Ein Ort voller Leben, Ablenkungen und Vergnügungen. Während ich in einem Freiluftkino zwischen zwei Männern sitze und einen Film schaue, klingt von nebenan das Gebimmel eines Rummels herüber. Allerdings sieht man in den Menschenmassen auch immer wieder medizinisches Personal bei der Arbeit. Einmal wird sogar die Trage mit einem Toten hindurchgefahren. Man sieht zwei Erwachsenenfüße unter dem Leichentuch hervorschauen, aber seltsamerweiser liegt auf dem Körper ein Schild, auf welchem groß 'Frühgeburt'' steht. Das bringt mich zum Sinnieren darüber, daß dieser Rummel und die lauten Vergnügungen wahrscheinlich nur die Menschen von dem Eigentlichen ablenken sollen, das hier vor sich geht. Der Film wird mit Pausen gezeigt und während einer dieser Pausen ist mein linker Sitzpartner auf den Rummel gegangen und hat dort einen Teddybären gewonnen. Er streckt ihn mir hin und ich frage, für wen der ist. Er sagt, er will ihn mir schenken. Gerührt und erfreut betrachte ich mir den Teddy genauer. Er ist nicht schön, sondern sieht etwas zerknautscht aus. Unten schließt sich eine Art längliches Kissen wie ein kleines Seitenschläferkissen an, das aus buntem Patchwork gearbeitet ist. Ganz am Ende ein kleiner bunter Zettel mit dem Namen des Rummels. Ich denke mir, daß ich den Teddy an meine Schwägerin weiter verschenken werde, denn die sucht für ihre Enkelin noch ein Kuschel- und Schlafkissen für lange Autofahrten. Irgendwann verlassen wir das Kino und machen uns in den Menschenmassen auf den Weg zur Bahn. Auf einer Bahnhofstreppe läuft ein seltsam durchscheinend wirkender Mann irgendwie gestört immer wieder die Treppe hinauf und wieder hinunter. Er scheint geistig krank zu sein und ich versuche ihm aus dem Weg zu gehen, weil ich fürchte, daß er mich anrempeln oder sogar die Treppe hinunterschubsen könnte.
Am Donnerstag bei der Onkologin kam in das Wartezimmer ein Mann mit Latzhose, bei dessen Anblick ich dachte: "Lustig, der sieht ja aus wie Peter Lustig!" Spaßeshalber recherchierte ich gerade im Internet, was dieser so macht und las, daß er jetzt in Berlin wohnt und Lungenkrebs hatte. Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß es sogar der echte Peter Lustig war. Da im Internet Gerüchte kursieren, er sei tot, kann ich deshalb mitteilen: vorgestern hat er noch gelebt.
Wenn ich keine Ruhe zum Schreiben und zum Lesen habe, bekomme ich sie so sicher wie das Amen in der Kirche. Dazu dieser halbherzige Haarschnitt, den mir die Friseuse gestern verpaßt hat. Ok, ich hätte wissen können, daß man in Frisierstuben ab 17 Uhr mit dem Feierabend beschäftigt ist und keine Lust mehr hat. Allerdings konnte ich nichts dafür, daß es so spät wurde, da wie immer wenn man keine Zeit hat, sowas passiert, daß man zum Beispiel bei einem Arzttermin vier Stunden warten muß. Gestern bei der Onkologin. Nach vier Stunden (die bis dahin nur gefühlt waren, da ich keine Uhr hatte) konnte ich nicht mehr sitzen, lief etwas herum und als die Ärztin mich sah, war ich sofort dran. Sie meinte, ich sei irgendwie verschwunden gewesen und das nächste Mal solle ich mich eher vor ihre Tür stellen. Nun kenne ich ja auch schon Wartezeiten von sieben Stunden bei der Orthopädin, da denkt man bei vier Stunden noch, es sei normal. Zwischendurch beim Warten bin ich eingeschlafen, da muß ich aber sehr fest geschlafen haben, wenn ich mich nicht habe aufrufen hören. Als Trostpflaster bekam ich von ihr eine Packung Rooibushtee mit Vanille und einen Bonbon geschenkt. Außerdem erhielt ich eine Überweisung für die Humangenetik, weil ich gerne einen genetischen Test bezüglich Brustkrebsveranlagung machen möchte. Sie meinte, sie findet es gut, daß ich das mache. Erstaunlich, ich dachte, ich muß mich erst wieder in meinen Überredungskünsten üben. Nachdem ich ihr mitteilte, daß sich meine Gynäkologin nicht mehr für meine Brüste zuständig fühlt, machte sie auch eine Tastuntersuchung, behauptete allerdings, das vorher schon getan zu haben, denn sie kenne doch alle meine schicken BHs. Wie das geht, ist mir ein Rätsel, den bisher hatte ich stets nur ein und denselben bei ihr an, und ich bin mir sicher, daß ich bei den letzten Terminen diesen nicht einmal ausgezogen hatte. Bei der Untersuchung schimpfte sie dann, daß sie eigentlich viel zu viel mache und die Gynäkologen überhaupt nichts mehr tun. Das soll mir ja nun egal sein, solange es überhaupt jemand macht. Sie erklärte aber auch, sie sei sensorisch nicht so der Bringer und wenn sie etwas ertasten würde, wäre es sowieso schon viel zu groß. Auch nicht sehr beruhigend.
