In einer Art Kapelle, ganz vorne steht ein junger katholischer Priester, der auf dem Kopf ein Kruzifix und darauf eine brennende Kerze balanciert. Vielleicht sind auch noch andere Gegenstände dazwischen. Die Idee für den Aufbau war wohl von mir, allerdings weiß ich nicht mehr, welchem Zweck die Aktion dienen sollte. Der Priester muß mit dem Kopf hin und her, nach links und rechts schwanken, um Kruzifix und Kerze aufrecht zu halten. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit, die irgendwann doch herunterfällt, wobei sich das Wachs der Kerze auf den Teppich ergießt. Ach herrjeh, denke ich, Wachs auf Teppich geht doch nie mehr raus. Hilfesuchend wende ich mich zum Priester um, der sich jedoch jetzt auf die Seite der in der Kapelle Sitzenden geschlagen hat. Auch zu ihm sage ich etwas in der Art, halb entschuldigend, hoffe aber, daß er erklärt, es wäre nicht so schlimm. Stattdessen bestimmt er, daß ich schuld sei und deshalb den Wachs auch entfernen müsse, egal wie. Das macht mich ratlos, doch meine Tante, die ebenfalls in der Kapelle sitzt und eine wilde Frisur mit blonden Rasterzöpfen trägt, kommt mir zur Hilfe und meint, daß sie weiß, wie man den Wachs wieder aus dem Teppich bekommt. Alles kein Problem.
bei tropischen Temperaturen hat etwas von Folter. Wenigstens mußten wir heute nicht über Bälle rollen, sonst wäre mir irgendwas geplatzt (JFK-Karma).
Und wenn es mich meist schon reichlich nervt, daß Männer ausgerechnet beim Einsteigen in öffentliche Verkehrsmittel plötzlich zum Kavalier mutieren, um mir den Vortritt zu lassen, möchte ich den Männern, die mir beim Betreten des Bürgersteiges den Vortritt lassen und dabei auf der Straße stehen bleiben, sagen, daß dies schlimme Konsequenzen nach sich ziehen kann und man dafür kein Denkmal für gefallene Helden gestiftet bekommt.
was manche Menschen mit der Friedhofspflege haben. Meine Mutter jammert ständig wegen des Grabes herum. Ein Stein ist zwar jetzt aufgestellt, aber sie muß immer pflanzen und harken und gießen und was weiß ich. Ich habe das Gefühl, sie will das gar nicht und kann es auch nicht mehr so richtig, aber wenn ich sage, sie soll doch einfach Efeu drüber wachsen lassen und nur hin und wieder Schnittblumen hinbringen, wenn ihr so ist, dann geht das nicht. "Was sollen denn die Leute denken." Komisch, es kommt mir so vor, als ob die Leute nur sie sind. Letztens war sie mit einer Bekannten, die ihren Mann ebenfalls verloren hat, an deren Grab, und hat sich hinterher am Telefon bei mir aufgeregt, wie unmöglich das aussieht, weil diese das Grab hat zuwachsen lassen und nur Blumensträuße hinstellt. Klar, wenn man selbst so denkt, geht man wahrscheinlich davon aus, daß alle anderen auch so denken. Aber sogar wenn, mein Gott, mit 76 muß man doch nun wirklich nichts mehr darauf geben, was die Leute sagen, oder? Ich verstehe das sowieso nicht: Entweder, es ist ein inneres Bedürfnis, das Grab zum Andenken zu pflegen oder pflegen zu lassen, oder man läßt es halt bleiben und überläßt der Natur den Rest. Aber sich für die Leute sowas aufzubürden ist ja nun schwachsinnig, vor allem, da mein Vater noch nicht einmal "Grünzeug" mochte und sich immer aufgeregt hat, wenn es ihm die Sicht versperrte. Es geht schließlich niemanden etwas an, wie man jemandem gedenkt. Es gibt auch Menschen, die stellen sich ein Bild des Verstorbenen ins Zimmer und haben daneben frische Blumen, ohne sich ansonsten großartig um das Grab zu kümmern. Sie soll bloß nicht auf die Idee kommen, daß ich noch anfange, auf dem Friedhof herumzubuddeln. Wenn im Haushalt etwas zu machen ist, was sie nicht mehr schafft, oder etwas zu besorgen ist, keine Frage, dann wird geholfen, auch wenn ich mich gerade selbst kaum bewegen kann. Blöderweise haben wir die seltsame Tendenz, daß wir immer gleichzeitig Phasen haben, wo wir gesundheitlich angeschlagen sind. Das liegt wohl daran, daß wir am selben Tag Geburtstag haben und da gewisse Rhythmen ähnlich sind. Früher bin ich krank geworden, wenn es ihr schon nicht gut ging, und heute wird sie krank, wenn es bei mir gesundheitlich am kritischsten ist. Das ist extrem belastend, aber egal, es muß halt dann irgendwie gehen, doch ohne Grabpflege. Mir für meinen Teil ist im übrigen mein Grab völlig egal. Meinetwegen können sie mich unter einem Baum verscharren.
