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Dienstag, 14. Juni 2011

Kurz bevor die Bombe platzt

Während ich durch dunkles Unterholz oder Gebüsch schleiche, unter mir schwarze feuchte Erde, rufen mir aus einiger Entfernung Leute zu, daß ich in die richtige Richtung gehe und nur noch ein wenig weiter vorwärts müßte. So dirigieren sie mich, jedoch schwingt ein Unterton bei ihnen mit, der in mir das Gefühl weckt, daß sie irgendeinen Streich aushecken. Deshalb untersuche ich den Boden genauer und stelle fest, daß nur einige Schritte vor mir - dort, wo ich hinlaufen sollte - ein merkwürdiges Ding liegt. Es ist ebenfalls schwarz, deshalb auf der Erde nicht gut wahrzunehmen, und sieht aus wie die dornenbesetzte Kugel eines Morgensterns, einer mittelalterlichen Waffe. Sofort schwant mir, daß dies nur eine Bombe, bzw. Granate, sein kann. Wahrscheinlich wollten die anderen an mir mal testen, ob sie noch hoch geht. Nur einen Schritt davon entfernt, mache ich mich seitlich eilig aus dem Staub, ab und zu einen Blick zurück werfend. Als ich bereits mehrere Meter entfernt bin, sind einige sprühende, leuchtende Funken am Boden des Sprengsatzes auszumachen. Jetzt dauert es sicher nicht mehr lange, bis sie in die Luft geht. Ich werfe mich auf den Boden und versuche robbend, sowie fast blind, da ich nicht mehr ausmachen kann, wo ich mich befinde, so viel Abstand wie möglich zwischen mir und der Bombe zu gewinnen.

Samstag, 11. Juni 2011

vergelesen

"staube und verdaue"

statt

"glaube und vertraue"


Beim Stauben bin ich gerade...

Freitag, 10. Juni 2011

Fremdgehen

Eigentlich, so fiel mir heute ein, würde ich gerne einmal fremdgehen. Zum einen, weil das eine der Sachen ist, die ich noch nie in meinem Leben getan habe (so wie bis vor einigen Wochen das Hummeressen) und zum anderen, um zu testen, ob man, wenn man sich in selbstgemachte chaotische Zustände stürzt, von anderen, teils schwerer zu kontrollierenden Chaosgewalten verschont bleibt. Frei nach dem Motto - navigiere dich lieber gleich selbst in aufreibende Situationen hinein als zu warten, daß es das Schicksal für dich erledigt, wenn du an der Reihe bist. Schließlich ist mein Großvater mit seiner Jugendfreundin, welche ihn nicht heiraten wollte, weil er keine gute Partie war und deshalb einen anderen ehelichte, Zeit seiner Ehe fremdgegangen und damit bei vortrefflicher Gesundheit 96 Jahre alt geworden. Nur in der Mitte des Lebens hatte er etwas Probleme mit Angina pectoris, weshalb er aufhörte zu rauchen und Eisbein zu essen. Ich glaube, das Leben liebt Menschen, die sich unbekümmert überall hineinstürzen. Denn da muß es nicht mehr viel nachhelfen.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Websuche

Stelle gerade fest, daß die Suchanfragen, mit denen man auf mein Blog gelangt, bezüglich Sonnenstürme in Verbindung mit Funkuhren, gerade ungeahnte Häufigkeitsspitzen erreichen. Scheint also tatsächlich nicht nur mir so zu gehen, würde ich zumindest mal als Indiz entsprechend werten.

Mit 180 durch den Wald vor lauter Bäume

Ch., die verstorbene Freundin meiner Mutter, fährt mit mir im Auto durch einen Wald, wobei sie immer mehr an Geschwindigkeit zulegt, bis die Fahrt einer rasanten Achterbahnfahrt gleicht. Die Bäume stehen dicht an dicht, vor mir ein Wald von Baumstämmen, die im Scheinwerferlicht des Wagens in der Dunkelheit gespenstische Farben annehmen. Rein logisch hätten wir bereits längst gegen einen dieser Stämme gerast sein müssen, mir ist unbegreiflich, daß dies noch nicht geschehen ist, da zwischen den Bäumen eigentlich gar kein Platz für den Wagen ist. Jedoch rechne ich jede Sekunde damit, weshalb ich mein Gesicht mit den Händen bedecke und es angstvoll von der Windschutzscheibe abwende. Doch die Fahrt geht weiter und nichts geschieht. Vielleicht, so denke ich, sind die Bäume und der Wald nur ein Hologramm, eine Projektion, die keine materielle Substanz hat und deshalb auch kein Hindernis darstellt, gegen das man prallen kann.

