Alien
Es ist eine neuere Version von  AlienInsideTwoday  verfügbar!  Aktualisieren  Jetzt nicht!
© 2018-2023 NeonWilderness

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Ich hatte gedacht,

wenn mehr als zwei Stunden Zeit zwischen Blutbildkontrolle und Physiotherapie sind, würde das vollkommen reichen. Ich konnte ja nicht ahnen, daß Labor und Nachgespräch so "gemütlich" ablaufen würden. Die Schwestern haben sich auch extra viel Zeit gelassen - noch ein Klebchen, und noch ein Kärtchen, dreimal Termine diktiert, geändert und wieder diktiert. In der Praxis scheint so nicht viel los zu sein, vielleicht ist das der Grund. Und wahrscheinlich haben die Patienten normalerweise alle viel Zeit. Wenn ich in meinem Job so arbeiten würde, hätte mich der Mob vor der Tür schon massakriert. Aber sehr nett, doch trampeln mußte ich zum Schluß trotzdem, ungern, und letztendlich war ich eine halbe Stunde zu spät bei der Physiotherapie. Deshalb durfte ich mir erst einmal eine Standpauke meines Physiotherapeuten anhören und die zweite folgte sogleich, als er bemängelte, daß ich nur einen Pullover über der Haut trage. Ich solle doch unbedingt meine "Nierchen" schön einpacken, das sei wichtig, besonders bei Frauen. Und weder Massage, noch Wärmepackung, noch Decke haben gereicht, mich vollständig nach dem Laufen im eisigen Wind wieder aufzutauen - das Problem waren dabei aber nicht der Oberkörper, sondern vor allem die Hände, die es beim Einkauf danach noch einmal besonders übel traf. Man vergißt so schnell, wie kalt -8 Celsius sein können, wenn man keine Handschuhe dabei hat.

Traumsplitter

Seigneur ist wieder da. Allerdings nur um zu schreiben, daß er dabei ist, sein gesamtes Leben und seine Wohnung aufzulösen. Was ist passiert?

Dienstag, 30. November 2010

Ein Bad gewagt,

ein Basenbad, dreistündig, und es hat wahre Wunder gewirkt. Sogar mein Blutdruck scheint wieder normal zu sein und ich fühle mich fast wiederhergestellt. Ich habe zwar Basenbäder auch vorher schon gemacht, allerdings so direkte positive Wirkungen bisher nicht erlebt. Bei der Gelegenheit die Verbände gelöst, der Port sieht aus wie ein Buckel am Schlüsselbein, toll. Und zwei Narben mehr. Nun ja, man kann nie genug Narben haben, waren sicher nicht die letzten.

Außerdem habe ich von einer Kollegin erfahren, daß unsere Leiterin wohl ein Verhältnis mit jemanden hat, der gerade erst von der Schule zu uns gekommen ist. Ich hatte mich schon gewundert, warum der sofort Teamleiter werden und zwei Gehaltsgruppen nach oben befördert werden soll. Das erklärt natürlich einiges. Ich hätte mal damals auch mit meinem verheirateten Leiter schlafen sollen. Abgeneigt war der nicht, jedenfalls hatte ich immmer das Gezicke seiner anderen Aufrisse am Hals. Doch wenn ich heute sehe, wie die aussieht, die das getan hat, als Geliebte aufgestiegen und dann in der Klapse gelandet ist - ach nö, es ist doch immer derselbe Schnee mit Männern. Finger weg.

Montag, 29. November 2010

Traumsplitter

Da ist ein vertrauter Mann. Wir befinden uns in einiger Distanz zueinander und auch gefühlsmäßig herrscht zwischen uns Distanz. Es scheint, daß er die Lust an mir verloren hat. Es läuft wohl auf eine Trennung hinaus. Während wir uns unterhalten, schmilzt die Distanz zusehends und schließlich kehrt mit behutsamen Zärtlichkeiten und Umarmungen auch das Gefühl zurück. Er sagt, daß er mich nicht verlässt. Gemeinsam gehen wir eine Straße entlang, die voller wandernder, dunkelroter Tomaten ist. Diese rollen selbständig wie ein lebendes Tomatenmeer voran, jede Größe ist vertreten. Einige sind klein wie Beeren, andere groß wie Pezzibälle. Wir versuchen immer in der Nähe der schönsten Tomaten zu bleiben, um uns diese zu sichern, und auf denen, die groß wie Pezzibälle sind, ruhen wir uns zwischendurch aus.

