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Donnerstag, 7. April 2011

Komisch,

seit ich krank geschrieben bin, kommt der Bus garantiert zu jeder Zeit pünktlich, das heißt mit höchstens zehnminütiger Verspätung. Wenn ich jedoch arbeiten gehe, warte ich regelmäßig eine halbe bis dreiviertel Stunde und das um so lieber, je eher ich losgehe. Ist bestimmt auch so eine Busverschwörung.

Meine Mitpatientin

und ich sind gestern vor der Chemo erst einmal in die Krankenhauskantine eingefallen. Aus vier oder fünf Gerichten wählten wir überbackenen Blumenkohl mit Kartoffeln und eine Quarkspeise mit Kirschen. Die Portionen waren riesig - ich glaube fast, auf meinem Teller lag ein ganzer Blumenkohlkopf. Aber wirklich sehr lecker und mit insgesamt 3,85 EUR für jeden preiswert. Um uns herum saßen fast nur Weißkittel, also Ärzte und anderes Klinikpersonal - auch die Stationsärztin, von der ich damals die Diagnose bekommen hatte -, obwohl die Kantine für Außenstehende ebenfalls geöffnet ist. Man fühlt sich deshalb etwas eigenartig und nach Verlassen der Kantine meinte die Mitpatientin, sie würde nie im Leben gerne Arzt sein wollen, worauf ich antwortete, daß ich im Leben weder Arzt noch Patient sein möchte. Es gibt dort übrigens auch ein kleines Schwimmbad. Gut, daß uns die Chemo-Schwester diesen "Geheimtip" gegeben hat. Wir mußten jedenfalls mehr oder weniger in die Ambulanz kugeln. Es war wieder eine Sonographie fällig und da ich seit Januar immer nur höre, das Teil sei ca. 1 cm groß, aber weniger taste als vorher, fragte ich nach und die Ärztin erklärte, bei dem, was noch zu sehen ist, könne es sich auch nur noch um Narbengewebe des Tumors handeln. Außerdem sei kein Blutfluß in diesem Gewebe sichtbar, was ein gutes Zeichen sei. Meine Mitpatientin hatte mich gleich, als wir uns sahen, wieder auf diese schlechten Neuigkeiten für sie vom letzten Mal angesprochen, als sie nicht wußte, daß Metastasen auch nach einer Behandlung auftreten können, was mir zeigt, daß es sie tatsächlich sehr beschäftigt hat. Sie war bei ihrer Ärztin um nachzufragen und hat es von ihr erklärt bekommen. Jetzt, sagt sie, will sie darüber aber nicht mehr dauernd nachdenken. Mache ich genauso. Ich versuche möglichst nur noch an heute zu denken und die Beschäftigungen mit einer möglichen Zukunft, vor allem wenn sie angstbesetzt ist, was sie bei mir eigentlich stets ist, egal in welche Richtung ich blicke, zu unterlassen. Gelingt aber nicht immer. Leider habe ich in meiner unmittelbaren Nähe keine Ärzte, zu denen ich in dieser Situation besonderes Zutrauen hätte um eventuell eine zweite Meinung zu hören. Als ich mit der Diagnose zu meiner Gynäkologin kam, fragte sie zwar, ob ich Fragen habe (mit dem Telefonhörer am Ohr), als ich jedoch einige meiner bereits viel spezielleren Fragen stellte, merkte ich schnell, daß sie da meistens überfragt war. Also hob ich mir die Fragen für die Stationsärzte auf und es endete damit, daß sie mir einen Stapel mit Patientenratgebern in die Hand drückte. Und meine Allgemeinärztin scheinen Brustkrebsdiagnosen ziemlich nervös zu machen. Jedenfalls wirkte sie fahrig und verwechselte beim Reden dauernd Chemotherapie mit Strahlentherapie, was mir das Gefühl gab, daß sie damit reichlich überfordert ist. Meine Mitpatientin erzählte mir dann während der Chemo noch eine angeblich wahre Geschichte aus ihrer Bekanntschaft. Sie kennt eine Frau, die einen herzkranken Sohn hat. Dieser mußte bereits als Kind mehrmals operiert werden. Während einer OP war er mehrere Minuten tot und mußte wiederbelebt werden. Danach erzählte er der Mutter, er sei während dieser OP irgendwo herumgeflogen und hätte einen Mann getroffen, welcher ihn zurück geschickt habe. Einige Tage später schauten sie sich gemeinsam ein Photoalbum mit Familienbildern an. Dieses kannte er noch nicht und ebenfalls nicht die Bilder seines Großvaters, der im zweiten Weltkrieg gefallen war. Als er ein Bild mit ihm sah, zeigte er auf ihn und sagte, dies sei der Mann der ihn zurück geschickt habe.