Um 17 Uhr fiel ich dann also bei der Friseuse ein, die sofort ihre Preise kräftig anzog und mir einen Galoppschnitt verpaßte, bei dem der Pony viel zu kurz wurde. Das wächst zwar wieder alles, aber trotzdem verstehe ich nicht, warum ich mir jedes Mal nach einem Friseurbesuch die Haare selbst nachschneiden muß, damit es irgendwie nach etwas aussieht. Nun ist ein Haarschnitt dort sehr günstig, so daß es nicht so ein Drama ist, aber ich sage jedes Mal 'fransig und struwelig', aber es ist nie ordentlich fransig und struwelig. Ich muß mir immer erst selbst noch ein paar Stufen reinhauen und auch den Hinterkopf bekommen sie nie richtig hin. Ein gewisser Kurzhaarschnitt gefällt mir an mir, allerdings muß er dann auch wirklich gut geschnitten sein und genauso liegen, wie er soll. Das scheint so selten zu sein wie ein Sechser im Lotto und wenn man ihn hat, muß man regelmäßig alle paar Wochen nachschneiden gehen, damit die Frisur so drin bleibt und nicht herauswächst. Und wenn er nicht richtig liegt, muß man ständig stylen, damit es nicht total scheiße aussieht. Das alles ist so nervig, daß ich doch dazu tendiere, sie wieder lang wachsen zu lassen, da ist wenigstens nicht viel verkehrt zu machen und man kommt auch länger ohne Friseur oder Styling aus. Von wegen Kurzhaarfrisuren sind praktisch. Außer, daß sie schneller trocknen kann ich das nicht finden. Schließlich, nach dem anschließenden Wocheneinkauf, war ich um 19 Uhr zu Hause.
Nun kramt außerdem die Person mit ihren Spielchen bei Twoday.net auch schon wieder ihre Fake-Accounts hervor. Manchmal denke ich ja, Twoday.net lebt nur noch von seinen 200 Blogs. Als ich der Psychologin erzählte, daß er nicht mit mir reden möchte, mich mit seinen Gefühlen und seiner Spionage aber trotzdem nicht in Ruhe läßt, meinte sie, es gäbe so Menschen, die wollten jemanden wie einen Star anhimmeln, ohne sich mit ihm wirklich auseinanderzusetzen oder ihm nahe zu kommen. Schön und gut, wenn mich wer anhimmeln will, soll er das machen, allerdings erklärt das noch nicht das Mobbing, die Verarsche und alles andere. Überhaupt finde ich, daß er für jemanden, der nicht direkt mit mir kommunizieren will, ein erstaunlich hohes anonymes Mitteilungsbedürfnis hat. Es interessiert mich aber kaum noch, was er mir anonym zu sagen hat, das er mir nicht direkt und persönlich mitteilen will. So wichtig kann es ja kaum sein, und ehrlich sowieso nicht. Und daß ich von ihm weder Antworten, noch Erklärungen, Verstehen oder wirklich ehrliche Entschuldigungen bekomme, die nicht ihn selbst indirekt beweihräuchern, das weiß ich ja bereits. Manche Menschen können sich nicht in andere einfühlen und mitfühlen, die müssen alles selbst erleben. Eigentlich hätte ich jedes Recht der Welt, meinen ganzen Frust und meine Probleme an ihm auszulassen, so wie er es mit mir gemacht hat...
