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Donnerstag, 20. Januar 2011

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Er hatte gelernt, neben den Tag zu treten. Wohin auch immer er damit gelangte, der Ort besaß seine eigene gewaltige, unverständliche Geschichte, seine Gefahren und Ekstasen, sein Potenzial für unverhoffte Romanzen und frühe Beerdigungen, doch wenn Lew dort war, konnte offenbar niemand in Chicago sich ganz sicher sein, wo er sich aufhielt. Es war nicht direkt Unsichtbarkeit. Sondern Woanderssein.
(aus "Gegen den Tag" von Thomas Pynchon)

Montag, 3. Januar 2011

...

Wir stellen uns gewöhnlich vor, dass der Körper durch Gähnen auf einen Überschuss an Kohlendioxid im Blut reagiert. Wenn wir gähnen, verabreichen wir dem Gehirn einen kräftigen Sauerstoffstoß. Aber manche Neurologen sind anderer Meinung. Versuchspersonen, die reichlich Sauerstoff einatmen, gähnen nämlich auch. Der mysteriöse Gähnreflex hat offenbar etwas mit Gesundheit zu tun: Menschen, die akut erkrankt oder schwer psychotisch sind, spüren so gut wie nie das Bedürfnis, nilpferdartig den Mund aufzureißen.
(aus "Die Kunst, nichts zu tun" von Veronique Vienne und Erica Lennard)

Ihr seid alle nur ein Traum! (September)

In meinem Einzel-Bürozimmer liege ich auf einer mit Zimmerpflanzen vollgestellten Fensterbank, die wie ein kleiner Dschungel wirkt, und döse vor mich hin. Ich muß draußen etwas erledigen, verlasse kurz den Raum, räume im Flur eine Zettelablage auf und kehre in mein Büro zurück. Gleich hinter mir geht die Tür nochmals auf und eine mir unbekannte Kollegin sagt, sie müsse etwas nachprüfen. In einer der Akten sei ein Diebstahl festgestellt worden. Diebstahl? Hab ich zuviel Geld gezahlt? Fr. G. kommt nun ebenfalls, ohne überhaupt zu grüßen, setzt sich an den Tisch und blättert in Akten. Suchen sie vielleicht absichtlich irgendwelche Fehler, die sie mir nachweisen können? Wie ich erfahre, geht es um eine Kette mit Lederband und Elfenbeinringen. Ich sage zu der mir fremden Kollegin, daß diese Ketten an jeder Straßenecke verkauft werden. Sie nickt, gibt mir recht und meint, sie verstehe ja auch nicht, was das alles soll. Also doch ein Komplott. Aber irgendetwas erscheint mir seltsam. Was hat eine Kette mit den Akten zu tun? Inzwischen sind immer mehr Leute in das Zimmer geströmt, viele, die ich gar nicht kenne, und auf einmal weiß ich es: Das hier ist alles nur ein Traum und sie die Traumfiguren. Um mich zu vergewissern, wende ich mich an die versammelte Mannschaft und frage: "Ihr seid alle nur ein Traum, stimmts?" Doch die Leute beachten mich gar nicht oder gucken mich nur verständnislos an. Hey, so geht das aber nicht! - denke ich mir - mich einfach zu ignorieren... Ich möchte eine Antwort haben! Etwas lauter und nicht mehr fragend, sondern eher provozierend rufe ich, auch in das Nebenzimmer hinein, wo sich ebenfalls viele versammelt haben: "Ihr seid nur ein Traum! Ihr seid nur ein Traum!" Es werden immer mehr Personen und vor meinen Füßen stolpert nun ein kleines, allerhöchstens dreijähriges Mädchen herum. Auch sie frage ich: "Stimmts, du bist nur ein Traum." Das Mädchen nickt schüchtern. Ha, denke ich triumphierend, kleine Kinder sagen eben die Wahrheit. Doch gleich darauf geht das Kopfnicken in ein Kopfschütteln des Mädchens über. Hm, wahrscheinlich ist sie noch zu klein und weiß gar nicht, ob sie ein Traum ist oder nicht. Doch die Reaktion des Mädchens hat meine Gefühle in Bezug auf die anderen Traumfiguren geändert. Ich bin jetzt nicht mehr ungeduldig und gereizt, weil sie nicht antworten. Eine Woge von Verständnis und Wärme durchflutet mich, denn vielleicht ist ihnen allen ja gar nicht bewußt, daß sie nur Figuren in einem Traum sind, die Armen! Während sie so überaus geschäftig in allen Richtungen an mir vorbeieilen, obwohl sie nicht wirklich sind, betrachte ich sie mitfühlend und lege mal einen Arm um diese und mal einen Arm um jene Person. Doch wenn ich nur träume, könnte ich jetzt eigentlich auch weiterschlafen. Ich gehe also zur Dschungel-Fensterbank, bette mich darauf und schließe die Augen. Doch etwas ist eigenartig. Obwohl es inmitten der Pflanzen dunkel ist und kein Licht meine Augen trifft, ist es, als hätte jemand direkt unter meinem Scheitel innen ein helles Licht angeknipst. So als wäre die oberste Schädeldecke eine Deckenwand, an der eine Leuchte befestigt ist. Das Licht verschwindet leider nicht und da es von innen kommt, weiß ich auch nicht, wie ich es loswerde. Mir ist ein wenig unheimlich zumute, aber vor allem weiß ich nicht, wie ich mit dem Licht schlafen soll, deshalb springe ich wieder auf. In meinem Zimmer sitzt nun nur noch eine einzige Person vor meinem Schreibtisch. Erst erkenne ich sie nicht, doch als ich ihr Gesicht genauer betrachte, ist es eine ehemalige Mitschülerin. "C.?" nenne ich ihren Namen und sie nickt lächelnd. Es scheint beinahe, als sei sie meine neue Chefin. Na sowas...

