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Freitag, 24. September 2010

...

Schweigsam am Himmel
trotten die Schäfchen,
spätgestreifte Wespen
knuspern am Häuschen,
die sterbende Sonnglut
wirft sich verschwenderisch
in winterwachsende Schatten.

Donnerstag, 23. September 2010

Ich weiß zwar,

daß ich Vierzig bin, daß ich damit aber schon zu den Senioren zähle, war mir neu. Doch auf einem Aushang las ich heute: "Neu! Senioren-Selbstverteidigung. Für alle ab 35."
Außerdem fand ich im Internet das Expose einer irren Wohnung gleich in meiner Nähe: Zwar nur zwei Zimmer, aber alles riesig. Bad riesig, Küche riesig, die Zimmer mit Stuckraumteilern und Stucksäulen, schöne, ruhige Lage. Und für 145 qm finde ich die Miete sogar sehr günstig. Doch in 145 qm alleine verlaufe ich mich sicher, und überhaupt, schon bei nur 48 qm geht dauernd der Urlaub für das Sauberhalten drauf. Derselbe Immobilien-Anbieter hat auch schnuckelige Wohnungen jeder Größe in denkmalgeschützen Backsteinvierteln in Potsdam. Aber so lange ich noch arbeiten muß, ist Potsdam ein bißchen weit.

Traumsplitter

Im Traum bin ich mit A. zusammen. Nach einem opulenten und ausgiebigen Frühstück chillen wir zufrieden, glücklich und faul in einem loftartigen Raum. Während ich auf einem Sofa oder Bett liege, sitzt er daneben, betrachtet mich mit aufgestützten Armen und macht freche Bemerkungen. Dafür packe ich ihn an der Nase und drehe sie herum, so daß er lachend "Aua!" ruft. Jetzt betreten einige Verwandte den Raum, machen einige fröhliche Sprüche über das "junge Paar" und beginnen die große rechteckige, mit einem weißen Tischtuch bedeckte Tafel abzuräumen. Auf ihr liegen wild durcheinander und zu einem kleinen Hügel aufgetürmt anscheinend die Reste unseres Frühstücks aber auch noch sehr viel mehr Dinge. Wir bequemen uns dazu, denn schließlich können wir die anderen ja nicht alleine aufräumen lassen.

Mittwoch, 22. September 2010

Dresden zu Land, zu Wasser und zur Luft - Teil 4

Auf dem Plan stand der Zwinger. Wenn man diesen vollständig mit allen Ausstellungen besichtigen will, braucht man bestimmt einen ganzen Tag. Da wir so viel Zeit nicht hatten, mußte eine Ausstellung reichen und wir entschieden uns für die Alten Meister mit der Sonderausstellung zum Frühwerk Vermeers. Am interessantesten fand ich den Raum, in welchem das Bild "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster" zusammen mit einer Unmenge von Kopien und Nachempfindungen dieses Bildes gezeigt wurde. Es gab natürlich auch ein Wiedersehen mit der Sixtinischen Madonna, deren Engel meine Eintrittskarte zierten. Aber mein Lieblingsbild dieses Rundgangs ist "Frühstück mit Brombeerpastate" von Heda. Eigentlich auf den ersten Blick kein spektakuläres Werk, doch die wirklich gekonnt fast fotorealistische Darstellung macht mich atemlos. Nun weiß ich, daß fotografisch realistische Darstellungen unter Malern und bildenden Künstlern eher verpönt ist. Schließlich habe ich in Kindheit und Jugend viel mit bildenden Künstlern zu tun gehabt und selbst gemalt. Man legt zumindest heutzutage viel Wert auf persönliche Ausdruckskraft. Früher, als es noch keine Fotografie gab, war das etwas anders. Wenn man sich dagegen heute für solche Kunstwerke begeistert, wird einem gerne ein guter Kunstgeschmack abgesprochen. Doch bei mir ist es so, daß ich einfach auch immer das wirkliche handwerkliche Können dahinter sehe, das, wie ich finde, sehr viel rarer gesät ist als persönliche Kreativität, und es ist genau dieses Können, welches in mir Ehrfurcht auslöst. Wahrscheinlich ist das für mich bei Gemälden wie mit den tausendseitigen, spannenden Romanen. Wenn jemand einen solchen schreibt, der zwar nicht im besonderen Maße künstlerisch wertvoll ist, aber von der ersten bis zur allerletzten Seite eine wirklich fesselnde und berührende Geschichte erzählt, macht mich dieses Können mehr sprachlos, als jemand, der eine zwölfseitige sprachlich und stilistisch spektakuläre Kurzgeschichte schreibt. Faszinierend an diesem Können ist gerade, daß es sich in eigenartiger Bescheidenheit trotz vollendeter Perfektion hinter der zu erzählenden Geschichte oder aber der abzubildenden Szenerie versteckt, sich zurücknimmt, und damit selbst eine Art von Ehrfurcht gegenüber dem ausstrahlt, was sich hier in wesenseigener Reinheit zur Weitergabe darbietet.

Nach der Gemäldegalerie besuchten wir das Nymphenbad, ein magischer Ort (besonders wenn man alleine dort ist, was aber heute wahrscheinlich nicht mehr allzu oft möglich ist), der in luftiger Höhe von Unmengen an pausbäckigen, wenig bekleideten Nymphen und Nymphchen belebt wird, welche in ewiger Verspieltheit und Leichtigkeit sich über die Stadt unter ihnen zu amüsieren scheinen.

Und es stand eine Führung durch die Semperoper auf dem Programm. Wenn bis hierher mein Rücken relativ brav war, wurde es jetzt kritisch, zumal gerade das langsame Gehen zum Beispiel durch die Gemäldegalerie, besonders anstrengend ist. Unglücklicherweise bestand außer uns die gesamte Gruppe aus Reisenden der Studiosus-Reisen, im Schnitt zwischen 65 und 85 Jahren alt. Es gab zwar auf den Fluren einzelne Sitzplätze, allerdings traute ich mich nicht, mich hinzusetzen, weil unsere Vortragende, immer wenn sie von der Jugend sprach, zu mir herüber schaute, und ich mir dachte, wenn ich mich jetzt setze, hagelt es bestimmt böse Blicke oder aber Sprüche über die verweichlichte, bzw. egoistische Jugend. Zum Glück fand die zweite Hälfte der Führung im Zuschauerraum statt, wo nun alle einen Platz fanden. Als Essenz der Führung habe ich mitgenommen, daß so gut wie alles an der Semperoper falsch ist, also sozusagen eine riesige Bühnenkulisse, was aber niemanden stört, und daß man in das Gießwasser von Hortensien Alaun tun soll, damit sie blau blühen. Es gab noch einen Bummel über die Brücke zum Goldenen Reiter und über den umwerfend großen Töpfermarkt, dann hieß es auch schon Abschied nehmen von Dresden. Die Zeit war wie im Fluge vergangen.