Mittwoch, 8. Juni 2011

NASA warnt vor Elektroschäden

Gut daß sie warnt und ich zufällig beim Zappen im TV auf diese Warnung gestoßen bin, denn sonst würde ich mich jetzt noch immer stundenlang wundern, was das heute für ein komischer Tag ist. Gestern abend war wohl der stärkste Sonnensturm seit 2006 und heute abend sind wir auf dem Höhepunkt der geomagnetischen Aktivitäten. So gesehen ist es für mich leichter nachvollziehbar, daß ich nach dem morgendlichen Aufstehen gleich auf zwei defekte Elektrogeräte stieß, die gestern noch funktionierten. Tot. Sonneneruptionen, Blitzschläge, was auch immer. Nachts gewitterte es eigentlich nicht, jedoch heute über den Tag verteilt zählte ich mindestens fünf Gewitterphasen. Kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal erlebt habe. Vielleicht sind das bereits Auswirkungen der geomagnetischen Aktivitäten. Unter anderem wurde mein DSL-Router lahm gelegt. Wenn ich jetzt im Internet bin, verdanke ich es nur dem Geistesblitz, der mich daran erinnerte, daß mein Notebook UMTS-tauglich ist und ich irgendwo noch eine ungenutzte SIM-Karte mit UMTS-Funktion herumzuliegen habe. Allerdings beschäftigte ich mich einige Stunden damit herumzurätseln, wo ich die SIM-Karte in das Notebook einsetzen muß. Ich habe jede Seite auf den Kopf gestellt, wäre aber im Traum nicht darauf gekommen, unter dem Akku nachzuschauen, obwohl ich weiß, daß sie bei Handys immer unter dem Akku ist. Glücklicherweise erlöste mich ein weiterer Geistesblitz. Sobald die Elektrizität in der Atmosphäre zunimmt, scheinen diese neben den Wetterblitzen ebenfalls Konjunktur zu haben. Irgendwie finde ich es aber schon etwas seltsam, daß sich die Sonnenstürme anscheinend am liebsten in meiner Wohnung austoben. Doch, was soll ich sagen (Wunder über Wunder), seit ich meine Küchenfunkuhr in den Norden gehängt habe, läuft sie auch bei schwersten Sonnenaktivitäten absolut zuverlässig, während sie vorher an der östlichen Wand (Richtung der ungehindert aufgehenden Sonne) bei jedem Sonnenlüftchen schon die falsche Uhrzeit anzeigte. Wobei wir wieder beim Feng Shui wären, denn das ist das beste Beispiel dafür, daß die Himmelsrichtungen durchaus unterschiedliche Einflüsse haben und dies nicht nur beschränkt auf die Wetterseite.

Dienstag, 7. Juni 2011

Fertig.

Oder auch nicht. Beim letzten Zyklus bekam ich zur Feier des Tages einen bunten Luftballon mit besten Wünschen des Chemoteams. Der Termin für die OP steht fest und die Aussicht, wieder ins Krankenhaus zu müssen und an mir herumschnippeln zu lassen, bedrückt mich schon seit Wochen. Sogar die Bestätigung der Krankenkasse habe ich schon. Gleich zwei Stunden, nachdem ich den Antrag gefaxt hatte, kam der Rücklauf. Manchmal überrascht mich meine Krankenkasse. Meine Mutter hatte es dagegen viel eiliger, wieder ins Krankenhaus zu kommen. Eigentlich hatte ich gehofft, sie würde wenigstens jetzt stabil bleiben und nicht ständig krank werden, so wie in den letzten zwei Jahren. Entweder kann sie sich nicht bewegen oder bekommt irgendwelche Gerinnsel. Zwar ist sie "erst" 77, aber bewegt sich wegen ihrer Knochen wie eine 90jährige, d.h. wenn sie sich bewegen kann. Und noch vor meiner letzten Chemo kam sie ins Krankenhaus, wurde entlassen und hat gleich darauf erneut Schmerzen bekommen. Eine Verschnaufpause für mich ist wohl nicht geplant. Aber ob sie nun während der Chemo krank wird oder wenn ich normal arbeiten gehe - es nimmt sich beides nichts. Wenn ich so die letzten sieben Jahre zurückblicke, dann denke ich manchmal, ich bin irgendwo im falschen Film gelandet. Eines kommt zum anderen, eine Katastrophe folgt der nächsten, bzw. teilweise nicht einmal das, und es gibt gleich mehrere auf einmal. Das scheint sowieso ein Naturgesetz zu sein. Ich erinnere mich noch gut an die zwei Wochen vor meiner mündlichen Diplom-Abschlußprüfung. Genau in diesen zwei Wochen wurde meine Wohnung auf den Kopf gestellt. Ich hatte kein Klo, kein Wasser, keine Heizung und mit Bohrhämmern wurde den ganzen Tag der Fußboden aufgestemmt. Ich mußte tagsüber in die Wohnung meines Bruders ausweichen, um überhaupt lernen zu können. Dabei hat das Jahr 52 Wochen, also 50 mehr als zwei, doch wenn trotzdem alles auf einmal kommt, dann hat dieses miese Naturgesetz zugeschlagen. Aber gegen die letzten sieben Jahre war sogar das nur Spielerei. Dies kann nicht mehr MEIN Leben sein, das ist einfach nicht möglich. Ich dachte immer, mein Leben sei langweilig, ich weiß gar nicht, wie ich darauf gekommen bin. Und ganz nebenbei muß man sich auch noch regelmäßig mit blasierten, scheinheiligen und falschen Leuten herumärgern. Langweilig ist etwas anderes, aber es gefällt mir so trotzdem nicht. In einem Gespräch mit der Psychoonkologin sagte ich zu ihr, es mache mir Sorgen, daß ich nichts hätte, worauf ich mich freuen könne. Sie meinte dazu, das hätte ich sehr schön auf den Punkt gebracht. Toll. Super. Aber weiter bin ich immer noch nicht. Und überhaupt bin ich der Meinung, daß so langsam mal wieder andere an der Reihe sein sollten. Ich kenne sogar einige, denen ich es wirklich gerne gönnen würde, wenn ich böse wäre. Punkt.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Miesmacher

