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Dienstag, 9. Oktober 2012

Hafen-Streunen

Mir ist heute der Mount Everest von den Schultern gefallen. Es war mittags, als die Erde kurz erbebte. Habt ihr sicher bemerkt. Das war ich. Danach konnte ich entspannt durch den Hafen streunen:

Westhafen1

Westhafen8

Westhafen7

Westhafen6

Westhafen5

Westhafen3

Westhafen2

Westhafen4

Der Herbst, und nicht der Frühling

Herbst
.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Das Fahrstuhldrama

Gerade Schiffsreise-Uraubsvideos von anderen angeschaut. Das waren allerdings echte Kreuzfahrten mit Unterhaltungsprogramm und Neptuntaufe bei Überquerung des Polarkreises. Sowas muß ich nicht haben. Alle sind in heller Aufregung wegen der Reise, obwohl sie erst in einem dreiviertel Jahr stattfindet. Da wird schon fleißig überlegt, was man mitnimmt und sich noch kaufen muß. Ich habe mir letztens bei Lidl preiswert eine wind- und wasserdichte Trekkingjacke gekauft, darunter kommt eine dicke Sweatjacke. Außerdem erstand ich praktische Klappzahnbürsten. Wegen der Sprengstoffgefahr gibt es neue Flughafenbestimmungen, was Flüssigkeiten betrifft. Das heißt Duschgel usw. ist dann wohl rationiert, ich habe mir die Bestimmungen aber noch nicht genau durchgelesen.
Meine Mutter berichtete von ihrem Fahrstuhldrama. Sie ist steckengeblieben, mitten zwischen zwei Stockwerken in ihrem Wohnhaus. Da sie technisch völlig unbedarft ist, hat sie erstmal eine Viertelstunde mit dem Schuh gegen die Fahrstuhltür gehämmert und um Hilfe gerufen, bevor sie auf die Idee kam, den Notknopf zu drücken. Da gab es dann aber auch Probleme, weil erst ein Mann antwortete, der gleich wieder weg war und den sie überhaupt nicht verstand. Darauf drückte sie den Notfallknopf minutenlang bis sich schließlich eine Frau meldete. Doch sie meinte, die sei auch immer wieder weg gewesen und so mußte sie wohl fünfmal den Notfallknopf drücken bis sie klar und deutlich verstand, daß Leute auf dem Weg sind, um sie zu befreien. Ich vermute ja, daß sie kein Hörgerät trug und deshalb nie hörte, was die Frau sagte, denn wenn ich fragte, was die Frau denn gesagt hätte, meinte sie mysteriös, sie wisse es nicht so richtig. Wahrscheinlich hat sie diese mit ihren ständigen Notrufen ganz verrückt gemacht. Dann dauerte es noch knapp zwanzig Minuten bis die Retter dort waren. Der Fahrstuhlmensch verschwand erst einmal im Keller, der Fahrstuhl ruckte an, fuhr ein Stück nach oben, blieb aber so stehen, daß immer noch eine hohe Stufe war, die sie mit Hilfe des Retters bewältigen mußte. In den letzten Tagen war sie nun beschäftigt bei der Hausverwaltung zu erreichen, daß ein Klappsitz in den Fahrstuhl eingebaut wird, für den Fall, jemand bleibt erneut darin stecken.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Gute Aussichten?

Das Wochenhoroskop für Löwen in der nächsten Woche klingt fast zu schön um wahr zu sein:

Lieber Löwe, Sonne und Jupiter erfüllen Ihre Wünsche!..

..Die Sonne und Mars stehen günstig in dieser Woche. Schon allein das macht die Tage sehr angenehm. Es kommt noch hinzu, dass sich Sonne und Jupiter am Dienstag in einem – ich möchte fast sagen – göttlichen Trigon miteinander verbinden. Das schenkt Ihnen Wohlergehen und Glück. Am Dienstagnachmittag bezieht dann auch noch der Mond in Ihrem Sternzeichen Position: Also wahrlich, mein lieber Löwe, Sie haben es gut. Aber, es gibt ein Problem, nämlich dass es Ihnen zu gut gehen könnte.


