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Mittwoch, 9. Januar 2013

Alte Gewohnheiten

sind manchmal die besten. Leider habe ich vor ca. zwei Jahren den großen Fehler gemacht, eine gute und brauchbare Gewohnheit aufzugeben. Als ich hierher nach Twoday.net kam, hielt ich es von Beginn an so, daß ich nie auf die Startseite und von dort auf andere Blogs gegangen bin, sondern diese nur besucht habe, wenn sie sich auf meinem Blog bemerkbar machten und danach über die Abonnementliste aufrufbar waren. Dies hatte tiefergehende, seelenhygienische Gründe und ich bin damit immer sehr gut gefahren. Aus einer Eingebung heraus bin ich vor zwei Jahren dann doch auf die Twoday.net-Startseite gegangen, um von dort Blogs zu lesen. Dies bereue ich sehr, aber man muß ja glücklicherweise Fehler nicht fortführen, sondern kann sie auch wieder rückgängig machen. Genau das habe ich vor - ich möchte künftig erneut nur über die Abonnementliste Blogs lesen. Leider gibt es einige Blogs, die nicht abonnierbar sind, was ich sehr schade finde. Da muß ich noch sehen, wie ich das regle. Ansonsten bitte ich jeden, der von mir gelesen werden möchte und feststellt, daß er noch nicht von mir abonniert ist, sich bei mir bemerkbar zu machen, weil ich diese Blogs sonst nicht mehr sehe.

Die Begeisterung

der Psychologin ist wirklich sehr erfrischend. Als ich ihr von meinen neuesten Erkenntnissen aus dem Dezember berichtete, war sie hin und weg über diese "großartige, wundervolle und einmalige Chance", die sich da vor mir auftue. Nachdem ich ihr einige Sachen aus meiner Kindheit berichtete (und das war noch nicht einmal alles), schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen (und zwar nicht nur metaphorisch) und meinte, ich könne so stolz auf mich sein, daß ich das alles einigermaßen unbeschadet überstanden habe, von meiner Phobie und einigen kleinen Macken mal abgesehen, aber es hätte viel viel schlimmer kommen und ich hätte richtig wahnsinnig werden können. (Tief in mir wußte ich ja schon immer, daß ich ein zähes Huhn bin.) Sie fragte nach den Jahrgängen meiner Eltern und wußte sofort Bescheid: "Oh ja, Kriegskinder. Die haben alle einen Knacks und ein Trauma weg." Und wie sie mir so die Zusammenhänge erklärte, wurde mir das plötzlich sehr verständlich, was da mit meinen Eltern abgelaufen ist. Es gibt ja verschiedene Familienerzählungen bei uns, zum Beispiel, wie die Familie meiner Mutter ausgebombt und sie mit ihrem kleinen Bruder von der Mutter getrennt wurde oder mein Vater in der Hitlerjugend, während sein Vater bei Stalingrad in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Die Psychologin empfahl mir ein Buch über die Kiegsgeneration und erklärte mir, daß ein neues Zeitalter begonnen hätte (für mich anscheinend tatsächlich im Dezember), in welchem eine ganze Generation daran arbeite, alte Wunden, die noch aus vorherigen Generationen stammen, zu heilen. Und auch ich hätte jetzt diese wundervolle Chance und dazu noch die perfekten Lebensumstände, nicht nur meine eigenen Wunden, sondern ebenfalls die der Kriegsgeneration zu heilen (na schönen Dank auch!). In fünf bis zehn Jahren würde ich, da ist sie sich sicher, ein völlig anderes Leben führen. Ich müsse für den Borderliner, der hier bei twoday.net und Twitter sein verletzendes Spiel treibt, kein Verständnis aufbringen, wenn ich nicht könne, selbst dann nicht, bzw. insbesondere, wenn er seine Krankheit und/oder Therapie dazu benutzt, sich der Verantwortung für sein Handeln zu entziehen, statt sich ihr zu stellen, und ich müsse ihm auch nicht dankbar sein, aber ich könne dem Universum dankbar sein, daß es mir so eine wundervolle, großartige und einmalige Chance schickt. So ähnlich sehe ich das auch, wenn auch nicht ganz so ekstatisch, denn es ist schon irgendwie anstrengend. Es fühlt sich an, als würde aus heiterem Himmel ein riesiger Berg aus Arbeit auftauchen und einem die Sicht versperren, während man noch nicht einmal weiß, wo und wie man mit der Arbeit beginnen soll.

