ins Krankenhaus. Ich brauche erst einmal hundert Jahre Verhaltenstherapie damit ich meine Krankenhausphobie überwinde und einen Schritt hinein tue. Mein Physio.th. meint, die Klinik sei gut und die Ärzte hätten dort was drauf. Er war wohl einmal in den Semesterferien dort arbeiten. Und mein Bruder meint, daß sie mir da nicht den Kopf abreißen. Hat der eine Ahnung. Ich habe schon Leute mit einem Beinbruch in die Klinik gehen sehen, die nicht mehr zurückgekommen sind. Und das Wetter macht die Tage und Nächte noch dunkler und kälter. Aber ich glaube, wären es 20 Grad und die Sonne schiene, hätte ich auch etwas dagegen, denn dann würde ich mich fühlen, als würde es mich nicht geben. Durch den Physio.th. habe ich heute erst erfahren, daß nächster Sonntag bereits der erste Advent ist. Mir war ja schon lange klar, daß Weihnachten dieses Jahr ausfällt, aber ich dachte immer, hätte ich Silvester diesem Jahr erst einen A...tritt gegeben, würde alles gut werden. Wird wohl doch noch länger dauern.
Manche Worte wünscht ich
einzig für mich allein,
Kostbarkeiten, gehütet
im unsichtbaren Samt
der "Mir zu Dir" - Magie,
so lebendig und zart,
voller Zeichen und Wunder.
Und das Wunder der
Zeichensetzung
läßt mich deine Kommas lieben
- die falschen, genau
an der richtigen Stelle -
und die Punkte begehren,
die mir mehr versprechen.
Und ich wünschte,
sie würden nicht vegehen
wie all die Liebesschwüre
in erloschener Ofen-Asche.
Gerade eben die Nummer der Stationsärztin auf dem Handydisplay als entgangener Anruf. Sofort ratterte durch meinen Kopf, wenn sie Sonntag anruft - wobei sie IMMER im Krankenhaus zu sein scheint, ich glaube, sie wohnt da - , muß es wichtig sein. Fehldiagnose? Verwechslung der Krankenakten? Kommando zurück? April, April? Doch nein, irgendjemand hatte angerufen und sie dachte, ich sei es gewesen.
wenn man im Schwarz sitzt, die Endlichkeit und die Fehlbarkeit der Menschen drohend über einem, und nicht weiß, ob die Hauptaufgabe für das nächste halbe Jahr das Kotzen sein wird? Die Steuererklärung.
Ich hoffe ja, daß man wenigstens mal Urlaub zwischendurch bekommt. Ich wollte zwar immer viel Zeit haben, allerdings hatte ich wohl vergessen zu erwähnen, daß ich die nicht auf dem Klo verbringen wollte.
So große Angst, so dunkle und kalte Nächte, nie länger als jetzt - ich merk schon, die Nächte werden das schlimmste - und der Wunsch nach dem einen Gesicht, nach dem Blick, der mich trotz allem glücklich machen würde, der Wärme dieses anderen Körpers.
Ich doch. Ich hätte es nie für möglich gehalten. Mit zittrigen Knien in der Klinik, mußte ich erst noch eine ganze Weile im Aufenthaltsraum der Station warten, hörte aus Gesprächen an den Tischen mal wieder von "Vergeßlichkeiten" der Schwestern, schaute mir die Gestalten in den Fluren mit Infusionsschläuchen, Kompressionsstrümpfen und Bademänteln an, und dachte bei mir - nein, hier willst du nicht hin. Als die Ärztin kam, wollte sie mich erst einmal auf Toilette schicken. Ich etwas verwirrt: "Hä? Mich? Auf Toilette?" und da merkte sie erst, daß sie sich wohl vertan hatte und ließ sich erklären, warum ich da bin. Die Ärztin ist zwar wirklich nett, und ich kann ja auch verstehen, daß man, wenn man jeden Tag zig verschiedene Patienten sieht und trifft, sich nicht jedes Gesicht und jede Diagnose merken kann, aber besonderes Vertrauen macht das nicht gerade.