Dienstag, 5. April 2011

Traumlabyrinth

Ein Gelände mit labyrinthartig angeordneten Lehmwänden, Öffnungen und Türen. Ich habe die Aufgabe in Art einer Prüfung etwas daraus zu finden und zu holen. Teilweise verlaufen tieferliegende Gräben in den Räumen, die zu Friedhöfen führen, welche sich in der Basis der Wände befinden. Die Gräber werden höhlenartig in die Wände gegraben und seltsamerweise spielen Kinder hier. Sie buddeln alte Gräber auf und wieder zu. Ein älterer Mann gibt ihnen einen großen Umschlag mit wichtigen Papieren und sagt zu ihnen, sie sollen den Umschlag mit in das Loch legen und begraben. Die Zeit für meinen Auftrag ist um, aber ich bin immer noch hier, was ich eigentlich nicht dürfte. Als ich versuche, den Ausgang zu finden, muß ich feststellen, daß die zu meinem Auftrag gehörigen Öffnungen und Türen für den nächsten Prüfungsdurchgang zugemauert und woanders hin verlegt wurden. Jetzt wird es schwierig, den Ausgang zu finden, falls es überhaupt noch einen gibt. Damit es nicht auffällt, daß ich immer noch hier bin, gehe ich im größeren Hauptraum zum Geschäftsleiter und bitte um ein Gespräch. Wir sitzen uns gegenüber und ich erzähle, daß mir das Praktikum hier wirklich Spaß gemacht hätte, ich aber gerne noch einiges dazu anmerken würde, auch einige kritische Dinge, die mir aufgefallen seien. Er solle das nicht falsch verstehen, es wäre im Großen und Ganzen alles in Ordnung gewesen, aber gewisse Sachen könnte man verbessern und es wäre mir ein Anliegen, dazu beizutragen. Der Geschäftsführer hört mir aufmerksam und etwas ungläubig schauend zu, gibt jedoch sein Einverständnis, allerdings auch genaue Anweisungen, wie das auszusehen hat. Alle Bemerkungen müsse ich schriftlich machen, als Überschrift müsse "Kündigung" darüberstehen und diese Überschrift müsse braun oder gelb unterstrichen sein. Ich bin zufrieden, denn mein Ziel, daß es nicht auffällt, wenn ich mich hier länger aufhalte, habe ich erreicht. Jetzt muß ich schnellstens zusehen, den Ausgang zu finden. Nach enigem Herumirren durch schmale Gänge, Türen und Öffnungen hindurch, habe ich ihn wohl auch gefunden.

Montag, 4. April 2011

Da ich gerade

Spatzen erwähnte - es gibt über diese eigentlich noch viel mehr zu erzählen. Zum Beispiel ist es so, daß das Spatzenmännchen völlig allein das Nest baut und wenn es fertig ist, macht er kräftig Werbung dafür, indem er sich lauthals bemerkbar macht und versucht, alle anderen Spatzen zu übertönen. Wer am lautesten ist, hat die besten Chancen, aufzufallen. Wird eine Spatzendame auf den Schreihals aufmerksam, lädt er diese zu einer WohnungsNestbesichtigung ein. Und erst, wenn ihr das Nest gefällt, sie zufrieden ist und bereit, sich in dieses gemachte Nest zu setzen, wird aus den beiden ein Paar. Gefällt es ihr nicht, fliegt sie einfach davon.