Um den Kopf frei zu pusten machte ich hinterher mal wieder einen Spaziergang über den Jüdischen Friedhof und suchte die schwarze Katze, die sich aber nicht blicken ließ. Genau als ich am hintersten Zipfel des Friedhofs war, meldete sich immer stärker ein natürliches menschliches Bedürfnis. Nun ist der Weg bis nach vorne zum Eingang und zur Verwaltung ziemlich weit, und ich war mir nicht einmal sicher, ob ich dort eine Toilette finden würde. Deshalb schaute ich mich schon während des Zurückgehens verstohlen nach etwaigen versteckten Alternativen um, dachte aber bei mir so - 'Du kannst dich doch hier nicht hinter irgendein Familienmausoleum setzen und an das Grab pinkeln! Wenn dich jemand erwischt, dann bist du wegen der Schändung jüdischer Gräber dran!' Doch diese bildliche Vorstellung allein, wie ich so hinter einem dieser prunkvollen Grabmäler hocke, mich plötzlich jemand am Schlawittchen packt und die Polizei alamiert, weil ich jüdische Gräber schände, war auf mich so erheiternd (weil ja auch nur eine Vorstellung), daß ich ab da nur noch zwangsläufig grinsend über den Friedhof lief. Glücklicherweise fand sich tatsächlich eine Friedhofstoilette, so daß ich keine Gräber schnöde entweihen mußte. Allerdings denke ich mir, daß es die Toten wahrscheinlich wenig stören würde. Ich glaube, die wären nur froh, daß sie solche Probleme nicht mehr haben.

Jüdxischer Friedhof 4

Jüdischer Friedhof 3

Jüdischer Friedhof 2

Jüdischer Friedhof  1

Montag, 7. Januar 2013

Der lächelnde Buddha

Im ruhigen Winkel eines Friedhofs, in unmittelbarer Nähe der Friedhofsmauern, befindet sich das Doppelgrab unserer Familie. Es besteht aus zwei nebeneinanderstehenden, steinernen Sarkophagen, welche bis obenhin mit Erde gefüllt sind. Aus ihnen sprießt eine bunte und wilde Pracht von Sommerblumen. Besonders fällt mir eine türkis leuchtende Kornblume auf. Es ist sonnig, aber durch die Friedhofsmauer wird einer der Sarkophage mehr mit Sonne beschienen als der andere. Ich denke bei mir, daß ich mir die sonnige Seite aussuchen würde. Allerdings gehe ich davon aus (wenn ich auch nicht unbedingt sicher bin), daß das Grab für meine Eltern bestimmt ist. Meine Mutter neben mir seufzt vorwurfsvoll: "Ach Du!", während ich noch damit beschäftigt bin, die herrliche Sonne und die wunderbaren Blumen zu genießen. Ich vermute, sie ist ärgerlich, weil ich lieber herumspiele und schaue, statt das Grab zu pflegen. Dabei wüßte ich nicht, was es hier zu tun gäbe. Alles ist bestens so wie es wild durcheinander wächst. Schöner wird es mit Grabpflege auch nicht mehr. In einem herausgeschlagenen Winkel der Mauer entdecke ich den horizontal gearbeiteten Kopf eines lächelnden Buddha. Er dient anscheinend als Grabstein, denn in ihn sind Buchstaben eingemeißelt, die ich jedoch nicht entziffern kann.

