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Mittwoch, 27. Oktober 2010

Die Erdbeere (Dresden)

Die Erdbeere (Dresden)

In der Klinik

Ich befinde mich in einer Klinik als Patient, in welcher mein Physiotherapeut arbeitet. Ab und zu kommt er in mein Zimmer, um mir eine Massage zu verpassen und hat mir außerdem erlaubt, mich im Pausenraum des Klinikpersonals aufzuhalten. Dieser ist ziemlich groß und mit gemütlichen Sesseln und einem Sofa ausgestattet. Ein immer wechselndes Häufchen von Personal trifft man hier und es wird viel geraucht, was mich ein wenig wundert. Trotzdem bin ich gerne hier, da ich sofort akzeptiert werde und mich herzlich aufgenommen fühle. Nur einer ist ein wenig brummig zu mir. Als ich kurz hinausgegangen bin, hat er auf meinen Platz eine mächtige Tasche abgelegt und als ich erneut hereinkomme und höflich frage, ob ich wieder auf den Platz dürfte, nimmt er zwar die Tasche fort, setzt sich aber demonstrativ selbst in den Sessel. Hm, nun ja, war wohl blöd von mir zu fragen, aber es findet sich noch ein Plätzchen auf dem Sofa. In der Klinik gibt es auch Tiere unter anderem ein wohl altersdementer Hund, der sich wie ein Kreisel ständig um sich selbst dreht. Der Physiotherapeut ist immer mal wieder damit beschäftigt, ausgebüxte Tiere einzusammeln. Während er einem Vogel hinterherjagt, entdecken eine Schwester und ich zwei winzige grau gestreifte Kätzchen um uns herumschleichen. Na sowas! Wo kommen die denn her? Wenn ich mich nicht im Pausenraum oder in meinem Zimmer aufhalte, streife ich durch die meist leeren Klinikflure und schaue neugierig in die Zimmer der Ärzte. Diese sind nur durch Glasscheiben von den Fluren abgetrennt und man kann beobachten, wie sie Besprechungen abhalten und diskutieren. Und seltsamerweise fühle ich mich fast wie zu Hause. Ab und zu denke ich deshalb bei mir: Eigentlich ist Klinik ja gar nicht so schlimm. Zumindest nicht, wenn es so ist wie hier.

Dienstag, 26. Oktober 2010

...

Es gibt so Menschen, die sind wie Ruhepole in einer stürmischen Zeit. Und es gibt Tage, die sind so bitter bitterkalt, daß weder ein Ofen noch ein Flächenbrand ihnen etwas Wärme zu geben vermöchte.

Montag, 25. Oktober 2010

Finde eigentlich nur ich

den Oktober zu kalt? Im Oktober 1995 gab es noch Tage mit einer Höchsttemperatur von 20 Grad. Jedenfalls zeige ich meinen Protest indem ich mich weigere, bereits meine Winterjacke anzuziehen, obwohl mir kalt genug dafür wäre. Stattdessen lenke ich mich mit einer meiner Lieblingsschwächen ab: Mängelexemplare. "Der Puppensammler", "Sundance" und "Die Wahrheit über das verlorene Symbol" für je 2,49 EUR, ein Vesta- und Tarotbuch für je knapp 4 EUR. Aber ich weiß gar nicht, warum ich das schreibe, denn mich beschäftigen ganz andere Dinge. Für diese eigentlichen Dinge finde ich nur keine oder wenig Worte. Was ist zum Beispiel mit den Ratten? Warum sehe ich keine mehr? Ist die Luft endlich rein oder lauern sie irgendwo im Untergrund, im Hinterhalt? Kann ich mich wieder hinauswagen oder muß ich mich vor dem nächsten Angriff fürchten? Fressen sie sich vielleicht schon durch meine Brust in das Herz hinein? Wieviele Täuschungen gilt es noch zu entwirren? Wievielen Wahrheiten ins Auge zu schauen? Werden die Wahrheiten angenehm oder unangenehm sein? Wie wird es weitergehen? Wann kann ich wieder unbeschwert sein? Wird mir nun, nachdem ich das ganze Jahr bereits auf schwankendem Boden gewandelt bin, dieser sogar noch vollends weggezogen? So viele Fragen und nicht eine Antwort...
Ich glaube, ich brauche dringend etwas zu lachen. Natürlich könnte ich mir alle Folgen von Al Bundy anschauen, aber wenn man jede fünf- bis sechsmal gesehen hat, ist es irgendwann nicht mehr so witzig und vielleicht ist der Humor auch etwas zu morbide. Obwohl mir das ja liegt, habe ich mir stattdessen im TV-Programm sämtliche Ausstrahlungen von "Switch reloaded" vorgemerkt. Und wehe, es ist nicht lustig!

