gibt es für geschätzt 40 Frauen nur zwei Klos. Und eines davon ist so geschnitten, daß man jedesmal mit dem Schädel gegen die Wand, bzw. Klotür rammelt, wenn man sich hinsetzen will, oder aber Genickstarre bekommt, weil man den Kopf unentwegt krampfhaft nach hinten hält, um einen etwaigen Zusammenstoß zu vermeiden. Diese Toilettenzelle hat bestimmt ein Stehpinkler und/oder Gnom gebaut. Zur Strafe dafür sollte er lebenslänglich mit einem Brett vor dem Kopf herumlaufen.
Ist der Fuchs in Ihr Blickfeld geschlichen, will er Sie auffordern, Ihre Position in Ihrem Leben zu überprüfen. Sie scheinen zuzeit Aspekte in Ihrem Leben ausdrücken zu wollen, die nicht für jedermann in Ihrer gesellschaftlichen Umgebung verständlich sein würden. Schaffen Sie sich also einen eigenen heimlichen Lebensraum. Nicht der Rückzug ins Einsiedler-Dasein ist angesagt, sondern gut getarnte Räume mitten im Alltag sollten Sie sich schaffen. Zeigen Sie von sich nur die Seiten, die von der Umwelt verstanden werden...
...Es ist wichtig, sich etwas in den Rückhalt zurückzuziehen. Werden Sie ruhig etwas unsichtbar für Ihr Umfeld, halten Sie Ihren Einfluss zurück und beobachten Sie aus dem Versteck. Es ist eine sehr große Kunst, sich so weit in die Umgebung einzufügen, dass man nicht mehr wahrgenommen wird. Es gibt verschiedene Gründe, das Leben aus der Tarnung zu beobachten. Aber auch List, Absicht und Falschheit anderer können so entlarvt werden.
(aus "Tierisch gut" von Regula Meyer)
Ein heimliches Leben in meinem Leben führe ich ja bereits, aber in letzter Zeit kommt es mir vor, als benötigte ich auch in meinem heimlichen Leben noch einen extra-heimlichen Raum.
Um eine Woche Urlaub zu machen habe ich irgendwo im Hotel eines kleineren Ortes ein Zimmer gebucht. Ich erwache im Hotelbett und stelle fest, daß ein orkanartiger Regen sowohl Wasser als auch den Zweig eines Baumes gegen das Fenster peitscht. Hm, heute werde ich wohl nicht viel unternehmen können, aber eigentlich stört es mich nicht sehr, denn viel Lust habe ich gar nicht. Ausschlafen wäre auch mal ganz schön. Doch da kommt schon das Zimmermädchen und möchte sehen, auf was für einem Bett ich liege. Ich stehe also auf und sie sagt mir, daß das obere Bett für jemand anderen benötigt wird. Sie baut es ab und weist mich an, mit ihr in eine Kammer zu gehen, wo sie mir etwas in die Hand drückt, das wie eine Klappleiter aussieht, aber mein neues Oberbett werden soll. Ich schleppe es mit ihr in das Zimmer und wir legen es auseinandergefaltet auf das Unterbett. Es ist viel zu kurz für mich und unbequem, aber das Zimmermädchen meint, daß es schon gehen werde. Als sie verschwindet, stelle ich fest, daß man einen zweiten Gast in mein Zimmer einquartiert hat, ebenfalls eine junge Frau. Hey, ich hatte eigentlich für ein Einzelzimmer bezahlt! Und überhaupt, was ist das für ein Service hier? Weder gibt es einen Fernseher auf dem Zimmer, wie mir gerade aufgefallen ist, noch irgendwelche Utensilien im Bad, das Bett wird einem weggenommen und jetzt habe ich auch noch einen Zimmergenossen. Das Hotel in Dresden war um Längen besser. Doch weder habe ich Lust, mich aufzuregen, noch stört es mich wirklich sehr erheblich, weshalb ich nichts weiter unternehme. Stattdessen mache ich nun doch einen Gang in den Ort hinein, der Regen hat glücklicherweise aufgehört. An einem Platz um eine hohe Backsteinkirche herum, findet ein Volksfest mit bunten Buden statt. Ich dränge mich jedoch mit einer Besucherschar durch den runden Bogen der Kirche und lande statt in einem Kirchenschiff in einem unterirdischem Gewölbe, in dem es so geheimnisvoll an den Wänden funkelt, als wäre es eine Höhle mit unterirdischem See. Aber Wasser ist hier nirgendwo zu sehen. Die Lichtflecken müssen einen anderen Grund haben. Ein kleiner Junge ruft laut: "Da sind Kerzen!" und jetzt sehe ich ebenfalls an den Wänden versteinerte, mit ihnen