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Sonntag, 19. Dezember 2010

...

Worte fand ich,
dahingeworfen wie Almosen,
von dir und deiner Liebe.
Worte träumt ich, die ich fand,
dahingeworfen wie Almosen,
von dir und deiner Liebe.
Worte verlor ich,
die ich träumte,
die ich fand,
dahingeworfen wie Almosen,
von dir und deiner Liebe.
Und da ist nur ein
Erziehungsunberechtigter,
der mich mit Strafen verwalten,
mit Spielen zerbiegen,
mich wert machen möchte
für dahingeworfene Almosen.

Meine erste Verlobung

Immer wenn ich Überraschungseier auspacke, was heutzutage eher selten vorkommt, muß ich spontan an die im nachfolgenden Link erzählten Ereignisse denken:

http://weltentanz.twoday.net/stories/grisslibaer/

Überraschungseier standen in meiner DDR-Kinderzeit in besonders hohem Kurs des kindlichen Begehrens, man mußte aber Westverwandte oder Großeltern haben, um an welche zu kommen. Ich hatte zwar Westverwandte, die aber so etwas nicht schickten. Mein Sandkastenfreund war da mit den Großeltern besser dran. Schade übrigens, daß jetzt anscheinend keine Ringe in den Eiern mehr enthalten sind. Diesmal war es ein Füchslein mit Streichelbauch. Zufall? Sollten die Ratten vom Fuchs abgelöst werden?

PS: Und eigentlich würde es alleine schon die Lösung einer Verlobung rechtfertigen, wenn man Grißlibär genannt wird...

Samstag, 18. Dezember 2010

Haarlos

So, habe heute den Antrag auf einen Behindertenausweis ausgefüllt und danach meine Glatze glatt gemacht. Zum Glück hatte ich irgendwo noch einen kaum benutzten Ladyshaver herumzuliegen, hat aber eine ganze Weile gedauert. Ich stelle fest, daß mein Hinterkopf von der Seite ziemlich ansehnlich ist, ich hinter dem linken Ohr ein etwas größeres Muttermal habe und daß der Kopf von hinten irgendwie verbeult aussieht, so als wäre jemand hineingefahren. Eine völlig neue Erfahrung ist es, mit der Hand über die rasierte Kopfhaut zu streichen, weniger für die Hand als für die Kopfhaut. Es fühlt sich ganz anders an als wenn man mit der Hand über das Bein, den Bauch o.ä. streicht, vielleicht weil die Kopfhaut enorm sensibel ist. Sie fühlt sich außerdem sehr verletzlich an, dadurch, daß sie direkt über den Knochen liegt. Komisch ist es ebenfalls, wenn ich zum Lesen den Kopf in das Schaffell lehne. Das kitzelt dann lustig am Hinterkopf, so wie ich es bisher nicht kannte. Ich stelle fest, daß ohne Haare meiner Gesichtsform sogar besser steht als mit, vielleicht weil der Haaransatz verschwindet und das Gesicht länger wird. Nur leider bekommt man durch die Chemo so einen Heroinleichenlook mit Augenringen bis zum Knie, was nicht so gut dazu paßt. Im übrigen ist es das erste Mal in meinem Leben, daß ich am Kopf friere. Sonst friere ich nie am Kopf, nicht einmal im Winter ohne Mütze draußen (und ich trage trug nie Mützen). Meine Haare sind ja auch normalerweise recht dick - aber heute ist es sogar in der beheizten Wohnung am Kopf ziemlich kühl, so daß ich mir ein Tuch umgebunden habe. Ich befürchte, ich werde künftig eine Nachtmütze benötigen.

Traumsplitter

Von meiner obersten Chefin geträumt. Diese sah im Traum furchtbar alt aus, so alt, daß ich direkt einen Schreck bekam. Und mir fällt ein, daß es "alt aussehen" auch als übertragene Redewendung gibt. Jetzt sieht sie alt aus, sozusagen. Wenn ich von der katastrophalen Personalsituation zur Zeit höre, könnte das der Wahrheit entsprechen.

