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Donnerstag, 22. März 2012

Beckenbodentraining

Der Tanzkurs ist wirklich universell. Bei den Abschlußübungen haben wir heute Beckenbodengymnastik gemacht. Endlich mal ein Training, das nicht schweißtreibend ist, allerdings denke ich dabei immer an Schwangerschafts- oder Seniorengymnastik. *lol*
Immerhin hatte ich diesmal zumindest zum Ende des Kurses auch eine gesunde Gesichtsfarbe, so wie es sein soll.

Der Postbote

kommt nicht über meine neue Frisur hinweg, sagt er. Schon als er mich das erste Mal mit kurzen Haaren gesehen hatte, sprach er mich darauf an, weil ihm die Veränderung sofort aufgefallen ist. Aber nun begann er erneut und meinte, er komme einfach nicht darüber hinweg. Ich fragte, ob er sich noch nicht daran gewöhnt hätte und er erklärte "Nö, das war ja jahrelang anders." - " Aber gut sieht es aus." fügte er noch hinzu, um blitzschnell die Kurve zu kriegen. Dafür hätte ich ihm eigentlich Trinkgeld geben sollen. *lol*
Gebracht hat er mir das Zumba-Fitness-Paket. Bisher habe ich neben den wöchentlichen Tanzstunden die Workouts im bodyinblance.tv angetestet. Bei den Yoga und Pilates-Workouts schaue ich nur gemütlich vom Frühstück aus zu, weil ich vormittags einfach zu keinem Sport zu motivieren bin. Ab 12 Uhr kommen dann die Tanz-Workouts und meine Erfahrung, die ich aus diversen Fitnessmitmachstunden gewonnen habe, ist die, daß mir und dem Bandscheibenvorfall generell die Workouts am besten bekommen, bei denen ich die Körpermitte und die Hüften viel bewege. Das ist eigentlich völlig im Gegensatz zur Wirbelsäulengymnastik, bei der man sich immer stabil machen mußte. Doch diese Stabil-Übungen bewirken bei mir nur, wie ich es ja auch bei den Reha-Sportstunden meistens bemerkt habe, daß der Rücken hinterher noch stärker schmerzt. Vielleicht ist das ja richtig so und soll so sein, damit es wirkt (was ich inzwischen bezweifle), aber wenn man nach jeder Sportstunde Depressionen bekommt, kann das auch nicht Sinn der Sache sein. Nach Latin Dance- oder Bauchtanz-Workouts dagegen, fühlt sich mein Rücken viel besser. Ich hätte von Anfang an auf meinen Körper hören sollen, der mir sagt, daß Wirbelsäulengymnastik bei Bandscheibenvorfällen Gift ist und er lieber die Hüften schwingen möchte. Allerdings war ich damals zu fertig und zu genervt für Musik oder Tanzen. Als besonders angenehm empfinde ich die Schlangenbewegungen beim Bauchtanz, auch wenn ich mir immer eher vorkomme wie eine Schlange, die gerade ein sehr fettes und großes Kaninchen verschlungen hat. Leider sind die Gruppen-Tanzstunden körpermittig ebenfalls ein wenig steif und der TV-Kanal ist zwar perfekt um auszuprobieren und zu testen, was einem liegt, aber mit den Zumba-DVDs bin ich dazu zeitlich unabhängig. Jetzt müßte ich es nur noch schaffen, auch täglich zu üben, doch dazu kann ich mich nicht immer aufraffen. Manchmal bin ich einfach zu müde und schwach, gerade an den Tagen, an welchen ich meine Schlafdauer auf ein normal übliches Maß begrenze, und ich kann zudem nur eine körperliche Anstrengung am Tag verkraften und hab ja auch noch ein paar andere Dinge zu erledigen. Vielleicht sollte ich einen zweitägigen Rhythmus anstreben. In der Tanzgruppe erzählte mir jemand, daß genau an dem Tag, als ich geschwänzt hatte, eine Vertretung für unsere Kursleiterin da war, die aus dem Afrikanischen Tanz kam und entsprechende Übungen mit ihnen gemacht hat. Wirklich schade, daß ich das verpaßt habe, denn so eine Schnupperstunde, um abzuchecken, ob das schon zu komplex für mich oder noch koordinativ zu bewältigen ist, wäre nicht schlecht gewesen. Blöd gelaufen. Im Netz fand ich übrigens den Blog einer Leidensgenossin, die auch auf das Tanzen gekommen ist, das aber noch viel konsequenter macht als ich: http://dreamsandme.wordpress.com/

Dienstag, 20. März 2012

...

