Obwohl nach dem Beerdigungs-Tag fertig und müde wie ein Stein, war ich nach nur drei Stunden Schlaf um vier Uhr früh wieder hellwach und konnte bis um sieben Uhr nicht mehr einschlafen. Nun ist das nicht gerade die Zeit, die ich gerne wach bin. Die merkwürdigsten Sachen gehen einem durch den Kopf, selbst wenn man sich mit Lesen versucht abzulenken. Aber auch lesen tue ich in diesen Stunden nicht gerne. Ich finde, diese Zeit des Tages ist einzig und allein dazu geeignet, sie zu verschlafen. Das Durchwachen erinnert an Krankheitsnächte der Kindheit, in denen einen die lange Bettruhe und das hohe Fieber immer wieder wach macht. Außerdem mußte ich ständig an das Grab denken und meinen Vater, bzw. dessen sterbliche Hülle, wie man sich beruhigend versucht einzureden, der nun darin liegt. Es ist ein seltsames Gefühl, jemanden zu beerdigen. Dies ist mir erst bei dieser Beerdigung so bewußt, bei meinem Opa, wo ich zwar bei der Beisetzung dabei war, habe ich das alles gar nicht besonders wahrgenommen. Meine Schwägerin erzählte gestern, daß ihre Adoptivtochter immer zu ihr gesagt hat, daß sie sie niemals in der Erde begraben wird, sondern sie im Bettkasten aufbewahren will. Wie Lenin.
Ich stelle fest, daß ich schweben und noch etwas anderes kann, zwei physikalisch völlig unnatürliche Dinge. Das beschäftigt mich sehr, denn eigentlich dürfte das doch gar nicht möglich sein. Ich probiere es immer wieder, sobald ich mich darauf konzentriere, kann ich in der Luft herumschweben, als wäre ich schwerelos, unglaublich. Das Gefühl, aber auch die Erkenntnis, daß dies entgegen aller gültigen Gesetze geht, ist überwältigend und etwas furchterregend. Vielleicht sollte ich auf einen Schrank eine Digitalkamera stellen und mich fotografieren, wenn ich mit den Beinen oben hänge, damit mir das jemand abnimmt. Ich überlege außerdem, über einen Fluß hinüberzuschweben, allerdings ist mir das dann zu riskant, denn sobald meine Konzentration abnimmt, könnte ich ins Wasser stürzen und das muß nicht unbedingt sein. Bisher habe ich über die ungewöhnlichen Fähigkeiten geschwiegen, aber jetzt kann ich es nicht mehr. Vielleicht ist es ja ein Familienerbe und mein Bruder kennt das auch, hat sich aber bisher nicht getraut, darüber zu sprechen. So ist es eventuell ganz gut, wenn jemand das Schweigen bricht. Während wir an einem Tisch zusammensitzen, sage ich deshalb ganz unverblümt zu meinem Bruder, daß ich schweben und ..... kann. Mein Bruder schaut mich an, als wäre ich übergeschnappt. Oh! Es war wohl ein Irrtum zu glauben, daß ihm diese Fähigkeiten bekannt sind. Anscheinend bin ich alleine damit. Auf dem Klavier meiner Mutter sehe ich jetzt Noten von Rilke. Besser gesagt, es ist ein Rilke-Gedicht, das nach Noten gespielt wird, aber dies kommt mir seltsam falsch vor. Ich denke mir, daß diese Noten, bzw. dieses Gedicht nicht wirklich zum einfachen Spielen gedacht sind, sondern eine tiefere, magische Bedeutung haben, weshalb man mit ihnen etwas anderes tun muß.
In einem zweiten Traum ist schon wieder A. zu Besuch. Diesmal sieht er sehr ausgemergelt aus und trägt einen Vollbart. Fast hätte ich ihn nicht erkannt. Ist er es überhaupt? Wenn ich genauer hinschaue, wandelt sich sein Aussehen in das eines blonden, athletischen jungen Mannes. Aber ist das A.? Ich betrachte die Details - sein Profil, seinen Mund - nein, er kann es definitiv nicht sein. Da gibt sich doch jemand bei mir für A. aus! Dies sage ich ihm geradeheraus ins Gesicht und er schaut mich durchdringend mit großen Augen an, fast ein wenig unheimlich. Sofort tut es mir leid, daß ich so offen war. Vielleicht ist er ein Verbrecher und hat nun Angst, daß seine Tarnung aufgeflogen ist? Dann bringt er mich vielleicht noch um die Ecke? Mir fällt ein, daß es auch der Kumpel von A. sein könnte. Der war blond und ebenfalls im Knast. Aber was will er jetzt bei mir? Ich entferne mich und M., mein früherer Spielfreund, kommt durch die Wohnungstür. Er will mich warnen und steckt mir deshalb unauffällig einen Zettel zu. Auf dem Zettel steht der wahre Name des Besuchers, welcher mir völlig unbekannt ist und den ich mir nicht gemerkt habe.
