Gerade habe ich das Fotobuch von der Post abgeholt, welches ich als Geburtstagsgeschenk beim Lidl-Fotoservice bestellt hatte. Auf den ersten Blick sieht es auch ganz ordentlich aus - stabiler Glanzeinband, schönes Papier, sauber gebunden und gedruckt -, doch dann musste ich feststellen, dass zum einen mein eigener Entwurf für die Katz war, weil sie die Reihenfolge willkürlich geändert haben und das Hintergrunddesign nun nicht mehr zu den Bildern passt, wobei ich das noch nicht einmal so schlimm finden würde, aber was wirklich stört ist, dass teilweise Bilder doppelt gedruckt wurden und andere dafür weggelassen. Und zwar zweimal im Buch selbst und einmal auf der Rückseite des Einbands. Das sieht so bescheuert aus, denn wer will schon Fotos zweimal auf der gleichen Seite sehen?
Und was mach ich nun? Das Fotobuch so doppelt gemoppelt verschenken? Bis zum 20. bleibt kaum Zeit, um es nochmal drucken zu lassen, und wer weiß, ob es dann in Ordnung ist. Ich denke dabei an einen gewissen Tisch - wo einmal der Wurm gefressen hat....
Ein Mehrfamilienhaus besteht nicht nur aus Wohnungen und auch in meinem Elternhaus gab es gewisse Winkel, die insbesondere für uns Kinder sehr spannend waren. Ich habe zwar niemals den Dachboden von innen gesehen, aber schon vor dem Dachboden wirkte der Hausflur mit einem Mal enorm abenteuerlich und unheimlich. Es begann damit, dass es viel dunkler wurde, als auf den normalen Treppenabschnitten, weil es hier nämlich nur noch ein kleines, ovales Fenster gab, durch welches das Licht hereinfiel. Und auf dem Treppenabsatz vor dem Dachboden des Hinterhauses entdeckten wir sogar einmal eine Schatzkiste. Diese bestand zwar nur aus alten Lumpen und Kostümen, die vielleicht der Jugendkreis zum Theaterspielen benutzt hatte, aber für uns war ein trüber Regentag gerettet, an welchem wir uns im schummrigen Dämmerleuchten verkleideten, immer wieder einen kurzen Blick von oben, aus dem ovalen Dachfensterauge, auf unseren nassen Spielplatz werfend, und auf dem Absatz vor der Dachbodentür unsere Auftritte absolvierten, während die anderen zwei, die gerade nicht an der Reihe waren, von der Schatzkiste aus hochapplaudierten.
Wir trafen uns fast regelmäßig, selbst bei Regenwetter, draußen und verzogen uns, wenn es zu ungemütlich wurde, in die großzügigen Treppenaufgänge des Altbaus. Auch dort fiel uns immer was zum Spielen ein, aber wenn ich daran denke, was wir dabei oft für einen Lärm gemacht haben, wundere ich mich im nachhinein, dass sich kaum jemals jemand beschwert hat. Nur ab und an kam ein Erwachsener vorbei und ermahnte uns nachsichtig, nicht so laut zu sein, was wir natürlich nur allerhöchstens zehn Minuten lang durchhielten. Es gab im Hinterhaus einen kleineren Hausflur mit spiegelglatten Bodenfliesen, auf welchen wir herumschlitterten und Eiskunstlaufen spielten. Es gab aber auch einen riesigen Hausflur, in meiner Erinnerung erscheint er mir so groß wie ein Tanzsaal, was er bestimmt nicht war, der das Vorderhaus mit dem Hof verband. Trat man von der Straße aus in das Gebäude, gelangte man in einen ziemlich winzigen Flur, von welchem sofort die Treppen abgingen. Doch neben den Briefkästen befand sich eine Tür und wenn man diese öffnete, lag eine große Halle vor einem. Diese war so ausgedehnt, dass darin, so lange ich in diesem Haus lebte, immer irgendwelche Baustoffe, Bretter, Zäune u.ä. gelagert wurden, natürlich auch Fahrräder, und trotzdem blieb zum Spielen noch genug Platz. Auch auf diesen Fliesen konnte man schlittern, allerdings nicht so gut wie auf den anderen, weil sie ein eingekerbtes Muster hatten, während jene glatt waren. Hier hielten wir uns am meisten auf, weil wir hier am wenigsten störten. Von der Mitte des Flurs ging eine kleine Treppe zum zweiten Eingang der Küsterwohnung ab, der aber nicht benutzt wurde, so dass wir uns dort auf den Stufen niederließen und malten oder herumalberten.
Durch den zweiten Zugang zum Hof über die Hofeinfahrt eignete sich das Haus sehr gut zum Einkriegezeck spielen. Dabei rannten wir wie die Irren durch sämtliche Hausflure, ein Stück die Straße entlang, in die Hofeinfahrt hinein und von dort erneut in den Hausflur usw., immerfort im Kreis und immer bedacht, schneller als die anderen zu sein, bzw. es rechtzeitig mitzubekommen, wenn sie sich irgendwo versteckten, um einen abzufangen oder die Richtung wechselten. Da die Hausflure große, schwere Türen mit genauso schweren schmiedeeisernen Türklinken hatten, gegen die wir uns, als wir noch kleiner waren mit unserem ganzen Körper stemmen mussten, um sie öffnen zu können, schepperte und knallte es dabei nicht schlecht, wenn die Türen trotz Schließfederung hinter uns wieder in das Schloß fielen. Meist kam dann ziemlich schnell der Hausmeister herunter und drohte uns mit dem Zeigefinger. Einmal, ich war gerade wieder in der wildesten Verfolgungsjagd und wollte gerade durch die Hausflurverbindungstür entkommen, stand er dahinter und ich rannte genau in seinen rundlichen und gut gepolsterten Bauch. Das war mir äußerst unangenehm, auf diese Art auf frischer Tat ertappt zu werden, und er schimpfte natürlich mit uns, grinste dabei aber verdächtig amüsiert.
