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Mittwoch, 26. Juli 2006

Kurze Reportage im Fernsehen

Eine Gruppe junger Amerikaner auf Pub-Sightseeing in Berlin, anscheinend eine neue Trend-Tourismus-Form. Der Berichterstatter interviewt vor einer Kneipe eine junge Frau, welche völlig aus dem Häuschen ist und sich vor Begeisterung (oder Alkohol) kaum noch halten kann:
"Wir dachten immer Berlin sei langweilig (Anmerk.: natürlich sagt sie das alles auf Amerikanisch, aber der Einfachheit halber schreibe ich sofort die Übersetzung). Aber hier kann man richtig abfeiern und....TRINKEN! Das ist so cool hier! Ich liebe es! Ich sehe meine Freundin gar nicht mehr. Sie liebt es zu saufen. Es ist so super, yeahhhh!"

Ähm, was haben die denn gedacht? Dass in Berlin Prohibition herrscht? Verwechseln die da nicht irgendwas? Oder dachten sie, die Kneipen sind nur Filmkulisse? Und staatlich subventioniert um überleben zu können? *kopfkratz*

Montag, 24. Juli 2006

Mein Elternhaus - Das Haus

Mein Elternhaus war ein großzügig geschnittener, vierstöckiger Altbau mit einem Vorderhaus und zwei Hinterhäusern. Ursprünglich befanden sich in dem Haus Etagenwohnungen mit zwei Bäder und zwei Eingängen, jeweils einer davon für die Dienstboten gedacht, die ihre kleine Schlafkammer gleich neben der Küche hatten. Da es zu meiner Zeit keine Dienstboten mehr gab, waren die Etagenwohnungen in zwei Wohnungen geteilt worden. Wir wohnten in einem Teil, der noch beide Eingänge hatte. Einen offiziellen und schönen mit einer großen Diele im Vorderhaus und einen "Dienstboteneingang" im Hinter-, bzw. Mittelhaus, über den man auf den Hof oder in das nächste Hinterhaus gelangte und welcher sich am Ende eines engen und dunklen Korridors befand, von welchem man Zutritt zur Küche, dem "Dienstbotenbadezimmer", was nun ein reguläres war und zu der kleinen Schlafkammer hatte.

Im letzten Hinterhaus gab es nur eine einzige bewohnte Wohnung ganz oben unter dem Dach. Im Erdgeschoß lag dagegen der Kindergarten, in welchen ich gegangen bin, und dazwischen im zweiten und dritten Stock erstreckten sich große Gemeindesäle, wo solche Veranstaltungen wie Christenlehre, Konfirmandenunterricht, Weihnachtsfeiern, Bibelkreise und Kirchenchorsingen stattfanden.

In der einzigen Wohnung lebte ein älteres Ehepaar, von dem ich mich dunkel entsinnen kann, dass es neben dem Kindergartenspielplatz, auf welchem ich mit meinen Freunden auch dann spielte, wenn kein Kindergarten war, da meine Eltern einen Schlüssel dazu vom Hausmeister bekommen hatten, auf einem Gelände, wo später nur noch eine große Baugrube prangte, einen kleinen Schrebergarten besaß. Diese Gärten wurden ziemlich früh alle platt gemacht und danach war dort gar nichts mehr, obwohl es immer so aussah, als ob etwas gebaut werden sollte. Die Baugrube war jedoch stets so voll Wasser, dass im Winter sämtliche Kinder der Umgebung auf ihr Schlittschuh liefen. Von den Gärten blieben nur die Brombeersträucher am Zaun, die wir im Sommer stets fleissig abernteten, was allerdings etwas mühselig war, da wir dazu unter dem Zaun durchkriechen mussten.

Ganz früher, als es die Gärten noch gab und ich sehr klein war, existierte außerdem in der Mauer, die den Kindergartenspielplatz nach einer Seite hin abschloß, ein Durchgang zu einem Kohlenhof. Wenn wir auf dem Spielplatz spielten was eigentlich Sommers wie Winters ständig der Fall war, konnten wir regelmäßig den alten Mann beobachten, wie er mit einer leeren Kiepe dort hindurchging und mit ihr voll beladen mit Kohlen wieder zurückkehrte, sie mühselig auf dem Rücken tragend und nach oben schleppend. Irgendwann kam er nicht mehr. Danach wurde der Durchgang nie mehr genutzt. Von meine Eltern erfuhr ich durch die Gespräche bei Tisch, dass er einen Schlaganfall hatte und nun, völlig gelähmt, von seiner Frau in der Wohnung unter dem Dach gepflegt wurde. Die Frau war immer sehr nett zu uns Kindern, winkte oft von oben aus dem Fenster und warf uns dann Bonbons hinunter.

Die Wohnung unter unserer eigenen war die Küsterwohnung. In ihr lebte zuerst ein Herr H., welcher ziemlich korpulent war. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater oft zu ihm in seinem Büro Plaudern ging und mich mitnahm. Ich bekam dann immer ein Solitaire-Spiel verpaßt, mit dem ich spielen sollte und es auch tat, ohne es zu können. Eines Tages klingelte es an unserer Tür und zu dieser Zeit hatte ich noch die Angewohnheit, schneller als meine Eltern dort zu sein und durch den Briefschlitz zu schmulen. Natürlich bekam das jeder, der vor der Tür stand mit, ebenso wie das, was ich sagte, aber dies war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewußt. Also schrie ich lauthals, als ich den Klingler identifiziert hatte: "Der dicke, fette Herr H.!".
Meinem Vater war das furchtbar peinlich und als er die Tür öffnete, fragte er gleich verlegen lachend, ob er das gehört habe. Die Antwort bekam ich nicht mehr mit, denn völlig bedröppelt von der plötzlichen Erkenntnis, dass Hr. H. das mitbekommen haben könnte, verkroch ich mich in meinem Kinderzimmer.

Und da fällt mir ein, dass vor dem Hr.H. noch jemand in der Wohnung gelebt haben muss, denn ich kann mich an ein schwarzhaariges Mädchen erinnern, welches mit mir zusammen in meinem allerersten Zimmer, der Dienstbotenschlafkammer, den Kachelofen mit Abziehbildern dekorierte, wenn man es denn so nennen will. Ich kann da allerhöchstens zwei bis drei Jahre alt gewesen sein, denn zu dieser Zeit passte ich noch vollständig mit Kopf und allen Gliedmaßen in die Kommode, welche in diesem Zimmer stand. Das weiß ich deshalb so genau, weil wir, wenn mein Spielfreund zum Spielen bei mir war, kurzerhand alle Sachen hinaus schmissen, und uns selbst in das Schrankfach falteten. Da die Kommode noch bis zu meinem Auszug Bestandteil meiner Zimmereinrichtung war, fragte ich mich später so manches Mal, wie sowas möglich sein kann, dass es eine Zeit gab, wo ich in dieses kleine Fach hineingepasst habe.

Später zog in die Küsterwohnung die nachfolgende Küsterin mit ihrem Mann und zwei Kindern ein, von welchen eines meine neue Spielfreundin werden sollte. Sie war zwar etwas jünger, etwas pummelig, aber für ihr Alter immer ziemlich weit. Außerdem trug sie genau denselben Namen wie ich. Damit es zu keinen Verwechslungen kommt, behielt ich auf gemeinsamen Beschluß aller Kinder des Hofes meinen schon eingeschliffenen Spitznamen "Sanne", während sie nur noch "Susi" gerufen wurde.

