Ein Geschäft in der Innenstadt, welches sich irgendetwas mit "Frühling" nennt. Vielleicht "Frühlingsmarkt" oder ähnlich. Es ist sehr beliebt zum Kramen, da man dort neben Kleidung vor allem Selbstgemachtes bekommt. Ich schaue ebenfalls hinein. Über Treppen geht es durch mehrere kleine Verkaufsräume. In einem liegen Lammfell-Winterjacken gestapelt, die mich aber nicht so sehr interessieren, da ich ja eine besitze. Stattdessen erregt eine kurze Jacke in samtigen strahlenden Weiß mit weißen Fellpuscheln meine Aufmerksamkeit. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich eine hauchfeine, leicht durchsichtige goldene Zickzackborte an Ärmel- und Jackenabschluß. Ja, das würde mir gefallen. Überraschend fällt mir ein, daß Gris, aus jenem Traum: http://weltentanz.twoday.net/stories/stoerenfreunde/, gar nicht mehr angerufen hat. Allerdings habe ich ihn meinerseits ebenfalls völlig vergessen, obwohl unser Treffen gerade erst höchstens eine Woche, (oder zwei?), her ist. Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit, die inzwischen vergangen ist, was ich seltsam finde. Auch, daß mir zwischendurch alles entfallen ist. Vielleicht hat er ja doch angerufen - ich hatte die ganze Zeit mein Handy ausgeschaltet. Das Handy mußte man irgendwo abgeben und ich bekomme mit, daß ein Kind fast darüberlatscht, weshalb ich schnell hinzuspringe und es rette. Oder nicht, denn das Handy ist bereits kaputt. Ein breiter Riß zieht sich vertikal über das Touchdisplay und es ist nichts mehr darauf zu erkennen, auch nicht, ob jemand angerufen hat. So ein Mist. Dafür ist das Handy jetzt in einen breiten Rahmen zum Aufhängen an die Wand gebettet. Dieser enthält einen Stadtplan und Pins zum Markieren. Immerhin, gar nicht so schlecht dieses Offline-Teil. Ich stecke beides ein, da ich inzwischen argwöhne, es ist nicht mein Handy, sondern wurde vertauscht. Aber meines finde ich wahrscheinlich eh nicht mehr. Irgendwo sehe ich Gris mit einer Frau sitzen, anscheinend eine Neue, die er umgarnt hat. Erwartungsgemäß läßt es mich völlig gleichgültig, da ich nicht in ihn verliebt war. Ich kann nun wohl davon ausgehen, daß er nicht angerufen hat, aber frage mich, ob er mich noch kennen will oder nicht und ich ihn ansprechen soll. Immer so tun, als ob man sich nicht kennt, ist auch doof. Doch ich störe lieber nicht und kaufe stattdessen eine rot-weiße Sommerjacke aus einem Mix von kleinen Karos und Blumenmuster. Leider habe ich sie vorher nicht anprobiert und stelle erst auf der Straße fest, daß die Ärmel viel zu klein und kurz sind. Ich kriege da nicht einmal meine Hand hinein, weshalb ich noch einmal das Geschäft betrete und reklamiere. Die Dame am Verkaufstand ist etwas verärgert, aber mein Gott, ich kann ihr auch nicht sagen, warum ich die Jacke vorher nicht anprobiert habe. Und das ist ja wohl unrelevant, denn ich möchte schon eine Jacke haben, die paßt.