Sonntag, 28. November 2010

...

...

Der Klinikmoloch

hat mich wieder ausgespuckt. Ich habe zwar auch von anderen Seiten gehört, daß dies eine der besseren Kliniken ist, es gibt viele bemühte Schwestern und Ärzte, es wird sogar selbst gekocht, so daß das Essen genießbar ist, aber Maschinerie bleibt Maschinerie. Die Chirurgen operieren in zwei Schichten und wenn es spät abends ist und sie keine Lust oder keine ruhige Hand mehr haben, wird halt schnell mal ein Bauchschnitt gemacht, statt, wie vorgesehen durch den Bauchnabel zu operieren, so geschehen bei einer "Mitinsassin", welche vorher noch stundenlang ohne Essen und Trinken auf die Operation warten mußte. Bei mir haben sie bei der ersten Operation den Port vergessen, so daß ich am Tag darauf gleich noch einmal unter das Messer mußte und am selben Tag auch die Chemotherapie bekam. Man denkt, sowas überstehen nur Pferde, vielleicht habe ich ja eine Pferdenatur, jedenfalls wurde bei einer Patientin, die am gleichen Tag mit der gleichen Diagnose ins Krankenhaus kam, beide Operationen mit einem Mal vorgenommen und trotzdem mußte sie noch länger im Krankenhaus bleiben, um auf ihre Chemo zu warten. Dieselbe Patientin hatte sogar ein Einzelzimmer, was sie erst sehr verwunderte, allerdings wurde der Haken daran bald klar: in der Nähe lag eine demente Patientin, welche dauernd lauthals herumrandalierte. In meinem 4-Bett-Zimmer direkt gegenüber der Küche und an der Eingangstür zur Station, war es natürlich nicht besser. Immerhin war das Zimmer nur am ersten Tag voll belegt, danach waren wir zu zweit, mit einigen "Zwischengelagerten", die am selben Tag wieder verschwanden. Am ersten Tag war jedoch sowieso noch nicht viel mit ausruhen, denn da wurde ich überall in der Klinik herumgeschickt und mit der obigen Leidensgenossin bis in die Charite und wieder zurückgefahren. Ein wenig fühlte ich mich an Kafkas "Das Schloß" erinnert, wenn ich erst dahin, dann dorthin geschickt wurde - überall saßen neue Menschlein in ihren medizinischen Kämmerchen und schauten mich über ihre Brille hinweg an. Beim Lungenröntgen wurde mir mitgeteilt, daß ich eine sehr lange Lunge hätte und dies bei künftigen Röntgenterminen sagen soll, damit die Platte hochkant genommen wird. Dann zum EKG und zur Anästhesieärztin. Ins Taxi verfrachtet und zur Nuklearmedizin, wo zwei Ärzte mir irgendein strahlendes Zeug in die Brustwarze spritzten, während ich auf einer so schmalen Pritsche lag, daß mir gar nicht klar ist, wie sie wohl korpulentere Typen als mich dort verarzten. Der Arzt hörte gar nicht mehr auf in meine Brustwarze zu pieken, so daß mir auf der Zunge lag, er soll mir doch gleich ein Brustwarzenpiercing verpassen, wenn er schon dabei ist. Ja, am ersten Tag war mir noch nach Scherzen zumute, das sollte sich aber schnell legen. Und die beiden Ärzte sahen nicht so aus, als ob sie den Scherz verstanden hätten. Dafür scheinen aber die meisten Schwestern in der Charite mit original Berliner Mutterwitz gesegnet zu sein. Überhaupt hätte ich nie gedacht, daß ich bei meiner Körbchengröße einmal den Spitznamen "die Brust" tragen würde. Doch genauso wurde ich genannt. Schon die Stationsärztin kam noch einmal auf den letzten Termin zu sprechen, als sie mich für eine gynäkologische Untersuchung auf die Toilette schicken wollte, aber dann an meinem Gesicht gesehen hat, wie sie meinte: "Upps, das muß wohl eine Brust sein." Später in der Zentral-Sterilisation/Zentral-OP, während man noch in den grün gekachelten Vorhöllen der Anästhesisten liegt, hört man im Hintergrund aus dem Flur Rufe wie: "Drei Gebärmütter, zwei Eierstöcke, ein Abdomen, eine Brust..." usw. usf. Dort in dieser Vorhölle am zweiten Tag, war eine