Nun will es der wunderbare Zufall, daß ich ausgerechnet am nächsten Dienstag Vormittag einen sehr wichtigen Termin habe, der bei positivem Verlauf durchaus das Potential hätte, daß ich hinterher vor Leichtigkeit total abhebe und wie auf Wolken schwebe. Mal schauen, ob mir Jupiter tatsächlich wohlgesonnen ist.

Samstag, 29. September 2012

Die Grabsteindebatte

Die Hilfe für den Küchenbau kam mit Verspätung, aber dafür mit einem Blumenstrauß für mich. Ich dachte ja, ich habe irgendetwas verpasst, aber nein, einfach nur so. Auch das Anbringen der Wandschränke ging diesmal zum Glück relativ problemlos, jedoch nicht ganz so problemlos, wie ich mir vorgestellt hatte. Irgendwie verschätze ich mich immer wieder, aber es war nichts schwerwiegendes, alles wurde schnell gelöst. Mitgebracht wurde mir auch eine DVD mit dem Urlaubsvideo eines Bekannten meiner Schwägerin, der bereits eine Reise per Postschiff gemacht hat. Wenn man sich das anschaut, möchte man am liebsten in den Fernseher kriechen. Überhaupt freue ich mich irrsinnig auf die Reise, wie auch auf die neue Küche. Und ich stelle fest, wie wichtig es ist, daß man sich auf etwas freuen kann, denn dann ist jede andere Sch..., die einem sonst noch so begegnet nur noch halb so schlimm, weil man sehr leicht die Aufmerksamkeit auf die Vorfreude lenken kann. Die Vorfreude läßt sich ebenfalls bei Youtube auskosten, weil es dort einiges an Videos gibt. Auf jeden Fall werde ich fotografieren wie eine Irre und ich spiele mit dem Gedanken, mir ein Reisetagebuch zuzulegen, denn zwölf Tage lang kann man sich nicht alles im Kopf merken. Allerdings weiß ich bereits aus Erfahrung von anderen Reisen, daß es meist so viel zu sehen gibt und man auch ständig mit anderen zusammen ist, abends noch Scrabble spielt usw., daß man eigentlich nicht wirklich mehr Zeit und Ruhe für so etwas findet.
Während des Anbringens der Wandschränke kam es zu einem Gespräch mit meinem Bruder, das bezeichnend für ihn ist. Er war am vergangenen Wochenende im Spreewald-Heimatdorf meines Vaters und erzählte, daß es das Grab von unseren Großeltern nicht mehr gibt. "Stell dir mal vor, nichts mehr da. Kein Stein mehr und nichts, nur Gras." Ich sage ihm, daß dann wohl die Liegezeit abgelaufen ist, die ja auf zwanzig Jahre begrenzt ist. Und er so: "Aber trotzdem, ist das nicht schlimm? Daß einfach alles weg ist, sogar der Grabstein?" Ich zu ihm: "Was willst du denn mit dem Grabstein? Willst du dir den in den Keller stellen?" (Dabei vermute ich heimlich, daß er das tatsächlich machen würde, wenn er könnte, da er zu den Menschen gehört, die sich von überhaupt nichts trennen können.) Er: "Na ja, dann wäre wenigstens noch irgendetwas da. Stell dir mal vor, zwanzig Jahre nur. Wenn das nun jemand ist, der jung verstorben ist. Und nach zwanzig Jahren ist schon alles weg von der Person." Ich zucke mit den Schultern und antworte: "Stell dir mal vor, von all den Abermilliarden Menschen, die seit Anbeginn der Zeit verstorben sind, gäbe es noch Grabsteine - dann könnten wir heute nirgends mehr auf der Erde treten." Ich bin ja bei sowas relativ unsentimental, weil ich finde, daß man Menschen in den Erinnerungen besser gedenken kann, als mit Grabsteinen, ja, daß sie eigentlich in den Erinnerungen sogar lebendig bleiben.