Dresden Souvenirs

Jan Vermeer van Delft - Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster

Willem Claesz Heda - Ein Frühstückstisch mit einer Brombeerpastete

Keuchhusten und Ambrosia

Eine Kollegin versetzte uns die letzten Tage in Panik, während sie mit Schniefnase und kaum noch vorhandener Stimme Akten und Schriftstücke verteilte. Ich hätte am liebsten jedesmal ein Abwehrzeichen gemacht, wenn sie das Zimmer betrat, aber ich möchte ja niemanden diskriminieren. Ich bin mit anderen gesundheitlichen Baustellen genug beschäftigt, eine Erkältung wäre das letzte, das ich noch gebrauchen könnte. Also vermied ich es, die abgelegten Schriftstücke früher als nach drei Stunden zu berühren, frei nach dem Motto, nach drei Stunden haben sich sämtliche Viren und Bakterien auf dem Papier zu Tode gelangweilt. Heute ging nun das Gerücht um, daß sie Keuchhusten hätte, den man wohl auch trotz Impfung bekommen kann. Und Herr N. erzählte mir, daß man in Berlin eine riesige Brache voller Ambrosia gefunden habe, eines der stärksten Allergene überhaupt. Bisher dachte man, diese Pflanze gäbe es nur in Übersee. Ich empfinde es jedoch als riesigen Witz, wenn ich auf der Ambrosia-Webseite lese, daß die Verbreitung der Pflanze unbedingt verhindert und alle auftretenden "Herde" ausgerottet werden sollen. Wenn man so denkt, kann man gleich alles ausrotten, was um uns herum kreucht und fleucht. Stattdessen sollte man lieber mal ehrlich und schonungslos, und nicht nur um gewinnbringende Allergiemedikamente abzusetzen, untersuchen, warum solche Immunstörungen immer mehr zunehmen. An den "bösen" Pflanzen liegt das bestimmt nicht. Bekannt ist zum Beispiel, daß Pollen um so aggressiver werden, wenn sie sich mit vielen Rußpartikeln in der Luft verbinden. Die Pflanzen auszurotten, und das womöglich noch mit chemischen Giftbomben, erscheint da geradezu als ein Schildbürgerstreich. Es wundert mich, daß ich bei meinem Glück von Ambrosia noch nichts gemerkt habe. Überhaupt ist mir aufgefallen, daß ich, seit Herr N. ständig mit einem merkwürdigem Schnupfen herumschnieft, nicht ein einziges Mal mehr geniest habe. Ich glaube fast, sein Heuschnupfen ist meiner, d.h. ich habe ihm meinen Heuschnupfen angehext. Früher mußte er ständig 'Gesundheit!' sagen, jetzt bin ich es. Ich habe angemerkt, dies sei die Rache dafür, daß er immer dumme Bemerkungen gemacht hat, wenn ich dauernd niesen mußte. Und er antwortete, daß er ja schon gar nichts mehr sage. Nun müßte ich nur noch herausfinden, wie ich es mit den Rückenschmerzen genauso mache. Ich wüßte einige Kandidaten, denen ich die gerne mal probehalber anhexen würde. Oder auch länger.

Verleser zur Gesundheitsreform

"zentrales Verbrechen der Koalition"

statt

"zentrales Versprechen der Koalition"

Dienstag, 21. September 2010

Schade,

daß es interessante Software meist nur in Englisch gibt. Deshalb ist meine am häufigsten benutzte Software in Englisch, was eigentlich, nach einiger Einarbeitung, auch ganz gut geht, allerdings bin ich faul und hätte nichts dagegen, wenn es in meiner Muttersprache so etwas ebenfalls gäbe. Da wäre zum Beispiel die Smart Diary Suite, meine Tagebuch-, Befindlichkeits-, Listen-, Organizer-, Kalender-, Notes- und Rezeptezentrale. Ausbaufähig und immer nur fast perfekt, allerdings mit einem großartigen Support, den ich hiermit einmal lobend erwähnen möchte, denn so etwas ist heute nicht mehr selbstverständlich. Auch wenn ich im Forum mit schlechtestem Denglisch meine Vorschläge, Wünsche oder Schwierigkeiten darlege, bekomme ich immer und das sehr schnell, Antwort oder Hilfe vom Entwickler. Die Software wird mit viel Enthusiasmus unter Einbeziehung der Nutzermeinungen- und -vorschläge weiterentwickelt, was nicht unbedingt jeder Software zur Vorteil gereicht, hier konnte ich bisher allerdings tatsächlich nur Verbesserungen feststellen. Dann die Traumsoftware Alchera, die es so mit ihren Funktionen nicht ein zweites Mal gibt, die aber leider anscheinend nicht weiterentwickelt wird. Zum Support kann ich nichts sagen, da ich ihn bisher über alle Plattformen von WinMe bis Win 7 nicht benötigte, was ja auf andere Art ein Qualitätsmerkmal darstellt. Und nun habe ich eine weitere Software gefunden, die es mir angetan hat, nämlich Visual-Tarot. Ich dachte sonst eigentlich: Tarotsoftware? Wozu braucht man sowas? Im Web findet man zehntausende von Seiten, um online Tarot zu legen, wenn es denn online sein muß. So denken anscheinend viele, denn Tarotsoftware findet man nicht sehr häufig und die meisten Versionen sind eher rudimentär. Ein bis zwei Decks, zwei bis drei Legungen, wenig Deutung und mit viel Glück noch eine Speichermöglichkeit. Das alles ohne Konfigurations- oder Ausbaumöglichkeiten. Die Speichermöglichkeit ist einer der Vorteile von Software, denn online kann man Legungen meist nicht speichern und "Handlegungen" habe ich mühsam im Tagebuch notiert. Doch Visual-Tarot kann noch mehr. Es ist möglich, eigene Auslegeformulare anzulegen und abzuspeichern, sehr praktisch, wenn man sich gerne eigene Muster ausdenkt. Deutungen können für jede Karte frei editiert und angelegt werden. Eine unbegrenzte Anzahl an Tarotdecks kann hinzugefügt werden, wobei es im Internet bereits eine große Anzahl davon zum Herunterladen gibt. Und falls man immer noch lieber per Hand auslegt, gibt es die Möglichkeit, auf dem entprechenden Muster die Karten per Hand nachzuvollziehen und abzuspeichern. Möchte man mit auf dem Kopf stehenden Karten arbeiten, gibt es verschiedene Optionen, um die Anzahl zu steuern, und man kann auch nur mit den 22 großen oder den 56 kleinen Arkanen spielen. Und und und...Bei verschiedenen Lizenzpaketen bekommt man die ähnliche Version für Lenormandkarten und Runen gratis mit dazu. Nun interessieren mich Lenormandkarten oder Runen weniger, aber die Software für Lenormand ist für 36 Karten angelegt, also auch für Zigeunerkarten geeignet. Leider können aber keine Kartenkombinationsdeutungen angezeigt werden, die ja bei den Zigeunerkarten recht essentiell sind. Und leider ist die Tarot-Software zwar für hunderte von Tarotsdecks mit 22, 56 oder 78 Karten angelegt, aber nicht für das bisher nur in Englisch erhältliche Minchiate-Deck mit 97 Karten, welches ich gerade erst als Mängelexemplar zum Schnäppchenpreis erstanden habe. Und eher negativ fällt auf, daß es auf der Website weder FAQs noch ein Forum oder ähnlichen Support gibt. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Ich gehöre nicht wirklich