Sonntag, 2. Januar 2011

2010 in Tweets

Januar:
Gibt es eigentlich irgendwelche Studien darüber, ob rosa Pillen besser helfen als weiße Pillen? 7.Jan

Wenn das große Chaos über uns kommt, möchte ich mich in deinen warmen Schwanennacken verbeißen, bis er die Male meiner Reißzähne trägt. 8.Jan

Sparsames Twittern hebt den Genuß. 14.Jan

Februar:
Die Variablen variieren zuviel, die Konstanten sind nicht so konstant wie sie scheinen und mein Kopf rotiert wie ein Kettenkarussell. 1.Feb

Lieber Gott, schenke mir Ahnungslosigkeit und eine dicke Haut! 9.Feb

Sie senkte ihre Energie wie funkelnden Schnee auf die Apostel herab, wenn sie mit übereinandergeschlagenen Beinen zu ihnen sprach. 12.Feb

Zwei große Schöpfungen werden erwähnt - die Klügeren und die Dummen. 12.Feb

Wenn das Schicksal Zucker auf dunkle Wege streut, dann nur, damit wir ihm nicht verloren gehen können. 18.Feb

März:
Aus der Nacht stehle ich mich, in jeder Pore dich, im Haar eine entwendete Feder deines Schwanenkleides. 2.März

So hangelt man sich mit vergifteten Zuckerstückchen in den Sarg. 20.März

Gib mir mehr Zucker, damit ich noch da bin, wenn du aus deinen Wunschträumen erwachst! 20.März

Manchmal frage ich mich, was schlimmer ist: Leute, die einen mit Absicht verletzen, oder jene, die es einfach nur aus reiner Blödheit tun. 24.März

April:
Es geht nicht darum zu sagen: "Das bin ich nicht.", sondern zu sehen, daß alles irgendwo auch ein Teil von mir ist. 1.Apr

Es gibt immer noch Leute, die glauben an ausgleichende Gerechtigkeit. Meist sind es die, die sich selbst als Zünglein an der Waage sehen. 26.Apr

Ich will Blumen nur noch zum Geburtstag und zu meiner Beerdigung. 30.Apr

Mai:
Ich mag keine Dates, wenn sie sich Date nennen. 22.Mai

In Knoblauch und Butter gebratene Taranteln sollen gemäß Überlieferung gegen Rückenschmerzen helfen. Aber nicht mit mir.#National Geographic 24.Mai

Juni:
Sommer weht zur Tür herein. 5.Jun

Mysterium tremens 12.Jun

Nicht meine Rechtschreibfehler sondern meine Füllwörter bringen mich um den Verstand. 12.Jun

Diese verwaisten Geisterblogs machen mir Angst. Haben etwas von im Nebel treibenden Untoten, denen man manchmal unerwartet wieder begegnet. 24.Jun

Hallo, Herr Amsel-Rockstar! Setzen Sie Ihr Konzert heute noch fort oder war das schon alles? Ihr Publikum von den unteren Rängen 30.Jun