verwachsene Vorsprünge, die früher wohl einmal Kerzen gewesen sind. Ihre Form ist noch sehr deutlich auszumachen. Zwischendurch bin ich noch an einem See baden, bevor ich erneut in meinem Hotelzimmer erwache. Mir fällt ein seltsamer Faden über dem Bett auf und als ich genauer hinschaue, erkenne ich mehrere sternförmige Spinnen daran hängen. Überall finde ich jetzt Spinnen. Kleine dicke, die eher hell sind, und eine wagenradgroße schwarze Spinne an der Decke. Ooch nee, daß die in diesem Hotel auch noch so viele Spinnen haben müssen! Ich flüchte lieber hinaus und laufe einen sonnigen Gartenweg entlang. Es ist ruhig und idyllisch. Der Gartenweg macht eine scharfe Linkskurve, welche durch ein Waldstück verdeckt wird. Ich rechne nicht mit Autos und laufe unbekümmert den Weg weiter, als um die Ecke plötzlich ein senffarbener Straßenkreuzer mit silbernen Fensterblenden schießt. Vor Schreck bleibe ich wie angewurzelt stehen und lande auf der Windschutzscheibe des Wagens. Danach erwache ich sofort wieder in meinem Hotelzimmer. Überhaupt scheint der ganze Traum ein Murmeltiertraum zu sein, denn statt wirklich aufzuwachen, erwache ich jedesmal im Hotelzimmer des Traumes. Und mit jedem Erwachen wird dieses Hotelzimmer schäbiger. Jetzt sind es nicht nur die Spinnen, sondern mir fällt auch auf, daß sämtliche Betten und Matratzen löchrig sind. Nicht gerade sehr gemütlich hier. Um mich abzulenken, beginne ich an die Männer in meinem Leben zu denken, doch genau der Letzte will mir einfach nicht einfallen. Es ist, als sei er wie ausradiert, die Identität gelöscht. Weder Name, Gesicht oder irgendeine Erinnerung will mir einfallen. Ja nicht einmal eine Ahnung von ihm ist auszumachen, bis auf die Tatsache, daß da jemand gewesen ist. Und doch ist es, als sei da niemals jemand gewesen. Stattdessen sehe ich M. vor mir, was mich ärgert, und frustriert beschließe ich, Sex zu haben. Irgendjemanden finde ich schon. Ich lande in einer Mischung aus Grabkammer und Gefängniszelle. Es wirkt wie eines dieser jüdischen Grabhäuser, nur daß es oben zum Himmel offen ist, aber mit einer stabilen Gittertür verschlossen wird. Die Sonne fällt in einen kleinen Steinhof, der von einer Mauer mit vielen steinernen Nischen und Vorsprüngen umgeben ist, und in der Mitte so eine Art Altarstein hat. Ich werde durch die Gittertür hineingelassen zu einem Mann, der hier lebt. Er nennt mich Ursel oder Ursula und ich habe Sex mit ihm, wobei der Sex aber eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllt. Er arbeitet damit eine Schuld ab, wegen der er eingesperrt ist, und diese Schuld geht mit dem Sex auf mich über. Dies macht mir aber nichts aus. Ich biete mich freiwillig dafür an. Und erneut erwache ich im Hotelzimmer. Außer Spinnen und löchrigen Matzratzen finde ich diesmal gleich neben dem Eingang ein Chaos aus Vogelfedern. Es sieht aus, als sei hier ein Vogel, vielleicht eine Taube, massakriert worden. Ich besehe mir die Sache genauer und mache dann, daß ich fort komme. Vor mir liegt ein türkisfarben leuchtendes Meer mit gelbem Sandstrand. In der Ferne kann ich einen Leuchtturm und zwei Ölbohrplattformen erkennen. Das Meer sieht absolut ruhig aus und trotzdem schwanken sowohl die Plattformen als auch der Leuchtturm lustig hin und her. Daneben entdecke ich eine trutzige Burg, die genauso hin und her schwankt, als sei sie auf einer Plattform erbaut. Sie kommt mir bekannt vor, wahrscheinlich habe ich sie schon einmal gesehen. Eine kleinere Welle schwappt über meine Beine. Das Meer ist wohl doch nicht so ruhig, aber das Wasser ist so schön warm und angenehm, daß ich nicht weiche und in Reichweite bleibe, die nächste schmeichelnde Welle erwartend. Anders als gedacht wird diese jedoch sehr viel höher und begräbt mich unter einem Schwall von Wasser. Mit einem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, erwache ich, diesmal in meinem wirklichen Bett.