Das Spiel

In einer undefinierten Lokalität setzt sich ein Mann neben mich, mit dem ich oberflächlich ins Gespräch komme. Eine Frau läuft zwischen den Tischen umher und verkauft Spiele, welche an der Wand aufgereiht sind. Der Mann interessiert sich für ein Spiel, auf dessen Karton klein "Roman" steht, und danach in Großbuchtaben "Moritz". Er kauft es und fragt die Frau, wie man es spielt. Die antwortet nur kurz angebunden: "Da sind die Steine und da setzt man."
Der Mann öffnet den Karton und ich schaue ebenfalls neugierig zu, was er aus dem Karton herausholt. Er faltet das Spielbrett auseinander, welches einen Teil der Weltkarte enthält, auf der aber nur sparsam Orte und Gegenden ausgewiesen sind. Diese Orte gilt es wohl, wie auf einer Route zu verbinden, und das spielerische Ergebnis ist ein Roman. Er umkreist mit seinem Zeigefinger eine Gegend, die mit "Bretagne" bezeichnet ist und erklärt mir, daß dort sein Heimatort ist. Ich bin etwas erstaunt, daß er aus Frankreich kommt und frage deshalb nochmal nach. Er nickt und ich stelle fragend fest, daß man gar keinen Akzent hört. Er ist mit der Route auf der Karte beschäftigt, während ich ihm erzähle, daß meine Familie ja zumindest teilweise ebenfalls aus Frankreich kommt. Denn die mütterlichen Vorfahren waren Hugenotten, die aus Frankreich flüchteten und sich in Preussen ansiedelten.

Freitag, 28. September 2012

Die Care-Eichel

Als ich heute auf den Balkon kam, lag dort auf dem Tisch eine gepellte Eichel so da, als hätte sie extra jemand für mich dort hingelegt. Das finde ich deshalb denkwürdig, weil a) sich keine Eiche in unmittelbarer Nähe befindet, b) ich so hoch oben wohne, daß schwerere Dinge eher selten hochgeweht werden. Vielleicht dachte ja irgendein Vogel, er sollte sich jetzt langsam um meine Wintervorräte kümmern.

Care-Eichel

Donnerstag, 27. September 2012

...

Wir alle stecken voller Grauen, jeder einzelne von uns. Wenn du heiratest, um dich diesen Grauens zu entledigen, wirst du doch nur erreichen, daß es sich mit dem Grauen eines anderen verbindet; dein Grauen und das des anderen werden die Ehe miteinander führen, du wirst bluten und dieses Bluten Liebe nennen.
(Michael Ventura, Shadow Dancing in the Marriage Zone)

Mittwoch, 26. September 2012

Die Belegexemplare

der Anthologie "Geheimnisvolle Weltentore" sind heute mit der Post eingetroffen, ein Stapel Flyer gleich mit dazu. Das heißt, die Anthologie dürfte auch in wenigen Tagen bestellbar sein.

Anthologie "Geheimnisvolle Weltentore"

Von O2 bekam ich per Post ein Päckchen mit vier kleinen Küchlein, ein Geschenk, weil sie mich als Kunden schätzen, und das, obwohl ich (fast) nie telefoniere. Ob die Kuchen schmecken, weiß ich aber noch nicht.
Ansonsten war ich den halben Tag beschäftigt, die letzten Wandschränke zusammenzubauen, weil diese am Samstag angebracht werden sollen. Ich hoffe, das klappt diesmal ohne unvorhergesehene Schwierigkeiten. Gut ist, daß ich dann endlich all meine Sachen wieder ordentlich untergebracht habe, weil ab Samstag nur noch die Spülzeile fehlt, wo neben Waschmaschine, Raum für Geschirrspüler ausschließlich der Spültisch dazugehört. Diese Spülzeile mit knapp 220 m langer Arbeitsplatte wird jedoch noch mal ein echtes Problem werden, vermute ich, und mangels Hilfe sich länger hinziehen. Eigentlich wollte ich die Teile für die Spülzeile gestern bestellen, aber die Arbeitsplatten sind nicht vorrätig, was mich in eine mittelschwere Panik versetzte. Ich hoffe, Ikea läßt mich nicht im Stich.