Frühlingsboten

Als ich heute zum Sport wollte, fuhr mir der Bus vor der Nase weg und ich beschloß zu laufen, obwohl es eine ziemlich lange Strecke ist. Aber nach dem Regen kam die Sonne nebst Regenbogen wieder hervor, ich hatte Lust dazu und dachte mir, ich könnte es trotzdem rechtzeitig schaffen. War dann auch nur 5 Minuten zu spät, aber dafür schon außer Atem und beim Sport ging es gleich weiter richtig zur Sache, daß ich nur so schwitzte. Auf dem Weg zum Sport flirtete doch ein Radfahrer mit mir, ich wollte es erst gar nicht glauben. Als er mich angrinste, dachte ich, er kennt mich irgendwoher, aber nein, er fuhr an mir vorbei, drehte sich dabei ständig nach mir um, grinste mich an und fuhr schließlich fast in das Wartestellenhäuschen, um das der Radweg einen Schlenker macht. Nun ja, wenn es Frühling wird, können Männer wahrscheinlich noch weniger eine Attrappe vom Original unterscheiden als sonst. Das ist wie bei den Tieren. Die Spatzen balzen auch schon wieder um meine Vogelattrappe auf dem Balkon herum.

Sonntag, 3. April 2011

Kollision der Welten

Im Bett meines ehemaligen Jugendzimmers erwachend, denke ich ärgerlich, daß es schön gewesen wäre, noch ein wenig länger durchzuschlafen. Diese ständige Schlaflosigkeit ist nervend. Draußen ist es jedoch bereits hell und laute Stimmen dringen ins Zimmer, so als würden sich die Leute fast schon in meinem Zimmer befinden. Prüfend mustere ich das Fenster. Es ist viereckig und noch einmal in vier kleinere Fenster unterteilt, die als Klappen nach oben zu öffnen sind. Alle Klappen stehen offen. War ich das oder war jemand im Zimmer, der sie geöffnet hat? Kein Wunder, daß es so laut ist. Jetzt fällt mir auf, daß hinter den Fenstern jede Menge Gesichter zu sehen sind. Das Zimmer liegt also zu ebener Erde und einige Leute versammeln sich vor meinem Fenster, um sich zu unterhalten und gleichzeitig neugierig in mein Zimmer zu schauen. Eh ich mich versehe, sind sogar zwei in meinem Zimmer, die PingPong an einer Tischtennisplatte spielen. Ähm, eigentlich wollte ich schlafen. Ich ziehe mich also unter meine Bettdecke zurück und versuche das Treiben um mich herum soweit es geht auszublenden. Mit einem Mal sitzt der Wilde Kaiser auf meiner Bettkante. Er betrachtet mich ziemlich lange und wirkt etwas erschrocken, dann sagt er zu mir: "Du siehst so urlaubslos aus!" Erst überlege ich einen Moment, was er damit meint, dann muß ich lachen, als mir ein Licht aufgeht. "Du umschreibst mein Aussehen aber sehr höflich." entgegne ich lächelnd und ein wenig zynisch, mache noch einige Bemerkungen darüber, daß man während der Chemo nicht unbedingt gut, bzw. gesund aussieht. Er nickt und sagt, daß er mir auch eigentlich nur endlich schöne Weihnachten wünschen wollte. Schöne Ostern natürlich auch. Als er weg ist schüttle ich den Kopf und denke so bei mir: Das ist aber einer. Wünscht mir schöne Weihnachten, wenn schon fast Ostern ist. Meine Katze kommt zum Bett geschlichen und ich verpasse ihr einen Nasenstüber, worauf sie mit Fauchen und fast schon bösartig reagiert. Was ist denn mit ihr los? Will sie Krieg? Doch dann liegt sie friedlich zusammengerollt vor mir auf dem Fußboden, allerdings kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, daß sie markiert und nur darauf wartet, daß ich die Hand ausstrecke, um diese zu zerfleischen. Ich tue es trotzdem und streichle sie ein bißchen, nichts passiert. Irgendwann ist sie verschwunden und ich suche sie unter dem Bett. Nach mehrmaligem Hinunterschauen entdecke ich sie tatsächlich zusammengekauert neben Tiger sitzen. Es sieht fast so aus, als würde sie ihren Kopf an ihn lehnen. Hat sie sich etwa mit Tiger angefreundet? Wie süß! Doch im gleichen Moment fängt sie an, Tiger wild mit den Krallen zu zerfetzen. Es wirkt, als würde sie es mit Absicht machen, wenn ich zugucke, vielleicht aus Rache, aber vielleicht ist sie auch eifersüchtig. Und plötzlich ist es keine Katze mehr, sondern ein kleines Dromedar, das da feindselig unter meinem Bett sitzt. In weiteren Traumsequenzen, die in die vorherige übergehen, erfahre ich, daß zwei Welten miteinander kollidieren und sich dabei miteinander vermischen, wobei ich eine nicht unerhebliche Rolle spiele. Es ist wohl so, daß ich Gegenstände, die versehentlich in die falsche Welt geraten sind, wieder zurückholen kann. Oder bin ich gar der Auslöser für diese Kollision?