Angstschwarz. Schwärzer als schwarz. Und ich weiß nicht, welche Aussicht ich mehr fürchten soll. Es gibt so viel zu fürchten. Verlieren werde ich in jedem Fall - ist nur die Frage, was. Was bin ich bereit herzugeben? Das Leben erscheint wie eine einzige große Mutprobe. Sich kopfüber hineinstürzen und irgendwann immer tödlich endend. Selig sind die, welche sind wie die Kinder. Selig sind die, welche nicht nachdenken. Selig sind die, welche jedes dämliche Spiel mitmachen. Und ich habe keine Ahnung, wer mich Angsthasen hier ausgesetzt hat. Vielleicht war ich es sogar selbst in einem Anflug von Größenwahn.
Den ersten Teil der Nacht dauernd eine bestimmte Tarotkarte (König der Münzen?) gesucht, bis ich schließlich schriftlich die Nachricht erhalte: Diese Karte gibt es nicht mehr und ist ab heute ungültig.
Beim Blick aus dem Fenster sehe ich goldene und knallrot leuchtende Blätter von einer Mauer fallen. Ja, es ist Herbst. Anscheinend doch noch ein goldener, jedenfalls ist der Anblick wunderschön. Aber Moment mal! Wo kommt eigentlich diese Mauer vor meinem Fenster her? Ich hatte doch bisher stets einen freien Blick. Dem muß ich unbedingt auf den Grund gehen, weshalb ich mir die Kamera schnappe und nach draußen gehe. Dicht vor der Fassade meines Hauses verläuft nun eine hohe Friedhofsmauer, die vorher noch nicht da gewesen ist und welche nur einen schmalen Weg zum Haus offen läßt. Hm, oder vielleicht war sie vorher bereits da und ist mir nie aufgefallen, weil sie noch nicht so hoch mit wildem Wein bewachsen war? Mir fällt ein seltsames Gewächs auf, daß direkt aus der Mauer sprießt. Es ähnelt Löwenzahn, hat aber als Frucht eine ovale, milchig weiße, leicht durchsichtige Kapsel, die wie eine Blase aussieht. Seltsam, so eine Pflanze habe ich noch nie gesehen. Soll jetzt die Friedhofsmauer mein einziger Ausblick sein? Aber gut, mit den kunterbunten Blättern darauf gibt es Schlimmeres.