Dann bekam ich die Diagnose und auch gleich den Plan für nächste Woche: Krankenhausaufnahme, Krankenwagenfahrt in die Charite und zurück (das in Zeiten der Terrorwarnungen), Donnerstag ebenfalls Termine und Freitag die erste Chemo. Am Wochenende dann wohl wieder zu Hause, aber mit dem "Versprechen", daß man Perücken und übelkeitsmindernde Medikamente für mich bereithalten würde. Toll, ich hasse Perücken. Das Wochenende wird sicherlich bombastisch, Weihnachten auch, und überhaupt. Kurz vor Ende des verflixten Jahres, erwischt es einen noch, und das so richtig. Als ich dann den langen ungemütlichen Krankenhausflur zurückging, inzwischen mit Tränen in den Augen, traf ich kurioserweise zufällig eine Arbeitskollegin, welche genau zu dieser Zeit dort in der Klinik wegen Rheuma liegt. Wir guckten uns erst etwas ungläubig an und ich erzählte ihr alles. Wir setzen uns und sie tröstete mich sehr lieb, indem sie mir alle Schauspielerinnen und Sängerinnen aufzählte, die das hatten und immer noch herumhüpfen, wie wir feststellten. Doch jetzt geht es weiter mit Hiobsbotschaften verteilen. Meine Mutter ist am Telefon fast zusammengebrochen, ich dachte schon, ich muß noch hinfahren, meine Chefin wird am Montag sicher auch nicht sehr erfreut sein, wenn ich vorläufig nicht mehr auftauche, die Termine beim Physiotherapeuten muß ich absagen und weiß noch gar nicht so richtig, ob ich während der Chemo in der Lage bin, weitere Termine wahrzunehmen. Und ich hasse Krankenhäuser.
Beim Lesen des Aufklärungsblattes:
"geliebte Patientin"
statt
"geehrte, liebe Patientin"
Wollte mich schon gerade wundern. So doll lieb haben die mich in der Klinik bestimmt nicht.
wenn du nur noch....., jedenfalls nicht mehr lange zu leben hättest? Eine Frage, die mich aus gegebenem Anlass zur Zeit häufiger beschäftigt. Gerade liege ich auf dem Bauch, und denke mal wieder darüber nach, auf dem Bauch deshalb, weil ich mich nach den Massagen gestern und heute fühle, als hätte mich jemand durchgeprügelt. Die Beckenknochen am Kreuz schmerzen so, daß ich kaum auf dem Rücken liegen kann und schon ein leichter Fingertip unangenehm ist, aber mein Ph.therapeut, meinte, das sei normal. Nun gut, hatte ich bisher bei keiner Massage, aber wenn er das sagt... Was würde ich also tun, wenn ich nicht mehr lange zu leben hätte?
Auf jeden Fall würde ich versuchen, nur noch Dinge zu tun, die mir Freude machen und Leuten, die mich zu sinnlosen Dingen gängeln wollen, wohl eher den Vogel zeigen. (Würde ich das wirklich?)
Außerdem würde ich mir von der Erbschaft, die ich ja schließlich nicht mitnehmen kann, einen gepflegten Begleiter mit allen Extras eines entsprechenden Services dauermieten. Jemand, der für Geld alles macht, sogar es mit mir auszuhalten, und so professionell und motiviert ist, es sich nicht anmerken zu lassen, daß es nur wegen des Geldes ist. Ehrliche Ware gegen ehrliches Geld, klare Absprachen, keine unbekannten Kommunikationsebenen mit unsichtbaren Fallstricken, keine Psychospiele, keine Eifersucht, keine emotionale Manipulationen, keine Bestrafungen, keine Verurteilungen, keine Angst vor Zurückweisung, keine Gefühlsausschließlichkeiten und keine Besitz- oder Zerstöransprüche, einfach jemand, der mich komplett so sein läßt, wie ich bin. (Würde ich das wirklich tun?)
Vielleicht würde ich auch eine Protestbewegung gegen die fortschreitende Enthaarung unserer Gesellschaft ins Leben rufen und das Internet mit Achselhaarbildern zukleistern. (Würde ich das wirklich?)
Und warum kommen einem solche Ideen eigentlich erst, wenn die übrig bleibende Zeit sich plötzlich spürbar verkürzt? Vielleicht wäre es sogar besser, man bekäme gleich gesagt, wie lange man noch hat, als wenn einem erst Hoffnung gemacht wird, man sich auf dieser Hoffnung ausruht und dann doch alles schief läuft.
