Zwischen unruhigen Träumen beschließe ich, mir eine Badewanne Wasser für ein entspannendes Bad einzulassen. Doch etwas fehlt noch, fällt mir ein, nämlich weiße Schafgarbe. Das Bad muß mit weißer Schafgarbe sein, wenn mir auch nicht mehr klar ist, aus welchem Grund. Ich gehe im Kindheits-Wäschegarten auf die Suche, finde tatsächlich eine Pflanze, die wie Schafgarbe aussieht, aber sie ist nicht weiß. Schade. Jetzt muß ich weitersuchen.
Seit diesem Traum habe ich Verlangen nach weißer Schafgarbe. Wenn ich an die zarten Blütendolden denke, steigt mir sofort der Duft einer Sommerwiese in die Nase. Ein Strauß weißer Schafgarbe wäre jetzt perfekt.
So schön kann es manchmal sein, wenn man der 500. Follower bei Twitter ist. Gleich hat man einen ganzen
Todeszauberer vom twitternden Blanvalent-Verlag im Briefkasten. Nach Axtmörder und Ballhausmörder, die im übrigen real sind und Stammgäste meiner früheren Jobabteilung waren, nun also der Schläfenmörder. "Mord in Germany, 100% Hochspannung" verspricht mir der Aufkleber des Buches. Und zu meinem Entzücken ist es nicht nur Mord in Germany, sondern sogar in Berlin.
Das Teil, das ich heute auf der Straße fand, "Ringlein" zu nennen wäre allerdings arg untertrieben. Es ist eher ein Monsterring aus 585 Silber mit riesigem lila Klunker. Wem der bekannt vorkommt, kann sich ja melden. Das letzte Mal fand ich vor einigen Jahren Schmuck in Form eines Kettenanhängers in meinem Balkonkasten. Die Elstern haben mich jedoch enttäuscht und verstecken jetzt nur noch Eicheln in der Erde...

Wenn man nebenwirkungsbedingt nicht mehr viel schlafen und träumen kann, gibt es zumindest noch den Tag um zu träumen, zum Beispiel von diesem Dachgarten, den ich gerne hätte:
Und eigentlich könnte man die schlaflosen Nächte gut nutzen, um stilecht bohemian an den Schreibprojekten weiterzuarbeiten, wenn da nur nicht diese Chemoleere im Gehirn wäre. Ich schreibe auch viel lieber mit Blick auf den blauen Himmel oder grüne Bäume. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Gehirn schrumpft schneller als der Tumor, aber es gibt ja auch Leute, die behaupten, das Gehirn sei im Grunde nichts anderes als ein großer parasitärer Tumor, der ständig nach Glucose schreit.
Eine riesengroße Party in einem Ferienhaus, das mein Bruder und seine Freundin angemietet haben. Es sind so viele Leute dort, daß ich gar nicht bis ganz in das Innere des Hauses vordringe, auch deshalb, weil mir die vielen fremden Leute Angst machen, sondern in einem Vorbau mit anderen fremden Leuten herumhänge. Ich fühle mich unwohl dabei, deshalb bin ich froh, als die ersten gehen, und schließe mich ihnen an. Draußen weiß ich allerdings gar nicht, wohin eigentlich. Es gibt kein Ziel und es wird mir gesagt, daß ich Gaumenkrebs hätte, der mehr streut als andere. Jetzt merke ich auch, daß aus meinem Gaumen große Stücke herausgeschnitten wurden. Gleichzeitig meint jemand zu mir, daß eine bestimmte Person das ebenfalls hätte und noch leben würde, ich solle mir also keine Gedanken machen. Ich beschließe zum Haus zurück zu gehen. Mit den letzten Gästen kann man ja noch etwas weiterfeiern, vielleicht sogar im Zentrum des Hauses. Nicht daß ich Lust darauf hätte, aber ich hätte sonst keine Idee, wohin zu gehen und was zu tun. Doch inzwischen ist das Haus leer. Alle sind gegangen, von meinem Bruder und seiner Freundin ist ebenfalls nichts mehr zu sehen, als ich neugierig in die inneren Räumlichkeiten vordringe. Jetzt, wo keiner mehr da ist, kann ich mir zumindest mal alles in Ruhe anschauen. Da kommt die Hausbesitzerin fluchend herein, weil ihr das Chaos mißfällt, das hinterlassen wurde. Ich finde es gar nicht sehr schlimm. Man sieht, daß durchaus aufgeräumt wurde, allerdings nicht sehr gründlich. Weil ich als einzige noch anwesend bin, verlangt sie von mir, bei der Beseitigung der sie noch störenden Unordnung zu helfen. Nun gut, ich mache mich an die Arbeit, ein paar übrig gebliebene Schüsseln abzuwaschen. Aber insgeheim finde ich es ziemlich ungerecht, daß ich, obwohl ich von der Party überhaupt nichts hatte, vielleicht sogar am wenigsten von allen, jetzt den Mist der anderen wegräumen muß.
