steht und will es auch nicht wissen, denn mir reichen noch völlig seine Sprüche, die wir zu hören bekamen, als er Finanzsenator von Berlin war. Wie war das noch mit den Hartz IV-Empfängern?
http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/sarrazin-so-sollten-arbeitslose-einkaufen/1164148.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,568669,00.html
(Hartz IV-Empfänger sollen sich warm anziehen - doppeldeutig eindeutig)
Als jemand, der auf der anderen Seite sitzt und beruflich täglich mit diesen Menschen zu tun hat, sage ich mir: Jemand, der so einfach gestrickt ist, wird auch zum Migrationsproblem nichts Nennenswertes beitragen. Seine Methoden als Finanzsenator hatten allenfalls Brechstangenmentalität und Berlin ist immer noch arm aber sexy. Das sehe ich doch vorher schon und kaufe das Buch erst gar nicht. Jedenfalls wird Herr Sarrazin so nicht mehr in den Genuß kommen, von 3,76 EUR am Tag zu leben.
PS: Daß dieses Einbahnstraßendenken im Falle der Ausländer auf sehr viel mehr offene Ohren stößt, wundert mich überhaupt nicht. Kaum jemand ist mit der Ausländerpolitik hierzulande zufrieden. Aber die Wahrheit über einen Menschen und seine grundsätzliche Gesinnung sagt letzten Endes sein Verhalten gegenüber anderen Menschen aus, seien es nun Hartz IV-Empfänger, Ausländer oder auch nur die Angestellten des eigenen Bundeslandes. Es sagt ebenfalls deutlich aus, was von einem entsprechendem Buch zu halten sein wird.
scheint eine Terrorinvasion zu planen. Nicht nur, daß die Glocken neuerdings am Sonntag pünktlich um 8:40 Uhr läuten, als ich das Haus verließ, lag vor der Tür ein buntes Kärtchen mit dem Abbild Johannes Paul II. Herr N. war heute enorm putzig und später traf ich eine Ratte, die an einer Mirabelle knabberte. Die vierbeinigen Ratten sind ja im Gegensatz zu den zweibeinigen irgendwie putzig, allerdings frage ich mich immer, wenn ich eine sehe, vor wem ich mich nun wieder in acht nehmen muß. Armer Ratten-Unglücksbote. Meinen Fuß habe ich dem Härtetest mit Franzbranntwein ausgesetzt. Normalerweise wird es davon meist schlimmer, diesmal nicht. Das nehme ich als ein gutes Zeichen. Wahrscheinlich ist es doch nur eine Prellung, die ich mir in einem Paralleluniversum zugezogen habe, weshalb ich mich nicht daran erinnern kann. Und mit meinem neuen
Spielzeug mache ich Fortschritte. Während ich anfangs nur drei, später vier Anhocken geschafft habe, sind es jetzt schon sechs. Dabei gehe ich nicht einmal irgendeinem Fitnessprogramm nach, sondern baumle und hänge einfach zwischendurch ein bißchen rum, richtig schaukeln geht inzwischen auch wieder. Wenn man das seit dreißig Jahren nicht mehr getan hat, hängt man anfangs ein bißchen steif.
Während ich negativen Gefühlen im Traum nachhänge, tauchen plötzlich wie eine Erscheinung lang vergessene Dinge auf, welche mich erkennen lassen: Es liegt gar nicht an mir. Es ist nichts falsch an mir. Denn erst in der jüngsten Vergangenheit lief genau seitenverkehrt zum jetzigen Moment alles ohne jede Probleme. Mich wundert es ein bißchen, daß ich die jüngste Vergangenheit so vollständig vergessen konnte. Ich sehe, nein, spüre glückliche Bilder, vor allem mit K., Nähe, Intimität, Vertrauen. Gab es das wirklich? Ich zweifle daran, denn es kommt mir fremd vor, und doch, in diesem Hologramm der Zweisamkeit und Gemeinschaft selbst scheint es völlig normal, leicht und real zu sein, bzw. gewesen zu sein. Vielleicht ist es nicht die hiesige Vergangenheit, sondern die eines Paralleluniversums. Die Erkenntnis erleichtert mich, bringt mich aber auch nicht weiter. Die Universen einfach wechseln, kann ich nicht. Wie soll ich es aber anstellen, daß die Parallelwelten wieder im Gleichklang schwingen und nicht wie eine Schere auseinanderdriften?