zu den großartigen Verschwörungstheoretikern, aber immer mal wieder beschleicht mich das merkwürdige Gefühl, daß die meisten um mich herum in irgendeinem Punkt ein ganz wichtiges, entscheidendes Hintergrundwissen darüber besitzen, wie ein unbekannter Hase läuft, welches ich nicht habe und das sie mir gegenüber unter Androhung der Todesstrafe mit strengster Geheimhaltung behandeln.

Montag, 20. September 2010

Dresden zu Land, zu Wasser und zur Luft - Teil 3

Einer der Reisetage war ganz dem Elbufer vorbehalten. Von mehreren Perspektiven aus durften wir es besichtigen. Tagsüber bei einer "offenen" Stadtrundfahrt und abends bei der Fahrt mit einem historischen Raddampfer. Praktisch an den Bussen der Stadtrundfahrt ist, daß man an den Haltepunkten bei allen interessanten Sehenswürdigkeiten aussteigen und später wieder in einen der nächsten Busse zusteigen kann. Trotzdem mußten wir das Aussteigepensum kürzen und einige Haltepunkte auf den anderen Tag verschieben, weil es sonst zu eng geworden wäre. Nicht so schön an diesen Stadtrundfahrten ist, daß die Busse meist voll sind, und wenn man später zusteigt, kann man das Pech haben, daß es knüppeldicke kommt. Außerdem sind die Scheiben ungeputzt und wenn man doch noch hinten einen Platz ergattert, sieht man durch die Scheiben erst recht nicht viel. Wirklich geeignet sind die Busse eigentlich nur als separates Touristenverkehrsmittel. Durch diese Busscheiben sahen wir also zuerst das Elbufer mit den vielen Villen und entsprechend grau wirkte es. Oben auf den Hängen machten wir Halt bei den kleinen Schlößchen und Bierterrassen. Hier sah alles schon viel farbiger aus und man hat eine fantastische Aussicht auf Dresden. Rechts kann man die Kuppel der Frauenkirche in der Ferne erkennen und links das Blaue Wunder. Die Elbe selbst wirkt relativ harmlos und klein, man kann sich jedenfalls, wenn man die Hochwassermarken sieht, kaum vorstellen, daß dieses dünne Flüßchen tatsächlich in der Lage ist, so hoch zu steigen. Die Schlößchen sind ganz allerliebst, wenn auch nicht so prunkvoll und groß, wie die in Potsdam, und weitläufige Schloßgärten sucht man vergebens. Stattdessen wechseln sich kleine und idyllische terrassenartige Gärtchen mit Weinhängen ab, die man beide über mehr oder weniger versteckte Treppen erklimmen kann. Mich würde interessieren, ob diese Hänge natürlich "gewachsen" sind oder künstlich angelegt wurden, denn die Gegend um sie herum ist so flach, daß die Hänge eher unpassend wirken. Vielleicht hat sich ja ein König gedacht, er bastelt eine Moselufer-Attrappe, um eigenen Wein anbauen zu können?

Nächster Stopp war der sogenannte "schönste Milchladen der Welt", der sich gleich gegenüber einer Hostienbäckerei befindet. Der Laden mit der märchenhaften Fliesenaustattung ist tatsächlich sehr schön, allerdings würde ich ihn wahrscheinlich beim nächsten Dresdenbesuch auslassen, denn dies scheint ein Touristennadelöhr zu sein, wo sie sich gegenseitig auf die Füße treten. Nirgends schienen sie mir so zahlreich wie hier. Das kann aber auch an den beengten Verhältnissen der Straße und des Ladens liegen. Hier kaufte ich mein Dresden-Souvenir, ein Wachswindlicht. Und hier stürmten die Massen so die Busse, daß wir wie die Heringe darin standen und uns teilweise aus den Augen verloren. Deshalb konnten wir nicht an der nächsten Haltestelle aussteigen, sondern mußten die vollen zwei Haltestellen bis zum Ende der Tour mitfahren. Ich dachte, das kann nicht wahr sein, als der Busfahrer, obwohl die Leute dicht an dicht standen, trotzdem noch im Schritttempo an den Sehenswürdigkeiten vorbeifuhr und seinen Text abspulte, während man in den Seilen hing, schwitzte und eigentlich nur so schnell wie möglich wieder raus wollte. Was mich aber besonders verwunderte - die Kathedrale von Dresden wird bei der Stadtrundfahrt weder in den Bussen noch auf der Tourenkarte mit einem Wort erwähnt. Vielleicht ist sie ja in Ungnade gefallen, aber ich empfinde die Kathedrale, neben dem Nymphenbad, als eines der interessantesten und schönsten Bauwerke von Dresden. Das liegt eventuell daran, daß man dort so viel entdecken kann, oder aber der Grund ist, daß sie angeblich eine Widder-Löwe-Entsprechung hat. Überhaupt ist erstaunlich, was sich in Dresden überall auf den Dächern tummelt und was man dort hinauf gehievt hat. Insbesondere die goldglänzenden Gestalten auf jedem Türmchen erscheinen manchmal fast schon ein wenig verspielt albern. Die Kathedrale glänzt nicht golden, ebensowenig die vielen Figuren auf ihrem Dach. Sie wirken eher unansehnlich dunkel, gebrannte Kinder, nehme ich an. Aber gerade deshalb lohnt es sich, zweimal, dreimal, viermal oder auch fünfmal hinzuschauen - man wird jedesmal Neues entdecken, das man vorher übersehen hatte.