Was mich heute sehr betroffen gemacht hat, ist die Meldung über eine 32jährige Mitarbeiterin des JC, die von einem Messerangriff tödlich verletzt wurde. Ich komme zwar nicht aus Neuss und kenne die Frau nicht, aber ich habe viele Kollegen im JC und gehe, bzw. ging, einer ähnlichen Tätigkeit nach. Dort kommt es auch immer wieder zu Übergriffen, die bisher zum Glück ohne körperliche Schäden ausgegangen sind. Nach den seelischen Schäden fragt niemand. Ich bin selbst bereits in brenzligen Situationen gewesen, als zum Beispiel jemand den Stuhl erhob und andeutete, mir diesen über den Kopf hauen zu wollen, und jener andere, der mir immer dezent ans Herz legte, mir eine Kugel in den Kopf zu schießen. Überhaupt scheinen psychisch Erkrankte (was beide waren) sich von mir angezogen zu fühlen. Aber entweder habe ich einen Schutzengel oder ein ungeheures intuitives Talent für Deeskalationstechniken. Ich finde, daß die sehr aufreibende Arbeit dieser Leute an sozialen Brennpunkten immer viel zu wenig gewürdigt wird. Von oben wird man von Gesetzgebungen, Bürokratie, Einsparungen, Personalmangel und Vorgesetzen unter Druck gesetzt, von unten dagegen von den oft wenig einsichtigen, unzufriedenen oder psychisch kranken Kunden, die ja die Ämter von vornherein meistens als Gegner betrachten, und das, obwohl sie eigentlich von dort Hilfe bekommen (über Art, Angemessenheit und Ablauf der Hilfe läßt sich streiten, liegt aber auch nur sehr wenig im Ermessen der ausführenden Gewalt). Das ist wahrlich nicht einfach.

Samstag, 22. September 2012

Ich tue Buße.

Man möge mir Asche auf das Haupt streuen und mich im Büßerhemd durch die Stadt jagen, aber ich habe Abbitte zu leisten - der höheren Gerechtigkeit gegenüber. Es gibt sie nämlich doch. Manch ein Mitleser erinnert sich vielleicht noch daran, als ich vor ca. 2 oder 3 Jahren über meinen Nachbarn schimpfte, der (zusammen mit seinen Partygästen) allein vom Balkon aus mein Zimmer regelmäßig so mit Zigarettenqualm füllte, daß ich kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Diese Extremvariante hat irgendwann zwar nachgelassen, doch vollgequalmt wurde ich trotzdem ständig. Damals beschwerte ich mich, daß solche Leute meistens auch noch kerngesund seien. Seit einigen Wochen nun dringt nachts solch ein Geröchel und Gehuste an mein Ohr, daß ich davon sogar wach werde oder aber von Lungenflügeln träume (ich meine mich sogar zu erinnern, daß diese schwarz waren). Unter diesen Umständen kann man natürlich nicht wirklich Schadenfreude empfinden. Manchmal möchte ich fast den Notarzt rufen, weil ich denke, da erstickt noch jemand im Schlaf. Ständig so ein Geröchel zu hören ist ebenfalls nicht sehr angenehm. Ich werde nie verstehen, wie sich jemand freiwillig und ohne Zwang so die Gesundheit ruiniert. Aber ich hoffe, nachdem ich eingesehen habe, daß ich mich irrte, daß die höhere Gerechtigkeit in anderen Dingen ebenso gut funktioniert.
Apropos Gesundheit, nachdem ich es geschafft habe, den ganzen August und fast auch den September ohne Arztbesuche zu erleben, geht es jetzt im Oktober wieder richtig los. Jede Menge Termine, Nachsorge und anderes, wahrscheinlich sogar in jeder Woche mehrere. Ich habe außerdem erfahren, daß es sich mit der Küche wohl doch noch länger hinzieht, da der Mensch, der mir bei den schweren Sachen hilft im Oktober im Urlaub ist. Meinen Zieltermin für eine fertige Küche habe ich jetzt auf vor Weihnachten verlegt. So langsam vermisse ich bei diesen Temperaturen meinen Kräutertee. Aber gut, dann gehört der Oktober halt ganz den Ärzten und nicht der Küche. So wird es wenigstens nicht zuviel.