Juli:
Hab ich den Boden unter dem Teppich verloren? 7.Jul

Habe gerade nach "Grillen ruhigstellen" gegoogelt und hatte nicht einen Treffer. 16.Jul

....Sie ist wie das Herz, das schlägt oder nicht mehr schlägt. #Robert Schneider #Liebe 30.Jul

August:
Ab heute glaube ich wieder an das Gute im Menschen. 2.Aug

Ich glaube, ich bin sauerstoffsüchtig. Mag dieses angenehm kribbelnde Gefühl im Kopf, in den Lungen. Blubberbläschen unter der Schädeldecke 7.Aug

Ich fühle mich so unsichtbar, seit deine Augensterne nicht mehr für mich leuchten. 18.Aug

Liebe ist, ihm nicht zu sagen, was er zerstört hat. 26.Aug

Wenn du meinst, meine Narben wären von dir, dann irrst du dich. Die Narben sind ein Tribut an die Menschheit. 28.Aug

September:
Mein schlimmster Alptraum wäre es zu träumen, daß mich Johannes Heesters überlebt hat. #worstcase 3.Sep

Die dt. Sprache ist aberwitzig. In hellklaren Bewußtseinseinbrüchen sehe ich mich als Jongleur zwischen grammatikalischen Tarnidentitäten. 17.Sep

Überleben ist unpoetisch. 25.Sep

Überleben ist kein Twitterspiel. 25.Sep

Oktober:
Es gibt Menschen, die müssen nichts tun, um einen zu beschenken. Es reicht schon, wenn sie einfach nur da sind. 1.Okt

Ok, ich bin ein Rümpel. Ohne Stilzchen kann ich damit leben. Und ohne Pumpel auch. 1.Okt

Ein Blick von dir und ich wüßte, was ich wissen möchte. Möchte ich? 4.Okt

Schwarz. Angstschwarz. Nachtgewächs. Jäger der verlorenen Herzen. 7.Okt

November:
Die Spammails sagen mir jeden Tag, daß ich zu fett bin und endlich meine Gemahlin befriedigen soll. Langsam reichts! 15.Nov

Dezember:
Komm schon her, wenn du dich traust... 14.Dez

Manche Menschen würde man gerne in guter Erinnerung behalten, sie hätten es verdient, und doch stehen dauernd die schlechten Zeiten im Weg. 25.Dez

Das Nicht-Bild in meinem Herzamulett ist realer als das Bild von dir in meinem Herzen. 25.Dez

Wir treffen uns im Mond der fliegenden Enten... 26.Dez

Der Kopf im Müll (August)

Ein abgetrennter menschlicher Kopf befindet sich in meinem Müllsack. Ich habe ihn dort hinein getan, bin mir aber nicht sicher, ob ich das wirklich machen kann. Ob man ihn im Müllkombinat findet und die Spur bis zu mir zurückverfolgen kann? Ich mein, ich bin mir zwar keiner Schuld bewußt, da ich mich nicht erinnern kann, irgendjemanden ermordet zu haben, ich weiß auch gar nicht, wie der Kopf in meine Wohnung gekommen ist, aber das glaubt mir schließlich niemand, wenn man ihn in meinem Müll findet. Verzwickt.

Eine Unterrichtsgruppe, die Dieter Bohlen leitet. Wir sitzen dabei alle im Kreis und unsere Abschlußarbeit besteht aus einem gebackenen Stollenhaus mit weißbestäubten Dach, welches wir zu zweit anfertigen. Überraschenderweise hat Dieter Bohlen an mir und meiner Leistung nichts auszusetzen.

Bemerkung: Früher hat Reich-Ranicki in meinen Träumen den Unterricht geleitet. So kann es gehen. Aber der hatte immer was an mir auszusetzen.