Im Wartezimmer meiner Hausärztin. Es wirkt eher wie ein familiäres Zusammentreffen, auch die Ärztin steht entspannt irgendwo herum. Ich habe meinen Befund mitgebracht und ihr gegeben. Während sie liest kommt eine blonde Frau hereingestürmt und fragt, ob es hier zum EKG geht. Aber sicher, sagt die Schwester, etwas verwundert, worauf die Frau sich damit entschuldigt, daß sie völlig von der Decke sei(?), ohne Decke sei (?), was so viel heißt wie "aufgelöst". Die Ärztin verwundert sich über eine Feststellung im Befund, mit der sie nichts anfangen an. Dort steht in einer Zeile einfach nur "Hoffnung". Was soll das heißen, "Hoffnung"? Was ist denn das für ein Befund? Seltsamerweise findet sich diese Aussage auch im Befund anderer Patienten von dieser Radiologie. Die Ärztin weist mich deshalb an, schnell hinaufzugehen und dort nachzufragen, denn die Radiologie befindet sich wenige Stockwerke über der Praxis. Der Weg dorthin gestaltet sich aber schwierig, weil die Treppe nur aus bunt zusammengewürfelten alten und wackligen Möbelstücken besteht. Eine Couch muß erst noch aufgeklappt werden, damit ich darauf überhaupt laufen kann.
der Sturm tobt bereits an seinem Höhepunkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, und muß erkennen, daß der Sturm nur die Vorhut war und das wirkliche Verhängnis erst noch folgt. Und ich wußte es, ich wußte es von Beginn an, doch was soll man tun, wenn man nichts tun kann, es Dinge gibt, die einfach geschehen, als zu hoffen, daß man diesmal vielleicht doch ein kleines bißchen Glück haben würde und nicht wieder einer Täuschung erlegen ist, deren großes Ent unausweichlich ist.
Und dann sind da all die Menschen um einen herum, deren Leben scheinbar mühelos gelingt, aber deren Verhalten mir so fremd ist, daß ich nicht glaube, es jemals als das meine annehmen zu können, da es sich falsch anfühlt, als würde ich damit erst recht unglücklich werden. Und selbst die Menschen, denen man sich nahe fühlt, machen keine Ausnahme, so daß auch sie fremd sind, letztlich.
Wortmeer hat, es muß wohl in ihrem Blog gewesen sein, von dem Gerichtsgebäude und dem Bahnhof in Karmel(?) Karmlan(?) geschwärmt, und da ich nach Feierabend gerade in der Nähe bin, beschließe ich, diesen Ort mir näher anzuschauen. Der Bahnhof ist aus weißem Stein, aber sonst nicht weiter auffällig. Um ihn herum lauern ziemlich zwielichtige Gestalten, die mir nicht sehr sympathisch sind. Ich hoffe, daß sie mich übersehen und suche die Richtung, die mir zusagen würden. An einem Baum ist ein Wegweiser mit der Aufschrift "Sea Point" genagelt. Hm, mir irgendwie unverständlich, denn eigentlich dürfte es hier nirgendwo Wasser geben. Wer weiß, was das ist. Vielleicht eine Kneipe? Aber ich könnte ja einfach mal nachschauen. Nachdem ich eine Weile durch einen relativ unscheinbaren und zugebauten Ort gelaufen bin, tut sich eine Schneise auf und - ich sehe Wasser. Oh, das muß ein kleiner See sein! Doch näher kommend erkenne ich, daß es eine Meeresbucht ist. Durch zwei Felsen hindurch schimmert der offene Horizont des Ozeans. Oh, hier ist das Meer! Warum wußte ich das nicht? Warum hat mir das keiner gesagt?