Die Erschöpfung in ihren unterschiedlichen Ausprägungen stellt nicht nur für den Patienten, sondern auch für Partner, Familie und Freunde eine große Herausforderung dar. Nachdem bereits die Phase der Therapie viel Kraft, Rücksichtnahme und Unterstützung für den Patienten eingefordert hat, steht jetzt der Wunsch wieder zu einem normalen Alltag zurückzukehren an erster Stelle. Der betroffene Patient, und auch Partner und Angehörige sind froh, die Krankheit und Behandlung erst einmal überwunden zu haben und versuchen, wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurückzukehren. Die Erschöpfung in ihrer chronischen Form erschwert nun gerade diesen Prozess der Suche nach Normalität im Alltag. Partner und Freunde müssen erkennen, dass gemeinsame Aktivitäten wegen mangelnder Energien nicht einfach umzusetzen sind. Bedingt durch die Folgen der Krankheit können sich zugleich die bisherigen Rollen verändern. Angesichts der massiven Lebensbedrohung werden die Partnerschaft und die Beziehungen neu definiert. Die sozialen Strukturen werden erneut auf den Prüfstand gestellt. Freunde bewähren sich oder ziehen sich aufgrund einer Überforderung mit dieser neuen Situation zurück, was von den Betroffenen selbst oft als eine Enttäuschung erlebt wird. In den Phasen der allmählichen Anpassung und Erprobung von notwendigen Veränderungen im persönlichen und sozialen Leben sind auch Fehlentwicklungen, Enttäuschungen und Rückschläge möglich. Wichtig für den Umgang miteinander ist es, dass man offen über die Einschränkungen durch die Erschöpfung sprechen kann.

Das kann ich nur unterschreiben...

So,

nachdem mich gestern mehrmals Zigeunerinnen angesprochen hatten, die Geld für ihre hungrigen Kinder wollten, habe ich in der rechten Manteltasche nochmal einen Vorrat an Kleingeld angelegt. Ich ziehe dabei nicht gerne die Geldbörse, um ihnen nicht die Gelegenheit zu geben, mir diese aus der Hand zu reißen, und krame nur das offene Geld aus den Kleidungstaschen zusammen. Jetzt habe ich in der linken Manteltasche einen Vorrat Erdnüsse für vagabundierende Eichhörnchen und in der rechten Manteltasche Kleingeld für vagabundierende Fremdländer und bin so für alle Begegnungen gerüstet. Natürlich könnte man auch noch Verpflegung für vagabundierende Enten, vagabundierende Katzen und vagabundierende Füchse einpacken, aber bin ich die Wohlfahrt?

