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Sonntag, 14. Juli 2013

Seemannsgarn - Trollshop, Trollwarnung und Trollunfug

Der Trollshop verkauft, wie der Name schon sagt, Trolle. Trolle sind häßliche, stark behaarte und kleine Kreaturen mit vier Fingern und langen Nasen, die ihre Klopapiervorräte in großen weißen Rollen auf den Feldern aufbewahren und sich nur in der Dunkelheit aufhalten. Wenn sie bei Tagesanbruch nicht rechtzeitig in ihre finsteren Verstecke flüchten und von der Sonne getroffen werden, explodieren sie mit einem lauten Knall und bleiben als ein Felsbrocken liegen. Demzufolge muß es gerade an der Trollstigen, die sicher nicht umsonst diesen Namen hat, viele Trolle geben, denn die Felsen, die man dort sieht, sind unzählig. Im Dunkeln aber richten die Trolle sehr viel Unfug an, denn irgendjemand muß die Steine ja ins Rollen bringen, wenn sie auf die Straße prasseln und diese unpassierbar machen. Aus diesem Grund werden die Trolle gejagt, eingefangen und in Trollshops an ahnungslose Touristen verscherbelt, welche sich um diese kleinen grinsenden Dinger reißen, als hätten sie Zuhause noch nicht genug Ärger und ungekämmte Verwandte. Ich jedoch weigerte mich, so ein Ding mit in die Heimat zu nehmen, sondern schickte mir stattdessen eine Trollwarnung:

TrollwarnungTrollwarnung 2

Trolle

Die Trollwarnung ist ein echtes Verkehrsschild, das allerdings nur ein einziges Mal an der Trollstigen steht. Auf dem Dach des Trollshops ist es ebenfalls zu sehen. Das Dach ist wie viele Dächer in Norwegen mit Torf gedeckt, auf welchem allerlei Pflänzchen wachsen. Früher, erklärte uns der Reiseleiter, hatte man auf dem Dach gleichzeitig seine Apotheke, also Heilpflanzen, als auch seine Versicherung gegen Blitzeinschlag, davor sollen nämlich bestimmte Kräuter außerdem schützen.

Norwegen Tag2w

Ob es gewirkt hat, ist nicht überliefert bzw. wurde uns zumindest nicht erzählt. Dafür erfuhren wir, daß die rote Farbe, die man an sehr vielen Häusern und Hütten sieht, früher die billigste Farbe war, denn sie wurde aus Tierblut und Walfischtran hergestellt. Die teuerste Farbe war Weiß. So ist es zu erklären, warum es sich einbürgerte, Stallungen und Fischerhütten rot zu streichen, während die Wohnhäuser weiß aussehen sollten. Es kam jedoch vor, daß bei ärmeren Leuten das Wohnhaus zum Fjord hin weiß gestrichen war und nach hinten hinaus rot. Fassade halt. Übrigens gibt es in Norwegen keine Grundstücksgrenzen und keine Zäune, da das Gemeinrecht des Bodens gilt. Das scheint erstaunlich gut zu klappen, aber wenn man die Farbe seines Hauses wechseln will, braucht man dafür die Unterschrift der umliegenden Nachbarn, ansonsten muß es die Farbe behalten, die es bisher hatte. In den Bergen kamen wir an einem uralten Hof vorüber, auf welchem bis vor einigen Jahren drei Schwestern lebten. Als die letzte von ihnen starb, wollte man den Haushalt auflösen und fand in dem Haus Gerätschaften, wie sie im 18. Jahrhundert verwendet wurden, sowie eine noch vollständig eingepackte Waschmaschine, welche den Schwestern von Bekannten aus Amerika geschickt wurde, die damit aber nichts anfangen konnten, da sie keine Wasseranschlüsse, sondern einen Brunnen hatten. Außerdem fand man in einer Kiste 700 000 Kronen, welche die Schwestern anscheinend nicht brauchten, da sie sich ja vollständig auf ihrem Hof selbst versorgten. Norwegen ist im Grunde ein Paradies für Selbstversorger, denn das Angeln in Salzwasser ist für jeden frei und erlaubt, es gibt sogar extra eingerichtete Angelplätze für Menschen mit Einschränkungen. Und ebenso gehört alles, was in der Natur wächst, wie Beeren, Pilze usw., jedem, das heißt, jeder hat das Recht, sich davon zu ernähren. Und da ein Gemeinrecht des Bodens gilt, ist es theoretisch auch überall erlaubt zu campen. Ob das praktisch tatsächlich so ist, darin habe ich leider keine Erfahrungen.