Mein Fuß macht mir Angst. Er sieht ein bißchen aus, als wäre ein Auto drübergefahren und fühlt sich auch so an, aber ohne dabei geschwollen zu sein. Theoretisch und praktisch würde ich behaupten, daß der Fleck, der sich täglich mehr ausbreitet, ein Bluterguß ist. Was mich daran beunruhigt ist die Tatsache, daß weder irgendetwas über den Fuß drübergefahren ist, noch ich mich irgendwo gestoßen habe oder umgeknickt bin. Was soll ich davon nun halten? Ich will nicht zum Arzt, zumindest nicht, so lange ich nicht humple wie der Glöckner. Durch das ständige Laufen auf dem Ballen oder der Innenseite fangen aber langsam schon andere Stellen an weh zu tun und in Dresden würde ich gerne vernünftig laufen können. Was mir der Fuß, ist meiner Mutter der Wasserrohrbruch (wie immer bei uns stets synchron). Eine Kollegin, dessen Tochter im gleichen Haus wie meine Mutter wohnt, kam gleich früh in das Büro und fragte, ob ich schon die neueste Katastrophenmeldung von dort gehört hätte. Ein Wasserrohrbruch - von oben an bis in den Keller hinein stand alles unter Wasser. Einige Mieter wurden deshalb in Ausweichwohnungen umgesetzt. Ich hab dann gleich in der Mittagspause angerufen, zumal ich mich wunderte, von meiner Mutter noch nichts gehört zu haben. Sie meinte nur, sie sei total genervt. Ihre unterste Wohnung ist zwar nicht so stark betroffen, daß sie da raus muß, aber dafür haben sie ihr so eine Turbine zum Trocknen in die Wohnung gestellt, die den ganzen Tag Lärm macht und die sie auch noch bedienen und irgendeinen Behälter leeren soll. An der Decke hängt bei ihr alles in Fetzen herunter. Sie will jetzt nur noch raus aus der Wohnung und wartet ungeduldig, daß sie bald den Mietvertrag für die neue Wohnung bekommt. Bei dieser gibt es zwar auch einige Unstimmigkeiten, aber sie meint, ihr ist alles egal, auch wie es dort noch aussieht, sie will da rein, so schnell wie möglich, denn die alte Wohnung kann sie nicht mehr ertragen. Übrigens gehören Wasserrohrbrüche und Füße zu Neptuns Ressort. Ich frage mich nur, warum es ausgerechnet bei mir der Fuß und bei meiner Mutter ein Wasserrohrbruch ist. Aber die umgekehrte Version wäre mir auch nicht viel lieber.
PS. So langsam kann ich das Blog hier vom Literaturblog in Hypochonderblog umbenennen. Es nervt...ich hätte meinen Kopf gerne wieder für anderes.
eröffneten den Tag gleich nach dem Aufstehen und eine matschige Brenngelpfütze in der Küche beendet ihn. Außerdem hat sich ein anderes mysteriöses Zipperlein bemerkbar gemacht. Mein Körper stellt mich jeden Tag vor neue Rätsel. Aber diese Rätselspiele machen langsam keinen Spaß mehr. Schon gar nicht so kurz vor der Dresdenfahrt. Ich habe in diesem Jahr bereits mehr zerkloppt als vorher in zehn Jahren. Es fängt jetzt sogar an, mir Spaß zu machen. Warum nicht noch öfters? Die alten, übrig gebliebenen Eßteller zum Beispiel. Dann könnte ich mir neue kaufen. Aber erzähle mir niemand, daß Scherben Glück bringen...