Samstag, 2. April 2011

Maschinen

Donnerstag, 31. März 2011

Da

sauge ich gerade in meiner Wohnung und brabbel so vor mich hin, daß ich, sobald alle Staubbeutel aufgebraucht sind, mir einen neuen Staubsauger kaufen werde, nämlich einen runden, der nach allen Seiten freigängig ist, schon streikt das Teil. Wahrscheinlich ist er jetzt beleidigt. Man sollte nie die Gefühle seiner Haushaltstechnik unterschätzen.

...

Das erste Jahr glich sehr der Brautzeit, als das Zusammenleben aber andauerte, konnte Lyhne es sich nicht mehr verhehlen, daß es ihn ermüdete, seiner Liebe beständig neuen Ausdruck zu verleihen - stets in das Gefieder der Poesie gehüllt, die Schwingen zum Flug durch alle Himmel der Stimmungen und alle Tiefen der Gedanken ausgebreitet halten zu müssen; er sehnte sich danach, in gemütlicher Ruhe still auf seinem Zweig zu sitzen und seinen müden Kopf zum Schlummer in den weichen Flaum unter dem Flügel zu bergen. Er dachte sich die Liebe nicht wie eine ewig lodernde Flamme, die mit ihrem mächtigen, flackernden Schein in alle ruhigen Falten des Daseins hineinleuchtete und phantastisch alles größer und fremder erscheinen ließ, als es war - für ihn war die Liebe wie die ruhig glimmende Glut, die unter ihrer weichen Aschenschicht hervor gleichmäßige Wärme spendet und in gedämpftem Dämmerlicht das Ferne milde verhüllt und das Nahe doppelt nahe und doppelt heimisch erscheinen läßt...
...seine Liebe hatte ihn für eine kurze Stunde mit einer flüchtigen Glorie von Geist und Hoheit umgeben, was so oft bei kleineren Naturen geschah.

(aus "Niels Lyhne" von Jens Peter Jacobsen)