Montag, 19. März 2012

In der Praxis

der Onkologin mußte ich im Gang warten, da das Wartezimmer voll besetzt war. Zuerst erregte ein eintretender Herr meine Aufmerksamkeit, der mit Frisur, Jackett und Bart mich sehr an einen ehemaligen Chef erinnerte, allerdings dünner und wie mir schien auch jünger als er eigentlich aussehen dürfte. Da er auf mein Anstarren nicht reagierte, war er es wahrscheinlich nicht, wenn er es aber doch gewesen ist, würde mir das schon zu denken geben. Denn irgendwie ist es merkwürdig, daß genau unter den Kollegen Krebsfälle auftreten, die damals mit mir in diesen muffigen DDR-Neubau-Büros gesessen haben. Die Kollegin, mit der ich im Zimmer zusammensaß, traf ich 2008 kurz nach ihrer Chemo, der IT-Mensch ist bereits an Krebs gestorben und eine andere Kollegin hatte ebenfalls Krebs. Wer weiß, was da noch für giftige Baustoffe drin waren, denn für Untersuchungen oder Sanierungen hat ja das Land gewöhnlich kein Geld. Das ist genauso wie mit diesem verseuchten Wasser aus den "antiken" Wasserleitungen der jetzigen alten Bauten. Einmal heißt es, man soll das Wasser nicht trinken, bzw. lange ablaufen lassen, weil da irgendwelche Sachen drin gefunden wurden, die nicht hineingehören, aber dann heißt es wieder, das sei alles gar nicht gesundheitsgefährdend. Danach betrat einer der Fahrer die Praxis, der mich damals mit dem Fahrdienst gefahren hat, aber hat mich mit den kurzen Haaren nicht sofort erkannt. Die Psychoonkologin machte mir das Angebot, das nächste Mal "mit dem inneren Kind zu arbeiten", so probeweise, was ich gerne angenommen habe. Außerdem erzählte sie von einer Frau, die selbst an Krebs erkrankt war, sogar schon Fernmetastasen hatte und irgendwann zu schwach war, um noch aufzustehen, und die trotzdem geheilt wurde, bzw. sich selbst geheilt hat. Sie gibt jetzt Seminare mit einer bestimmten Art von Familienaufstellung, welche mir ans Herz gelegt wurden. Desweiteren stellte sie fest, daß die Konflikte mit meiner Mutter ganz normal sind und sie das mit ihrer Mutter auch alles durch hat (Wobei es angenehm ist, mal mit jemanden zu reden, der wirklich mich dabei sieht und mir nicht immer nur sagt, ich solle Verständnis für meine Mutter haben. Das habe ich sowieso, aber es hilft ja nicht mir.), sowie die Müdigkeit und die Antriebslosigkeit bei mir wohl von keiner schweren Depression verursacht werden, sondern krankheitsbedingt sind. Also wie gehabt die Schlafkrankheit. Sie gab mir einen Flyer mit dem Titel "Tanzen gegen Fatigue" und ich konnte ihr berichten, daß ich schon längst tanze, allerdings nicht mit dauerhafter Wirkung. Auch frische Luft scheint die Müdigkeit eher zu verstärken, denn nachdem ich heute den ganzen Tag draußen war, bin ich nur noch am Gähnen. Ab morgen beginne ich mit einer Weleda Birken-Aktiv-Frühjahrskur aus Birkenpresssaft, die angeblich Energie geben soll. Man darf gespannt sein. Nach dem Gespräch fuhr ich gleich weiter zum Röntgeninstitut, um mir einen Termin zur Nachsorge-Mammographie zu besorgen, und von dort bummelte ich die Karl-Marx-Allee hinunter bis zum Alex, guckte dann mal, wie weit sie am Schloß sind und dachte, ich könnte bei der Gelegenheit auch in das Neue Museum gehen, das ich eigentlich schon seit der Neueröffnung immer mal besichtigen wollte. Doch genau vom 19-21.3. finden dort Wartungsarbeiten statt. Nun gut, es läuft ja nicht weg. Stattdessen legte ich mich im Lustgarten auf eine der Sonnenliegen am Wasser. So im Frühlingssonnenschein läßt es sich dort super aushalten, allerdings ist der Wind noch sehr eisig gewesen. Der Wind und der Hunger trieben mich irgendwann wieder fort.

Lustgarten 1

Lustgarten 2

Lustgarten 3

Lustgarten 4

Lustgarten 5

Lustgarten 6

Samstag, 17. März 2012

Eine Bürobesichtigung

des frisch eingerichteten Büros meiner Schwägerin fand heute statt. Die Räume liegen im 9. Stockwerk mit einigen interessanten Ausblicken.

Büroausblick 2

Büroausblick 1

Meine Schwägerin und Tante sind übrigens einhellig der Meinung, daß mich kurze Haare jünger machen. Hm...

Und während die einen sich ein Büro bauen, bauen die Elstern im Baum vor meinem Fenster ein Schloß, aber ein richtiges. Sogar mit Regendach, wie es aussieht. Kluge Vögel...

Elsterschloß

Elsternschloß 2

Casablanca an der Zitadelle

Auf einer breiten Treppe lasse ich mich von der Sonne bescheinen. Ich weiß nicht mehr, wie ich hierher gekommen bin, aber höre den Namen eines Bahnhofs. Erst klingt er unbekannt, doch dann fällt mir ein: die Spandauer Zitadelle muß sich hier befinden. Hinter mir sehe ich auch schon ein altertümliches Bauwerk mit großem Torbogen aufragen. Das wäre eine gute Gelegenheit, um zu fotografieren. Durch einige schmalen Gassen einer Altstadt erreiche ich das Gebäude und betrete es. Zuerst entpuppt es sich als Bahnhofsgebäude, dann als Kino. Ich verlasse es wieder und lande auf einem Platz, in dessen Mitte eine Kirche mit hohem schmalen Turm steht. Zwei Pantomimen, weiblich und männlich, stellen etwas abseits davon Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart in Casablanca dar, regungslos, so als seien sie ein Filmplakat. Vor mir fotografiert jemand diese Darbietung und ich schließe mich an und versuche ebenfalls zu fotografieren. Doch bevor ich den Auslöser drücken kann, rempelt mich eine Frau an und schimpft dann noch mit mir, weil ich ihr im Weg gestanden hätte. Ich lasse mir das nicht gefallen und gebe zurück: "Du hast doch Augen im Kopf, oder nicht?" Dann versuche ich noch einmal mit dem Foto. Die Pantomimen müssen dafür ihre Darbietung extra wiederholen, was sie bereitwillig tun.