Sonntag, 24. Oktober 2010

Fernsehen als Ersatzträumen und Gefahren der analytischen Betrachtung der Träume

Zunächst sei einmal gesagt, daß Menschen, die selbstbewußt sind und zu ihrer Emotionalität stehen, es leichter haben werden, sich ihrer Träume zu erinnern, weil jegliche Traumgestaltung im Zusammenhang mit unserer gesamten Emotionsskala steht. Versuche in Traumforschungslabors mit schlafenden Versuchspersonen haben gezeigt, daß an Traumverdrängern wesentlich häufiger Augenbewegungen unter geschlossenen Lidern festgestellt wurden als an Traumerinnerern...Ihre Augen brauchen wesentlich mehr Bewegung zum Wegschauen als zum Betrachten. Das wäre eine Erklärung dafür, daß Traumverdränger mehr Augenbewegung für ihre Träume benötigen als Traumerinnerer...

Wenn wir Fernsehfilme auch als "Ersatztraumhandlung" verstehen und das Spiel unserer Emotionalität dabei beobachten, könnte das Fernsehen neben seinem Unterhaltungs- und Informationswert auch eine großartige Selbsterfahrungshilfefunktion enthalten. Ja, Sie können Ihr Fernsehgerät ab sofort für Ihre Traumarbeit bewußt als "Selbsterfahrungshilfegerät" einsetzen und sich einen Emotionsspiegel erarbeiten. Gerade starke Traumverdränger werden mit Hilfe ihres Emotionsspiegels interessanten Aufschluß über das Funktionieren ihres Verdrängungsmechanismus erhalten...Sie ersparen sich viele Umwege, wenn Sie diese Betrachtungsweise, die später für Ihre nächtlichen Träume erforderlich ist, vor dem Fernsehapparat bewußt trainieren. Selbst dem dümmsten und oberflächlichsten Fernsehfilm können Sie auf diese Weise die "besten Wahrheiten über sich selbst abgewinnen"...Treten Sie aus der Rolle des passiven Fernsehkonsumenten heraus und gewinnen Sie dem Fernsehen Botschaften über sich selbst ab. Wählen Sie unter diesem Gesichtspunkt nicht nur Filme, die Sie interessieren, sondern auch Filme, für die Sie normalerweise nichts übrig haben. Wenn Sie also keine Krimis, Horror- oder Sexfilme mögen, so überwinden Sie sich einmal, sich so einen Film anzusehen - und beobachten Sie sich selbst dabei...Nehmen Sie sich am besten gleich nach dem Fernsehfilm ein wenig Zeit und versuchen Sie herauszufinden, warum Sie diese oder jene Szene so stark angesprochen hat...Das Spiel unserer Emotionen ist ja mit den Erfahrungen verbunden, die an Ursachenerlebnisse geknüpft sind. Versuchen Sie, für sich eine Erklärung für Ihre starke emotionale Beteiligung zu finden...Suchen Sie immer zu den Punkten, die Sie in einem Film besonders angenehm oder unangenehm berührt haben, Parallelen zu sich selbst und Ihren Erfahrungen in Ihrem Leben. Finden Sie heraus, mit welchen Erfahrungen das Unbehagen verbunden ist, das zum Beispiel ein Horrorfilm oder Krimi bei Ihnen auslöst. Auf diese Weise werden Sie nicht nur einen interessanten Fernsehabend genossen haben, sondern sich Abend für Abend ein Stück nähergekommen sein und so manches Erlebnis aus der Verdrängung holen und neu betrachten können...Sie arbeiten dabei automatisch an Ihrem Verdrängungsmechanismus, der Ihnen den Zugang zu Ihrer Traumwelt blockiert, und er wird nach und nach abgebaut...

