Alien
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Dienstag, 1. Mai 2012

Ich freue mich

auf den ersten Sommer ohne Flugzeuge. Noch genau ein Monat und dann ist es soweit. Das wird eine himmlische Ruhe! So ruhig, daß man vielleicht sogar tagsüber die ICEs in der Ferne hören kann, wie man sie jetzt nur des nachts leise vorbeidonnern hört. Die ersten Rennameisen rasen auch schon wieder geschäftig auf meinem Balkon herum. Ich frage mich, was sie dort so Tolles finden, daß sie sich die Mühe machen, vier Stockwerke zu mir hinaufzuklettern. Das erinnert mich immer an eine Geschichte aus der Kindheit, als unser Familien-Akazienhonigtopf, der mehrere Kilos umfaßte und den wir regelmäßig von einer Westverwandten geschenkt bekamen, in unserer netten, geräumigen Altbau-Speisekammer stand und die Ameisen unbemerkt eine ganze Straße bis zu diesem Schlaraffenquell bauten. Doch ich habe weder einen Honigtopf auf dem Balkon, noch wohne ich nur im ersten Stock.

Traumyoga

Mit Leichtigkeit lege ich meinen Kopf auf den durchgestreckten Knien ab, von anderen um mich herum staunend beäugt. Ich selbst bin auch überrascht über meine neue Beweglichkeit. Das kenne ich so gar nicht. Aber wahrscheinlich bin ich heute einfach gut in Form, denke ich. Schon oft konnte ich erleben, wieviel Unterschied die Tagesform ausmachen kann. Auf die Idee, daß dies alles nur ein Traum sein könnte, komme ich allerdings nicht.

Montag, 30. April 2012

Vergessen

In meiner Wohnung ist ein ständiges Kommen und Gehen. Dauernd klingelt es an der Türe. Ich bitte die Leute rein, obwohl mir so viel Besuch im Moment eigentlich gar nicht paßt. Es sind hauptsächlich Männer, die mir in irgendeiner Art nahe stehen oder nahe standen. Doch während sie durch meine Wohnung trampeln, hänge ich meist allein in einer Ecke herum, weil alle furchtbar beschäftigt sind. Der eine damit, Essen in sich hineinzuschaufeln, der zweite damit, sich die ganze Zeit mit einer anderen Frau zu unterhalten, und so weiter. Jener, der sich mit der Frau unterhalten hat, ist irgendwann verschwunden, anscheinend gegangen, wie ich enttäuscht feststelle. Daß er nur mit der anderen Frau redet, stört mich ja schon gar nicht mehr, aber daß er so einfach geht, ohne sich von mir zu verabschieden und ein paar Worte für mich, macht mich traurig. Es ist als hätte man mich komplett vergessen, als hätte es mich nie gegeben.

Sonntag, 29. April 2012

...

Durch die Mauern der Zeit
rinnen Glockenklang
und Taubenruf ins Jetzt,
sonntägliche Langsamkeit
in den Lauten schwebend
Aus Kindheitssommern
legt sich Glücksstaub
über die Momente
und Geborgenheit ins Herz
Unter den Himmeln
wolkenzerzauste Ewigkeit