Freitag, 17. Dezember 2010

Abstieg

Abstieg

Literatur-Konditionierung

Man sollte niemals ein Buch, das man wirklich gerne lesen möchte, mit in ein Krankenhaus mitnehmen. Ich hatte "Ein Yankee aus Connecticut an König Artus' Hof" von Mark Twain eingepackt, in der Hoffnung, daß mich der Humor Twains, welchen ich sehr gerne mag, etwas aufheitern würde, allerdings war ich viel zu fertig und zu traumatisiert um viel zu lesen. Und nun habe ich eine Abscheu dagegen, das Buch überhaupt anzufassen, weil es mich an die gräßlichen Krankenhaustage erinnert. Es ist, als würde einem sofort der beißende Geruch des Krankenhauszimmers nach Desinfektionsmittel wieder in die Nase steigen, man hört das fremde, geschäftige Klappern in der Stationsküche und erinnert sich an viel zu helle Nächte mit dauernden Neonlichtduschen aus dem Flur. Nun ja, vielleicht ist das Buch noch zum Zeitvertreib während der stundenlangen Infusionen der Chemo zu gebrauchen. Aber in guter Erinnerung werde ich es sicher nicht behalten.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Die Haarausbeute

des morgendlichen Kämmens:

Haare

Mein Staubsauger kollabiert, sogar im Kühlschrank finde ich schon Haare und es wäre möglich, daß sich in den eingepackten Weihnachtsgeschenken auch einige Haarsträhnen als Zugabe befinden. Vielleicht möchte ja jemand solidarisch mit mir mithaaren?

Ausgerechnet heute fiel mir der erste Liebesbrief wieder ein, den ich von meinem allerersten Freund erhielt. Auf dem DinA-4-Blatt war unter dem eigentlichen Text ein kleines Täschchen, bzw. Kuvert aus Papier geklebt. In diesem Täschchen befand sich ein Zettel. Auf der Vorderseite stand: "Ich mag dich." und auf der Rückseite: "Laß dir bitte bitte wieder lange Haare wachsen." Ich hatte mir nämlich die Haare nackenkurz mit einem mohrrübenroten Igel schneiden lassen und er kannte mich noch mit halblangen Haaren. Seit dieser Zeit hatte ich immer halblange bis lange Haare, allerdings nicht wegen dieses Zettels. Doch spätestens am Wochenende ist es wohl Zeit, daß auch die letzten übrigen Strähnen fallen.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Neuer Dialekt von Elsa

In einem Vorraum des Büros lege ich mich mit nackten Schultern zur Ruhe um zu schlafen. Meine Mutter beugt sich über mich, während ich auf meiner linken Seite liege. Ich höre sie sagen: "Sie ist tot." und wundere mich darüber. Ich bin doch gar nicht tot, bekomme alles mit und atme noch. Ich bin zwar krank, aber nicht tot. Meine Mutter beugt sich tiefer über meine schneeweiße Schulter und ich denke, daß sie gleich meinen Puls tasten wird und dann erkennt, daß ich noch lebe. Doch das tut sie nicht, sondern scheint mich nur zu betrachten.
Etwas später betrete ich einen Büroraum, in welchem sämtliche Kollegen versammelt und so beschäftigt sind, daß sie mein Eintreten gar nicht bemerken. Eigentlich verstehe ich selbst nicht, warum ich trotz Krankschreibung und ausfallender Haare ins Büro gehe. Ich verziehe mich wieder still und leise und setze mich woanders an einen Bürocomputer. Auf dem Bildschirm klicke ich ein paar Bilder an, der Hintergrund ist ein dunkelrotes Rosenmeer. Es wird ja wohl niemand erwarten, daß ich arbeite, wenn ich mit Krankschreibung hierher komme. Schräg hinter mir sitzt an einem Schreibtisch Elsa und ist ihrerseits mit einer Schreibtätigkeit beschäftigt. Der Mann auf einem winzigen Schwarzweißfoto kommt mir bekannt vor. Ist das Sean Connery? Ich bin mir nicht sicher. Es könnte auch jemand anderes sein. Ich möchte das Foto vergrößert ausdrucken, um es besser betrachten zu können, aber statt des Fotos halte ich einen sechseckigen Ausdruck des roten Rosenmeeres in den Händen. Elsa hat meine Bemühungen beobachtet und steht nun neben mir, um mir zu helfen. Sie läßt einen längeren Wortschwall auf mich niederprasseln, von dem ich aber so gut wie nichts verstehe. Das muß ein deutscher Dialekt sein, vielleicht Fränkisch? Hatte sie früher nicht Hochdeutsch gesprochen? Der Dialekt muß jedenfalls neu sein und ich frage sie deshalb verblüfft, ob sie einen neuen Dialekt gelernt hat, obwohl mir nicht klar ist, warum man so etwas tun sollte. Sie antwortet jedoch nicht auf die Frage.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Narben

Narbe

über und darunter...