hat sich meinen Balkon zur romantischen Liebesinsel erkoren und trifft sich dort nun bereits seit einer Woche pünktlich jeden Morgen gegen 7 Uhr, um zu turteln und zu balzen, was das Zeug hält. Als ich das erste Mal davon erwacht bin, dachte ich, auf dem Balkon liegt ein schnurrender Puma. So ungefähr hört sich das an, oder auch manchmal, als ob jemand ständig ganz erstaunt "Oooohhhhhhhh", "Oooohhhh", "Oooohhhh" rufen würde. In der Woche ist das ja ganz praktisch, weil ich im Prinzip keinen Wecker mehr stellen muß. Für das Wochenende bedeutet das aber, daß ich entweder meine Aufstehgewohnheiten dem Liebesleben der Tauben anpassen muß, oder aber doch so eine böse schwarze Plastik-Krähe besorgen werde.
irgendeine Untersuchung, die festgestellt hat, daß verheiratete Paare nur noch ca. zehn Minuten am Tag miteinander reden. Jedenfalls meine ich mich zu erinnern, daß dies durch sämtliche Zeitungen ging. Ich weiß nicht, ob das Paar in der Wohnung neben mir verheiratet ist, aber nach dieser Ergebnis müssen sie es sein, denn ich höre sie so gut wie überhaupt nicht miteinander reden. Und unser Haus ist ziemlich hellhörig. Ich kann, wenn ich will, im angrenzenden Zimmer jedes etwas lauter gesprochene Wort verstehen. Auch auf dem Balkon, im Treppenflur und in der Küche müßte viel zu hören sein, sowie bei offenem Fenster, aber ich höre nix. Vermutlich sind es noch weniger als zehn Minuten. Anfangs dachte ich sogar reichlich lange, es sei nur eine Person in die Wohnung gezogen. Nun ist sowas ja eigentlich für mich eine Art Idealbeziehung, denn ich werde schon allein von der Vorstellung verrückt, mich ständig mit jemandem unterhalten zu müssen. Ich bin ein großer Schweiger und deshalb wahrscheinlich im falschen Körper. Ich finde, Menschen, mit denen man gepflegt und gemütlich schweigen kann, sind wahrhaft noch rarer gesät, als diese, mit denen man gepflegt und gemütlich plaudern kann. Perfekt ist es natürlich, wenn mit jemandem beides möglich ist und dies auch noch jeweils abgestimmt in beiderseitig zufriedenstellender Zeit und Menge. Auch finde ich die Ruhe nebenan äußerst wohltuend im Vergleich zu dem Lärm, den die unter mir Wohnenden veranstalten. Aber trotzdem - wenn ich die beiden so auf dem Balkon schweigen höre, in der Wohnung schweigen höre, im Treppenflur schweigen höre, und vor allem auch so gut wie niemals lachen höre, wird mir dann und wann irgendwie unheimlich zumute.
Ein völlig überfüllter Seminarraum, in welchem manche Teilnehmer ohne Sitzplatz an Wänden und Fenster stehen, wie ich auch. Die Seminarleiterin, eine junge Frau mit punkig rot gefärbten langen Haaren und einer grünen Haarsträhne auf der linken Seite, ist nicht sehr erfreut darüber. Um zu prüfen, wieviele Personen sich im Seminar befinden, läßt sie durchzählen - jeder sagt der Reihe nach an, welche Nummer er ist. Als ich an der Reihe bin sage ich laut: 22. Nach mir, bei der Nummer 23 und 24, bricht die Zählung ab, da die beiden nicht aufgepaßt haben. Aber die Seminarleiterin wird es sicher schaffen, allein weiterzuzählen.