Eine Art Volksfest findet auf der Anhöhe einer Hügellandschaft statt. Von hier aus sieht man sich kurvige Wege durch eine grüne Landschaft ziehen, weit unten die Dächer einer Stadt. Überall sind bunte Buden und Stände aufgebaut, wo man Schmuck, Edelsteine, Seifen, Kosmetik und allerlei anderes kaufen kann. Auch ein Sportlicher Wettlauf und andere Spiele finden statt. Es sprechen mich zwei alte Frauen an, die irgendwie entstellt aussehen, wobei ich aber nicht ausmachen kann, woran das liegt, und reichen mir die Hand zur Begrüßung. Ich wundere mich ein bißchen, da ich nicht glaube, sie zu kennen, begrüße sie aber ebenfalls. Bei der zweiten Frau fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Natürlich! Es ist die Mutter meiner Schulfreundin! Ich habe sie ewig nicht mehr gesehen und bin fast erschrocken, wie alt sie aussieht. Sie sagt, daß ich ja etwas feiere und als sie mir die Hand reicht, denke ich sie will mir gratulieren und sage gleich 'Danke!' Erst Sekunden danach realisiere ich die Worte, die sie gesagt hat und bin verblüfft über deren Feindseligkeit. Sie sagt etwas in der Art, daß sie gezwungen wird und mir nicht freiwillig gratuliert, und beschimpft mich und meine "Kaffeehausfreundlichkeit". Meine Schulfreundin, die neben mir stand, hat sie inzwischen schon peinlich berührt weitergezogen. Ich stehe etwas betroffen und perplex da, und grüble über ihre Worte. "Kaffeehausfreundlichkeit"? Was meint sie damit? Was hat sie?
Hab ich ihr etwas getan? Doch schließlich wische ich die Grübeleien fort und sage zu mir, daß ich mich endlich daran gewöhnen sollte, von den meisten Leuten nicht gemocht zu werden. Dann wirft es mich wenigstens nicht jedesmal aus den Socken und allen recht machen kann man es sowieso nicht.
Mit anderen mich halbnackt auf einer grünen Wiese wälzend. Es muß ein besonderes Gras hier wachsen, denn es ist so weich und glatt wie Seide, was neben der warm scheinenden Sonne ein ungemein wohliges, sinnliches Gefühl erzeugt.
Obwohl das Leben von alleine kompliziert ist, baut sie sich gerne noch ein paar Extra-Schmankerl ein. Frau Z. liebt es, sich in auswegslose Situationen zu bringen. Da wo andere nur ein Problem haben, macht sie sich gleich drei. Den Grund dafür habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht leidet Frau Z. unter ausgeprägtem Größenwahn oder unter grassierender Langeweile, die aber so gut getarnt sein müssen, daß selbst ich als Alter Ego davon nichts mitbekomme. Frau Z. ist störrisch wie ein Esel und hasst es das zu tun, was von ihr erwartet wird. Nach außen eher unauffällig, findet das Trotzkopf-Gen immer neue heimliche Wege für rebellischen Schabernack, manchmal auch ohne das Wissen von Frau Z. selbst. Außerdem findet sie mit schlafwandlerischer Sicherheit jeden Fettnapf im Umkreis von drei Kilometern. Frau Z. kann mir gestohlen bleiben und soll ihre versalzenen Suppen endlich ohne mich wieder auslöffeln. Gruß
Ein Mord geschah im Pfarrhaus. Der weiße Kopf explodierte mit lautem Knall auf einem Treppenabsatz. Durch Zufall bin ich Zeuge dieses Geschehens geworden. In dem Zimmer, das ich zur Untermiete bewohne, befindet sich jetzt die leere Tasche des Opfers. Sie wurde mir hereingeschmuggelt, weil man weiß, daß ich Mitwisser bin, und so der Verdacht auf mich gelenkt werden soll. Wenn der Tote gefunden wird, wird die Polizei das gesamte Haus durchkämmen. Wie werde ich die Tasche wieder los, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen? Denn als Mitwisser ohne Tasche bin ich gefährlich und man wird vielleicht versuchen, mich ebenfalls umzubringen. Als Mitwisser mit Tasche dagegen, können die Täter darauf hoffen, daß man mir keinen Glauben schenkt. Ein kniffliges Problem, weshalb ich beschließe, die Tasche vorerst bei mir zu verstecken. Dabei gebe ich mir keine besondere Mühe, sondern lege nur locker eine andere Tasche darüber, weil mir bewußt ist, daß die Polizei im Fall der Fälle die Tasche überall findet. Ich muß also darauf hoffen, daß es noch ein wenig dauert, bis sie kommen und ich bis dahin eine Lösung gefunden habe. Die Täter merken, daß ich mich nicht so leicht geschlagen geben will