Während ich schlafend im Bett liege, spüre ich etwas Pelziges an meinen Beinen und höre ein lautes Schnarchen, welches unter meiner Bettdecke hervorkommt. Vorsichtig schlage ich die Decke zurück und finde meine Katze zusammengerollt neben mir, welche sich unter das Deckbett geschlichen hat, etwas, was sie sonst nie tut.

Freitag, 16. März 2012

Neue Handynummer

Mit dem neuen Handyvertrag habe ich nicht nur bessere Konditionen, sondern auch eine neue Handynummer bekommen. Eigentlich hatte ich ja vor, die alte Nummer übertragen zu lassen und weiterhin zu benutzen, aber die neue Nummer gefiel mir auf Anhieb so gut, daß ich jetzt lieber diese behalten möchte. Zum einen konnte ich mir sie sofort merken, zum anderen ergibt sie in der Quersumme meine Glückszahl und mit den letzten beiden Ziffern meine Chi-Zahl. Und überhaupt, im Moment verschwinden alle möglichen Menschen aus meinem Leben, wie von Zauberhand dagegen finden neue Menschen herein, es ist, als würde eine große Umstrukturierung meiner sozialen Kontakte vor sich gehen, da ist es nur konsequent, die alte Mobilnummer zu entsorgen, alle einseitigen Brücken abzubrechen und ein neues Mobilnummernzeitalter einzuläuten. Sozusagen als Hoffnungssymbol für eine erfolgreiche Veränderung zum Besseren. Absurd fühlt es sich an, daß so viele Menschen glauben, eine wirkliche, existenzbedrohende Krise würde jemanden nicht verändern und er wäre hinterher dieselbe Person wie vorher. Bereits vor zehn Jahren bemerkte kaum jemand, daß ich mich schon damals in mehreren Punkten verändert hatte und das teilweise um 180 Grad. Und die letzten zwei Jahre sind ebenfalls nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Alleine die Vorstellung ist absurd, daß dabei nichts mit einem passieren würde. Natürlich kann man von den Leuten gar nichts anderes erwarten. Was sollen sie auch sonst tun, als irgendwo anzuknüpfen und zumindest so zu tun, als wäre alles wie vorher? Aber ich selbst fühle mich dabei fast ein wenig schizophren, weil ich genau merke, daß ich nicht mehr, zumindest nicht in allen Teilen, dieselbe Person wie früher bin und wahrscheinlich passen sich nur die äußeren Gegebenheiten jetzt diesen inneren Gegebenheiten an.