Samstag, 1. Januar 2011

Weltentänzerischer Jahresrückblick in Kosmosschwarz

Eigentlich würde ich das vergangene Jahr gerne vergessen und das schnell. Deshalb fasse ich mich auch kurz: Ratten, Geld und Krankheiten. Nachdem ich bereits im ersten Halbjahr von Ärzten genug hatte, nahm ich mir fest vor, mindestens ein halbes Jahr keinen Arzt mehr zu sehen. Das zog ich trotz diverser Versuchungen in Form nerviger Gebrechen durch. Und dann, als ich mich kurz vor Ende des Jahres fast schon in Sicherheit wiegte, war ich plötzlich von ihnen rudelweise umzingelt. Man entkommt ihnen eben nicht. Zumindest, wenn man sich statt neuer Wohnungen, Partner, Jobs oder was was man sich sonst so suchen kann, wie es andere tun, lieber neue Krankheiten zulegt. Und da muß man erst lebensbedrohlich erkranken, damit die Ratten ihre Schwänzchen einziehen, das sinkende Schiff verlassen und sich wieder in ihren Löchern verkriechen. Stattdessen kommen nun langsam die Wahrheiten in allen Bereichen an das Licht. Das ist zwar teilweise schmerzhaft, aber ab hier kann es eigentlich nur besser werden. Schließlich habe ich mehr als genug den Göttern geopfert, einschließlich meiner Haare. Und ganz nebenbei habe ich in diesem Jahr mehr Scherben produziert, als wahrscheinlich in meinem ganzen bisherigen Leben, sogar bis hin zu einem zerbrochenen Edelstahlmesser. Womit ich grandios bewiesen hätte, daß an diesem viel zitierten Aberglauben, daß Scherben Glück bringen, absolut nichts dran ist.

Was wird nun das neue Jahr bringen? Das Bibelorakel für 2011 sagt:

"Da entsetzte sich Daniel, der auch Beltschazar heißt, eine Zeitlang, und seine Gedanken beunruhigten ihn. Aber der König sprach: Beltschazar, laß dich durch den Traum und seine Deutung nicht beunruhigen." (Daniel 4.16)

Hm, merkwürdig, daß ich ausgerechnet einen "Traum-Spruch" erwische. Wenn man weiterliest, erfährt man, daß Daniel mit seiner Beunruhigung und Traumdeutung den König betreffend richtig lag, aber die Geschichte geht trotzdem gut aus.

Und die Karten sagen folgendes:

Gesundheit

Gesundheit 2011

In 2010 sah es schlechter aus:

Gesundheit 2010

Vermutlich viele Arztbesuche, wozu man kein Wahrsager sein muß, um das zu prophezeien, und der Feind bleibt noch greifbar.

Liebe

Liebe 2011

Nun ja, in die Verlegenheit einen Ehevertrag zu unterzeichnen werde ich 2011 sicher nicht kommen.

Beruf

Beruf 2011

Alles beim Alten und vielleicht eine positive Nachricht.

Das Single-Cafe (Juli)

Heute ist der letzte Tag einer Praktikumswoche, die ich in einem großen Zentrum voller Arztpraxen, Geschäfte und Cafes absolviere. Bisher war ich als Assisstentin in einer speziellen MRT-Praxis eingesetzt. Was das Spezielle ist, will mir nicht mehr einfallen, vielleicht für ein bestimmtes Körperteil. Als ich früh um 8 Uhr die Tür zur Praxis öffne, finde ich dort eine völlig andere Besatzung vor. Das liegt daran, daß die Räumlichkeiten immer mal wieder getauscht und gewechselt werden. Hier ist nun eine normale MRT-Praxis zugange und auf meine Frage, unter welcher Zimmernummer ich meine zuständige Praxisanleiterin finde, kann man mir keine Antwort geben. Nun ja, ich werde die neue Örtlichkeit auch so finden. Aber zuerst könnte ich gleich meine mir zustehende halbe Stunde Frühstückspause machen und mir somit Zeit lassen. Während ich aus einem Fenster schaue, entdecke ich joggend auf der Straße meinen Sportskollegen vom Sportverein. Hm, wenn er heute joggt, werde ich ihn sicher auch abends beim Turnen treffen. Dabei wird klar, daß Montag ist. Als ich erneut das Zentrum betrete, ist es 9 Uhr. Mist, jetzt habe ich eine volle Stunde verbummelt. Hoffentlich bekomme ich keinen Ärger. Ich werde zwar etwas komisch angeguckt, aber man sagt mir nur, ich solle zum Empfang gehen. Empfang, hm. Wo ist der Empfang? Suchend sehe ich mich um und entdecke hinter einer Theke eine Frau, auf deren dunkelbraunem T-Shirt in großen gelben Buchstaben "Empfang" steht. Ahhh....ich melde mich bei ihr und sie führt mich in meine Aufgabe für heute ein. Ich soll im gleich vor der Theke befindlichen Single-Cafe aushelfen. Mir wird erklärt, wie das Prinzip funktioniert. Eine Vielzahl an unterschiedlich dekorierten Würfelzuckern befindet sich auf jedem Tisch. Manche sind halb in Schokolade getaucht, andere mit buntem Marzipan beklebt usw. Jedes Dekor gleicht einer Art Geheimsprache. Der Schlüssel zu dieser Geheimsprache befindet sich in der Speisekarte. Ein Dekor z.B. bedeutet: "Sprich mich an, ich rede mit dir." Ein anderes wiederum: "Ich wünsch mir deine Telefonnummer." Und ein drittes vielleicht: "Ich würde dich gerne kennenlernen." Nun kann man das passende Würfelzuckerstück an den entsprechenden Tisch bringen und dort ablegen. Auf diese Art ist es möglich, ganze Unterhaltungen zu bestreiten, bis man es wagt, persönlicher zu werden. Während ich gut zuhöre, schnappe ich mir zwei mit grünem Marzipan ummantelte Zuckerstückchen, um davon zu naschen. Eigentlich keine schlechte Idee, so ein Single-Cafe. Wußte gar nicht, daß es so etwas gibt. Die Anleiterin bietet mir nun an, mir eines der Zuckerstückchen zum Naschen zu nehmen. Anscheinend hat sie nicht bemerkt, daß ich bereits zwei in der Hand halte. Auf einmal ist mir mein voreiliges Verhalten peinlich und etwas betreten schaue ich auf die grünen Stückchen in meiner Hand. Auch die Anleiterin entdeckt sie jetzt, sagt zwar nichts, aber schaut pikiert. Schon wieder in ein Fettnäpfchen getreten! Ständig mache ich etwas falsch. Was müssen die nur von mir denken....

