Am Morgen des zwölften Tages mußten wir unsere Kabinen mitsamt Handgepäck verlassen, weil diese für die neuen Passagiere hergerichtet werden sollten. Da das Schiff erst irgendwann am Nachmittag in Bergen anlegte, suchte sich also jeder einen Platz in den Lounges. Ich selbst war noch bis Mittag im Freien an Deck, um soviel Meer wie möglich mitzunehmen, aber den anderen war das zu kalt. Als ich vor dem Restaurant zum Mittagessen auf diese wartete, sah ich durch eines der Fenster weiter entfernt im Wasser eine hohe Fontäne heraussteigen. Ich dachte sofort an einen Wal, aber niemand um mich herum schien etwas zu bemerken, was mich wunderte. Doch ich beschloß, daß es wohl ein Wal gewesen war, der mir 'Auf Wiedersehen' sagte. Als unser Mutterschiff schließlich in Bergen anlegte, begann der übliche Streß - Gedränge, lange Warteschlangen. Mir fiel besonders auf, daß bei Hurtigruten kleine, zarte Frauen die großen, schweren Gepäckstücke in den Bussen verstauen. Man mag gar nicht hinschauen, weil sie einem leid tun und nachvollziehen kann ich das auch nicht, denn es gibt durchaus auch kräftige männliche Angestellte. Weiterhin fielen mir im Flughafen von Bergen jede Menge junger 'Scouts' des Flughafens auf, die nicht hinter einem Tresen sitzen, sondern überall herumlaufen und Ansprechpartner für die Reisenden sind. Mir kam es so vor, als wenn das teilweise noch Schüler waren, aber ich finde diese Idee gar nicht übel. So muß man nie lange nach einer Auskunft suchen. Als ich wieder meine Wohnung betrat, war mein erster Gedanke, daß mir diese viel größer erscheint als vorher. Kein Wunder, wenn man fast zwei Wochen auf engstem Raum gelebt hat, ohne etwas zu vermissen. So war mein zweiter Gedanke auch sogleich, daß ich am liebsten alles aus der Wohnung werfen würde, was da zu viel herumsteht, denn schließlich kommt man mit sehr wenig aus, im Grunde mit einem Notizbuch, einem Bleistift, einem Smartphone, einer Kamera und ein bis zwei Stücken Lesematerial, wenn man nur genug Meer und Himmel um sich herum hat.
Seemannsschmaus:
Kartoffel- und Paprikasuppe mit Croutons
Gebackener Heilbutt mit Kräuterkruste, serviert an einem Meeresfrüchte-Risotto
Rharbarber- und Erdbeersoße serviert mit Blätterteiggebäck und Minzsahne
Der elfte Tag unserer Reise begann 250 Meter unter dem Atlantik. Allerdings nicht in einem U-Boot, sondern in einem Bus durch einen Tunnel auf die Insel Averøy. Dort besuchten wir die beiden Kirchen von Kvernes, eine davon eine uralte Stabkirche mit fremdartigem Charme. Mit dem Bus ging es dann weiter auf der Atlantikstraße entlang, dort wo das Meer besonders stürmisch ist, so daß der Leuchtturm drei Meter dicke Mauern hat. Während unserer Fahrt lag es jedoch friedlich und still. Die gesamte Insel ist unglaublich malerisch, die schönste Region von allen, die ich in Norwegen gesehen habe. Ich könnte mir sogar vorstellen, dort einmal einen Urlaub mit Ferienhaus zu machen. Es ist eine Landschaft, in welcher ich mich wie zu Hause fühle, grün, aber gleichzeitig auch rauh und felsig. Am Nachmittag machten wir Halt an einem Fischrestaurant, wo wir Bacarole in Eimern serviert bekamen. Bacarole ist ein Eintopf aus Klippfisch und Gemüse, doch er wird natürlich nicht aus Eimern gegessen, auch wenn ich zuerst an die Sangria-Eimer von Mallorca denken mußte. Wir erreichten am Nachmittag wieder unser Schiff und ab diesem Zeitpunkt machte sich Abschiedsstimmung breit. Nachdem ich meinen Koffer gepackt hatte, da diese am Abend bereits abgeholt wurden, hielt ich mich bis spät in der hellen Nacht an Deck auf, um so viel Meer und Wind wie möglich aufzusaugen. Ich bin so ein Mensch, ich könnte stundenlang auf das blanke Meer schauen, ohne mich jemals zu langweilen. Ich kann nicht erklären, warum das so ist, aber selbst wenn man nichts weiter macht als zu schauen, fühlt man sich lebendig. In dieser Nacht schwankte das Schiff besonders stark, so als würde es nun übermütig auf seinen Heimathafen zustreben, und ich genoß es in eher schlaflosen Stunden im Klappbett, während ich am nächsten Morgen das ein oder andere gequälte Gesicht sah.