Heute im Supermarkt: Eine Kassiererin verläßt die Kasse und wirbelt beflissen herum, um irgendeine Frage eines Kunden zu beantworten. Für ihn ist es wohl nicht ganz so wichtig, denn er sagt schließlich: "Ach lassen Sie doch - sonst verärgern Sie noch Ihre Kunden." mit Blick auf die hinter ihm Stehenden. Ein anderer Kunde, der gerade dazu kommt, posaunt rotzig dazu: "Das wäre nicht das erste Mal!" Sowas liebe ich ja - Miesmacher, die schon vorher mosern, bevor überhaupt etwas passiert ist. Er stellte sich direkt hinter mich und ich fühlte mich sofort körperlich unwohl in Form einer unangenehmen, sich ausbreitenden Kälte im Nacken. Sowas passsiert mir öfters bei nervigen Zeitgenossen. Mein innerer Seismograph verträgt so viel Negativität nicht.

Jetzt bin ich im Endspurt

und krauche so langsam nur noch auf dem Zahnfleisch. Zum Ende der Chemo wird es mit jedem Zyklus schlimmer. Nach der Chemo fühle ich mich immer wie mit dem Holzhammer erschlagen. Ich werde so müde, daß ich teilweise Mühe habe, noch vernünftige Worte mit dem Mund zu artikulieren, so als wäre die ganze Mundpartie betäubt. Insgesamt habe ich bereits seit über einem Vierteljahr nicht mehr richtig geschlafen und durch den Stop der Hormonflut fühle ich mich dauernd so, als würde ich bei lebendigem Leib gekocht, und das, nach dem ich mich vorher jahrelang seit der Pupertät mit Pickeln, fettigen Poren, PMS und hormonellen Fehltritten herumgeärgert habe. Dazu kommen unruhige Beine, brennende, juckende Augen, taube Fingerspitzen, das Gefühl von Kraftlosigkeit und gähnender Leere im Gehirn, Vergeßlichkeit, Konzentrationsschwierigkeit. Außerdem Kopf- und Rückenschmerzen. Auch äußerlich fühle ich mich nicht mehr wohl in meiner Haut, sondern aufgedunsen, wabbelig, alt und unbelastbar, entweder bleich oder einen Tag nach der Chemo leuchtend wie eine Tomate, kahl, juckig und fleckig. Und je mehr ich von mir genervt bin, um so mehr nerven mich diverse Leute, was dann wiederum mich noch mehr nervt. Besonders schön: Mit den in penetranter Regelmäßigkeit in den Briefkasten flatternden Rechnungen wird man ständig daran erinnert, was für eine "luxuriöse" Erkrankung man sich ausgesucht hat. Da macht jeder Brief Freude. Ich hoffe nur, daß ich nach der letzten Chemo noch genug Zeit zum Erholen vor der Op bekomme, denn völlig übermüdet und auf dem letzten Loch pfeifend möchte ich mich nicht unbedingt unter das Messer legen.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Rattengift