In der Wohnung über uns wohnte früher ein alter Pfarrer mit seiner Frau. Der Pfarrer hatte die Angewohnheit manchmal, wenn wir auf dem Hof spielten, aus dem Fenster zu schauen und eine Krähe nachzuahmen, die laut krächzt, oder auch eine Taube, Uhu bzw. was ihm sonst so einfiel. Das fanden wir natürlich sehr lustig. Ziemlich früh und plötzlich ist er gestorben und ab da lebte die Frau Sch. viele Jahre alleine in der großen Wohnung. Ab und zu bekam sie in den Ferien Besuch von ihrem Enkelsohn, mit dem ich auch sehr gerne spielte. Mit ihm konnte ich nämlich gut rangeln, was ich mit M., meinem "Hauptfreund", nicht konnte, da er so weichlich war. Allerdings fand ich bald seine Begeisterung für Körperkontakt etwas übertrieben, denn jedesmal, wenn ich beim Ringen auf ihm lag, rief er sowas wie "Oh, das war toll! Wollen wir das nochmal machen?" Seine Oma buk uns manchmal leckere Kartoffelpuffer und brachte sie uns mitsamt einer Zuckerdose auf den Hof, wo wir sie brüderlich miteinander teilten.

Fortsetzung folgt

Die Geschichte, die NICHT "Das Geheimnis des Zarengoldes" heißt - Teil 27

Die Entfernung zwischen „Sturmvogel“ und „Wasilissa“ dagegen verringerte sich sehr viel langsamer, aber zunehmend. Schon konnte man mit bloßem Auge die Mannschaft sehen, die geschäftig an Bord des Kanonenbootes umherwuselte. Auch diese hatten den fremden, auf sie zusteuernden Dreimastschoner bereits im sich lichtenden Morgendunst entdeckt. Eine wärmende Sonne strahlte nun ungehindert auf das smaragdfarben schimmernde Meer hinunter. Peter hockte trübsinnig in einer Ecke auf dem Deck und starrte auf einen krummen Nagel, der aus der Bordwand ragte. Ein hagerer Schatten fiel über ihn und der Schiffsjunge blickte auf.
„Warum hast du zugestimmt?“ Die blauen Augen von Wilfrid Zeew schauten ihn fragend an.

„Ich, ich konnte nicht anders.“ stotterte Peter. „Er hat gesagt, er wirft mich sonst über Bord.“

„Wer?“

„Na der Käpt’n.“

Zeews Augen verengten sich und auf seinem Gesicht erschien eine gläserne Härte. Dann setzte er sich neben Peter auf das Deck und schwieg. Er suchte nach etwas an seinem Gürtel und reichte dem Schiffsjungen schließlich ein Messer.

„Nimm das. Du wirst es drüben brauchen können.“

Peter bedankte sich und wurde ein klein wenig rot. Das Messer hatte einen Elfenbeingriff, in den etwas eingraviert war, und machte den Eindruck, schon oft benutzt worden zu sein. Vielleicht war es ein Andenken. Peter fühlte sich heimlich hingezogen zu dem schlaksigen jungen Mann. Nicht erst jetzt, auch früher schon hatte er ihn beobachtet und gefunden, dass er völlig anders war als die meisten auf dem Schiff. Man merkte ihm an, dass er eine gute Bildung und Erziehung genossen hatte, und im Gegensatz zu den anderen Männern schien er einigen moralischen Grundsätzen zu folgen. Trotz seines unübersehbaren Ehrgeizes gepaart mit einem manchmal etwas arrogantem Auftreten, wirkte er nie gierig und dachte in jeder Situation stets auch an die ganze Mannschaft. Und nun fasste der Schiffsjunge Vertrauen zu ihm.

„Woher kommst du?“ fragte Peter seinen älteren Freund.

„Aus Holland.“ antwortete der einsilbig.

„Und deine Familie?“

„Tot.“ Peter schauderte bei dieser Antwort, obwohl er dasselbe Schicksal mit ihm teilte. Doch im Munde eines anderen hörte es sich grauenhafter an, als er es selbst empfand. Der Schiffsjunge wagte nicht genauer nachzufragen und Zeew blieb stumm, bis er mit einem Mal anfing zu erzählen.

„Mein Vater war ein holländischer Kaufmann und kreuzte mit mir und meiner Mutter vor Madagaskar, um dort eine neue Existenz aufzubauen, als wir auf das Piratenschiff trafen. Sie töteten alle, mich nahmen sie mit. Ich wurde ihr Schiffsjunge, so wie du es jetzt bist. Ich glaube, ich bin der einzige, der überlebt hat.“

„Und du bist hier geblieben?“

„Wo hätte ich sonst hin sollen?“

Ja, wo hätte er sonst hin sollen, wo sollte Peter sonst hin? Er konnte wieder in Sansibar betteln gehen und gerade im Moment wäre er nirgendwo lieber gewesen als dort. Er wäre zwar alleine, ohne die fragwürdige Sicherheit der „Familie“, die ihn nun in Form der Schiffsmannschaft umgab, aber wahrscheinlich würde er dafür den nächsten Sonntag noch erleben.

Völlig in ihre eigenen Gedanken versunken saßen beide da und starrten vor sich hin, während das Leinen der Segel in vertrauter Weise leise und unrhythmisch gegen die Taue klatschte.

Sonntag, 23. Juli 2006

Das Nachtlager ist bereitet...

Es ist unglaublich - sobald ich aus der Dusche und in meinen Bikini gestiegen bin, klebe ich schon wieder überall. Zwischendurch war es kurzzeitig besser, weil die Wolken verschwanden und der blaue Himmel hervorkam. Sofort war es viel angenehmer und erträglicher, weil die Wolken die Hitze anscheinend wie eine Glocke unten halten. Doch inzwischen ist der Himmel erneut bewölkt. Und mein 2x2 Meter Balkon mutiert so langsam zu einem Ess-, Wohn- und Schlafplatz, denn wirklich aushalten kann man es nur draußen.

Als ich mittags auf der Matratze ein kleines Nickerchen hielt, flog plötzlich ein Vogel auf das Futterhäuschen, wo aber natürlich nichts drin ist. Er dachte wahrscheinlich, er hat sturmfreie Bude und als er mich dann unten liegen sah, war er sichtlich etwas verwirrt und lugte mißtrauisch zu mir herunter, bis er sich entschloß, weiterzufliegen. Damit hatte er wohl nicht gerechnet, dass ich mich schon auf dem Boden häuslich eingerichtet habe. *gg*

Ansonsten merke ich, dass mich diese erzwungene Untätigkeit langsam etwas hibbelig macht. Vor einigen Monaten konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als den ganzen Tag faul rumzuliegen. Doch so auf Dauer möchte man irgendwie auch mal wieder was Vernünftiges machen, nur bei dieser Hitze ist das fast unmöglich. Selbst im Haushalt mache ich nur das Allernötigste, weil alles doppelt so sehr anstrengt. Ich glaube, wenn ich solche Hitze das ganze Jahr über hätte, dann würde ich in meinem Zuhause total versumpfen. Schon das Einkaufen ist mir zuviel, allein das leckere Eis motiviert, in den Supermarkt zu gehen und dort die benötigten Getränke und ein bißchen was zu essen zu holen. Da die Sohle meiner Sandalen fast auseinander fällt - ein großer Riß klafft quer durch den Schuh - müßte ich eigentlich auch neue Schuhe kaufen gehen, da dies meine einzigen Offenen sind und was anderes einfach zur Zeit nicht tragbar ist. Aber schon der Gedanke ans Shoppen gehen treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Selbst zum Schreiben oder PC-Schrauben ist es zu heiß - viel zu heiß zum Denken und auch, wenn meine Festplatte dringend aufgeräumt werden müßte - no way! Am besten keinen Finger rühren! Das einzige, was ich noch regelmäßig mache, ist Blumen gießen, und auch dass dann mehr als lebensrettende Maßnahme. Komischerweise scheint sich meine Orchidee bei diesem Klima richtig wohl zu fühlen. Zuerst, nachdem die Blüten abgefallen waren, sind die Luftwurzeln vertrocknet und ich dachte, sie ist erledigt. Dann sah ich, dass sie trotzdem ein neues Blatt bekommt und jetzt, wo alle andere Pflanzen schon braune Flecken haben, wachsen vollkommen neue, saftige grüne Luftwurzeln. Ich bin ja echt gespannt, wie lange dieser Sommer noch so weiter geht.