In der Spiegelfassade dieses Hotels kann man unser Schiff sehen.
Als sie das Haus verließ, war es ein Tag wie jeder andere. Ungefähr einhundert Schritte lang. Dann sperrten hinter der Eckkneipe bunte Bänder und Barrieren über die gesamte Strecke einen Teil der Straße ab und ein Hinweisschild warnte vor offenem Feuer wegen durchzuführender Bauarbeiten an den Gasleitungen. Wenige Schritte weiter stand ein Schweißer in der Grube und die Funken sprangen so lustig, daß man sie fast juchzen hören konnte. Sie hatte es eilig, an den Absperrungen vorbeizukommen und beschleunigte ihre Schritte. Vor der Kinderkrippe am Ende der Straße saßen die Kinder fröhlich in zwei großen Wagen und eine der Erzieherinnen redete laut mit ihnen. Sie wunderte sich, warum sie nichts verstand, bis ihr auffiel, daß es Englisch war.
Die breite Hauptstraße erreichend, vernahm sie ein immer stärker anschwellendes Donnern, bis schließlich ein Hubschrauber mit den Schriftzügen des ADAC auftauchte, und nur knapp über den Dächern seine Kreise zog. Auf der Straße erstarrte das Leben. Mit aufgerissenen Mündern schaute man auf den Hubschrauber, Arme wurden nach oben gestreckt und ein Postbote, der gerade mit einem Paket an einer Tür hatte klingeln wollte, legte dieses bedacht auf einen Sims und kramte in seiner Jacke nach einer Kamera, deren Objektiv er gebannt auf den Hubschrauber richtete. Das Paket war vergessen. Sie lief einfach weiter und der Hubschrauber verschwand hinter einem Fabrikgebäude.
Die Stunde in der Turnhalle verging wie im Flug, so schnell war die Zeit beim Sport noch nie vorüber. Sie schob es auf ihre wachsende Kondition. Als sie auf dem Nachhauseweg den Eingang eines Kindergartens kreuzte und zwei Erwachsene sowie einige Kindern passierte, die Englisch miteinander sprachen, fragte sie sich, ob ihr etwas entgangen wäre und die Kinder heutzutage bereits ab der Kinderkrippe die englische Sprache erlernen. Vor dem Hauptpostamt dagegen begegnete ihr die kleine, bebrillte Frau, die sonst hinter dem Schalter stand, während sich nun die Menschen an den Scheiben des verriegelten Gebäudes die Nasen platt drückten. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wann das Postamt das letzte Mal tagsüber geschlossen gewesen war. Der Supermarkt erschien ihr merkwürdig still und leer. Gegen Mittag drängten sich hier sonst die Halbwüchsigen aus der benachbarten Schule um die Kuchentheke und an den Kassen. Nur der Apotheker ihrer Stamm-Apotheke lief ihr über den Weg als sie versonnen in das Käseregal blickte.
Mit ihren Einkäufen erreichte sie wieder die Wohnung und schloß kopfschüttelnd die Tür hinter sich. Was für ein seltsamer Tag! Äußerst eigenartig! Sie zerbrach sich auch noch den Kopf über die absonderlichen Begebenheiten der letzten Stunden und was diese zu bedeuten hatten, als sie das Fenster öffnete und die menschenähnliche, graue Kreatur mit den großen irisierenden Insektenaugen zum Nachmittagstee in die gemütliche Wohnstube bat. Wie gewöhnlich an jedem Tag.
(Ok, wenn ihr euch die graue, menschenähnliche Kreatur wegdenkt, wißt ihr, wie mein Tag war - voller winziger verstörender Details, die mein Gehirn sofort zu einem Independence Day kombinierte.)
Vorhin lernte ich meinen inneren Kritiker kennen. Er hat verblüffende Ähnlichkeit mit dem Chemieprofessor aus dem Film "Die Feuerzangenbowle", trägt einen Zylinder, einen weißen Binder, einen Gehstock, ein Monokel, sowie ein Zickenbärtlein, ist äußerst elegant und streng. Natürlich hat er eine Menge an mir auszusetzen, was er mir mit erhobenem Zeigefinger näselnd doziert. Doch komisch, seit ich weiß, wer mein innerer Kritiker ist, muß ich dauernd loslachen, wenn ich mich dabei erwische, mich selbst zu kritisieren. Bald brauche ich vor Lachen Baldrian.
