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Survival-Abenteuer Rehatagesklinik

Ok, dachte ich, wenn die Krankenkasse ein großes Geheimnis um Einrichtungen für Reha-Sport macht, dann suche ich eben selbst. Dürfte ja so schwierig nicht sein. Und mir fiel diese Rehaklinik innerhalb meines Wohnbezirkes ein. Nun ist Reha-Sport zwar nicht gleichbedeutend mit einer Rehabilitationsbehandlung, aber fragen kann man ja trotzdem mal. Daß die früh hereinbrechende Dunkelheit für dieses Vorhaben einen stark risikomaximierenden Effekt haben würde, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Ich merkte es erst, als es zu spät war, ich mich mitten auf der entsprechenden Straße befand und das Gefühl hatte, von einem schwarzen Loch geschluckt worden zu sein. Wenn nun die Straße wenigstens gerade und eben gewesen wäre, aber Pustekuchen, es war die seltsamste Straße, die ich je gesehen, pardon, blind entlang getappt bin. Da wohnt man seit endlosen Jahren im Bezirk und findet immer noch Orte, die wie unentdeckte böhmische Dörfer im Himalaya anmuten. Die Straße schlängelte sich mal hierhin mal dorthin, machte Schleifen, abrupte Biegungen, mal ganz eng, dann wieder riesig breit und hatte aber, bei allen Kapriolen, stets nur eine befestigte Seite für Fußgänger (wobei ich unter 'befestigt' eigentlich noch etwas anderes verstehe). Diese befestigten Seiten sprangen willkürlich hin und her. Auf der jeweils anderen Seite gab so etwas wie einen Hindernispfad. Zwischen festgetretener Erde bebten metergroße Gehplatten als hätten sie gerade Seegang bei Sturmstärke 8. Zum Glück gab es knapp alle zwei Meter den Pfosten eines Haltestellenschildes, an den man sich bei Seenot klammern und die weiße Fahne hissen konnte. Netterweise stand mitten in der Parkinsel ab und zu mal eine Straßenfunzel, deren Licht aber so schwach war, daß es nicht bis zur gegenüberliegenden Fußgängerseite reichte, sondern wahrscheinlich gerade mal, um das Schlüsselloch am Auto zu finden. Während ich über den Pfad stolperte und wankte, fragte ich mich die ganze Zeit, wie es die Patienten der Klinik wohl schaffen, dort anzukommen, oder auch aus ihr entlassen zu werden, ohne sich zusätzlich beide Beine zu brechen. Aber wer weiß, vielleicht ist der Standort ja auch mit Bedacht gewählt? Zum Glück bin ich noch ziemlich gut bei Fuß, so daß ich unversehrt in einem stockdusteren Gebüsch ankam, welches die Straße erneut um etliche Meter verengte. Daß dieses Gebüsch ein Kinderspielplatz war, erkannte ich erst, als ich fast gegen das Klettergerüst gelaufen wäre und knapp dem Fall über eine Holzbank entkommen war. Jetzt ist es wohl höchste Zeit, sich wieder auf die andere Seite zu schlagen, sagte ich mir schlau, denn hier ist eindeutig keine Gehweg mehr, während dies bei dem Hindernispfad mit den schwankenden Gehwegplatten keineswegs so eindeutig zu bestimmen ist.

Dort, wo die Rehaklinik steht, macht die Straße einen rechtwinkligen Knick. Die Klinik selbst steht ein ganzes Stück weiter auf einem großen kahlen Hof. Von weitem sah sie aus wie eine alte Wurstfabrik und da auch noch ein großes Schild am Tor des Hofes freundlich nach links wies, stolperte ich erst einmal die gezeigte Richtung hinunter, bis die Straße plötzlich zu Ende war. Also doch die Wurstfabrik! Zurück ging die Navigation dank einmal erkundeten Territoriums schon etwas leichter - ich schwenkte auf den Hof. Mit einem leichtem Schaudern stellte ich fest, daß diese Wurstfabrik tatsächlich die Rehaklinik ist. Immerhin sah sie von der anderen Seite aus wie eine Schule, was in mir keineswegs angenehmere Gefühle weckte, eher im Gegenteil. Ich hatte nie ein gutes Verhältnis zu Schulen. Und dieser unerklärliche Lichtmangel in diesem Teil Berlins! Weder eine Beleuchtung an den Eingangsstufen, noch im engen kleinen Treppenhaus, welches bei Platzangst nicht empfehlenswert ist, und, wie mir schien, fast ausschließlich durch den hereinfallenden Lichtschein der Praxis- und Fitnessräume beleuchtet wurde. Anonym, dunkel, kalt. Es sträubte sich in mir, das Haus zu betreten, aber ich gab mir einen Ruck. Wenn ich so weit gekommen war, wäre es doch Quatsch, jetzt wieder umzukehren wegen eines unsympathischen Gefühls. An den Empfangsthresen in jeder Etage saßen dicke ältliche Matronen, welche aussahen, als wären sie gerade einem Beamten-Senioren-Verein entsprungen, und nicht so wirkten, als hätten sie etwas mit Sport am Hut. Ich glaube, es hätte mich schon sehr erstaunt, wenn eine von denen nur von ihrem Stuhl aufgestanden wäre. Was sie natürlich nicht taten...