Samstag, 22. Juli 2006

...

Möglicherweise ist es gar nicht das Cholesterol. Vielleicht ist der Anstieg der Herzinfarkte auf die massive Zuwanderung irischer Kobolde zurückzuführen.
(aus "Das Model und der Schnüffler" - "Somewhere under the rainbow")

Mir ist da heute so eine Idee gekommen...

Ja, ich weiß, ich habe öfters mal irgendwelche Ideen, um nicht zu sagen ständig, und jetzt hat sich eben wieder eine eingenistet, aber wie ich finde, keine schlechte. Und zwar habe ich ja das Bücherregal im kleinen ZImmer noch nicht wirklich richtig eingeräumt, zumindest nicht so, dass ich irgendwas wiederfinde. Ich habe nur die Bücher, die ich für dieses Regal ausgesucht hatte, kreuz und quer da rein gepfeffert und die anderen im Wohnzimmerregal genauso. Nun kam mir heute so der Gedanke, dass man ein Fach im Bücherregal nur für die Bücher reservieren könnte, die man tatsächlich noch mehrfach zur Hand nehmen wird, da in ihnen so viel Wertvolles steckt, dass man in ihnen immer und immer wieder blättern und lesen kann. Sozusagen eine kleine literarische Hausapotheke. Es gibt sowieso nicht sehr viele Bücher von der Sorte, die meisten liest man und vergißt sie wieder, aber einige eben doch nicht (wie z.B. das Buch mit den feng-shuischen Jahresprognosen, die immer so wahnsinnig zutreffend sind, dass ich es inzwischen jedes Jahr öfters zur Hand nehme). Es gibt auch solche Bücher, die eigentlich nur schreiben, was man schon weiß, aber dies in einer solchen Weise, dass alleine das Lesen eine Bewußtseinsveränderung hervorruft, nur dadurch, dass man noch einmal schwarz auf weiß an gewisse Dinge erinnert wird, die im Alltag so gerne aus dem Bewußtsein verduften. In so einem Regalfach hätte man dann alle wirklichen Schätze griffbereit zur Hand, müßte nicht mehr suchen und es besteht nicht die Gefahr, dass im geistigen Sinn wertvolle Bücher irgendwo in der Versenkung zwischen den anderen Genossen verschwinden. Einige Bücher sind einfach zu schade dafür, in der Versenkung zu verschwinden, wie zum Beispiel auch das gerade ausgelesene "Unfug des Lebens und des Sterbens" von Prentice Mulford. Das ist zwar vielleicht eine etwas unorthodoxe Bücherordnung, aber eine, die sich auf das Wesentliche beschränkt.

...

In diesen neunundvierzig Lebensjahren habe ich zwei indifferente als Matrose auf einem Handelsschiff und einem Walfischfänger verbracht. Auf letzterem war ich Koch, zum Jammer aller an Bord, die in die Wirkungssphäre meiner kulinarischen Missetaten gerieten. Erst als wir auf hoher See waren, entdeckte man, daß ich von der edlen und so nützlichen Kunst des Kochens keine Ahnung hatte. - Da war es aber schon zu spät.
(Prentice Mulford)

Freitag, 21. Juli 2006

Die namenlose Geschichte - Teil 26

Ich hatte rasch die Abdeckplanen von den Möbeln und die letzten Farbspritzer entfernt, die Pinsel gereinigt hatte, auf deren Stielen der Aufdruck „Reine Chinaborsten“ zu lesen war, was mich aber nicht viel schlauer in Hinblick auf die Herkunft der Haare machte, und überlegte nun, was ich mit dem restlichen Tag und dem Urlaub tun sollte. Natürlich war es nur eine infame Illusion Zeit zu haben, denn kaum dachte ich darüber nach, fielen mir tausend Sachen ein, die noch zu erledigen waren. Und die naheliegenste war, einen neuen Teppich zu besorgen. Sorgfältig maß ich mit dem Zollstock den Fußboden aus und notierte mir die Zahlen in meinem Gedächtnis. Dann machte ich mich frisch, zog mir gesellschaftsfähige Klamotten an, eine leichte beigefarbene Sommerhose und gehäkeltes, bauchfreies Top zu offenen Schuhen und schlenderte die Straße zur U-Bahn entlang. Als ich das Haus verließ hatte ich auf der Treppe hinter mir vorsichtig eine Tür schließen hören. Hatte er noch immer nicht genug vom Spionieren? Egal. Ich kümmerte mich jetzt zuerst um das, was vor mir lag, und das war in diesem Moment ein Teppich aus dünnen, knisternden und zusammengerollten Rindenstreifen. Mir fiel auf, wie heiß es geworden war und die Platanen, welche die Straße säumten, warfen ihr Kleid ab, als würde ihnen in der Hitze ebenfalls viel zu warm sein, um noch den kleinsten Fetzen Rinde am Leib zu tragen. Ich war froh, dass ich den Großteil meiner Arbeit geschafft hatte, denn nun, wo sich der Sommer in so massiver Weise ankündigte, würde es schwer werden, anstrengendere Tätigkeiten zu verrichten. Die Hängemattensaison war eröffnet.

In der Hitze lief alles gemächlicher ab, selbst auf der U-Bahn-Station herrschte bis auf die hindurchrauschenden Züge ein gemäßigtes Tempo. Gemütlich rumpelte der Waggon die alte Hochbahn entlang und ich ging meiner heimlichen Leidenschaft, dem Balkon-Gucken, nach. Dies konnte man in der Bahn besonders gut, da man auf gleicher Höhe mit den eskortierenden Fassaden war, und grinsend bemerkte ich einen alten, schon strohbraun vertrockneten Weihnachtsbaum, der noch immer auf einem der Balkone sein kärgliches Dasein fristete, in Gesellschaft eines Pappmache-Schneemanns, welcher nur wenige Meter weiter auf die Straße hinunter winkte. An meinem Ziel, einem großen Möbeleinrichtungshaus, angekommen, wanderte ich durch die Teppichbodenabteilung, die im übrigen angenehm klimatisiert war, und hatte schon bald einen hell-gemuschelten Schurwollteppichboden entdeckt, welcher sofort mein Herz eroberte. Der Kaufvertrag wurde unterschrieben und der Liefertermin ausgemacht. Einen schönen Tag wünschte mir der junge Verkäufer und den würde ich haben.

Zeitlos bummelte ich die Schaufenster entlang, ohne Absicht noch irgendetwas zu kaufen. Mit solchen Entscheidungen wollte ich mich heute nicht mehr belasten. Stattdessen holte ich mir ein Softeis und ließ mich auf einem der Stühle dicht neben den Wasserkaskaden nieder, welche in der Sonne glitzerten und ab und zu erfrischende Almosen zu mir herüber schickten.
Faul knabberte ich an der Eiswaffel und schaute in die wirbelnden kleinen Strudel, welche das fallende Wasser hinterließ, als ich hinter mir eine Stimme hörte.