noch ist er klein, der neue Physiotherapeut. Er sieht aus wie ein Musketier, ist von der zappelig-dynamischen Sorte, etwas älter als der andere, aber jung, und scheint unheimlich gerne zu erzählen, so gern, daß der frühere Physio dagegen fast schon still wirkt. Bereits als ich das Haus betrat, hörte man ihn auf seinen Kollegen enthusiastisch einreden, als sie gerade bei der Mittagspause waren. Bei mir legte er auch gleich los - daß er mit Computern überhaupt nichts anfangen könne, er irgendwo ein Iphone gefunden hat, welches er gleich verkauft hat, da er sowas nicht brauche, er bewege sich lieber und mache Sport, Fußball und Kickboxen. Ursprünglich wollte er wohl Sportjournalist bei einer bekannten Fußballzeitschrift werden und außerdem muß er Bastelfanatiker sein, denn er erzählte über seine Pläne für das Wochenende. Da will er nämlich mehrere Adventskalender basteln und Weihnachtsgeschenke muß er auch noch besorgen. Adventskalender basteln - ok, Adventskalender für seine Freundin - warum nicht, ein Adventskalender für seine Katze - ähm, na gut. Ich habe zwar meiner Katze zu Weihnachten und Ostern Geschenke gemacht, aber ihr einen Adventskalender zu basteln, darauf wäre ich nie im Traum gekommen. Und ich stelle fest, daß Physiotherapeuten anscheinend generell ein starkes Faible für Katzen haben. Weil ich mich von seiner Kreativität stark beeindruckt zeigte, erzählte er auch gleich, wie er für seine Freundin eine Blüte aus Metallfolie gebastelt und angesprayt hat. Seine Freundin arbeitet auf einer Krebsstation (Aua, da ist es wieder, das böse K-Wort. Hätte ich bloß nicht gefragt! Ich reagiere darauf zur Zeit etwas überempfindlich.) Außerdem fragte er mich sofort ausführlich aus, indem er wissen wollte, wo ich wohne, ob ich alleine wohne oder mit Frau (Hä? Ich werde zwar öfters mal mit einem Mann verwechselt, aber als er gefragt hat, war ich bereits ausgezogen.), ob ich Geschwister habe und schon Tante bin. Dann wollte er wissen, ob ich Pläne für Silvester, bzw. Weihnachten habe. Ich habe ihm nicht gesagt, daß ich bisher ausschließlich Pläne bis Freitag habe und mich Weihnachtsgeschenke zur Zeit überhaupt nicht interessieren, denn falls ich Freitag mein Todesurteil erhalte, kann mir der Rest egal sein.
"neugegelter Vorstand" (mit Pomadenfrisuren?)
statt
"neugewählter Vorstand"
Ich war zweimal in meinem Leben als Patient in einem Krankenhaus, nämlich als Kind, als ich noch nicht weglaufen konnte. Beim ersten Mal war ich ca. zweieinhalb bis drei Jahre alt und meine Eltern haben immer behauptet, ich könne mich daran nicht erinnern und bilde mir das nur ein. Stimmt aber nicht. Ich kann mich sehr wohl an einiges erinnern, auch an einiges in diesem Alter, das nicht im Krankenhaus stattfand. Überhaupt neige ich zu der Theorie, daß ein gutes Traumerinnerungsvermögen irgendwie in Beziehung steht zu einem guten Kindheitserinnerungsvermögen. Auch damals fand eine Punktion statt, allerdings eine des Rückenmarks, an die ich mich selbst nicht erinnern kann. Ich weiß nur, daß ich von Ärzten und Schwestern umringt war, meine Mutter darunter, welche zu mir sagte, sie würde wiederkommen und dann verschwand. Später war sie wieder da und hatte meine Hausschuhe und allerhand andere Sachen mitgebracht. Ich wurde in einen riesigen alten Krankenhausflur geschoben, wo ich erst einmal eine Weile im Gitterbettchen an einem Fenster stand, durch welches die Sonne hereinschien. Eine