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Samstag, 29. Juni 2013

Glossybox Juni 2013

Inzwischen ist die Glossybox für diesen Monat wieder eingetroffen und diesmal war es genau anders herum als bei der letzten Box. Auf den ersten Blick erschienen mir die Produkte relativ unspektakulär, doch beim näheren Anschauen und Probieren, stellte ich fest, daß sie wirklich toll sind. Der Yogi Flow-Duschschaum von Rituals ist angenehm auf der Haut und riecht gut. Die wasserfeste Lippen- und Wangenfarbe von Kryolan hält bombensicher und ist diesmal im perfekten Farbton für mich. Die Parfumprobe von SeeByChloè hat auch für meine Nase einen angenehmen Duft, obwohl eher blumig statt fruchtig, was ich ja lieber mag. Avène mit Thermalwasser schätze ich als Marke generell, Sonnencreme benutze ich allerdings weniger. Doch es kann sicher nichts schaden, hochwertige Sonnencreme parat zu haben, falls es mit dem Sommer doch noch etwas werden sollte. Weiterhin waren ein winziges Döschen Augenfaltencreme von Shiseido und ein Beauty-Magazin enthalten. Beides nichts, das ich benutze oder lese, aber sicher gerne andere Abnehmer findet.

Glossybox Juni 2013

PS: Mein Nachtisch ist jetzt fertig.

Erdbeertorte

Freitag, 28. Juni 2013

Überwältigt

Überwältigt bin ich von der fantastischen Landschaft Norwegens, dem Leben auf dem Meer und all den vielen neuen Erlebnissen, von denen noch ausführlich zu berichten sein wird. Die paar Tage waren so dicht gefüllt mit Sensationen und Erfahrungen, daß ich manchmal am Abend schon nicht mehr wußte, was ich am Morgen erlebt und gesehen hatte. Und dann dieses seltene Glück, sogar zweimal Wale beobachtet zu haben! Es wurde zwar eine Wal-Safari mit Wal-Garantie angeboten, aber diese habe ich nicht mitgemacht. So ganz normal auf dem Schiff und den üblichen Routen kommt es kaum vor, weshalb dieses Ereignis auch vom Käptn bei seiner Abschlußansprache gebührend gewürdigt wurde. Und endlich habe ich mir nach diesem Schiffsaufenthalt ein für alle Male eingeprägt, wo Bug, Heck, Steuerbord und Backbord ist.

Ich machte ungefähr 3000 Fotos: 1000 mit Felsklamotten jeder Art, 1000 mit Sonnenglitzer und Wolkenformation jeder Art, eigentlich total langweilige Bilder, aber wenn man live davor steht, kann man gar nicht anders, als ständig draufzuhalten. Und ich war nicht der einzige Fotograf. Eine ganze Schar davon rannte ständig rund um das Deck, immer auf der Suche nach dem schönsten Motiv. Manche fand ich ja etwas albern, wie zum Beispiel die, die tatsächlich versuchten, auf dem Schiff mit Stativ zu fotografieren. Erstmal ist das bei diesem Licht zu jeder Tageszeit, außer vielleicht bei einer sehr langen Brennweite, gar nicht nötig, und zum zweiten nützt auf einem schwankenden Schiffsboden ein Stativ rein gar nichts. Das haben sie nach ein paar Tagen dann wohl selbst eingesehen, denn die Stative waren irgendwann verschwunden. Viele Bilder sind auch bei Busfahrten im Vorbeifahren durch Glas entstanden, weil es nicht anders möglich war. Ich bin gespannt darauf, die Fotos alle durchzuschauen, denn ich schätze, einige davon kann ich vergessen. Doch es sind noch genug andere da. Macht euch auf etwas gefaßt!