Vom zweiten OG wurde ich in das dritte OG verwiesen, dessen ältliche Matrone mich unwillkürlich und schaurig an die einstmaligen Genossinnen der KWV (Kommunale Wohnungsverwaltung in der DDR) erinnerte. Mit ihrem strengen Beamtenblick schaute sie mich durch ihre Brille und über ihren ausladenden mütterlichen Busen hinweg an, um mir zu erklären, daß ich hier Reha-Sport machen könne, allerdings 24,90 € monatlich berappen müsse. Es gäbe zwar auch freie Gruppen, die hätten jedoch eine Größe von 18 Leuten und für Geräte müßten 5 € extra bezahlt werden (womit wir wieder beim vorigen Preis wären). Nun hatte ich mich im Internet informiert und wußte deshalb, daß es laut Vereinbarung mit den Krankenkassen nicht statthaft ist, Gebühren für Reha-Sport zu verlangen. Dieser soll normalerweise kostenlos für den verordneten Zeitraum angeboten werden. Trotzdem kommt es sehr häufig vor, in allen Preisvariationen. Und die Gruppengröße liegt eigentlich in der Regel bei 10 Teilnehmern. Als ich deshalb schluckte, lag es weniger an der Höhe der Gebühren, als vielmehr an der Unverfrorenheit, überhaupt etwas in dieser Höhe zu verlangen. Es geht dabei nicht um das Geld. Hätte es mir dort gefallen und hätte man einen geringen monatlichen Obolus verlangt, hätte ich mich vielleicht breitschlagen lassen. Aber so? Einen kleinen Moment war ich versucht, sie ganz doof zu fragen, wieso die hohen Gebühren kassiert werden, wenn das eigentlich gar nicht so angedacht ist und die Kosten doch mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Aber ich hatte keine Lust, mich schon wieder unbeliebt zu machen, sagte deshalb bloß, daß ich es mir lieber noch einmal überlegen will und ging. Zum Glück gibt es mehr Adressen, bleibt zu hoffen, daß es mir dort besser ergeht. Ein wenig kam ich mir vor wie Kafkas K., der nach beschwerlichem Weg und viel Hin und Her endlich im Schloß beim höchsten Beamten angelangt ist, und feststellen muß, daß die Mühe umsonst war. Aber der Vergleich mit einer Wurstfabrik ist auch nicht verkehrt. Erst tappt man in die Falle, bricht sich die Beine, dann wird man ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, und was dann noch übrig ist, wer weiß.... Flüchten ist zwecklos, da Fluchweg verdunkelt. Aber ICH werde keine Rostbratwurst!
books and more - Mo, 22:27

Ich hoffe doch für Sie, liebe Zuckerwatte, dass das nur ein (böser) Traum war!!

Nein,

lieber Books, diesmal kein Traum. Alles wahr, auch wenn es mir zeitweise ziemlich unwahr erschien.
Traumzeit - Mo, 22:45

Wow, so etwas erlebe ich höchstens in der Nacht, im Traum.
Selbst kürzlich der Spaziergang über den Weyerberg - stockfinster war's - zum Niedersachsenstein, war nicht annähernd so interessant wie das von Dir Beschriebene.

Na ja,

sooo oft erlebe ich so etwas auch nicht. Und heute hätte ich keinesfalls mit solch einem Abenteuer gerechnet. Ich fühlte mich tatsächlich wie in einen Kafka-Roman versetzt. Aber vielleicht hat mich auch nur die plötzlich eingesetzte frühe Dunkelheit so sensibel gemacht, daß ich alles surreal empfand?
Traumzeit - Mo, 23:22

Mag sein. Auf alle Fälle toll beschrieben. Meinetwegen kannste gerne mehr dieser surrealen Art erleben und dann davon erzählen. :-)

Na toll!

Wer weiß, ob ich jedesmal dem Fleischwolf entkomme...;o)
Sufix (Gast) - Di, 00:09

Ein guter Anfang für einen Krimi!
Wenn Du einfach weiter schreiben würdest, könnte sich diese vertrakte Reha-Sache noch zu einer Goldgrube für Dich entwickeln.
Könnte es sein, dass diese 24,90 € ihr normaler Preis ist und sie gar nicht von den Kassen anerkannt sind?
Ich wünsche Dir sehr, dass Du an eine gute Einrichtung gerätst, mit kompetentem Physiotherapeuten, die Dir wirklich helfen.
LG Wanja

Das wäre

dann wohl der erste Reha-Mafia-Krimi, oder gibt es sowas schon? *gg*

Ich denke schon, daß die von der Krankenkasse anerkannt sind, aber so wie ich es im Internet gelesen habe, kommt es anscheinend sehr häufig vor, daß zusätzliche Gebühren erhoben werden, was von einer Jahresgebühr von 20 Euro bis zu 60 Euro monatlich reichen kann und insgesamt von den Krankenkassen nicht gerne gesehen wird.
sufix (Gast) - Di, 00:49

Von einem Reha-Mafia-Krimi habe ich noch nichts gelesen.
Böte jedenfalls wunderbar schaurige Möglichkeiten. Wer weiß, was diese Matronen hinter ihrer Behäbigkeit verbergen?
Herr B. - Di, 03:35

Das kann nur ein böser Traum gewesen sein. Die Rehaklinik in dieser unserer Stadt, in der ich zuletzt war, fand ich gar nicht so schlimm :-)

Nein,

definitiv KEIN Traum. *gg*

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