Donnerstag, 15. März 2012

Nicht mein Tag

Da ich mal wieder "nur" 8 Stunden geschlafen habe, war die Müdigkeit natürlich vorprogrammiert, doch heute war es keine normale Müdigkeit mehr, sondern diese, die noch mit Bleigewichten und -manschetten daherkommt, wie ich sie auch Tage vor einem Migräneanfall kenne. Aus jahrelanger Erfahrung weiß ich, daß es bei dieser Müdigkeit manchmal wirklich hilft, um die Migräne abzuwenden bevor sie beginnt, wenn man dann einen ganzen Tag durchschläft. Doch wer möchte oder kann schon einen ganzen Tag schlafen? Außerdem wollte ich unbedingt zur Tanzstunde, obwohl sich auch, was mich an der Müdigkeit besonders nervt, meine Muskeln anfühlen wie Watte und ich überhaupt keine Kraft in ihnen habe. Eigentlich weiß ich, daß Sport dann eigentlich keine gute Idee ist, aber ich wollte und die Folge war, daß mir währendessen mehrmals schwindlig geworden ist und ich mich hinsetzen mußte. In der Tanzhalle ist eine Wand verspiegelt und ich konnte so im Spiegel die anderen mit ihren vor Anstrengung geröteten Gesichtern sehen - nur ich kalkweiß wie eine Wand. Keine Ahnung wie das geht, aber während bei den anderen die Durchblutung kräftig angekurbelt wird, scheint bei mir das Blut bei jeder Anstrengung irgendwo in versteckten Kanälen zu verschwinden. Witzig war auch, daß meine Arme und Handrücken kalt wie Eiswürfel waren, aber die Handflächen warm. Wie auch immer, bei der Tiefenentspannung zum Schluß fange ich meistens an vom Döner zu träumen, den ich mir immer nach dem Sport hole. Auch die winzig kleine Maus, die an der Bushaltestelle nur einen Meter von mir entfernt an einem weggeworfenen Maiskolben nagte, hatte wohl einigen Hunger. Ich hoffe, daß die Mäuse, die ich dauernd treffe, nicht auf eine neu ausgebrochene private Rattenplage hindeuten. Was das Schlafen betrifft, so habe ich ja an sich nichts dagegen, aber nicht so viel und dann auch noch zwangsweise, weil man anders gar nicht funktioniert. Doch wie es aussieht, komme ich wohl um das Marathonschlafen nicht herum, wenn ich nicht zusammenbrechen will. Eigentlich schade, daß ich nicht mehr wütend bin. Wut regt immer so schön an. Das natürlichste Aufputschmittel der Welt.

Mittwoch, 14. März 2012

Du-Sie-Es

Ich wurde in die Heimat der deutschen Sprache hineingeboren. Das ist etwas, was ich ganz selten, wirklich selten, bedauere, denn die deutsche Sprache ist etwas dünkelhaft und unterscheidet in der Anrede zwischen "Du" und "Sie". Solches bereitet mir gerne Probleme, die ich nicht hätte, wäre ich z.B. im englischen Sprachraum geboren worden. Nur deshalb auszuwandern wäre allerdings lächerlich und wahrscheinlich ist das Problem gar nicht die Sprache, sondern es liegt an mir, wenn ich so gerne ein Problem daraus mache. Vielleicht geht es ja anderen absolut nicht so, daß sie drei Tage unentwegt, wie ich gerade, darüber nachdenken, wie sie jemanden am Telefon bei einem einigermaßen privaten, aber auch nicht zu privatem Gespräch anreden, den sie noch nicht persönlich kennen und der nur unwesentlich älter ist. Wie ich mich kenne, endet die ganze Sache damit, daß ich gar nicht erst anrufe, mir aber trotzdem tagelang den Kopf zermartert habe. Auch scheinen viele zwar durchaus Wert auf die unterschiedlichen Anreden zu legen, aber weniger auf den Knigge, nach welchem immer die ältere Person der jüngeren das "Du" anbietet. Mir selbst wäre es ja ziemlich egal, aber woran erkennt man, ob jemand dem Herrn Knigge zugeneigt ist und sich von lockeren Umgangsformen auf den Schlips getreten fühlt? Oder ob es genau umgekehrt ist und derjenige es eher unangenehm findet, wenn man zu höfliche und korrekte Umgangsformen an den Tag legt? Überhaupt waren das noch Zeiten in den Anfängen des Internets, als es unter den Internetpionieren die strenge Regel in der Nettiquette gab, daß man sich online generell mit "Du" anzureden habe. Siezen war hochgradig verpönt. Aber heutzutage weiß man nicht einmal mehr im Internet, wen man Duzen darf und wen man lieber Siezen sollte, zumal hier oft auch die äußerlichen Erkennungsmerkmale, die bei dieser Entscheidung normalerweise unterstützend wirken, fehlen. Mir scheint, wir Deutschen lieben es kompliziert.

Alles normal

"30 EUR Belohnung für Schlaf" statt "30 EUR Belohnung für Schuhkauf" verlas ich mich gerade.