Freitag, 4. Januar 2013

Lawinenwarnung

Ein runder Raum mit der äußeren Form eines Schwalbennestes und ebenso wie dieses an einem steilen Abhang klebend. Ich halte mich in diesem kargen Raum, welcher auch von innen wie ein Schwalbennest aussieht, mit zwei weiteren Personen auf. Durch den runden Eingang hat man einen phänomenalen Ausblick auf die umliegenden gewaltigen Berge. Das Nest, bzw. der Raum, befindet sich noch unterhalb der Schneegrenze zwischen reinem Fels. Doch über uns thronen majestätische spitzzackige Gletscher und Bergspitzen. Eine Erschütterung geht durch die Felsen und Risse zeigen sich im Gletscher, während einige Zacken sich gefährlich zur Seite neigen. "Eine Lawine, eine Lawine!" rufe ich und überlege gleichzeitig panisch, ob wir in unserem Nest sicher sind oder ob es besser wäre, es schnell zu verlassen und vor der Lawine zu flüchten. Auch die anderen können sich nicht wirklich entscheiden und während alle noch aufgeschreckt hin- und her flattern, treffen von draußen Leute ein, die in unserem Nest vor der Lawine Zuflucht suchen. Dies beruhigt mich wieder, denn wenn sie bei uns Zuflucht suchen statt schnell abzuhauen, muß es wohl doch einigermaßen Schutz bieten.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Luzider Traumsplitter

Die nächtliche Baumallee verläuft schnurgerade bis zum Horizont. Sie ist mit einer flachen Schicht weißen Schnees gezuckert, während über mir an einem klaren Himmel unzählige Sterne leuchten. Schritt für Schritt folge ich der Straße, bis mir plötzlich klar wird: Das hier ist nur ein Traum und wenn ich fliege, könnte ich sehr viel schneller sein. Die Straße ist nämlich unendlich lang. Sollte es wirklich ein Traum sein, müßte es funktionieren. Sofort als ich das denke, beginne ich über den Boden hinwegzuschweben. Doch irgendetwas stört mich noch. Ich drehe mich in der Luft wie im Wasser, wenn man von Brust- zu Rückenschwimmen wechselt und fliege nun auf dem Rücken liegend, den Kopf voran.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Weltentänzerischer Jahresrückblick

Ja, ja, die Jahresrückblicke - von vielen gehasst und auch ich bin nicht unbedingt verrückt nach ihnen, aber manchmal ist es trotzdem gut, ein vergangenes Jahr nochmals aus der Vogelperspektive zu betrachten. Es war kein leichtes Jahr, obwohl meine Lebensumstände an sich leichter geworden sind. Zuviele Altlasten aus den Jahren davor fordern noch ihre Aufmerksamkeit und beherztes Anpacken. Von der Gesundheit müssen wir gar nicht reden. Wenn es so bleibt, wie es jetzt ist, bin ich schon froh. Und dennoch hatte ich in diesem Jahr ebenfalls trotz allem das Gefühl, unglaublich viel Glück zu haben, ja sogar beschützt zu werden. Es klingt verrückt, doch es ist tatsächlich so, als würde mich jemand unaufhörlich vor die größten Herausforderungen stellen, aber dabei sehr genau darauf achten, daß ich auch immer die richtigen Hilfen, Eingebungen und Zufälle bekomme, um diese meistern zu können. Meine Intuition setzt mich seit einiger Zeit oftmals in Erstaunen. Die hilfreichsten und dabei manchmal verrücktesten Tips erhalte ich meist von ihr, was mich aber trotzdem nicht daran hindert, Bücher zu lesen. Gerade Bücher, die einem unverhofft in die Hände flattern, können große Aha-Erlebnisse auslösen, so als hätten sie nur darauf gewartet, einen zu finden.