und versuchen in mein Zimmer einzudringen. Meine Kraft reicht nicht, um die Tür zuzuhalten und sie stürzen herein, schauen sich suchend nach dem Beweisstück um. Obwohl ich dies schon gerne loswerden würde, trete ich dazwischen, denn wenn es an die Täter geht, bin ich verloren. Blitzartig habe ich den rettenden Einfall. Ich erkläre ihnen, daß ich die Tasche irgendwo anders gelagert habe, wo sie durch mein Eingreifen, bzw. konsequentes Nichteingreifen sehr leicht auffindbar ist und sie belasten wird. Dies werde ich so lange vermeiden, wie sie mich als Austausch dafür in Ruhe lassen. Die Täter glauben tatsächlich, was ich sage und suchen nicht mehr genauer nach, werden richtig zahm. Um den Pakt zu besiegeln händige ich ihnen ein Papier mit der Abmachung in Form von zwei Kreuzen aus. Sie sind weg und ich bin sehr zufrieden, doch ich ermahne mich selbst, vor lauter Zufriedenheit nicht zu vergessen, die Tasche wirklich irgendwo anders zu deponieren. Denn das zweite Problem, das mit der Polizei, ist noch lange nicht gelöst.
Bemerkung: Habe vor zwei Tagen in einem Buch gelesen, daß Krimischreiben angeblich sehr viel mit unbewußter Traumverarbeitung zu tun hat.
Ich glaube, ich weiß es jetzt, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, nämlich ganz genau auf dem Schloßplatz in Berlin. Aber von vorne...
Völlig verpeilt bin ich heute, da ich Karten für ein Konzert hatte, gleich nach der Spätsprechstunde losgerast, weil ich der Meinung war, ich müsse mich ganz doll beeilen. Erst am Berliner Dom, dem Veranstaltungsort, merkte ich, daß ich noch eine volle Stunde Zeit bis zum Einlaß habe. Ich hatte mich auf eine völlig falsche Zeit festgenagelt und die Kamera natürlich auch gleich vergessen. Da ich den ganzen Tag hindurch noch nichts gegessen hatte, fütterte ich mich erst einmal ein bißchen mit Fast Food, aber keinem Burger, sondern einer ostdeutschen Grilletta. Ich dachte eigentlich, die wären bereits ausgestorben. Zwischenzeitlich hatte mein Auskunftsbüro wieder geöffnet und jemand an der Ampel fragte mich: "How did you say west?" Ich verstand erst nicht den Sinn, und er: "East - west?" "Ah, Westen!" "Ye, ye, WESTEN. We have to take the right train, you know?" Ja, verstehe. Ich beschloß zu schauen, was sie inzwischen aus dem Schloßplatz neues ausgebuddelt haben. Allerdings dämmerte es bereits und es war nicht mehr so viel zu erkennen, doch während ich herumstreifte, sah ich auf einer der alten Schloßgewölbe etwas, das von weitem wie das Standbild einer Katze aussah. Zuerst hielt ich es tatsächlich für eine künstlich hingestellte Skulptur, aber eine winzige Bewegung verriet mir, daß es lebte. Für eine Katze hatte jedoch die Nase eine verdächtig spitze Form. Das könnte höchstens eine Katze mit etwas abwegiger Clownsnase sein. Ich kam näher und dann erkannte ich ihn. Es war ein leibhaftiger Fuchs, kaum anderhalb Meter von mir entfernt und er schien sich auch nicht davon stören zu lassen, daß ich ihn fasziniert anstarrte. So wunderschön mit diesem aristokratisch schmalen Schnäuzchen. Erst nach einer Weile gähnte er betont unhöflich und schlich gelangweilt davon. Inzwischen war es so weit, daß ich mich wieder zum Einlaß begeben konnte und als ich meinem Bruder von dem Fuchs erzählte, meinte der gleich: "Na der hat auf dich gewartet - den Hasen!" Und für diese Stunde sinnlosen Herumlungerns muß ich nun eine Stunde mehr nacharbeiten, aber gut, selbst schuld. Das Konzert mit G.arb.arek hat mir diesmal noch besser gefallen als das letzte in der Philharmonie. Die Akustik war irgendwie schöner und das Saxophon weniger quietschig. Sakral meets Jazz war das Motto und dementsprechend war es sehr besinnlich. Toll fand ich, wie die vier Sänger und das Saxophon durch den Kirchenraum wanderten und man das Gefühl hatte, total von Klang umgeben zu sein. Später habe ich aber auch zu den anderen gesagt, eigentlich sind vier Männer ein bißchen wenig. Wenn sie mehr davon angekarrt hätten, einen richtig großen Chor, der in Prozessionen von allen Seiten singt und summt, wäre das bestimmt ein umwerfendes Musikerlebnis. Aber jetzt sage ich erst einmal:
Gute Nacht, Füchschen!