Die Ankunft zu Hause war seltsam für mich, denn zuallererst, als ich meine Wohnung betrat, dachte ich: "War die Wohnung immer schon so groß?", weil sie mir plötzlich riesig erschien. Kein Wunder, nach dieser Zeit in den winzigen Kabinen, in welchen man sich eigentlich regelmäßig im Weg herumstand. Und mir fehlte sofort die See. Ich stand widerwillig vor meinem Fernseher und wollte eigentlich das Meer als Abendprogramm, so wie in den Tagen zuvor. Und mir fehlt das Schaukeln, besonders im Bett. Ohne dieses himmlische Schaukeln ist das Schlafen halb so schön, ich muß mir wohl ein Hausboot zulegen. Auch ist es merkwürdig, wenn man jetzt zu Hause ist und der Boden nicht mehr unter den Füßen schwankt, obwohl man weiter so läuft, wie man es sich angewöhnt hat, um das Gleichgewicht zu halten. Auf dem Schiff hat man nach einer Weile das Schwanken kaum noch bemerkt, aber wenn es auf einmal fehlt, spürt man den Mangel sogleich. Dazu kommt, daß in Norwegen noch Frühling war. Der Flieder blühte und all die anderen Frühblüher, die Erdbeeren standen gerade in Blüte. In Berlin zurück, deckte ich mich heute gleich mit einigen Kilos Erdbeeren ein, die es hier jetzt schon längst an den Straßenecken gibt.

Die erste Handlung, als ich nach Hause kam, war es, meine Schuhe in den Müll zu werfen. Ich hatte schwedische Qualitätsschuhe mitgenommen, in denen ich bereits drei Jahre sehr bequem gelaufen bin, aber das norwegische Salz- und Meeresklima überstanden sie nicht und gingen bereits nach einigen Tagen aus dem Leim. Ich war froh, daß sie noch einigermaßen bis zum letzten Tag zusammenhielten. Und den neu gekauften Markenschuhen meines Bruders erging es ganz genauso. Das norwegische Klima scheint für Schuhe außerordentlich gefährlich zu sein.

Überwältigt bin ich aber ebenfalls von der tollen Rezension zu meinem Ebook, die ich im Web fand. So viel ehrliche Begeisterung hätte ich gar nicht erwartet. Das macht mich total glücklich.

Dienstag, 25. Juni 2013

Flaschenpost #5

Logbuch der Polarexpedition:
Wenn der Käptn Walalarm ausruft, ist Meer gucken abendfüllendes Programm. Seit ich auf dem Schiff bin, verstehe ich zum ersten Mal den Song "We're looking for the whales" von a-ha.

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Sonntag, 23. Juni 2013

Flaschenpost #4

Logbuch der Polarexpedition: 
Unser Schiff hat seit dem frühen Morgen technische Probleme, weshalb wir mit so großer Verspätung in Hammerfest eingelaufen sind, daß die Sightseeingstouren ausfallen mußten, da der Aufenthalt zu kurz war. Jetzt fahren wir wegen des technischen Problems mit verminderter Geschwindigkeit und werden an den nächsten Häfen wohl auch wieder Verspätung haben. In der Nacht schwankte das Schiff richtig heftig, so daß ich mich beim Duschen an die Wand anlehnen mußte und im Schrägstand duschte. Ein neues, aber kein unangenehmes Erlebnis. Inzwischen haben wir alle den typischen breitbeinigen Seemannsgang sogar an Land drauf. Und noch schmeckt es mir - besonders das Dessert-Buffet mit bis zu zehn verschiedenen Desserts hat es mir angetan.

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Samstag, 22. Juni 2013

Flaschenpost #3

Logbuch der Polarexpedition:
Kann mich hier die ganze Nacht hindurch sonnen, da wir gerade traumhaften Mittsommersonnenschein haben. Ein Wal ist auch wieder aufgetaucht, aber als ich ihn fotografieren wollte, war im gleichen Moment das Akku leer. Nun ja, man kann nicht alles haben. Dafür habe ich einen alten Fast-Kapitän kennengelernt, der mir jetzt aus dem Nähkästchen erzählt und erklärt, warum rechts das Steuerbord ist.