Bemerkung: Witzig, daß ich von den "Rilke-Gedichtnoten" geträumt habe. Ich wußte nämlich vorher nicht, daß ich auf der Ansprache heute Rilke zu hören bekommen würde. Es hat mich sogar einigermaßen überrascht.
Warum müssen Beerdigungen immer so traurig sein? Meine Mutter wollte extra noch "Air" von Bach auf einem Cello spielen lassen, was glücklicherweise auch kurzfristig klappte, obwohl der Bestatter ihr nichts versprechen konnte, und die Pfarrerin begann ihre Rede gleich mit der Bemerkung, daß mein Vater ein großer Lyrikliebhaber gewesen sei und mit einem Gedicht von Rilke. Mein Vater und Rilke? Nun ja, die Gedichte von Christian Morgenstern mochte er lieber und wahrscheinlich hätte ihm so ein richtig bizzares aus den "Galgenliedern" gefallen, wie zum Beispiel:
Der Würfel
Ein Würfel sprach zu sich: "Ich bin
mir selbst nicht völlig zum Gewinn!
Denn meines Wesens sechste Seite,
und sei es auch Ein Auge bloß,
sieht immerdar, statt in die Weite,
der Erde ewig dunklen Schoß."
Als dies die Erde, drauf er ruhte,
vernommen, ward ihr schlimm zumute.
"Du Esel" sprach sie, "ich bin dunkel,
weil dein Gesäß mich just bedeckt!
Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
sobald du dich hinweggefleckt."
Der Würfel, innerlichst beleidigt,
hat sich nicht weiter drauf verteidigt.
Aber sowas kommt bei Beerdigungen sicher nicht so gut an. Jedenfalls wußte ich schon, daß es besser ist, Taschentücher einzustecken und die brauchte ich auch. Der ausgesuchte Kiefernsarg mit den gelb-blauen Frühblühern sah wirklich gut aus, besser als in den Katalogen. Außerdem kamen sogar ein Pfleger und eine Pflegerin aus dem Heim und die Chefin meines Bruders.
Nach der Beerdigung waren wir nur noch Eisklötze und in der Gaststätte, wo wir danach aßen, war es nicht sehr viel wärmer. Erst langsam taue ich jetzt wieder auf. Zum Schluß wurden einige Beerdigungsanekdoten meines Vaters zum besten gegeben, da er ja als Pfarrer selbst viele Leute unter die Erde gebracht hat. Dabei ging ab und zu etwas schief, wie zum Beispiel in dem Fall, als er die Ansprache hielt und die Frau des Verstorbenen plötzlich völlig außer sich aufsprang und schrie: "Das stimmt alles gar nicht! Er war ein richtiges Ekel!" Mein Vater war darauf so verwirrt, daß er die Ansprache schnellstens beendete und den Sarg hinaustragen ließ. Er sagte später dazu, daß ihm sowas noch nie passiert sei. Auch die Beerdigung, als er spätnachts völlig besoffen und lauthals "Alles ist Scheiße!" grölend nach Hause getorkelt kam, ist in guter Erinnerung. Jetzt ist er ebenfalls unter der Erde und hat seine Ruhe.
Bei Mart bin ich zuerst auf das Phänomen des Urban Knitting gestoßen. Und ich muß sagen, in meinen Augen ist es viel schöner und kuschliger als jedes Graffiti. Auch diesen Bus mit Strickkleid finde ich richtig cool. Wenn ich Stricken als Tätigkeit nicht so hassen würde, ich glaube, dann würde ich sofort anfangen, die nächste frierende Ampel zu bestricken.