Zwischen dem kleinen Vorgarten und dem Kindergartenspielplatz stand das Küsterhäuschen, in welchem in zwei kleinen Räumen die Gemeindeverwaltung ihren Sitz hatte, welche aus der Küsterin bestand, die regelmäßig dorthin zur Arbeit ging. Zum Eingang des Häuschens führten zwei steinerne Stufen, die in der Regel unser Treffpunkt waren, um uns zusammenzufinden, oder wo wir saßen, wenn der Spielplatz vom Kindergarten belegt war. Und während es auf dem Kindergartenplatz keinen einzigen Grashalm gab, existierte ein abgeschlossenes kleines Wiesengebiet inmitten hoher Zäune, nämlich der Wäschegarten, der, wie der Name schon sagt, hauptsächlich dazu genutzt wurde, Wäsche aufzuhängen. Auch diese Wiese wurde von uns bald als Spielgebiet erobert, obwohl wir uns dort eigentlich nicht aufhalten sollten. So lange wir noch zu klein waren, um an die Drahtschlinge heranzukommen, welche die Tür am oberen Pfosten geschlossen hielt, suchten und gruben wir uns Löcher unter dem Zaun und krochen hindurch. M. hatte später sogar ein richtiges Indianerzelt, das er hier auf der Wiese aufschlug, welche ringsherum von Gebüsch umgeben und nicht leicht einsehbar war. Auf der Wiese spielten wir gerne mit den Wäschestangen, die normalerweise dazu gedacht waren, die Wäscheleinen zu halten, balancierten sie auf unseren Fingern oder simulierten japanische Stock- und Schwertkämpfe. Glücklicherweise hat nie jemand von uns so ein Teil auf den Kopf bekommen. Doch auch das Gebüsch barg viele Möglichkeiten. Zum Beispiel gruben wir dort nach Schätzen, nicht ohne an die Warnung unserer Eltern und der Lehrer vor verrosteten Granaten und Blindgängern zu denken, und fanden tatsächlich welche, nämlich alte Reichspfennige und ein totes Kaninchen, das man hier begraben hatte. Dieses ließen wir in Ruhe liegen, aber als wir einmal einen toten Vogel fanden, begruben wir ihn genau daneben.
Außerdem gab es ein kleines Stückchen Erde, welches die Eltern von M. mit Rosen und Erdbeerpflanzen bestückt hatten. Die Rosen blühten jedes Jahr wunderschön, aber die Erdbeerpflanzen trugen unerklärlicherweise für manche Erwachsene nie Erdbeeren, denn die hatten wir schon längst weggeputzt, bevor jemand anderes sie ernten konnte.
An den Wäschegarten schloß sich der Hof des Nachbarhauses an, welches ein gewöhnliches Wohnhaus war und nicht mehr zur Kirche gehörte. Der Hof war relativ klein, und an zwei Seiten von dem hohen Gebäude, an den anderen Seiten von alten Kastanien umschlossen, weshalb er immer sehr düster und dunkel wirkte. Aus diesem Haus stieß die vierte Mitspielerin zu unserer Truppe, nämlich K., die mit M. und mir in eine Klasse ging und in diesem Haus mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und dem verspielten Schäferhund Arko wohnte. Er hatte ein lustiges Schlappohr und man konnte mit ihm prima Verstecken spielen, indem man sich hinter einem Baum verbarg und er so lange suchte, bis er einen gefunden hatte, wobei er vor Freude hoch sprang und einen fast umwarf. Leider ging sie schon nach zwei oder drei Jahren mit ihren Eltern in den Westen. Danach habe ich nie mehr etwas von ihr gehört.
Der Kindergartenspielplatz bot wieder ganz andere abenteuerliche Vergnügungen. Der eine Teil davon war um zwei große Sandkästen herum gepflastert, der andere Teil bestand nur aus staubiger Erde. Der ganze Platz wurde auf der Längsseite, die an das Baugelände grenzte, von hohen Pappeln umstanden. Auf der anderen Seite wachte eine alte Platane vor dem Küsterhaus, das direkt die Grenze zum Hof bildete. In einem der Sandkästen befand sich ein Klettergerüst, welches ein Propellerflugzeug nachbildete und vorne an der Heckspitze, sogar einen echten kleinen Propeller besaß, den man mit der Hand herumwirbeln konnte und der dann einen in den Zähnen ziehenden, metallischen, gräßlichen Lärm machte. Entweder hingen wir uns von unten an die Propellerflügel ran oder aber, wer ganz mutig war, kletterte bis ganz nach oben auf die hervorstehende "Schnauze" des Flugzeugs und drehte als Flugzeugführer dort am Rad. Am Flugzeugschwanz dagegen waren zwei Schaukelhaken befestigt, die Schaukel dazu besaß aber leider nur M., dem ich die Möglichkeit zu Schaukeln so oft wie es ging abknöpfte, da ich es liebte. Wir schaukelten so wild und maßlos, dass die metallischen Haken schnell durchgescheuert waren und es einigermaßen gefährlich wurde, sich noch auf die Schaukel zu wagen. Wir mussten dann warten, bis M.'s Opa, der Hausmeister, neue Haken angebracht hatte und das Warten fiel unendlich schwer.
Der Flugzeugrumpf bestand aus einem schmalen Gang und zwei rechteckigen Flügeln, die wir gerne dazu benutzten, uns aus Decken, Brettern und was wir sonst noch für Baustoffe fanden, Wohnungen zu bauen. Zum Beispiel wurde eine Decke als Dach oben drüber gelegt, andere Decken wurden über die seitlichen Streben gehängt und ein kleineres Tuch vor den Eingang. Dann suchte man sich ein altes Brett, wir montierten dazu gerne die Bretter des schmalen Sitzes, bzw. Ganges ab, der die beiden Sandkästen voneinander trennte, und legte es quer über die unteren Streben. Schon hatte man eine Bank, auf der man sitzen konnte. Für unsere Bauaktivitäten schleppten wir jeden Tag Berge von alten Decken nach draußen und jeden Abend rissen wir unsere kunstvoll erbauten Hütten wieder ab. Bald erfanden wir eine neue Art zu Bauen, nämlich indem wir dazu die langen bunten Holztische und -bänke, an denen die Kinder im Sommer zu Mittag aßen, mißbrauchten. Wir schleppten sie zu zweit und zu dritt durch die Gegend, um sie kreuz und quer zu Wohnungsgrundrissen zu stapeln, und ließen uns in den erdachten "Zimmern" häuslich nieder.
Gleich am zweitbeliebtesten, nach dem Erschaffen luxuriöser Domizile, war das Buddeln, insbesondere mit dem Zusatz von Wasser. Wir buddelten um die Wette bis wir auf den Sandkastenboden stießen, in die so entstandenen tiefen Löcher füllten wir Wasser und stiegen schließlich mit den Füßen hinein. Oder aber, wir bauten kunstvoll angelegte Burganlagen mit schützenden Wassergräben rundherum, in welche das Wasser aus den geschickt eingegrabenen Gängen innerhalb der Burg floß, wenn man es am oberen Burgeingang hineingoß. Ging es an das Einpacken, gossen wir noch einmal ordentlich Wasser nach und sprangen mit beiden Beinen auf das Bauwerk rauf, so dass alle unterirdischen und oberirdischen Gänge in sich zusammenstürzten und nur noch eine einzige Eierpampe vorhanden war. Meist hatten wir am Ende eines Tages so viel Sand auch außerhalb des Sandkastens verstreut, dass es zum abendlichen Ritual wurde, nachdem die Buddelsachen in heimatlichen Gefilden verstaut waren, noch einmal mit einem Besen die Treppen hinunterzurennen, um den Sand dorthin zurück zu befördern, wo er hingehörte und gleichzeitig die letzten Züge des sommerlichen Spielabends zu genießen, der bald vom lästigen Zubettgehen unterbrochen werden würde.