Ein wandgroßes Fenster, hinter welchem ich junge Entlein umherwatscheln sehe.
In der S-Bahn bietet mir ein älterer Türke freundlich und mit geradebrechten Worten an, auf seinem Schoß Platz zu nehmen, um unauffällig und zur beiderseitigen Entspannung Sex zu haben. Ein Angebot, daß man ernsthaft überdenken sollte. Aber er stinkt und mir fällt immer stärker auf, wie schmuddelig und dreckig er ist, vielleicht sogar ein Obdachloser, deshalb lehne ich dankend ab.
Ein Rollwagen von oben bis unten angehäuft mit türkischen Spezialitäten.
In der nächsten Traumsequenz befinde ich mich in einem Computerspiel. Vor meinen Augen zoome ich durch verschiedene dämmrige Räume. Als ich meine, alles in den Räumen gesehen und gefunden zu haben, fallen mir helle Stellen an der Wand in einer dunklen Nische auf. Ich zoome näher heran und stelle fest, daß die gesamte Wand mit Urlaubsangeboten in einer fremden Sprache und Strandbildern zugepflastert ist. Hm, gehört das nun noch zum Spiel oder sind es vielleicht echte Angebote, die man auch buchen kann? Wenn ja, könnte man sie sich mal genauer anschauen.
Ok, der Traum will mir anscheinend sagen, daß ich mit Sex und Urlaub entspannen sollte. Das mit dem Urlaub muß aber noch ein wenig warten.
fliegen verschreckt im Kreis und ich selbst traue mich nicht einmal mehr auf den Balkon, weil mir dort die Raketen um die Ohren fliegen. Ich gehöre nicht hierher, ganz bestimmt. Beamt mich bitte umgehend wieder zu dem Planeten zurück, von dem ich gekommen bin. Ich verstehe diese Krawall-Zivilisation hier nicht.
piesackte mich letzte Nacht. Wenn die Viecher wenigstens mal ihren Propeller abstellen würden, dann könnte man immerhin ruhig weiterschlafen während sie einen verspeisen. Immer diese nächtlichen Kriegszüge über Tisch und Bett und die nächtliche Sucherei nach dem Teebaumöl für den verwundeten Sieger. Und vor lauter Mordlust konnte ich bis zum Morgengrauen trotzdem nicht mehr einschlafen.
Und so kam es wie es kommen mußte, ich machte am frühen Abend ein anderthalbstündiges Nickerchen. So etwas mache ich so gut wie nie, sondern versuche es immer zu vermeiden, schließlich ist der Tag eh schon viel zu kurz. Aber bei dieser Bullenhitze, Migräne und kaum Schlaf ging gar nichts mehr. Geträumt habe ich währenddessen von einem Eichhörnchen auf einer dämmrigen Lichtung, das mich beobachtete, aber auch nicht näher kommen wollte. Es war gerade noch so hell, daß ich es als Eichhörnchen identifizieren konnte. Später stellte ich fest, daß heute ein langer Leseabend im Radio läuft, und dachte mir, da ich gerade die Bachmannpreis-Lesungen durch habe, könnte ich mit dem Radio weitermachen. Dann stand plötzlich K. vor der Tür und wollte, daß wir es noch einmal miteinander versuchen. Das fand ich aber keine gute Idee, da ich es gerade sehr genoß, alleine zu sein.