Wenn man so durch die Berge fährt, fallen einem überall an den Wegen und auf Felsformationen kleine Türmchen von übereinandergestapelten Steinen auf. Der Reiseleiter behauptete erst, dies sei das Werk der Trolle, doch rückte dann mit der Wahrheit heraus: Diese Türmchen werden von Touristen gebaut und bedeuten, daß man gerne hierher zurückkommen möchte. Und schon war die halbe Reisegruppe angefixt und stürzte sich beim nächsten Halt auf umherliegende Steine, um sie übereinander zu stapeln. Ich nicht, denn ich wollte die kurze Zeit doch lieber dafür verwenden, mir die Landschaft anzuschauen und zu fotografieren. Überhaupt habe ich den Verdacht, daß dies einfach nur eine ganz ausgebuffte Beschäftigungstherapie für Touristen ist, um sie davon abzuhalten, zu viel Unfug anzustellen. Manchmal sind Touristen und Trolle eben dasselbe.

Norwegen Tag2q

Norwegen Tag2o2

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Freitag, 12. Juli 2013

Seemannsgarn - Alesund bis Molde

Seemannsschmaus:
Salat mit getrocknetem Hammelfleisch und Erdbeeren
Brathähnchen mit Gemüse-Risotto, Linsenragout und Paprikasoße
Joghurt-Panna Cotta mit norwegischer Schokolade verfeinert und Erdbeersoße dazu

Doch halt! Ich durfte dieses Menü leider nicht probieren, da ich zu den Ausflüglern gehörte und Molde nicht über das Wasser, sondern über das Land erreichte. Uns wurde in einem Hotel in Molde Kabeljaufilet mit Kartoffelpüree und Speck, sowie Apfelkuchen mit Sahne zum Abendessen serviert.

Ungefähr um die Frühstückszeit herum ankerten wir in Alesund (wird übrigens eigentlich mit einem Kuller über dem A geschrieben und wie O ausgesprochen). Als die Maschinen erneut stampften und das gesamte Schiff vibrierte, wie es das immer tat, sobald es versuchte, aus einem Hafen herauszukommen, glitten wir von nun an durch sich immer höher erhebende Kulissen aus Bergen, Wald, häufig sichtbaren Wasserfällen und einsamen Holzhäuschen direkt in den Geiranger-Fjord hinein, der relativ lang ist, so daß wir an seinem Endpunkt Geiranger erst am Nachmittag eintrafen. Wenn ich die Landschaft als Kulisse bezeichne, so meine ich das auch so, denn vom Schiff aus wirkt jeder Baum wie ein kleines Streichholzbäumchen und jedes Haus wie ein Spielzeughäuschen und man mag nicht glauben, daß dort tatsächlich Menschen herumlaufen bzw. herumklettern. Es wirkt wie aufgebaut und hin gemalt und man sagt sich selbst, daß man erst persönlich dieses Ufer besucht und alles angefaßt haben muß, bevor man realisiert, daß es wirkliches Land ist. Die Anzahl der Wasserfälle steigerte sich kontinuierlich bis hinauf zu den Sieben Schwestern, die natürlich so heißen, weil es gleich sieben nebeneinander liegende Fälle sind.

Das Wetter an diesem Tag war bewölkt und regnerisch, aber das bemerkten wir kaum, als wir in Geiranger mit einem Schnellboot ausgetendert wurden und zu unserem ersten Busausflug aufbrachen, während das Mutterschiff den Fjord wieder verließ und Richtung Molde steuerte. Als sich unser Bus immer höher hinauf durch die engen Kurven der Serpentinenstraße schlängelte, konnten wir es in der Ferne auf dem glänzend tief unter uns liegenden Fjord entschwinden sehen.