Mittwoch, 30. März 2011

Informationslücken

offenbaren sich immer wieder sowohl bei mir als auch bei anderen Patientinnen. Heute im Chemoraum erzählte eine, daß sie sogar nach den Behandlungen noch Knochenmetastasen bekommen hätte, worüber meine andere Mitpatientin, mit der ich nächste Woche zum Essen in der Krankenhauskantine verabredet bin, enorm erschrocken war und sozusagen aus allen Wolken gefallen ist. Von dieser Möglichkeit hätte sie nichts gewußt. Das wiederum hat mich verwundert. Ich schon. Durch das Sterben meiner Oma an Brustkrebs habe ich anscheinend einen unschönen Wissensvorsprung. Ich weiß, was auch nach der Operation noch alles passieren kann und ich weiß, wie das Sterben ist, bzw. sein könnte. Weil dieses Wissen so selbstverständlich vorhanden war, ist mir dieser Mangel an Information gar nicht aufgefallen. Aber es stimmt. Nach der Diagnose hört man das Wort "Metastasen" relativ selten. Man wird zwar überall zu Untersuchungen herumgeschickt, bekommt allerdings nur nebenbei mit, worum es dabei eigentlich geht und bekommt nicht explizit gesagt, daß auch nach Operation und Behandlungen Metastasen auftreten können. Nun hatte sie allerdings eine Einladung zu einem Vortrag der Chefärztin (ich komischerweise nicht), zu dem sie vielleicht hätte gehen sollen. Mag sein, daß es dort solche Informationen gegeben hat. Einen Mangel an Information kann man stets vermuten, wenn die Aussagen der Ärzte widersprüchlich sind. Wenn zum Beispiel gesagt wird, daß die Chemo bei in Lymphen wandernden Krebszellen möglicherweise ausreichend ist, aber die Brust trotz Komplettrückgang des Tumors operiert werden muß, weil dort trotz Chemo noch Krebszellen sitzen können. Das verwirrt zunächst. Dann habe ich allerdings im Internet, ich glaube im "Taxolbuch" bei google.books.de, einem schon mehr medizinischen Fachbuch gelesen, daß es sowohl Krebsstammzellen als auch einfache Krebszellen gibt. Einfache Krebszellen sterben schnell, Krebsstammzellen nicht (sondern gelten teilweise sogar als unsterblich), was vielleicht den Widerspruch erklärt. Doch ohne Internet ist es schwierig, an solche Hintergrundinformationen zu gelangen und ich finde, ich bin nicht so doof, daß ich es nicht verstehen würde, wenn es mir ein Arzt erklärt. Schließlich will ich ja eigentlich nicht gleich ein ganzes Medizinstudium absolvieren.

Post

vom Katastrophenschutzbeauftragten bekommen: wo ich mich im Falle eines terroristischen Angriffs oder einer Epidemie (damit ist wohl auch Strahlung gemeint) zur Koordination der medizinischen Hilfsarbeiten einzufinden habe. Immer, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, schreibt er mir. Aber jetzt bin ich erst einmal meine eigene Katastrophe.

Traumsplitter

Ein Seminar mit Hitler als Seminarleiter. Er trägt akkurat gescheitelte Haare, aber keinen Schnurrbart. Angestrengt versuche ich zwei mathematische Aufgaben zu lösen, die auf einem weißen Blatt stehen und hoffe, daß ich nicht drankomme. Irgendetwas stimmt mit den Aufgaben nicht. Vielleicht sähen sie besser aus, wenn ich einfach alle Variablen so um das Gleichheitszeichen gruppiere, daß ein Gleichgewicht entsteht. Aber im Grunde habe ich keine Ahnung. Inzwischen bin ich mit einer Gruppe Kommilitonen ins Gespräch gekommen und wir stehen unaufmerksam an den Fenstern herum. Hitler schlendert in unseren Gang, was bedeutet, daß wir uns sofort zackig in Reih und Glied am Fenster aufzustellen haben. Da ich hinter einem Pfeiler stand, habe ich ihn nicht kommen sehen und springe deshalb erst überrascht in Haltung, als mich andere warnen und er bereits knapp vor uns ist. Durch den Überraschungseffekt habe ich jedoch so eine unglückliche Bewegung gemacht, daß ich im Stand das Gleichgewicht verliere und einen Ausfallschritt nach vorne, genau vor seine Nase, mache. Er guckt mich verärgert und auch ein bißchen verwundert, wie ich finde, an. Dann wird aus Hitler der verstorbene Studienfreund meines Vaters, ebenfalls akkurat gescheitelt und nun der Seminarleiter. Bei ihm habe ich wahrscheinlich keinen besseren Stand, deshalb hoffe ich, daß er mich nicht anspricht. Später irgendwo bei meinen verstorbenen Großeltern und schließlich um 3 Uhr nachts auf der Straße unterwegs, wo ich durch Tuscheleien der Passanten mitbekomme, daß McCoy, der Bordarzt der Enterprise gerade gestorben ist.