Freitag, 31. Dezember 2010

Krankes Blut (Juni)

In einer Schule müssen sich künftig einen Teil der Zeit die Eltern selbst um die Kinder kümmern, weshalb sich die Eltern entsprechend organisiert haben. Irgendjemand hat mich überredet, ebenfalls mitzumachen und deshalb bin ich nun in irgendeinem Aufenthaltsraum der Schule gelandet. Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Dabei habe ich noch nicht einmal Kinder! Na ja, ich mache eine Weile mit, kann sicher nicht schaden, und dann höre ich wieder auf. Zum Engagement gehört auch eine Blutspende. Jemand piekst meine Hand an und sofort beginnt es zu laufen. Ich halte das Röhrchen unter die Hand, aber irgendetwas stimmt nicht. Das Blut sieht seltsam wässrig aus, rosa mit kleinen roten Fetzen, und sprudelt auch wie ein Wasserfall. Augenblicklich ist das Röhrchen übergelaufen und es sprudelt weiter. Du meine Güte, wenn das zu weiterblutet, bin ich bald ausgeblutet. Und was nun? Gesund sieht das Blut sowieso nicht aus. Vielleicht sollte ich besser kein Blut spenden, wenn ich einen Chemococktail intus habe. Ah, jetzt hat es aufgehört zu laufen. Das ging ja nochmal gut.
Langsam füllt sich der Raum mit ehemaligen Mitschülern und Mitschülerinnen, die gleichzeitig die Eltern der Kinder sind. Ich erinnere mich an viele Mitschüler, mit denen ich damals in der Schule geschlafen habe. Allerdings kann ich nur mit Bestimmtheit sagen, wer das gewesen ist, an die Ereignisse selbst erinnere mich überhaupt nicht. Diese sind wie ausgelöscht. Merkwürdig und blöd, wenn man nicht mehr weiß, ob es nun zärtlich, leidenschaftlich, liebevoll oder peinlich gewesen ist. Es ist, als hätte man nicht gelebt, wenn man sich nicht daran erinnert. Wie war es zum Beispiel mit R.? Wie eine Ahnung keimt ein kaum fassbares Gefühl von Wärme und Weichheit auf. Es scheint stimmig.

Bemerkung: Möchte nicht wissen, wie mein Blutbild zur Zeit aussieht.

Nachdem

ich auf arte die Doku über die Manns gesehen hatte, fiel mir folgender Traum über Thomas Manns Dachboden wieder ein:

http://weltentanz.twoday.net/stories/thomas-mann-und-sein-dachboden/

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Volker Holger und die Nützlichkeit eines Hundeschlittens (April)