Gute Nacht, Maus!
Gute Nacht, Ratte!
Gebt acht, daß der Fuchs euch nicht frißt heut nacht!
Wohin ich auch gehe,
du siehst mich nicht.
Egal wo ich stehe,
du kennst mich nicht.
Fliehst irrend umher,
dein Blick ist suchend,
doch suchst nicht mich.
Bin nicht mehr da,
und war es auch nie,
ein Hauch von nichts,
die Ruhe, die hörte,
der Spiegel, der glänzte.
Berührte den Boden,
den deine Schuhe kannten,
fing die Luft in Schalen
aus deinen Lungen
und häufte Worte mir
in die Trichter der Ohren.
'In dir' ist ein Ort,
welchen ich niemals sah
und in den kein Nachtzug
mich je bringen wird.
Vermutlich wirkt nicht nur mein Heuschnupfen seuchenartig ansteckend, besser gesagt übertragbar (denn ich selbst niese ja nicht, sondern nur die anderen um mich herum, und das immer mehr und immer häufiger - die Kollegin im Nebenzimmer hat heute gar nicht mehr aufgehört zu niesen). Ansteckend muß auch mein diesjähriger Geldsegenstern sein, welcher an dem Symptom erkennbar ist, daß mich ständig irgendwelche Leute mit der Frage belästigen, wohin sie mir Geld überweisen sollen. Doch ist es hier eher eine Art Ausweitung der Reichweite, die meine Umgebung infiziert. Dauernd bekommen Klienten von mir riesige Geldnachzahlungen oder haben plötzlich zehntausend Euro auf dem Konto, die ich dann unter Berücksichtigung der Freigrenzen als Ersatz für die gewährten Leistungen fordern muß. Natürlich nicht für mich, sondern für meinen Arbeitgeber, der so ebenfalls von meinem Geldstern profitiert. Auch Herrn N. ist das bereits aufgefallen. Er fragt schon immer, wieviel es jetzt wieder ist. Heute habe ich zum Beispiel neuntausend Euro eingenommen. Wenn das so weiter geht, saniert Berlin mit mir noch seinen gesamten Haushalt. Und das Beste ist - anscheinend wirkt sich dies indirekt erneut auf mich aus, denn jetzt werden plötzlich Beförderungen in Aussicht gestellt, etwas, das ich bisher nur vom Hörensagen kannte. Aber stopp, bevor nun alle zu meinem Haus pilgern: Das Berühren der Figüren kostet Fünf Euro pro Nase und ich übernehme keine Verantwortung für etwaige Unfälle, bei denen statt der Geldkrankheit die Rückenpest oder der Heuschnupfen übertragen werden.