Wenn man sich nicht genug wertgeschätzt und anerkannt fühlt, was macht man da? Gehen? Schimpfen? Betteln? Ignorieren? Weiter?
Meine Psychoonkologin würde sagen, wenn man das, was man bei anderen sucht, nicht bekommt, muß man lernen, es sich selbst zu geben. Das ist sehr klug und auch sehr praktisch, denn es minimiert gleichzeitig etwaiges Abhängigkeitspotential. Bloß blöd, daß man, wenn man sich selbst Wertschätzung und Anerkennung entgegen bringt, auch schnell mal als eingebildet und egozentrisch rüberkommt, speziell in reflektierenden halb-privaten Tagebucheinträgen. Im Kontext der Selbstliebe betrachtet, wäre es gut, eine solche Situation zu verlassen. Doch wie ist es zum Beispiel beim öffentlichen Schreiben? Ich kann aufhören, wenn man mich für das, was ich mache, nicht wertschätzt, ich kann es aber auch einfach immer und immer wieder versuchen, trotz Herabsetzungen, Abwertungen, Vorurteilen und Ausgrenzungen. Letztere Variante trägt im Grunde, besonders offensichtlich bei Beziehungen, sehr viel Destruktivität in sich. Es ist, als würde man ständig gegen eine Mauer rennen, sich unzählige blaue Flecken holen, obwohl es absolut ungewiß ist, ob man die Mauer jemals durchbrechen wird. Doch wenn es die Menschen nicht gäbe, die es trotzdem immer wieder versucht hätten und darüber teilweise sogar gestorben sind, gäbe es heute eine Menge großer Literatur weniger. Überhaupt sehe ich, seit ich bewußter den Pfad der Selbstliebe betreten und verstanden habe, daß diese im Grunde der Schlüssel zu fast allen Problemen der menschlichen Existenz ist, vieles mit anderen Augen. Nicht nur, daß ich es überhaupt wahrnehme, wenn ich mich nicht wertgeschätzt fühle, was früher nie der Fall war, wahrscheinlich, weil es einfach zu normal gewesen ist, alltäglich sozusagen, und damit über ein Problem mehr grübeln muß, welches ich vorher nicht hatte, so frage ich mich heute auch, was von dem, das ich tue, wirklich zu mir gehört. Irgendwie wäre es schön gewesen, wenn zu meinem für mich wichtigen Eintrag über einen Teil meines bisherigen Lebens "Künstler und ihre Ateliers", der alles darüber aussagt, wie ich zu meinen heutigen Denkweisen und Einstellungen gekommen bin, was Kunst für mich ist, wie meine Vergangenheit mich geformt und mir meine jetzigen Motoren verliehen hat, sowie was ich mir wünsche und warum, mehr gekommen wäre als nur viele Kommentare zu einem kleinen, unwichtigen Accent. Aber es wiederholt sich eben alles ganz genauso wie in meiner Kindheit.
Einfach ignorieren und weitermachen, war die Devise in meinem Elternhaus. Eigentlich nicht unbedingt ein schlechtes Motto, zumindest habe ich diesem sicher meine Zähigkeit zu verdanken (zäh wie Leder, doch nicht hart wie Kruppstahl), aber für ein hochsensitives Kind, das Dinge nicht effektiv verdrängen kann, ist solch eine Handlungsanweisung einfach nicht schadlos durchführbar. Und während ich mich früher abgestrampelt und angestrengt habe, dieser Handlungsanweisung nachzukommen, sagt mir heute eine innere Stimme, daß ich gar keine Lust mehr habe, dauernd Leistung bringen zu müssen, um vielleicht mal gesehen und wahrgenommen zu werden. Auch alles, was um mich herum vor sich geht, klopfe ich nun gerne hinsichtlich der Selbstliebe ab und es gruselt mich zu sehen, wie wenig überall davon vorhanden ist. Man muß nur in die massenhaft auftretenden, typischen Rollenspielgesichter schauen, um es zu bemerken. Und selbst bei Religionen und Weltanschauungen ist es spannend, diese in Hinsicht der Selbstliebe auf den Prüfstand zu stellen. Ist es Selbstliebe, wenn sich jemand willentlich ans Kreuz nageln läßt, sogar wenn es für einen guten Zweck ist, und damit aber im Grunde nur erreicht, daß sich Heerscharen von Märtyrern trotzdem noch auf die Socken machen, um sich zu kasteien und sich und andere mit rigidesten Moralvorstellungen zu quälen, obwohl doch schon jemand für aller Sünden gestorben ist? Im ritualisierten Buddhismus gibt, bzw. gab es ebenfalls einige erstaunlich rigide "Meditationstechniken". Wenn zum Beispiel der Zenmeister dem Schüler eine über die Rübe zieht, damit dieser wortwörtlich schlagartig Erleuchtung erlange, (wobei ich das Konzept von Erleuchtung ja schon immer sehr zweifelhaft fand, da vielen, die diesem Schmetterling nachjagen, dabei scheinbar einige notwendige und wichtige Gefühle völlig abhanden kommen), ist es wahrscheinlich keine Erleuchtung, aber dafür der höchste Grad der Selbstliebe, wenn man dem Zenmeister dafür eine in die Fresse haut und sich von diesem Ort sofort verflüchtigt.