Mit Booksandmore befinde ich mich in einer speckigen Spelunke. Der Wirt hinter der Theke, vor der wir anstehen, ist schmierig und seine langen zotteligen braunen Haare werden von einer glänzenden Halbglatze gekrönt. Mir ist dieser Ort suspekt, aber Books behauptet, daß es hier die besten (Pommes? Kartoffelplätzchen?), jedenfalls irgendeine Spezialität gibt, auf die er schwört. Eigentlich ist die Kneipe sogar für zwei Spezialitäten bekannt, aber Books schwört vor allem auf dieses Kartoffelgericht. Mein Blick fällt zufällig unter die Theke, wo kiloweise faulige, halb schwarze Kartoffeln lagern, die anscheinend für das Essen verwendet werden, denn ein Schälmesser liegt mit dabei. Mir ist der Appetit vergangen und ich frage mich, ob Books das nicht sieht oder ob es ihm egal ist. Da ich ihm aber auch nicht die Freude nehmen möchte, wage ich nur zu sagen: "Laß uns woanders hingehen, hier schmeckt es nicht.", was natürlich keinen Erfolg hat. Es käme ihm gar nicht in den Sinn, auf seine Lieblingsspezialität zu verzichten und schließlich hat es ihm bisher immer geschmeckt. Nur leider haben wir jetzt ein Problem, denn der Wirt hat gehört, was ich gesagt habe. Für einen Moment befürchte ich fast, wir bekommen Ärger. Doch statt zu schimpfen beläßt es der Wirt dabei, uns vollständig zu ignorieren, obwohl wir an der Reihe gewesen wären. Stattdessen sagt er sogar zu einem Angestellten, ich vermute um uns eins auszuwischen, er solle ihm die besten fünf Stücke der Spezialität zurücklegen. Langsam verziehe ich mich in den hinteren Teil des Raumes, auf die erste Reihe an der Wand entlanggeführter Sofasitze, denn ich habe zum einen ein schlechtes Gewissen, weil ich Books den Spezialitätengenuß vielleicht vermasselt habe, und zum anderen, weil es, falls er doch noch etwas bekommt, wohl noch dauern wird. Zufällig weiß ich, daß sich genau unter dem Sitz, auf den ich mich gesetzt habe, der Alarmknopf befindet. Man muß deshalb immer vorsichtig sein, ihn beim Hinsetzen nicht versehentlich auszulösen. Doch es ist alles gut gegangen. Neben mir in einer Nische lassen mehrere Männer kleine Gummisaurier die Wand hinauflaufen. Sie laufen ganz von alleine, so als wären sie lebendig. Vielleicht sind sie das sogar? Als sie meine Neugier bemerken, jagen sie die Saurier zu mir. Schnell drehe ich ihnen den Rücken zu, spüre jedoch, wie eine Horde Tyrannosaurius Rex genau meine Wirbelsäule entlang hinauffegt bis zu meinem Kopf, wo sie scheinbar im Gehirn verpuffen, und ich erwache.
Bemerkung: Hm, ich habe den Eindruck, Taxol wirkt auf das zentrale Nervensystem inklusive Gehirn und frage mich, ob dieser Traum wohl auch eine Auswirkung davon ist. Das Komische ist, daß ich irgendwann später im Halbschlaf die perfekte Deutung für diesen Traum hatte, die mir aber wieder entfallen ist.
Der Frühling ist da! Wer das sagt? Mein Glücksklee. Er zeigt bereits fünf Triebe mit winzigen Kleeblättern, nachdem ich mir letztes Jahr um diese Zeit schon Sorgen machte:
Ich hoffe, er gibt sich dieses Jahr ein bißchen mehr Mühe mit dem Glück.
PS: Mein Horrorskop sagt für heute: "Ihre Zimmerpflanzen sind für Ihre Zuwendung jetzt besonders empfänglich.". Also werde ich mal ein paar klärende Worte mit dem Klee wechseln. *gg*
Geduld und Ungeduld haben keinen Wert für sich, sondern einen funktionellen Nutzen. Die jeweilige Herausforderung muss bestimmen, ob ich ungeduldig fordere oder geduldig reifen lasse. Nicht der geduldige Mensch ist der reife Mensch, sondern derjenige, der fähig ist, angepasst sowohl geduldig als auch ungeduldig zu sein. Entwicklungsaufgaben bemessen sich zudem nicht an einer allgemein verbindlichen Norm, sondern an der persönlichen Ausgangssituation; somit kann diese Aufgabe für einen Menschen "Geduld", für den anderen aber "Ungeduld" heißen.