Al und Marcy im Bett

Montag, 13. Dezember 2010

Zweieinhalb Stunden

mußte ich heute im Warteraum auf das Ergebnis des Labors warten. Die Schwester meinte, im Labor haben sie Computerprobleme. Da muß man sich schon zusammenreißen, daß einem nicht die Gesichtszüge entgleisen. Nur gut, daß ich heute nicht noch einen späteren Termin woanders hatte. Im Labor selbst war es zur Abwechslung mal ein junger Mann, der mir das Blut aus dem Finger quetschte. Dort ist jeden Tag jemand anderes und da es sich um ein Lehrkrankenhaus und ausschließlich junge Leute handelt, gehe ich davon aus, daß sich wahrscheinlich ganze Ausbildungsklassen an mir austoben dürfen. Zum Glück kann man mit einem automatischen Fingerpiekser nicht so viel verkehrt machen, aber trotzdem könnte ich jetzt schon über jede Menge feine und individuelle Unterschiede der Blutentnahme referieren. Immerhin hat sich das Warten gelohnt, denn die Leukozyten sind von über 3000 inzwischen wieder bis auf über 7000 gestiegen und damit habe ich jetzt tatsächlich bis zum nächsten Mittwoch "Ferien". Am Mittwoch findet dann die nächste Chemo statt, aber daran möchte ich jetzt noch nicht denken, damit mir nicht schon vorher schlecht wird. Ich hatte ausgiebig im Netz über die weißen Blutkörperchen recherchiert und darüber, was ihre Bildung anregt. Meine Ausbeute war folgendes:

- Vitamin C
- Folsäure
- Zink
- Arginin
- Glutamin
- Ginsengtee
- Mistel

Vitamin C, Folsäure und Arginin hatte ich zufällig zu Hause und genommen. Da ich viel Obst und Gemüse esse, dachte ich, ich brauche das nicht zusätzlich, aber unter der Chemo gilt das wohl nicht. Und egal ob es nun geholfen hat oder nicht, wenigstens muß man nicht mit häßlichen Nebenwirkungen rechnen. Während des Stöberns in diversen Foren fand ich auch anderes Interessantes. Zum Beispiel sehen manche Ärzte eine Leukozytenzahl von über 3000 noch als ok an und unternehmen in diesem Bereich gar nichts mit Spritzen und/oder ständigen Kontrollen. Weiß gar nicht, warum sie bei mir da so einen Streß machen, zumal der Körper ja an sich eine gewisse eigene Regenerationsfähigkeit besitzt (wovon aber einige Ärzte scheinbar noch nichts gehört haben) und viele Betroffene davon berichten, es sei normal, daß die Leukozyten um den 10. Tag nach der Chemo runter gehen, sich aber meistens innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder von alleine erholen. Ich finde ja, in solchen Dingen ist das Internet echt nützlich. In den Foren habe ich außerdem von einigen Erkrankten gelesen, die während der Chemo arbeiten gehen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das gehen soll. Den halben Tag bin ich damit beschäftigt, mich mit langen Basenbädern, Schlafen, Obst- und Gemüsezubereitungen, Meditationen und Recherchen wie oben wieder aufzupäppeln und wenn ich das nicht tun würde, würde ich mich auch nicht einigermaßen normal fühlen, sondern es ginge mir hundertprozentig immer noch sehr viel schlechter. Wenn ich aber arbeiten gehe, reicht die Zeit noch nicht einmal für ausreichend Schlaf. Wie man es also dreht oder wendet, es würde nicht funktionieren. Anscheinend gibt es Leute, die etwas härter im Nehmen sind.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Blog Birthday-Advent

Heute ist nicht nur Advent, sondern dieses Blog wird gleichzeitig fünf Jahre alt. Normalerweise erwähne ich diesen Blog Birthday nie und fünf Jahre klingen auch nicht nach einer langen Zeit, doch mir erscheinen sie so, wenn ich die Geschehnisse dieser letzten fünf Jahre durchgehe. Fast wie ein ganzes Leben, auf jeden Fall ungemein ereignisreich und die reinste Achterbahnfahrt. 2947 Einträge und noch einmal so viele, die bereits wieder aussortiert wurden, sprechen dieselbe Sprache. Kaum zu glauben, daß ich so mitteilungsfreudig bin. Obwohl - 2947 Einträge geteilt durch 1825 (365 Tage mal 5) macht 1,614794520..... Einträge pro Tag. Geht doch eigentlich, oder?

PS: Mein Blog ist übrigens Schütze. Ob Blogs so etwas wie eine Horoskop-Persönlichkeit besitzen?

Advent

...