Es ist mal wieder soweit, in diesem Monat kam das Päckchen enorm früh. Ich hatte vorher gelesen, daß das Motto der Novemberbox "Rosé" sein solle. Fand ich eigentlich gut, denn Rosé, wenn es nicht gerade sehr knallig oder Lidschatten ist, benutze ich als unauffälliges Makeup am liebsten. Trotzdem war ich diesmal klüger und unterließ es, irgendwelche Erwartungen zu haben. Und dafür, daß ich keine hatte, finde ich den Inhalt gar nicht so schlecht, obwohl die Info über das Rosé-Motto wohl eher bewußte oder unbewußte Irreführung war, denn die enthaltenen Produkte passen mehr zu einem "Dramatic"-Makeup. Zuerst wäre da natürlich die unvermeidliche Gesichtscreme, allerdings heute eine gut getönte von Annemarie Börlind. Da sie auch ganz brauchbar Rötungen abdeckt und es nur 15 ml sind, trotz der großen Schachtel, werde ich sie benutzen. Ein kleines Fläschchen Cranberry Joy Shower Gel von Body Shop duftet sehr lecker nach Beeren, und so ein Shower Gel ist immer ok, verbraucht sich ja schnell. Als Originalprodukte sind enthalten ein Lippenstift mit Matt-Effekt von Miners Cosmetics, ein Eyeshadow von Emite Makeup und ein Cheek+Lip Tint-Gel von Modelco. Der Lippenstift hat einen dunklen, schönen Beerenrot-Farbton, der mir als Kleidung eigentlich gut steht, auf den Lippen mag ich es so dunkel aber weniger. Trotzdem bin ich froh, daß es nicht orange, braun oder kirschrot ist, denn diese Farben mag ich überhaupt gar nicht an den Lippen. Außerdem riecht der Lippenstift ebenfalls so lecker nach Beeren, daß man ihn am liebsten aufessen möchte. Und auch das Cheek+Lip-Gel duftet ungeheuer fruchtig und angenehm, hier ist der Farbton tatsächlich ein leichtes Rosè. Wenn man allerdings auf die Tube drückt und etwas auf die Fingerkuppe kleckst, sieht es zuerst richtig dunkelrot aus und leider habe ich den Eindruck, daß die meiste Farbe schließlich an den Fingern haften bleibt, ziemlich fest sogar, dagegen nur minimal an den Wangen oder Lippen. Doch vielleicht sind ja rosarote Fingerkuppen bald der letzte Schrei. Die Farbe des Eyeshadows ist tiefschwarz und läßt sich irgendwie nicht besonders gut auftragen, jedenfalls nicht so gut wie bei dem Schminkstift, der in einer der letzten Boxen war, ganz abgesehen davon, daß ich mir hochdramatisches Augenmakeup sehr selten schminke. Mal sehen, ob sich das Zeug eventuell zum Zeichnen mißbrauchen läßt. Mir ist aufgefallen, daß noch in keiner der Boxen Mascara enthalten gewesen ist, obwohl das im Grunde ein absolutes Basic-Produkt ist, welches zumindest ich immer brauche. Und auch Augenmakeup- oder Nagellackentferner könnte ich wieder gebrauchen. Aber die Glossybox ist eben kein Wunschkonzert, sondern ein Überraschungskonzert.