A. und ich sitzen irgendwo in einer Art Mensa, wo ich sehr leckeren Käsekuchen esse. Es ist klar, daß unser Zusammensein nur freundschaftlich ist. Eine Bekannte von mir steht neben dem Tisch und quasselt ununterbrochen die ganze Zeit über sich. Ich muß lachen und sage zu ihr, daß A. das alles doch gar nicht hören will. Doch dann werde ich unsicher. Stimmt das? Vielleicht will er es ja doch hören, denn wer viel über sich redet, den erkennt man schnell wieder. Dies ist eine grundlegende Gesetzmäßigkeit. Und jemanden schnell wiederzuerkennen ist immer nützlich. Etwas verärgert bin ich, als ich plötzlich erwache, denn ich hatte den vorzüglichen Käsekuchen noch nicht aufgegessen.
Auf einem Spaziergang zu einem See in der Nähe. Es wird klar, daß der See naturschutzmäßig Hilfe benötigt und ich beschließe, mit den Bewohnern meines Nachbarhauses zu reden. Darunter ist bestimmt mindestens einer, der zum See gehen und helfen kann. Vor dem Haus fange ich gleich einen blonden Mann ab und beginne gemächlich und wortreich eine Erklärung. Er hört kurz zu, wird dann aber zappelig und unterbricht mich schließlich mit den Worten: "Ich muß jetzt weg." Ich bin ein wenig verletzt, aber ok, wahrscheinlich muß er wirklich weg und ich habe mir zuviel Zeit gelassen. Während ich überlege, wen ich noch ansprechen kann und auf das Klingelschild schaue, wird mir klar, daß ich sämtliche sieben Bewohner des Nachbarhauses bereits kenne. Es sind ehemalige Klienten von mir. Vermieten sie das Haus nur noch an Hartz IV-Empfänger? Von allein ergibt es sich etwas später, daß mich der blonde Mann in seine Wohnung einläd. Die Unterbrechung war also tatsächlich nicht böse gemeint, sondern nun ist er sehr interessiert. Mir ist klar, daß auch er ein ehemaliger Klient von mir ist, was mich etwas befangen macht, aber ich weiß nicht, ob er mich überhaupt erkennt. Sein Name ist Volker Holger. Schließlich übernachte ich sogar bei ihm, wobei im Schlafzimmer mindestens vier der sieben Bewohner ebenfalls schlafen. Alles ist sehr ärmlich, ungemütlich und ungepflegt, was ich zwar wahrnehme, mir aber nicht viel ausmacht. Während Volker und ich, jeder in einem Bett liegend, uns angeregt unterhalten, sind wir etwas zu laut, was eine Frau aufweckt, welche schimpfend aufsteht und aus dem Zimmer geht. Am nächsten Tag stellt er mir seinen Hundeschlitten vor, gezogen von einem großen, knuffigen Hund mit rot leuchtendem Fell und beginnt geduldig, mich in die Geheimnisse eines Hundeschlittens einzuweihen, indem er mir zeigt, was der Hund alles kann, angefangen von Transport bis hin zu Menschenrettung. Als Beispiel nimmt er direkt mich, indem er mich auf verschiedene Arten auf den Schlitten schnallt, ziehen oder vom Hund retten läßt. Mal habe ich den Schlitten unter mir und mal das flauschige Hundefell. So geht es über eine unglaublich lange Zeit, im Traum mehrere Tage. Ich bin stark beeindruckt davon, wieviel man mit so einem Hundeschlitten und einem Hund alles anstellen kann. Das hätte ich nie im Leben erwartet. Und auch in Volker Holger steckt ein beeindruckender Schatz an Wissen über Hundeschlittenführung mit ungeheurer Detailvielfalt. Kaum zu glauben, daß so jemand keine Arbeit findet. Aber wahrscheinlich ist Wissen über Hundeschlitten nicht gefragt.

Cool!

Nachdem mich über Weihnachten überraschend Appetit auf Christstollen ereilt hatte, dachte ich mir, ich schau mal, ob ich beim Einkauf noch einen erwische. Viel Chancen malte ich mir nicht aus und nach dem ersten Supermarkt-Durchgang schien sich dies zu bestätigen. Doch beim zweiten Hinschauen fand ich doch tatsächlich einige vereinsamte Marzipanstollen im untersten Regal, die sich dort gut vor mir getarnt hatten. Interessant ist auch die Geschichte des Christstollens. Ursprünglich ein fades und trockenes Fastengebäck, das nur aus Wasser, Mehl und Hefe bestand, kamen nach und nach mit päpstlicher Erlaubnis immer mehr Zutaten hinzu, wie zuerst Öl und später Butter. Ich vermute mal, daß das Überstäuben mit weißem Puderzucker, um den Christstollen angeblich dem in Windeln gewickelten Christkind gleichen zu lassen, auch nur eine schlaue Ausrede war, um den Geschmack erträglicher zu machen. Und ob Sutaninen, Rosinen, Korinthen und Marzipan im Christstollen inzwischen päpstlich absolutiert sind, ist nicht überliefert, allerdings bin ich mir sicher, daß er den Stollen auch lieber mit als ohne ißt.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Irgendwie nervt es mich,

wenn sich die Autorin eines Romans nicht entscheiden kann, ob die Protagonistin nun grüne oder haselnußbraune Augen hat. Ganz besonders, wenn es sich um einen historischen Roman handelt. Aber vielleicht bin ich einfach zu pingelig.