„Guten Tag!“

Neugierig schaute ich mich um und da stand der Herr Luchterhand, blass und grau. Eine melierte Strähne fiel ihm vorwitzig in die Stirn, was ihm ein etwas aufgelöstes Aussehen gab und irgendwie überhaupt nicht zu ihm passte. War er mir etwa gefolgt? Er lächelte mich an.

„Na, machst du auch einen kleinen Stadtbummel?“

Ich konnte es nicht glauben, dass er mir gefolgt war, das ging über mein Vorstellungsvermögen. Es musste Zufall sein.

„Ja“ antwortete ich, „ich war neuen Teppichboden kaufen. Setz dich doch!“
Ich zeigte auf den Platz neben mir.
„Das Eis von da drüben schmeckt übrigens sehr lecker. Hol dir doch auch eins.“

Er winkte ab. Dann wollte er wissen, ob ich mit der Renovierung fertig sei.

„Ja“ sagte ich etwas zögernd, denn ich dachte an den gestrigen Abend, „ich hoffe doch.“
und fragte, ob ihm schon mal bei seinen Meißelarbeiten irgendwas an der Bausubstanz des Hauses aufgefallen sei.

„Wieso?“ war seine Gegenfrage und sein Blick erschien mir unangenehm lauernd.

Ich erzählte ihm von dem schmierigen schwarzen Staub, der sich in den Teppich eingenistet hatte und sogar durch die Tapete gekommen war. Er wirkte mit einem Mal sehr unruhig, geradezu besorgt, was mich etwas wunderte, da ich zwar verstehen konnte, dass es mich selbst erschreckt hatte, aber ansonsten glaubte, für jemand anderen würde sich das wohl kaum besonders besorgniserregend anhören. Doch er hing regelrecht an meinen Lippen und wollte wissen, ob noch andere merkwürdige Dinge vorgefallen seien.

„Nein.“ antwortete ich vorschnell, denn gleich danach fiel mir das Püppchen ein. Deshalb verbesserte ich mich und erzählte, halb lachend, wie ich die kleine Puppe in der Mauer gefunden hatte. Da bemerkte ich, dass seine Hände zitterten. Unauffällig starrte ich weiter gebannt auf seine Finger, welche miteinander rangen, sich verkrampften und bebend auf seinen Knien zu erliegen kamen. Plötzlich sprang er auf und erklärte, dass er weiter müsse. Mit hypnotisch aufgerissenen Augen schaute er mich an und sagte stockend, aber deutlich, dass ich auf mich aufpassen solle.

„Aber ich renoviere ja nun gar nicht mehr. Da kann auch nichts mehr passieren.“ beruhigte ich lächelnd.

„Trotzdem!“ insistierte er fast drohend.

„Was meinst du denn damit.....ich verstehe nicht?“ fragte ich von seiner Besorgnis angesteckt ängstlich nach. Doch er antwortete nicht, drehte sich wortlos um und ging.

Sogleich spürte ich unmerklich wieder etwas nagen, tief in mir drin, an meinem Herzen, eine kleine Furcht, bereit sich aufzuplustern und sich breit zu machen, wenn ich ihr nicht Einhalt gebot. Ich nahm mir vor, mit Klaus Luchterhand noch einmal ein ernstes Wort zu reden, denn es erschien mir so, als ob er mehr wusste als ich, über was auch immer. Und ich wollte es wissen. Ich wollte, dass dieser ganze mysteriöse Scheiß ein Ende nahm und sich in Wohlgefallen auflöste.

Nachdenklich fuhr ich nach Hause und erinnerte mich gerade noch rechtzeitig daran im Supermarkt vorbeizuschauen, um Getränkenachschub zu besorgen. In einem der Kramtische entdeckte ich gelbe Quietscheigel, genau dieselben, die ich aus meiner Kindheit kannte und die mir deshalb auf der Stelle sehr vertraut vorkamen. Dabei bemerkte ich, dass es sich um Hundespielzeug handelte und unwillkürlich fragte ich mich, ob man mir wohl Hundetoys zum Spielen gegeben hatte. Gedankenverloren drückte ich während dieser Überlegungen auf einem der Igel herum, bis dieser plötzlich ein lautes „Quiiiiiiek“ von sich gab. Erschrocken zuckte ich zusammen, aber es nützte nichts mehr. Alle Leute im Supermarkt schauten zu mir hinüber, ein paar grinsten auch amüsiert. Nun ja, das hatten sie umsonst. Aber nicht lange, denn ich begab mich zur Kasse und danach schnurstracks auf den Heimweg.

Diesen Abend verbrachte ich völlig allein mit mir und der wunderbaren warmen und windigen Sommernacht auf dem Balkon. Träumend schaute ich in das rote Leuchten des Himmels bis dieses einem klaren schwarzen Sternenteppich gewichen war und genoss dabei das saftige Fleisch einer reifen Wassermelone, welches mit prallem Schmelz auf meiner Zunge zerplatzte und eine herrlich süße Erfrischung in meine Kehle rinnen ließ. Einer der Sterne, dicht neben der Dachrinne, strahlte besonders hell, so hell, dass er alle anderen Sterne überstrahlte. Dann erlosch er von einer Sekunde zur anderen. Wahrscheinlich war er schon vor langer Zeit verglüht, doch viele Lichtjahre von mir, der Erde und unvorstellbar weit von seinem eigenen Ort entfernt, würde sein Licht noch immer weiterleben, weiterfliegen, vielleicht bis in alle Ewigkeit, wenn das All so unendlich ist, wie die Weisen unserer Tage sagen.

FAQs zum Wegwerfen *rofl*

Gefunden auf der Seite www.sofort-mail.de:

Wie unterscheidet sich sofort-mail.de von anderen Anbietern?

Grundlegend ersteinmal aufgrund unserer Pixel. Unsere Pixel wurden nach einem sehr hochwertigem Auswahlprinzip und Prüfungen in Geisteswesen als auch Körper-Tüchtigkeit ausgewählt und diese sind - im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern - von uns fest angestellt worden. Auf unserer Website finden Sie also ausschließlich hoch qualifizierte Pixel, welche geradezu wie ein zubeissendes Krokodil darauf warten, von Ihnen beschäftigt zu werden. Hier hören Sie, was unsere Pixel über Ihren Besuch soeben denken. Weiterer Unterschied zu klassischen Webmail-Anbietern ist der wichtige Faktor, daß Sie von unserem Service aus keine eMails versenden können. Primärer Unterschied ist jedoch, daß Sie sich bei uns nicht zuerst tagelang an das gewählte Kennwort erinnern müssen.

Cool - wie registriere ich mich?