Für meine Mutter war es teilweise recht schwierig, mich abends wieder nach Hause zu kriegen, denn wenn ich nicht wollte, weigerte ich mich und blieb einfach unten. Wenn die anderen Kinder inzwischen von ihren rigeroseren Eltern an Händen und Füßen und unter Aufbietung aller Kräfte in die Wohnung gezerrt worden waren, denn sie wollten natürlich ebenfalls lieber weiterspielen und gaben dafür trotzig als Grund an, dass ich ja auch viel länger unten bleiben dürfe, spielte ich alleine weiter. Ich buddelte so lange, bis ich in der Dunkelheit meine eigene Hand nicht mehr vor Augen sah. Erst dann packte ich meine sieben Sachen zusammen und tappte zurück ins Haus, wo meine Eltern in der Regel vor dem Fernseher hingen oder Mama sogar schon eingeschlafen war.
Weil ich stets irgendwann wieder zurück nach Daheim fand und meine Mutter sich den Stress einer abendlichen Erziehungstragödie ersparen wollte, blieb es mehr oder weniger dabei, dass ich, zumindest wenn keine Schule war, so lange draußen bleiben konnte, wie ich wollte, etwas, was die anderen Kinder nicht durften.
Und dann gab es da noch diesen staubigen Teil des Kindergartens. Er eignete sich gut zum Ballspielen, da viel Platz war und überall lagen Autoreifen herum, insbesondere doppelte LKW-Reifen, mit denen man herrlich Reiter und Pferd spielen konnte, wenn man sie aufrichtete - meist machten wir das zu zweit, weil sie ziemlich schwer waren -, und sich rittlings auf sie hinauf schwang. Dabei musste man aufpassen, dass der Reifen nicht von der Stelle rollte, was er schnell früher oder später machte, wenn man nicht genau sein Gewicht auf den Mittelpunkt verlagerte. Auch Bockspringen übte ich mit ihnen gerne. An einer Seite des Platzes lag ein gefällter und entästeter Baumstamm, auf dem man Balancieren oder ebenso nur sitzen konnte und in einer Ecke stand ein Holzauto in Form eines LKWs mit einem richtigen Lenkrad vorne und Sitzbänken hinten. Später, als es fast auseinanderfiel, wurde es entsorgt und an der gleichen Stelle ein kleiner Hügel aufgeschüttet, zu welchem Zweck ist mir bis heute unklar. Aber er eignete sich ganz gut, um im Winter mit dem Schlitten oder Gleitern hinunterzufahren, obwohl es dazu noch einen besseren Platz gab - schräg hinter der Kirche, auf dem Hof eines normalen Wohnblocks, hatte man die Höfe tiefer gelegt und der Übergang war ein recht imposanter Abhang, der im Winter von Kindern und Schlitten nur so wimmelte. Auch auf diesen Hof weiteten wir unsere Entdeckungstouren aus, ebenso wie auf einen Spielplatz, einige Straßen weiter, der mir ziemlich suspekt war. Das lag wohl daran, dass er sich zwar großflächig ausdehnte, eigentlich nicht nur ein normaler Spielplatz, aber irgendwie brach lag. Außer einem Sandkasten und ein paar Tischtennisplatten fand man darauf nicht viel, bis auf eine merkwürdige Anlage, die aus bogenförmig angeordneten Metallstangen bestand, welche kleine Löcher hatten. Heute würde ich sagen, dass es wohl eine alte Wasseranlage war, vielleicht eine Art Kinderplanschbecken, wo das Wasser aus den Stangen herausrieselte. Doch zu meiner Zeit blieb alles trocken.
Der Spielplatz lag auf der Strecke eines typischen und einprägsamen Weges meiner Kindheit. Diesen Weg gehe ich sogar heute noch manchmal in meinen Träumen. Er begann mit dem alten Konsum an der Ecke, in dem wir uns von unserem Taschengeld, Zitronendrops, Puffreis, Liebesperlen oder Eis holten, und führte an mehreren Querstraßen vorbei bis zu unserem Bäcker, von dem ich regelmäßig die Brötchen für das Wochenende auf Geheiß meiner Eltern besorgte. Und zwar sehr leckere Brötchen, solche, die ich heute die DDR-Brötchen nenne. Wenn man auf die andere Straßenseite des Weges schwenkte, gelangte man an einer Kreuzung auf die routinemäßige Einkaufstour meiner Mutter, auf die sie mich manchmal mitnahm. Gleich links der kleine Gemüsehändler, in dem es stets haufenweise strohig-grüne, kubanische Apfelsinen und Kohlköpfe gab, aber sonst kaum etwas, ein Stückchen weiter die Straße hinunter der Käseladen, in dem hunderte von Käse, in den Vitrinen ausgestellt, einen verführerisch würzigen Duft von sich gaben, der mir jedesmal das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ, wenn ich ihn betrat, um die Ecke auf der größeren Hauptstraße der Fischladen, wo noch echte lebende Fische in den Bottichen herumschwammen, welche von den Verkäuferinnen mit Fischnetzen eingefangen und denen im Bruchteil einer Sekunde mit einem langen Messer der Garaus gemacht wurde, während sie weiterhin mit den Flossen zappelten, dann zurück an unserem Konsum vorbei, wo meine Mutter beim Einkauf kleine Marken sammelte, die sie zu Hause in ein kleines Heftchen einklebte, genauer gesagt meistens mich kleben ließ.
Fortsetzung folgt
Ganz oben unter dem Dach wohnte, wie bereits erwähnt, mein Spielfreund M. mit seinen Eltern und ich beneidete ihn stets um das große Kinderzimmer, das er sein Eigen nannte. Es hatte sogar Teppichboden, eine Couch und einen Fernseher. Die Wohnung selbst war zwar viel kleiner, unsere dagegen doppelt so groß, aber die hundert Quadratmeter erstreckten sich bei uns hauptsächlich in einer riesigen Diele und einem gigantischen Durchgangszimmer und natürlich brauchte mein Vater jede Menge Platz, genauer gesagt, ein großes und ein kleines Zimmer, für seinen ganzen Krempel, den er aufhob. Für die Kinder blieben da nur noch eine Kammer und der Wintergarten. Als mein Bruder, der fünfzehn Jahre älter ist als ich, ungefähr mit 21 Jahren auszog, konnte ich endlich aus dem Wintergarten, der von allen Seiten durch Glas einsehbar war uns außerdem nicht beheizt, da von der Wärme des Kachelofens im riesigen Wohnzimmer, auch wenn man die Tür offen stehen ließ, nicht mehr viel dort hinein kam, in ein richtiges Zimmer ziehen. Ich habe meine ganze Kindheit hindurch kein vernünftiges Bett besessen, bis auf das erste Gitterbettchen. Als ich dafür zu groß wurde, schlief ich auf einem uralten und brettharten Chaiselonge mit einem genauso hartem, und mir als Kind besonders hoch erscheinendem halbrundem Höcker als Kopfteil. Dass ich mir dadurch nicht noch größere Verrenkungen und Verkrümmungen geholt habe, ist ein Wunder, meine Mutter ist der Meinung, dass die leichte Wirbelsäulenverkrümmung vererbt ist, ich bin mir da nicht so sicher. Später übernahm ich das Klappbett von meinem Bruder. Blöd nur, dass es so durchgelegen war, dass ich mit dem A..... bis auf dem Boden hing. Ich habe mir dann heimlich aus unserer Rumpelkammer ein großes Brett, die mein Vater ebenfalls in Massen aufhob, mitgenommen und unter die Matratze gelegt. So habe ich ganz gut die nächsten Jahre in der "Waschschüssel", wie mein erster Freund es nannte, überstanden.