Eine weitere Gefahr bei einer Überbewertung des analytischen Prozesses und der Unterbewertung des Kreativitätsaktes - der Traumproduktion selbst - besteht darin, daß der Kreativitätsausdruck auch im Wachzustand blockiert wird. Nicht selten gehen durch eine Analyse künstlerische Fähigkeiten verloren. Das wird übrigens auch von Analytikern beobachtet und bestätigt....Ich spreche hier aus einer gewissen Erfahrung, denn in meinen Kreativitätsseminaren "Schreiben aus dem Unterbewußtsein" haben Teilnehmer, die durch Analysen gegangen sind, häufig wesentlich größere Schwierigkeiten gezeigt, Blockaden vor dem kreativen Ausdruck abzubauen, als jene Teilnehmer, die keine Analyseerfahrung hatten. Der kreative und der analytische Prozeß sind zwei völlig verschiedene Dinge. Bei dem einen arbeitet der "Bauch" (Träume), bei dem anderen der "Kopf". Wenn man jetzt dazu neigt, den analytischen Prozeß überzubewerten, unterdrückt man damit den kreativen Ausdruck im Wachbewußtsein und kommt nicht in die Lage, den Kreativitätsmechanismus im Wachsein einzusetzen. Man kann also keine "Geschichte schreiben" und während des Kreativitätsaktes des Schreibens schon analysieren oder unbewußt den Analysierprozeß "eingeschaltet" haben, denn sonst fällt man aus der Geschichte heraus. Man muß daher den analytischen und kreativen Prozeß völlig voneinander trennen und letzteren prinzipiell höher bewerten.

(aus "Verschlafet eure Träume nicht" von Sonja von Eisenstein)

Traumsplitter

Ich werde aufgefordert, unter mehreren Männern den auszuwählen, den ich liebe. Dazu soll ich demjenigen eine lilafarbene, brennende Stumpenkerze übergeben. Ich wähle meinen ersten Kindheitsschwarm aus der 2.-3. Klasse und reiche ihm die Kerze. Er scheint skeptisch zu sein, aber ich beteuere ihm: "Wenn ich dich nicht lieben würde, würde ich dich nicht aussuchen und dir eine Kerze schenken!"

Im ehemaligen Untermietszimmer, das diesmal völlig anders aussieht und eingerichtet ist. An der Wand neben der Tür steht eine halbhohe Schrankwand und neben dem Fenster hängt ein großer Flat-TV an der Wand. Außerdem habe ich auch noch einen Fernseher, welcher die Form eines Kühlschranks hat, der Bildschirm sich über die gesamte vordere Seite ziehend. Das Besondere: Der Bildschirm ist ein Touchscreen und über dem Bild kann man halbtransparente Infos wie auf einem Computer einblenden, Datum, Wetter, TV-Programm und ähnliches. Leider verdeckt dieser Fernseher den Flat-TV ein wenig, deshalb muß ich mir einen anderen Platz dafür einfallen lassen. Außerdem fehlt noch ein Sofa und ich überlege, wo ich das am besten hinstelle. Dabei fällt mir auf, daß sich an der Wand gegenüber von den Fernsehern eine halbhohe Arkadenfront über die gesamte Länge zieht. Darin führen weiß gestrichene Türen anscheinend zu einer Reihe Einbauschränken. Cool! Da habe ich ja richtig viel Stauraum! Ich sollte unbedingt bald hinter die Türen schauen, um zu sehen, was sich dort verbirgt.

Meine Mutter streichelt und massiert meinen Rücken, was ich sehr angenehm finde, nur wird sie dabei immer schwerer und schwerer, bis sie schließlich vollends mit ganzem Gewicht auf meinem Rücken liegt. Puh, wenn sie nicht bald wieder runter geht, kriege ich keine Luft mehr.

Bemerkung: Las gestern über Fernsehen als Ersatzträumen und Kindheitsschwärme.