Vom Bus ging es wenig später direkt auf den historischen Raddampfer, der allerdings sehr wenig historisch aussah. Wir konnten ein gemütliches Tischchen auf dem Sonnendeck besetzen und ließen im schönsten Abendsonnenschein noch einmal das Elbufer an uns vorübergleiten. Auf dem Dampfer bemerkt man sofort die starke Strömung der Elbe, denn selbst wenn das Schiff noch gar nicht fährt, hat man bereits das Gefühl, sich zu bewegen, was alleine an dieser Strömung liegt und bei der Spree nicht halb so stark vorhanden ist. Bei der Rückkehr in den Heimathafen durften wir zufällig den Start eines Heißluftballons am anderen Ufer miterleben. Und nachdem anfangs nur einer zu sehen war, kamen bald darauf noch ein zweiter und ein dritter Ballon zum Vorschein, welche die historische Silhouette von Dresden entlang schwebten.

Einkaufstüte

Wachslicht

Palais Ideal du Facteur Cheval

Dort ist es verboten, nichts zu berühren. Dieser Palast, von einem Briefträger erbaut, ist einfach unglaublich. Unbedingt Eingangsvideo auf der Homepage anschauen!

Ich könnte mich ohrfeigen!

Da hab ich doch heute den Sport verschlafen und das ohne jede Abmeldung. Allerdings war ich auch seit 30 Stunden ohne eine Minute Schlaf auf den Beinen. Zum Sport wollte ich trotzdem, also sollte der Wecker seine Pflicht tun, was er sicher auch getan hat, aber ohne mich zu wecken. Die ganze Nacht unbeabsichtigt zum Tag gemacht hatte ich. Nachdem ich vor lauter Streß nicht runterkommen und einschlafen konnte, war es irgendwann gegen 4:00 Uhr morgens. Ich überlegte, ob ich noch eine Schlaftablette einwerfen oder lieber aufstehen soll, und entschied mich für letzteres, da zum Schlafen sowieso nicht mehr viel Zeit war. Hätte ich heute nicht arbeiten müssen, wäre ich bereits eher aufgestanden, da man sich ja dann auch jederzeit wieder hinlegen kann, aber so denkt man sich immer "Ich muß jetzt schlafen!", was natürlich überhaupt nichts ändert. Auf dem Weg zur Arbeit fühlte ich mich noch ganz munter, aber wenn man dann erst einmal im Büro sitzt, hat man arg zu kämpfen, die Augen offen zu halten. Besonders gemerkt habe ich den Schlafentzug daran, daß ich im Computer ständig daneben geklickt habe und mich wunderte, warum sich nichts tut. Außerdem hatte ich öfter Sekundenträume. Ich nenne es nicht Sekundenschlaf, sondern Sekundentraum, weil ich dann tatsächlich für den Bruchteil von Sekunden Bilder oder Situationen einer anderen Welt vor mir sehe. Teilweise ist es so, daß man ständig mit offenen Augen hin- und herswitcht, ohne dabei wirklich zu schlafen. Aber die fieseste Nebenwirkung des Schlafentzugs ist, daß die Zeit so unendlich langsam vergeht. Da versucht man mühsam, sich gerade auf dem Stuhl zu halten, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und denkt, es sind mindestens zwanzig Minuten vergangen, aber wenn man dann auf die Uhr schaut, scheint diese auf der Stelle zu stehen. Bin schließlich pünktlich gegangen, um mich unbedingt vor dem Sport wenigstens noch eine Stunde aufs Ohr zu packen, denn anders hätte ich sonst beim Sport kein Bein mehr hochbekommen und der Rest ist Geschichte. Am besten, ich gehe gleich wieder ins Bett, denn ich kann mich selbst nicht mehr leiden.

Sonntag, 19. September 2010

Meine Krankenkasse

lädt mich am 10.10. um 10:10 h zu einem 10 km-Lauf ein, für den ich als Startgebühr nur 10,10 EUR als verbilligte Startgebühr zahlen müßte. Außerdem erhalte ich 500 Punkte für das Bonusprogramm der Krankenkasse. Wenn man 100 000 Punkte gesammelt hat, gewinnt man wahrscheinlich ein Gratis-Fieberthermometer, oder so. Lieber wäre mir ja, wenn ich statt eines Fieberthermometers Antwort auf meine Emails bekommen würde. Ich wundere mich immer, wenn ich das KK-Magazin lese, daß dort ständig Gütesiegel für besten Internet/Service usw. abgedruckt sind. Angeblich soll diese Krankenkasse mit 76 Prozent Zufriedenheit besser als andere Kassen sein. Anscheinend gehöre ich also zu der restlichen 24- Prozent-Minderheit, die über Email gar keine Antworten und über Post nur Antworten mit dem Gütesiegel "Thema verfehlt" bekommt. Aber ich ahne schon, woran das liegt: Ich habe zu wenig Punkte.
Heute war jedoch erst einmal Gewichte stemmen angesagt, denn wir haben die ersten Taschen mit Krempel in die neue Wohnung meiner Mutter getragen. Zum Glück sind es nur ca. 300 Meter bis dorthin. Irgendwie ist es seltsam, wie im zeitlichen Ablauf in Bezug auf meine Eltern alles ineinandergreift, als wäre es so vorbestimmt. Es hört sich pervers an, aber sogar meine Mutter sagt, daß es zumindest für sie auf eine Art eine gute Fügung war, wie alles mit meinem Vater gelaufen ist. Mein Vater kann sich dazu eh nicht mehr äußern. Bereits wenige Tage, nachdem er ins Krankenhaus gekommen war, fing sie an seinen gehorteten Müll aus der Wohnung zu werfen, zu sortieren, zu entsorgen und aufzuräumen. Wir sagten damals zu ihr, sie solle sich jetzt damit nicht zusätzlich belasten und könne sich Zeit lassen, aber sie sagte immer, sie müsse es machen, es sei die beste Gelegenheit, und selbst wenn er (unerwartet) wiederkommen würde, wäre ihr egal, was dann passiert. Über fünf Jahre hinweg haben wir tonnenweise Bücher, Müll, Krempel sortiert, entsorgt oder verteilt, und heute sehe ich selbst, daß es gut so war. Denn um eine Sanierung, bzw. einen Umzug wären sie in diesem oder spätestens im nächsten Jahr nicht herum gekommen und wäre mein Vater noch da, hätte es eine Katastrophe gegeben. Selbst wenn er die Handwerker in die Wohnung gelassen hätten, wären sie bei seinen Kistenbergen nicht einmal in das Zimmer hineingelangt und bei einem plötzlichen Umzug, wenn er sich denn hätte überreden lassen, was ich bezweifle, wäre meine Mutter zusammengebrochen.
Der letzte große Bücherstapel für das Antiquariat ist heute aussortiert worden und ich habe wieder einige Bücher mitgenommen, allerdings liegen dafür jetzt stapelweise Zeitschriften bei mir herum, die ich entsorgen muß, weil im Regal kein Platz mehr ist. Unter den Zugängen die gesammelten Werke und Briefe Mörikes in zwei Bänden, ein dickes Buch über chinesische Medizin, Traum und Traumdeutung von C.G. Jung, Tao des Zufalls und ein Buch mit dem Untertitel "Erfolgreich tagträumen". Nun bin ich ja sozusagen ein Experte im Tagträumen, aber wer weiß, vielleicht kann man es tatsächlich noch zu weiterer Meisterschaft bringen. Immerhin habe ich auch endlich geschafft, die Hängeschränke aus der Küche abzunehmen und zu entsorgen. Die Küche ist seit fünf Jahren Baustelle und eigentlich wäre es schön, wenn ich endlich dieses imaginäre Baustellenschild abnehmen könnte, das Leute daran hindern soll, meine Küche zu betreten und einem gähnenden Loch in der Tapete und Wand gegenüberzustehen. Nachdem der Elektriker durch die Wohnung gefegt war, hatte ich sämtliche Räume renoviert, aber bei der Küche kam erst die Sache mit meinem Vater und dann der Rücken dazwischen, auf den ich mich noch immer nicht wieder verlassen kann. Jedesmal, wenn es besser geht und ich vorhabe, endlich etwas Größeres in Angriff zu nehmen, fängt er an zu streiken. Gerade ist er zum Beispiel sehr ungnädig und deshalb gehe ich jetzt eine Runde schaukeln.