Auf dem Weg zum Supermarkt meinte ich erst, ich hätte mich verguckt, aber zwischen den vielen Deutschlandfahnen an den Fenstern hing tatsächlich eine, auf der noch Hammer, Zirkel und Ährenkranz zu sehen sind. Die haben sie einfach so dazwischen geschmuggelt und seltsamerweise fällt es wirklich kaum auf. Ich muß bereits mehrere Male daran vorbeigegangen sein. Im Supermarkt verkaufen sie leere Flaschen zum Schnaps selber brennen, aber das habe ich nicht vor, stattdessen kaufte ich etwas für meine Matschbirne:

Mit meiner Mutter zusammen hole ich eine ihrer Bekannten vom Proktologen ab. Das ist wohl nötig, weil meine Mutter unbedingt die Diagnose erfahren muß. Die Praxis des Proktologen ist sehr edel eingerichtet. Im Warte- und Empfangszimmer stehen schöne gedrechselte Möbel im Landhausstil. Anscheinend ist es ein sehr gut situierter Arzt, vielleicht ein Arzt für Reiche. Ich denke darüber nach, daß sich auch meine Mutter immer solche repräsentativen Praxen aussucht. (Tut sie das? Nicht, daß ich wüßte.) Aus einem Nebenzimmer kommt jetzt der Arzt ohne uns weiter zu beachten. Er ist sehr attraktiv mit angegrauten Haaren und einem Schnurrbart. Außerdem hat er eine junge, aber bereits erwachsene Tochter, blond und ebenfalls attraktiv, die er in der Praxis überall "mitmischen" läßt. Die Sprechstundenhilfe ist eine hagere, etwas genervt wirkende Frau mit kurzen Haaren und Brille. Wir setzen uns an ihren stämmigen (Eichen?)tisch und warten. Eine fremde Frau sitzt mit uns am Tisch und wartet ebenfalls. Die Einrichtung des Wartezimmers geht völlig unbegrenzt in einen öffentlichen Straßenplatz über, so daß ich vom Stuhl aus die öffentliche Telefonzelle beobachten kann. Jemand aus der Praxis betritt sie, um zu telefonieren. Mir fällt an einer Hauswand ein großer rechteckiger Spiegel auf, in welchem sich viele kleinere Spiegel spiegeln, sowie ein buntes Bild mit viel Rot. Seltsamerweise bin ich in dem Spiegel nicht zu sehen, was ich im Traum aber nicht bemerke. Stattdessen versuche ich die Spiegelung zu fotografieren, da mir die Komposition gefällt. Es gestaltet sich jedoch schwierig, die Spiegelung zu knipsen, da sich je nachdem, ob in der Praxis eine Tür offen steht oder nicht, der Lichteinfall massiv ändert und es teilweise zu dunkel wird, um von dem Bild, das am weitesten entfernt ist, noch etwas zu erkennen. Deshalb bleibe ich vor dem Spiegel stehen und versuche, bei einer günstigen Gelegenheit "zuzuschnappen". Die fremde Frau beobachtet interessiert und wohlwollend meine Bemühungen und kommentiert sie mit lauten, bestätigenden Worten. - Ja, das ist gut.- Genau dorthin stellen. - Vielleicht niedriger halten. - Jetzt geht die Tür auf. usw.
Beim Blick aus einem Fenster erkenne ich linksseitig einen grünen, umzäunten Hügel. Kinder rennen den Hügel herunter und klettern über den Zaun auf die Straße. Ich schaue kurz weg und als mein Blick erneut aus dem Fenster fällt, sehe ich einen großen schwarzen gestrandeten Wal auf der Straße liegen. Nanu? - wundere ich mich, - Wo kommt der denn her? Ist hier irgendwo Wasser?
Ich versuche seine Größe zu schätzen und sage laut zu einem Kind neben mir: "Ca. 20 Meter."
Innerlich korrigiere ich mich jedoch und denke, daß es wohl doch nur zwischen 15 und 19 Meter sind.
Bemerkung: Als ich nach dem Aufwachen im Halbschlaf versuchte, die Träume zu rekonstruieren und erste Sätze zu bilden, begann ich so: "Mit meiner Mutter zusammen hole ich einen Wal vom Proktologen ab." Das wäre allerdings sogar für einen Traum ziemlich "dick" aufgetragen. *gg*
Man orakelt:
AMUN - Der Herr des Verborgenen
Geheimnisvolle Kräfte wirbeln durch Ihr Leben. Seien Sie also vorbereitet! Jenseits Ihres Begriffsvermögens und außerhalb Ihrer Kontrolle, werden sich Dinge in Ihrer Umgebung verändern. Gehen Sie nicht dagegen an, denn diese Kräfte entsteigen aus Ihnen selbst. Haben Sie Vertrauen in sich, zum Leben und fügen Sie sich dem Lauf des Universums.
AMUN sagt häufig eine Zeit voraus, in der Sie eine größere Wirkung aus der Ferne und durch Ihren Ruf, als durch unmittelbaren persönlichen Kontakt haben. Im Geschäftsleben wäre es nun besser, Verhandlungen aus dem Verborgenen heraus zu leiten, an Mitarbeiter oder jüngere Angestellte zu delegieren und nicht alles selbst zu erledigen. Um sich Ihre Erfolge zu sichern, machen Sie eine Pause und denken Sie über Ihre weiteren Schritte nach, ehe Sie handeln.