Das Eingangsfragment ein belebter Seminarraum, in welchem ich eine Frau frage, ob der Platz in ihrer Nähe noch frei ist. Sie sieht mich seltsam an, so als hätte sie die Frage nicht verstanden, und wiegt ihren Kopf hin und her, aber ohne, daß man darin ein Nicken oder Kopfschütteln erkennen könnte. Ich frage sie noch einmal und noch einmal, immer mit derselben Reaktion. Als ich mich abwende, weil ich schlußfolgere, sie verstehe mich nicht oder könne nicht reden, höre ich sie jedoch in sehr klarem Deutsch zu anderen sprechen. In mir beginnt es zu brodeln, denn anscheinend ignoriert sie mich absichtlich. Um den anderen zu zeigen, daß meine nicht abgeschlossene Suche nach einem Platz und einer Antwort nicht an meiner Unfähigkeit zu fragen liegt, sage ich zu ihnen etwas schnippisch: "Ah, sieh an, sie kann ja doch sprechen!"
Es ist dunkel um mich herum, als ich erwache. Nur ein schlammiger Schein des Nachthimmels fällt durch die großen Fenster vor mir. Ich kann mich nicht erinnern, wo ich mich hier befinde. Es scheint eine Art Schlafsaal mit Doppelstockbetten zu sein. Mir ist als sähe ich Schemen unheimlicher Kreaturen, weshalb ich schnell wieder die Augen schließe. Da fühle ich, wie sich mein Bett bewegt, was ich zuerst noch unheimlicher finde, doch dann fällt mir schlagartig ein - Natürlich, ich bin auf einem Schiff! Es ist die allerletzte Nacht einer Schiffsreise. Sobald ich das weiß, beginne ich das Schwanken zu genießen, ja förmlich mit allen Sinnen aufzusaugen. Hui, macht das Spaß, besser als Karussellfahren. Das Schwanken wird immer heftiger, ich kann deutlich spüren, wie es wie in einem Fahrstuhl nach unten und wieder nach oben geht, mache mir aber lange keine Sorgen deshalb. Doch irgendwann wird das Schlingern so stark, daß ich bei mir denke, ich sollte mal nachschauen, was sich draußen auf See so tut und ob alles unter Kontrolle ist. Als ich den dunklen Schlafsaal verlassen habe, stelle ich fest, daß ich allein bin, denn um mich herum ist alles menschenleer, was mich aber nicht weiter beunruhigt. In einem der großen Säle tost und brodelt Wasser knietief und auch im Speisesaal ist ein aufgewühltes Meer zu beobachten. Sogar jetzt fühle ich mich keineswegs in Gefahr, sondern genieße vor der geöffneten Saaltür dieses aufregende Schauspiel und fühle mich sehr wohl dabei. Seltsamerweise bekomme ich nicht einen Spritzer Wasser ab, es ist, als wäre eine Glaswand in der Tür, welche das Wasser wie in einem riesigen Aquarium hält. Auf einer der Treppen neben mir kommt eine eigenartige Gestalt heruntergestiegen. Als sie sich zu mir umdreht, erkenne ich, daß es sich um einen Seemann handelt, der von Kopf bis zu den Füßen in Regen- und Wetterschutz steckt. Der alte Seebär sieht mich und sagt erstaunt und ruhig: "Ach, hier ist ja noch jemand!" Mir wird klar, daß er wohl nach Passagieren schaut, die sich noch im Schiff befinden. Anscheinend wurde alle anderen längst evakuiert, ohne daß ich davon etwas mitbekam.
Wir werden niemals erfahren, ob Edgar Allan Poes Rausschmiß in West Point ein Beispiel für Kompetenz oder Inkompetenz war, es sei denn, wir gewinnen eines Tages Klarheit über die Motive seines Handelns. 1831 wurden die Kadetten angewiesen, "mit weißen Gürteln, weißen Handschuhen und in Waffen" zur Parade zu erscheinen. Poe wurde "wegen grober Pflichtverletzung" der Kadettenanstalt verwiesen - er war zu der anberaumten Parade mit Ausnahme des weißen Gürtels, der weißen Handschuhe und seines Gewehrs völlig nackt erschienen.