Wenn ich für Schlaf belohnt werden würde, wäre ich in nullkommanix Millionär. Als ich heute mit meiner ehemaligen Mitpatientin telefonierte, unterhielten wir uns auch über die Müdigkeit. Ich könnte tatsächlich jeden Tag zwölf Stunden und mehr schlafen, mache es aber nicht immer, obwohl ich darf, weil ich es doof finde, wenn der Tag so kurz ist. Wenn ich allerdings zwei oder drei Tage hintereinander "nur" 8 Stunden geschlafen habe, fühle ich mich schon, als hätte mich ein Panzer überrollt und als würde ich gleich auf der Stelle tot umfallen, was ich besorgniserregend finde, denn eine normale Zeiteinteilung wie früher ist so überhaupt nicht möglich. Auch ist es schwer, einen irgendwie vernünftigen Rhythmus zu finden. Inzwischen versuche ich es mit einem Rhythmus, bei dem ich einen Tag früh, also nach 7-8 Stunden, aufstehe und den Tag darauf den fehlenden Schlaf wieder nachhole, so daß das Defizit sich nicht über mehrere Tage sammelt und mich aus der Bahn wirft. So habe ich immer im Wechsel einen "ganzen" und einen "halben" Tag. Lieber hätte ich nur "ganze" Tage, denn ich mag das sensationelle Gefühl, wenn früh ein wirklich langer Tag vor mir liegt, den ich mit Leben füllen darf, wie ich es möchte. Allerdings macht das auch nur wirklich Sinn, wenn man vor Müdigkeit nicht gleich wieder umkippt. Irgendwann beginnt man bei so viel Müdigkeit an sich zu zweifeln, und hält sich für eine Schlaftablette. Tanzen, vor allem Salsa mit dem schnellen Rhythmus, und Sport helfen zwar, um munterer zu werden, aber auch nur stundenweise. Meine Mitpatientin, die ebenfalls von Müdigkeit geplagt wird, meinte, sie hätte gelesen und von ihrer Ärztin gehört, daß die Müdigkeit, medizinisch Fatigue genannt, noch bis mehrere Jahre nach der Behandlung andauern kann. Gut zu wissen, dann bin ich ja doch völlig normal. Wahrscheinlich bringt es einfach nichts, das Leben vor dem Jahr K mit dem Leben nach dem Jahr K zu vergleichen. Aber wenn ich so höre, was manche Patientinnen für große Probleme mit ihrem Arm haben, bin ich darüber sehr froh, wie die Sache mit den Lymphknoten bei mir abgelaufen ist und ich so noch die Chance hatte, sie behalten wollen zu dürfen. Bis auf zwei davon, die ich als Opfergabe dankend der Wissenschaft überließ.

VIP-Lounge

Meine ehemalige Mitschülerin U. vertraut mir ihren Kummer an, daß niemand sie mag. Das kann ich ja nun überhaupt nicht glauben, da sie doch immer der Liebling von allen ist, etwas, worum ich sie manchmal ein bißchen beneidet habe. Um sie zu trösten, streichel ich ihr über die Schulter und sie wird dabei ganz klein und zerbrechlich. R., ebenfalls ein ehemaliger Mitschüler, folgt mir überall hin und scheint meine Nähe zu suchen. Ich halte nun eine Schachtel in der Hand, in welche ich seine Zigarettenpackungen getan habe. Diese habe ich an mich genommen, um ihm die Zigaretten künftig zuzuteilen und er hat nichts dagegen. Wie er so neben mir steht, ist er auf einmal ein kleiner Junge mit einer verschmierten Nutella-Nase geworden. Wie putzig!

Mit meiner Familie reise ich in das Heimatdorf, um dort Ahnenforschung zu betreiben. Dies haben wir bereits einmal getan und während des Aufenthalts einige Interviews mit Leuten aus dem Dorf geführt. Es ist herrlichstes Wetter, die Sonne brennt heiß auf uns herab und wir überlegen, was wir nun am heutigen Tag unternehmen. Ich würde lieber herumstreifen, aber stattdessen landen wir in einem Hof, wo wir von einem Mann mit Brille in Empfang genommen werden. Dieser führt uns zu einem Portal, hinter dem ein großer Saal liegt, in welchem eine Veranstaltung stattfindet. Wir werden von dem männlichen Türöffner einzeln eingelassen, indem jeweils nur einer eintreten darf und die Tür wieder geschlossen wird, wobei der Türöffner laut den jeweiligen Namen in den Saal ruft. Vor mir ist gerade eine Person, die mit lautem Applaus und Jubel empfangen wird. Selbst hinter dem geschlossenen Portal hört es sich an, als würden tausende von Menschen im Saal toben. Wie ich dem gerufenen Namen entnehme, ist es wohl irgendein bekannter König oder Fürst, von dem ich dachte, daß es ihn gar nicht mehr gibt. Inzwischen schlottern mir die Knie, denn so viel Aufmerksamkeit bin ich nicht gewöhnt. Lieber würde ich mich wie ein Mäuschen in den Saal schleichen. Doch jetzt bin ich an der Reihe. Konzentriert starre ich auf meinen Schuh, als ich die Schwelle überschreite. Nur nicht stolpern! Wie zu erwarten fällt bei mir und der restlichen Familie der Applaus eher sehr verhalten aus. Schließlich sind wir weder berühmt noch bekannt. Wahrscheinlich wird nur geklatscht, weil die berühmte Person zu unserer Gruppe gehört und wir zusammen mit ihr eintreten. Dennoch erhalten meine Mutter und ich Plätze in der VIP-Lounge. Diese besteht aus zwei Stühlen, welche nicht normal in der Reihe mit den anderen stehen, sondern seitlich mit Blick zur Wand. Vor ihnen ein billiger weißer Plastiktisch mit zwei gefüllten Sektkelchen.