Die Raubvogelkralle und Sieg der Parlamentarier

Irgendwo liege ich unter dem nächtlichen Sternenhimmel und blicke gedankenverloren hinauf. Der Himmel ist klar und von unzähligen Sternen übersät. Ich entdecke drei helle Sterne, die eng wie ein Dreieck zusammenstehen. Während sich meine Aufmerksamkeit darauf fokussiert, sieht es plötzlich aus, als würden mehrere Sterne vom Himmel fallen. Jedenfalls bewegen sie sich merkwürdig, hin und her, und sind dann nicht mehr zu sehen. Sind das Sternschnuppen? Sie hatten keinen Schweif, aber da ich keine andere Erklärung habe, beschließe ich, sie als Sternschnuppen zu sehen. Und gleich vier und drei auf einmal!
Später bei Tag liegt im Wald ein riesiger Berg verwesendes Fleisch, wie ich erfahre von einem Raubvogel, der abgeschossen wurde. Irgendjemand hat fein säuberlich sämtliche Krallen des Raubvogels abgeschnitten, getrennt und zum Trocknen aufgehängt. Ich nehme eine als Souvenir mit.
Jemand begleitet mich zur U-Bahn. Dort treffen wir auf jubelnde und sich umarmende Menschen. Er klärt mich auf, daß am Morgen Wahlen stattfanden und die Parlamentarier gesiegt haben, was wohl zu solchen Freudenfeiern Anlaß gibt. "Heut ist aber etwas los." sage ich bloß.

Freitag, 14. September 2012

In der Klinik

An der Anmeldung der Klinik sitzen zwei Schwestern und geben Pakete aus. Anscheinend dient die Anmeldung auch als Poststelle. Geduldig warte ich, bis mich jemand aufruft. In dieser Klinik war ich noch nie, bin nun aber wegen einer Knochendichtemessung und einer anderen Nachsorgeuntersuchung hier. Doch nachdem es mir seltsam vorkommt, daß sich auch nach langer Zeit noch niemand um mich kümmert, schaue ich mich genauer um und stelle fest, daß man eine Nummer ziehen muß, und zwar an vielen verschiedenen Anmeldungen. Jede dieser Anmeldungen ist für andere Körperteile: Knochen, Herz, Leber, Lunge - auf einer Tafel ist aufgeführt, wo man sich mit welchem Problem hinwenden muß. Schließlich hab ich meine Nummer und werde auch schnell von einer jungen netten Ärztin aufgerufen. Sie ist sofort sehr offen und leutselig, redet mich mit 'Du' an. Ich habe nichts dagegen, sage ihr, daß ich sie sympathisch finde und sie mich gerne Duzen darf. Erfreut streckt sie mir die Hand entgegen und sagt "Ich heiße Olli." Ich schüttle ihre Hand und nenne ebenfalls meinen Vornamen. Nun kommt sie zur Sache und fragt mich, warum ich hier bin. "Wegen Brustkrebs." antworte ich und kann förmlich in Zeitlupe sehen, wie ihre Gesichtszüge entgleisen und aus freundschaftlichem Interesse förmliche Distanz wird, während sie irgendeinen nichtssagenden Satz sagt. Wirklich überrascht es mich nicht, denn ich bin das ja bereits gewöhnt, weshalb ich innerlich nur mit den Schultern zucke und die Sache abhake. Als ich das Krankenhaus wieder verlasse, fällt mir auf, daß überall Schwestern und Patienten sehr emsig mit blutigen Organen und Fleischstücken herumlaufen, ob nun klein oder riesige Körperhälften. Die ganze Empfangshalle wirkt wie ein einziges blutiges Schlachthaus. Manche Patienten tragen ihre eigenen, wahrscheinlich erkrankten Organe mit sich herum, die später wohl wieder hineinoperiert werden. Vor mir läuft eine Frau, die ihre gigantischen Lungenflügel mit sich herumschleppt, die dabei fast über den Boden schleifen. Kurz hinter ihr muß ich höllisch aufpassen, nicht plötzlich in die Lunge hineinzutreten. Das würde sicher etwas an der Lunge kaputt und die Frau ziemlich sauer machen.