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Donnerstag, 20. Juni 2013

Flaschenpost #2

Logbuch der Polarexpedition:
Um 7.12 Uhr überquerten wir gestern den Polarkreis. Zur Erkundung des Gletschers wurden wir danach mit einem Schnellboot ausgesetzt, mit welchem wir später unserem Schiff über eine lange Meeresstrecke folgten, um wieder an Bord zu gehen. Unterwegs sahen wir einen Wal zweimal mit seiner Flosse auftauchen, leider ziemlich weit entfernt, aber als das Boot beidrehte, um den Wal beobachten zu können, blieb er untergetaucht und wußte wahrscheinlich auch, weshalb. Unsere Polartaufe begingen wir bei der Besichtigung einer Eisskulpturenbar. Einmal ordentlich durchfrieren bitte!  Wenigstens haben sie Felle auf den Eissitzbänken. Und mein Handy schickt mir Warnhinweise, weil in Berlin gefühlte 38 Grad herrschen sollen.

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Mittwoch, 19. Juni 2013

Flaschenpost #1

Logbuch der Polarexpedition: Wir haben bereits den ersten Fjord, Unmengen Wasserfälle, umnebelte Berge und Trolle gesehen, eine besondere vierfingrige Spezies, die ihre Klopapiervorräte auf Feldern verteilt. Das Wetter ist wechselhaft. Mit Regen und Sturm, der einen an Bug des Schiffes fast umwirft, perfektes Schiffswetter, aber immer wieder unterbrochen von sonnigen Perioden zum Aufwärmen. Es schläft sich an Bord traumhaft, denn das Schwanken des Schiffes ist so schön beruhigend, fast wie fliegen, wenn man im Bett liegt.  Manchmal wacht man auch in einer leichten Schräglage auf, aber aus dem Bett gepurzelt bin ich nie. Inzwischen habe ich mich außerdem an das Schwanken so gewöhnt, daß ich es tagsüber kaum bemerke. Und wenn man nachts aus dem Bullauge bzw. Fenster schaut, ist das Meer immer noch da, ebenso die Sonne. Morgen heißt es sich warm anziehen, denn da geht es zum Gletscher.

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Dienstag, 11. Juni 2013

Auf dem Schiff

sind alkoholische Getränke nur zwischen 6 und 3 Uhr erhältlich, lese ich gerade. Jetzt frage ich mich, ob das von 6 Uhr abends bis 3 Uhr morgens bedeutet, oder von 6 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags. Auch die Speisekarte klingt mit "Gammelost" sehr vielversprechend. "Ost" ist der Käse und "Gammelost" - Überraschung! - heißt alter Käse. Im übrigen darf ich bis zu 10 Kilo Obst, Gemüse und Beeren ins Land einführen, aber keine Kartoffeln. Dabei hätte so ein Sack Kartoffeln ganz prima als Notvorrat für eine eventuelle Meuterei oder ein Überangebot an altem Käse in meinen Koffer gepaßt. Ein älterer Herr, schätzungsweise knapp auf die Sechzig zugehend, schien im Supermarkt, als ich die Kartoffeln holen wollte, musikalische Unterstützung zu benötigen, denn aus seinem Einkaufsbeutel hörte man Rammstein tönen: Hier kommt die Sonne. Wie die Sonne sah er jedoch nicht aus.

Meine ehemalige Mitpatientin dagegen hat sich in der Reha etwas eingefangen und ist krank nach Hause gekommen, weil es dort überall sehr kalt und zugig war. Übrigens dieselbe Klinik, wo bereits beim letzten Mal das Essen so "übersichtlich" gewesen ist, wie sie es nennt. Sie meint, es gehe ihr richtig mies und Rehas haben sich für sie erledigt. Ich reise da lieber gleich bis jenseits des Polarkreises, da weiß ich wenigstens, warum es zieht und friert.
Ich würde unheimlich gerne mal ein Nordlicht sehen, aber es ist klar, daß im Sommer, wenn es nicht dunkel wird, so etwas kaum vorkommen wird. Ob ich extra dafür eine weitere, winterliche Polarexpedition starten werde, ist fraglich. Genauso gerne würde ich einmal Delphine sehen und hier stehen die Chancen schon besser. Drückt mir die Daumen.