Freitag, 17. September 2010

Dresden zu Land, zu Wasser und zur Luft - Teil 2

Zu einem Besuch in Dresden gehört natürlich auch ein Bummel über die Prager Straße. Heute mit Kaufhäusern dicht an dicht bebaut, habe ich diese ebenfalls sehr viel großflächiger in Erinnerung. Was die vielen Bistros und Restaurants rund um die Frauenkirche und die Brühlschen Terrassen angeht, könnte man tagelang von einem Bistro zum nächsten wandern. Unser Mittag- und Abendessen haben wir meist dort eingenommen. Die Original-Dresdner Eierschecke bekommt man von 2,40 EUR bis 3 EUR pro Stück. Kulinarische Höhenflüge haben wir eher wenige bis keine gemacht. Das Frühstück im Hotel war zwar recht ordentlich, aber Obst hat man allerhöchstens im Joghurt gesehen.

Die Berliner Spatzen sind bekanntermaßen sprichwörtlich frech, doch ich finde, die Dresdner Spatzen nehmen sich da nichts. Wenn man draußen sitzt, fliegen sie im Tiefflug über die Bistrotische hinweg, verfangen sich mit den Flügeln fast in den Haaren, belegen in Horden gerade frei gewordene Stuhllehnen ohne jede Scheu und wenn man während des Essens unter den Tisch schaut, sitzt dort ab und zu direkt vor den Füßen mit schiefgelegtem Köpfchen wie eine Katze bettelnd, ein Spatz. Die wissen, wie sie sich bemerkbar machen müssen, und wenn sie betteln, sind sie noch harmlos. Manchmal wird man auch regelrecht umzingelt. Widerstand zwecklos. Ich kann mir gut vorstellen, daß in unaufmerksamen Momenten hin und wieder sogar ein Kuchenstück von unbeaufsichtigten Tellern verschwindet. Andere Tiere, außer viele Spinnen und eine große, desorientierte Libelle, sind mir in Dresden überhaupt nicht aufgefallen, nicht einmal Hunde. Ich kann mich nur an zwei erinnern, aber vielleicht war ich auch einfach zu sehr mit den Sehenswürdigkeiten beschäftigt. Übrigens Vorsicht vor mit rechteckigen Schirmen überdachten Restauranttischen mit Heizstrahlern. In den Schirmen leben besonders gerne Spinnen und lassen sich in die Krägen von nichtsahnend Sitzenden fallen. Meine Schwägerin und ich übertrafen uns darin, mit Scharfblick überall Spinnen zu erblicken. Sogar in der Frauenkirche entdeckten wir unabhängig voneinander eine in der Kuppel hängend. Zumindest hätte man denken können, es sei eine, so frei schwebend ein winziger dunkler Punkt, aber meine Schwägerin meinte schließlich, es sei wohl doch nur ein Mikrofon. Neben den Spatzen begegneten wir außerdem zwei anderen komischen Vögeln. Der eine war ein kleiner Knirps, von mir auf 20, von meiner Schwägerin auf 18 Jahre geschätzt, der mich auf der Straße ansprach mit dem Spruch: "Auch wenn deine Mama dabei ist, möchtest du mir vielleicht trotzdem deine Telefonnummer geben?" Ich merkte schon, wie meine Schwägerin etwas biestig guckte, denn sie war mit "Mama" gemeint, und als er vorbei war, drehte sie sich um und rief laut drohend hinterher: "Die Mama! Ich komm dir gleich nach, du!" Der zweite komische Vogel war unser "Nachtportier" vom ersten Abend. Schmalbrüstig, kahlköpfig und etwas schmierig war er, am Bügelbrett stehend, als wir müde ankamen und unsere Zimmer und Sachen haben wollten, erst einmal extrem schlecht gelaunt und bissig. Anscheinend ziemlich gestreßt und genervt, vielleicht weil er bügeln mußte, verbesserte sich seine Laune aber im Schnellzugtempo. Als er uns das erste Zimmer zeigte, war er bereits erstaunlich freundlich. Danach meiner Schwägerin das zweite Zimmer zeigend, meinte diese am nächsten Morgen, sie dachte, er wolle sie beide noch zu Bett bringen und ihnen ein Schlaflied singen. Prompt träumte ich in dieser Nacht von ihm. Unser Zimmer war L-förmig mit einem Wandvorsprung, hinter dem der zimmereigene Flur lag. Ich träumte, wie er - um die Betten zu machen -, ächzend und keuchend die Wandvorsprünge von einer Seite zur anderen rücken mußte. Dabei schimpfte und fluchte er ohne Unterlaß.