Eines dieser Bücher ist für mich "Schluß mit dem Eiertanz" auf welches mich jemand bei Twitter aufmerksam machte, ein Buch für Angehörige von Personen mit einer Borderline-Störung. Es hat mich noch im letzten Monat dieses Jahres einerseits erleichtert und andererseits erschüttert, weil die Erkenntnisse nicht so einfach zu verdauen sind. Zum einen die Erkenntnis, daß die Person, zu der ich mich einst in medizinisch-therapeutische Behandlung begab und die mich seitdem anonym über das Internet 'verfolgt', sehr wahrscheinlich unter dieser Störung leidet. Auf einmal ergeben die phänomenale Unlogik seiner Gedanken, die Rücksichtslosigkeit und Gehässigkeiten, die vielfältigen Bloginszenierungen und Lügen, das, was er von mir denkt und anderen über mich erzählt, einen Sinn. Ich kann nur hoffen, daß er es irgendwann schafft, Verantwortung für sich selbst und sein Handeln zu übernehmen, denn das ist der erste Schritt, um geheilt zu werden, oder zumindest die Situation zu verbessern. Es ist eine große Erleichterung zu erkennen, daß das ganze Piesacken nur wenig mit meiner Person oder meinem Verhalten zu tun hat und ich nichts falsches getan habe, außer vielleicht, zu viel dazu einzuladen, meine Grenzen zu übertreten. Und ich muß feststellen, daß es nicht immer die Aussprache ist, die eine Situation löst, sondern die Auflösung auch von ganz anderer Seite kommen kann, wenn eine Aussprache aufgrund der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen nicht möglich ist.
Doch die noch viel wichtigere Erkenntnis ist die, daß ich in fast allen Situationen, die in dem Buch beschrieben sind, meinen Vater wiedererkenne. Das, was dort über die Folgen für die Kinder steht, die bei einem Borderline-Elternteil aufwachsen und die Verhaltensweisen des Borderline-Elternteils seinen Kindern gegenüber könnte ich fast alles unterschreiben. Und auch hier ergibt auf einmal der rote Faden in meinem Leben Sinn, der mich immer wieder mit solchen Menschen in Berührung bringt. Ich werde das bei meinem nächsten Termin mit der Psychologin besprechen, um sicher zu sein, daß ich mich nicht täusche. Und ich bin froh, daß ich eine Psychologin als Ansprechpartner habe, die mich nicht indoktriniert, mir sagt, wie ich zu sein oder was ich zu tun habe, sondern mir wirklich zuhört und mir gute Ideen für neue Denk- und Verhaltensweisen gibt, die ich bisher übersehen habe. Wenn da nicht diese eine Ärztin in der Strahlenklinik gewesen wäre, die sich etwas mehr um mich gekümmert hat und mir einen Termin in der onkologischen Praxis besorgte, wäre ich nicht auf sie gestoßen. Auch hier scheint eine Kette von Zufällen, die mich jeweils zu genau den richtigen Personen brachte, abgelaufen zu sein, denn das normale Verfahren war das nicht.

Ich habe mich in diesem Jahr sehr verändert, nicht unbedingt äußerlich, mehr in meinen inneren Abläufen und Reaktionsmustern. Und ich stelle fest, daß es Spaß machen kann, sich zu verändern, auch wenn es meist nicht ohne Schmerzen abläuft. Doch gerade der größte Schmerz kann auch der beste Freund und Helfer sein, wenn man ihn zuläßt und zuhört, was er zu erzählen hat. Das Leben ist Veränderung und das Leben liebt Menschen, die mitmachen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie in diesem ganzen Puzzlespiel aus Anschauungen, Glaubens- und Denkmustern es manchmal reicht, ein winziges Puzzleteil umzudrehen, um ganz neue Horizonte und Bilder von der Welt zu eröffnen. Und es passiert ständig, ob man will oder nicht. Seit ich das Gefühl habe, ein ganz neues zweites Leben geschenkt bekommen zu haben, achte ich viel mehr auf mich und lerne nach und nach, meine Grenzen besser zu beschützen und für mich einzutreten, auch egoistischer zu sein. Doch es ist paradox - je mehr man für sich selbst einfordert, um so mehr wächst die Bereitschaft zu geben, wenn auch nicht unbedingt das, was andere von einem erwarten.
Im zweiten Halbjahr folgten ein Schock nach dem anderen durch das Verhalten dieser Person, welches mir teilweise die Luft zum Atmen abschnürte und mein Blut in den Adern gefrieren ließ, und das während um mich herum Chaos herrschte. So langsam taue ich wieder auf, komme zur Ruhe und das Chaos hat sich ebenfalls gelichtet. Die Mühen haben sich gelohnt. Es heißt ja, daß der ärgste Feind manchmal der beste Freund auf der Seelenebene ist, weil er es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen mit Dingen zu konfrontieren, die nach einer Veränderung verlangen. So gesehen, sollte ich für das, was in diesem Jahr geschehen ist dankbar sein, auch wenn es nicht immer das war, was ich mir gewünscht hätte und immer noch weh tut.