Samstag, 28. April 2012

In der Tierklinik

Weitere Selbstgespräche

Ist der Ruf erst einmal ruiniert, darf man nicht nur ungeniert Selbstgespräche führen, sondern auch ungeniert mit Ameisen, Sonnenblumen oder seiner Vagina reden. Letzteres ist dann ein Intimgespräch. Ich wollte wieder einmal horchen, was meine Organe so zu meckern haben. Dazu hatte ich ja preiswert das Kartenset von Alexa Kriele zum Buch "Engel weisen Wege zur Heilung" ergattert. Die Antworten sind stets interessant bis witzig, wobei ich das Ganze spontan ohne jede Anleitung oder Legeform mache. Einfach fragen und Karte ziehen. Auf meine Frage, wo besondere Aufmerksamkeit nötig ist, meldeten sich das sensorische und motorische System, die Leber und das endokrine System. Das sensorische und motorische System fordert, daß ich mich kräftige, z.B. durch Schweigen. So viel rede ich nun allerdings gar nicht. Die Leber ist traurig und wünscht sich Förderung der Kreativität, sowie, daß ich mich nicht beirren lasse. Und das endokrine System fühlt sich vergessen. Huch, wie konnte das passieren? Es möchte den Humor gefördert wissen und daß ich nicht aufgebe, sondern dran bleibe (woran?). Als nächstes hatte ich mit den Eierstöcken ein Hühnchen zu rupfen. Die Onkologin ist äußerst besorgt darüber, daß die sich verkrochen und versteckt haben, wie sie das nennt. Das ist wohl eher ungewöhnlich, wobei mich das überhaupt nicht besorgt. Im Gegenteil, ich finde, das ist eine recht gesunde Reaktion von meinen Eierstöcken und sie tun mir damit nur einen Gefallen. Meinetwegen dürfen sie sich auch noch die nächsten vier Jahre ausruhen. Als ich sie darauf ansprach, sagten sie mir, daß sie sich schwach fühlen. Das erklärt natürlich diesen Rückzug. Sie möchten, daß ich mich an etwas Schönem freue. Mache ich doch glatt. Die Lunge fühlt sich wohl, dem Magen geht es hervorragend, dagegen ist das Blutsystem überfordert und das Lymphsystem müde, die Knochen sind leicht besorgt. Meine Zähne fühlen sich mächtig. Vielleicht wollen sie die Weltherrschaft an sich reißen und machen sich irgendwann selbständig. Die Lendenwirbel und Bandscheiben fühlen sich umsorgt. Ich kann wohl nicht so viel falsch gemacht haben. Sie möchten die Zuversicht gefördert wissen, daß ich Sorgen loslasse. Und mein gebrochenes Herz fühlt sich geliebt. Da weiß es anscheinend schon mehr als ich.

Freitag, 27. April 2012

Die aufregenden letzten Wochen

fordern ihren Tribut. Ich bin völlig fertig und habe Migräne. Gestern ging es mir ebenfalls schon so, weshalb ich sogar zwei Stunden eher ins Bett gegangen bin. Zwei Stunden schlief ich auch tief und fest, bin dann aber putzmunter wieder aufgewacht. Das Ergebnis war, daß ich mir stundenlang in der Nacht irgendetwas erzählt habe, bevor ich bei diesen Selbstgesprächen erneut einschlief. Ich glaube, es war meine Lebensgeschichte. Manchmal hat man anscheinend das Bedürfnis, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Selbstgespräche und senile Bettflucht - die Symptome kommen mir irgendwie bekannt vor.
Mir ist heute wie Wochenende und zum Glück wird es in den nächsten Tagen leicht ruhiger, bevor die übernächste Woche wieder voll mit Terminen ist. Doch es handelt sich größtenteils um positiven Streß, da verausgabt man sich gleich viel lieber. Ich leg mich jetzt hin und hole den Nachtschlaf hoffentlich ohne Selbstgespräche nach.

Donnerstag, 26. April 2012

Vor der Saison

Vor der Saison
.

Mittwoch, 25. April 2012

Storchen

'Storchen' ist meine neue Wortschöpfung und bedeutet so viel wie 'durch die Dörfer ziehen und Störche gucken''. Meine Schwägerin und ich hatten uns heute dazu verabredet, über die Dörfer zu fahren, um neue Lebensmittel von den Bauern zu holen. Dabei konnten wir auch gleich die ersten Störche, die schon zahlreich brüten, beobachten. Zuerst sind wir in der Leinmühle eingekehrt, wo ich zwei Flaschen echtes Spreewälder Leinöl, ein hausgemachtes Brot und ein Stück Heuseife kaufte (ich sollte langsam Seifenverbot bekommen). Bei einem Zwischenstopp ergatterte ich herrliche Ranunkeln, Hornveilchen und Stiefmütterchen für den Balkon. Im nächsten Dorf beehrten wir den Fleischer, wo alles noch hausgemacht ist, und prügelten uns um die letzte Teewurst. Nee, natürlich nicht, sie wurde schwesterlich in der Mitte geteilt und ich nahm noch zwei Spinat-Bratwürste mit. Meine Schwägerin kauft dort immer einen Vorrat Koteletts, das sind noch echte Koteletts, die nicht in der Pfanne schrumpfen wie das Fleisch aus dem Supermarkt. Danach war die Brauerei an der Reihe, wo sie einen 3-Liter-Krug mit Bier für meinen Bruder nachfüllen ließ. Dort aßen wir zu Mittag einen großen Teller Grützwurst mit Sauerkraut, auch alles regionale Produkte und sehr lecker. Meine Schwägerin hält auf der Fahrt regelmäßig bei einem Klamottenladen, wo sie preiswert Übergrößen bekommt. Ich hatte dort ebenfalls ein Oberteil entdeckt, das mir gefiel, aber etwas zu klein für mich war und das es nicht in größer gab. Die Inhaberin, eine Vietnamesin, erklärte trotzdem eifrig, daß es perfekt passen würde und als ich es nicht wollte, kam sie mit vielen anderen Oberteilen, die alle sehr schick aussahen und die ich anprobierte. Mehr oder weniger habe ich mich breitschlagen lassen, zwei Oberteile zu kaufen, die mir an sich auch super gefallen, bei denen ich allerdings skeptisch bin, ob sie mir tatsächlich stehen.
Auf der Rückfahrt beobachtete ich vom Auto aus eine Krähe, die mit einem harten Stück Brot zu einer dieser alten Berliner Wasserpumpen hüpfte und das Brot dort in die Wasserlache unter dem Hahn fallen ließ, um es einzuweichen. Die hohe Intelligenz dieser Vögel ist immer wieder erstaunlich.