Das Seltsame ist, dass ich das eigentlich selbst jetzt noch alles ganz normal finde, weil ich es nicht anders kannte und irgendwie wäre ich damals nie auf die Idee gekommen, mich vor meine Eltern hinzustellen und konsequent ein vernünftiges Bett zu fordern, obwohl sie es sich durchaus hätten leisten können. Es lag vielleicht daran, dass ich mich damals noch nicht um solche Dinge wie Betten kümmerte, aber wenn ich mich in meine Kindheit zurückversetze, dann fällt mir auf, dass ich eigentlich nie irgendwas, sei es Spielzeug, Süßigkeiten oder was man als Kind sonst so mag, vehement gefordert habe. Meistens war ich schon zufrieden, wenn man mich einfach in Ruhe ließ und die Idee, mir etwas zu kaufen, gingen in der Regel von meiner Mutter aus, die mir ab und zu gerne mit Kleinigkeiten eine Freude machte und mir dabei aber auch regelrecht Dinge aufzwang, die sie mir unbedingt kaufen wollte. Größere Ausgaben mußten jedoch immer über meinen Vater gehen und meine Mutter übernahm dann meist die Aufgabe, die ich selbst ablehnte, ihn monatelang zu beknien, damit er das Geld herausrückte. Überhaupt graut es mir im Nachhinein vor meiner krankhaften Bescheidenheit in der Kindheit, krankhaft deshalb, weil ich mir wirklich nicht vorstellen kann, dass sowas für ein Kind normal ist. Schlagartig bewußt ist mir dies aber erst vor einigen Jahren geworden, als ich bereits erwachsen und zu Besuch bei meinen Eltern war, durch eine völlig belanglose Begebenheit. Es gab zum Mittagessen Schnitzel, die ich besonders gerne esse, und wie ich es seit Kleinauf kannte, erhielt mein Vater auf seines noch ein gebratenes Ei obenauf. Ich hatte auf mein Schnitzel niemals ein Ei bekommen und heute sagte ich es: "Warum bekommt Papa eigentlich immer ein Ei und ich nicht?" Meine Mutter sah mich an und antwortete: "Ach, du willst auch ein Ei? Warum hast du denn nie etwas gesagt?" Und da stand ich wie vom Donner gerührt. Ja, wieso nicht? Wieso hatte ich all die Jahre nie etwas gesagt, obwohl ich doch genau weiß, dass ich auch immer ein Ei wollte?
Der Anlass mag unwichtig und nebensächlich erscheinen, aber zum ersten Mal kam mir der Gedanke, vielleicht nicht genug zu mir selbst und meinen Wünschen zu stehen, sie bisher gar nicht erst geäußert, ja vielleicht nicht einmal bewußt eingestanden, sondern unterdrückt zu haben, nur um eventuellen Ärger zu vermeiden und nicht als so maßlos zu gelten wie mein Vater. Seitdem versuche ich bewußt, mir etwas wert zu sein und nicht an mir zu sparen. Trotzdem ertappe ich mich auch jetzt noch oft bei den alten, eingeschliffenen Mustern, zum Beispiel, wenn ich irgendeinen schäbigen, abgegriffenen Gegenstand in die Hände kriege, den ich schon seit Jahren benutze und bei mir denke "Der geht doch noch.". Dann erwacht jetzt oft mein distanzierter Ich-Beobachter und greift sofort ein: "Halt, Moment mal! Geht doch noch? Gut genug für dich? Warum nicht gleich - schlecht genug für dich?" Auch bei meiner Mutter erwacht er häufig, um genau dieses Muster zu beobachten, denn sie gibt sich meist mit so wenig zufrieden, dass man sie manchmal geradezu schütteln möchte. Erst letztens, als mein Cousin das Schlafzimmer meiner Eltern renovierte, habe ich sie gefragt, warum sie sich nicht gleich einen neuen Fußbodenbelag kauft und von meinem Cousin verlegen läßt. An Geld mangelt es nicht und das alte Linoleum ist so furchtbar, dass man es nicht beschreiben kann. Es ist dieser typische DDR-Plattenbaubelag, der obligatorisch in diesen Wohnungen ausgelegt wurde, ein psychedelisches Muster in Kotzgrün, schon so abgewetzt, dass er teilweise mit der alten Parkettimitation aus meiner Kindheit ausgebessert wurde. "Ach, der geht doch noch." sagt meine Mutter.
Immerhin hatte ich dafür in meinem Zimmer einen Luxus, den sonst keiner besaß, nicht einmal M., nämlich ein eigenes Waschbecken mit kaltem Wasser. Dieses hatte sich mein Bruder, der Klempner lernte, eigenhändig eingebaut, was kein großes Problem war, da ja die Wasserleitung des herrschaftlichen Bades durch die Wand führte. Und weil von meinem Zimmer aus unser Bad am anderen Ende der Wohnung lag, also ungefähr fünf Kilometer entfernt, war es dort sehr nützlich, wurde von mir aber auch gerne mißbraucht, um Plastikboote auf dem Wasser darin segeln zu lassen oder meine Pullerpuppe nachzufüllen.
Und noch etwas gefiel mir an dem Zimmer, nämlich die alte, breite Fensterbank, auf die man sich locker mit dem ganzen Körper draufsetzen konnte, und die hinter zwei Türen einen geräumigen kleinen Schrank verbarg.
Meine Katze schaffte es manchmal geschickt, eine Tür aufzuziehen, um sich dann im Schrank aus den Büchern, die ich darin aufbewahrte, ein Nest zu bauen, indem sie die Pappeinbände so mit ihren Krallen bearbeitete, dass nur noch kuschelige Fetzen übrig blieben.
Eine Wohnung fehlt noch und das ist die, welche zwischen der des Kantors und der von M. lag. Da werden die frühen Erinnerungen ganz blaß, aber ich glaube, dass dort anfangs eine alte Frau wohnte. Ich bin mir nicht sicher, vielleicht hat sie auch vor einem der erwähnten Mieter in einer anderen Wohnung gewohnt, aber es steht felsenfest, des es eine alte Frau gegeben hat, denn ich kann mich entsinnen, dass meine Mutter mich einmal zu einem Besuch an ihr Bett mitnahm und ihr eine echte Apfelsine schenkte. Wahrscheinlich ist sie schon gestorben, als ich noch sehr klein war.
