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Samstag, 21. Juli 2012

Tassengeflüster

Nach noch einmal 11 Stunden Schlaf, erstaunlich gutem Schlaf, was ja nicht mehr all zu oft vorkommt, gibt mein Gehirn wieder erste Lebenszeichen von sich. (Ich träumte, ich pflücke Kirschen von einem Baum, esse sie und spucke die Kerne provokativ über einen Zaun.) Der Muskelkater dagegen ist etwas anhänglicher. Nachdem wir am Dienstag Frauen und Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs spielten, da durch die schiefen Kanten und Nischen in der Küche nichts paßte, kam es doch noch zu einem Teil-Happy End. Die Hängeschränke hängen und ich konnte auch einen Großteil der Sachen darin unterbringen, komme nun endlich wieder an den Tee und die anderen Dinge. Was jetzt noch in Kisten lagert, ist nicht mehr so wichtig. Irgendwie habe ich allerdings immer ein bißchen Angst, daß die schwer beladenen Schränke herunterfallen könnten - warum weiß ich auch nicht. Ich hatte 20 Jahre lang einen noch größeren Monsterhängeschrank an 8er-Dübeln zu hängen, da ist nie etwas passiert. Allerdings waren es dickere Haken, die Schrauben jetzt kommen mir etwas dünn und kurz vor. Ich gehe aber davon aus, daß es meinem Bruder aufgefallen wäre, wenn die Schrauben nicht reichen. Das Schöne ist ja, daß man, sobald man seinen Haushalt ausräumen und neu einräumen muß, viele Dinge findet, die man gar nicht mehr braucht, oder die dabei kaputt gegangen sind und deshalb ebenfalls gut zu entsorgen sind. Einige Blogs haben es sich zur Aufgabe gemacht, täglich ein Teil zu entrümpeln und fotografisch zu dokumentieren. Für mich wäre das nichts, weil mir Entrümpeln so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß ich es ganz automatisch mache und am liebsten säckeweise. Alles vorher zu fotografieren erschiene mir wie Zeitverschwendung, denn schließlich will ich an die Dinge hinterher nicht mehr denken. Am Mittwoch war es wieder soweit - ich entsorgte alle meine Kaffeetassen, habe also nicht mehr alle Tassen im Schrank. Doch nachdem ich sie 20 Jahre lang nicht ein einziges Mal gebraucht habe, werde ich sie wohl auch die nächsten 20 Jahre nicht mehr brauchen. Ich selbst trinke keinen Kaffee und Gäste haben bei mir mit Tee Vorlieb zu nehmen. Eine Glaskaraffe, die mir meine Schulfreundin schenkte und die ich nie benutzt habe, hat einen Sprung bekommen und wurde nun endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt, sowie auch etlicher anderer Hausrat. Man staunt immer wieder, mit wie wenig Geschirr man eigentlich auskommen kann, nur leider hatte ich mal so eine kleine Leidenschaft für Sushiteller und Zubehör, weshalb ich mit denen jetzt fast ein Sushirestaurant ausstatten könnte, mich aber auch nicht von ihnen trennen möchte. Da sind zum einen die mit dem zartgrünen Bambuszweig, zu denen mehrere richtig große Platten gehören, die man auch gut für Kuchen u.ä. verwenden kann. Dann die Reinweißen, an deren Rechteckform die Kanten zu praktischen Griffen geformt sind, sowie die kleinen, quadratischen und warmgrünen Teller, zu denen in der gleichen Farbe winzige Ingwerschälchen, Schalen für die Sojasoße und sogar Stäbchenablagen vorhanden sind. Am liebsten benutze ich die dicken Stäbchen aus reinem Holz, aber von meinen Eltern besitze ich auch edle Stäbchen mit Intarsieneinlagen, die eine so dünne Spitze haben, daß man damit tatsächlich nur ein einzelnes Reiskorn greifen kann. Farblich passend sind dazu verschiedene Ausführungen von Bambustischmatten vorhanden. Und da sind noch die chinesischen Suppenschalen mit chinesischen Suppenlöffelchen aus Porzellan, ebenfalls Erbstücke von meinen Eltern. Ich sollte, wenn ich Sushi bestelle, das Zeug auch mal benutzen...