Und mein schönstes mißglücktes Foto des Jahres ist dieses hier. Ich erkenne darin einen Engel. Ihr auch?

Engel

Abstecher in die Hölle

Eine gigantische Schaukel, irgendwo von oben aus dem Himmel kommend, pendelt mit tüchtigem Schwung über das aufgewühlte Meer und mich gleich mit, da ich auf ihr sitze. Sie ist lang wie eine Turnbank und Y. gesellt sich zu mir, macht es sich auf der anderen Seite bequem. Sie beginnt mit mir über das Schaukeln zu plaudern, was ich aber sofort abbreche. Bitte nicht darüber reden, denn wenn ich darüber rede und nachdenke, werde ich seekrank!

Danach finde ich mich mit Y. und einer dritten Person in einem historischen Museum wieder. In diesem Museum gibt es für verschiedene Zeitalter nicht verschiedene Räume, sondern es ist immer derselbe Raum, der sich wie bei einer Zeitreise stets neu mit anderen Artefakten füllt. Je weiter wir in die Zeit zurückreisen, um so seltsamer werden diese. Steinfiguren, die aussehen, als trügen sie Kosmonautenanzüge und ähnliches. Irgendwann ist die Reise vorüber, doch jemand gibt uns zu verstehen, es gäbe noch mehr zu sehen. Allerdings müßten wir dafür mit dem Fahrstuhl in die unteren Geschosse fahren. Dort könnten wir die Hölle besichtigen. Wir denken gar nicht lange nach und steigen sofort in den Fahrstuhl ein. Schließlich möchte jeder gerne wissen, wie es in der Hölle aussieht, ohne dort bleiben zu müssen.

Der Fahrstuhl ruckt an und fährt hinunter, doch während der Fahrt beginnen die Wände immer mehr auf uns zu zukommen und der Raum verkleinert sich, bis ich schon fürchte, wir werden zerquetscht werden und unsere leichtsinnige Neugier bereue. Im gleichen Moment hält der Fahrstuhl im Geschoß Nr. -6 vor einer schmalen Wendeltreppe, die noch weiter hinunter führt. Ganz unten erwartet uns eine Art Keller mit Lattenverließen. Es herrscht solch eine schwarze Dunkelheit, daß nichts weiter zu erkennen ist, obwohl unheimliche blaue Lichter durch sie hindurch tanzen. Wir sind so eingeschüchtert, daß wir kehrt machen und die Treppe wieder hinaufsteigen. Jedoch kommen wir nicht beim Fahrstuhl an, sondern in einer anderen Ebene der Hölle. Hier sieht man viele Tote, die sich wie normale Menschen verhalten. Um nicht aufzufallen, da unser Eindringen gewiss nicht gutgeheißen werden würde, verstellen wir uns, als würden wir zu ihnen gehören. Auffällig ist, daß jeder dieser Toten irgendein materielles Ding aus seinem Leben mitgenommen hat, wahrscheinlich das, woran er am meisten gehangen hat, und nun mit nichts anderem mehr beschäftigt ist. Eine Frau zum Beispiel hat die bunten Garnrollen mitgenommen, mit denen sie gerne Handarbeiten machte, und auch jetzt spielt und bastelt sie unaufhörlich mit ihnen. Dabei sieht sie nicht unbedingt sehr unglücklich aus, sondern einfach nur sehr versunken. Und während all die Toten völlig versunken mit ihren Lieblingsstücken spielen oder arbeiten, fahren Aufseher, gleichbedeutend mit den Teufeln, mit leeren großen eisernen Bollerwagen herum, vielleicht um die entstandenen Güter wegzuschaffen. Es erinnert ein wenig an eine Fabrikhalle, seltsam ist nur, daß die Wagen letztendlich alle leer bleiben. Jedenfalls konnten wir keinen entdecken, der wirklich mit irgendetwas anderem gefüllt gewesen wäre als mit schwarzer Leere.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Ja hallo?