zum ersten Mal in diesem Jahr benutzt. Die Haare wachsen wieder, allerdings mit Geheimratsecken. Das bringt meine Denkerstirn besonders gut zur Geltung - wenn ich ein Mann wäre.
Es ist Nacht und ich bemerke, daß mein Fernseher von allein angesprungen ist und jetzt zwei etwas farblose Außerirdische, die aus einem Loch gekommen sind, welches sich im Nachthimmel öffnete, ihre suggestiven Botschaften darüber verbreiten. Anscheinend haben sie vor, eine Art Gehirnwäsche durchzuführen. Ich überlege, den Fernseher künftig abends ganz vom Netz zu nehmen, damit ihn die Außerirdischen nicht mehr okkupieren können. Das geht nämlich nur, solange er am Stromnetz angeschlossen ist.
Die Botschaften gehen weiter. Aus dem Hintergrund ertönt immer wieder eine Stimme, die mir und den vielen Menschen, die mit mir hier durch die Natur strömen, sagt, daß wir den gelben Weg suchen und benutzen sollen, wobei sie uns bereits die Richtung vorgibt, in welcher wir ihn finden. Mich nervt die Stimme, denn sie macht Lärm, während man ansonsten hier in der Stille zwischen den Bäumen ganz entspannt spazieren gehen könnte. Außerdem hat es den Anschein, als seien die anderen Menschen Roboter oder hypnotisiert, denn sie reagieren auf gar nichts und sind auf ihrem Drängen zum gelben Weg wie weggetreten. An einer Kreuzung stoßen wir auf den gelben Weg. Aber Moment mal, der Weg ist statt gelb tiefschwarz, nur daß in großen dünnen Buchstaben "gelber Weg" auf ihm in den Staub geschrieben ist. Doch ist er es wirklich? Die anderen Leute um mich herum scheinen die Diskrepanz nicht zu bemerken. Die Erkenntnis jedoch, daß die Stimme ihnen den Willen geraubt und sie hypnotisiert hat läßt mich an den Absichten der Stimme zweifeln. Ich bin verwirrt und muß an den gelben Backsteinweg im Lande Oz denken. Auch dort kann man nicht jedem trauen, der einem den Weg zeigt.