kann ich abhaken. Meiner Zahnärztin kam mein Gesicht bekannt vor, aber anscheinend erinnerte sie sich nicht mehr an das Goldinlay, mit dem sie mich vor Jahren belagerte. Meine Akte war wohl schon entsorgt und ich werde ihrer Erinnerung sicher nicht auf die Sprünge helfen. Dafür konnte ich sie anders überraschen, denn als sie hörte, daß ich neun Jahre bei keinem Zahnarzt war, erwartete sie scheinbar ein Ruinenfeld und war dann verblüfft, als sie nur einen kariösen Zahn fand, nämlich den, den ich selbst erst im Dezember entdeckte, nachdem mir ein Stückchen davon abbrach, und wegen welchem ich mir wieder einen Termin besorgt habe. "Also dafür, daß Sie so lange nicht da waren, sieht das wirklich gut aus." meinte sie und ich erklärte, daß ich eher gekommen wäre, wenn ich vorher was gefunden hätte. Natürlich hielt sie mir einen Vortrag, daß man doch regelmäßig....wegen Zahnstein....und überhaupt. Alles richtig - wenn sie mich nicht dauernd mit dem Goldinlay genervt hätte, obwohl ich ihr gesagt habe, daß ich keines will..... Daß ich nun doch wieder zu ihr gehe, liegt einfach daran, daß ich ihre Arbeit wirklich zu schätzen weiß. Alles, was sie bisher bei mir gemacht hat, sitzt bombensicher. Ich habe noch nie irgendwas verloren und sie gehört auch nicht zu den Zahnärzten, die ständig sinnlos irgendwo rumbohren. Also hoffe ich mal, daß das Goldinlay ihrem Gedächtnis vollständig entschwunden ist und ihr jetzt bessere Sachen einfallen. Der kariöse Zahn konnte noch problemlos plombiert werden, witzigerweiser äußerte sie, sie daß es kariesaktive und kariesinaktive Zeiten gäbe. Das kommt mir ebenfalls so vor, nur daß ich immer den Eindruck habe, daß diese kariesaktiven Zeiten kollektiven Charakter haben, denn als ich im Dezember wieder in eine kariesaktive Phase eingetreten bin, berichteten seltsamerweise zeitgleich um mich herum ständig Leute, daß ihnen plötzlich irgendein Zahn Probleme macht.
Jetzt kann mich seelisch und moralisch auf die morgige Beerdigung vorbereiten und vor allem sollte ich nicht vergessen, ein frisches Taschentuch einzustecken. Dieses werde ich bestimmt brauchen und das von heute sieht nach der Zahnbehandlung etwas blutig aus. Das kommt auf der Beerdigung wahrscheinlich nicht so gut.
einfach nur grauenhaft wird diese Woche. Heute muß ich zum Zahnarzt und morgen zur Beerdigung. An den Donnerstag möchte ich auch nicht denken. Falls die Zahnärztin auf die Idee kommt, ohne Betäubung rumbohren zu wollen, dann stehe ich auf und gehe wieder, so viel steht fest. Die Beerdigung wird zwar nicht groß, da die Bekannten und Verwandten in Papas Alter ebenfalls schon alle gebrechlich sind, außerdem ist die Kapelle ziemlich winzig, aber trotzdem, ihn unter die Erde zu bringen wird noch einmal das Schlimmste. Ich glaube und ich hoffe auch, daß diese Woche die fürchterlichste des ganzen Jahres wird. Hoffen deshalb, weil man ja immer denkt, es kann nicht schlimmer kommen und sich dann wundert, daß man sich so irren konnte. Ich mein, ich könnte in zwei Monaten auch in einen der angedrohten Terroranschläge verwickelt werden oder in fünf Monaten geht die Welt unter. Schlimmer geht immer. Mir ist schlecht. Mir ist einfach nur schlecht. Am liebsten würde ich mich schlafen legen und erst übernächste Woche wieder aufwachen.
läuft heute ein "Zauberberg"-Themenabend und ich frage mich gerade, ob ich erst in ein Sanatorium eingewiesen werden muß, bis ich mal dazu komme, den Zauberberg zu lesen. Der Film hat mir zwar Lust darauf gemacht, aber bei meiner gesunden Lunge stehen die Chancen ziemlich schlecht. Den Tod in Venedig habe ich gelesen, ohne schon einmal in Venedig gewesen zu sein, aber damals hatte ich noch viel, viel Zeit nach der Schule. Ach ja, und den Dr. Faustus wollte ich auch noch lesen. Na vielleicht lebe ich lange genug, daß ich es als Rentner schaffe.
Luftwürmer, welche sich unsichtbar durch die Luft fressen, gleich Holzwürmern durch das Holz, überall um mich herum. Exotische Pflanzen in seltsamen schillernden Farben und bizzaren Formen, an Fraktale erinnernd. Eine Stimme, die über die Entschlüsselung der DNA berichtet, dabei als Bilder geometrische Formen vor Augen. Beim letzten Satz: "Und schon ist das Geheimnis der Entschlüsselung der DNA gelöst!" - halb triumphierend und halb lässig (in einem Tonfall, als wolle die Stimme suggerieren, es sei doch alles total einfach) dahergesagt, erwache ich mit dieser geometrischen Form im Kopf:
Dies ist nur eine grobe Skizze. Im Traum entsprach das innere Achteck genau dem äußeren, halt nur verkleinert und in exakter Formation zum größeren Achteck. Außerdem kann ich mich nur an vier Fluchtlinien erinnern, weshalb die anderen, die zu fehlen scheinen, gestrichelt angedeutet werden.