(aus "Die Kunst der langen Weile" von Ulrike Zöllner)
Meine Eltern haben eine Zwangsheirat zwischen mir und einem entfernten Cousin namens Cairo organisiert. Wir haben uns noch nie vorher gesehen und lernen uns erst während der Festlichkeiten zur Hochzeit kennen. Diese sind eher reduziert und finden im kleineren Kreis, aber über längere Zeit statt. Das erste, was ich von Cairo sehe, ist sein royalblau leuchtender Pullover auf meinem Bett und ich denke genervt bei mir, daß ich jetzt nicht mehr nur meine Pullover, sondern auch seine waschen muß. Und ich vermute, daß er ebenfalls nicht sehr begeistert über diese Heirat und über mich ist und sein wird. Ein Großteil der im Dunkeln bleibenden Handlung findet nun im Garten meiner Großmutter statt, der mehr einem orientalischen Zaubergarten gleicht, mit vielen versteckten Winkeln, Springbrunnen und Wasserbecken. Irgendwo ein niedriger Baum, in welchem ich eine graue Tigerkatze und einen schneeweißen Vogel entdecke. Erst überlege ich, was für eine Vogelart das ist, doch dann beschäftigt mich, daß er von der Katze eindeutig belauert wird. Ob sie ihn wohl fangen wird?
traf ich heute R. und in solchen Momenten bin ich immer froh, daß sich Männer in der Regel nicht für Frisuren interessieren und auch nicht danach fragen. Trotzdem bleibt stets ein Quentchen Zweifel, ob er die verräterischen Indizien nicht doch bemerkt hat und nur zu feinfühlig war, mich darauf anzusprechen. Schließlich habe ich an Stelle der Augenbrauen und Wimpern nur noch ein paar Borsten und fühle mich insgesamt wie ein gerupftes Huhn, das die fremden Federn eines Goldfasans auf dem Kopf trägt. Zumindest sind die Ponyfedern aber so lang, daß man das Gesicht dahinter ein bißchen verstecken kann. Mehr als ein bißchen verstecken geht jedoch nicht. Ich fühle mich alles andere als begehrenswert und bei gewissen Begegnungen nervt das. Natürlich könnte ich mir sagen, wer sich jetzt plötzlich von mir abgeschreckt fühlt, auf den kann ich eh verzichten, aber so einfach ist das nicht. Und natürlich könnte ich mir auch Wimpern ankleben und Augenbrauen malen, so wie eine der anderen Chemopatientinnen, müßte aber Angst vor jedem Tropfen Regen haben, weil die Wimpern mir auf einmal schräg im Auge hängen könnten. Am Mittwoch sprach mich jemand im Chemoraum an, weil meine Fingernägel noch alle normal aussehen. Bei ihr sind sie braun geworden und sie übermalt sie jetzt mit Nagellack. Eventuell blüht mir das später ebenfalls. Und wenn ich mir vorstelle, ich wäre bereits zwanzig Jahre älter und müßte neben Perücke, falschen Wimpern und Augenbrauen, Nägel lackieren, auch an meine falschen Zähne denken, und dazu vielleicht noch an eine Brustprothese, meine Güte, ich glaube, da wäre ich bereits erschöpft, bevor ich einen Schritt nach draußen getan hätte. Was macht man eigentlich, wenn in dieser Situation das Gedächtnis nachläßt? Abhaklisten schreiben und vervielfältigen? Obwohl - noch ein paar Reaktorunfälle und radioaktiver Fallout mehr, und schon sehen alle so aus wie ich....
hindurch vom Bett aus einen hellen Stern in der oberen rechten Ecke des Fensters beobachtet, dessen Licht kühl blinzelte. Doch immer, wenn ich an das Fenster ging und hinausschaute, war er verschwunden.
Die fast letzten Dresdenbilder (Twoday.net hat sich jetzt wohl einfallen lassen, daß man keine Bilder mehr ohne Text einfügen kann. Dann spamme ich eben so.)