schon mal super. Auf meiner Strecke ist jetzt ebenfalls Schienenersatzverkehr, eine Email teilt mit, daß eventuell in unserer Etage die Elektroanlagen erneuert werden, und meine Chefin bedroht mich mit der Ankündigung, daß wir uns unbedingt diese Woche noch unterhalten müssen. Endlich verstehe ich wieder mein eigenes Wort am Telefon, während die Fenster geschlossen sind, der Straßenlärm draußen bleibt, und dann fangen sie an, hier die Wände aufzustemmen. Das ganze Haus ist doch eine Ruine, die Fußböden kaputt, der Fahrstuhl spinnt, das Wasser darf man eigentlich nicht trinken, bzw. soll die Partikel der uralten Leitungen erst abfließen lassen, da kommt es auf die altersschwache Elektroanlage auch nicht mehr an. Und daß meine Chefin mich sprechen will, bedeutet eigentlich selten etwas Gutes. Hab ich vielleicht 200.000 EURO doppelt gezahlt, weil ich den Kopf unterm Arm hatte, das Land Berlin in die Pleite geführt oder bekomme ich 'nur' wieder 50 Akten mehr übergeholfen? Die Schwarzseherei wird bei mir langsam chronisch, was aber nicht nur an mir allein liegt. Ich fühle mich so unliebens-wert, die Ratten nagen an mir, nagen alles weg, was von meinem Urvertrauen nach 40 Jahren noch übrig geblieben ist. Je unliebens-werter ich mich fühle, um so negativer werde ich, und je negativer ich werde, um so unliebens-werter bin ich - glaube ich. Ich könnte den Kreislauf ziemlich einfach unterbrechen, denn ich kenne diesen Schalter in meinem Kopf, den ich nur umzulegen brauche. Das habe ich schon oft getan. Aber ich sehe zur Zeit irgendwie keinen Sinn darin. Vielleicht ist ja dieses ganze positive Denken nichts weiter als eine riesige Selbstverarsche. Man kommt zehn Jahre damit ganz gut durchs Leben bis die Illusion zerplatzt, bis man wieder an den Anfang und auf die nackte Wahrheit geschleudert wird. Vielleicht ist auch der freie Wille nichts als Selbstverarsche. Man denkt, man könnte dies tun oder jenes. Dann tut man jenes, obwohl man besser dies tun sollte, und spürt doch innerlich, daß man eigentlich in genau diesem Moment keine andere Wahl hat. Später tut man vielleicht dies, aber nicht, weil man sich nun endlich richtig entschieden hat, sondern weil man genau dann ebenfalls keine andere Wahl hat. Vielleicht ist ja das Universum nichts anderes als ein riesiger Witz und wir sind nichts weiter als Laborratten, die meinen, sie könnten selbst denken, handeln und entscheiden, aber eigentlich über ein Parasitengehirn ferngesteuert werden. Die durch ihre seltsamen Wege gelotst werden und keine Gnade zu erwarten haben, und falls doch, dann nur weil es ebenfalls zum Weg gehört, um uns 'heiß' zu machen. Wie die Mäuse, welche ein vom Laborhimmel gefallenes Stück Käse als Gnade empfinden, während der tödliche Virus bereits seine Arbeit beginnt. Ich störe? Solche Gedanken will niemand lesen? Eben. Und dann diese Flashbacks, dieses höhnische Grinsen, nicht nur das eine, sondern das eine, dicht gefolgt von dem Dr. T.s und danach, wie es scheint, allen, die mir in diesem Leben begegnet sind. Das kann die optimistischste Stimmung von einer Sekunde zur anderen völlig unerwartet zerstören. (Manchmal frage ich mich, ob es nicht humaner wäre, jemanden wie einen Problembär zu erschießen, als ihn mit Blicken, falschem Gerede oder demütigenden Spielchen zu töten.) Es heißt, wenn man nichts erwartet, kann man nicht enttäuscht werden. Seit der Pubertät, als ich noch dachte, mir könnte ein Puzzlestück der Welt gehören, sind meine Erwartungen auf ein Nichts geschrumpft, dachte ich. Ich habe allerdings die Erwartung vergessen, fair behandelt zu werden. Die hatte ich übersehen, wahrscheinlich weil sie zu grundlegend ist. Man möchte einfach gerne davon ausgehen. Im Umkehrschluß bedeutet das, um nichts zu erwarten müßte ich generell davon ausgehen, daß mich eventuell früher oder später jeder verarschen und für blöd verkaufen möchte, völlig unabhängig davon, aus welchem Grund. Kann man so leben? Muß ich so leben? Oder ist das vielleicht gar kein Problem und ich mache es erst zu einem? Ich mein, genaugenommen ist dieses Verhalten ja gang und gäbe, sogar in den engsten Beziehungen. Meine Eltern haben sich 50 Jahre lang gedemütigt, gegenseitig und/oder vor anderen, manipuliert, tyrannisiert, Psychospielchen gespielt....vielleicht ist das ja alles völlig normal und nur ich bin verrückt, weil ich es nicht als normal erkennen und dieses Spiel nicht mitspielen will, zumindest, so weit es mir bewußt ist. Vielleicht ist es eine Sünde, es nicht mitspielen zu wollen. Vielleicht bin ich auch einfach nur eine extrem überempfindliche Schnepfe.