Aus der Ferne, aha. Ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll. Da ich keinen Praktikanten habe, den ich für mich arbeiten lassen kann, werde ich meinem Arbeitgeber vorschlagen, künftig meine Arbeit telepathisch zu erledigen, während ich auf meinem kühlen Backsteinbalkon mit einer eiskalten Cola Vögel beobachte.
hat mir heute erzählt, daß wohl zwei Kolleginnen vom Arbeitgeber einen großen Sitzball gesponsort bekommen haben. Und ich habe mir das Ballsitzkissen für den Bürostuhl noch privat zum Geburtstag schenken lassen. Schön blöd, aber ich wäre niemals im Traum darauf gekommen, daß man so etwas beantragen kann. Wobei ich viel lieber als einen Sitzball ein extra für mich eingebautes Reck hätte. Während der Arbeit überkommt mich nämlich immer mal wieder das unwiderstehliche Verlangen, mich an die Lampe über den Schreibtisch, die Regenrinne oder den nächstbesten Baum zu hängen. Während das Stehen oder Hopsen bei der Arbeit aber schon gesellschaftlich akzeptiert ist, habe ich von Hängevorrichtungen zur Gesundheitsvorsorge noch nichts gehört. Doch am allerliebsten wäre mir gerade, wenn endlich mal jemand diese sch... Migräne in meinem Kopf ausschalten würde. Zwei Wochen reichen, finde ich, und bei dieser Hitze ist die abendliche Cola mit dem buntem Schmerztablettencocktail das einzige, das mich irgendwie am Leben hält und zumindest einmal am Tag aus dem Wattewolkenkoma holt.
bei der Anmoderation der Verleihung der Bachmannpreises:
"Herzlich Willkommen zu den Klagen der Deutschen Literatur"
statt
"Herzlich Willkommen zu den Tagen der Deutschen Literatur in Klagenfurt"
Ich finde, die erste Version würde fast besser passen. *gg*
Mehrere Leute um einen quadratischen Tisch versammelt. Ich stehe daneben. M. kommt herein und beachtet mich kaum, erst als ich mich zu ihm drehe, gratuliert er mir kurz angebunden zum Geburtstag und läßt sich auf einen Platz am Tisch fallen. Es macht mich traurig, daß er mich so übergeht, vielleicht hat er meinen Geburtstag sogar vergessen. "So geht das nicht." denke ich. "Das kann so nicht bleiben." Erstaunt, fast ein wenig erschrocken, bemerke ich, daß ich es kaum ausgedacht, laut sage. Damit habe ich selbst nicht gerechnet. Aber wenn es nun schon so ist, dann muß ich auch gleich sagen, was ich meine. Ich beuge mich über M., einen Arm auf seiner Schulter und bedeute ihm liebevoll, aber bestimmt, daß wir nachher reden müssen. Eigentlich würde ich es gern in Ruhe klären, doch irgendwie kommt es gleich dazu, wobei ich gar nicht viel sagen muß. M. scheint auch so zu verstehen, steht jetzt neben mir, seinen Arm um meinen Rücken gelegt. Das fühlt sich besser an, es war anscheinend keine böse Absicht, daß er mich übersehen hat. Mir fällt auf, daß er sehr müde und erschöpft wirkt, und außerdem seltsam riecht, nach Eiter oder Zahnarzt. Ist er vielleicht krank?
Einen Gehsteig von feinem Sand freifegen, der wohl vom Strand hier gelandet ist. Doch will sich der Sand vom Besen nicht mitnehmen lassen und sammelt sich immer wieder in niedrigen Dünen auf den Gehplatten. Eine wahre Sisyphos-Arbeit.