Lange Ausflüge durch die Nacht. Zuerst alleine auf der Suche nach dem richtigen U-Bahn-Aufgang. Daß ich den falschen erwischt habe, bekomme ich erst mit, als sich das Tor des entsprechenden Aufgangs langsam senkt, bis nur noch ein schmaler Spalt über dem Boden offen ist. Wenn ich nicht mehr herauskomme, bin ich eingeschlossen.
Später mit früheren Klassenkameraden, besonders N.B., Ausflüge an der U-Bahn-Linie und einem Zaun entlang. Ein schwindelerregendes, buntes Klettergerüst, eine riesige Kirche mit winzigen Fenstern, die fast wie ein Bollwerk wirkt. An einem versteckten Pfad hinter dem Zaun stehen die Stühle und Bänke aus der Wohnung von Sigmund Freud wie Ruheplätze am Wegesrand. Dunkles Holz mit netzartiger Bespannung und Ovalen als Schmuck, in welchen Zahlen stehen. Sigmund Freud selbst spaziert mit Zylinder und Gehstock in der Gegend umher. Aber wenn wir uns auf seine Möbel setzen, wird er irgendwann kommen und mit uns sprechen. Also tun wir das.
von der ich gestern den ersten Zyklus bekam, ist anscheinend tatsächlich verträglicher. Ich hatte jedenfalls nur kurz nach der Infusion eine leichte Übelkeit, welche später einer bleiernen Müdigkeit wich, so daß ich bereits am Nachmittag in einen vierstündigen tiefen Schlaf fiel. Dafür lag ich dann fast die gesamte Nacht schlaflos, ob wegen der vier Stunden oder als Nebenwirkung ist nicht so ganz klar, außerdem stellten sich ein trockener Reizhusten und trockener Rachen ein. Natürlich auch das übliche leergefegte Gehirn. Ich habe das Gefühl, ich werde nach jeder Chemo dümmer. Anscheinend sind Gehirnzellen wohl ebenfalls schnellteilende Zellen. Und ich konnte gestern mal wieder das Paradebeispiel von etwas erleben, worüber man mit Schulmedizinern nicht sprechen kann. Da mir gesagt wurde, ich solle anrufen, wenn die Magen-Darm-Geschichte nicht weg ist, rief ich also vorher an. Gleichzeitig erläuterte ich das Problem, daß ich neben fast allen anderen Dingen auch kein Obst mehr essen könne. Die Antwort der Ärztin war: "Aber das müssen Sie doch auch gar nicht." Das ist mir klar, daß ich das nicht muß. Ich kann mich völlig auf die schönen und gesunden Wunderheilmittel Cortison & Co. gegen die Nebenwirkungen verlassen, bräuchte eigentlich nur noch Pappe zu kauen und steinalt werden. Leider sagt mein Körper etwas anderes und hiepert nach frischer Ananas, Erdbeeren und ähnlichem unnützem Zeug. Sicherlich wird der Grund dafür sein, daß der Körper einer erhöhten Belastung ausgesetzt ist und alle Hände voll damit zu tun hat, die gesunden Zellen, die von der Chemo ebenfalls angegriffen werden, zu regenerieren. Mit zuckrigem Trinkjoghurt läßt er sich nur kurzfristig überlisten. Bei Kindern in Wachstumsphasen behauptet man doch auch nicht, sie bräuchten kein Obst und Gemüse. Ich mein, ich verlange ja nicht, daß Ärzte allmächtig und allwissend sind und für jedes Problem eine Lösung haben. Hätte sie geantwortet: "Ja, die Situation ist nicht optimal, aber aus den und den Gründen, sollte die Chemo trotzdem stattfinden. Versuchen Sie es doch mal mit .....(Vorschläge?)", hätte mir zwar die Antwort je nach den enthaltenen Vorschlägen vielleicht auch nicht weitergeholfen, aber zumindest hätte ich das Gefühl gehabt, mein Gegenüber hat das Problem ebenfalls erfaßt und mich verstanden. Bei solchen Antworten jedoch, wie ich sie bekommen habe, fühle ich mich in nullkommanix in ein anderes Sternensystem katapultiert und mit einer fremden Sprache ausgestattet. Babylonische Sprachverwirrung bis außerhalb der Galaxie. Solche Antworten machen mich einfach nur sprachlos. Bekommen Mediziner beim Studium eigentlich sowas wie eine Gehirnwäsche verpaßt? Geben sie ihren gesunden Menschenverstand zumindest teilweise an der Türe ab oder tauschen sie ihn gar gegen ein Diplom ein? Was für ein krankes Gesundheitssystem....