(Und dann diese Träume, die den Worten trotzen, sich nicht beschreiben lassen, und mir erzählen wollen, alles geschehe nur wegen meiner negativen Erwartungshaltung. Und ich bräuchte nur ein wenig starken Willen, um mir den Kopf zu entwirren und jemanden, der in meiner rechten Schulter herumschraubt. Die Träume, die sich so anfühlen, als wäre ein Knoten geplatzt und auf einmal alles fein. Doch am Anfang können da noch keine negativen Erwartungen gewesen sein, wenn sie aus Erfahrungen gewachsen sind. Und trotzdem ist alles so geschehen. Ich mißtraue sogar meinen Träumen. Sie wollen mich nur wieder in diese positives Denken-freier Wille-Falle locken, dabei sind sie ebensolche Illusion.)
Über eine witzige Aktion bin ich bei
LovelyBooks gestolpert, die mir bisher entgangen ist, nämlich den Read-a-Thon. Vom 4.9. um 8 Uhr bis zum 5.9. um 8 Uhr findet über 24 Stunden so eine Art Hardcore-Lesen unter Bloggern und Bücherliebhabern statt. Jeder liest so viel, wie er kann. Preise oder Gewinne gibt es keine, dafür erhält man gratis eine neue Herausforderung und Spaß soll es machen. So ein Read-a-Thon ist wahrscheinlich eine gute Gelegenheit, all die herumliegenden angefangenen Bücher endlich weiterzulesen, vielleicht aber auch, zwanzig neue anzufangen, denn schließlich muß man ja die finden, welche sich besonders gut und schnell lesen. Wenn man es genau nimmt, sollte man eigentlich die ganze Nacht hindurch lesen und dazu braucht man ein besonders spannendes Buch. Mir ist bisher nur eines unter gekommen, das ich tatsächlich eine Nacht lang bis zum frühen Morgen nicht mehr aus der Hand legen konnte. Als Kind war ich Meister darin gleichzeitig zu essen und zu lesen, am liebsten im Bett. Dieser Disziplin bin ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr nachgegangen, könnte man aber auch mal wieder probieren. Leider bin ich nicht nur beim Rennen eine Schnecke, sondern auch beim Lesen. Während andere drei Bücher weggeratzt haben, bin ich noch bei einem. Ich lese lieber besonders gründlich, da ich sonst fürchte, etwas zu verpassen. Besondere Rekorde würde ich mir deshalb von meiner Seite nicht erwarten. Was aber relativ egal ist, denn es ginge für mich vor allem um das Dabeisein und Durchhalten. Ich kann mich aber trotzdem nicht so recht entscheiden, mitzumachen. Woher weiß ich, ob ich ausgerechnet zu dieser Zeit Lust zum Lesen habe und nicht lieber meine Küche putzen möchte? Ich mein, wenn es hart auf hart geht, kommt man plötzlich auf die abwegigsten Sachen, die man lieber tun würde. ;o)
War früh mit meiner Mutter die Wohnung besichtigen, die sie so gerne wollte. Es geht damit immer hin und her, weil es erst hieß, es gäbe bereits Nachmieter, doch die sind wieder abgesprungen. Durch Zufall hat es meine Mutter mitbekommen, hat gleich erneut bei der Verwaltung angerufen und nochmals einen Besichtigungstermin vereinbart. Der Hausmeister, welcher uns die Wohnung zeigte, war nicht nur äußerst attraktiv, sondern hatte auch unglaublich blaue Augen mit unglaublich langen Wimpern. Deshalb mußte ich ihm immer auf die Wimpern starren. Meine sind gar nichts dagegen, nicht einmal getuscht. Würde man sie bei ihm tuschen, sähen sie bestimmt aus wie angeklebt. Nicht bei jedem Mann sehen lange Wimpern gut aus, aber bei ihm ist das richtig niedlich.