Es wundert mich, daß ich sowas träume, zumal ich mich damit zur Zeit überhaupt nicht beschäftige und sowieso nicht wirklich Ahnung habe. Also wenn der Traum etwas Konkretes sagen will, sollte er sich vielleicht besser an einen Genetikforscher wenden, der schon ewig darauf wartet (wie damals der Wissenschaftler auf die korrekte Strukturformel des Benzol, die endlich im Traum erschien). Erinnert auch an diesen "Chromosomen-Traum".
Ich laufe heut schon den ganzen Tag mit einer Packung Tiefkühlspinat auf dem rechten geröteteten Auge herum. Es tränt und tränt und will einfach nicht aufhören. Aber noch lästiger ist, daß mir dabei auch ständig die Nase läuft. Das heißt, in der rechten Hand halte ich den Tiefkühlspinat und in der linken das Taschentuch. Ich hoffe, das hört irgendwann wieder auf. Spätestens zum nächsten Dienstag. Sooo verheult möchte ich selbst auf der Beerdigung nicht aussehen.
interessiert mich ja herzlich wenig. Das Einzige, was mich interessiert, ist die Frage, was wohl in der ersten Nacht nach der Amtseinführung im Schlafzimmer des Weißen Hauses stattfindet und bei den vergangenen Amtseinführungen schon stattgefunden hat.
Lust, meine Zurückhaltung zu unterbrechen und mal wieder richtig anzuecken. Mir würde eine Menge einfallen, bei dem Zeug, das ich an diesem Tag bereits gelesen habe. Wenn mir nur nicht meine Zeit zu schade wäre. Ich könnte jedoch einen ausführlichen Rundumschlag in das Blog setzen und dann still und heimlich untertauchen....
habe ich gerade gelesen, daß am letzten Mittwoch um 14 Uhr das gesamte Kommunikationssystem der Bahn lahmgelegt war. Das muß innnerhalb von zwei Stunden nach dem Todeszeitpunkt gewesen sein. Mein Vater hat sein Leben lang immer wieder von Zügen geträumt, die er erreichen will oder verpaßt. Irgendwie finde ich die Vorstellung witzig, daß er schuld an dem Totalausfall gewesen sein könnte.
Natürlich haben wir das Lied nicht auf Polnisch sondern auf Deutsch gesungen und die ersten beiden Strophen kann ich sogar noch auswendig. Das Lied hatte aber ein paar mehr Strophen, die muß ich verdrängt haben.
Um das Haus ringsumher
reiten schmucke Reiter
weil ich arm aber bin
reiten alle weiter
To i hola hola la...
Bin ich arm ohne Geld
nehm ich doch nicht jeden
will er mich muß er erst
mit der Mutter reden
war ich heute schon unterwegs und hatte einen weiten Weg vor mir, um meiner Schwägerin Nachhilfe an ihrem Computer zu geben. Immerhin bekam ich ein leckeres Essen dafür. Als sie das Mittagessen machte, ließ sie mich an ihrem Computer herumschrauben, um einige Fehler zu beseitigen, kam aber zwischendurch angeschlichen um mich vorsichtig darauf aufmerksam zu machen, falls ich auf eine Seite mit Privatamateuren stoßen würde, solle ich mich nicht wundern. Sie hätte die Adresse zwischen den Diktatpapieren ihres Chefs gefunden und wollte einmal schauen, wo der sich im Internet herumtreibt. Nun ja, dann glaube ich das mal.