Während ich die lange Eckstraße in der Nähe meiner Wohnung entlanglaufe, überlege ich, wohin ich hier R. bringen will, wenn er da ist. Denn es gibt zwei Sehenswürdigkeiten - das Nymphenbad, so wie dieses in Dresden und sehr versteckt, sowie ein großes Haus mit Ausstellungen und anderen Freizeitvergnügungen (in der Realität das Gericht). Wir finden uns in dem Haus wieder vor einem Raum, wo eine Tanzveranstaltung mit klassischen Tänzen stattfinden soll. Er will nicht hinein, denn er kann nicht tanzen, deshalb lungern wir auf dem Flur herum. Ich versuche ihm kurzerhand den Walzer beizubringen, erst indem ich mich mit dem Rücken vor ihn stelle, danach von Angesicht zu Angesicht. Ich zähle, während wir uns drehen - 1,2,3 - 1,2,3 - geht doch!
das Küchenfenster geputzt, also meinem Kräftepotential entsprechend, bunte Schmetterlinge draufgeklebt, im Radio "Porgy and Bess". Danach mit bleigewichtiger Müdigkeit schon beim Hinsetzen im Sessel hinweggerafft vom Erschöpfungsschlaf.

seit ich krank geschrieben bin, kommt der Bus garantiert zu jeder Zeit pünktlich, das heißt mit höchstens zehnminütiger Verspätung. Wenn ich jedoch arbeiten gehe, warte ich regelmäßig eine halbe bis dreiviertel Stunde und das um so lieber, je eher ich losgehe. Ist bestimmt auch so eine Busverschwörung.
und ich sind gestern vor der Chemo erst einmal in die Krankenhauskantine eingefallen. Aus vier oder fünf Gerichten wählten wir überbackenen Blumenkohl mit Kartoffeln und eine Quarkspeise mit Kirschen. Die Portionen waren riesig - ich glaube fast, auf meinem Teller lag ein ganzer Blumenkohlkopf. Aber wirklich sehr lecker und mit insgesamt 3,85 EUR für jeden preiswert. Um uns herum saßen fast nur Weißkittel, also Ärzte und anderes Klinikpersonal - auch die Stationsärztin, von der ich damals die Diagnose bekommen hatte -, obwohl die Kantine für Außenstehende ebenfalls geöffnet ist. Man fühlt sich deshalb etwas eigenartig und nach Verlassen der Kantine meinte die Mitpatientin, sie würde nie im Leben gerne Arzt sein wollen, worauf ich antwortete, daß ich im Leben weder Arzt noch Patient sein möchte. Es gibt dort übrigens auch ein kleines Schwimmbad. Gut, daß uns die Chemo-Schwester diesen "Geheimtip" gegeben hat. Wir mußten jedenfalls mehr oder weniger in die Ambulanz kugeln. Es war wieder eine Sonographie fällig und da ich seit Januar immer nur höre, das Teil sei ca. 1 cm groß, aber weniger taste als vorher, fragte ich nach und die Ärztin erklärte, bei dem, was noch zu sehen ist, könne es sich auch nur noch um Narbengewebe des Tumors handeln. Außerdem sei kein Blutfluß in diesem Gewebe sichtbar, was ein gutes Zeichen sei. Meine Mitpatientin hatte mich gleich, als wir uns sahen, wieder auf diese schlechten Neuigkeiten für sie vom letzten Mal angesprochen, als sie nicht wußte, daß Metastasen auch nach einer Behandlung auftreten können, was mir zeigt, daß es sie tatsächlich sehr beschäftigt hat. Sie war bei ihrer Ärztin um nachzufragen und hat es von ihr erklärt bekommen. Jetzt, sagt sie, will sie darüber aber nicht mehr dauernd nachdenken. Mache ich genauso. Ich versuche möglichst nur noch an heute zu denken und die Beschäftigungen mit einer möglichen Zukunft, vor allem wenn sie angstbesetzt ist, was sie bei mir eigentlich stets ist, egal in welche Richtung ich blicke, zu unterlassen. Gelingt aber nicht immer. Leider habe ich in meiner unmittelbaren Nähe keine Ärzte, zu denen ich in dieser Situation besonderes Zutrauen hätte um eventuell eine zweite Meinung