Samstag, 23. Oktober 2010

Gestellt vs. echt

Gestellt

Echt

Das obere Foto ist extra für meine spendablen Großeltern gestellt worden, die mich regelmäßig zu Weihnachten mit großzügigen Puppengeschenken bedachten, welche mir von den Eltern übergeben wurden. Eine der Puppen trägt ein echtes 70iger-Jahre-Outfit. Wie man sieht, ist der Pony sorgfältig zur Seite gekämmt worden, damit ich auch ordentlich aussehe. Die Puppen landeten alle auf meinem Bett, wo sie mehr oder weniger einstaubten. Dies störte mich nicht, dagegen aber schon, wenn Besuch da war, in mein Zimmer schaute und dann solche doofen Fragen stellte wie: "Du hast aber viele Puppen. Spielst du denn mit denen auch allen?"

Im unteren Foto ist der Pony wieder ins Gesicht gefallen und die Puppen sind achtlos hinter mich geworfen. Stattdessen beschäftige ich mich mit dem neuen Baukasten.
Witzigerweise war mein größter Spielzeugwunsch als Kind, der mir aber nie gewährt wurde, eine große knallorangene Registrierkasse mit richtigen Zahlentasten, in der man sogar echtes Geld aufbewahren konnte und die mehr funktionelle Extras hatte, als meine kleine Kaufmannsladenkasse. Vermutlich hatten meine Eltern recht, wenn sie dachten, mich würde es bald langweilen, mit der Kasse herumzuklimpern. Vielleicht hätte ich aber auch ungeahnte Fähigkeiten im Geldeinnehmen entwickelt.

Auf Eis gelegt

In einer Klinik werde ich von einem jungen Arzt mit Brille einen langen Krankenhausgang entlanggeführt, in welchem fahle Neonröhren flackern. Er bringt mich in ein Zimmer, welches eigentlich mehr wie eine Gefängniszelle aussieht. Der Raum ist langgestreckt, wobei das Bett gleich an der Tür steht, in der sich ein Guckloch befindet. An der anderen Seite des Raumes ist ein vergittertes Fenster. Der Arzt versichert mir die ganze Zeit, daß er mir helfen möchte und ich glaube ihm das, zumal ich im Krankenhaus bin, aber ich bin dankbar, da er besonders bemüht erscheint. Im Zimmer angekommen, bekommt er einen Handyanruf und wendet sich kurz ab. Ich setze mich auf das Bett und merke, daß irgendetwas an der Matratze seltsam ist. Als ich hinuntergreife stelle ich fest, daß die Matratze auf Eiswürfeln liegt. Diese sind gut versteckt, als sollte ich es nicht bemerken. Was soll das hier werden? Eine neue Therapie? Der Arzt wendet sich erneut mir zu und fragt mich, ob mir kalt wäre. Ja - sage ich, da die Matratze wirklich immer kälter wird. Er scheint zufrieden, sagt aber nichts weiter dazu, sondern beginnt irgendetwas Medizinisches zu deklamieren. Doch zwischendurch hält er immer wieder inne, um mich zu fragen, ob mir kalt wäre, und ist befriedigt, wenn ich dies bestätige. Ich finde sein Verhalten sehr seltsam. Ist doch klar, daß mir kalt ist, wenn er mich extra auf Eiswürfeln bettet, und warum sagt er mir nichts davon, wenn er eine neue Therapie ausprobieren möchte? Warum fragt er mich immer wieder dasselbe, wenn er doch wissen müßte, daß es so ist? Als er mich das nächste Mal fragt, ob mir kalt wäre, hat sich sein Gesicht zu einer höhnisch grinsenden Fratze verzogen. Und plötzlich weiß ich es vollkommen klar: Dies ist keine echte Klinik und er ist auch kein Arzt, sondern wahrscheinlich ein Menschenfresser. Er will mich gar nicht heilen, denn er hat ganz andere Absichten, die keinesfalls gut sind. Vielleicht ist das Zimmer hier so eine Art Kühlschrank. Die Kälte nimmt jetzt massiv zu, allerdings sind der Grund dafür nicht die Eiswürfel, sondern es ist vor allem die Atmosphäre von Bedrohung, sowie die Trauer darüber, in meiner Hilflosigkeit allein gelassen, ausgenutzt und betrogen zu werden, die mich frieren läßt. Ich darf mir aber auf keinen Fall etwas anmerken lassen, niemals, damit er nicht Verdacht schöpft, daß ich bemerkt habe, was er mit mir macht. Fieberhaft überlege ich, wie ich entkommen kann. Vielleicht kann ich eine leblose Attrappe von mir basteln, die ich in das Bett stecke. Dann denkt er, ich bin ihm sicher, während ich mich längst davongeschlichen habe.