ABC - Die Katze lief im Schnee... (März)

Twitter wurde geschlossen und alle Twitterer stehen nun planlos in einer Massenversammlung auf der Straße herum, da sie nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Es ist, als seien sie aus einem Club geworfen worden. Ich bin ebenfalls darunter, allerdings verwundert mich die Einfallslosigkeit der anderen, die einfach nur herumstehen. Man kann ja schließlich auch anders Spaß haben. Zum Beispiel könnte man ein wenig herumhopsen. Sofort beginne ich im Hoppsalauf das Gelände zu umrunden und habe mächtig viel Spaß, während mir die Mehrheit dabei zuguckt, als wäre ich nicht ganz bei Trost. Na dann sollen sie sich eben langweilen, wenn ihnen ohne Twitter nichts einfällt.

Der Traum geht in einen nächtlichen Schneespaziergang über. Ich stapfe durch menschenleere, weiß schimmernde Straßen, in denen der neue Schnee noch nicht geräumt wurde, so daß er mir fast bis an das Knie reicht. Vor Vergnügen beginne ich laut zu singen: "ABC - die Katze lief im Schnee..." Verflixt, wie ging das Lied weiter? Ich erinnere mich nicht. Aus diesem Grund singe ich nun pausenlos die erste Zeile und finde das sehr lustig. Und jedes Mal, wenn ich ein Bein aus dem Schnee ziehe, klebt mir dieser wie ein dicker weißer Stiefel am Hosenbein. Inzwischen zieht der Morgen heran und es wird langsam hell. Doch noch immer habe ich nicht genug und hoffe, daß ich vielleicht einen menschenleeren Sportplatz vorfinde, auf dem ich ein wenig herumtollen kann. Doch bereits aus der Ferne sehe ich eine Läuferin mit nackten Armen und nackten Beinen dem Sportplatz zustreben. Mist. Und überhaupt, ist ihr nicht kalt? Als ich den Sportplatz erreiche, sind bereits alle Abhänge mit Kindern und Schlitten besetzt und es herrscht ein munteres Treiben. Nun ja, das hätte ich mir denken können, daß die Kinder auch lieber im Morgengrauen schon im Schnee spielen.

In der Wohnung von K., die ziemlich spartanisch eingerichtet ist. Als Bett sehe ich nur eine schmale Pritsche. Eigentlich weiß ich gar nicht, wie ich hierher gekommen bin, aber interessant ist es. Er scheint alleine zu wohnen. Und wie ich feststelle, verliert er bei jedem Schritt weiße flauschige Federn, so als wäre er ein Vogel.

Bemerkung: So bin ich doch noch zu einem Schneespaziergang gekommen.

Die frischen Massen

von nächtlichem Schnee und das Klima sind einfach herrlich. Alleine auf dem Hof mußte ich mich durch frischweiße Schneeberge bis zum Müllhaus kämpfen. Wenn ich nicht so unsagbar müde wäre, würde ich einen nächtlichen Schneespaziergang machen.

Nacht

Montag, 27. Dezember 2010

vergehört

"Störungen an Wagen und Weib"

statt

"Störungen an Wagen und Weichen"

Ich habe

ja schon immer viel Schlaf gebraucht. Mindestens neun Stunden um einen ganzen Tag ohne Leistungseinbußen zu überstehen. Aber zur Zeit reicht nicht einmal das. Sogar mit neun Stunden Schlaf sacke ich nachmittags wie ein Stein auf das Sofa und fühle mich, als hätte ich zwei Milliarden Stunden zu wenig Schlaf abbekommen. Vielleicht habe ich das auch, über vierzig Jahre gerechnet, schließlich war ich bereits in der Schule immer müde. Wenn das aber so weiter geht, habe ich bald von 24 Stunden gerade noch 12 Stunden übrig. Da fragt man sich, was für einen Sinn es macht und wer sich das ausgedacht hat, daß man von seinem Erdendasein nur die Hälfte mitbekommt, zumindest, wenn man nicht latent aggressiv und apathisch durch die Welt gehen will. Und das mit der Bettaufteilung muß auch anders werden. Die letzte Nacht habe ich mit dem Kopf in Bett- und Zimmerecke gequetscht zugebracht, während Puschel ungefähr Dreiviertel des Bettes für sich hatte.