Freitag, 20. Juli 2012

Gestern

Stress macht Knochen anfälliger für Metastasen las ich kürzlich. Zum Glück wird es jetzt wieder entspannter, ist auch dringend nötig. Die Onkologin hörte gestern gar nicht mehr auf sich zu wundern. Sie wunderte sich über meine Eierstöcke (mal wieder), über meine Schwäche, die ich im Moment schlimmer finde, als noch im Winter (wahrscheinlich war es ziemlich naiv zu glauben, daß es stetig nur noch besser werden würde, aber es scheint gar nicht so ungewöhnlich zu sein), wie immer über die Schmerzen, die ich bei kleinsten Belastungen und Anstrengungen in den rechten Rippen bekomme (glücklicherweise ist aber nichts zu entdecken und ich finde es wegen dieser Schmerzen sehr beruhigend, wenn die Ärztin alle drei Monate mal meine Organe mit Ultraschall abcheckt) und über die Osteopenie. Wie sowas sein könne, fragt sie mich. Ich sage, daß halt Chemo, bzw. Cortison auf die Knochen gehen und sie nickt und antwortet: "Beides geht auf die Knochen.". Na sowas. Beim letzten Mal hieß es noch, daß die Chemo den Knochen überhaupt nix tut. Und ich wundere mich, warum sich die Onkologin ständig wundert, da sie doch genug Patienten hat, von denen sie sowas bereits kennen dürfte. Sie meinte, man sähe mir das alles gar nicht an, ich sähe ganz normal aus. Dolles Ding! Wenn es danach ginge und ich mich so fühlen würde, wie ich aussehe, wäre ich das wandelnde blühende Leben und wäre es auch vor zwei Jahren gewesen als ich mit einem Bein im Grab stand. Den Spruch kenne ich ja schon, leider scheint das blühende Leben nur so eine Art flüchtige Aura zu sein, wie ich regelmäßig feststellen darf, denn genauso wie früher geht gar nichts mehr, obwohl man sich in guten Momenten gerne darüber hinwegtäuscht. Die Ärztin meinte, es könnte auch eine Depression sein, wie sie von den Antihormonen ausgelöst werden kann, aber die Psychologin glaubt wiederum nicht, daß es eine Depression ist, als ich sie daraufhin ansprach.
Nach dem Arztbesuch erklomm ich meinen Lieblings-Trümmerberg und war überrascht, wie sehr sich dort alles verändert hat, denn ich war schon einige Jahre nicht mehr dort. Wo früher Heide war ist inzwischen alles mit Gebüsch überwuchert, so daß ich die alten versteckten Pfade und Orte nicht mehr oder nur mit Mühe fand. Und von der Bank, von der man früher einen Sonnenuntergang über den Dächern von Berlin beobachten konnte, guckt man nur noch auf Gebüsch. Eigentlich schade, denn der Reiz eines Berges, egal wie hoch, ist es doch, einen weiten Ausblick zu haben. Wenn der nicht ist, habe ich nicht mehr viel Lust, auf einen Berg zu klettern. Gebüsch kann ich mir auch unten angucken. Da sich das Wetter nicht entscheiden will zwischen Regen und Sonne, kam ich zwischendurch in einen Regenguß und versank in den schon vorher teilweise verschlammten Wegen. Zum Glück hatte ich keine Strümpfe an, so daß nur die Füße naß wurden. Eigentlich soll man ja nicht mit nackten Füßen durch Gebüsch und Wiesen laufen, wegen der Zeckengefahr. Ich mache es immer noch und weder hatte ich jemals eine Zecke, noch habe ich jemals in meinem Leben eine gesehen. Den gruseligen Zeckenerzählungen von anderen lausche ich stets staunend und ungläubig, so wie man sich Märchen von feuerspeienden Drachen erzählen läßt. Ich glaube, Zecken mögen mich nicht. Wenn ich angetrampelt komme, suchen sie wahrscheinlich fluchtartig das Weite. Nach den drei Tagen Anstrengung war es aber wohl etwas viel, denn als ich um 17 Uhr zu Hause war, fiel ich wie tot ins Bett, schlief bis 20 Uhr, aß schnell etwas zu Abend, ging wieder ins Bett und schlief bis vormittags um 10 Uhr. Ich habe nicht ausgerechnet, wieviel Stunden das sind, aber sie waren notwendig, und selbst jetzt fühle ich mich noch nicht vollständig wiederhergestellt, wobei sich bei Erschöpfung auch immer mein Gehirn herunterfährt, weshalb mir das Schreiben dann schwerer fällt, sowie überhaupt einen klaren Satz oder Gedanken zusammen zu bekommen.