woran ich zur Zeit denke. Bei allem, was ich tue, meine ich seine Kommentare oder Bemerkungen zu hören, die er dazu gegeben hätte. Das war vorher nie der Fall. Und ich stelle mir manchmal vor, daß er von irgendwo zuschaut, was ich treibe, aber verwerfe den Gedanken sofort wieder, da er sich noch nie sonderlich für andere interessiert hat. Also wäre es zum einen unwahrscheinlich und zum anderen auch ok, denn er soll zusehen, daß er den Weg durch die samsarischen Täuschungen findet. Ich denke oft an seine Hände, diese fleischigen, immer warmen, mit tiefen Linien durchzogenen Pranken, die anscheinend nur Grobheiten kannten, und die zum Schluß so verkrüppelt waren. Aber ich sehe sie gesund vor mir und meine sie fast zu spüren. Ich denke an meine Hände, die so anders sind als seine, flach und mit kaum sichtbaren Linien. Und ich denke an die Hände von A., die nicht sehr fleischig sind, aber mit breiten Zeichnungen. Ich sehe sein Gesicht, stets mit Bart und noch voll und kräftig, leicht gebräunt, manchmal denke ich aber auch an das weiße kleine Etwas, das jetzt in Schöneberg in einem dunklen Kühlfach liegt. Diese Unwiederbringlichkeit ist schwer zu fassen, selbst wenn man weiß, daß es so sein muß.
Der erste Augenblick einer Wahrnehmung ist immer hell und klar. Nur unsere Abgelenktheit verhindert, dass wir das erkennen und jeden Augenblick des Lebens mit echter Wertschätzung erleben.
(aus "Übung der Nacht" von TenzinWangyal Rinpoche)
Ich muß sagen, ich finde diesen Liquid Story Binder zum Schreiben richtig cool, denn eigentlich ist es nicht nur eine Textverarbeitung. Man kann inspirierende Bilder laden, Playlists für Musik während der Arbeit zusammenstellen, sich einen eigenen Arbeitsplatz frei erstellen, alle Fenster, Farben usw. sind editierbar, es gibt Funktionen für Storyboards, Zeitstrahlen, Checklisten, Dossiers, Gliederungen und Sequenzen, Zeit und Wörter werden automatisch mitgezählt - auch ein Ziel ist einstellbar, und der Character Generator - na ja , ich glaube, ich bleib doch lieber bei meinen eigenen Charakteren. Aber vor allem - er ist anders als Word portabel, läuft also auch auf USB-Sticks, arbeitet jedoch mit dem kompatiblen rtf-Format. Die deutsche Übersetzung ist allerdings noch nicht ganz ausgereift.
Durch irgendwen erfahre ich, daß ich jetzt von Berlin aus mit der S-Bahn bis nach Frankreich fahren kann. Das ist aber praktisch! Sollte ich direkt mal probieren und einen kleinen Ausflug machen. Am Alex gehe ich einen U-Bahn-Tunnel hinunter. Der Tunnel ist leer, bis auf einen einzigen Mann, der vor mir läuft und überall an die Seiten des Tunnels rote Kreuze malt. Aus irgendeinem Grund möchte ich ihn nicht überholen und schließlich gehe ich wieder zurück und eine schmalere Treppe nach oben. Hier bin ich richtig, denn hier ist der Bahnsteig, der nach Frankreich führt. Auf der Anzeigentafel steht groß "Troite de Stete". Dieser Ort ist mir unbekannt, es muß ein kleinerer sein. Doch bevor man in die S-Bahn steigt, muß man eine Sonderfahrkarte an einem Schalter lösen. Ich überlege mir, daß ich eigentlich doch keine Lust habe, dorthin zu fahren. Da ist ja kein Meer. Was soll ich irgendwo, wo kein Meer ist? Also lasse ich es und verlasse den Bahnhof wieder. Anscheinend weiß ich nicht wohin und streune völlig durchnäßt und heimatlos um den Alex herum. Später im Traum streune ich wieder durch Berlin, diesmal aber mit ganz anderem Gefühl. Ich habe eine Freundin, eine junge Frau kennengelernt. Diese trägt über normalen Feinstrumphosen Netzstrumpfhosen, deren Löcher so groß sind, daß es an den Beinen nur noch wie schwarze Paketschnüre aussieht. Etwas abgefahren, aber ich kann sie gut leiden. Mir ist klar, daß sie jünger ist und sich noch in einer anderen Phase befindet, die ich schon hinter mir habe. Arm in Arm schlendern wir nachts durch die Straßen von Berlin, um uns die Lichter der Stadt. Auf einer bogenförmigen Brücke legen wir uns mit dem Rücken mitten auf den Weg und schauen in die Sterne. Es ist ein tolles Gefühl, mit ihr durch Berlin zu spazieren. Das Empfinden von Heimatlosigkeit ist einem Empfinden von Vertrautheit, Entspannung und Abenteuer gewichen. Und ich sage zu ihr: "Es macht richtig Spaß mit dir nachts durch die Stadt zu streifen!"
Beim Aufwachen hatte ich diesen neuen Song, der immer auf einem Fernsehsender gespielt wird, im Kopf:
"Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht...."