Bemerkung: Die Korrelation des Begriffes "einen guten Stand haben" mit dem Traum ist mir erst beim Schreiben aufgefallen. Und McCoy ist bereits im Juni 1999 gestorben. Ich hinke etwas hinterher.

Dienstag, 29. März 2011

Im Themenabend

bei arte zum Brustkrebs hieß es
a)Brustkrebs sei der gefährlichste und heimtückischste Krebs (Meine Schwägerin hat mir erzählt, das sei Bauchspeicheldrüsenkrebs.)
b)Brustkrebs sei die häufigste Todesursache bei jungen Frauen (Wer hätte das gedacht.)
c)es bestehen gute Aussichten nach 10-15 Jahren erneut daran zu erkranken. (Tolle Aussichten. Da muß man noch 20 Jahre bis zum Abwinken unter Personalmangel und Zeitdruck schuften und kurz vor der Rente erwischt es einen erneut. Ganz schlecht sind allerdings die dran, die es genau mit der Rente erwischt, wie meine Kollegin.)

Gleichzeitig heißt es, es beständen Heilungschancen von 90 Prozent. Wie paßt das zusammen? Das kann man ja nur behaupten, wenn man von dieser Fünf-Jahres-Frist ausgeht, ab der man als geheilt gilt, was man aber eigentlich gar nicht ist, zumindest nicht in dem Sinne, daß man sich als genauso gesund wie vorher betrachten kann.

In den Wintermantel

gemummelt läßt es sich schon wieder draußen sitzen, allerdings braucht man spannende Lektüre oder besser noch ein paar Tagträume, damit man nicht merkt, wenn sich Nase, Finger und Füße langsam in Eisblöcke verwandeln. Jetzt suche ich mir erstmal was Heißes um wieder aufzutauen. Und von meiner Mutter diverse Literatur vor dem Antiquariat gerettet, wie z.B. "Wallenstein" von Alfred Döblin, "Mohammed - Das Leben eines Propheten", "Richard Wagner - Mein Leben", ein Wörterbuch der jiddischen Sprache und eines der Ortsnamen in Deutschland, Das große Buch der Sufi-Weisheit, "Französisch im Berliner Jargon", "Das Tibetanische Totenbuch" in Neuübersetzung und mit Kommentaren, ein T'ai chi ch'uan-Buch, "Der heilende Buddha" und "Die heilende Energie des Wassers". So viel für heute oder wie die Sufis zu sagen pflegen: "Schließ keine Freundschaft mit einem Elefantenhüter, wenn du keinen Platz hast, um einen Elefanten zu bewirten."

Wenn man

nicht schlafen kann, fotografiert man eben Sonnenaufgänge:

Sonnenaufgang

Montag, 28. März 2011

Ist es also soweit -

als wir heute auf die erste Sportgruppe warten mußten, bevor wir in die Sporträumlichkeiten konnten, bot mir einer der Männer aus unserer Gruppe seinen Sitzplatz an. Nun ja, der Kräfteverfall ist wirklich beängstigend. Bereits in den letzten zwei Jahren, vielleicht schon als Folge der Erkrankung, was zusätzlich noch zu meiner Überforderung beigetragen hat, aber ich hatte gehofft, daß es spätestens in diesem Jahr wieder besser werden würde. Doch stattdessen ist es mit der Chemo noch schlimmer geworden. Manchmal wünschte ich wirklich, ich müßte nicht vier Treppen bis in meine Wohnung steigen. Außerdem müßte ich dringend die Gardinen waschen, habe aber keine Kraft, um mit der Leiter herumzumachen und darauf herumzuklettern. Und das mir, wo ich doch überhaupt keine Geduld habe, wenn ich mich nicht bewegen kann wie ich will. Durch meine Krankheitserfahrungen im zarten Alter von 18 Jahren, als ich kaum noch zwei Treppen hochgekommen bin, bin ich zu jemandem geworden, der Einschränkungen nicht mehr akzeptieren kann. Denn damals war ich noch völlig sorglos und unbedacht mit meiner Gesundheit und tatsächlich so naiv zu glauben, das wäre das beginnende Alter. Natürlich war es das nicht, sondern eine Herz- und Lebergeschichte nach einer schweren Virusgrippe. Mit einem Jahr Weißdorn war ich fast wiederhergestellt. Aber seitdem weigere ich mich, daran zu glauben, daß ich mich mit irgendwelchen Einschränkungen auf Dauer abfinden muß. Ich fürchte jedoch, daß ich das doch irgendwann muß, spätestens wenn es tatsächlich das Alter ist. Und mein Körper hat ja netterweise zu fast jeder Lebenszeit irgendwelche risikobehafteten Überraschungen für mich auf Lager. Manchmal wundere ich mich wirklich über das Glück im Unglück, das ich bisher hatte. Die Menningitis angeblich ohne Schäden überstanden (ok, manche sagen etwas anderes), auch die Herz- und Lebergeschichte hätte anders ausgehen können, hat aber nur wenig zurückgelassen. Und jetzt? Wird es diesmal wieder so sein? So viele Jahre hat es noch nie gedauert...