und weht aus der Richtung Streuselschnecke by Backkombinat. Zumindest riecht er so, wenn man an der Bushaltestelle steht, was die Wartezeit ungemein verkürzt und Wahnsinnshunger macht. Die Packung Pfannkuchen aus der Tiefkühltruhe, noch vom letzten Dezember, kann da nicht wirklich mithalten. Nicht auszudenken, man würde in der Nähe des warmen Streuselschneckenwindes wohnen und den ständig um sich haben. Ab heute bin ich "alleinstehend", denn Herr N. hat mehr als zwei Wochen Urlaub. Ich hatte ihm ja versprochen, seine Akten umzuhängen und neu zu sortieren, am besten nach den Vornamen. Seinen Schreibtisch könnte ich auch ein bißchen in Unordnung bringen, aber das wird er allein bei den täglichen Massen von Post und Akten. Und beim Sport brauchten wir heute tatsächlich nur den linken Fuß kreisen, was mir sehr gelegen kam. Der rechte hat diesmal einen geschwollenen Knubbel am Gelenk, dafür aber immerhin keine neuen Blutergüsse. Auf dem Rückweg habe ich beschlossen, das mit dem Duschen für die nächsten Tage erst einmal sein zu lassen, so lange ich bei jedem Schritt auf die Straße tropfend nach Hause komme. Scheinbar macht der Oktober in diesem Jahr Urlaub und der November hat sich schon angemeldet.
für einen Sonntagnachmittag nichts Schöneres vorstellen, als mich bei der Herumtragerei von Umzugstaschen bis auf die Haut durchnässen zu lassen. Da ich sowieso bereits tropfte, verzichtete ich, mit dem Bus zu fahren und lief nach Hause. Meinen Rücken kann ich kaum noch bewegen, mein Fuß tut schon wieder weh, warum auch immer, und ich fühle mich wie ein Eisblock. Wenigstens haben sich die anderen Unannehmlichkeiten inzwischen verzogen. Glück ist, wenn sich alles hübsch der Reihe nach einstellt. Nicht auszudenken, ich würde alles gleichzeitig kriegen! Gastritis und Schmerztabletten machen sich zusammen besonders erfolgreich. Und ich frage mich, ob meine Bemühungen um gesunde Lebensweise und Ernährung, die ich zumindest im Urlaub und während des Hamburger Modells ganz gut durchgehalten habe, einfach für die Katz sind, oder ob ich den Ernst der Lage verkenne, weil ohne das alles noch schlimmer gekommen wäre.
Aber nichtsdestotrotz hat dieses kräfte- und nervenzehrende Jahr durchaus auch positive Seiten. Wenn man nämlich die einzigen Ereignisse nur noch Krankheiten sind, man ständig gezwungenermaßen um die eigenen Probleme kreist, einen einzig interessiert, wie man den nächsten Tag übersteht, und dabei nicht gerade vor Lebensfreude überschäumt, sondern sich irgendwann vor lauter vergeblicher Anstrengung, sich nichts anmerken zu lassen, und Schwarzseherei selbst nicht mehr leiden kann, von Zukunftsängsten geplagt wird und aus entsprechenden Erfahrungen heraus noch mißtrauischer wird als sonst und selbst an den Menschen zweifelt, denen man eigentlich vertrauen sollte, dann, ja dann, stellt sich ziemlich bald heraus, wer die wahren Freunde sind. Und das sind nicht unbedingt die, mit der höchsten Betroffenheitsskala, sondern manchmal nur die, mit der größten Geduld. Aber eines steht fest: Noch so ein Jahr überstehe ich nicht. Das nächste Jahr muß einfach besser werden. Und dann werde ich wieder da sein, stärker als je zuvor, wenn niemand mehr mit mir gerechnet hat. Oder aber, das alles bleibt nur ein Traum. 999.995 von 1.000.000 nehmen ihren Vorsatz "Euch werde ich es noch zeigen!" mit ins Grab.