PS: Vielleicht sollte ich eine neue Rubrik eröffnen "Worüber man mit Schulmedizinern nicht sprechen kann". Einiges beizutragen hätte ich ja seit den letzten Jahren bereits.
Ein von mir geschriebener Text liegt vor mir und gefällt mir nicht. Plötzlich geht mir auf, wie ich es besser machen könnte. Ich nehme mir vor, alles noch einmal neu aber völlig anders zu schreiben, was ich eher selten mache. Es ist, als hätten sich mit einem Mal die tiefsten Geheimnisse der Schreibkunst vor mir eröffnet. Leider ist von der Erleuchtung nichts hängengeblieben.
Meine erste Physiotherapeutin leitet im Traum einen Mal- und Bastelzirkel, der immer freitags um 12 Uhr nach Arbeit bzw. Fachhochschule in ebendieser stattfindet. Ich sitze dort gerade mit ihr und anderen um einen großen, rechteckigen Tisch. Es ist bereits dreiviertel eins ohne daß der Zirkel begonnen hat, als ich plötzlich völlig spontan aufstehe, meine Sachen zusammenpacke und sage, ich könne heute nicht. Sie ist ziemlich verärgert, zumal ich auch sonst nicht so regelmäßig da bin und meint, sie hätte doch vorher darüber informiert, daß der Zirkel später beginnt. Ja, entgegne ich, aber wer hat schon Lust, hier freitags ab um 12 Uhr sinnlos herumzusitzen - und gehe.
Eine neue Wohnung, im dritten Stock gelegen, also etwas niedriger, und mit großen Fensterflügeln, wie sie in Neubauten üblich sind. Im Schlafzimmer existieren zwei Heizungen, eine direkt am Bett und eine unter dem Fenster. Die am Bett habe ich auf 3 gedreht, damit mir nicht so warm wird, die am Fenster ist jedoch voll auf, da ich Tag und Nacht den Fensterflügel weit offen habe, um frische Luft zu bekommen, es mir aber sonst an der Glatze frieren könnte, die zum Fenster liegt. Denn es ist draußen kalt und kleine durchsichtige Schneeflocken tanzen in der Luft. Während ich sinnend am Fenster über diese Lösung nachdenke, fällt mein Blick hinaus und ich sehe den sonnenbeschienenen Hof meines früheren Elternhauses, als würde ich dort am Fenster stehen. Nein, das kann nicht sein, daß ich diesen Hof sehe. Das paßt nicht zusammen. Wenn ich jetzt die Augen schließe und wieder öffne, dann sehe ich die Realität, nehme ich mir vor. Und richtig, als ich die Augen öffne, sehe ich die Wandverkleidung meines Bettes vor mir, in dem ich wahrscheinlich gerade schlafe. Das ist die Realität.