Wenn ich es bin, dann wäre ich gerne andersrum dumm, nämlich so, daß ich es wirklich nicht mehr mitkriege, wenn man mich für blöd verkaufen will. So ein bißchen Dumpfheit erleichtert das Leben ungemein, glaube ich. Stattdessen erstaunt mich die ungeheure Kreativität anderer, mit der sich Gehässigkeiten, Lügen, Boshaftigkeiten u.ä. ausgedacht werden, nur um von der eigenen Dummheit abzulenken. Und das, was gemeinhin als "Liebe" bezeichnet wird, ist scheinbar meistens nicht mehr als ein Territorium, das es zu erobern, zu besetzen und notfalls zu verwüsten gilt. In der Christenlehre haben wir einmal ein Spiel gespielt, in dem jeder sagen sollte, was der Spielpartner für ein Tier ist. Ich bekam das Prädikat "Reh". Langsam fühle ich mich tatsächlich wie eines, das beim minimalsten Beben des Bodens oder eines Mundwinkels schon die Flucht ergreift. Gelernt ist gelernt. Schließlich sitze ich in einer perfiden Zeitschleife fest, in der ich regelmäßig alle zehn Jahre auf die Nase falle. Leider wird es mit der zunehmenden Anzahl der Dekaden nicht besser, viel mehr schlimmer, weil ich jedesmal sensibler werde für die kleinsten Anzeichen, die ich früher noch gar nicht wahrgenommen habe, und trotzdem aber ist der Schock genauso groß, wenn nicht sogar größer. Gut, wenn man dann überhaupt noch die Möglichkeit zum Flüchten hat und nicht so tun muß, als würde man ein bißchen schwer von Begriff sein und nichts vom bösen Spiel bemerken. Leider bin ich darin überhaupt nicht schwer von Begriff, habe aber keine Lust, mich in dieser Sache auch noch als bekloppt hinstellen zu lassen.
Zitat:Neptun Opposition Sonne, ,
aktuell ab Anfang April 2009 bis Ende Januar 2011
Ein schwieriges Wegstück ***
Während vieler Monate gültig: Während dieser Zeit sollten Sie vorsichtig sein. Die körperliche Vitalität läßt zu wünschen übrig - wer nicht aufpaßt, mag durch verschiedene Gebrechen geschwächt werden. Deshalb sollten Sie jetzt möglichst auf Drogen oder Medikamente jeder Art verzichten, selbst wenn sie vom Arzt verschrieben sind. Sie sollten nur Nahrung zu sich nehmen, die Ihnen gut tut und nicht einer ausgefallenen Diät folgen, bei der aus weltanschaulichen Gründen auf bestimmte Speisen verzichtet werden muß. Eisenmangel und ähnliche Mangelerscheinungen wirken in dieser Zeit stärker als sonst.
In Ihren mitmenschlichen Beziehungen sollten Sie jetzt darauf achten, daß Sie sich so klar und verständlich ausdrücken, wie es Ihnen nur möglich ist, und bei niemandem Zweifel über Ihre Absichten und Meinungen aufkommen lassen. Arbeiten Sie nur mit Menschen zusammen, denen Sie vertrauen und mit denen die Kommunikation funktioniert, damit eventuell auftauchende Mißverständnisse sofort ausgeräumt werden können. Jedem Menschen, mit dem Sie jetzt Kontakt aufnehmen, sollten Sie reichlich Zeit und Gelegenheit einräumen, seine ehrlichen Absichten unter Beweis zu stellen.
Ich habe keinen Bock mehr. Am liebsten würde ich dieses Jahr gleich abhaken und überspringen. Muß ich den Rest jetzt unbedingt noch mitmachen? Ich weiß ja manchmal kaum, wie ich über die Woche komme. Nächstes Jahr wird es besser, wird zumindest versprochen, und wenn nicht, dann weiß ich auch nicht. Dann bin ich wohl auf dem absteigenden Ast. Und ich dachte immer, es geht erst mit 50 abwärts.
Die Ratten lassen mich nicht in Ruhe. Besonders nachts kommen sie, aber auch tagsüber, wenn man nicht damit rechnet. Dann kriechen sie aus ihren Löchern und werden zu riesigen Monstern aus Boshaftigkeit, Gehässigkeit, Intriganz, Häme und Gemeinheit. Es scheint beinahe so, als würden sie sich von den Irrtümern und Erinnerungsfetzen eines ganzen Lebens nähren und so immer dicker und fetter werden, bis man am liebsten keinem Menschen mehr trauen möchte und sich nur noch bedroht fühlt. Am Tag ist da sonst nur der Gedanke "einfach weitermachen" und ich mache einfach weiter, so wie ich es gewohnt bin, ohne groß nachzudenken. Denn ich weiß manchmal nicht mehr, was ich denken soll. Einerseits ist da das Gefühl, daß es Menschen gibt, die es gut mit mir meinen, andererseits gibt es aber auch jene, die mir feindlich gesinnt sind oder mir sogar schaden wollen, zumindest verhalten sie sich so, und mir scheint es nicht mehr zu gelingen, herauszufinden, wer denn nun wer ist. Ich bin komplett verwirrt und das macht mir Angst, weil das doch nur schiefgehen kann. Welches ist denn nun das kleinere Übel: Der verkehrten Person zu mißtrauen? Oder der verkehrten Person zu vertrauen? Beides ist gleichermaßen schmerzlich.