Trümmerberg

Sonntag, 15. Juli 2012

Immer schön langsam

mit den jungen alten Pferden und eines nach dem anderen - daran sollte ich mich endlich mal halten. Vielleicht ist es sogar ganz gut, daß ich durch meine akute Lahmeritis und diverse andere Hindernisse immer wieder zu Pausen gezwungen werde, auch wenn ich dann innerlich koche. Sollte alles gut gehen, hängen am Dienstag zumindest die ersten Hängeschränke in der Küche und ich kann schon mal ein paar Kisten auspacken, sowie mit der nächsten Ecke weitermachen. Zu allem Überfluß bekam ich gerade ein Buch geschickt, auf welches ich mich beworben habe, um eine Rezension zu schreiben. 30 Tage bleiben mir Zeit, um das Buch zu lesen und zu rezensieren. Dolles Ding, was habe ich mir dabei wohl gedacht? Glücklicherweise ist das Buch nicht so dick, wie ich erwartet hatte, sondern nur ca. 160 Seiten lang. Und vom Thema her dürfte es sich recht spannend und damit schnell lesen. So ein bißchen erinnert mich das an die Hausaufgaben, die man in der Schule zu machen hatte. Ich war natürlich konsequent erst auf den letzten Drücker dabei. Was die Rezension betrifft, wird meine erste Amtshandlung heute sein (so lange ich noch nicht zum Lesen komme), das Buch unter mein Kopfkissen zu legen. Hat früher auch immer geholfen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

vergelesen

Gerade meine Email-Benachrichtigung gelesen: "Letzte Absurdität auf...." (beliebiges soziales Netzwerk einsetzen)

Muß natürlich heißen "Letzte Aktivität auf...."

Was ich mir dabei wohl gedacht habe?

Mittwoch, 11. Juli 2012

Landluft

Teiche1

Teiche2

Teiche3

Teiche4

Teiche5

Teiche6

Teiche7

Teiche8
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Traumzeitsplitter

Unmittelbar nachdem die Götter die Erde schufen bin ich ein Teil dieser Schöpfung. Unter freiem Himmel ruhe ich in einem Garten Eden, in dem es empfindlich kühl ist, wie ich bemerke, was mich jedoch überhaupt nicht stört. Hinter mir ein riesiger Phönix-Vogel, welcher sein Pfauenhaupt und den langen Hals einer Giraffe müde auf dem Boden abgelegt hat. Das Gefieder funkelt in metallischem Indigo.

Montag, 9. Juli 2012

Das vierte Mal Yoga

Jemand, vielleicht eine ehemalige Klassenkameradin, bittet mich mit verschwörerischer Miene, vor der Tür zu warten, um später am Yoga teilzunehmen. Eigentlich hatte ich dies nicht vor, da ich danach noch einen anderen Kurs habe und alles ein bißchen viel ist. Doch auf ihre Bitte hin bleibe ich und denke mir, da beide Kurse hintereinander stattfinden ist es auch egal und ich spare es mir, zwischendurch nach Hause zu gehen. Es ist das dritte Mal, daß ich, eher unregelmäßig an diesem Kurs teilnehme und ich bin nicht allzu motiviert, da ich zur Zeit nicht wirklich viel Zugang zum Yoga finde. Die Yoga-Lehrerin nimmt mich beiseite und erklärt mir, daß sich genau beim vierten Mal des Praktizierens der Yogaübungen der Körper auf eine besondere Weise verändert. Das klingt geheimnisvoll, denn sie sagt mir nicht, auf welche. Doch sogleich denke ich mir, daß es sich dann vielleicht lohnen würde, auch das vierte Mal noch zum Kurs zu gehen. Mit etwas Glück wirkt sich die Veränderung dann so aus, daß der Knoten platzt. Aber vielleicht, denke ich skeptisch, war genau dies auch der Hintergedanke der Botschaft - mich neugierig zu machen, damit ich durchhalte.