Storchen 3

Storch 2

Storch 3

Storch 1

Spreewald-Giebel

Spreewald-Katze

Wie man hier sieht, bringen Störche nicht nur Babys, sondern saufen auch. Das erklärt einiges:

Brauerei

Storchen 1

Storchen 2

Dienstag, 24. April 2012

Die Schmetterlingszüchter-Ausrüstung

ist heute per Paketdienst angekommen. In einem hübschen Karton findet man das Schmetterlingshaus, den Gutschein für die Raupen, die Anleitung und eine Pipette zum Füttern. Leider werden nur Distelfalter gezüchtet. Schade, ich hätte gerne auch andere Schmetterlinge frei gelassen, die seltener zu sehen sind, allerdings ist das gar nicht einfach so erlaubt. Zum Freilassen von Distelfaltern benötigt man eine amtliche Genehmigung, die aber in dieses Set bereits "integriert" ist. Dann darf man sie jedoch nicht in Naturschutzgebieten freilassen, damit das natürliche Gleichgewicht dort nicht gestört wird. Die Raupen kann man sich bis zum September schicken lassen. Ich werde die Schmetterlingsaufzucht erst im Sommer beginnen, zum einen, weil ich da hoffentlich mehr Muße habe, zum anderen, damit die Schmetterlinge vielleicht noch gerne länger bleiben, wenn sie auf dem Balkon süße Nahrung finden. Laut Anleitung kann man die Schmetterlinge mit Obst, Nektar (Zuckerwasser) oder Nektar tragenden Blumen füttern. "Schmetterlinge mögen an Obst unter anderem frisch aufgeschnittene Orangen, Äpfel und alte Bananen." Ich schätze mal, da werde ich mit den Schmetterlingen auch eine ordentliche Population von Fruchtfliegen züchten. Hoffentlich brauche ich nicht noch eine amtliche Genehmigung, um diese frei zu lassen...

Erlebnisset1

Erlebnisset2

Gengezüchtete Schimpfworte

Was ist das?

Schimpfwort2

Und das?

Schimpfwort1

Tut euch keinen Zwang an...

Die Katzenratte

Mit Verwunderung bemerke ich, daß mein kleines Kätzchen unheimlich gerne im Wasser planscht. Sie springt in das gefüllte Waschbecken und taucht vollständig unter, völlig untypisch für eine Katze. Als sie wieder auftaucht, fällt mir auf, daß sie eigentlich wie eine Ratte aussieht. Besonders die kleinen dunklen Äuglein sind die einer Ratte. Seltsam, sollte ich mich geirrt haben und es ist gar keine Katze? Trotzdem verhält sie sich so, folgt mir überall hin, schleicht auf meinen Schoß, wenn ich sitze, und rollt sich dort behaglich zusammen. Streichle ich sie, streckt sie sich voll Wonne auf der Seite aus. Egal ob Ratte oder Katze, ich habe mein Haustier lieb.

Sonntag, 22. April 2012

...

Die Elster mit dem
Funkelauge
häuft Nestwärme,
nicht Geschmeide,
ins Geäst.
Der Frühlingskeim,
das Diebesgut,
genährt mit klugem
Schwarz und Weiß,
stürzt flügge sich
in das blaue Meer
des Himmels.