Danach mußte ich mit Engelszungen auf meine Mutter einreden, damit sie, wenn es wirklich zum Umzug kommt, ihre völlig kaputten und uralten Möbel endlich entsorgt und sich neue kauft. Sie hat drei Renten - mit zweien davon bereits mehr Geld als ich heute verdiene, und ich verdiene eine ganze Menge. Sie könnte sich alles leisten, wenn sie wollte. Die Möbel sind noch von ca. 1955-1960, als sie mit meinem Vater einen Hausstand gegründet hat. Immerhin hat sie sich endlich ein neues Bett gekauft, aber auch nur, weil sie mit dem alten zusammengekracht ist und danach immer Bettzeug unter den Lattenrost stopfen mußte, um nicht auf dem Boden zu schlafen. Eben Kriegsgeneration. (Die Erlebnisse meiner Mutter während des Krieges hatte ich
hier einmal notiert.)
Ich sage zu ihr, sie kann nichts mitnehmen von dem Geld, und der Umzug wäre DIE Gelegenheit, sich neu einzurichten. Wenn sie den alten Sperrmüll erst einmal in der neuen Wohnung und wieder vollgeräumt hat, fängt sie damit auch nicht mehr an. Leiste dir was, klopp dein Geld einfach mal auf den Kopp....
Da ich nun den Tag noch Zeit hatte, wollte ich einen kleinen Spaziergang im Regen machen. Bei diesem kleinen Spaziergang bin ich allerdings irgendwann auf der Dorfstraße in Malchow gelandet. Die Strecke hin und zurück dürfte laut Karte ungefähr dreizehn Kilometer lang gewesen sein. Die Blasen halten sich trotzdem in Grenzen, obwohl die Füße nicht getapt und beim Laufen teilweise naß waren. Während ich durch eine Gartenstraße lief, flitzte plötzlich direkt vor meinen Füßen ein wuscheliges Etwas von rechts unter dem Zaun hervor und geradewegs auf einen Baum. Ich bekam erst einen Schreck und erkannte dann ein harmloses Eichhörnchen. Dieses blieb noch direkt auf halber Höhe auf dem Baumstamm stehen und starrte mich wie angewurzelt an, kaum einen Meter von mir entfernt. Im Maul hatte es ein grünes rundes Ding, vielleicht eine Eichel, und so starrten wir uns beide gegenseitig über eine Minute lang an. Es hatte anscheinend vergessen, wo es hin wollte und ich traute mich nicht, den Fotoapparat zu zücken, allerdings sah das Eichhörnchen aus, als würde es geradezu darauf warten und deshalb extra so still halten. Vielleicht aber auch nur, um mir gerne die Nase zu drehen. Schließlich verschwand es keckernd und glucksend in der Baumkrone. Als ich durch einen schmalen Durchgang auf die große Straße trat, fuhr genau in diesem Moment ein Bus vorbei und eine Fontäne erwischte mich bis über den Kopf hinweg. Nun war ich zwar vorher durch den Regen schon ziemlich naß, jetzt aber so richtig. Ich suchte die Pfütze, durch die der Bus gefahren war und fand fast nichts an Wasser. Kein Wunder, da ja alles über meinen Kopf geschüttet worden ist.

Irdische Ketten, mal süß und mal schwer,
sind der Ballast der Unendlichkeit.