macht Fortschritte. Heute früh für einen Arzttermin aufgestanden, fertig gemacht und kurz vorm Losgehen noch einmal auf den Terminzettel geschaut: Der Termin ist erst nächsten Donnerstag. Na gut. Hat ein bißchen was von unverhofftem Hitzefrei. Und ist mir ganz recht, weil es mir eh nicht so gut geht. Hab Migräne, bin irgendwie total geschafft und fertig, und im Bauch grummelt es auch ein bißchen. Interessant, wie einen die Krankheit zum Mann macht. Während man früher einfach nur leicht unpäßlich war, liegt man heute schon bei kleinsten Symptomen im Sterben. Ich hasse das! Montags hatte ich ebenfalls wieder Termin bei der Ps.onkologin: Sie war völlig aus dem Häuschen über meine "fantastischen Fortschritte", die ich in den letzten Monaten alleine gemacht habe und gratulierte mir dazu. Ich sei auf dem Weg, erwachsen zu werden und mehr Verantwortung für mich zu übernehmen. Nun habe ich zwar selbst gemerkt, daß ich mich verändere, durchaus recht heftig sogar, allerdings hatte ich von den wirklichen Ausmaßen anscheinend doch noch keine Ahnung und da ist auch immer der leise Zweifel, ob es tatsächlich eine dauerhafte Sache ist, oder jetzt nur eine bessere Phase. Fasziniert war sie weiterhin davon, daß ich meine alten Klamotten teilweise nicht mehr ertragen kann, weil ich mich dann wie früher fühle. Sie meint, die Innere-Kind-Sitzung sei der Auslöser für diese Veränderungen, ich bin mir da nicht so sicher. Zwar kann ich es nicht ausschließen, daß es doch unbewußt irgendetwas bewirkt hat, aber ich denke, der wirkliche Grund für die Veränderung ist meine Entschlossenheit, mir mein Leben 2.0 nicht mehr von irgendwem oder irgendetwas vermiesen zu lassen, zumindest nicht dauerhaft, und mich nicht mehr von anderen richtig runterziehen zu lassen. Es sei normal, daß es Leute gibt, die mit dieser Veränderung nicht klar kommen und nicht wollen, daß ich mich verändere, meinte die PO. Die würden dann halt gehen und dafür neue kommen. Zur Sprache kam dabei auch die Sache mit diesem anonymen Schreiber auf Twoday.net und Twitter. Als ich alles erklärte, schlug sie vor Entsetzen die Hände vors Gesicht und raufte sich die Haare. Sowas hätte sie auch noch nicht gehört. Ja, war klar, das hatte ich mir schon gedacht, daß nur ich es schaffe, mich in solch seltsame Situationen zu manövrieren. Sie meinte, daß jemand, der ein Helfer-Syndrom hat, selbstsüchtig handelt und sich innerlich nicht klar von seinem "Suchtmittel" abgrenzen kann, weshalb er auch gerne übergriffig wird und seine Launen am anderen abläßt, ganz besonders wenn er merkt, daß der andere nicht so hilflos ist, wie er das gerne hätte. Ich solle das Mobbing und die fiesen Spiele einfach als Lektion betrachten, künftig nicht mehr so naiv zu sein, zu glauben, daß man von anderen, die einen anscheinend mögen, auch wirklich gut behandelt und geachtet wird, und mich innerlich so schützen, daß mich solche Übergriffe nicht mehr völlig aus den Socken hauen können. Ich hätte sowas alles nicht nötig und könne das jetzt auch überhaupt nicht gebrauchen. Stattdessen sollte ich mich auf die Menschen konzentrieren, die mich gut behandeln, es gut mit mir meinen, und die Dinge, die mir gut tun. Sie fand, daß das Internet ganz neue Facetten in psychologische Probleme bringt, Dinge, mit denen ihr Berufsstand sicher noch häufiger konfrontiert werden wird. Ja, sage ich, da braucht man wohl als Psychologe einige Nachschulungen.