Auch in dieser Nacht wieder gereist, diesmal jedoch von Physiotherapie zu Physiotherapie. Zuerst hatte ich nur einen Physiotherapietermin, dann hieß es irgendwann, ich solle in eine Physiotherapie-Wohngemeinschaft ziehen. Ich landete in einer großen Halle, in der die Patienten wie auf dem Fließband abgefertigt wurden. Eine Liege neben der anderen. Und es war so viel Betrieb durch die vielen Patienten und Physiotherapeuten, daß ich meine Physiotherapeutin, ziemlich jung mit langen dunklen Haaren, nie verstand, wenn sie mir etwas sagte. Das ist ja wie bei mir auf der Arbeit, dachte ich, während ich auf der Liege lag und sie weiter auf ihre Uhr zeigte. Schließlich verrstand ich. Drei Minuten, sagte sie. Doch was will sie mir damit sagen? Doch wohl nicht, daß die Behandlung nur drei Minuten dauert? Das kann ja eigentlich nicht möglich sein. In der nächsten Physiotherapie war man gerade sehr aufgeregt, weil es irgendwelche neuen Bestimmungen darüber gab, wer behandelt werden dürfe, weshalb ich lange nicht an die Reihe kam, sondern lebhaft diskutiert wurde. Dafür gab es eine Art Kantine, in der bereits einige Leute bei Kaffee und Kuchen saßen. Ich setzte mich dazu und fand es recht gemütlich, aber irgendwann war ich auf dem Weg zur nächsten Physiotherapie. Hier sah ich eine Patienin, die herausgeführt wurde und um die Beine irgendeinen Schutz hatte, der dem Schutz von Cowboys ähnelte. Er war mit Sicherheitsnadeln am Slip befestigt, vielleicht, damit man ihre Beine nicht sieht. Schließlich stand ich vor einer Physiotherapie in Los Angeles, traute mich aber nicht hinein, weil man mir gesagt hatte, daß hier die Stars hingehen. Stattdessen spähte ich nur neugierig über den Zaun und in die Fenster. Alles war sehr elegant mit weißen Wänden und dunklem Holz eingerichtet, allerdings nicht sehr groß, sondern wirkte fast etwas beengt. Es gab ein kleines Cafe und eine Art Bühne mit schräg abfallenden Zuschauersitzen, von denen jeder einzelne einen durchsichtigen Vorhang zum Schutz gegen einfallende Sonnenstrahlen besaß. Ab und zu ging jemand hinein oder wieder hinaus, aber niemand, den ich erkannte. Insgesamt ging alles recht ruhig zu. Nachdem ich nun genug gesehen hatte, stand ich auf einem riesigen Platz, der an den um die Dresdner Frauenkirche erinnerte. Es begann zu regnen und ich wußte nicht wohin ich gehen sollte, sondern irrte ziellos umher.
Vor einem kleinen Park inmitten unseres Bezirkes, an welchem ich in meiner Kindheit öfter vorübergekommen bin. Mir fällt auf, daß ein Weg durch den Park geradewegs in die Ferne führt, der nur mit Eiswürfeln gepflastert ist, die wie Kieselsteine abgerundet wurden. Ich untersuche ihn genauer und stelle fest, daß man die Eiswürfel einzeln aus dem Weg herausnehmen kann. Und ich entdecke überraschend am fernen Horizont das Meer, welches einigermaßen bewegt zu sein scheint, denn selbst von hier aus sind größere Wogen auszumachen. Mein Herz beginnt sofort höher zu schlagen und ich sage zu meiner Begleitung: "Laß uns diesen Weg hinunter bis zum Meer laufen!", befürchte aber, daß der Weg ihr vielleicht zu beschwerlich und lang ist.
Auf Reisen. Von einem schnellfahrenden Zug aus versuche ich Fotos durch die Fenster hindurch zu machen. Erstaunlicherweise gelingt das auch, denn immer, wenn ich ein Motiv fokussiere, scheint der Zug langsamer zu fahren oder sogar stillzustehen. So fotografiere ich gespenstisch weiß leuchtende Baumkronen eines Waldes und altertümliche Häuser mit hohen, kunstvollen Giebeln. Schließlich nehme ich einen historischen Hof mit einer Kutsche ins Visier. Das diesmal längere und genauere Fokussieren hat zur Folge, daß ich direkt in den Hof hineinversetzt werde. Ich fokussiere weiterhin, während eine Gemüsehändlerin in der Nähe mir einige Worte zuruft.
im Lexikon für Früchte und Gemüse lese ich gerade, daß sich in Granatäpfeln das größte bekannte Vorkommen an natürlichen Östrogenen befindet. Soll ich die jetzt trotzdem essen? Nicht daß mir noch Brüste wachsen...