In dieser Wohnung jedenfalls lebte später eine alleinstehende und rundliche Pastorin. Mein Vater konnte sie nicht leiden und hat sich gerne, natürlich nur bei uns im Geheimen, über sie lustig gemacht, doch meiner Mutter hatte Frau G. in einer Zeit sehr geholfen, als sie ständig unter Panikattacken und Kreislaufproblemen litt und mein Vater im Krankenhaus lag, weil man erst eine Gelbsucht diagnostiziert hatte, aber dann feststellte, dass es doch nur ein Gallenstein war. Wenn meine Mutter wieder einmal von der U-Bahn in das Krankenhaus gefahren worden war, wartete ich manchmal nach der Schule bei Frau G., bis sie nach Hause kam, oder aber, wenn es Mama zu Hause schlecht ging, schickte sie mich zu ihr hoch und sie kam dann, und packte meiner Mutter kalte Eisbeutel auf die Stirn.
Als sie ausgezogen war, stand die Wohnung eine ganze Weile leer und sobald meine Eltern aus der Dienstwohnung ebenfalls ausziehen mussten, brachten sie mich, die ich inzwischen siebzehn Jahre alt war, in einem separaten Zimmer der Wohnung als Untermieterin unter, damit ich so bald wie möglich meine eigene Wohnung erhalte, denn in der DDR dauerte das normalerweise ein paar Jahre. Mein Vater bezahlte jeden Monat Fünfzig Mark für das Zimmer, genauso viel, wie später meine eigene richtige Wohnung kostete.
Um in die Küche und das Bad der Hauptwohnung zu gelangen, musste ich stets über den Hausflur, zum Kochen hatte ich eine kleine Elektrokochplatte im Zimmer und zu essen gab es alles, was sich ohne Kühlschrank ein paar Tage frisch hielt. Als einige Monate darauf die neue Pastorin in die Hauptwohnung einzog, musste ich mir mit ihr die Küche und das Bad teilen. Leider begann sie bald eine Liason mit jemandem aus dem Kirchenrat und ich hatte das Gefühl, dass er mich bespitzelte. Ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass er ein inoffizieller Mitarbeiter war, wirklich wissen tue ich es aber nur von ihr, da sie nach der Wende wegen ihrer Stasiaktivitäten suspendiert wurde. Als ich das hörte, musste ich daran denken, wie sie mich, gleich zu Beginn, zum Abendessen eingeladen hatte und mir die ganze Zeit über erzählte, wie sie und ihr Vater vom DDR-Regime drangsaliert worden sind, mit Berufsverboten und was weiß ich. Nun ja, hätte mir vielleicht gleich komisch vorkommen sollen, dass sie das jemandem, den sie nicht kennt, so auf die Nase bindet.
Fortsetzung folgt
Nach einigen Jahren ist Frau Sch. in ein kleines, altersgerechtes Domizil umgezogen und die Wohnung über uns wurde für die Familie des neuen Pfarrers frei, der in unsere Gemeinde kam. Dieser war mir von Anfang an unsympathisch, was sich mit den Jahren noch steigerte und seinen krönenden Höhepunkt und Abschluß in dem Brief fand, den ich von ihm anlässlich meines Kirchenaustritts erhielt, worüber ich an anderer Stelle schon einmal berichtete. Man merkte mit der Zeit, dass er sehr ehrgeizig war, Ehrgeiz gepaart mit einer unangenehmen Härte und Kälte, und während ich mir damals noch dachte, ich bilde mir dieses nur ein, wurde letztendlich mein erster äußerer Eindruck durch sein Handeln und seine Äußerungen bestätigt. Trotzdem konnte er auch sehr charmant sein und aalglatt, überhaupt war es ein äußerst attraktiver Mann. So attraktiv und gutaussehend, dass man sich heimlich, bzw. mein Vater tat es auch offen, fragte, was er mit dieser Frau wollte, welche seine Ehefrau war. Jene gab das Musterbeispiel für etwas ab, was man gemeinhin in Berlin ein Bauerntrampel nennt. Unansehnlich, behäbig und immer irgendwie verhuscht und geduckt, mit dem Gebaren einer Dienstmagd, war sie jedoch von der ganzen Familie noch diejenige, die am freundlichsten und menschlichsten wirkte.
Die beiden Söhne, Zwillinge, kamen zumindest vom Aussehen her ganz nach ihrem Vater und es dauerte nicht lange, bis jeder festgestellt hatte, dass sie unausstehlich waren.
Sie zogen im Alter von ca. 5 Jahren ein, also für unseren höfischen Spielkreis viel zu jung, nichtsdestotrotz versuchten wir anfangs, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlen, mit ihnen in Kontakt zu kommen und bei einigen Spielen zum Mitmachen einzuladen. Doch wir merkten bald, dass sie daran kein Interesse hatten, im Gegenteil, es schien ihnen viel mehr Spaß zu machen, unsere Spielrunden zu stören und sich mit einer großspurigen Dreistigkeit über unsere Einfälle lustig zu machen. Da sie immer zu zweit waren, fühlten sie sich anscheinend mächtig stark, mußten aber bald einsehen, dass wir, die wir zu dritt waren und außerdem viel älter und größer, uns von ihnen unseren Spaß nicht verderben lassen würden. Es endete damit, dass niemand mehr etwas mit ihnen zu tun haben wollte und sie weiterhin alleine spielten, nur S. der Bruder von Susi, der ungefähr im gleichen Alter war, schloß sich ihnen manchmal an, allerdings hatte man den Eindruck, dass sie ihn teilweise ganz schön fertig machten, jedenfalls kam er oft heulend angelaufen.
Auch meine Eltern hatten, nachdem der neue Pfarrer mit seiner Familie eingezogen war, keine Ruhe mehr, denn eine Etage über uns hatte man das große Durchgangszimmer, welches bei uns als Wohnzimmer diente, anscheinend zum Fußballzimmer umfunktioniert.
Darüber, im Dachgeschoss, wohnte Familie B., jedoch kann ich mich nur noch an die hagere, dunkelhaarige Frau und den schon jugendlichen, älteren Sohn erinnern, der immer in Parka und Sandalen herumlief und schon die 10. Klasse, bzw. später seine Ausbildung absolvierte. Eines Tages schnappte ich, wahrscheinlich von meinen Eltern, das Gerücht auf, dass er schräg nach unten in das Badfenster des Kantors gespannt hätte, um dessen Frau beim Baden zu beobachten. Da ich nicht glaube, dass sich das jemand ausgedacht hat, wird es wohl so gewesen sein, und das Spannen ist in diesem Haus wegen der Winkelform wirklich einfach, da man so über Eck leicht in die Fenster auf der anderen Seite einsehen konnte. Im Vorderhaus hatten die Wohnungen viel weniger Zimmer und liefen parallel zur Straße, die im übrigen vor unendlichen Zeiten eine Spielstraße gewesen ist. Ich kann mich noch an Tage erinnern, als dort kaum ein Auto fuhr und ich mit meinem Bruder mitten auf der Straße Rollschuh gelaufen bin. Leider wurde schon ziemlich bald die Kleingartenanlage, die sich bis weit hinter die Kirche erstreckte, abgerissen, und danach Neubauten errichtet. Darauf war es dann vorbei mit der Spielstraße.