Donnerstag, 13. September 2012

Es ist vollbracht!

Die Schiffsreise zur Mittsommernacht im nächsten Jahr ist gebucht. Keine Kreuzfahrtschiff, sondern ein Postschiff, also etwas zwangloser, durch die Fjorde Norwegens. Ich habe ja etwas Bammel, weil ich ein Typ bin, der regelmäßig allein sein muß. Ich schlafe auch viel besser, wenn ich alleine bin. Meistens finde ich es schon extrem anstrengend, nur 5 Tage ständig mit anderen zusammen zu sein und mich nicht zurückziehen zu können. Wenn ich dann noch so schnell erschöpft bin und viel Schlaf brauche, geht das wirklich an meine Kräfte und ich könnte vor Müdigkeit sterben. Aber die 12 Tage auf dem Schiff kann man schlecht von Bord springen, wenn man es nicht mehr aushält. Doch ich hoffe mal, daß es durchzuhalten ist, notfalls muß ich mir irgendwo ein Versteck suchen, wo ich ungestört ins Koma fallen kann. Das hört sich jetzt lustig an und wenn man versucht, es anderen zu erklären, wird man immer seltsam angeguckt, so nach dem Motto, wie kann man nur so faul und trantütig sein, aber wenn ich müde bin, bin ich müde, da hilft auch keine Willenskraft der Welt mehr. Und wenn ich mich nicht regelmäßig zurückziehen kann, werde ich aggressiv und unleidlich. Da mögen andere mit den Augen rollen über meine Empfindlichkeit, aber ich kann es nicht ändern, ich habe darauf null Einflußmöglichkeit. Mangelnder Schlaf und mangelnde Rückzugsmöglichkeit ist für mich das Schlimmste, das es gibt. Mancher wird ja zum Beispiel unleidlich, wenn er kein Essen bekommt - das macht mir überhaupt nichts aus. Ich kann lange und gut ohne Essen und Trinken durchhalten, wenn ich nur meine Ruhe habe. Vielleicht war ich in einem früheren Leben mal ein asketischer Einsiedler. Wenn ich dann immer mitbekomme, daß andere solche Probleme überhaupt nicht haben, fühlt man sich manchmal nicht von dieser Welt. Aber wie auch immer, es wird Zeit, daß ich zu dem stehe, was ich brauche und was ich bin. Sollen die Schlaf- und Ruhelosen doch denken, was sie wollen. Leider kann man zur Mittsommernacht keine Nordlichter sehen. Dazu müßte man im Winter nochmal hinfahren. Und einmal in meinem Leben würde ich ganz gerne auch Nordlichter sehen. Jetzt muß ich nur noch gesund bleiben.

Blick vom Ornsesvingen auf Geiranger