Drucken Sie sich zunächst unter Zuhilfenahme Ihres Computers diese Seite auf Ihrem Drucker aus. Farb-Ausdruck ist von Vorteil. Gehen Sie mit diesem Ausdruck in ein Computer-Geschäft und lassen Sie sich für einen Computer (diese grauen Kästen mit Fernseher oben drauf) beraten. Informieren Sie den Verkäufer, daß Sie auch eine von diesen neuen Schreibmaschinen, einen Fernseher für den Computer und alles Drum und dran benötigen. Besuchen Sie einen renommierten Zoohandel und kaufen Sie eine Maus dazu. Möglichst eine weisse Maus, da diese auch im Halbdunkeln gut zu erkennen ist. Neueste Generationen dieser Mäuse haben einen Erkennungs-Sensor und Piepton bei Druck auf die Maus. Probieren Sie dies im Geschäft aus, bevor Sie sich für ein Modell entscheiden. Nun gehen Sie bitte in ein Geschäft der Telekom und lassen Sie sich einen Telefon- und Internet-Anschluß legen. Haben Sie schon mit den Stadtwerken wegen des Stromanschlusses gesprochen? Nicht vergessen. Auf dem Rückweg sollten Sie kurz bei einem Möbel-Discounter vorbeischauen, damit Ihr neuer Computer nicht einfach auf dem Beton-Boden rumsteht. Fahren Sie zuletzt bei der Studentenvermittlung der örtlichen Universität vorbei und verlangen einen dieser Studenten, der im 27. Semester Informatik studiert, superschlau mit Computers ist, bei einer 60 Watt-Birne eine Sonnencreme benötigt aber noch nicht einmal einen Lichtschalter unfallfrei ein- und ausschalten kann. Informieren Sie das Rote Kreuz, THW und die Bundeswehr über den geplanten Termin zum Anschluß Ihres Computers. Schneiden Sie Ihre Hecke im Garten, mähen Sie den Rasen und kürzen Sie vorhandene Bäume. Ein Rettungshubschrauber braucht verdammt viel Platz. Lassen Sie Ihr Dach orange lackieren, damit Sie auch gefunden werden. Nachdem dann alles geklappt hat, die Verwundeten versorgt und Ihr Stadtteil wieder Strom hat, besuchen Sie unsere Website. Besorgen Sie sich einen Bekannten, der lesen kann und versuchen Sie mit diesem gemeinsam bei grünem Tee und Kerzenlicht herauszufinden, wo man auf dieser Website ein Kennwort eingeben kann. Sie beide sollten jetzt schon Ihr Testament erstellen und somit für die Versorgung der Nachkommen sorgen, die Suche kann etwas länger dauern. Fragen Sie bei dem Sozialdienst Ihrer Stadt nach Essen auf Rädern.


Die gesamten FAQs gibt es unter http://www.sofort-mail.de/index.php?new_a=faq

Ich will mich heute nicht ärgern.

Nein, das will ich heute nicht. Denn ich hatte einen super guten Schlaf, zwar etwas kurz wie immer in der Woche, aber dafür traumlos, tief und ohne Schwitzen. Letzte Nacht ist ein erfrischender Wind aufgekommen, der auch heute schon den ganzen Tag weht, und die Zimmer ein wenig durchgepustet hat. Inzwischen schlafe ich ganz ohne Decke und dieser Kombination - unbedeckt, unbekleidet und ein kühler Luftzug - ließ es sich auch trotz heißer Füße perfekt nächtigen.
Außerdem habe ich jede Menge neue Ideen und es ist bald Wochenende. Heute müssen wir um 14 Uhr alle PCs ausmachen, da irgendwas an den Servern läuft, und ohne PC kann ich sowieso kaum irgendwas erledigen, weshalb ich etwas eher als sonst gehen werde.

Donnerstag, 20. Juli 2006

Die namenlose Geschichte - Teil 25

Ich wartete und es geschah nichts. Nicht die geringste Regung kroch mit dünnen Füßen in mein Bewusstsein. Der Name war mir völlig unbekannt. Kopfschüttelnd schaute ich auf den Wecker. Ich überlegte, ob ich mich noch einmal umdrehen und weiterschlafen sollte, doch eine frühe Amsel nahm mir die Entscheidung ab, indem sie ohrenbetäubend in den höchsten Tönen trällerte. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Stattdessen döste ich noch ein klein wenig vor mich hin und ließ mir den Traum durch den Kopf gehen. Seltsam, dass ich ihn in fast ähnlicher Form gleich zwei Nächte hintereinander geträumt hatte. Ob das wohl eine Botschaft für mich war? Ich dachte ebenfalls wieder an die unerklärbare Sache des gestrigen Abends.

Doch heute fühlte ich mich viel zu beschwingt, um mir lange den Kopf zu zerbrechen. Das nahende Ziel verlockte zu gesammelter Aktivität und nach einem kleinen Anlauf in Form eines kurzen Frühstücks, sah ich mich schon bald wieder zebragestreift auf meiner Bühne, um die letzten Feinarbeiten an Fenstern und Kanten zu verrichten. Aufgrund eines plötzlichen Gute- Laune-Hochs drehte ich das Radio auf, um dieses mit Musik zu unterstützen, und erwischte mich wenig später, wie ich, in einer Hand den Malerpinsel und in der anderen die Farbrolle haltend, zu Shakira’s „Whenever, whereever“ lasziv die Hüften kreisen ließ. „Zum Glück sieht mich hier keiner.“ jubelte ich und legte mit ein paar Tanzschritten nach. Und schon sprang ich ausgelassen meine Malerwerkzeuge in der Gegend schwenkend herum, ohne auch nur einen einzigen Pinselstrich zu machen. Erst als ich den Blick von klein Robert, der Puppe, auffing, ließ urplötzlich meine tänzerische Begeisterung nach. Bildete ich mir das ein, oder wirkte seine Miene heute ein ganz klein wenig amüsiert? Lachte er gar über mich? Fand er mein Tanzen albern?
Kurzzeitig raste mir die Idee wie ein Eilzug durch den Sinn, ihn einfach so umzudrehen, dass er zum Fenster hinausschauen musste, und mich des lästigen Zuschauers zu entledigen, doch verzichtete ich letzten Endes darauf. Die Luft war raus, gesittet und völlig konzentriert übte ich mich weiter darin, eine schnurgerade Abschlusskante über der Scheuerleiste hinzubekommen.

Nach vollbrachter Arbeit war ich zufrieden mit mir. Ich hatte getan was ich konnte. Die leichten Abweichungen vom farbigen Weg einer präzisen Vollkommenheit waren mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen und meines Perfektionismus müde, lächelte ich ihnen etwas verkrampft, aber versöhnlich zu, um das Wissen ihres Vorhandenseins sogleich aus meinen Gehirnzellen zu streichen.

...

Eben ist ein total zerrupftes Tagpfauenauge durch mein Bürofenster hereingeflogen und hat sich auf einem meiner Ordner unter dem Tisch zur Ruhe gesetzt. Es ist so zerzaust, dass schon von dem einen Flügel nur noch die Hälfte da ist. Wahrscheinlich strengt deshalb das Fliegen so an.

Mittwoch, 19. Juli 2006

...

Wenn der Eisbär jauchzt, bekommt der Tiger Frostbeulen....
(Prentice Mulford)

...

Über Wolken schritt ich
im Schatten des Windes,
er zeichnete dein Bild
in den den körnigen Sand
am Fuße des Meeres
und ich stieg hinab
auf die Gischtkronen
der stürzenden Wellen,
mit ihnen zu wandeln,
mit ihnen zu fließen
zu einer Liebkosung
auf sandigen Abwegen

Dienstag, 18. Juli 2006

Neues aus dem Krankenhaus

Anscheinend will das Krankenhaus jetzt meinen Vater ganz schnell abschieben. Ein bißchen wundert mich das ja, zumal die Wunde noch fingerbreit offen klafft, aber die Ärzte meinen, in einem Pflegeheim kann die genauso gut versorgt werden. Das Zuhausepflegen ist definitiv vorerst ausgeschlossen, da mein Vater sich ja nicht mal alleine auf die Seite drehen kann und viel zu schwer ist für meine Mutter, auch wenn das mit der medizinischen Versorgung irgendwie geregelt werden würde. Meine Mutter musste ganz überraschend heute zu einem Gespräch zum Sozialdienst, wo mit ihr alles Nötige besprochen wurde und sie gleich einwilligen sollte. Das hat sie erstmal noch nicht getan, hat aber mit meinem Bruder noch ein anderes Pflegeheim ebenfalls ganz in der Nähe aufgetan, welches 500 € billiger ist und außerdem evangelisch. Sie haben es sich angeschaut und meinen, dass es auch sehr schön dort ist, allerdings nicht ganz so "feudal" wie das andere und dass er dort, dadurch dass es kirchlich ist, wahrscheinlich besser aufgehoben ist. Ich bezweifle zwar, dass es für ihn noch irgendeinen Unterschied macht, ob kirchlich oder nicht, aber wenn sie es sich angesehen haben und es in Ordnung finden, dann wird es schon so sein. Jedenfalls hat meine Mutter dort jetzt ein Zimmer freihalten lassen und da nun vom Krankenhaus aus alles ganz schnell geht, kann es sein, dass er nächsten Montag bereits im Pflegeheim ist. Weil mein Bruder die juristische Betreuung übernommen hat, muß mein Vater selbst keine Einwilligung mehr geben.