Und dann immer diese kleine fiese Stimme im Kopf, die sagt: "Du bist schuld. Du bist einfach nicht er-tragbar. Wahrscheinlich hast du wieder irgendwas übersehen, bist irgendjemanden versehentlich auf den Schlips gelatscht oder sehenden Auges in ein Fettnäpfchen." Aber HALLO - möchte ich ihr antworten - mir treten ständig und unentwegt Leute auf den Schlips, ohne daß ich deshalb bösartig oder werde. Also was ist das Problem?
Mit meinem Vater auf einem Friedhof, wo er wohl einer Exhumierung beiwohnt. Seltsamerweise trägt er dabei seinen Talar. Ich bin nur Nebenperson und seine Begleitung. Ein Friedhofsabschnitt liegt in Tischhöhe vor ihm und der Sarg ist wenige Zentimeter unter der Erde, so daß er schnell ausgegraben ist. Die Leiche liegt nun ebenfalls in Tischhöhe vor ihm. Ich versuche nicht hinzuschauen, da ich mir die Leiche nicht anschauen möchte und beschäftige mich anderweitig, erhasche aus dem Augenwinkel jedoch trotzdem immer ein wenig, was vorgeht. Anscheinend will mein Vater die Leiche auch nicht anschauen, denn er sagt zu den Totengräbern, ob mal jemand die Leiche wegbringen könnte, damit er sie nicht dauernd sehen müsse.
Diese legen sie auf eine Liege, wo ich sie jetzt aus dem Augenwinkel ein wenig erkenne. Sie ist noch überhaupt nicht verwest und sieht ganz normal aus, so als würde jemand auf der Liege schlafen. Es ist ein großer Mann in schwarzem Anzug und mit silbergrauen Haarsträhnen. Wahrscheinlich erst vor kurzem verstorben. Aus einem großen Plastikbeutel voller Edelsteine suche ich einen Bergkristallstrahl heraus, welcher zwei gegenüberliegende pyramidenförmige Spitzen hat. Ich weiß zwar nicht wozu und weshalb, habe aber vor, diesen Bergkristall irgendwo auf dem Friedhof so abzulegen, wie es bei den Juden mit gewöhnlichen Steinen üblich ist.
Eine total verschimmelte Zitrone in meinem Kühlschrank.
Bemerkung: Ich hatte tatsächlich eine Zitrone im Kühlschrank, die bis gestern noch von oben gelb und frisch aussah. Nach dem Traum, beim ersten Gang zum Kühlschrank, hob ich sie prüfend hoch - unten hatte sich eine schimmlige Stelle gebildet und ich mußte sie wegwerfen. Witzig, worauf einen das Unterbewußtsein manchmal hinweist.
Eine seltsame Sportart ähnlich wie Autoscooter, jedoch mit Booten auf ziemlich steilen Wasserwänden. Die Regel lautet: Ausweichen ist nicht erlaubt! Ich war noch nicht auf so einer Wand als eine Trainerin hereinkommt und sich jemanden vorknöpft, der einem anderen Boot ausgewichen ist. Dabei sagt sie, daß Ausweichen nur für Leute mit entzündetem Rücken erlaubt ist. Innerlich rätsel ich jetzt, ob das auch für mich gilt. Woher soll ich wissen, ob der Rücken entzündet ist oder nicht? Ich kann es ja nur vermuten. Wenn es für mich nicht gilt, werde ich sicher ebenfalls Ärger bekommen.
Beim Aufwachen hatte ich plötzlich die überraschende Deutung eines anderen Traumes im Kopf.
Für alle die wie ich keine Zeit hatten, die Fernsehübertragung zu sehen, gibt es
hier sämtliche Livestreams von Lesungen und Diskussionen zum Nachholen. Ich glaube, ich werde mich damit jetzt auf den Balkon verziehen und wünsche ein schönes Wochenende.