Mit meiner früheren Schulfreundin zusammen in einem Bett. Wir lesen uns gegenseitig Geschichten vor. Sie zuerst eine Sherlock-Holmes-Story, danach bin ich dran. In der Geschichte kommt jede Menge Unterwäsche vor, welche nun als reale Unterwäsche zwischen den Seiten liegt und durch welche ich mich wühlen muß. Dies verwirrt mich, so daß die Geschichte stockt. "Hattest du auch so viel Unterwäsche?" frage ich meine Freundin, die hintereinanderweg und ohne Unterbrechungen gelesen hat. Sie schüttelt den Kopf. Klar, in Sherlock-Holmes-Stories kommt nicht viel Unterwäsche vor. Ich erwache irgendwann im Bett und spüre ein paar Katzenpfötchen auf der Bettdecke tapsen. Auch ein leises, behagliches Schnurren ist nun deutlich zu vernehmen. Die Katze sucht sich anscheinend ein gemütliches Plätzchen. Als ich genauer nachschaue, was sich auf der Bettdecke tut, finde ich jedoch nichts und niemanden. Da ich im Halbschlaf noch nicht sprechen kann, rufe ich nur im Gedanken "Miezi! Miezi!" und schon sehe ich neben dem Bett einen schwarzen Rücken heranschleichen. Ah, ich wußte doch, daß die Katze meine Gedanken verstehen kann. Ich kann mit ihr über die Gedanken kommunizieren. Als ich zur Seite schaue, sitzt da jedoch nicht meine Katze, sondern eine noch sehr junge, völlig schwarze Katze mit einer leuchtend blauen Nase.Wie witzig! Sowas habe ich noch nie gesehen. Ich strecke die Hand aus, um ihr Köpfchen zu streicheln. Sie ist ja so drollig.
Auf einem Sportplatz mit grünem Rasen. An einer Stelle im Rasen hat sich ein Rechteck aus blauen Gänseblümchen gebildet. Ich kann es nicht lassen, drei davon zu pflücken und denke daran, noch drei weiße Gänseblümchen dazu zu nehmen. Auf einer Seite des Sportplatzes marschieren Menschen im Gänsemarsch vorüber, alle von ihnen größere und kleinere weiße Gänseblümchen in den Händen. Wer weiß, was dies für eine Parade ist... Auf dem Weg um den Sportplatz passiere ich einige Leute, die am Rand auf dem Rasen sitzen. Jemand ruft mir hinterher. Als ich mich umdrehe, erkenne ich meine Kollegin K.H., die jetzt anscheinend woanders arbeitet. "Oh, ich habe dich gar nicht erkannt." erkläre ich. Vielleicht liegt das an ihren neuen dunklen und lockigen Haaren, die so überhaupt nicht zu ihr passen. Fast wirken sie wie eine Perücke. Ziemlich böse sagt sie zu mir, daß man sich einige Sachen über mich erzählt. Ich habe keinen Schimmer, was ich nun wieder verbrochen habe und worüber man sich das Maul zerreißt, aber es ist auch nicht viel aus ihr heraus zu bekommen, weshalb ich andere Themen anschneide und sie frage, wie es ihr an der neuen Arbeitsstelle gefällt. Sie scheint zwar versöhnlicher, erzählt aber auch jetzt nicht viel, sondern spricht eher kryptisch, wobei sie unzufrieden wirkt: "Ich denke oft an die Rhododendron-Büsche die 'oben' wachsen, und ich glaube, es hat einen Grund, daß sie genau dort wachsen."