Im Paterre im Vorderhaus wohnte der Hausmeister, welcher gleichzeitig der Opa meines Spielfreundes M. war. Ganz früher hatten er und seine Frau einen schwarzen Pudel, der, wenn ich mich richtig entsinne, Hasso(?) hieß, aber schon bald gestorben ist. M. hielt sich tagsüber, wenn seine Eltern, die im Dachgeschoß des Vorderhauses wohnten, sich auf Arbeit befanden, immer unten bei seinen Großeltern auf. Zu dieser Wohnung gehörte nach hinten, auf den Hof raus, ein winziger (Vor)Garten, der liebevoll von der ganzen Familie gepflegt wurde und aus welchem wir manchmal Schnittlauch stibitzten, um darauf herumzukauen.
Die Wohnung über der des Hausmeisters und unsere Nachbarwohnung hatte stets der Kantor inne. In meiner Kindheit war das der Herr P., ein langer, schlaksiger, schwarzhaariger und immer gut gelaunter Mann mit einer dicken Brille, der irgendwie auf eine gewisse Art aristokratisch wirkte, ja, heute würde ich dazu fast tuntenhaft sagen, aber gerne Witze erzählte und Späße machte. Seine Frau sang in einem bekannten Rundfunkchor und da mein Zimmer direkt neben ihrem Bad lag, beide nur durch eine dünne, eingebaute Rabitzwand getrennt, hörte ich sie dort jeden Abend ihre Stimmübungen machen und wie eine Nachtigall trällern. Im übrigen war sie, genauso wie er, stets gut gelaunt und fröhlich, aber das hatte wohl nicht viel über ihre Ehe zu sagen, denn irgendwann ließen sie sich scheiden. Der Herr P. war auch der Leiter des Kirchenchores, zu dem ich wöchentlich ging, wobei der Begriff Kirchenchor für die paar Hansels ziemlich übertrieben wirkt. Und wenn ich nicht gerade in der Kirche vorsingen mußte, solche Auftritte habe ich schon damals gehasst, aber mich noch von Erwachsenen und Eltern überreden lassen, hat es mir großen Spaß gemacht. Generell fand ich die Nachmittage im Kirchenchor und bei der Christenlehre immer viel schöner, als die Pioniernachmittage in der Schule. Irgendwie war das alles familiärer ungezwungener, wahrscheinlich auch, weil nur wenige daran teilnahmen. In der Christenlehre spielten wir lustige Spiele (besonders gerne spielte ich eines, bei welchem man blind die Umrisse eines auf Pappe aufgedruckten Gegenstandes erfühlen und dann erraten musste, was es ist), bekamen Geschichten erzählt oder sangen Lieder. Zu Weihnachten stand in der Mitte des quadratischen Tisches, um den wir uns versammelten, jedes Jahr ein schönes Weihnachtsgesteck. Und ich hatte natürlich den riesigen Vorteil, dass ich nur im Haus eine Treppe höher steigen musste, um dort zu sein, genauso, wie ich in den Kindergarten nur durch das Hinunterlaufen einer Treppe gelangte. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich heute so eine Abneigung gegen lange Wege habe und immer zu faul bin, diese auf mich zu nehmen. Eben verwöhnt.
Aber zurück zu Herrn P. Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, als ich im Wohnzimmer an unserem alten verstimmten Klavier saß und vor mich hinklimperte. Ich konnte nie richtig Klavierspielen, hatte mir aber selbst beigebracht, durch Ablesen von Noten und einer mit Faserstift aufgemalten Markierung des C auf den Tasten, einzelne Lieder aus einem Kinderliederbuch mit zwei bis vier Fingern nachzuspielen und dazu zu singen. Dies tat ich wieder einmal mit voller Inbrunst und bei geöffnetem Fenster, als ich, nachdem ich geendet, ein lautes Klatschen hörte. Neugierig lief ich zum Fenster und da stand die Frau des Kantors, die gerade ihren Trabi auf dem Hof gewaschen hatte, und applaudierte zu mir hoch. Ein kleines bißchen war es mir ja peinlich, aber irgendwie überwog doch die Freude über diesen unverhofften Applaus. Der Herr P. hat übrigens später die Gemeinde verlassen und statt dessen im damals neuen Schauspielhaus Berlin Orgel gespielt. Danach ist ein Kantor gekommen, mit schmalzigen Kringellöckchen, Brille und mürrischem Gesicht, der irgendwie auf mich ebenfalls eher unsympathisch wirkte. Nun sang nebenan im Bad niemand mehr, aber dafür hörte ich ihn fast jeden Abend zusammen mit seiner Frau baden. Als ich den anderen Kindern dies erzählte, fanden sie das irre lustig und sagten das sofort ihren Eltern weiter. Schließlich wußte jeder im Haus, dass der Kantor zusammen mit seiner Frau in der Badewanne badet, aber was soll's - er wird darüber hinweg gekommen sein.
Als ich irgendwann das Alter erreicht hatte, wo ich nicht mehr auf dem Hof spielte, sondern stattdessen Westradio, mit den neuesten Popsongs und Charts hörte (und nicht nur das - ich sang auch gerne mit), beschwerte er sich einmal bei meinem Vater, dass ich ständig JAZZ höre. Nun ja, Jazz ist etwas völlig anderes und bis auf Swing überhaupt nicht mein Fall, aber ok, als Kantor soll man zum Glück nur Orgel spielen können.
Fortsetzung folgt
dass RATTANAPORN ein weiblicher Vorname ist, aber hier heißt tatsächlich jemand so.
Ich meine, Rattana würde ja noch gerade so gehen, obwohl ich dabei an Rattanmöbel und entsprechende Firmen denken muß, aber dieses Porn am Ende - ich wage mir nichts weiter dazu vorzustellen.
Doch wenn ich bei Google nachschaue, scheint der Name nicht mal selten vorzukommen. Was es alles gibt...
Aufgekommen ist er im alten China, niemand weiß, wie oder durch wen, aber der Legende nach wurde er durch eine Schar von Leuten überliefert, die "Kinder des gespiegelten Lichts" genannt wurden, angeblich über zwei Meter groß waren, seltsame Kleidung trugen und irgendwo hoch oben in den Bergen hausten. Sie sollen unermessliches Wissen besessen haben und spurlos verschwunden sein, sobald sie es an die Einheimischen weitergegeben hatten.
Dieses Wissen sickerte über die Jahrtausende durch, wobei es auch in den Buddhismus, den Konfuzianismus und sogar in das Christentum Einlaß fand, bis es schließlich in Form von Tai-Chi, I-Ging, Akupunktur und Feng-Shui, um nur einige der bekannteren Überlieferungsformen zu nennen, zu uns modernen Menschen gelangte.
(aus "Handbuch für den gewitzten Stadtkrieger")
Die Gesellschaft konditioniert euch in einer Weise, die Liebe unmöglich macht und nur Hass zulässt....
Die Politiker und die Priester stecken seit Urzeiten unter einer Decke. Sie erniedrigen die Menschheit zu einer Masse von Sklaven. Sie zerstören jegliche Möglichkeit zu rebellieren im Menschen - und Liebe ist Rebellion, weil Liebe ausschließlich auf das Herz hört und sonst nichts.