Schwester kam, legte mir eine Tablette hin und sagte, ich solle sie nehmen, wenn ich Kopfschmerzen habe. Ich weiß nicht, ob ich sie genommen habe, denn an meinen gesundheitlichen Zustand kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Ich weiß nicht mehr, ob es mir gut ging oder schlecht, nur die Bilder sind geblieben. Unter anderem ein langer Krankenhausflur, der nach links um die Ecke ging, einige geöffnete Türen, hinter denen man Kinder gesehen hat. Unter ihnen ein schwarzhaariges Mädchen, welches mir seltsam vertraut und bekannt vorkam. Im Nachhinein bin ich aber nicht sicher, ob diese Erinnerung nicht doch nur etwas Hinzugefügtes oder mit späteren Erlebnissen Vermengtes ist. Ich war mit einem anderen Kind in einem Krankenhauszimmer untergebracht. Unsere Gitterbetten standen hintereinander an der linken Wand und man konnte sie sehen, wenn man durch die Glasscheibe in der Tür schaute. Bis auf die Schwestern durfte niemand herein. Auch meine Eltern mußten draußen bleiben, winkten, wenn sie zu Besuch waren, durch die Glasscheibe und zeigten mir neue Teddys oder Puppen, die sie mitgebracht hatten. Zum Essen setzte man uns an getrennte Kindertische im Zimmer. Einmal fragte mich das andere Kind, ob es meine Negerpuppe haben dürfte. Ich gab die Puppe her und als ich sie zurück bekam, hatte sie keine Finger mehr. Gebadet wurden wir in einer Wanne, die an der Wand befestigt war. Eine stämmige Schwester hob uns der Reihe nach hinein, um uns zu waschen. Ich mochte es als Kind nicht, hochgehoben zu werden, egal zu welchem Zweck, weshalb ich immer herumzappelte. Die Schwester schimpfte deshalb mit mir und ich habe dann stillgehalten, allerdings nicht gerne.
Beim zweiten Mal war ich ca. sechs Jahre alt und mir sollten die Mandeln herausgenommen werden. Auf der Station wurden sowohl Mandeln herausgenommen, als auch Ohren angelegt, weshalb viele Kinder mit Kopfverband herumliefen. Im Zimmer waren wir zu viert und es gab einen Aufenthaltsraum, in welchem gegessen und gespielt wurde, allerdings kann ich mich nicht erinnern, daß ich viel gespielt hätte. Zum Abendessen gab es regelmäßig Bananenbrote, und das in der DDR, man stelle sich vor. Allerdings durften diese Brote nicht die mandeloperierten Kinder essen, da Bananen für diese verboten waren. Mich hat das nicht gestört, da mir die Zusammenstellung von Banane auf Brot eh etwas suspekt war, aber ich kann mich an ein Mädchen erinnern, die unbedingt Bananenbrote essen wollte, es auch manchmal schaffte, sich welche zu stibitzen und dann entweder Aua oder Ärger mit den Schwestern oder beides bekam. Die Operation fand mit einer ganzen "Ladung" Kinder in einem Durchgang statt. Dazu wurden wir zu zweit auf Transportliegen geschnallt, d.h. ich hatte die Füße des anderen Kindes an meinem Kopf und dieses hatte wiederum meine Füße an seinem Kopf. Dann wurden wir in Fahrzeuge verladen, irgendwo wieder ausgeladen und in ein Wartezimmer mit "Wartebetten" gebracht. Auch in diesen Betten waren wir jeweils zu zweit. Während wir warteten wurde auf einer Liege ein älterer Mann mit Zickenbart hereingeschoben, dem es wohl sehr schlecht ging, denn eine Nierenschale stand unter seinem Kinn. Durch Gerüchte und Gemurmel erfuhr ich, daß dies der bekannte
Schneidermeister Nadelöhr aus dem Kinderfernsehen ist. Ich war mir nie ganz sicher, ob die Gerüchte stimmten, aber da der Schauspieler 1976 gestorben ist, würde es genau passen.