Die Katze war so klein, daß sie in meine Kinderhand paßte, ihre Augen noch verklebt und blind, als sie zu mir kam. Viel zu früh der Mutter entrissen. Aber es ging nicht anders, da an diesem Tag die Tierfänger kommen sollten, um alle Katzen mitzunehmen. Als ich grünes Licht von meiner Mutter bekam, eines der Kätzchen zu holen, griff ich in der Aufregung das erste, das mir unter die Finger kam. Am nächsten Tag waren alle anderen weg. Mein Vater behauptete später, ich hätte mir das Häßlichste ausgesucht, weil sie eine unregelmäßige Zeichnung an der Stirn hatte. Sie war winzig, sah auf dem Puppenwagenkissen, das sie zum Schlafen bekam, aus wie ein verlorener Krümel und zitterte andauernd. Vielleicht vor Kälte, vielleicht vor Angst. Ich zog sie mit einem Liebesperlenfläschchen und Milch auf, und ich wundere mich heute noch, daß sie bei mir überlebt hat. Sie wurde tatsächlich eine große, gesunde Katze, allerdings immer sehr dünn und grazil. Ich vermute beinahe, meine Eltern hatten selbst nicht damit gerechnet. In Nächten wie diesen wache ich manchmal auf und denke daran, was ich alles falsch gemacht habe, was für eine schlechte Ersatzmutter ich ihr gewesen bin und was ich hätte besser machen können. Doch ich war klein, hatte die falschen Ratgeber und hätte ihr die Mutter wahrscheinlich sowieso nie richtig ersetzen können. Und ich wundere mich heute noch, daß sie überlebte. Aber man merkte ihr an, daß sie durch den Mutterverlust etwas gestört war. Sie zitterte auch später noch oft, war sehr ängstlich, mißtrauisch, stolz, einsam - selbst mit der Familie um sie herum, eigensinnig, kratzbürstig, und ihr Katzenleben lang sehr jugendlich und schlank. Erinnert mich irgendwie an mich selbst.
beim Googlen nach Schleimhautentzündungen bin ich gerade auf das Blog einer BKPatientin gestoßen, in welchem seit November 2009 nichts mehr geschrieben wurde. Ich frage mich, ob der Grund dafür das ist, was ich denke. Ich hoffe es nicht, aber wenn ich die Einträge lese, fürchte ich doch. Knochenmetastasen, Lungenmetastasen, und was sie über ihre behandelnden Ärzte und die Zustände in ihrer Onkologie schrieb ist ebenfalls erschütternd. Ich glaube wirklich, ich habe da mehr Glück, welches sich hoffentlich nicht irgendwann als Irrtum herausstellt, wie alles andere der letzten Jahre. Und trotzdem klingen die Einträge noch alle so optimistisch. Solche Fundstücke zwingen mich immer wieder dazu, darüber nachzudenken, ob mein Blog hier vielleicht auch in ein paar Jahren schon als führerloses Geisterschiff durch die Webmeere treibt, ab und zu von jemandem gefunden, der gerade erst seine Diagnose bekommen hat und versucht, zu überleben.
Da sitze ich bei meinen neuen Onkologen, wie ein Häufchen Unglück, begreife absolut nicht wirklich, was da alles abläuft, und höre, wie der Arzt sagt: Falsche Chemo- – unzureichende Therapie… können wir erstmal nicht umstellen, da macht die Krankenkasse nicht mit….
Er schickt mich wieder zum Radiologen – der soll entscheiden, ob noch mal bestrahlt werden kann.
Nö – geht nicht mehr…nichts geht mehr. Die Metastasen sind dort wiedergekommen, wo sie schon waren, wo sie schon bestrahlt wurden. Da kann nicht mehr bestrahlt werden. Und nu??
Tja.. irgendwann wird Ihr Oberschenkel zerbrechen – der Gammanagel kann nicht alles stützen, und dann brauchen Sie eine Krebsprothese. Die anderen, neuen Metastasen sind nicht soweit, dass sie diesen Schmerz verursachen könnten. Toll – hört sich nach Amputation an…
Meine Therapie wird umgestellt, nicht mehr alle 3 Wochen, sondern jede Woche, damit das Herceptin möglichst gleichmäßig wirkt. Irgendwie bin ich eigentlich gar nicht mehr bei mir.
Dem Onkologe aus dem Krankenhaus – dem kann ich nicht böse sein – immerhin hatte er die Größe, seine Unzulänglichkeit zuzugeben – und er hat mir damit das Leben gerettet.