Wem es ohne mich zu langweilig wird, wer mich vermisst oder wer einfach nur kurzweilige Lektüre für den Urlaub sucht, darf gerne in meinem Buch mit den Piraten segeln, sich 3,99 EUR rauben lassen und ebenfalls ein Seeabenteuer erleben. 1,44 EUR sind mein Anteil an der Beute und wenn es gefällt, freue ich mich auch über Rezensionen. Bookrix hat mir geschrieben, daß ihnen mein Werk gefällt und daß sie es marketingtechnisch unterstützen wollen. Sogar ein Gewinnspiel haben sie sich bereits dafür ausgedacht. Ich finde das super, denn das gehört so bei ihnen nicht zum Autorenvertrag.

Montag, 10. Juni 2013

Kunstvolles Brot

Trostlos ist die Kunst,
die ohne Seele ist,
doch nicht die Kunst,
die ohne Brote bleibt
So backe ich selbst,
backe meine Sinne
hinein in meine Worte,
meine Worte hinein
in meine Sehnsucht
backe meine Brote,
Zuckertränen auf Hefezopf
Salzherz im Laugenmantel
die eigenen Brötchen,
die kleinen, wahren,
die Leib und Seele
zusammenhalten

(insp. by Jost)

Zeitlöcher

Es scheint gerade, als würde ich ständig in Zeitlöchern versacken. Kaum ist man drin – schwupps, fehlen auf einmal mehrere Stunden und man fragt sich, wo die geblieben sind. Vor zwei Tagen zum Beispiel. Eigentlich wollte ich nur schnell Geld abheben, bei meiner Ärztin vorbei, um mir den speziellen Überweisungsschein für das Genetische Institut ausfüllen zu lassen, danach etwas einkaufen und den Rest des ersten sonnigen Nachmittags hatte ich vor, auf dem Balkon endlich mal wieder zur Ruhe zu kommen. Denkste – ich wartete Stunden im Wartezimmer der Ärztin und das schließlich für nichts, denn sie erklärte mir, sie fülle keine Laborscheine (dieser Schein, den ich vom Institut bekam, war anscheinend einer) aus, wenn sie nicht selbst Blut abgenommen hätte. Ich vermute mal eher, daß sie Angst vor irgendwelchen Kosten hatte, denn sie sagte auch, wenn es eine Laboruntersuchung für 3,50 EUR, wäre, würde sie es tun. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das Institut lügt, wenn es mir erklärt, unter der eingedruckten Kennziffer würde das Budget der Ärztin nicht belastet, sondern die Kosten aus dem Budget des Instituts gehen. Aber ich habe da ja überhaupt keine Einblicke, um mir einen Reim darauf zu machen, also muß ich mich im Juli weiter darum kümmern. Ich war endlich um halb Acht Uhr abends zu Hause, die Sonne hatte sich natürlich inzwischen verzogen, aber immerhin hatte ich vorher beim Discounter die perfekten Kochtöpfe für meine neue Küche gefunden, welche ich im Karton nach Hause schleppte. Außen sind sie in einem Rotton, wie er zu meiner Küche paßt, und haben außerdem praktische Glasdeckel mit einem Entlüftungsloch. Gleich wurden Spaghetti darin gekocht und es ging wunderbar.

Es nervt mich ein bißchen, daß ich den ganzen Juli schon wieder voller Termine habe, obwohl ich mir vorgenommen hatte, wenigstens den Sommer ohne Termine zu lassen. Ich habe sogar bereits überlegt, mir einen Zeitplaner zuzulegen – ICH! Ich hatte noch nie einen bzw. wenn ich einen hatte, habe ich ihn nie benutzt. Aber irgendwie ist es auch eine kleine Genugtuung für mich, wenn ich die Termine in meinem Kopf noch nicht doppelt belege oder vergesse. Ich bin bloß froh, daß ich, zumindest theoretisch, nichts zu tun habe, denn sonst würde ich ernsthafte Schwierigkeiten mit der Koordination bekommen.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Martin Grubinger und Camerata Salzburg