(aus "Schlimmer geht's immer - Das Peter-Prinzip im Lichte neuerer Forschung" von Laurence J. Peter)
ist vor der Nachsorge. Und da alles so ist, wie es sein soll, auch in meinem Kopf alles an seinem Platz und keine Schraube locker ist, habe ich mir zur Feier des Tages gleich zwei richtig klebrige, süße Pfannkuchen alias Berliner gegönnt. Ganz ohne schlechtes Gewissen, denn seit ich einmal die Woche zum Zumba gehe, halte ich mein Wohlfühlgewicht von 75 kg selbst bei gutem Hunger. Vorher hatte ich ja immer mal zwei bis drei Kilo mehr auf den Rippen, aber das mag ich nicht besonders, da ich anscheinend hauptsächlich am Bauch und im Gesicht zunehme und im Gesicht finde ich es am unangenehmsten. Ich hatte mir auch extra eine neue Jeanshose eine Konfektionsnummer größer gekauft, die rutscht mir nun schon wieder bis über die Beckenknochen. Schade nur, daß über Dezember/Januar eine Zumba-Pause ist, wahrscheinlich wegen Ferien. Sehr unpraktisch, gerade in dieser kalorienreichen Zeit!
Auf einem belebten grünen Hügel herrscht buntes und geschäftiges Treiben. Auch ich bin mal hier mal dort, arbeite erst, um später alleine auf einer Bank zu sitzen. Irgendetwas ist im Anmarsch, ohne daß ich direkt etwas Ungewöhnliches entdecke, aber es ist eine Spannung fühlbar. Plötzlich fällt vom Himmel ein großes, schweres Stoffstück (ein Fallschirm?), welches mich samt Bank bedeckt und in Dunkelheit hüllt. Für einen Moment habe ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und unter der schweren Decke zu ersticken, doch sofort springen hilfreiche Menschen hinzu, die das Teil hochheben und mich darunter hervorholen. Mit diesen Menschen ströme ich nun in Massen in ein Gebäude oder Bunker. Überall scheint Chaos zu herrschen, hinter und vor uns, am Himmel ist viel Bewegung und sind seltsame Objekte zu sehen. Trotzdem ist mir nicht klar, was eigentlich vor sich geht. Im Gebäude oder Bunker selbst fallen mir seltsame weiße Kreaturen auf, Aliens - ganz klar, die versuchen, das Gebäude zu besetzen. Inzwischen wurde aber auch eine Abwehr gebildet, welche durchgehend orangerote Schutzanzüge trägt und alles tut, um die Aliens zurückzudrängen. Kein Zweifel mehr, es herrscht Krieg und ich rekapituliere, um es ja nicht zu vergessen, daß die Orangeroten die Guten und die Weißen die Bösen sind.
An einem Tisch sitze ich nun K. gegenüber und erkenne ein Stückchen entfernt hinter ihm einen Weißen, der versucht, eine Bombe oder Granate in K.s Richtung zu werfen. Ich rufe K. immer wieder aufgeregt zu: "Geh da weg! Geh da weg! Geh da weg!", doch K. reagiert gar nicht darauf, sondern schaut mich verwundert an. Seltsamerweise bin ich nur wegen K. ängstlich, aber nicht wegen mir, denn ich selbst bewege mich ebenfalls nicht von der Stelle, obwohl ich in derselben Wurflinie sitze. Schließlich landet der Sprengkörper, der die Form eines Megaphons hat, wie mir pikiert aus dem Augenwinkel auffällt, neben meinem Stuhl und ich springe mit einem riesigen Satz zur Seite, verstecke mich hinter einem Möbelstück, während K. seelenruhig sitzen bleibt. Es springt eine Frau in orangeroter Abwehrkluft hinzu, hebt den Sprengkörper auf und schleudert ihn direkt in eine Gruppe Weißer hinein, verschwindet darauf sofort wieder, um ihren Kampf gegen die Aliens fortzusetzen.
Irgendwann bin ich alleine im Zimmer, welches zwei Türen auf der gleichen Seite hat. Ich spähe hinaus auf den Flur und bemerke, daß sich die Aliens, hinter geöffneten Türen versteckt, versuchen an mich, bzw. das Zimmer, heranzuschleichen. Sofort schließe ich die Tür und spähe durch die zweite in die andere Richtung. Auch von dort scheinen nur Weiße auf mich zuzukommen, so daß ich diese Tür ebenfalls schließe. Ich bin von Aliens eingekesselt! Fieberhaft überlege ich, was ich tun kann, als es gegen die Milchglasscheibe der Tür klopft. Durch das dicke Glas versuche ich zu erkennen, wer das ist, und das Bild einer Frau mit Brille und orangerotem Ornat wird deutlicher. Mir wird klar, daß sie zu den Guten gehört und ich öffne. Sie wolle mir nur sagen, daß die Aliens vertrieben sind und ich hinauskommen könne. Ah, welch Erleichterung!
Ich glaube, mein Immunsystem ist gerade ziemlich in Aufruhr.