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Halt gemacht wurde kurz an einer Aussichtsplattform, an einem schäumenden Gebirgsbach,

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auf einer felsigen Bergplatte, auf der teilweise noch Schnee lag,

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bis der Bus schließlich über die Trollstigen fuhr, eine spektakuläre Serpentinenstraße, welche nur im Sommer geöffnet und wegen der Steinschläge und Lawinen generell nicht ganz ungefährlich ist.

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(Man sieht hier einen unserer Busse, wie er sich die Serpentinen entlang fädelt.)

Dann ein schneller Fotostopp, um die Trollstigen von unten zu bewundern und ein weiterer Halt im Trollshop, wo ein kleiner Imbiß auf uns wartete.

Norwegen Tag2v
(Oben ganz klein die Brücke, über welche wir fuhren.)

Danach ging die Fahrt weiter nach Molde, wo wir schon von weitem einen Koloss im Hafen liegen sahen, nämlich die Aida, welche wie ein schwimmendes Hochhaus alle Häuser der Umgebung überragte.

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(Sitzbank am Hafen in Molde)

Unser Reiseleiter erzählte uns, daß wir jetzt ein Abendessen bekämen und unser Schiff hinter der Aida liege, dann machte er sich blitzschnell aus dem Staub. Während des Essens ahnte noch niemand etwas, doch als sich die uns durchgestellte Abfahrtzeit von 21.15 Uhr näherte, strömten die ersten zum Hafen hinunter und wunderten sich, daß dort zwar die "Trollfjord" lag, ein anderes Hurtigruten-Schiff, aber von unserem Mutterschiff weit und breit nichts zu sehen war. Irgendwann standen alle in Grüppchen verloren am Hafen herum, die Aufregung wurde immer größer, man rannte hierhin, rannte dorthin, spekulierte, schimpfte oder fragte irgendwen. Jemand erzählte, ihm wurde gesagt, man müsse zwanzig Minuten bis zu einem anderen Anlegeplatz laufen, aber glücklicherweise hörte darauf niemand. Endlich tauchte am Horizont heiß ersehnt und mit einer halben Stunde Verspätung unser Mutterschiff auf. Wir waren zwar nicht hungrig, aber durchgefroren und müde. Nun durften wir wieder in unser schwimmendes Zuhause.

Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern

Wenn die Feuerwehr ins Krankenhaus einrücken muß, weil ein Notfall vorliegt, aber kein Pflegepersonal anwesend ist:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/kontraste/pflegenotstand-krankenhaeuser-gegen-personalschluessel?documentId=15819690

In dem Video kommt eine Statistik vor, nach der in Deutschland auf eine Pflegekraft 10,3 Patienten kommen, während es in Norwegen als patientenfreundlichstes Land 3,8 Patienten sind. Jetzt verstehe ich auch, warum uns vor der Reise gesagt wurde (ich glaube, es war sogar ein Mitarbeiter der Krankenkasse), daß man, sollte man während der Reise wegen eines Notfalls ins Krankenhaus müssen, es an unserer Stelle überhaupt nicht eilig haben würde, sich nach Deutschland überführen zu lassen. Lieber so lange in Norwegen bleiben und sich dort behandeln lassen wie möglich.

Ich muß sagen, daß ich höchste Achtung vor dem Pflegepersonal habe, welches trotz dieser Umstände noch versucht, die Patienten menschlich zu behandeln und zu begleiten. Aber Versuche schaffen leider kein Vertrauen, das schaffen nur Tatsachen.

Mir ist dazu dieser Traum von mir wieder eingefallen:

http://weltentanz.twoday.net/STORIES/das-automatisierte-krankenhaus/

Ich hoffe sehr, dies war keine vorausschauende Zukunftsvision.