Subkutan trage ich dich mit mir,
subkutan würfeln Worte
noch immer um mein Leben,
willkürlich - die Kür deines Willens
ist die Pflicht meiner Seele.
Das trojanische Pferd Hoffnung
stelltest du vor meine Tore
und auf Schiffen besegelst du
den Kanal zu meinem Ozean,
während das Schmerzgeheuer,
der Unherd über meinem Herzen
mir eine Rüstung schmiedet.
Gepanzert zieht man in Kriege,
dabei sind die Grenzen längst
verloren mit nur einem Lächeln.

Freitag, 10. Dezember 2010

vergelesen

"Erbrochen"

statt

"Epoche"

Nun ja...

Ich bin latent aggressiv.

Ok, streichen wir das 'latent'. Heute wieder an die zwei Stunden in Labor und Arztpraxis herumgesessen, nur um zu erfahren, daß ich nächsten Montag wiederkommen soll. Meinen die, wenn sie mir alle zwei Tage literweise Blut abzapfen und mich stundenlang in einem öffentlichen Arztwarteraum sitzen lassen, erholen sich meine Blutkörperchen schneller, oder was? Was passiert eigentlich, wenn ich mich weigere, mich mehr als einmal pro Woche "anstechen" zu lassen und einfach nicht mehr hingehe? Werde ich dann mit Polizei- und Waffengewalt abgeholt? In die Klinik zwangseingewiesen? Im Supermarkt habe ich als Ausgleich dafür eine unbezahlte Tube Sardellenpaste mitgehen lassen. Natürlich nicht absichtlich, zumindest anfangs. Die Tube lag so in der Kante des Einkaufswagens, daß ich sie beim Auspacken übersehen hatte und sogar der Kassierer hat sie beim prüfenden Blick in den vermeintlich leeren Wagen nicht gesehen. Mir fiel sie erst auf, als ich die Sachen wieder zurück in den Korb packte. Natürlich hätte ich dann laut rufen müssen: "Huch herrje, hier liegt ja noch etwas drin! Na sowas! War keine Absicht." Aber weil ich eh schon genug aggressiv und genervt bin, habe ich mich im Bruchteil einer Sekunde entschieden, die anderen Sachen einfach darüber zu werfen und zu gehen. Sobald ich aggressiv bin, steigt anscheinend auch meine kriminelle Energie. Und von einer der Teamleiterinnen habe ich vorhin eine Email mit Genesungswünschen bekommen, allerdings nicht von meiner eigenen.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Mein Vater

wäre heute 81 Jahre alt geworden und genau heute wird es bei mir haarig. Ich hinterlasse eine Spur aus dunkelblonden langen Haaren. Wer eines oder mehrere davon findet, hat meinen Weg gekreuzt. Die Ursache kann allerdings durchaus auch an der Spritze liegen, da als Nebenwirkung hier ebenfalls Haarausfall angegeben ist. Meinen Physiotherapeuten habe ich deshalb gleich vorgewarnt, daß ich etwas haare. Wahrscheinlich findet er als Andenken an mich einige Haare auf der Liege. Und ich finde das irgendwie witzig - noch. Er hat sich nun doch getraut, die Nicht-Behandlung von gestern als Behandlung abzurechnen, vielleicht weil sein Kollege nicht da war, so daß ich mich jetzt voll auf die nervigen Labor- und Arzttermine konzentrieren kann. Und zu meinem Haarproblem hat er gesagt, was alle sagen: "Die wachsen wieder." Ich kann diesen Spruch ehrlich nicht mehr hören. Ich mein, ich kann durchaus verstehen, daß die Leute sowas sagen. Es ist das erste, was einem dazu einfällt und wahrscheinlich würde ich es ebenso zu jemandem sagen. Aber als vielleicht selbst Betroffener fragt man sich, ob einen die anderen für blöd halten. Schließlich weiß ich auch, daß die wieder wachsen, was mir aber überhaupt nicht hilft. Was hier hilft, sind wie so oft und meistens im Leben keine Worte, sondern die Art und Weise, wie einem ein Mensch gegenübertritt und anblickt. Die schönsten Worte taugen nichts, wenn die Körpersprache und die Augen das Gesagte als Lüge entlarven. Und selbst wenn die Lüge nicht offensichtlich oder schwerwiegend ist, bleibt doch immer ein ungutes Gefühl bei spürbaren Diskrepanzen.

Manche

Blogeinträge anderer lassen mich unbefriedigt zurück. Oft sind es jene, die an bestimmten Artikeln sparen.