Wann kaufen die Leute eigentlich ihre Weihnachtsbäume? Als ich mir heute morgen einen besorgen wollte, stehe ich auf einem ratzekahl leergefegten Tannenbaumlagerplatz. Nicht mal eine Krücke von Baum ist dort mehr zu finden. Oder ein paar Zweige. Ich aber hatte keine Lust, ihn vier Wochen irgendwo zu horten, wo er dann seinen Geruch verliert und nicht mehr duftet. Im Grunde kaufe ich dieses Tannenzeugs allein wegen des Duftes. Für alles andere sind auch die künstlichen Exemplare ausreichend. Aber selbst der echte Adventskranz, den ich mir holte, roch bereits beim Kaufen muffig, so als hätte das Grün bereits wochenlang in einem Kellerverlies gelegen. Na gut, dann halt in diesem Jahr ganz ohne Tannenduft. Vielleicht schickt mir ja jemand eine Nase voll per Post. Oder ich finde wie im letzten Jahr etwas Grün an den Mülltonnen. Wird bestimmt witzig, wenn ich jetzt jeden Abend das Müllhaus inspizieren gehe, ob dort jemand Tannengrün für Bedürftige hinterlegt hat.

Montag, 17. Dezember 2012

Erdbeben

Es war Nacht, als die Erde bebte. Aus irgendeinem Grunde beunruhigte mich das Zittern und Schwanken nicht, obwohl heftig und lange. Wird schon wieder aufhören. Doch als ich am Morgen die Fensterflügel öffnete, lag eine neue Erde vor mir. Grüne und warmbraune Hügel, dort wo vorher eine ganze Stadt lag. Diese ist fast völlig verschwunden. Es ist kein unschöner Anblick, wie die erschaffene Landschaft nagelneu in der Sonne glänzt und funkelt. Wir (mein Vater?) machen uns auf den Weg, sie zu erkunden, wobei wir uns auf Straßen bewegen, die sich um die Hügel schlängeln. Diese sind gepflastert, doch nicht mit Steinen, sondern buchstäblich mit Leichen. Wir laufen über sie hinweg, nach den alten Brücken Ausschau haltend.

Freitag, 14. Dezember 2012

Papierkrieg

Wenn man monatelang mit Küchenbauen beschäftigt ist, nutzt das Papier doch sofort die Gelegenheit (wie immer, sobald man nicht auf der Hut ist), um sich still und heimlich zu einem hinterhältigen Angriff zusammenzurotten. Und so bemerkt man es lange nicht, wenn die Papierberge immer höher und ausladender werden, bis es fast zu spät ist. Zum Glück konnte ich noch rechtzeitig die Invasion und vollständige Übernahme meiner Wohnung stoppen und die Kriegsopfer beseitigen. An der Wohnungstür habe ich strengste Kontrollen eingerichtet: Kein Papier kommt mehr über die Schwelle, welches KEIN Buch, etwas Adäquates oder absolut lebenswichtig ist. Ich werde ein großes Schild an die Tür hängen auf dem steht: "Papier muß bitte draußen bleiben!"

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Im Himmel, unter der Erde

Noch 7 Tage lang, bzw. jetzt nur noch 6 Tage, kann man sich auf Arte kostenlos den Dokumentarfilm "Im Himmel, unter der Erde" über den Jüdischen Friedhof in Weissensee anschauen. Dort habe ich diese Fotos gemacht:

http://weltentanz.twoday.net/stories/6235667/

http://weltentanz.twoday.net/stories/6195958/

http://weltentanz.twoday.net/stories/6084681/

http://weltentanz.twoday.net/stories/6074179/

http://weltentanz.twoday.net/stories/6072359/

http://weltentanz.twoday.net/stories/6070476/

http://weltentanz.twoday.net/stories/6068054/

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Übersetzungen im History Channel