zu hören. Als ich mit der Diagnose zu meiner Gynäkologin kam, fragte sie zwar, ob ich Fragen habe (mit dem Telefonhörer am Ohr), als ich jedoch einige meiner bereits viel spezielleren Fragen stellte, merkte ich schnell, daß sie da meistens überfragt war. Also hob ich mir die Fragen für die Stationsärzte auf und es endete damit, daß sie mir einen Stapel mit Patientenratgebern in die Hand drückte. Und meine Allgemeinärztin scheinen Brustkrebsdiagnosen ziemlich nervös zu machen. Jedenfalls wirkte sie fahrig und verwechselte beim Reden dauernd Chemotherapie mit Strahlentherapie, was mir das Gefühl gab, daß sie damit reichlich überfordert ist. Meine Mitpatientin erzählte mir dann während der Chemo noch eine angeblich wahre Geschichte aus ihrer Bekanntschaft. Sie kennt eine Frau, die einen herzkranken Sohn hat. Dieser mußte bereits als Kind mehrmals operiert werden. Während einer OP war er mehrere Minuten tot und mußte wiederbelebt werden. Danach erzählte er der Mutter, er sei während dieser OP irgendwo herumgeflogen und hätte einen Mann getroffen, welcher ihn zurück geschickt habe. Einige Tage später schauten sie sich gemeinsam ein Photoalbum mit Familienbildern an. Dieses kannte er noch nicht und ebenfalls nicht die Bilder seines Großvaters, der im zweiten Weltkrieg gefallen war. Als er ein Bild mit ihm sah, zeigte er auf ihn und sagte, dies sei der Mann der ihn zurück geschickt habe.
Ein Gelände mit labyrinthartig angeordneten Lehmwänden, Öffnungen und Türen. Ich habe die Aufgabe in Art einer Prüfung etwas daraus zu finden und zu holen. Teilweise verlaufen tieferliegende Gräben in den Räumen, die zu Friedhöfen führen, welche sich in der Basis der Wände befinden. Die Gräber werden höhlenartig in die Wände gegraben und seltsamerweise spielen Kinder hier. Sie buddeln alte Gräber auf und wieder zu. Ein älterer Mann gibt ihnen einen großen Umschlag mit wichtigen Papieren und sagt zu ihnen, sie sollen den Umschlag mit in das Loch legen und begraben. Die Zeit für meinen Auftrag ist um, aber ich bin immer noch hier, was ich eigentlich nicht dürfte. Als ich versuche, den Ausgang zu finden, muß ich feststellen, daß die zu meinem Auftrag gehörigen Öffnungen und Türen für den nächsten Prüfungsdurchgang zugemauert und woanders hin verlegt wurden. Jetzt wird es schwierig, den Ausgang zu finden, falls es überhaupt noch einen gibt. Damit es nicht auffällt, daß ich immer noch hier bin, gehe ich im größeren Hauptraum zum Geschäftsleiter und bitte um ein Gespräch. Wir sitzen uns gegenüber und ich erzähle, daß mir das Praktikum hier wirklich Spaß gemacht hätte, ich aber gerne noch einiges dazu anmerken würde, auch einige kritische Dinge, die mir aufgefallen seien. Er solle das nicht falsch verstehen, es wäre im Großen und Ganzen alles in Ordnung gewesen, aber gewisse Sachen könnte man verbessern und es wäre mir ein Anliegen, dazu beizutragen. Der Geschäftsführer hört mir aufmerksam und etwas ungläubig schauend zu, gibt jedoch sein Einverständnis, allerdings auch genaue Anweisungen, wie das auszusehen hat. Alle Bemerkungen müsse ich schriftlich machen, als Überschrift müsse "Kündigung" darüberstehen und diese Überschrift müsse braun oder gelb unterstrichen sein. Ich bin zufrieden, denn mein Ziel, daß es nicht auffällt, wenn ich mich hier länger aufhalte, habe ich erreicht. Jetzt muß ich schnellstens zusehen, den Ausgang zu finden. Nach enigem Herumirren durch schmale Gänge, Türen und Öffnungen hindurch, habe ich ihn wohl auch gefunden.