Zwei Männer folgen mir die Treppe im Hausflur hinauf und wollen von mir wissen, was ich da habe. Erst jetzt bemerke ich, daß ich einen Sack mit mir herumschleppe, auf welchem "Gift" steht. Stimmt, das muß Rattengift sein, ich hatte es vergessen, bin aber trotzdem nicht bereit, es herzugeben, obwohl die Männer anscheinend Interesse daran haben. Auch an dem goldenen Ring haben sie Interesse, der den Sack zusammenhält. Ich erzähle ihnen schnell, es wäre mein Ehering, damit sie nicht auf die Idee kommen, ihn von mir bekommen zu können. Ich spüre wieder, daß das Vertrauen gestorben und einer latenten Unsicherheit und Angst gewichen ist. Deshalb brauche ich das Rattengift zu meinem Schutz. Ich deponiere es im Briefkasten meiner Wohnung und hoffe, daß die Männer es nicht mitbekommen. Ansonsten könnte es sein, daß sie den Briefkasten aufbrechen und das Rattengift entwenden.

Dienstag, 17. Mai 2011

Und in Ergänzung zum letzten Eintrag:

Einen fix und fertig ausgestatteten Gemüsegarten für eine Saison mieten:

http://berlin-familie.de/familienleben/770-familien-gemuesegarten-zum-mieten.html

http://www.meine-ernte.de/

Die globale Lebensmittelverschwendung

Hunger (Extra): Frisch Auf Den Müll ARD (43 Min.) from Nebel CC on Vimeo.

Gerade per Email bekommen:

Sitzt ein Mann in Spanien in einem Restaurant und schaut seinem Gegenüber
auf den Teller, der mit etwas sehr großem bedeckt ist. Er fragt dann nach
einiger Zeit: "Was haben sie da eigentlich auf dem Teller?"
Antwortet der Andere: "Das sind Stierhoden. Eine Delikatesse!"
Nach einem kurzen Gespräch arrangiert der Andere, dass der Mann nach dem
nächsten Stierkampf auch einmal die Hoden bekommt.
Als es soweit ist, kommt der Kellner mit einem großen Teller, auf dem
jedoch nur zwei kleine Hoden liegen. Fragt der Mann den Kellner: "Was soll
das denn? Warum sind die Hoden denn so klein?"
Antwortet der Kellner: "Dieses Mal hat der Stier gewonnen!"

Montag, 16. Mai 2011

Die Fragende

Gib mir Antworten,
die ich nie wollte -
Fragen stell ich,
weil ich leb
im tiefen Silbergrau,
Antworten finden sich ein
wie Amseln am Morgen,
ihr Lied singen sie
nur in der Freiheit.

Gib mir Antworten
auf meine Fragen
und du erhältst Fragen,
die deine Antworten werden.
Fang sie ein
und sie gehören dir,
bunte Schmetterlinge,
wenn du es wagst -
doch töte sie nicht
mit Besitzerstolz.

Zirkusfamilie

In zerrissenen Träumen erfahre ich das Familiengeheimnis, nämlich daß wir einer alten Zirkusfamilie entstammen. Dazu erhalte ich verschiedene Familienartefakte überreicht, die noch aus dieser Zeit stammen. Außerdem findet ein großes Fest an einem ökologisch korrekten Stromkraft-Wasserwerk statt, welches wohl später von der Familie übernommen wurde und ebenfalls ein Erbstück ist. Während des Festes werden goldene Kugeln mit abgebrochenen Holzlatten hin- und hergespielt. Später erhalte ich die Aufgabe, mit Hilfe von frischem Fleisch die Wasserqualität am Kraftwerk zu testen.

Bemerkung: Gestern las ich folgendes Gedicht -
Der goldene Ball

Was auch an Liebe mir vom Vater ward,
ich hab's ihm nicht vergolten,
denn ich habe als Kind noch nicht gekannt
den Wert der Gabe und ward als Mann
dem Manne gleich und hart.

Nun wächst ein Sohn mir auf,
so heiß geliebt wie keiner,
daran ein Vaterherz gehangen,
und ich vergelte, was ich einst empfangen,
an dem, der mir's nicht gab - und wiedergibt.

Denn wenn er Mann ist und wie Männer denkt,
wird er wie ich die eignen Wege gehen,
sehnsüchtig werde ich, doch neidlos sehen,
wenn er, was mir gebührt, dem Enkel schenkt.

Weithin im Saal der Zeiten
sieht mein Blick dem Spiel des Lebens zu,
gefasst und heiter,
den goldnen Ball wirft jeder lächelnd weiter, -
und keiner gab den goldnen Ball zurück!
(Börries von Münchhausen)

Mütterlicherseits gibt es zwar höchstwahrscheinlich Zigeuner in der Familienlinie, aber Zirkus? Nun ja, eigentlich findet Zirkus ständig bei uns statt. Erinnert auch an das Zigeunerfamilientreffen.