Zwar ist der Roman "Gegen den Tag" für sich bereits 1600 Seiten lang, dennoch finde ich Thomas Pynchon hat etwas vergessen, das sozusagen wie die Feder auf das Papier in dieses Werk passen würde. Gemeint sind diese abstrusen Gesetze, die als Belustigung auf Parties sehr beliebt sind, wie zum Beispiel, daß in Kentucky kein Mann ohne Begleitung einer Frau einen Hut kaufen darf (diese Vorschrift allerdings finde ich ziemlich einleuchtend). Der Roman spielt ja zumindest in den ersten 500 Seiten, die ich bisher kenne, weitgehend im goldenen Westen, und irgendwie muß ich ständig beim Lesen an diese diversen Gesetzgebungen denken. Könnte natürlich sein, daß er sie eingebaut hat, ohne daß ich sie konkret erkenne, oder aber, sie folgen erst auf späteren Seiten. Tatsächlich scheint das Buch aber von ihnen zumindest inspiriert zu sein, anders kann ich mir diese seltsame Assoziation nicht erklären.
"Worum ging es denn da eben?", fragte Wren.
An dieser Stelle griff normalerweise die langgeübte Gewohnheit, Informationen zurückzuhalten, vor allem vor jungen Frauen, denen man aktuell den Hof machte. Einmal hatte Frank, als er draußen auf dem Uncompahgre-Plateau von Gunnison oder sonst wo zurückgeritten kam, meilenweit entfernt eine einzelne, dunkle und kompakte Sturmwolke erspäht und trotz des hellen Sonnenscheins und des weithin klaren Himmels gewusst, dass sein Weg und der der Wolke sich kreuzen würden, ganz gleich, in welche Richtung er sich nun wandte, und knapp eine Stunde später war es denn auch so dunkel geworden wie um Mitternacht, er war bis auf die Haut durchnässt worden, hatte, von den um ihn herum donnernd einschlagenden Blitzen vorübergehend taub, erbärmlich gefroren und sich tief über den Hals seines Pferdes gebeugt, um dem Tier zu versichern, dass alles in bester Ordnung sei, obwohl das Geschöpf, als echtes Weidepferd, schon weit Schlimmeres erlebt und gleich darauf versucht hatte, Frank zu beruhigen. An diesem Abend in Albanay erkannte Frank, dass Wren nach ungezählten Kilometern und Kreuzwegstationen genau hier angekommen war - im Licht des großen Spiegels war ihr Gesicht von einem sonderbar schattenlosen, celesten Blau, das Gesicht einer Sucherin, so erschien es Frank, die so weit gekommen war, wie sie musste, um zu fragen, was zu beantworten er am wenigsten bereit war. Er begriff, dass solche Wesen auf der Welt unterwegs waren und man vielleicht sein Leben lang keinem begegnete; falls aber doch, wurde es zur feierlichen Verpflichtung zu sprechen, wenn man angesprochen wurde.
Skurrile Begegnungen und Bilder in einem "Krankenhaus am Rande der Stadt". Ich glaube, es gab mal eine derartige Arztserie, die ich nie wirklich gesehen habe, doch im Traum bin ich mittendrin, als was genau, Patient, Mitarbeiter oder Besucher, ist nicht festzustellen. Das Haus selbst ähnelt der alten Büro-Villa, die in früheren Zeiten ein Sanatorium gewesen war. Mein Vater ist dort und noch quicklebendig. Irgendwo ziehe ich einen Vorhang zur Seite und erwische den Oberarzt mit mehreren Schwestern beim Gruppensex. Oh Verzeihung, wollte nicht stören. Bin mit einer Schwester in einem etwas unheimlichen Raum und kann nicht ausmachen, ob das Teil auf der Liege eine verwesende Leiche oder ein Roboter ist. Es trägt auf der Brust jedoch so etwas wie einen rot leuchtenden Knopf. Auf dem Weg nach Hause ist der Bürgersteig mit Weihnachtskugeln übersät. Hebe eine durchsichtige auf und betrachte sie. Sie ist an einer Seite verbeult. Abspann der Serie, in welchem nicht die Namen der Schauspieler genannt werden, sondern die Gesichter in neun kleinen Kästchen noch einmal gezeigt.