Sonntag, 8. Juli 2012

T.a.k.e 6 und mehr

Die frechsten Spatzen von Berlin leben in Köpenick. Dies ist etwas, das mir bereits des öfteren aufgefallen ist und sich heute wieder bestätigt hat. Vor dem Konzert waren wir essen und danach noch etwas am Wasser. Mit einem Käsecracker wollte ich erst nur eine Ente füttern, war aber, ehe ich mich versah, von Spatzen, Tauben und Krähen umzingelt, die anscheinend alle Abendhunger hatten. Die Enten mußten abziehen, weil sie vergessen waren, die Tauben bekamen auch nicht all zu viel ab und die Krähen - die Krähen scheinen mit ihrer Intelligenz schon so etwas wie eine Scheinmoral zu besitzen. Wenn man hinguckt, tun sie ganz uninteressiert, sind natürlich nur rein zufällig in der Nähe und gar nicht gierig. Ist man jedoch abgelenkt und schaut weg, sind sie sofort an der Beute. Spatzen sind da anders, die haben mir die Cracker förmlich aus der Hand gerissen. Schon wenn ich sie nur zwischen den Fingern hielt, kam irgendein besonders Frecher angeflattert und stibitzte mir den Keks zwischen den Fingern weg. Manche saßen auch auf der Brüstung Schlange um gefüttert zu werden, aber man darf sich über die augenscheinliche Ordnung nicht täuschen. Die tun nur so.

Köpenick2a

Köpenick2

Köpenick2b

Danach ging es zum T.a.k.e 6-Konzert im Rathaushof. Das war sehr schön. Die Jungs haben nicht nur tolle Stimmen - fast alles wird a cappella gesungen, bis auf ab und zu etwas Piano, die sind auch richtige Scherzbolde, z.B. mit ihrer Michael Jackson-Parodie. Und es hat nicht einmal geregnet, allerdings hätten wir sowieso einen überdachten Sitzplatz gehabt.

Köpenick3

Köpenick4

Köpenick

Köpenick1

Eigentlich hatte ich gar keine große Lust, mich zu verlustieren, da ich mitten im Chaos, auf Kisten und Möbelstücken sitze, und es so viel zu tun gibt. Die Schubladen für die Küchenschränke mußte ich alle unter dem Bett stapeln, damit ich überhaupt in der Küche treten kann. War aber ganz gut, daß man für mich mitentschieden hat und ohne Hilfe komme ich erst einmal nicht weiter. Hilfe bekomme ich aber erst in der übernächsten Woche. D.h. ich muß mich in der Zwischenzeit trotz Chaos ablenken, was mir ziemlich schwer fällt, weil mich das immer ganz hibbelig und unkonzentriert macht, wenn ich mir endlich eine siebenjährige Last von den Schultern schaffen möchte und es einfach nicht weitergeht. Andererseits kann mein Rücken auch wieder eine Pause gebrauchen, von daher muß ich wohl die Küche erstmal ausblenden, nützt ja nix, und hoffen, daß ich mit kalten Mahlzeiten über die Runden komme. Wenn das in diesem Tempo weitergeht und immer neue unerwartete Verzögerungen und Kräfteeinbrüche eintreten, bin ich wahrscheinlich erst im Herbst oder Winter fertig. Überhaupt überlege ich, ob ich, wenn die erste Küchenzeile steht, dann generell mit dem Rest bis zum Oktober warte, damit ich noch etwas vom Sommer habe.

Freitag, 6. Juli 2012

Treue Tomaten

Wie man sieht, kann ich die zwei Tomaten von den vor dem Vertrocknen geretteten Tomatenpflanzen tatsächlich ernten. Die reichen genau für einen gebackenen Feta-Käse. Und wie man auch sieht, sind an beiden Pflanzen inzwischen viele kleine grüne "Kügelchen".

Tomate

Französischkurs am Weltkusstag (sic!)