Ansonsten geht es in Dresden relativ gemütlich zu. Die Straßen sind abenteuerlich und trotzdem erlebten wir keine rücksichtslosen Autofahrer. Auch die Ampelphasen sind länger als in Berlin. Vielleicht ist dies, neben den vielen autofreien Zonen, mit ein Grund, daß es viel weniger hektisch ist. Ich mein, man kann sich den Streß auch selbst machen, wenn man Ampelphasen so kurz schaltet, daß automatisch jeder Verkehrsteilnehmer in Hektik verfallen muß. Man hört so gut wie alle Berliner immer über die Verkehrsverhältnisse motzen, aber es ist ein Trugschluß zu glauben, daß kürzere Ampelphasen das Leben streßfreier machen. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Dresdner Spatzen

Dresden | versponnen

Frau Saturn mit den eckigen Tellern

Ein interessanter L-förmiger Raum, in welchem viele Tische aneinandergestellt und liebevoll gedeckt wurden. Anscheinend soll hier irgendeine Veranstaltung stattfinden. In einer Gruppe sehe ich die roten Haare meiner ehemaligen Chefin leuchten. Viele Plätze an den Tischen, nicht alle, sind hübsch mit Serviette, Kärtchen, Pappaufstellern und ähnlichem dekoriert. Ich kehre später zu diesem Raum in einer Gruppe zurück, finde aber nur noch einen ungedeckten Platz. Neben mir ein etwa gleichaltriger Mann, der auf seinem Platz aber immerhin einen leeren Teller erwischt hat. Ich habe nicht einmal diesen. Gegenüber vom Tisch hantiert eine blasse, unscheinbare junge Frau mit Geschirr. Ich rufe zu ihr hinüber: "Saturn, gib mir mal bitte einen Teller!" Der Teller, den ich bekomme, ist eckig (quadratisch), mit einer runden, hübsch mit blaßrosa, kaum sichtbaren Blüten bemalten Vertiefung, während die anderen runde Teller haben. Es erscheint mir selbst im Traum ein bißchen merkwürdig, daß ich die junge Frau "Saturn" nenne, wie komme ich darauf? Doch dann denke ich mir, daß sie wohl tatsächlich so heißt, auch wenn das ein ungewöhnlicher Name für eine Frau ist. Jetzt müßte ich nur noch etwas Eßbares finden, um den Teller damit zu füllen, allerdings scheinen die anderen bereits tüchtig zugelangt zu haben. Bei mir und meinem Sitznachbarn kommt nur noch eine Tüte mit trockenen Frühstücksflocken an. Ich knabbere ein paar davon und bemerke bemüht optimistisch zu ihm, daß die doch ziemlich gut schmecken. Er jedoch verzieht das Gesicht und meint mißmutig, daß seine zu Hause besser schmecken. "Nun ja," sage ich zu ihm, "ich gebe zu, ich esse sonst nie Frühstücksflocken und kenne daher keine anderen." Inzwischen ist die Veranstaltung aufgehoben und ich krame in einigen Kisten an den Wänden, um vielleicht doch noch etwas Eßbares oder auch nur Brauchbares zu finden, ohne aber Erfolg dabei zu haben. Für mich ist nichts übrig geblieben.

Mein Vater schläft in seinem Pflegebett ständig ein und meine Mutter weckt ihn jedesmal sofort. Das ärgert mich. "Laß ihn doch mal schlafen!" sage ich zu ihr. "Ich fände es nicht schön, dauernd geweckt zu werden, wenn ich schlafen könnte." Ich glaube aber nicht, daß meine Mutter das versteht.

Eine schwere Last drückt auf meinen Rücken, es scheint ein lebloser Körper zu sein, dessen Gewicht immer größer wird. Es gelingt mir, ihn abzuschütteln. Es ist mein Bruder, der nun nackt auf dem Boden liegt, die Blöße mit seinen Händen bedeckend, und schläft. Er hat nichts mitbekommen. Während ich sein Gesicht betrachte, schlägt er plötzlich die Augen auf. Sie sind blau (in Wirklichkeit dagegen braun).

Donnerstag, 16. September 2010

Extraeinladung

Als ich heute mutterseelenallein an der Bushaltestelle stand, kam zuerst einer der Ersatzbusse, der in eine völlig andere Richtung fährt, in die ich nicht wollte. Der Bus hielt, öffnete die Türen und ich schüttelte leicht den Kopf, damit der Busfahrer nicht auf mich wartet, sondern gleich weiterfährt. Dieser jedoch dachte gar nicht daran weiterzufahren, sondern guckte mich an, guckte mich an, grinste und ich dachte bei mir - warum fährt der nicht, warum guckt der so? Dann sagte er etwas in der Art wie: "Nicht doch mitkommen?" und grinste. Ich mußte inzwischen auch schon lachen als er meinte: "Letzte Chance!" und grinste. "Nee", antwortete ich, "ich komme nicht mit." Er darauf: "Na gut." und fuhr endlich. Sonst fahren sie einem vor der Nase davon, oder schlimmer noch, an einem vorbei. Aber ausgerechnet, wenn man tatsächlich überhaupt nicht mit dem Bus mitfahren möchte, bekommt man eine Extraeinladung.

Dresden zu Land, zu Wasser und zur Luft - Teil 1

Na gut, bei Dresden zur Luft mit einem Ballon ließen wir doch lieber anderen den Vortritt, aber ansonsten haben wir in wenigen Tagen so viel gesehen, daß es mir im Nachhinein wie eine volle Woche erscheint. Wir mußten das Programm des Reisebüros sogar etwas ausdünnen, damit es nicht in Streß ausartete. Letztendlich stellten wir fest, daß es besser gewesen wäre, einfach nur Zimmer zu buchen und dann ganz gemütlich und ohne Termindruck von einer Veranstaltung und Sehenswürdigkeit zur nächsten zu schlendern. Aber so haben wir dafür wirklich viel mitgenommen und schön war es trotzdem. Ich bin nicht zum ersten Mal in Dresden gewesen. Die Brühlschen Terrassen, das Blaue Wunder, Prager Straße, das Nymphenbad, Grünes Gewölbe und Hygienemuseum, das alles kenne ich bereits aus DDR-Zeiten. Meine damalige Schulfreundin hatte Verwandte, welche in der Nähe des Blauen Wunders in einem kleinen Haus wohnten, und uns in den Ferien einmal ein Zimmer überließen. Doch wenn ich nicht gewußt hätte, daß es Dresden ist, hätte ich es erst einmal nicht wiedererkannt. Einen Erkennungspunkt gibt es allerdings, der sich bis heute nicht geändert hat und welchen ich irgendwie faszinierend finde, nämlich das dichte Netz aus Straßenbahnoberleitungen, die überall am Himmel über Dresden zu finden sind, und das ich so von Berlin nicht kenne. Da es in Dresden weder U- noch S-Bahn gibt, ist das Hauptverkehrsmittel die Straßenbahn, welche teilweise enorme Entfernungen zurücklegt. Ich bin mir meist nicht sicher, ob dieses Netz mir gefällt oder nicht, manchmal finde ich es eher störend, besonders auf Brücken, aber es hat irgendeinen morbiden Charme und gehört für mich einfach zu Dresden dazu. Früher hat Dresden auf mich durch die verspielte Architektur und die vielen alten Plätze einen träumerisch-versponnenen, nicht verschlafenen, Eindruck gemacht. Früher waren dort jedoch auch sehr viel weniger Touristen unterwegs. Im Nymphenbad amüsierte ich mich damals mit meiner Freundin alleine, und als sie mich auf der Treppe zur Brühlschen Terrasse stehend fotografierte, war weit und breit kein Mensch in der Nähe. Heute drängen sich die Touristen dort dicht an dicht. So viel Zulauf hatte ich nicht wirklich erwartet. Und obwohl ich kein Freund von solchen Massen bin, muß ich doch sagen, daß diese Belebtheit wunderbar zu dem neu gestalteten Viertel rund um die Frauenkirche paßt, welches gerade von diesem Kontrast aus kleinen Gäßchen, in denen sich die Menschen ballen, und dem großzügigen Kirchplatz, auf welchem sie sich schnell wieder verlieren, lebt. Ein wenig erinnert mich dieser Ort an Italien, obwohl ich noch nie in Italien gewesen bin, aber ungefähr so würde ich es mir vorstellen. Mit einem Wort: Es gefällt mir gut. Und unerwarteter Weise hatten wir sogar genau an unseren Reisetagen bestes italienisches Spätsommerwetter mit strahlend blauem Himmel. Sobald wir in Berlin ankamen, regnete es wieder. Nun gibt es aber auch in Dresden eher unschöne, meist moderne, Ecken, wie zum Beispiel die Außentreppe am Stadtmuseum. Das Stadtmuseum selbst ist ein altes kunstvolles Gebäude, bei der Außentreppe jedoch, später an einer Flügelseite hinzugefügt, denkt man ständig: "Wann wird denn endlich dieses häßliche Baugerüst abgebaut?" - bis man erkennt, daß es gar kein Gerüst ist.