Freitag, 22. Oktober 2010

Ohne groß hellsehen zu müssen,

ahne ich nach bisherigem Ereignisstand jetzt schon, daß ab November wohl wieder ein Terminmarathon beginnt. Der Countdown für den ersten läuft bereits. Weniger als zwei Wochen bis.... bis was? Noch mehr Angst? Erlösung? Oder vielleicht das böse zusammengesetzte K-Wort (mir fällt auf, daß er mehrere böse K-Wörter gibt)? Hatte ich schon erwähnt, daß ich panische Angst vor Krankenhäusern habe? Vielleicht liegt das an meinem längeren Krankenhausaufenthalt als Kind, wo ich mit ca. 2,5 bis 3 Jahren wegen Meningitis unter Quarantäne stand und mir das andere Kind im Zimmer die Finger meiner Negerpuppe abgebissen hat. Vielleicht liegt es auch mehr an dem, was ich als Besucher in den letzten Jahren an unhaltbaren Zuständen in Krankenhäusern erleben durfte. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, zukünftig kein Krankenhaus mehr von innen zu sehen, schon gar nicht als Patient. Vielleicht ist das aber alles eine Gewohnheitssache. Ein Klient von mir hatte sich nach einer längeren Krankenhauseinweisung wegen Herzstillstand und Alkoholmißbrauch so gut daran gewöhnt, daß er in seiner Wohnung nicht mehr zurechtgekommen ist und von einem Krankenhaus zum nächsten gezogen ist, um sich einweisen zu lassen. Wenn man nicht sehr wählerisch ist, ist es ja auch bequem. Putzen, Einkaufen und den ganzen Kram erledigen andere. Heute lebt er in einem Heim. Noch ist ein bißchen Zeit und die Chance, daß "es" sich in Luft auflöst. Aber wenn ich es erfolgreich geschafft habe, "es" eine Woche lang zu ignorieren, was körpertechnisch gar nicht so einfach ist, ist "es" nach sieben Tagen immer noch da. Und trotzdem denke ich: Ich nich!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

The Riddle

vergelesen

"Gratis-Aufenthalt im Fluchtclub"

statt

"Gratis-Aufenthalt im Funclub"