sehr nette Anästhesieschwester, welche mich aus klugen, wachen und gütigen Augen durch eine Brille hinweg aufmerksam ansah, an den Ohren zwei blitzende Straßblüten, und mir erzählte, wie erschreckend es doch sei, wieviele Leute bereits Drogenerfahrungen gemacht hätten und so kurz vor der Operation Angst um ihr Leben bekämen und beichten. Vermutlich wollte sie mich animieren, ebenfalls zu beichten, vielleicht, weil ich wie ein Junkie aussehe, den Gefallen konnte ich ihr allerdings nicht tun. Der Narkosearzt, der dann kam, hatte Augenränder groß wie Wagenräder und sah aus, als sei er gerade selbst aus dem Koma erwacht. Danach folgte der schönste Teil meines Krankenhausaufenthaltes, nämlich die Narkose. Als ich durch den Satz "Fr. XY, wenn Sie jetzt atmen, lassen wir Sie in Ruhe!" aus der warmen weichen Dunkelheit geholt wurde und mir im selben Moment klar wurde, wo ich bin und weshalb, fühlte es sich an, wie die Vertreibung aus dem Paradies. Sofort kullerten mir die Tränen aus den Augenwinkeln und ich versuchte, durch das Schließen der Augen und das Abwenden des Kopfes etwas von der Dunkelheit zurückzuholen. Die Anästhesieleute standen um mich herum und fragten dauernd: "Ist Ihnen schlecht? Haben Sie Schmerzen? Sie sehen so blaß aus.", während ich nur mit dem Kopf schüttelte. Was soll man auch sagen? Bitte schläfert mich ein, ich möchte nicht wieder aufwachen? Ich wurde zurück ins Zimmer gebracht, wo ich mit Operationsdecken und auf leeren Kanülen im Bett die Nacht verbrachte, was mir aber ziemlich egal war, da ich bereits ahnte, daß ich am nächsten Tag noch einmal an der Reihe sein würde, denn ein Port war nirgends zu spüren. So war es dann auch, nur daß ich vorher noch von einem sehr jungen netten Zivi im Rollstuhl mit dem Operationskittel vom letzten Tag, Bademantel und Kompressionsstrümpfen zum Herz- und Bauchecho gefahren wurde. Da habe ich mich mindestens wie 80 gefühlt und warum die Ärzte mich alle so komisch angeguckt haben, war mir erst klar, als ich meine Brust selbst gesehen habe. Sie sah aus, als hätte ich eine Indianerbemalung. Auf den grünen Fleck der Biopsie, folgte das Blau auf der Brustwarze von der Operation, das Rot des Desinfektionsmittels und später noch die schwarze Markierung, die mir die Ärztin raufgemalt hat. Danach wieder in die Vorhölle nur bekam ich diesmal keine Vollnarkose, sondern nur örtliche Betäubung und ein Schlafmittel, welches leider nicht lange genug reichte, so daß ich während des Eingriffs erwachte und alles merkte. Es hieß zwar, es wird Betäubung nachgespritzt, gespürt habe ich davon nichts. Nach nicht viel Zeit zum Erholen, in der mir eine der netteren Schwestern einen Obstteller organisierte, folgte abends die stundenlange Chemoinfusion mit einer nicht sehr angenehmen Nacht. Kopfschmerzen kamen sofort, Übelkeit, Heißhunger in der Nacht mit morgendlichem Erbrechen. Ich erhielt diverse Medikamente, die das schnell besserten, aber während ich noch am Tropf zum Aufpäppeln hing, bekam ich schon meine Entlassungspapiere. Immerhin erlaubten die Schwestern mir, noch bis nachmittags liegen zu bleiben und auch meine Zimmergenossin meinte, ich solle einfach da bleiben, denn sie wollte nicht alleine sein und am Wochenende würden sie ihre Betten anscheinend eh nicht brauchen. Zum Glück ging es mir nachmittags soweit, daß ich endlich nach Hause konnte. Mittwoch muß ich schon wieder in die Ambulanz zur Blutbildkontrolle und habe später Physiotherapie-Termin. Ich weiß allerdings nicht, wie ich mir mit dem noch immer schmerzenden Port an der rechten Schulter bis dahin die Haare waschen soll. Da wünscht man sich fast, die würden gleich ausgehen, damit man wenigstens dieses Problem los ist.