Dienstag, 13. März 2012

Stil|Bruch

Stil | Bruch
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"Lebt denn

der alte Backenzahn noch, Backenzahn noch, Backenzahn noch. Lebt denn der alte Backenzahn noch, Backenzahn noch. Jaaaaaaaaaaaa, er lebt noch, er lebt noch, er lebt noch. Jaaaaaaaaaaaa, er lebt noch, stirbt nicht."
Wie man meinem Gesang entnehmen kann, war mal wieder Zahnarzt fällig und die Zahnärztin gönnte mir wie immer den Spaß, denn Nerv noch lebendiger zu machen als er schon ist, natürlich nur um zu testen. Überkronen wollte sie ihn erst Ende des Jahres, aber ich will so schnell wie möglich eine Krone, damit ich wieder normal auf beiden Seiten kauen kann ohne Angst haben zu müssen, daß noch mehr von dem Zahn wegbröckelt und ich von weiteren "Nerventests" verschont bleibe. Deshalb habe ich heute schon den Heil-und Kostenplan mitbekommen. Wie erwartet ein teures Vergnügen, aber man gönnt sich ja sonst keinen Luxus, zumindest fast keinen.

Sonntag, 26. Februar 2012

Mist,

jetzt ist von meinem halben, provisorisch gefüllten Backenzahn noch ein Stück von der anderen Seite abgebrochen. Ich glaube, der fällt so langsam auseinander. Es gibt da so einen Spruch, daß jede Schwangerschaft einen Zahn kostet. Den Spruch kann man wohl darauf erweitern, daß jede Schwangerschaft und jede Chemotherapie mindestens einen Zahn kostet. Denn ich bin nicht die Einzige, wie ich gerade gelesen habe: http://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=49744. Aber auch so etwas bekommt man von keinem Arzt gesagt.

Das ewige Leben

Das Buch "Die Katze, die einen zu langen Schwanz hatte" finde ich beim Aufräumen. Ich beschließe es wegzuwerfen, denn lesen werde ich es sicher nicht mehr. Wozu also aufheben? Allerdings gehört es meinem Vater, vielleicht wäre er nicht einverstanden.

Unweit von meinem Wohnhaus ein Observatorium der Venus gewidmet. Im Foyer kann man allerhand Souvenirs kaufen, gerade ist eine neue Kollektion von kleinen Tierfigürchen aus hellblauem und türkisem Steingut gekommen. Angetan betrachte ich die Auslagen und denke, ich sollte öfters hier vorbeischauen, denn ich liebe ja solchen Kram.

Irgendwo in einem Krankenhaus sitzend, wird mir plötzlich klar, daß ich gestorben bin. Mein Körper liegt hier in der Leichenhalle oder wurde vielleicht schon beerdigt, aber ich bin noch da, mir meiner selbst bewußt. Das Sterben ist einfach und problemlos gegangen, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Meine Güte, daß man aber auch so unzureichend auf solche Situationen vorbereitet wird! Woher soll man denn ahnen, daß es das ewige Leben tatsächlich gibt? Jetzt sitze ich hier dumm herum und weiß nicht, wie weiter.

Samstag, 25. Februar 2012

Schreibtischtat

Dann werde ich der Operation Schreibtisch einmal folgen und den meinen herzeigen. Wie man sieht, ist er zur Zeit recht gut sortiert. Das ist nicht immer so.

Schreibtisch 2

Schreibtisch 1