Die Süßen sind leichter zu tragen,
doch schwerer abzustreifen.
anderen beim Arbeiten zuzusehen. Habe eine halbe Stunde lang den Ameisen auf dem Balkon beim Melken meiner Blattläuse zugeschaut. Jetzt weiß ich auch, warum sie den langen Weg von vier Stockwerken auf sich nahmen. Wahrscheinlich haben sie den Braten bereits vor der Kellertür gerochen. Die Kreuzspinnen dagegen lassen sich dieses Jahr überhaupt nicht blicken. Ich glaube fast, das sind Frostbeulen. Einerseits ist es mir ja lieber so, andererseits ist es kein gutes Zeichen.
ich abends über den Hof laufe und in die Fenster schaue, scheine ich so gut wie die Einzige zu sein, die Türen und Fenster noch immer sperrangelweit offen hat. Also mir ist warm, angenehm warm, könnte eigentlich immer so bleiben. Bis auf die Füße. Ich glaube, die sind bald gar. Bin schon am überlegen, ob ich die Moorpackung in den Eisschrank stecke und heute mit ins Bett nehme. Ich habe mal ein bißchen gegoogelt und festgestellt, daß ich anscheinend nicht alleine bin mit diesem Problem. Habe von einer Frau gelesen, die im Schlaf die Füße nicht nur nicht zudeckt, sondern sie gleichzeitig noch mit einem Ventilator belüftet. Nun ja, ich gehe mal davon aus, daß meine Füße spätestens im Winter wieder ihre Normaltemperatur erreichen, wobei ich mich sehr gut noch an jene Zeiten erinnern kann, als meine Füße ständig kalt waren. Ist auch nicht besser.
war meine letzte Nacht. Sie wäre vielleicht etwas besser gewesen, wenn ich nicht eine Banane vor dem Einschlafen gegessen hätte. Ich wußte nicht, daß die so schwer im Magen liegen können. Nach gerade zwei Stunden Schlaf erwachte ich mit leichten Bauchschmerzen und kochenden Füßen. Mir passiert es in letzter Zeit öfters, daß meine Füße plötzlich nachts um drei so glühend heiß werden, daß ich es im Bett nicht mehr aushalte und aufstehen muß, um die Füße abzukühlen. Keine Ahnung, ob das Hitzewallungen sind, allerdings habe ich noch nie davon gehört, daß man die an den Füßen bekommt. Und dabei decke ich im Sommer die Füße meistens nicht einmal zu. Nach einigem Herumlaufen und Wiedereinschlafen erwachte ich eine Stunde später erneut. Diesmal grummelte und rumorte es im Bauch deutlich gefährlicher. Auf dem Klo wäre ich fast im Sitzen eingeschlafen. Vielleicht bin ich es auch. Neuerlich im Bett und nach geschätzt noch einer Stunde Schlaf, erwachte ich, weil mein neues Vertragsverlängerungshandy piepste. Es piepste einmal, zweimal, und beim dritten Mal dachte ich, ok, bevor das jetzt die ganze Nacht so weiter geht, stehste doch lieber nochmal auf und siehst nach. Es schrie nach Saft, aber ich gab ihm keinen, sondern schaltete es aus. Wobei ich eigentlich vorher schon gemeint hatte, es wäre aus. Bei diesem LG KP500 stört mich, daß es keinen Screensaver hat, sondern immer ein schwarzes Display anzeigt, so daß man nie auf den ersten Blick erkennen kann, ob es nun aus- oder eingeschaltet ist. Im Bett versuchte ich weiter zu schlafen, doch irgendjemand, hinter irgendeinem offenen Fenster, begann in regelmäßigen Abständen so laut zu pupsen, daß es über den ganzen Hof schallte. Statt einzuschlafen wartete ich jetzt lauschend auf die nächste Böe. Schließlich doch wieder weggeschlummert, wurde ich gerade einmal zwei Stunden später von kreischenden Rasenmähern und Heckensägen geweckt, die zur unchristlichsten Zeit und in aller Herrgottsfrühe sowohl vor dem Haus, als auch hinter dem Haus über alles zu hoch gewachsene Grün herfielen, und das mehrere Stunden lang. Manchmal könnte man wirklich den Eindruck bekommen, einige Leute langweilen sich am Wochenende so furchtbar, daß sie es kaum erwarten können, bereits Montags im Morgengrauen in ihre übliche Betriebsamkeit zurückzufallen.