Meine Mutter hat heute versucht, meinen Vater vorsichtig darauf vorzubereiten und ihm einen Zettel geschrieben, dass er erstmal in ein Pflegeheim muss. Sollte sich sein Zustand irgendwann bessern, ist natürlich jederzeit noch die Option offen, dass er wieder nach Hause kommt. In dem Heim kann man wohl auch Physiotherapeuten an das Bett bestellen, die dann versuchen, ihn zu aktivieren. Wenn er wenigstens sitzen könnte, wäre das ja schon nicht schlecht, denn dann könnte man ihn auch mal irgendwo in den Park fahren und er müßte nicht immer im Bett liegen. Andererseits kam mir heute der etwas sarkastische Gedanke, dass er nun genau hat, was er immer wollte. Denn er wollte ja schon vorher, bevor er ins Krankenhaus kam, nur noch liegen, aus Schmerzen wie er sagte, und jetzt wird er sogar noch im Bett gefüttert und muss nicht mal mehr für das Klo aufstehen. Aber auch bevor er diese Schmerzen und die Hautgeschichte am Po hatte, war er ein Bewegungsmuffel, hat sich kaum vom Fleck gerührt und gerne andere gescheucht. Ich glaube ja so ein bißchen, dass in jeder Krankheit irgendwie auch eine Botschaft steckt und bei seiner Krankheitsgeschichte muss ich unwillkürlich immer an die Redewendung "Feuer unterm Arsch machen" denken. Aber diese seine Konflikte muss er ganz alleine mit sich ausmachen oder auch nicht, da kann ihm keiner helfen, erst recht nicht, wenn er stets jede weiterführende ärztliche Hilfe abgelehnt hat.
Nachdem er den Zettel gelesen hatte, schüttelte er zweimal mit dem Kopf, was wohl heißen soll, dass er nicht will, zumindest schüttelt er beim Essen auch immer den Kopf, wenn er nicht mehr will. Und ich kann mir vorstellen, dass es schwer für ihn ist zu akzeptieren, dass er sozusagen vom einen Tag auf den anderen ein Pflegefall geworden ist, genau das, was er immer von sich weggeschoben hat und nicht sehen wollte, dass sowas tatsächlich eintreten kann. Er war zwar vorher auch schon alles andere als rüstig und lange alleine konnte man ihn nicht mehr lassen, aber er war zumindest nicht ständig und bei allem auf fremde Hilfe angewiesen.

Ansonsten hat meine Mutter auf meinen Eindruck hin die letzten Tage mehr Erdbereren mit ins Krankenhaus genommen und sagt, dass er die wirklich alle ratzekahl weggefuttert hat. Heute sei er sogar regelrecht gefräßig gewesen. Nachschub ist bereits da.

Toll. Der Tag geht schon richtig gut mit einem Anschiß los.

Heute war ich, wie das ab und zu der Fall ist, erst 5 Minuten nach 9 Uhr an meinem Platz im Büro. Ich kam wie immer mit einer Kollegin zusammen, die regelmäßig mit dieser Bahn fährt und als wir aus dem Fahrstuhl stiegen, stand schon meine Chefin so auffällig unauffällig im Flur herum. Kurze Zeit später kam sie zu mir und gab mir einen Rüffel, weil ich angeblich meistens zu spät komme und da irgendwelche Leute drüber reden. Die andere Kollegin hat auch ihr Fett weg bekommen, wie sie mir gleich darauf erzählte. Das Lustige an der Sache ist ja, dass ich gerade zur Zeit so gut wie überhaupt nicht zu spät komme. Es gab auch mal Zeiten, wo das wirklich oft vorgekommen ist, wie im letzten Herbst, wo auf meiner Busstrecke gebaut wurde, und man manchmal wegen der Staus ewig warten musste, bis überhaupt was fuhr. Da ich ja dann auch noch zweimal umsteigen muss, summiert sich dann natürlich in der Zeit, wenn man jeweils auf eine noch spätere Bahn warten muss. Aber gerade jetzt bin ich normalerweise vier Tage die Woche bis spätestens Punkt 9 Uhr da und im Schnitt einen Tag, wo ich erst einen Bus später kriege, dann meist 5 Minuten nach. Allerdings bin ich ja der Meinung, dass ich auch dann nicht zu spät bin, denn in den Vorschriften heißt es, dass die Zeit mit Betreten des Betriebsgeländes zählt und da dieses groß ist und es mindestens 5 Minuten wenn nicht mehr, dauert, bis ich es überquert, auf den Fahrstuhl gewartet und oben angekommen bin, bin ich eigentlich auch dann noch pünktlich. Das habe ich meiner Chefin aber nicht gesagt, denn ich habe keine Lust mich durch Besserwisserei mit ihr anzulegen. Und die Kollegen, die komischerweise nur bemerken, wenn ich etwas später da bin, aber nicht, wenn ich ganz normal komme, wird das wahrscheinlich eh nicht interessieren. Die Kollegin, die ich in der späteren Bahn immer treffe, meinte ganz fertig zu mir, dass sie es nicht eher schafft und sie hat es wirklich ziemlich blöd, weil sie noch weiter draußen wohnt, wo die Bahnen nur alle 20-30 Minuten fahren. Dementsprechend früher müßte sie dann auch los. Bei mir sind es jeweils nur 10 Minuten, allerdings habe ich das Risiko, erst mit dem Bus fahren zu müssen, wo man sich schlecht auf die Zeiten verlassen kann oder sogar mal einer ausfällt, was bei der Bahn in der Regel nicht der Fall ist. Na jedenfalls habe ich ja und amen gesagt und werde mich jetzt bemühen auch noch den fünften Tag in der Woche den früheren Bus zu kriegen, so sehr mich das auch wegen gewisser Dummbrote ärgert. Und das Ende vom Lied ist, dass ich mich aus Ärger schon am Morgen nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren kann, was mir aber sowieso zur Zeit schwer fällt, da ich mit meinen Gedanken oft im Krankenhaus bin, und noch nicht ein Fitzelchen getan habe.