Liebe ist gefährlich, weil sie dich zu einem Individuum macht. Doch der Staat und die Kirche wollen keine Individuen, unter keinen Umständen. Sie wollen keine Menschen, sie wollen Schafe....
Für Menschen mit Liebe kann es keine Nationen geben. Nationen existieren auf der Grundlage von Hass. Die Inder hassen die Pakistani und die Pakistani hassen die Inder - nur so können diese beiden Länder existieren. Wenn Liebe herrscht, werden die Grenzen verschwinden. Wenn es Liebe gibt, wer wird dann Christ und wer Jude sein? Wenn Liebe herrscht, werden die Religionen verschwinden...
Genauso wie der Körper atmen muss, um zu leben, muss die Seele lieben, um zu leben....Indem sie deine Liebesenergie vergiften, erzeugen sie eine Spaltung in dir....So bist du immer im Konflikt mit dir selbst. Und in diesem Konflikt wird deine Energie vergeudet....
Liebe schärft die Intelligenz, Angst stumpft sie ab. Aber wer will schon, dass ihr intelligent seid? Zu allerletzt die, die an der Macht sind. Wie können sie wollen, dass ihr intelligent seid? Dann würdet ihr nämlich anfangen, ihre ganze Strategie und ihre Spiele zu durchschauen....
Wenn du voller Hass bist, verwundest du zunächst einmal dich selbst. ..Und ob der andere dabei verletzt wird, hängt von ihm selbst ab....Womöglich ist der andere ein Buddha und lacht einfach darüber. Er verzeiht dir vielleicht und reagiert gar nicht auf deinen Hass.... Wenn du ihn nicht aus der Ruhe bringen kannst, kannst du nichts machen. Du wirst dich ihm gegenüber machtlos fühlen...
Aber eines ist absolut sicher: dass du, wenn du jemanden hasst, zuerst deine eigene Seele auf vielerlei Weise verletzen musst. Du musst so voller Gift sein, dass du dein Gift auch auf andere werfen kannst...
Liebe sollte das Allernatürlichste sein, ist es aber nicht...Hass ist sehr einfach geworden. Ihr werdet dazu angeleitet zu hassen, ihr werdet dazu trainiert...
Ein Nationalist zu sein heißt voller Hass auf andere Nationen zu sein....
Die sogenannten Religionen reden immerzu von Liebe, doch alles, was sie in der Welt bewirken, ist mehr und mehr Hass. Die Christen reden von Liebe und haben immer nur Kriege geführt und Kreuzzüge veranstaltet. Die Mohammedaner reden von Liebe und haben immer nur ihre Dschihads, ihre Heiligen Kriege geführt. Die Hindus reden von Liebe, aber ihr könnt es in ihren Schriften nachlesen - sie sind voller Hass auf andere Religionen. Und wir akzeptieren all diesen Unsinn! Wir akzeptieren ihn ohne jeden Widerstand, weil wir dazu erzogen wurden, es zu akzeptieren....
Die Liebe ist vergiftet, aber nicht zerstört worden....Du kannst dich entgiften. Du kannst alles erbrechen, was die Gesellschaft dir aufgezwungen hat. Du kannst all deine Glaubenssätze und Konditionierungen auf den Müll werfen - du kannst frei sein. Die Gesellschaft kann dich nicht ewig als Sklaven halten, wenn du beschließt, frei zu sein.
(aus "Mut" von Osho)
Auf irgendeine Weise hatte ich das Steigen und Sinken dieses harten schweren Gebildes, meines Bewußtseins, in der Hand. Unentschieden war, ob ich - wer: ich? - wieder aufsteigen würde, ich hielt mich in der Schwebe, ein schmerzfreier Zustand.
(aus "Kassandra" von Christa Wolf)
die Barthaare seines Zuglufttigers für eine riesige Spinne hält und panikartig, unter plötzlichen Schweißausbrüchen, davor zurückschreckt, sollte man sich vielleicht doch eingestehen, unter einer Spinnenphobie zu leiden. :-/
Zuglufttiger
Originally uploaded by Weltentanz - Fluchtpunkte im Blickwinkel.
Irgendjemand schnarcht so laut bei offenem Fenster, dass selbst ich nicht schlafen kann. Allerdings weniger, weil die Lautstärke mich wach hält, im Gegenteil, bei mir kommt es eher leise an, aber dafür klingt es, als ob auf meinem Balkon ein Bär oder ein anderes großes Tier schnauft. Ich weiß zwar, dass dort keines ist, doch wahrscheinlich sind es meine Urinstinkte, die mich trotzdem wach-sam bleiben lassen. :-/
Gestern war die x-te Entrümpelungsversammlung bei meinen Eltern zu Hause, wo wir wie jedesmal zentnerweise Papier und Kartons weggetragen haben. Meine Mutter hatte wieder bergeweise alte Bücher aussortiert, die der Altpapierentsorgung zugeführt werden sollten, und in diesen habe ich mehrere Fotobücher von meinem Vater gefunden. In früheren Jahren hat er oft fotografiert, er besitzt auch eine teure, aber alte Fotoausrüstung, die inzwischen seit ca. 20 Jahren irgendwo verstaubt. Anscheinend hat er sich, so wie es seine Art war, ebenfalls gleich jede Menge Literatur dazu besorgt. Ich habe die alten Bücher gerettet und mitgenommen, denn auch wenn sie aus den 50iger Jahren sind und über Analogfotografie, die Gestaltungsform vielleicht nicht mehr ganz der heutigen Mode entspricht, so bleiben doch gewisse Gestaltungsgrundlagen und Tips betreffend Licht, diverse Filter usw. dieselben. Eigentlich fotografiere und gestalte ich meist rein intuitiv, wobei sich mit der Erfahrung und im Vergleich das Wissen fast von alleine einstellt, aber so ein paar Tips schwarz auf weiss können mitunter auch sehr nützlich sein und in der Fotocommunity bekommt man die nicht. Ich habe aber immer gezögert, mir moderne Fotoliteratur zuzulegen, weil ich finde, dass die unverschämt teuer ist, ohne dass man weiß, ob wirklich hilfreiche Hinweise darin enthalten sind. Meistens ist diese Literatur nämlich entweder für absolute Anfänger, was mir nicht viel bringt oder in totalem Fachchinesisch für Profis, was mich dann auch nicht weiter bringt.
Vielleicht kann ich ja jetzt aus den alten Büchern noch etwas lernen, wobei ich sowieso finde, dass sich gerade in altem Zeugs manchmal noch sehr brauchbare Ideen und Ratschläge finden, die später mit der Technisierung dann wieder in Vergessenheit geraten sind. Allerdings nehme ich solche Bücher generell nur als Anregung, denn ich hasse Regeln. Was ich am Fotografieren am meisten mag, sind genaugenommen die Zufälle und Überraschungen, die man manchmal erlebt, wenn man einfach drauflosknipst. Wenn ich mich bei jedem Foto vorher rundum versichert hätte und hundertprozentig wüßte, was mich erwartet, sei es nun von der Lichtwirkung oder in der braven Bildaufteilung nach dem goldenen Schnitt, wäre es nur noch halb so spannend. Mein Motto ist immer, man sollte die Regeln kennen, um sie wenn möglich gekonnt brechen zu können.