Morgens zum Aufwachen läuft bei mir jetzt immer der History Channel. Dort gibt es nämlich um diese Zeit jede Menge Dokus mit rauhen Kerlen zu sehen: Trucker, Waldarbeiter, Alligatorenjäger und mehr. Nicht nur macht es im Bett besonders viel Spaß anderen beim Arbeiten zuzuschauen, auch wird man bei deren Herumgeschreie und Gefluche schnell so richtig munter. Man kann außerdem einiges lernen, z.B. von den Tierfängern: "Wenn ich mir einen Finger abschneide, dann nähe ich ihn mir gleich wieder an." Allerdings scheinen diese harten Männer noch nicht herausgefunden zu haben, wie man sich selbst Zahnersatz in den Mund montiert. Am witzigsten sind allerdings die Übersetzungen der deutschen Kommentatoren. Heute zum Beispiel waren es wieder die Waldarbeiter. Einer von ihnen ist ohne Entschuldigung der Arbeit ferngeblieben. Ein anderer muß seine Arbeit mitmachen und ist dementsprechend hoch erfreut. Er flucht wie ein Holzfäller: "Asshole!" und der Kommentator übersetzt: "Wie mich das nervt!" Dann erscheint der Bummler doch noch und wird angegangen, wie der deutsche Kommentator behauptet mit: "Ich hasse es, wie du meinen Tag verschwendest!" Wirklich gesagt hat er allerdings: "Son of a bitch!" Ich habe es genau gehört! Da hoffe ich doch sehr, daß wenigstens die Übersetzungen der anderen Dokumentationen etwas genauer sind.

Unfälle und Freundschaften

Es beginnt damit, daß ich unterwegs bin. Ich steige in einen Wagen und setze mich hinter das Lenkrad, doch überraschenderweise fährt das Auto rückwärts, weil es so konstruiert ist, warum auch immer. Mitten auf der Autobahn fahre ich nun wie ein Geisterfahrer den nachfolgenden Wagen entgegen. Panisch versuche ich nach hinten schauend, ihnen auszuweichen, doch dabei schere ich aus und fahre mit dem Auto in einen dicht mit Gebüsch bewachsenen Graben. Schnell habe ich mich aus dem Fahrzeug befreit und steige die Böschung hinauf, als mir schon zwei Rettungssanitäter entgegenkommen. Prüfend schauen sie mich an und fragen: "Na, irgendwo einen Kratzer?" Ich schüttle den Kopf. Nein, kein Kratzer, mir geht es gut. Der eine Sanitäter scheint sich noch weiter mit mir unterhalten und bei mir bleiben zu wollen, aber der andere zieht ihn weg, so sagt er nur zu mir: "Der ADAC ist gleich da." Als sie fortgehen, höre ich den anderen Sanitäter zu ihm sagen: "Auch wenn sie geil aussieht, von denen sollte man die Finger lassen." Toll, danke, dann warte ich halt alleine.