Dienstag, 23. November 2010

Ich will nicht

ins Krankenhaus. Ich brauche erst einmal hundert Jahre Verhaltenstherapie damit ich meine Krankenhausphobie überwinde und einen Schritt hinein tue. Mein Physio.th. meint, die Klinik sei gut und die Ärzte hätten dort was drauf. Er war wohl einmal in den Semesterferien dort arbeiten. Und mein Bruder meint, daß sie mir da nicht den Kopf abreißen. Hat der eine Ahnung. Ich habe schon Leute mit einem Beinbruch in die Klinik gehen sehen, die nicht mehr zurückgekommen sind. Und das Wetter macht die Tage und Nächte noch dunkler und kälter. Aber ich glaube, wären es 20 Grad und die Sonne schiene, hätte ich auch etwas dagegen, denn dann würde ich mich fühlen, als würde es mich nicht geben. Durch den Physio.th. habe ich heute erst erfahren, daß nächster Sonntag bereits der erste Advent ist. Mir war ja schon lange klar, daß Weihnachten dieses Jahr ausfällt, aber ich dachte immer, hätte ich Silvester diesem Jahr erst einen A...tritt gegeben, würde alles gut werden. Wird wohl doch noch länger dauern.

Montag, 22. November 2010

Wortschätze

Manche Worte wünscht ich
einzig für mich allein,
Kostbarkeiten, gehütet
im unsichtbaren Samt
der "Mir zu Dir" - Magie,
so lebendig und zart,
voller Zeichen und Wunder.
Und das Wunder der
Zeichensetzung
läßt mich deine Kommas lieben
- die falschen, genau
an der richtigen Stelle -
und die Punkte begehren,
die mir mehr versprechen.
Und ich wünschte,
sie würden nicht vegehen
wie all die Liebesschwüre
in erloschener Ofen-Asche.

Sonntag, 21. November 2010

Fehlhoffnung

Gerade eben die Nummer der Stationsärztin auf dem Handydisplay als entgangener Anruf. Sofort ratterte durch meinen Kopf, wenn sie Sonntag anruft - wobei sie IMMER im Krankenhaus zu sein scheint, ich glaube, sie wohnt da - , muß es wichtig sein. Fehldiagnose? Verwechslung der Krankenakten? Kommando zurück? April, April? Doch nein, irgendjemand hatte angerufen und sie dachte, ich sei es gewesen.

Und was macht man so,

wenn man im Schwarz sitzt, die Endlichkeit und die Fehlbarkeit der Menschen drohend über einem, und nicht weiß, ob die Hauptaufgabe für das nächste halbe Jahr das Kotzen sein wird? Die Steuererklärung.
Ich hoffe ja, daß man wenigstens mal Urlaub zwischendurch bekommt. Ich wollte zwar immer viel Zeit haben, allerdings hatte ich wohl vergessen zu erwähnen, daß ich die nicht auf dem Klo verbringen wollte.

Samstag, 20. November 2010

...

So große Angst, so dunkle und kalte Nächte, nie länger als jetzt - ich merk schon, die Nächte werden das schlimmste - und der Wunsch nach dem einen Gesicht, nach dem Blick, der mich trotz allem glücklich machen würde, der Wärme dieses anderen Körpers.