Spatzen erwähnte - es gibt über diese eigentlich noch viel mehr zu erzählen. Zum Beispiel ist es so, daß das Spatzenmännchen völlig allein das Nest baut und wenn es fertig ist, macht er kräftig Werbung dafür, indem er sich lauthals bemerkbar macht und versucht, alle anderen Spatzen zu übertönen. Wer am lautesten ist, hat die besten Chancen, aufzufallen. Wird eine Spatzendame auf den Schreihals aufmerksam, lädt er diese zu einer WohnungsNestbesichtigung ein. Und erst, wenn ihr das Nest gefällt, sie zufrieden ist und bereit, sich in dieses gemachte Nest zu setzen, wird aus den beiden ein Paar. Gefällt es ihr nicht, fliegt sie einfach davon.
Als ich heute zum Sport wollte, fuhr mir der Bus vor der Nase weg und ich beschloß zu laufen, obwohl es eine ziemlich lange Strecke ist. Aber nach dem Regen kam die Sonne nebst Regenbogen wieder hervor, ich hatte Lust dazu und dachte mir, ich könnte es trotzdem rechtzeitig schaffen. War dann auch nur 5 Minuten zu spät, aber dafür schon außer Atem und beim Sport ging es gleich weiter richtig zur Sache, daß ich nur so schwitzte. Auf dem Weg zum Sport flirtete doch ein Radfahrer mit mir, ich wollte es erst gar nicht glauben. Als er mich angrinste, dachte ich, er kennt mich irgendwoher, aber nein, er fuhr an mir vorbei, drehte sich dabei ständig nach mir um, grinste mich an und fuhr schließlich fast in das Wartestellenhäuschen, um das der Radweg einen Schlenker macht. Nun ja, wenn es Frühling wird, können Männer wahrscheinlich noch weniger eine Attrappe vom Original unterscheiden als sonst. Das ist wie bei den Tieren. Die Spatzen balzen auch schon wieder um meine Vogelattrappe auf dem Balkon herum.
Im Bett meines ehemaligen Jugendzimmers erwachend, denke ich ärgerlich, daß es schön gewesen wäre, noch ein wenig länger durchzuschlafen. Diese ständige Schlaflosigkeit ist nervend. Draußen ist es jedoch bereits hell und laute Stimmen dringen ins Zimmer, so als würden sich die Leute fast schon in meinem Zimmer befinden. Prüfend mustere ich das Fenster. Es ist viereckig und noch einmal in vier kleinere Fenster unterteilt, die als Klappen nach oben zu öffnen sind. Alle Klappen stehen offen. War ich das oder war jemand im Zimmer, der sie geöffnet hat? Kein Wunder, daß es so laut ist. Jetzt fällt mir auf, daß hinter den Fenstern jede Menge Gesichter zu sehen sind. Das Zimmer liegt also zu ebener Erde und einige Leute versammeln sich vor meinem Fenster, um sich zu unterhalten und gleichzeitig neugierig in mein Zimmer zu schauen. Eh ich mich versehe, sind sogar zwei in meinem Zimmer, die PingPong an einer Tischtennisplatte spielen. Ähm, eigentlich wollte ich schlafen. Ich ziehe mich also unter meine Bettdecke zurück und versuche das Treiben um mich herum soweit es geht auszublenden. Mit einem Mal sitzt der