Alles beginnt damit, dass ich auf dem Rücken mit großzügiger Zeitzugabe in 110 Gedichten schwimme. Ich hatte auf meinem neuen Smartphone nach oben gerichtete kleine Lichtstrahler anbringen können und sehe, wie die Hexe Ssolocha eine Hand voll Sterne vom Himmel stiehlt, um sich Akten herauszusuchen und meine Eltern aus "Der Wein des Mystikers" (eine Übersetzung mit Deutungen von Paramahansa) zu zitieren: "Es findet sich mehr Weisheit unter den Gästen, als ich Tränen gelacht habe."
Eine hübsche junge Frau erfährt gerade, dass die IT-Stelle sich zwar zahlreich eingefunden hat, ist aber ein bißchen skeptisch, besonders weil sie nicht süß schmecken, sondern scharf pfefferminzig. Lernen von den IT-Menschen, wir selbst dürfen dabei eigentlich nichts anfassen, ebensowenig die Hausmeister. Sie fragt, was der Wahrheit entspricht, und ist dann doch zu alt, um Nähen, Klöppeln oder Latein zu lernen. Heute ist es ihr auf die Östrogene zuzubilligen. Also bleibe ich zum Kurswert und wie nicht abgeholt im Flur stehen. Ich mache den Vorschlag, den Schreibtisch besser neben das Mädchen zu setzen, das im Juni geliefert werden sollte und bekomme sogar prompt eine Antwort: "Ich mag immer mit Herrn N." (wobei mich letzterer stark an unsere letzte Inkarnation als Adonai, Genius der Sonne; Tao, des Mondes; Eloi, des Jupiter; Sabaoth, des Mars; Orai, der Venus; Astaphai, des Merkur; und Ildabaoth erinnert). „Aber eine Frau hat sich auf die Bank zu setzen und zu heulen" sagt sie weiter und grüßt. Ich grüße zurück, übers Treppengeländer.
Mein Kumpel nennt einen Bekannten von ihm 'Phonotelephot'. So wie auch Botticelli in den Bergen und Hitchcock im Tierpark habe ich die Aufgabe, ihn jeden Dienstag irgendwohin zu bringen. Das muss immer ein anderer versteckter Platz sein. Mein Kollege versucht Essen zu organisieren und es sind keine Abfälle, sondern riesige Hechte. Deshalb sah ich einmal seine rote Gestalt die Baumallee entlanggehen. Die Wangen im sonst bleichen Gesicht des Alten glühten. Wie nicht anders erwartet, fielen Benediktinertulpen vom Sturm zerpflückt, leuchtend auf seine Wege. Zwar hoppelte manchmal ein Spaziergänger am Eingang, als wollte er mich fragen, ob ich auch die Zeit und Muße zum Fotografieren finde, um sie mit einem bunten, manchmal aberwitzigen, und lehrreichem Abenteuer zu unterhalten, aber es ist mir durch vielfache Beobachtungsgelegenheiten klar geworden, dass mein Kopf ab ist, und das half mir galant aus dem Lot.
Im Jahre 1692 ließ der Bischof von Ayre in Santiago de Compostela fünf Mönche lebendig einmauern, weil sie vertikal in die Hände der Jesuiten gefallen waren. Er ließ sie mit einem hübschen Band um ihre Aura verschnüren, so wie man sie früher in Truhen und Schränke gehängt hat, um sich daran zu erinnern, daß Liebe aus dem einsehbaren Teil der Nacht kommt. Es war ein alter steinerner Kamin. Der Ofen hatte eine Hintertür.
Seit 15 Jahren studiere ich nun die Heizung und den Füllstand des Samowars. Kähne, Yachten und Motorboote liegen bewegungslos auf dem Büroschreibtisch. Irgendeine Art schlechtes Karma? Oder eine Spiegelung meines inneren begrenzten Horizonts? Die Installation funktionierte sogar noch in meiner letzten Stunde nicht.