Montag, 17. Juli 2006

Neues aus dem Krankenhaus

Da war ich wohl ein klein wenig zu optimistisch, als ich dachte, dass mein Vater es eventuell bald schaffen könnte wieder zu sitzen. Im Moment kann er sich noch nicht mal selbst auf die Seite drehen. Die Narbe heilt schlecht, ist immer noch ein ganzes Stück offen und anscheinend hat er auch immer noch starke Wundschmerzen. Als die Schwester kam, bat meine Mutter, das Krankenbett am Kopfende etwas höher zu stellen und schon bei der kleinsten Bewegung sah ich, wie er zusammenzuckte und laut aufschrie. Er schreit auch, wenn man seine Füße etwas stärker bewegt, was ich mir nur so erklären kann, dass er durch das lange Liegen noch steifer geworden ist, da er ja vorher schon Arthrose hatte. Vielleicht ist er auch tatsächlich durch das Morphium, das er noch immer bekommt und die starken Schmerzmittel, die er schon vorher genommen hat, schmerzüberempfindlich geworden ist, denn früher kannten wir das an ihm überhaupt nicht, im Gegenteil, meine Mutter und ich haben uns immer über sein dickes Fell gewundert.
Sie wollte ihm dann heute unbedingt die Zehennägel machen, obwohl er schon die letzten Tage immer abgewehrt hat und sie nicht an die Füße ließ. Er hat dabei geschriehen wie am Spieß, wenn ich allerdings sehe, dass meine Mutter den halben Zehennagel abknipst bis ins Nagelbett, dann wundert mich das überhaupt nicht, da würde ich wohl auch schreien. Eigentlich fand ich seine Zehennägel gar nicht so unerträglich lang, wie meine Mutter meinte, dass man ihm dieser Tortur nun unbedingt unterziehen müsste. Sie sind einfach total verwachsen, verdickt und pilzig, aber da hilft auch das Abknipsen nichts und so lange sie nicht wirklich zentimeterlang sind, würde ich da gar nichts machen. Aber meine Mutter fühlt sich einfach nicht wohl, wenn sie nicht stundenlang an einem rummachen kann, das kenne ich ja noch von meinen eigenen Krankheiten.
Ich konnte beobachten, dass sie jetzt meinem Vater gegenüber immer solche Bewegungen und Gesten macht, wie sie das sonst bei Säuglingen, Kleinkindern und bei unserer Katze getan hat. Und augenblicklich sehe ich dann eine steile Zornesfalte auf der Stirn meines Vaters erscheinen, doch da er heute nur gehustet hat und kaum sprechen konnte hat er nichts gesagt. Ich vermute, dass es diese Dinge sind, die ihn meiner Mutter gegenüber aggressiv machen, und ich kann das nur zu gut verstehen, da das genau diese Dinge sind, die mich selbst oft auch schon aggressiv gegenüber meiner Mutter gemacht haben, aber das ist ein anderes Kapitel für sich und ich mische mich da auch nicht mehr ein, weil ich nicht vor habe, meine Mutter noch zu ändern.
Er hat mir heute ein Stück Bulette, fünf Erdbeeren und drei Stück Schokolade abgenommen. Ich hatte den Eindruck, dass er von den Erdbeeren noch mehr genommen hätte und meinte zu meiner Mutter, dass sie anscheinend mehr davon mitbringen könne. Darauf sagte sie, dass das aber nichts nützt, weil die Erdbeeren kein Protein enthalten und nicht das sind, was er essen soll. Also so ein Schwachsinn! Ich finde, wenn es irgendwas gibt, was ihm schmeckt und was er ißt, dann soll er so viel davon essen, wie er will, egal ob das nun gerade das ist, was er angeblich braucht. Schließlich lebt man ja nicht nur von Proteinen und die Dinge an denen man sich erfreut, sind ja für den Lebensmut oft viel wichtiger, als alles andere. Und überhaupt geht es hier vielleicht gar nicht mehr um das Gesundwerden, sondern nur noch darum, eine schwere Zeit etwas zu erleichtern.

Jedenfalls, wie ich meinen Vater heute so sah, erschien er mir wirklich sehr alt und eingefallen, er sah genau so aus, wie ich das von sehr alten pflegebedürftigen Personen in Altenheimen kenne, alleine schon das Aussehen und die Art wie er sich bewegt, bzw, nicht bewegt, die Hände hält usw. Für mich ist das gar nicht einfach, sowas zu sehen, deshalb bewundere ich immer das Pflegepersonal, die tagein, tagaus mit solchen Menschen zu tun haben. Mich macht ein Tag allein schon richtig depressiv, allerdings gilt das generell wenn ich solches Elend sehe, nicht nur wenn es mein Vater ist. Aber wahrscheinlich entwickelt man mit der Zeit, wenn man einen solchen Beruf hat, eine gewisse Kunst, sowas nicht zu sehr an sich ran zu lassen, was ja auch viel vernünftiger ist. Denn alleine durch mitleiden hilft man ihnen ja nicht. Auf der Station gibt es eine Schwester, zu der er immer "olle Tante" sagt. Es ist bewundernswert, mit wieviel Humor sie das nimmt. Sie kommt dann ins Zimmer rein und sagt zum Beispiel: "So, hier kommt die olle Tante und bringt ihren Tee....". Schade, dass er das nicht hört.

Nach dem Krankenhausbesuch haben wir uns das Pflegeheim angeschaut, in welches wir versuchen werden, ihn unterzubringen, falls er es schafft, aus dem Krankenhaus entlassen zu werden. Es war irgendwann klar, dass meine Mutter das nicht schaffen kann, selbst mit Hilfe. Das Pflegeheim ist nur quer über die Straße von der elterlichen Wohnung, so dass meine Mutter da jeden Tag schnell hin kommt und es gefällt mir ausnehmend gut. Fast könnte man ein bißchen neidisch werden, denn es ist wirklich sehr schön da, sehr gemütlich, mit einem großen Garten und Terasse, einer großen Dachterasse, wo man weit über die Dächer schauen kann, alles sehr liebevoll gestaltet, dekoriert, wirkt sehr heimelig, überhaupt nicht wie ein Heim. Nun wird er davon nicht viel haben, wenn er nur noch liegen kann, aber man hat doch das Gefühl, dass er da gut aufgehoben wäre. Allerdings ist es auch entsprechend teuer, doch glücklicherweise hat er ja finanziell so ausgesorgt, dass es da keine Probleme geben wird.

Danach habe ich dann wieder bergeweise Papier weggetragen und zerschreddert. Meine Mutter hatte beim Aufräumen eine abschließbare Kassette mit Zahlencode gefunden, die sie nicht auf bekam. Wir also an dieser Kassette rumgebastelt, es hat immer sehr geklappert und nach Geld geklungen, meine Bruder unkte schon, dass mein Vater wohl seine Diamanten darin verwahrt hätte. Schließlich hat er sie ganz rabiat mit einem Schraubenzieher aufgebrochen und darin fanden wir zwei kirchliche Spendenbecher mit noch echten ehemaligen Pfennigstücken darin und außerdem ein Portmonnaie mit tschechischen Münzen und Papiergeld. Da die Kassette schon vor dem Öffnen so aussah, als hätte daran jemand rumgefuhrwerkt, habe ich ja den starken Verdacht, mein Vater wußte selbst nicht mehr den Zahlencode zum Öffnen. Es ist wirklich sagenhaft, was meine Mutter beim Aufräumen alles findet. Unter anderem einen riesigen Berg von Spendenquittungen für jede Art von Vereinen und Stiftungen. Es ist unglaublich, wie großzügig mein Vater spenden konnte, und wen er alles unterstützt hat: die Indianer, die Tiere, afrikanische Kinder, die Arthrosestiftung, kirchliche Stiftungen usw. usf. Unglaublich deshalb, weil er der Familie gegenüber immer mehr als geizig war und ich bin mir auch nicht sicher, ob er gespendet hat, um zu helfen, oder ob er sich immer von den kleinen Geschenken locken ließ. Ich kann mich noch erinnern, wo ich ihn das letzte Mal zu Hause gesehen hatte, wie er da von so einer Spendenorganisation einen Blech-Indianeranhänger bekommen hatte, völliger Tünnef, und sich freute wie Bolle. Außerdem ist meine Mutter gerade dabei, sämtliche Abonnements wie zum Beispiel bei der Münze, bei diversen Klassenlotterien u.ä. zu kündigen und es trifft täglich neue Post ein.