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Auch wenn es besser ist,

gerade nicht so viel Zeit zum Nachdenken zu haben, bin ich trotzdem froh, daß endlich der Umzug von meiner Mutter Geschichte ist. Ein bißchen beneide ich sie insgeheim, da sie zwar ebenfalls viel Streß hat in diesem Jahr, aber in die Traumwohnung zu ziehen, die man schon immer haben wollte, ist ja dann doch mehr positiver Streß mit rosigen Aussichten. Meine Aussichten möchte ich mir dagegen gar nicht so genau vorstellen. Um so gereizter reagiere ich deshalb auf ihr dauerndes Gejammere, wenn es nicht genau so läuft, wie sie es sich in den Kopf gesetzt hat. Alles soll sofort und auf der Stelle fertig, die Kisten innerhalb von einem Tag ausgepackt sein. Bei anderen stehen die Kisten tagelang herum, bis alles ausgepackt ist, weil es einfach nicht anders geht, vor allem, wenn man noch berufstätig ist. Genau wie mit dem perfekten, gesellschaftsfähigen Friedhofsgrab setzt sie sich in den Kopf, daß es so und so sein muß, übernimmt sich dabei ständig und jammert herum, weil es eben nicht so geht. Ich kann ja verstehen, daß die Wohnung gleich schön sein soll, aber ich finde, wenn man sich schon so übereifrige Ziele setzt, mit denen man sich überflüssigerweise selbst unter Druck setzt und zusätzlich die, die helfen, sollte man auch nicht herumheulen. Und da ist immer das Gefühl, daß sie nur darauf lauert, man gebe sich plötzlich geschlagen und sage: "Ja, ja, wir machen alles, gehen buddeln, pflanzen und gießen, wir machen alles was du willst sofort und auf der Stelle." Ich helfe zwar gerne, aber nicht so, daß ich mich in ihr eigenes Joch spannen lasse. Sie hat außerdem die Gewohnheit, ihre Helfer auf subtile Art zu sich zu "befehlen", ohne zu fragen, wann es ihnen überhaupt paßt. Stattdessen geht sie ganz selbstverständlich davon aus, daß am Wochenende alle Zeit haben, auch die Nichtrentner. Und da sie sich am Wochenende sowieso langweilt, sollen alle regelmäßig am Wochenende kommen. Ich selbst weiß ja inzwischen, wie ich darauf reagieren muß. Doch habe ich mitbekommen, daß sie anscheinend meinen C. ziemlich nach ihrer Pfeife tanzen läßt. Er hat ihr die Wohnung renoviert und ähnliches. So ganz nebenbei ließ sie die Bemerkung fallen, daß er gesagt hätte, er würde in der Woche nach Feierabend kommen, was ihr aber gar nicht recht sei. Ich vermute mal, er hat sich nicht getraut zu widersprechen und ist nur deshalb doch am Wochenende zu ihr gefahren. Sie regt sich immer über seine Ex auf, die ihm auf der Nase herumgetanzt ist und wundert sich, daß er alles mit sich machen läßt, aber ausnutzen tut sie es auch. Jedenfalls, nachdem wir vorher bereits ständig Sachen per Korb und Tasche in die neue Wohnung geschleppt hatten, waren die Kisten tatsächlich innerhalb eines Tages ausgepackt. Da sie selbst nicht damit zurechtkam, die Kartons auseinanderzufalten, meinte sie nach einer ganzen Weile, während sie mir immer wieder dabei zuschaute: "Du siehst aus, als würdest du sowas dauernd machen." Na was denkst du denn, antwortete ich, das gehört sozusagen zu meinem Job. Ich habe die vielen Umzüge auf Arbeit irgendwann nicht mehr gezählt und wir schleppen heute noch Umzugskisten mit Akten umher, weil nirgendwo Platz ist und die immer wieder umgelagert werden müssen. "Was? Aber das kann doch gar nicht sein!" ruft sie und guckt mich mit großen Augen an. Dann wollte sie, weil sie über zwanzig Jahre mit Strom gekocht hat, daß ich ihr sage, wie sie am besten den Gasherd anzündet ohne Streichhölzer zu verwenden. Ich hatte ihr dafür extra einen von diesen praktischen Gasanzündern mit langem "Hals" besorgt und ihr kurz gesagt, wie man den benutzt. Das hat allerdings nicht gereicht, denn beim nächsten Mal fragte sie mich wieder, weil sie nicht damit klargekommen ist und diesmal führte ich es ihr vor. Finger in die Lasche und draufdrücken, zack. Sie sah nicht sehr überzeugt aus und sagt doch zu mir, den Mund verziehend, sie hätte ja mehr an etwas Einfaches gedacht, sowas wo man nirgends draufdrücken muß.... ähm?

Dem Busfahrer

wollte ich heute mein Lutschpastillenblatt statt meiner Fahrkarte zeigen. Die interessieren ihn bestimmt mächtig. Eintritt nur mit antibakterieller Bewaffnung... Vielleicht war der Grund für diese Verwirrung ja der herrliche Regenbogen am Himmel.