Freitag, 19. November 2010

Ich doch.

Ich doch. Ich hätte es nie für möglich gehalten. Mit zittrigen Knien in der Klinik, mußte ich erst noch eine ganze Weile im Aufenthaltsraum der Station warten, hörte aus Gesprächen an den Tischen mal wieder von "Vergeßlichkeiten" der Schwestern, schaute mir die Gestalten in den Fluren mit Infusionsschläuchen, Kompressionsstrümpfen und Bademänteln an, und dachte bei mir - nein, hier willst du nicht hin. Als die Ärztin kam, wollte sie mich erst einmal auf Toilette schicken. Ich etwas verwirrt: "Hä? Mich? Auf Toilette?" und da merkte sie erst, daß sie sich wohl vertan hatte und ließ sich erklären, warum ich da bin. Die Ärztin ist zwar wirklich nett, und ich kann ja auch verstehen, daß man, wenn man jeden Tag zig verschiedene Patienten sieht und trifft, sich nicht jedes Gesicht und jede Diagnose merken kann, aber besonderes Vertrauen macht das nicht gerade.
Dann bekam ich die Diagnose und auch gleich den Plan für nächste Woche: Krankenhausaufnahme, Krankenwagenfahrt in die Charite und zurück (das in Zeiten der Terrorwarnungen), Donnerstag ebenfalls Termine und Freitag die erste Chemo. Am Wochenende dann wohl wieder zu Hause, aber mit dem "Versprechen", daß man Perücken und übelkeitsmindernde Medikamente für mich bereithalten würde. Toll, ich hasse Perücken. Das Wochenende wird sicherlich bombastisch, Weihnachten auch, und überhaupt. Kurz vor Ende des verflixten Jahres, erwischt es einen noch, und das so richtig. Als ich dann den langen ungemütlichen Krankenhausflur zurückging, inzwischen mit Tränen in den Augen, traf ich kurioserweise zufällig eine Arbeitskollegin, welche genau zu dieser Zeit dort in der Klinik wegen Rheuma liegt. Wir guckten uns erst etwas ungläubig an und ich erzählte ihr alles. Wir setzen uns und sie tröstete mich sehr lieb, indem sie mir alle Schauspielerinnen und Sängerinnen aufzählte, die das hatten und immer noch herumhüpfen, wie wir feststellten. Doch jetzt geht es weiter mit Hiobsbotschaften verteilen. Meine Mutter ist am Telefon fast zusammengebrochen, ich dachte schon, ich muß noch hinfahren, meine Chefin wird am Montag sicher auch nicht sehr erfreut sein, wenn ich vorläufig nicht mehr auftauche, die Termine beim Physiotherapeuten muß ich absagen und weiß noch gar nicht so richtig, ob ich während der Chemo in der Lage bin, weitere Termine wahrzunehmen. Und ich hasse Krankenhäuser.

vergelesen

Beim Lesen des Aufklärungsblattes:

"geliebte Patientin"

statt

"geehrte, liebe Patientin"

Wollte mich schon gerade wundern. So doll lieb haben die mich in der Klinik bestimmt nicht.