Freitag, 14. Juli 2006

Die (weiterhin) namenlose Geschichte - Teil 24

Von einer angenehmen neuen Munterkeit überwältigt kam ich zu Hause an, nachdem ich mich vorher schon von Robert verabschiedet und seinen Vorschlag, mich heim zu fahren, abgelehnt hatte. Wir einigten uns aber darauf, dass er mich am nächsten Samstag von zu Hause abholen und zum Ball auf der Taubeninsel bringen würde. Als ich das Zimmer betrat, erschrak ich, denn auf der nun grau im Halbdunkel der Nacht vor mir liegenden frischgestrichenen Wand gewahrte ich etwas dunkles, was dort wie ein Schatten klebte. Nervös betätigte ich den Lichtschalter und trat näher an die Wand heran, ohne das Ding gleich einordnen zu können. Nach einem kurzem Moment erkannte ich, dass es sich einfach nur um einen schwarzen Fleck handelte, an eben derselben Stelle, wo sich das Puppenversteck befunden hatte. Öliger Staub benetzte meine Fingerspitze, als ich darüber strich. Doch die Tatsache, dass es sich nur um einen Fleck handelte, beruhigte mich keineswegs, wie meine getreuen Leser mir sicherlich nachempfinden können, denn es war mir ein Rätsel, wie dieser entstanden sein konnte. Ich hatte allen Staub von der Wand entfernt und jede Ritze zugespachtelt. Völlig unmöglich, dafür eine Erklärung zu finden. Auch der Fleck auf dem Teppich war wieder dunkler und auch etwas größer geworden, nun fast schwarz. Obwohl sich ein leiser, stiller Ärger über das Zuschanden machen aller Arbeit und Bemühungen in meinem Herzen rührte, überwog doch ein seltsamer Schrecken. Krampfhaft versuchte ich eine ganze Weile, nicht mehr auf diese Stelle an der Wand zu schauen, doch je mehr ich es versuchte, um so mehr musste ich daran denken und bald konnte ich gar nicht anders, als genau dorthin zu starren. Deshalb hielt ich kurzerhand nochmals einen breiten Malerpinsel in meiner zittrigen Hand und übertünchte in großzügig aufgetragenen Bahnen den mysteriösen Fleck. Nun lag die Wand in neuerlicher jungfräulicher Weiße vor mir. Ich spülte die letzten Farbreste von meinen Händen und die Schweißperlen von meiner Stirn, dann begab ich mich zur Ruhe. Ein orangeroter Vollmond, der am Himmel wie ein würziger Käse in einer gigantischen Mausefalle hing, schaute zum Fenster herein und legte eine perlende Lichtspur quer in den Raum. Ihr folgte ich bis hinein in das Herz des Universums, wo ich tanzend die Leere fing und funkelnde Sterne daraus formte.

Durch die glitzernde Schwärze schwebte langsam ein Gesicht heran. Ich kannte es. Ich wusste, ich hatte es schon einmal gesehen. Es war böse und grausam. Vielleicht das Gesicht eines Kriegers, doch durch das lange, wallende Haar hindurch sah ich kleine Perlenohrringe blitzen. Es scheint zu mir zu sprechen, seine Lippen bewegen sich und wiederholen immer wieder dieselben Worte. "Sophie Alexejewna" hallt es lautlos in meinem Kopf, ohne Unterlass, bis ich die Augen öffne. „Sophie Alexejewna“ sage ich und warte.

Ok,

da sich anscheinend niemand mehr beteiligen will, steht das Ergebnis der Leserumfrage fest: die Mehrheit interessiert sich für meine persönlichen Tagebucheinträge. Ein bißchen wundert mich das ja, denn mein Leben ist nun alles andere als spannend. Andererseits beruhigt es mich aber, dass ich weiter ungehemmt über mein langweiliges Leben labern kann, ohne dass es jemanden anödet. Dabei fällt mir auf, dass ich mit dem Labern schon nachgelassen habe. Zumindest reine "Gedankeneinträge" sind seltener geworden. Das bedeutet nicht, dass ich keine mehr habe, aber sie sind so "speziell", dass ich sie selbst für mich nicht aufschreiben mag, denn dies erscheint mir so überflüssig, wie diese Gedanken an sich. Und doch ist da ein Thema, dass mich schon seit längerem immer wieder beschäftigt. Nicht erst, seit der lebensbedrohlichen Situation meines Vaters, auch vorher waren diese Überlegungen latent da, doch durch die Änderung der Umstände haben sich ganz konkrete Umrisse einer ganz konkreten Frage herausgebildet, wobei ich nicht weiß, ob es wirklich nur eine Frage ist, wenn auch eine für mich im Moment enorm wichtige, oder ob es sich nicht eher um eine Erkenntnis handelt, die mich durch die Änderung meines Blickwinkels in einer leichten bewußtseinsmäßigen Orientierungslosigkeit zurück läßt.

Jedenfalls kristallisiert sich für mich immer stärker heraus, dass es tatsächlich zwei Wege gibt, eine Tatsache, die mir vorher noch nie so klar vor Augen stand und von der ich auch jetzt nicht weiß, ob es nicht nur eine Gaukelei meines Verstandes ist. Doch sie erscheint mir so deutlich und selbstverständlich, so dass ich mich direkt frage, warum ich das nicht vorher gesehen habe, dass ich sie so schon für mich verinnerlicht habe. Und somit die Frage aufgeworfen finde, welchen Weg ich gehen möchte, bzw. welchen Weg ich gehen muß, damit das Ergebnis, das ich mir wünsche, eintrifft. Ich weiß ja, Umwege führen auch zum Ziel, aber in diesem Punkt bin ich nicht gewillt, auch nur noch einen einzigen Umweg zu machen. Und ich fürchte fast, dass genau diese Maßlosigkeit meiner Forderung dabei zu einem Verhängnis werden wird, denn sie zeigt zwar meinen starken Willen, dieses Ergebnis zu erreichen, aber dieser allein wird dafür nicht ausreichen oder mir vielleicht sogar im Wege stehen, da er sich auf ein völlig eigennütziges Ziel konzentriert.
Durch die Impulse, welche ich von außen erhalte, dürfte der zu wählende Weg eigentlich klar sein, denn alle weisen nur auf den einen hin, und dennoch hege ich gerade gegen diesen Weg einen gefühlsmäßigen inneren Widerstand, obwohl ich ihn ja unbewußt schon ein ganzes Stück weit beschritten habe. Unbewußt deshalb, weil ich mir über die Zusammenhänge und Konsequenzen des Tuns nicht klar war, sondern mich reine Neugierde trieb. Nun, wo ich sehe, wohin er (angeblich) führen soll, bin ich mir nicht mehr sicher, ob es wirklich das ist, was ich möchte, auch wenn es noch so toll klingt, oder ob es nicht sogar der gerade Weg in die "Hölle" ist, um es mal so auszudrücken, gemeint ist damit meine persönliche Vorstellung von der "Hölle", der ich gerne entgehen möchte. Doch nun stehe ich hier angewurzelt mitten auf dem Weg, unentschlossen, an einem Scheidepunkt zwischen Himmel und Hölle, um bei diesen kirchlichen Begriffen der Einfachheit halber zu bleiben, und bin mir nicht mehr sicher, welches wo ist, bzw. bildlich gesprochen, wo oben und wo unten ist. Ich frage mich außerdem, ob es überhaupt möglich ist, vollständig umzukehren. Wahrscheinlich ist es nicht unmöglich und im Vergleich zu der anderen Richtung, in welcher ein riesiger Berg vor mir liegt, von dem ich noch nicht einmal weiß, ob ich ihn auch bewältigen (und rechtzeitig bewältigen) kann, vielleicht sogar einfacher. Und dann denke ich mir manchmal, vielleicht ist ja insgesamt alles viel einfacher als ich es mir denke und überhaupt sollte man nicht so viel denken....