tat ich mir gestern das Festival of lights an. Ich ließ mich stundenlang bespaßen, ohne daß ich bemerkte, wie der Abend immer später wurde, da man es in den Touristenströmen, die fließen wie sonst am hellichten Tage, einfach vergißt. Sogar im Reichstag kann man anscheinend um 22 Uhr noch Führungen mitmachen. Das war mir neu. Tatsächlich war ich erst kurz vor Mitternacht wieder zu Hause. Faszinierend auch die Heerscharen von Stativen, die bei dieser Gelegenheit unterwegs sind. Man muß auf Schritt und Tritt im Dunkeln aufpassen, daß man nicht in so ein Ding hineinläuft. Ich selbst schleppe ja ungerne bis nie Stative mit mir herum und gehe lieber das Risiko ein, daß einige Fotos nichts werden. Ein bekannter Sportfotograf sagte mal sinngemäß in einem Interview, wer nicht in der Lage sei, aus der Hand im Dunkeln mit entsprechenden Einstellungen ein Foto zu machen, solle seinen Beruf wechseln. Nun habe ich nicht vor Fotograf zu werden, aber ich übe trotzdem. Am Gendarmenmarkt war leider keine Show, zumindest nicht so lange ich dort stand und wartete, daß wie am Dom und am Schloß etwas passierte. Irgendwann zog ich zum Potsdamer Platz weiter. Dort wurde nicht nur belichtet, sondern auch beräuchert und benebelt. Ich meinte zuerst, es brennt irgendwo. Als ich vom Reichstagsufer zum Brandenburger Tor schlenderte, liefen zwei Herren in schwarzen Mänteln an mir vorüber, die ich erst nicht beachtete, da ich im Dunkeln selten auf Gesichter achte, doch als sie auf fast gleicher Höhe mit mir waren, hörte ich den Kleineren zum Größeren etwas sagen und dachte: Die Stimme kennst du doch! Ich gucke überrascht hin und erkenne Gregor Gysi wie er leibt und lebt. Mir ist es ja etwas peinlich, daß ich so verdutzt hinterher gestarrt habe, weil ich der Meinung bin, wenn bekannte Leute privat flanierend unterwegs sind, vielleicht um ebenfalls das Festival of lights zu genießen, wollen sie ganz gewiß nicht dumme Blicke ernten. Ich kenne es ja selbst, wie das ist, wenn man dann auch noch erkannt wird. Ich denke da an den denkwürdigen Arztbesuch bei meiner Hausärztin, als ich im Wartezimmer saß und unentwegt von einem kleinen Jungen angestarrt wurde. Schließlich zeigt er mit dem Finger auf mich und sagt ganz laut, so daß es auch jeder im ganzen Raum hören konnte: "Mama, die Frau kenne ich aus dem Fernsehen!" Da wünscht man sich die große Greta-Garbo-Sonnenbrille herbei. Doch wenn eine bekannte Stimme an einem vorbei läuft, dreht man sich spontan viel schneller um, als daß man überhaupt weiß, ob es jemand ist, den man persönlich kennt oder nur aus dem Fernsehen. Und jemand, dessen Stimme man immer mal wieder im eigenen Wohnzimmer hört, wird im Gehirn wahrscheinlich sowieso als persönlicher Bekannter abgespeichert.

Aktuell beschäftigt mich die Frage, ob ich ein Reisetagebuch führen sollte, vielleicht zumindest im Kurzformat. Lust hätte ich jedenfalls, aber befürchte, daß ich bei der Fülle der Eindrücke der Reise nicht genug Muße finden werde. Da kam mir der Einfall, doch einfach mal ein Reise-Vorfreude-Tagebuch zu führen. Das wäre eine angemessene Art, sich auf solch eine große und wahrscheinlich unvergessliche Reise vorzubereiten. Überhaupt hat sich zur Zeit meine Vorliebe auf Computerschreiberei plötzlich in eine Lust an Skizzen- und Notizbüchern umgekehrt. Irgendwo in der Schublade fand ich noch ein unbeschriebenes
Swop-Book, mit dem ich bisher nicht so viel anfangen konnte. Doch mit den Bildern darin animiert es geradezu, sich gedanklich bereits vorher mit der Reise auseinanderzusetzen. Um es mitzunehmen ist es mir allerdings zu groß und zu dick. Leider muß ich mich statt zu schreiben auch noch mit Gedöns wie Flexschläuchen auseinandersetzen, was mich interessiert wie Wasserhähne und Wasserstandsmeldungen. So langsam hab ich jetzt aber auch genug von der Küche. Immerhin nur noch eine größere Aktion mit Hilfe, und bis auf ein paar kleinere Details dürfte die Küche fertig sein, wahrscheinlich diesmal sogar eher als ich dachte.