Traumsplitter

Unter freiem Himmel über den Paare von Kriegsbombern ziehen. Sie wollen nicht in meine Stadt, sondern in eine andere, aber es ist trotzdem nötig, sich zu verstecken. Irgendwo, die Bomber über uns hinwegfliegend, tausche ich mit meiner Jugendliebe Küsse aus. Die Jugendliebe wird zu meinem Kumpel, dem ich über einige sexuelle Eskapaden von mir berichte, mit Leuten, mit denen man sowas eher bleiben lassen sollte, und meine entschuldigend hinzufügen zu müssen, daß es nicht wirklich Sex war, sondern Normalität. Ich spüre plötzlich etwas an meinem Handgelenk, das sich wie eine eiserne Handfessel anfühlt. Doch es ist mein Kumpel, der mein Handgelenk in eisernem Griff hält, als wolle er mich an sich ketten. "Willst du mich nicht loslassen?" frage ich, denn schließlich kann er mich nicht ewig an sich binden. Aber er scheint nicht zu wollen.

Grün

Wortmeer hat mich dazu inspiriert, selbst einmal in meiner Wohnung auf die Suche nach Grün zu gehen und ich fand mehr als ich erwartete. Trotzdem haben sich auch ein paar andere Farben hineingeschmuggelt. Vielleicht gehe ich ja demnächst auf die Suche nach Rot.

Grün

Sonntag, 27. März 2011

Auf arte

läuft "Hearbreakers", die einzige moderne Komödie über die ich tatsächlich lachen kann, und auf AXN "The Cooler - Alles auf Liebe" mit dem fast schönsten Filmzitat aller Zeiten:

Wenn du in den Spiegel blickst und dir nicht gefällt, was du dort siehst, dann glaub es einfach nicht. Sieh mir in die Augen! Ich bin der einzige Spiegel, den du je brauchen wirst. Sieh mir in die Augen!
Kann mich nicht entscheiden. Mit Fantasy und Vampiren kann man mich jagen, das ist deshalb keine Option.

Edit: Mein jugendlicher Nachbar hustet und röchelt übrigens den lieben langen Tag genauso viel wie der reiche alte Sack in "Heartbreakers", hat aber vermutlich nichts auf dem Konto. Ein bißchen weniger Rauchen würde nicht nur mir als Passivraucher, sondern auch ihm gut tun.

vergelesen

"Wahlschlampe"

statt

"Wahlschlappe"

Traumsplitter

Ich gehe eine breit angelegte, öffentliche, nicht sehr steile Treppe hinunter, und während ich gehe, kommt mir blitzartig eine Erkenntnis, die mir wie eine Offenbarung erscheint. Plötzlich weiß ich nämlich, daß das Baby, welches ich in meinem Bauch trage, lebendig ist, wobei die volle Bedeutung des Begriffes "lebendig" mir jetzt erst wirklich bewußt wird. Es umfaßt mehr als einfach nur am Leben zu sein, sondern auch, daß das Baby alles um mich herum bewußt wahrnehmen, sehen, hören und fühlen kann, ganz genauso wie ich. Wer hätte das gedacht.