Oder nicht, denn der Traum geht in einem Raum weiter, vielleicht das Wartezimmer eines Arztes. Eine blonde Frau schaut mich lächelnd an, so als ob sie mich kennen würde, und auch mir kommt sie verdammt bekannt vor. Nur leider will mir nicht einfallen, wer sie ist und wo wir uns bereits gesehen haben. "Kann es sein, daß wir uns kennen?" sage ich, was sowohl eine Frage als auch eine Feststellung sein könnte. Sie nickt nur lächelnd, will aber nicht mehr verraten. Vorsichtig versuche ich ihr zu entlocken, woher wir uns kennen, allerdings so, daß sie nicht bemerkt, daß es mir überhaupt nicht einfällt und sie befremdet ist. Dies ist wieder mein (reales) Gesichterproblem und daß ich diese nicht erkennen, bzw. behalten kann, zumindest nicht in ungewohnten Kontexten oder wenn sie nicht sehr markant sind. Auch jetzt verrät sie mir nicht, woher ich sie kenne, gibt mir aber durch ihr Verhalten zu verstehen, daß sie freundschaftlichen Kontakt sucht und daß sie bereits einiges von mir weiß. Sie erzählt mir, daß sie gerade in einer Lebenskrise ist, weil vor einigen Tagen ihre Mutter starb und bittet um Rat. Das tut sie, weil ihr bekannt ist, daß ich das bereits alles mit meinem Vater durch habe und von meiner Krankheit weiß sie ebenfalls schon, scheint aber keine Berührungsängste und Probleme damit zu haben, so wie andere. Das liegt daran, daß sie bereits eine vergleichbare lebensbedrohende Krankheit und sogar ein Nahtoderlebnis hatte. Diese Ähnlichkeit unserer Erfahrungen führt zu ähnlichen Interessen, einer ähnlichen Lebenseinstellung und sympathischer Verbundenheit. Deshalb hätte ich keine Abneigung dagegen, mit ihr eine Freundschaft zu schließen. Da sie mich um Rat gefragt hat, erzähle ich ihr von meinen Erfahrungen beim Tod meines Vaters und auch sonst fällt mir viel ein, worüber ich mit ihr reden möchte. Aber auf jeden Fall sollte ich ihr von meinem Gesichterproblem erzählen, damit sie sich nicht wundert, wenn ich vielleicht mal an ihr vorbeilaufe und sie nicht erkenne. Dabei sollte ich auch gleich die Überweisung zum Neurologen wegen der Fatique erwähnen. Vielleicht findet ja der Neurologe den Grund für mein Gesichterproblem. Aber das berichte ich ihr später. Schließlich bittet sie mich, sie irgendwohin zu begleiten, wo sie etwas Verköstigung besorgen möchte. Sie führt mich in einen Raum, der vollkommen leer ist und ich frage mich schon, wo sie hier etwas zu essen finden will, als sie sich vor ein winziges Guckfenster in der Wand stellt und hindurchschaut. Nach einem kleinen Moment öffnet sich eine Tür und wir betreten einen zweiten Raum, wo sie ein Stullenpaket in die Hand gedrückt bekommt. Aha, so geht das also. Sie erklärt mir, daß es hier wirklich nur Stullen gibt, nichts anderes, und nur für eingeweihte Leute. Dann fragt sie mich, ob ich sie auch zu ihrem Kosmetiktermin begleite und dort auf sie warte. Warum nicht? Ich habe Zeit und begleite sie weiterhin. Wir betreten das Kosmetikstudio und sie zeigt mir mit der Kosmetikerin das Kleid (für die Beerdigung?), welches sie dort hinterlegt hat. Es ist ärmellos und weiß, in Etuiform geschnitten. Als ich den Stoff anfasse, bemerke ich, das es aus unzähligen, manchmal weiter, manchmal enger zusammengefügten weißen Zuckerwürfeln besteht. Nein, wie süß! Ich ulke, daß man aufpassen müßte, damit man nicht naß wird oder einem andere den Zucker wegknabbern. Wir lachen und ulken zu dritt weiter. Während ihrer Behandlung lasse ich mich daneben auf einem Stuhl nieder. Erst werden ihre Augenbrauen gezupft, dann beginnt ihre Wachsbehandlung. Das ist ja eine Rundumbehandlung, ulke ich weiter. Neue Kunden betreten den Salon, unter ihnen Kolleginnen von mir und meine ehemalige Chefin. Diese setzt sich mir gegenüber, scheint mich aber nicht zu erkennen. Erst als ich sie grüße, geht ein Erkennen über ihr Gesicht. Sie scheint sich unwohl zu fühlen, weil sie nicht weiß, wie sie sich mir gegenüber verhalten soll. Betroffen, normal oder fröhlich?
Um ihr und den anderen die Befangenheit zu nehmen, mache ich jetzt auf extra fröhlich und unbekümmert, auch auf die Gefahr hin, daß sie dann glauben, mir gehe es bestens. Schließlich sind wir fertig und meine neue Freundin fragt mich, ob ich ebenfalls beim jetzt fälligen Sprachkurs auf sie warte. Gut, mache ich. Allerdings dauert der eine dreiviertel Stunde und ich darf nicht mit hinein. Ich warte vor der Tür und überlege, ob ich in dieser Zeit vielleicht irgendetwas erledigen könnte. Kann ich, so daß der Kurs schnell vorbei ist und sie wieder herauskommt. Sie erzählt, daß man ein bißchen Yoga gemacht hätte, sie aber vergessen hat zu fragen, wann es das nächste Mal stattfindet. Ein letzter Kursteilnehmer verläßt den Raum und ich denke sofort, daß man diesen doch fragen könnte. Da sie aber keine Anstalten dazu macht, nehme ich es selbst in die Hand und spreche ihn an. Doch gleich wird klar, daß er nicht meine Sprache spricht, mich nicht versteht und anscheinend sogar glaubt, ich mache ihm ein unsittliches Angebot. Jetzt komme ich mir aber ziemlich doof vor.