Wir wohnten übrigens in der Nähe des Worldtradecenters. Das Worldtradecenter ist ein turmartiges modernes Gebäude, dabei aber so niedrig, daß die Namensgebung, welche an das Worldtradecenter in NY erinnert, fast ein wenig großprotzig vermessen wirkt. Unser Hotel war sauber, an einem grünen Park gelegen, und beherbegte gleich im Keller den ersten "alten" Meister. Da bei Ankunft die Zimmer noch nicht fertig waren, welche sogar mit einer separaten kleinen Küche und einigen Extras ausgestattet sind, ließen wir unser Gepäck an der Rezeption und fuhren sofort in die Stadt. Ein Termin wartete schon, nämlich eine Filmvorführung über den Wiederaufbau der Frauenkirche mit anschließender Besichtigung. Ich hatte in der Nacht vor der Reise geträumt, daß es in Dresden einen Weihnachtsmarkt gibt, den wir besuchen wollten. Nach dem Aufwachen darüber den Kopf geschüttelt, gab es tatsächlich eine Art Weihnachtsmarkt, der sich aber unter dem Titel "Herbstmarkt" tarnte. Trotzdem hätte man da bereits jede Menge Weihnachtskram kaufen können, wenn man gewollt hätte, und vor allem die Japaner scheinen ganz heiß auf erzgebirgische Weihnachtsdeko zu sein. Ich träumte übrigens auch, daß eine besondere Sehenswürdigkeit von Dresden die vielen Ratten sind, die es dort gibt, und die man unbedingt besichtigen sollte. Glücklicherweise bin ich Ratten aber nicht begegnet, zumindest keinen vierbeinigen. Der Film war recht interessant und bestätigte meine Meinung, daß man beim Wiederaufbau der Frauenkirche die stehengebliebenen Reste sorgfältig in das neue Gebäude mit eingebunden hatte, während mir mein Bruder dauernd erzählen wollte, die Teile wären nur deshalb so dunkel, weil sie noch nicht abgespritzt seien. Während der Besichtigung des Inneren der Kirche war ich etwas enttäuscht, zum einen, weil ich mir die Kirche größer vorgestellt hatte, und zum anderen, weil ich zwar weiß, daß es eine Barockkirche ist und Barockkirchen so etwas dürfen, ich sie aber selbst für eine Barockkirche noch zu kitschig finde mit dieser Farbkombination aus Rosa, Hellblau, Weiß und Gold. Trotzdem ist es ein Gänsehautgefühl, in dieser Kirche zu sitzen und daran zu denken, daß man diese Kirche nie hätte von innen erleben können, wenn sie nicht so detailgetreu und in mühevoller Arbeit wiederaufgebaut worden wäre, noch die Trümmer davon kennend. Die Kirche ist ein ovales Rund mit mehreren Eingängen ringsherum und bei dem Gewimmel, welches in ihr herrscht, einem Bienenstock nicht unähnlich, wenn die Touristen zu einem Eingang hinein und zum anderen wieder hinaus strömen. Ich fragte mich, wie sie hier wohl einen Gottesdienst abhalten. Wahrscheinlich müssen sie die Türen dann abschließen. Ein wenig entsetzt war ich darüber, wie die Massen trotz Fotoverbots sogar mit Blitz in der Kirche fotografierten, was man nun eigentlich nicht einmal macht, wenn das Fotografieren erlaubt ist. Und auch, daß vorne auf der Kanzel jemand stand, einen Psalm las und direkt darum bat, auf das Fotografieren zu verzichten, schien einige nicht zu stören. Natürlich schauten wir uns ebenfalls die Unterkirche in den alten Katakomben an, welche früher zur Grablegung genutzt wurden. Eine kleine Ausstellung zeigt Fundstücke und begleitendes Material zur Frauenkirche. Besonders beeindruckt haben mich zwei Zeichnungen eines Künstlers, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe, die die Zimmerleute während der Bauarbeiten darstellen, aber auf eine sehr besondere Art, fast an ein Suchbild erinnernd. Der absolute Kontrast zur Frauenkirche ist die Kreuzkirche, welche nicht nur viel einfacher und geschmackvoller ausgestattet ist, sondern auch viel weniger überlaufen. Das einhellige Resümee aller müden Anwesenden: Die Kreuzkirche ist schöner.


Dresden/"Hotelmeister"

"Alter Meister" im Hotelkeller


Dresden/Hotel

Hotel von außen


Dresden/Hotel 2

Unser Zimmer
(Ich habe natürlich nicht nur Fotos vom Hotel gemacht, aber diese folgen später.)

Mittwoch, 15. September 2010

Saturn Konjunktion Uranus

In Ihrem Bemühen, den langweiligen und alltäglichen Aspekten des Lebens zu entkommen, suchen Sie überall nach Anregung und Stimulation. Doch trotz aller Bemühungen werden Sie von Ihren Lebensumständen und Verpflichtungen in einer Situation festgehalten, die Sie vielleicht als bedrückend empfinden. Wenn Ihnen dieser Druck ganz unerträglich wird, kann es sein, daß Sie plötzlich ausbrechen - aus einer Beziehung oder einem belastenden Job. Vielleicht verlassen Sie auch Ihren Wohnort, ohne vorher auch nur irgend jemandem etwas davon zu sagen.