Mit M. sitze ich zusammen in einem Französischkurs an der Volkshochschule, der anscheinend nur einmalig stattfindet. Die Idee kam von mir und er hat mich begleitet. Während des Unterrichts verwickle ich die Kursleiterin, eine ältere Frau, in ein Gespräch, weil sie mir bekannt vorkommt und ich wissen will, ob ich früher bereits bei einem Kurs von ihr war. Der Unterricht geht weiter und als sich auf ihre Frage niemand meldet, spricht sie mich mit meinem Vornamen an. Sie will, daß ich einen deutschen Satz ins Französische übersetze. Der Satz handelt von Angeln, einem Thema, mit dem ich mich noch nie auf Französisch beschäftigt habe. Entsprechend leer ist es in meinem Kopf und wahrheitsgemäß antworte ich: "Da stehe ich jetzt auf dem Schlauch." Nun beginnt ein junger Mann in einer Sprache zu reden, die ich nicht kenne. Es kommt mir Spanisch vor. Hey, warum redet der Spanisch? Das ist hier ein Französischkurs! Doch die Kursleiterin scheint es nicht zu stören. Interessiert nähert sie sich dem Teilnehmer und hört aufmerksam zu. Ich allerdings verstehe kein Wort. Der ganze Kurs verwandelt sich nach und nach in ein Ballspiel. Mit Bravour befördert die Kursleiterin den Ball in ein eckiges Tor. Und irgendwann nach Ende betrete ich alleine eine verwinkelte Kneipe mit engen kleinen Treppen. Auf jeder der Stufen liegt zusammengerollt ein junges Kätzchen. Man muß richtig aufpassen, daß man nicht auf sie drauftritt. Hier scheint ja ein wahrer Katzensegen ausgebrochen zu sein!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Aufbauanleitung

Aufbauanleitung

frei nach heutiger Lektüre...

Sonntag, 1. Juli 2012

Weißes Licht

Nachdem ich gestern recht spät in der Nacht eingeschlummert war, dauerte es nicht lange und ich wurde wieder wach, weil es draußen blitzte, schepperte, rumpelte und pumpelte als hätte der Krieg der Welten begonnen. An warmen Tagen habe ich die Angewohnheit, bei offener Balkontür zu schlafen, also richtig offener Balkontür. Vom Bett aus kann ich nach draußen und ein Stück Himmel sehen, welches hinter der Balkonmauer hervorfällt. Das Gewitter tobte genau über dem Haus - man kann das ja gut einschätzen mit der Formel von der Dauer zwischen Blitz und Donner. Die Blitze zuckten über den Himmel und teilweise grellte so helles Licht an meinem Stück Himmel hinter der Mauer hervor, daß ich in der Dunkelheit geblendet war. Da ich nicht den ganzen Himmel sehen kann, wirkt das manchmal, als fänden dort am Himmel richtige Explosionen statt, was der Phantasie viel Spielraum läßt. Ich glaube, es gibt nichts Elementareres als so ein Gewitter, wenn einem Wind, Feuer und Wasser um die Ohren gehauen werden. Auf eine Art faszinierend, aber darauf, ein Gewitter draußen zu erleben, kann ich trotzdem gerne verzichten. Wenn ich so mit klopfendem Herzen in relativer Sicherheit liege und ein Gewitter beobachte, stelle ich mir immer vor, wie die Urmenschen vor langer langer Zeit in ihren Höhlen hockten und den grollenden, gleißenden Himmel beobachteten. Und ich in meiner Dachwohnung, dem Himmel besonders nahe, bin da ziemlich abgehärtet. Ich habe sogar schon Unwetter erlebt, an denen der Hagel so auf das Dach prügelte, daß man dachte, es fällt gleich zusammen. Um so erstaunter war ich, als es bei einem noch relativ harmlosen Gewitter, meinem Kumpel, der für einen DVD-Abend zu Besuch war, die Sprache verschlug, er ganz still auf meinem Sofa lag und bei jedem Donnerschlag zusammenzuckte. Aber wenn man in einer Erdgeschoßwohnung lebt ist so ein Gewitter in luftiger Höhe wohl sehr gewöhnungsbedürftig. Doch das Gewitter fand in der letzten Nacht nicht nur draußen statt, sondern kurz danach auch in meinen Zähnen. Kaum ist der Backenzahn überkront, tut mir jetzt ein anderer Zahn weh, an dem eigentlich gar nichts ist. Ich habe davon so langsam die Nase voll. Ich glaube, so viel Elektrizität bekommt meinen Zahnnerven nicht.