Donnerstag, 18. November 2010

Was würdest du tun,

wenn du nur noch....., jedenfalls nicht mehr lange zu leben hättest? Eine Frage, die mich aus gegebenem Anlass zur Zeit häufiger beschäftigt. Gerade liege ich auf dem Bauch, und denke mal wieder darüber nach, auf dem Bauch deshalb, weil ich mich nach den Massagen gestern und heute fühle, als hätte mich jemand durchgeprügelt. Die Beckenknochen am Kreuz schmerzen so, daß ich kaum auf dem Rücken liegen kann und schon ein leichter Fingertip unangenehm ist, aber mein Ph.therapeut, meinte, das sei normal. Nun gut, hatte ich bisher bei keiner Massage, aber wenn er das sagt... Was würde ich also tun, wenn ich nicht mehr lange zu leben hätte?
Auf jeden Fall würde ich versuchen, nur noch Dinge zu tun, die mir Freude machen und Leuten, die mich zu sinnlosen Dingen gängeln wollen, wohl eher den Vogel zeigen. (Würde ich das wirklich?)
Außerdem würde ich mir von der Erbschaft, die ich ja schließlich nicht mitnehmen kann, einen gepflegten Begleiter mit allen Extras eines entsprechenden Services dauermieten. Jemand, der für Geld alles macht, sogar es mit mir auszuhalten, und so professionell und motiviert ist, es sich nicht anmerken zu lassen, daß es nur wegen des Geldes ist. Ehrliche Ware gegen ehrliches Geld, klare Absprachen, keine unbekannten Kommunikationsebenen mit unsichtbaren Fallstricken, keine Psychospiele, keine Eifersucht, keine emotionale Manipulationen, keine Bestrafungen, keine Verurteilungen, keine Angst vor Zurückweisung, keine Gefühlsausschließlichkeiten und keine Besitz- oder Zerstöransprüche, einfach jemand, der mich komplett so sein läßt, wie ich bin. (Würde ich das wirklich tun?)
Vielleicht würde ich auch eine Protestbewegung gegen die fortschreitende Enthaarung unserer Gesellschaft ins Leben rufen und das Internet mit Achselhaarbildern zukleistern. (Würde ich das wirklich?)
Und warum kommen einem solche Ideen eigentlich erst, wenn die übrig bleibende Zeit sich plötzlich spürbar verkürzt? Vielleicht wäre es sogar besser, man bekäme gleich gesagt, wie lange man noch hat, als wenn einem erst Hoffnung gemacht wird, man sich auf dieser Hoffnung ausruht und dann doch alles schief läuft.

Traumsplitter

Im Wartezimmer meiner Hausärztin. Es wirkt eher wie ein familiäres Zusammentreffen, auch die Ärztin steht entspannt irgendwo herum. Ich habe meinen Befund mitgebracht und ihr gegeben. Während sie liest kommt eine blonde Frau hereingestürmt und fragt, ob es hier zum EKG geht. Aber sicher, sagt die Schwester, etwas verwundert, worauf die Frau sich damit entschuldigt, daß sie völlig von der Decke sei(?), ohne Decke sei (?), was so viel heißt wie "aufgelöst". Die Ärztin verwundert sich über eine Feststellung im Befund, mit der sie nichts anfangen an. Dort steht in einer Zeile einfach nur "Hoffnung". Was soll das heißen, "Hoffnung"? Was ist denn das für ein Befund? Seltsamerweise findet sich diese Aussage auch im Befund anderer Patienten von dieser Radiologie. Die Ärztin weist mich deshalb an, schnell hinaufzugehen und dort nachzufragen, denn die Radiologie befindet sich wenige Stockwerke über der Praxis. Der Weg dorthin gestaltet sich aber schwierig, weil die Treppe nur aus bunt zusammengewürfelten alten und wackligen Möbelstücken besteht. Eine Couch muß erst noch aufgeklappt werden, damit ich darauf überhaupt laufen kann.

Und da denkt man,

der Sturm tobt bereits an seinem Höhepunkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, und muß erkennen, daß der Sturm nur die Vorhut war und das wirkliche Verhängnis erst noch folgt. Und ich wußte es, ich wußte es von Beginn an, doch was soll man tun, wenn man nichts tun kann, es Dinge gibt, die einfach geschehen, als zu hoffen, daß man diesmal vielleicht doch ein kleines bißchen Glück haben würde und nicht wieder einer Täuschung erlegen ist, deren großes Ent unausweichlich ist.

Und dann sind da all die Menschen um einen herum, deren Leben scheinbar mühelos gelingt, aber deren Verhalten mir so fremd ist, daß ich nicht glaube, es jemals als das meine annehmen zu können, da es sich falsch anfühlt, als würde ich damit erst recht unglücklich werden. Und selbst die Menschen, denen man sich nahe fühlt, machen keine Ausnahme, so daß auch sie fremd sind, letztlich.