Außer den Fotobüchern habe ich auch noch ein altes Stilwörterbuch aus den 50iger Jahren mitgenommen. Ich glaube, darin sind zwar viele Redewendungen und Synonyme in der gebräuchlichen Sprache schon etwas überholt, aber gerade das finde ich interessant, weil es teilweise Redewendungen sind, die man woanders gar nicht mehr findet. Allerdings schaue ich so gut wie nie in irgendwelche Wörterbücher, wenn ich schreibe.
K. meinte, sie hätte irgendwo einen Artikel darüber gelesen, dass Demenz und generell geistige Verwirrung öfter bei Leuten vorkommt, die in ihrem Leben viel mehr geistig gearbeitet und sich beschäftigt haben als andere. Das kann ich mir zwar nicht so recht vorstellen, weil es doch immer heißt, dass die Beschäftigung der kleinen grauen Zellen diese fit hält und behauptet wird, dass selbst Genies erst wenige Prozent ihres Gehirns nutzen, aber wer weiß, vielleicht gibt es darüber auch schon wieder neue Erkenntnisse und man weiß jetzt, dass das Gehirn wie die Gelenke verschleißt, je mehr man damit arbeitet. Also ist es vielleicht ganz gut so, dass ich im Moment sogar zum Denken zu faul bin und mein Gehirn dadurch schone, dass ich viel lieber völlig gedankenlos den Himmel, die Wolken und die Vögel beobachte, sooft ich dazu komme. Der nächste Winter folgt bestimmt, da kann ich noch genug denken.
Endlich habe ich es mal geschafft, früh aufzustehen, um schwimmen zu gehen. Da ich gerne lange schlafe, drehe ich mich dann doch lieber nochmal um, und leider ist es völlig unmöglich, nachmittags oder am Wochenende ab mittags dorthin zu gehen, weil es dann so voll ist, dass man froh sein kann, noch einen Stehplatz im Wasser zu erwischen. Aus diesem Grund bin ich in den letzten Jahren nur noch selten Baden gewesen, denn seit ich voll arbeite, ist kaum noch Gelegenheit dazu. Dabei könnte ich es mir jetzt öfters leisten, auch wenn man 4 € Eintritt zahlt. Als ich noch studiert habe, war ich fast ständig Schwimmen, aber zu diesen Zeiten war es auch noch viel billiger. Da habe ich 3 DM gezahlt, oder so. Aber auch was andere Sachen betrifft, ist es nicht mehr so wie früher. Während ich sonst, wenn ich ca. um 10 h dort war, manchmal das ganze Schwimmbecken für mich alleine hatte, bin ich diesmal schon zu 9 h hingefahren und trotzdem war es bereits ziemlich gut besucht. Allerdings brauchte man noch nicht anstehen, so wie später am Tag. Und auch im Wasser hatte man noch genug Platz. Mit 26 Grad Wassertemperatur war das Wasser geradezu perfekt. Nicht zu kalt, aber auch nicht so warm, dass man beim Schwimmen anfängt zu schwitzen. Ich mag es ja besonders gerne, so im Wasser zu treiben, wenn die Sonne von oben herunterscheint, das Gesicht wärmt und das Wasser ringsumher zum Glitzern bringt. Durch das Metall am Schwimmbeckenrand wird man zusätzlich fast geblendet und das Schwimmbecken wirkt von mittendrin dadurch viel größer. Wenn ich mich nicht gerade in der Sonne treiben ließ, dann tauchte ich, was ich eigentlich gar nicht kann, bzw. ich kann schon an sich tauchen, bloss komme leider nie richtig runter, so dass ich immer ziemlich ungraziös unter der Wasseroberfläche herumpaddle. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Bei diesem Wetter läßt es sich dort wirklich am angenehmsten aushalten. Doch als sich das Schwimmbad dann langsam füllte, zog ich mich wieder auf einen der begehrten Plätze unter einem Baum zurück, wo ich mich von der Sonne trocknen ließ, die mitgebrachten Brötchen frühstückte und noch ein wenig las, bevor ich mich mittags, als die Massen anrollten, wieder auf den Heimweg machte.
tritt besonders gehäuft in den Sommermonaten auf. Der Grund dafür sind impertinente Vampire, die sich daran gerne bis zum Umfallen besaufen. Dem Aussehen der Stiche an meinem Körper nach zu urteilen, gibt es unter ihnen Arten mit verschiedenen Beisswerkzeugen. Die normalen Mückenstiche sind einfach ein bißchen angeschwollen und jucken. Dann gibt es aber noch welche deren Stiche sind münzengroß, tiefrot und sie brennen mehr, als dass sie jucken. Von diesen "Feuermalen" habe ich inzwischen drei am Körper und von den Mückenstichen, ich habe nachgezählt, 20 Milliarden. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als würde dieses mal wieder ein Sommer werden, in dem es mehr Schmetterlinge als blutsaugende Insekten gibt. Doch nun scheinen sie langsam aufzuholen. Und statt sich einfach nur an einer Stelle niederzulassen und ihren Wirt leer zu saugen, müssen sie auch noch am ganzen Körper Probebohrungen durchführen, bis man aussieht als habe man die Beulenpest.
1. Fünf Haustiernamen, die überhaupt nicht gehen.
Keine Ahnung. Solange es nicht meine Haustiere sind, ist mir der Name relativ egal. Abartig finde ich aber immer diese adligen Namen wie Diane von Buxtehude o.ä.
2. Fünf Erlebnisse, auf die du keinen Wert legst.
Krankenhausaufenthalt, nicht mehr in die Wohnung kommen, weil Schlüssel vergessen, Vernissagen, Sitzungen, Tagungen, Versammlungen o.ä., Unfälle
3. Fünf modische Fauxpas.
Leggins, Plateau-Turnschuhe oder Turnschuh-Pantoletten, zu kurze Ärmel oder Hosenbeine, falsche Rock- oder Hosenlänge bei dicken Waden, zu enge Klamotten besonders bei Korpulenz
4. Fünf Musiktitel, die bodenlose Abscheu in dir auslösen.
Eigentlich die meisten dieser typischen Pop-Balladen, also das, was auf den Kuschelrock-CDs drauf ist
5. Fünf Nahrungsmittel, die du schon am Geruch nicht erkennen möchtest.
Trüffel, saure Milch, Paprika, Porree, Whiskey
Wieso hab ich eigentlich bei Ingmar Bergman-Filmen immer den Eindruck, dass er ein Mitglied der Familie ist oder zumindest doch meine Familie gut zu kennen scheint, bis in die tiefsten Winkel hinein, von denen noch nicht einmal ich spreche. Manchmal könnte man meinen, er hat sich bei uns die Inspirationen zu seinen Filmen geholt. Das ist richtig unheimlich.