Freitag, 20. April 2012

Marilyn, Schmetterlinge und mehr

Jippieeee! Es sieht zwar ziemlich wild in meiner Brust aus - das kommt davon, wenn man Chirurgen ranläßt, sagt der Arzt, aber ansonsten alles gut. Und nochmal Jippieeeee, denn ich habe eine Email bekommen, in der steht, daß man mich als einen von 5000 Schmetterlingszüchtern ausgewählt hat. Ich werde also Schmetterlingszüchter. Hoffentlich wird das nicht so eine Pleite wie früher mit den Mariechenkäfern.
Praktischerweise werden in dem Röntgeninstitut auch Knochendichtemessungen gemacht, wie ich erfuhr, so daß ich mir gleich dafür einen Termin geben lassen konnte. Der Arzt stellte mir bei der Untersuchung die seltsame Frage, ob die Krankheit noch mein Leben bestimmt. Tja, was soll man darauf antworten? Auf gewisse Weise ganz sicher, aber zum großen Teil eigentlich in positiver Weise. Sie das nicht machen zu lassen und ganz einfach da weiterzumachen, wo ich vorher aufgehört hatte, so als sei nichts geschehen, würde ich mir gar nicht wagen. Dazu weiß ich noch zu gut, wie schlecht es mir ging. Alle Leute, welche ich im weiteren oder engeren Umfeld kenne, die dies getan haben, bereuten es später - "Hätte ich das bloß nicht gemacht!" - heißt es dann. Meistens kam die Reue in Form eines Rückfalls. Ich möchte nicht zu diesen gehören. Der Lebenspartner meiner Tante ist Anfang April an Krebs gestorben, wie ich gestern hörte.

Geplant hatte ich, nach dem Termin wieder einen bequemen Platz am Wasser zu suchen und mir einen schönen Tag in der Stadt zu machen, aber der Regen setzte mir einen Strich durch die Rechnung. Auf dem Weg zum Alex nieselte es erst ein bißchen, doch dann wurde ich richtig durchnäßt. Zufällig fiel mein Blick auf das Filmplakat am Kino "International" - "My week with Marilyn" wurde gezeigt. Die nächste Vorstellung um 15 Uhr, es war gerade 14:30 Uhr. Kurzentschlossen kaufte ich eine Karte. Die Verkäuferin meinte, ich sei die Erste. Um diese Zeit kämen nicht viele. Immerhin waren wir dann doch sieben. Ich und sechs Rentnerinnen, die alle hinter mir saßen, so daß ich vor mir nur das leere Kino hatte. Sehr angenehm. Wenn man allerdings glaubt, man wäre mit sechs Rentnerinnen im Kino vor Handygesprächen sicher, dann täuscht man sich. Kaum saß die eine von ihnen hinter mir, zückte sie auch schon das Handy und rief jemanden an: "Weißt du, ich sitze hier gerade im Kino und da dachte ich, ich muß dich doch unbedingt noch einmal anrufen. Vorhin hat es doch tatsächlich so stark geregnet. Stell dir vor!" Was haben die Leute eigentlich früher ohne Handy gemacht? Der Film ist solide Unterhaltung, auf keinen Fall langweilig, und beruht auf einer angeblich wahren Begebenheit, die Colin Clark in seinem Tagebuch niedergeschrieben hat, seiner Begegnung mit Marylin Monroe als diese zu den Dreharbeiten für "Der Prinz und das Showgirl" in England weilte und mit Sir Laurence Olivier arbeitete. Daß sich die beiden nicht gut verstanden, kann man in den Biographien nachlesen. Da ich im letzten Jahr zwei Bücher über Marilyn gelesen hatte, war ich natürlich für den Film überproportional vorgebildet, deshalb kann ich schlecht einschätzen, ob er auch für andere interessant ist. Und bei den Filmtrailern fiel mir gleich ein weiterer Film auf, der ab Mai läuft und den ich mir ebenfalls gerne ansehen würde, nämlich "Ausgerechnet Sibirien". Ich glaube, das ist genau so ein schräger Film wie "Polska Love Serenade", halt nur nicht in Polen, sondern in Sibirien, und schräge Filme liebe ich. Ist also vorgemerkt.
Nach der Vorstellung wollte ich erst gleich nach Hause, aber der Regen hatte aufgehört und die Sonne schien wieder. Auch wenn ich sonst keine Straßen mag, liebe ich es, wenn sie vom Regen naß sind und in der Sonne funkeln. Daran kann ich mich gar nicht satt sehen, weshalb ich dann doch noch etwas herumschlenderte. Und ich entdeckte sogar Dinge, die ich bisher nicht kannte, nämlich einen Gold-Blasenbaum und einen Zürgelbaum.

Gold-Blasenbaum

Zürgelbaum

Ein wirklich coooooler Tag war das heute, doch jetzt bin ich irgendwie so müde, daß ich einen halben Regenwald abholzen könnte.

Regen

Spreefall

Nikolaiufer