Fahrschule beim Türken

Bei einer Art Kur habe ich so viel Zeit, daß ich, um mich nicht zu langweilen und etwas nützliches zu machen, eine Fahrschule beginne. In dieser Fahrschule gibt es eine Menge sehr junger Fahrlehrer. Meiner ist ein Türke, ungefähr 20 Jahre alt, leicht südländisches Aussehen, aber mit blauen Augen. Zuerst bin ich etwas skeptisch, denn auf Machoallüren habe ich keine Lust, doch er scheint sehr nett und bemüht zu sein. Ich denke, ich werde mit ihm auskommen. Mitten im Gewimmel zwischen den anderen Fahrlehrern und Schülern fragt er mich gleich zu Beginn, ob wir uns nicht lieber duzen wollen. Ich stimme zu und nenne ihm meinen Vornamen. Er sagt mir daraufhin, er heiße Gülczan (ist das nicht ein weiblicher Vorname?). Außerdem spricht er genau diesen Türkenslang, wie ich ihn aus dem Fernsehen kenne. Zum Beispiel hängt er an jeden Satz ein "weiss du?". Merkwürdig an ihm finde ich, daß er die ganze Zeit zwar oben bekleidet ist, aber unten nur einen schwarzen Stringtanga trägt. Doch noch merkwürdiger ist, daß er auf beiden Hinterbacken große blaue Flecken hat und auch seine Beine sind von blauen Flecken übersät. Muß ja ein gefährlicher Job sein, falls er sich die Blutergüsse von der Fahrschule holt. Er fängt an, mir einige allgemeine Dinge zu Auto und Straßenverkehr zu zeigen. Dazu drückt er mir unter anderem auch eine Folie mit herzförmigen Aufklebern in die Hand, welche weiß und hellblau glänzen, und fragt mich, was das ist. Hm, hm, was könnte das wohl sein? Vielleicht irgendwelche Plaketten, die man auf das Auto klebt? Ich habe allerdings noch nie Plaketten in Herzform gesehen.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Ohne Boden

Flur

Nachdem ich den großen Fehler gemacht hatte, meinen Flur mit ecrufarbenem Teppichboden auszulegen, mußte jetzt nach nur fünf Jahren der fleckige Überrest einem neuen, dunkelroten Teppichboden weichen. Genau in meiner Lieblingsfarbe, etwas changierend und passend zu dem als Vorhang mißbrauchten indischen Pashmina-Schal. Nicht verstehe ich allerdings, daß mein Rücken solche Aktivitäten so übel nimmt. Da heißt es immer, Bewegung sei gut für den Rücken und bewegen kann man sich bei vielen Tätigkeiten. Wenn ich also renoviere, das Bad fliese oder aber Teppich auslege, dürfte das eigentlich nicht viel andere Folgen habe, als wenn ich Sport mache. Und trotzdem war ich hinterher nicht mehr in der Lage, die Schränke wieder einzuräumen, sondern steif wie ein Brett und mit dem Gefühl, eine Straßenbahn sei über mich hinweggefahren. Ich mußte die Schuhberge deshalb erst einmal zwei Tage im Zimmer verteilt liegen lassen. Früher habe ich alles ruckzuck am Wochenende erledigt, hab höchstens ein bißchen geschwitzt. Und meine Ärztin fragt mich noch, ob ich Streß habe, da ich dauernd Gastritis kriege. Sowas kann nur jemand fragen, der keine Rückenschmerzen hat. Was soll man da antworten? "Nö, wenn ich ganz still liege, nicht atme und nicht aufs Klo muß, habe ich keinen Streß." Es ist sicher kein Zufall, daß es mit den Magenproblemen genau ein halbes Jahr nach Beginn der Rückenschmerzen anfing. Rückenschmerzen sind Streß pur und ich rede dabei noch nicht einmal von den vielen Terminen, die man plötzlich zusätzlich hat. Sogar Herr N. meinte, da lege er sich doch lieber eine andere Krankheit zu, mit welcher er nicht dauernd irgendwo hinrennen muß. Man hat nicht nur deshalb auf einmal viel weniger Zeit als früher, sondern auch, weil man für alles länger braucht, was man sonst im Vorbeigehen erledigen würde. Wenn man Pech hat, muß man sogar alles stehen und liegen lassen und hat dann später, wenn man sich wieder bewegen kann, das doppelte bis dreifache Pensum in weniger Zeit zu bewältigen, um in einen einigermaßen zivilisierten Zustand zurückzukehren. Außer natürlich, es gibt Kinder oder Bedienstete, die man herumscheuchen kann. Kurz gesagt ist es eine sich abwärts bewegende Spirale, in welcher man sich in immer weniger effektiv neben der Arbeit nutzbarer Zeit, vor immer größere Herausforderungen gestellt sieht, bis man das Gefühl hat, daß alles über einem zusammenbricht. Wieviele Jahre kann man sowas wohl mitmachen, ohne "richtig" krank zu werden? Oder bin ich es vielleicht schon? Zum Glück habe ich viel zu wenig Zeit, um darüber nachzudenken, aber immer dann, wenn ich sie habe, ist jetzt nicht nur das Sterben meines Vaters, sondern auch das meiner Großmutter präsent, so wie ich es aus Erzählungen kenne, weil ich damals erst fünf Jahre alt war. Ich frage mich, ob es hochmütig ist, sich zu sicher sein und die Angst zu verdrängen, oder einfach nur einfältig. Warum sollte das Jahresende tatsächlich der rettende Strohhalm sein und warum denke ich bereits drei Monate vorher, daß mir jetzt DAS nicht mehr passieren kann? Woher will ich wissen, daß ich nicht einer dieser vielen Ichnichse bin, die sich eines besseren belehren lassen müssen? Habe ich vielleicht noch viel weniger Zeit, als ich überhaupt ahne? Nur gut, wenn einem dann die Zeit zum Nachdenken fehlt.