Schließlich wurde ich aus dem Bett gehoben und in das Operationszimmer getragen. Auch jetzt zappelte ich natürlich wieder herum, da ich es nicht mochte hochgehoben zu werden, so daß mich der Arzt ermahnen mußte, still zu halten, er würde mich schon nicht fallen lassen. Ich wurde auf den Operationstisch gelegt, bekam eine Nadel in die Hand, sollte in einen Ballon atmen und dann weiß ich nichts mehr. Auch auf der Rückfahrt muß ich wohl noch unter Narkose gestanden haben, denn ich kann mich nicht erinnern, wie ich zurückgekommen bin. Nach der Operation war Trinken anscheinend verboten, jedenfalls bekam ich in der Nacht so großen Durst, daß ich barfuß zum Waschbecken im Zimmer tappte und Leitungswasser trank. Die anderen Kinder ermahnten mich und sagten, das dürfe ich nicht, doch das war mir in diesem Moment egal. Allerdings übersah ich, daß ich wässrige Fußspuren vom Waschbecken bis zu meinem Bett hinterlassen hatte. Als die Schwester wenig später noch einmal in das Zimmer kam und die Fußspuren sah, wurde sie sehr ärgerlich und "versprach" mir, gleich mit einer großen Spritze wiederzukommen. Das habe ich natürlich geglaubt und die halbe Nacht vor Angst wach gelegen. Am nächsten Tag wurde ich nochmals bestraft, nämlich damit, daß meine Stimme weg war und ich keinen Ton mehr herausbekommen habe. Die anderen Kinder ärgerten mich, indem sie mir Fragen stellten oder mich aufforderten, etwas zu sagen, worauf ich allerdings nur mit einem hilflosen Krächzen reagieren konnte. Irgendwann, Tage später, blickte ich durch das Fenster des Aufenthaltsraumes und sah zwei vertraute Gestalten sich der Klinik nähern. Es waren meine Eltern, die mich Abholen kamen. Die Freude hätte nicht größer sein können.
Meine Katze ist nirgends zu finden. Alles locken und rufen bringt sie nicht zum Vorschein und auch ihre Lieblingsplätze sind leer. Ist sie tot? Oder hat sie sich irgendwo verkrochen, um in Ruhe zu sterben? Ich suche sie überall und finde sie schließlich unter dem Sofa sitzend, nur ihre Augen bewegen sich leicht. Sie lebt also noch, sieht aber krank aus. Im Kühlschrank finde ich eine frische Forelle und lege ihr ein Stückchen davon auf einen Teller. Sie frißt auch davon, muß aber bald darauf erbrechen. O je, wenn ich nur wüßte, was hilft. Stirbt sie oder wird sie wieder gesund?
Eine Auseinandersetzung mit Herrn N., die ich spielerisch angehe und die ihn in dieser Weise zu amüsieren scheint. Sämtliche Kollegen, die das mitbekommen, geben mir recht und unterstützen mich in Gegenwart von ihm. Das überrascht mich, denn normalerweise redet ihm lieber jeder nach dem Mund. Eine Kollegin sagt scherzhaft etwas ziemlich Gemeines zu ihm, was ihn tatsächlich zu verletzen scheint. Sehe ich ihn im Augenwinkel ein Tränchen verdrücken? Ok, das war jetzt wirklich unschön von der Kollegin, allerdings kann er manchmal ebenfalls sehr verletzend sein.
Langsam erwache ich, kann jedoch nicht so recht ausmachen, wo ich mich befinde. Kann es sein, daß ich in irgendeiner Ecke des Büros liege und schlafe? Das ist mir ja irgendwie unangenehm, alledings schaffe ich es kaum, richtig zu mir zu kommen. Herr N. wartet geduldig am Schreibtisch, kommt aber sofort, als er merkt, daß ich aufgewacht bin, mit einigen Akten an mich heran und drückt mir diese in die Hand. Darunter zwei mit Erstattungen, wie ich mit verschwommenen Blick bemerke, die ich wohl unterschreiben soll. Dies tue ich, doch die dritte Akte ist eine abgeschlossene mit dem Namen "Birte Bichler". Hm, solch eine Buchstabenkombination gehörte nie zu meinem Sachgebiet. Was soll ich also damit? Nur sehr langsam werde ich klarer, stehe auf und bemerke die vielen Veränderungen im Büro. Mein Schreibtisch ist vollkommen leer geräumt. Als ich Herrn N. frage, wo meine Sachen sind, zeigt er auf irgendeine Ecke. Die Schränke mit den Vorbänden sind alle verschwunden. Ich erfahre, daß es wohl nun eine Stelle gibt, wo man dieses abgibt oder holen kann, aber allein nicht mehr herankommt. Doch auch die Aktenanzahl ist stark geschrumpft. Ich sehe eigentlich kaum noch welche hängen. Eine Dienstberatung soll stattfinden und mit Erstaunen betrachte ich die vielen neuen Gesichter unter den Kollegen, aber auch einige frühere sind dabei. Kollege K.F., sowie Sch., Herr N. natürlich und A. M., die anderen kenne ich nicht. Von der Chefin Frau G. ist weit und breit nichts mehr zu sehen.