Traumsplitter (Februar)

Vor meinem geistigen Traumauge das Bild eines Ringes mit allen Details. Der Ring ist aus rosa und weißer Emaille - weiße stillisierte Blüten auf rosa Grund - und im Mittelpunkt der Blüten mit Straßsteinen besetzt.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Dem Weihnachtsmann

habe ich heute grünes Licht gegeben. Allein von mir hing alles ab, hing ab, ob die Familie zusammenkommt oder nicht. Ich wurde zum Bestimmer bestimmt und hob den Daumen nach oben, schließlich wollte ich auch meine Weihnachtsgeschenke loswerden. Die Fahrerei mit den Öffentlichen ist allerdings wirklich anstrengend, besonders in vollen Straßenbahnen und wenn sich die Leute im U-Bahn-Lift sogar schon anfangen zu prügeln. Man ist ein wenig überreizt, wie mir scheint. Vom Weihnachtsmann bekam ich neben anderem noch einen Engel aus Holz und ein gewünschtes Lesemonstrum aus knapp 1600 Seiten von Thomas Pynchon:

Pynchon

Als meine Mutter mich das erste Mal mit Perücke gesehen hat, war ihre Reaktion: "Wie siehst du denn aus? Hast du dich nicht gekämmt?" Na super. Als sie dann wußte, daß es eine Perücke ist, meinte sie, ich sehe damit aus wie 16. Das wird ja immer besser... Dabei kann ich es überhaupt nicht gebrauchen, nochmal viel jünger auszusehen, denn mir reichen jetzt bereits die bösen Blicke, wenn man sich in der Bahn versucht, einen Sitzplatz zu sichern. Wenn ich anderen davon erzähle, sagen die mir stets, das dürfe mir nichts ausmachen. Es macht mir aber etwas aus, wenn ich immer mit diesem naserümpfenden "egoistische-Jugend-von heute-Blick" angeschaut werde. Irgendwann ist man dazu einfach zu alt, egal ob man nun so aussieht oder nicht. Meine Mutter bestellte mir Grüße von meinem Onkel und meiner Tante aus dem Bundesgebiet, welche im nächsten Jahr nach Berlin kommen, und ich erfuhr, daß meine Tante mit 36 genau dasselbe wie ich hatte. Niemand hat bisher davon gewußt. Und inzwischen ist sie 72.

Traumsplitter (Januar)

Mit A. zusammen auf einer großen Wiese voller bunter Wörter und Dinge. In seinen Armen bin ich glücklich und lache. Er schaut neugierig hierhin und dorthin, fragt nach diesem und jenem auf der Wiese und entfernt sich dabei von mir. Während ich versuche, ihm zu folgen, hat er sich in einen Schmetterling verwandelt und ist bereits so weit voraus, daß ich ihn aus den Augen verliere. Im Nachbarhof, hinter dem Zaun, entdecke ich einige Falter. Vielleicht ist er ja darunter, eventuell dieser türkis-schwarz gepunktete? Nur leider bin ich kein Schmetterling und kann auch nicht fliegen, deshalb warte ich hinter dem Zaun, daß er zu mir herüberflattert. Die Falter kommen tatsächlich und verwandeln sich im Flug in Vögel. Sobald sie auf dem Erdboden gelandet sind, werden sie zu riesigen dunklen Watschelvögeln mit unglaublich fetten Hintern, die mir die Sicht und den Weg versperren. Es wird klar, daß ich A. verloren habe. Der Verlust scheint unwiederbringlich und ich erwache. Republikflucht paßt natürlich gut zu einem Schmetterling.

Samstag, 25. Dezember 2010

vergelesen

"Als Thomas seine privaten Gemächer betrat, erwarteten ihn dort schon sein Sekretär, sein Kammerdiener und eine Plage."

statt

"Als Thomas seine privaten Gemächer betrat, erwarteten ihn dort schon sein Sekretär, sein Kammerdiener und ein Page."

Mein Krankenkost-Genesungs-Weihnachtsmenü

für heute:

Weihnachtsmenü

Zwei arme Würstchen auf einem Bett von angebratener Zuccini, Broccoli und rote Beete. Der Mariechenkäfer ist natürlich nur Deko.