Montag, 18. Oktober 2010

Ha, ertappt!

Kaum zeigen sich einige Sonnenaktivitäten und solare Strahlungen, spinnt die Funkuhr schon wieder und macht mir weis, es wäre kurz vor vier. Ich werde meine empirischen Sonnen-Funkuhr-Studien fortführen.

Am Morgen

im Bus fühlte ich mich auf komische Weise irgendwie im falschen Film, besser gesagt in einem Zombiefilm, jedenfalls stark an meinen gestrigen Traum erinnert. Mir war, als würde ich in einem Zombiebus fahren. Vor meiner Nase, egal wohin ich mich wendete oder stellte, tappte ständig mit wabernden Knien so ein bärtiges großes Extra vor mir herum, das mich überhaupt nicht zu bemerken schien. Ein anderes blasses Etwas kippte von ihrem Sitz fast vornüber und einer sah aus, als wäre er gerade als Alkoholleiche wiederauferstanden.
Auf Arbeit erreichte mich der neue Aktionsplan Sexuelle Vielfalt, der seinem Namen aber nicht gerecht wird, da er nur einige Fortbildungsworkshops zum Thema Trans**** beinhaltet. Beim Titel dieses Aktionsplans hätte ich eigentlich auch Workshops in SM, Tantra und der Tibetanischen Himmelsschaukel erwartet. Demnächst soll außerdem eine groß angelegte Mitarbeiterbefragung zum Thema "Arbeit und Gesundheit" stattfinden. Herr N. bemerkte daraufhin richtigerweise, daß da ja schon in der Fragestellung etwas nicht stimmt, denn Arbeit und Gesundheit könnten niemals zusammenpassen. Die Ergebnisse sollen angeblich anonymisiert ausgewertet und entsprechende Veränderungen zur Gesundheitsvorsorge eingeleitet werden. Da frage ich mich aber, wo die das viele nötige neue Personal hernehmen und wie sie es bezahlen wollen, damit man nicht dauernd für den unsichtbaren Zweiten mitarbeiten muß und vielleicht auch mal die Erlaubnis bekommt, weniger Stunden zu arbeiten. Stattdessen wird wahrscheinlich nur noch ein zusätzlicher Defibrillator angeschafft, damit sichergestellt ist, daß man seinen Herzinfarkt wenigstens überlebt und schnell wieder auf den Beinen ist.

Edit: Kaum gepostet, schon findet sich die tibetanische Himmelsschaukel auf Platz 1 bei Google. Unglaublich, wie schnell die sind.