Wilde Kaiser auf meiner Bettkante. Er betrachtet mich ziemlich lange und wirkt etwas erschrocken, dann sagt er zu mir: "Du siehst so urlaubslos aus!" Erst überlege ich einen Moment, was er damit meint, dann muß ich lachen, als mir ein Licht aufgeht. "Du umschreibst mein Aussehen aber sehr höflich." entgegne ich lächelnd und ein wenig zynisch, mache noch einige Bemerkungen darüber, daß man während der Chemo nicht unbedingt gut, bzw. gesund aussieht. Er nickt und sagt, daß er mir auch eigentlich nur endlich schöne Weihnachten wünschen wollte. Schöne Ostern natürlich auch. Als er weg ist schüttle ich den Kopf und denke so bei mir: Das ist aber einer. Wünscht mir schöne Weihnachten, wenn schon fast Ostern ist. Meine Katze kommt zum Bett geschlichen und ich verpasse ihr einen Nasenstüber, worauf sie mit Fauchen und fast schon bösartig reagiert. Was ist denn mit ihr los? Will sie Krieg? Doch dann liegt sie friedlich zusammengerollt vor mir auf dem Fußboden, allerdings kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, daß sie markiert und nur darauf wartet, daß ich die Hand ausstrecke, um diese zu zerfleischen. Ich tue es trotzdem und streichle sie ein bißchen, nichts passiert. Irgendwann ist sie verschwunden und ich suche sie unter dem Bett. Nach mehrmaligem Hinunterschauen entdecke ich sie tatsächlich zusammengekauert neben Tiger sitzen. Es sieht fast so aus, als würde sie ihren Kopf an ihn lehnen. Hat sie sich etwa mit Tiger angefreundet? Wie süß! Doch im gleichen Moment fängt sie an, Tiger wild mit den Krallen zu zerfetzen. Es wirkt, als würde sie es mit Absicht machen, wenn ich zugucke, vielleicht aus Rache, aber vielleicht ist sie auch eifersüchtig. Und plötzlich ist es keine Katze mehr, sondern ein kleines Dromedar, das da feindselig unter meinem Bett sitzt. In weiteren Traumsequenzen, die in die vorherige übergehen, erfahre ich, daß zwei Welten miteinander kollidieren und sich dabei miteinander vermischen, wobei ich eine nicht unerhebliche Rolle spiele. Es ist wohl so, daß ich Gegenstände, die versehentlich in die falsche Welt geraten sind, wieder zurückholen kann. Oder bin ich gar der Auslöser für diese Kollision?
sauge ich gerade in meiner Wohnung und brabbel so vor mich hin, daß ich, sobald alle Staubbeutel aufgebraucht sind, mir einen neuen Staubsauger kaufen werde, nämlich einen runden, der nach allen Seiten freigängig ist, schon streikt das Teil. Wahrscheinlich ist er jetzt beleidigt. Man sollte nie die Gefühle seiner Haushaltstechnik unterschätzen.
Das erste Jahr glich sehr der Brautzeit, als das Zusammenleben aber andauerte, konnte Lyhne es sich nicht mehr verhehlen, daß es ihn ermüdete, seiner Liebe beständig neuen Ausdruck zu verleihen - stets in das Gefieder der Poesie gehüllt, die Schwingen zum Flug durch alle Himmel der Stimmungen und alle Tiefen der Gedanken ausgebreitet halten zu müssen; er sehnte sich danach, in gemütlicher Ruhe still auf seinem Zweig zu sitzen und seinen müden Kopf zum Schlummer in den weichen Flaum unter dem Flügel zu bergen. Er dachte sich die Liebe nicht wie eine ewig lodernde Flamme, die mit ihrem mächtigen, flackernden Schein in alle ruhigen Falten des Daseins hineinleuchtete und phantastisch alles größer und fremder erscheinen ließ, als es war - für ihn war die Liebe wie die ruhig glimmende Glut, die unter ihrer weichen Aschenschicht hervor gleichmäßige Wärme spendet und in gedämpftem Dämmerlicht das Ferne milde verhüllt und das Nahe doppelt nahe und doppelt heimisch erscheinen läßt...
...seine Liebe hatte ihn für eine kurze Stunde mit einer flüchtigen Glorie von Geist und Hoheit umgeben, was so oft bei kleineren Naturen geschah.
(aus "Niels Lyhne" von Jens Peter Jacobsen)