Wieder erwache und weiß überhaupt nicht, wo ich mich befinde. Bin ich immer noch im Büro? Es ist merkwürdig still hier, nirgendwo jemand zu sehen. Im Zimmer befinden sich zwei Fensterwände und befremded fällt mir auf, daß, schaue ich aus dem Fenster links von mir, die Sonne scheint, aber auf der Seite der längeren Fensterwand, welcher noch eine Art gläserner Wintergarten vorgebaut ist, ein furchtbarer Sturm wütet. Doch erst einmal gilt meinem Nachdenken der Frage, wo ich eigentlich bin. Schließlich entscheide ich, daß dies wohl das alte Bürohaus sein muß, in dem ich früher gearbeitet habe, wenn auch einiges etwas anders aussieht. Im Wintergarten werden riesige rote und gelbe trichterförmige Blüten, die ich als Petunien identifizieren würde, durch den Sturm hin- und hergerissen. Sie sind auffällig groß, vielleicht eine besondere Sorte. Regen klatscht gegen die Scheiben. Durch das andere Fenster sehe ich ein Gebäude, welches im strahlenden Sonnenschein dem Pergamon-Museum ähnelt. Aber irgendetwas ist anders. In den stämmigen Mauern befindet sich nun seitlich hoch oben ein Eingang, zu dem eine Treppe führt. Das ist interessant. Ich nehme mir vor, mir alles ganz genau einzuprägen, was ich hier sehe, damit ich es später in meinem Blog niederschreiben kann. Vielleicht ist es ja die Zukunft. Trotzdem ist es in dem bisher leeren Haus irgendwie unheimlich, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich tatsächlich jemanden treffen möchte. Wer weiß, was das für Personen oder Kreaturen wären. Im Hintergrund nehme ich nun noch so eine Art spannungssteigernder Filmmusik wie aus Thrillern wahr und das nervt mich. Was soll der Scheiß? Damit wird mir extra noch Angst gemacht, auch wenn dann gar nichts passiert. Ich lenke mich mit der Idee ab, nackt im Regen spazieren zu gehen. Darauf hätte ich jetzt wirklich Lust und von der Idee bin ich so begeistert, daß mir ziemlich egal ist, ob ich jemanden treffe. Nackt gehe ich durch den Wintergarten auf eine Veranda hinaus, und umrunde auf dieser das Haus, den stürmischen Regen auf meiner Haut genießend. Wundervoll. Jetzt jemanden zu treffen wäre zwar blöd, aber nicht weiter schlimm. Tatsächlich sehe ich nun wie einen Schemen eine ältere Frau irgendwo in einem Flur vorbeihuschen. Sie sieht mich, scheint sich aber nicht weiter über mich zu wundern. Ok, das macht mir Mut, mal das Innere des Hauses zu erforschen. Ich gehe eine schmalen dunklen Gang hindurch und komme auf einen anderen Flur. Hier läuft mir ebenfalls eine Frau über den Weg und ich sage "Guten Tag" als würde ich hier ganz selbstverständlich hingehören. Sie grüßt zurück und scheint alles normal zu finden. Eine Treppe hinuntergehend bemerke ich einige Leute hinter mir auf dem nächst höheren Treppenabsatz. Aus irgendeinem Grund sind sie mir suspekt und ich möchte nicht, daß sie mich sehen, weshalb ich immer schneller die Treppen hinunterlaufe, um ihnen jeweils eine Etage voraus zu sein. Im Keller angekommen betrete ich einen Raum, der eine An- oder Ausgabestelle zu sein scheint, vielleicht sogar die für die Akten-Vorbände. Stutzig macht mich die Person hinter der Theke - SIE HAT KEINEN KOPF! Sogar der Halsansatz fehlt. Der Körper endet gerade mit den Schultern. Ach herrje, was mache ich jetzt? Trotzdem ansprechen? Derjenige könnte es unhöflich finden, wenn ich einfach nur dumm glotze. Also frage ich etwas und bekomme tatsächlich Antwort, wenn ich auch nicht ausmachen kann, woher die Stimme kommt, denn die Person hat ja keinen Mund. Und ich erwache.