spielten gestern in der Philharmonie und ich war dabei. Irgendwie war es aber insgesamt ein merkwürdiger Tag. Überhaupt ist es zur Zeit gerade sehr hektisch und meine Begleiterin meinte ebenfalls, sie hätte den Eindruck, die Menschen würden gerade alle am Rad drehen. Wenn die Sonne mal hervorschaut, kommt mir das regelmäßig so vor. Dazu kamen einige schlechte Nachrichten. Zum Beispiel meldete sich eine Kollegin, die als nächste wegen Burnout krankgeschrieben ist und bei der die Antidepressiva nicht wirken, weshalb sie jetzt wegen eines Psychiaters herumgeschickt wird. Ich finde es so krank, daß die Menschen, die an sich gesunde Reaktionen auf diese abartigen Arbeitsbedingungen zeigen, als krank abgeschoben und therapiert werden, während es eigentlich die auf Kosten und Leistung ausgerichteten Arbeitsstrukturen sind, die krank bzw. krankmachend sind. Man kann schon nicht mehr mitzählen, wie viele von meinen Kollegen zu psychiatrischen Fällen werden, wenn sie sich nicht gar umbringen oder zu Tode saufen.
Jedenfalls schien die Musik im ersten Teil des Konzerts, die Symphonie Nr. 2 »Sinfonía india« von Carlos Chávez und das Konzert für Marimba und Orchester von Ney Rosauro, diese Aufregung und Hektik zu einem dramatischen Höhepunkt zu komprimieren. Martin Grubinger hat sich zwar bewunderungswürdig an den Percussions verausgabt, aber in meinen Ohren klang alles total disharmonisch und besonders das Getrommel ging mir richtig auf den Keks. Meine Begleiterin meinte, sie hätte von der Musik Zahnschmerzen bekommen, fand sie aber trotzdem "interessant". Ich dagegen wunderte mich nur, daß mir die Musik nicht auch an meine Zahnnerven gegangen ist, und bekam fast schon schlechte Laune, weil mich an einem hektischen Tag statt entspannender Musik so etwas erwartete. Glücklicherweise erinnerte ich mich an die Tipps aus dem Buch "Wenn die Haut zu dünn ist. Hochsensibilität - vom Manko zum Plus" von Rolf Sellin, nämlich daß man Reize auszublenden lernen kann, wenn man sich auf andere Dinge konzentriert. Ich achtete also nicht mehr auf die Musik und versank in meine Tagträume, und dabei fiel mir auf, daß ich genau dies eigentlich seit meiner Kindheit intuitiv tue und meine exzessive Tagträumerei wohl genau in dieser Reizüberforderung ihre Ursache hat.
Doch nach einer Pause wurden wir für den eher unerfreulichen ersten Teil des Konzerts entschädigt. Bei Tango-Variationen, brasilianischen Klängen und einer Salsa-Session stieg die Stimmung rapide. Endlich wieder Balsam für die Ohren und ein paar vernünftige Rhythmen! Selbst die lauten Trommeln klangen nun auf beruhigende Art beschwingend und nicht mehr nervtötend. Das gesamte Publikum war beim zweiten Teil deutlich entfesselter und erfreuter.
Letztens lief bei arte ein Themenabend über das "Sacre du Printemps" von Strawinski und ich habe den ganzen Abend durchgehalten, mir das anzuschauen und anzuhören. Als ich meiner Begleiterin davon erzählte, schaute sie mich groß und verständnislos an und fragte mich: "Du leidest wohl gerne, oder?" Gelitten habe ich wirklich, denn die Musik hat mich irgendwie richtig aggressiv gemacht. Das sind einfach nicht meine Rhythmen und Melodien. Aber ich fand es sowohl von der Geschichte als auch von der tänzerischen Umsetzung her sehr interessant. Immerhin hatte ich sogar den ersten leisen Fagottpart einige Tage als Ohrwurm, das war aber auch der einzige Part, der in meinen Ohren angenehm klang.