Doch wenn Sie die jetzt vorherrschende hohe Spannung längere Zeit ertragen können, haben Sie die Möglichkeit, mit Hilfe eines wohlstrukturierten Systems viele positive Veränderungen zu erreichen. Selbst schwierigste Probleme können unter diesem Einfluß bewältigt werden, wobei auch "Durchschnittsmenschen" zu sonst undenkbaren Leistungen fähig sind. Dann können Sie auch ernsthafte Beschäftigungen und langfristige Aufgaben bewältigen, die große Konzentration und viel Anstrengung erfordern.

Welche Manifestation dieser Zeitqualität im Einzelfall jedoch die produktivste ist, hängt von der jeweiligen Situation ab. Ein plötzlicher Ausbruch kann eine bedrückende Situation vollständig bereinigen und Ihnen einen befreienden, neuen Anfang ermöglichen. Andererseits kann ein solcher Ausbruch aber auch mehr kosten, als Sie aufbringen können. Wenn Sie in dieser Zeit gar zu geduldig und schwer arbeiten, könnten sich geistige oder körperliche Spannungen bemerkbar machen und vielleicht sogar zu physischen Krankheiten führen. Deshalb müssen Sie realistisch denken, entscheiden, wozu Sie fähig sind und sich den geeigneten Weg suchen.


Genau an das Fettgedruckte mußte ich in Dresden des öfteren denken. Was passiert, wenn du einfach hier bleibst? Spurlos verschwinden, untertauchen, und ein völlig neues Leben beginnen. Nur leider erkennt man mich so leicht.

Wäre ich bloß nicht zum Sport gegangen!

Nachdem ich bereits drei Wochen nicht mehr dort gewesen bin, erst wegen Fuß, dann wegen Magen, und ich das Gefühl hatte, daß es meinem Magen besser geht, versuchte ich es wieder. Allerdings scheint mein Magen jede Art von stärkerer Bewegung als Streß zu empfinden, jedenfalls mag er überhaupt keine Erschütterungen, und nach dem Sport wurde er sofort sehr viel ungnädiger. Ich trinke literweise Heilerde, total widerlich das Zeug und knirscht abartig zwischen den Zähnen, hilft aber ansonsten gut. Da nicht nur ich in den vergangenen Wochen nicht beim Sport gewesen bin, sondern ebenfalls einige andere aus der Gruppe (letzte Woche waren es wohl nur zwei Anwesende), sollen wir uns nun künftig abmelden. Das bedeutet für mich, daß ich zwar noch die vorgesehenen anderthalb Jahre dort beende, dann jedoch, anders als ich es vorhatte, die Vereinsmitgliedschaft nicht verlängere. Mir reicht es schon, wenn ich auf Arbeit eine ständige Anmelde- und Abmeldepflicht habe, in meiner Freizeit muß ich nicht auch noch am Gängelband hängen. Wahrscheinlich ist da ein Fitnesscenter doch praktischer, allerdings hasse ich sowohl Gängelbänder als auch Fitnesscenter. Ich mein, ich verstehe einfach nicht, daß Leute nicht ausrasten, wenn sie ihre wenige Lebenszeit damit verbringen, während stupider Workouts Betonwände anzustarren. Betonwände kann ich mir noch lange genug anschauen, wenn man mich ins Pflegebett verfrachtet und in irgendeinem winzigem Pflegeheimkabuff in die Ecke abgeschoben hat. Ich überlege inzwischen sogar, ob ich nicht doch joggen sollte. Joggen ist mir zwar eigentlich auch viel zu stupide, aber wenigstens ist man an der frischen Luft und sieht ein bißchen mehr. In der Nähe habe ich einen großen Sportplatz, um den man öfters jemanden joggen sieht und wo es atemtechnisch sich mit den Abgasen in Grenzen hält. Und ich weiß, daß eine ehemalige Kollegin dort ebenfalls mal abends gelaufen ist. Ob sie das noch macht, weiß ich nicht, aber wenn ich ihr, wie öfters, wieder begegne, werde ich sie fragen. Mit einer unverbindlichen Laufgemeinschaft macht es vielleicht ein wenig mehr Spaß.

PS: Bericht und Bilder über Dresden folgen noch. Es waren zwar nur wenige Tage, diese aber so voller Erlebnisse und Erinnerungen, daß das Resümieren und Sortieren vor allerhöchste Anforderungen stellt.

Mittwoch, 8. September 2010

...

Lazy

An den Schuhen sollt ihr mich erkennen.

Ich stehe unter Bewachung.

Der Sonnenblumenhausmeister kontrolliert, wann ich schlafen gehe und den Müll runter bringe, Herr N. kontrolliert meine Schränke und sogar meinen Papierkorb, wie er heute hat gucken lassen. Meiner sei immer leerer als seiner. Kein Wunder, ich bin ja auch nicht solch Wegwerffanatiker. Nun weiß ich nicht, ob er da nur zum Schwanzvergleich (Wer hat mehr entsorgt?) hineinschaut oder noch andere Dinge zu finden hofft. Es gibt Leute, die würden mir sicher auch gerne elektronische Fußfesseln verpassen. Eigentlich finde ich mein Leben ziemlich uninteressant, aber vielleicht irre ich mich. Ich weiß schon, warum ich diesen GPS-Kram nicht mitmache. Ihr müßt nicht alles wissen.

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Wenn wir uns im Wachstadium befinden, ist unser Bewußtsein nach außen gerichtet, wenn wir uns im Traumstadium befinden, ist unser Bewußtsein nach innen gerichtet, wenn wir uns im Stadium des Tiefschlafes befinden, bewegt sich unser Bewußtsein im Jenseits...
...Manche Träume jedoch werden Wirklichkeit. Solche Träume haben wir normalerweise in den frühen Morgenstunden, zwischen vier und fünf Uhr oder fünf Uhr dreißig, zur brahma muhurta oder Stunde Gottes. Wenn du zu dieser Zeit träumst, werden diese Träume sich mit großer Wahrscheinlichkeit manifestieren. Doch diese Träume müssen gut vor unreinen Gedanken geschützt werden. Auch Träume bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis gehen meistens in Erfüllung....
...Wenn du fühlst, dass du in der Nacht einen Traum hattest und dich nur nicht daran erinnern kannst, dann versuche dich früh am Morgen auf diesen bestimmten Punkt an deinem Hinterkopf zu konzentrieren. Er liegt an der obersten Stelle des Nackens. Wenn du Träume hast, werden sie sich entweder über deinen physischen Verstand manifestieren oder sie werden eine Zeitlang - einige Stunden oder sogar einen oder zwei Tage lang - an diesem Punkt gespeichert.

(aus "Träume und ihre spirituelle Bedeutung" von Sri Chinmoy)