Ich hätte nicht gedacht, daß alles sooo schnell über die Bühne gehen würde. Fast hätte ich vormittags die Sprechzeit von meiner Ärztin "verschlafen", so nach dem Motto, den Kopf tief ins Kopfkissen stecken und alles vergessen. Geschafft habe ich es schließlich doch, hinzugehen. Die Ärztin meinte, sie würde mich gerne heute noch in die Klinik zur Biopsie schicken. Da die Sprechstunde dort inzwischen vorbei war, hat sie extra angerufen und ich durfte kommen. Mir wird ja bereits leicht übel, wenn ich ein Klinikgelände betrete, aber die Ärztin und die Schwester, von denen ich zuerst empfangen wurde, waren sehr freundlich. Nachdem ich nochmals untersucht wurde, brachte mich die Schwester zur entsprechenden Abteilung für die Gewebsentnahme und setzte mich dort aus, im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich fragte mich, ob ich jemals wieder den Ausgang finden würde, was dann aber doch einfacher war, als es anfangs aussah. Die Biopsie führten der Chefarzt, eine Assistenzärztin und eine Schwester aus, die zwar nicht direkt unfreundlich, aber sagen wir, sehr beschäftigt waren. Der Chefarzt klatschte mir gleich zur Begrüßung elanvoll das Gel auf die falsche Brust, weshalb ich mich schüchtern zu Wort meldete: "Ähm, es ist aber die andere!" Darauf guckten alle etwas verdutzt und betreten, lachten, die Schwester mußte noch einmal mit dem Gel kommen, und der Chefarzt sonografierte alibimäßig etwas an der falschen Brust herum mit dem Ergebnis: "Da hätten wir auch nix gefunden." Genauso habe ich mir das immer vorgestellt: Da kommt man ins Krankenhaus und es wird das gesunde Bein statt des kranken Beines amputiert. Man ist ja schon froh, wenn man nicht so weit narkotisiert ist, daß man nicht mehr in der Lage dazu ist, Einspruch zu erheben. Wenigstens wirkte die Betäubung einwandfrei, aber ich glaube, ich bin nach dem Eingriff etwas zu eilig aus der Klinik geflüchtet, denn mir war doch ziemlich schwummrig. Es fühlte sich an, wie auf Wolken zu gehen, allerdings gepaart mit einer extremen Überempfindlichkeit, welche mich innerlich bereits in die Luft gehen ließ, wenn ich nur das Stöckeln von Frauenschuhen um mich herum vernahm.
Da meine Ärztin erst gesagt hatte, daß der Knoten evtl. gleich bei der Biopsie ganz entfernt wird, hatte ich deshalb vorher gefragt, denn das wäre optimal. Aber es wurde verneint und ich fragte, ob denn so ein Knoten vielleicht trotzdem ambulant entnommen wird. Auch dies wurde verneint. Die Ärztin guckte stattdessen ein bißchen komisch und meinte, wenigstens über Nacht sollte ich dann schon bleiben, so eine Brustoperation sei nicht ohne. Ich habe noch nie in meinem Leben eine Brustoperation gewollt, niemals. Aber das endgültige Ergebnis und was weiter passiert erfahre ich erst am Freitag.
mag ich Sonntage. Sie sind sogar mein liebster Wochentag. In der Regel sehne ich aber auch die Woche nicht herbei. Das tue ich immer noch nicht, doch wenn Sonntage nur das Wartezimmer für die kommenden Tage sind, können sie so grausam sein. Die Nacht vor der Schlacht. Und der Anrufbeantworter mahnt streng: "Bitte sprechen Sie NUR, wenn es wichtig ist! Danke!" Sind Geburtstagsgrüße wichtig?
durch vor Angst, kann schon gar nicht mehr unterscheiden, welche der vielen verschiedenen Befürchtungen die schlimmste ist. Ein einziger filziger bitterer Knoten, der mich nach Luft schnappen läßt wie ein Silvesterkarpfen auf dem Trockenen. Könnte bitte mal jemand die folgende Woche aus dem Kalender streichen? Oder noch besser, die Zeit anhalten? Mich in einen hundertjährigen tiefen Schlaf versetzen?