Dienstag, 9. Juli 2013

Seemannsgarn - Die Ankunft in Bergen

Seemannsschmaus: Bergen-Buffet mit viel Obst

Auf dem Hinflug hatte ich einen Fensterplatz, so konnte ich erst Berlin unter mir entschwinden, und als die Wolkendecke nach anderthalb Stunden mit einem sehr trockenen Sandwich und einem halb gefüllten Becherchen Cola erneut aufbrach, eine völlig neue Landschaft unter mir auftauchen sehen, der man ihre Andersartigkeit und Besonderheit bereits von oben ansah. Vom Flughafen aus wurden wir mit dem Bus zum Hurtigruten-Terminal gefahren, wo wir unsere Sicherheitslektion absolvierten und eincheckten. Im Terminal bemerkt man es gar nicht richtig, wann man das Schiff betritt, denn es funktioniert wie ein Flughafen-Terminal. Erst bei den einzelnen Häfen wird ganz normal eine Gangway heruntergelassen, auf der man deutlich sieht, daß man das Schiff betritt oder verläßt. Ab 18 Uhr konnten die Kabinen bezogen werden, dann gab es Abendessen und danach waren wir damit beschäftigt, das Schiff zu erkunden und die Landschaft zu bestaunen, die noch gar nicht so großartig war, wie sie später werden sollte, aber eben für uns völlig unentdeckt. Doch da ich mich vor der Reise bereits etwas mit den Tagesstrecken und Sehenswürdigkeiten beschäftigt hatte, wußte ich, daß wir gleich am nächsten Tag früh in den Geiranger-Fjord einlaufen würden, weshalb wir relativ zeitig zu Bett gingen und uns in den Schlaf wiegen ließen, um davon nichts zu verschlafen.

Norwegen 1fNorwegen 1e 

Norwegen 1dNorwegen 1g 

Norwegen 1bNorwegen 1a

Montag, 8. Juli 2013

Unterm Rettungsboot

Unterm Rettungsboot

Im Geiranger-Fjord

Sonntag, 7. Juli 2013

Hurtig reisen - Die Fortsetzung

Die Richard With, so hieß unser Schiff, wird als schwimmendes Kunstmuseum gehandelt. Der Grund dafür ist, daß im Schiff überall Gemälde und Zeichnungen von norwegischen Künstlern hängen. Das größte Bild dürfte sich im Restaurant-Deck befinden, nämlich eine ganze Wand voll wilder Wikinger in Booten. Doch auch in den Treppenaufgängen und sogar in den kleinsten Winkeln findet man Bilder, manche sind allerdings vervielfältigt und häufiger zu sehen, zum Beispiel die Werke in den Kabinen. In meiner Kajüte hingen diese beiden schönen Bilder, eine wilde Seeszene vor dem Torghatten, dem Berg mit Loch, und eine stille Bergszene. Die Bergszene gab es an anderen Orten mit gelben Blumen davor:

Bild in SchiffskabineBild in Schiffskabine


Neben dem Kunstgenuß wurde für leibliche Genüsse ebenfalls gut gesorgt. Zum Frühstück und Mittagessen trug man jeweils ein sehr reichhaltiges Buffet auf und zum Dinner abends ein kulinarisch verbrämtes Drei-Gänge-Menü. Wenn sich das jetzt ein wenig sarkastisch anhört, hat dies die Ursache darin, daß der äußere Anschein in allem mit dem übereinstimmte, was man von der Haute Cuisine so kennt, aber das Geschmackserlebnis dem oft leider nicht entsprach. Genauer gesagt waren die Gänge zum einen winzig (zum Beispiel gab es zum Lammfleisch genau abgezählt fünf grüne Bohnen), zum anderen sehr kunstvoll und dekorativ angerichtet, aber von der Qualität des Essens selbst kam es mir ein wenig vor wie gewollt und nicht gekonnt. Eigentlich macht es mir nichts aus, kleine Portionen zu essen, wenn ich dafür wirklich besondere und exquisite Geschmackserfahrungen machen kann, doch hier fand ich das Getue um das Essen fast lächerlich, weil sich die Passagiere dieser Haute Cuisine-Attitüde anpassten, aber oft mit ziemlich angepissten Gesichtern auf dem Essen herumkauten. Hätte ich nicht mitten unter ihnen gesessen, sondern das als Szene in einem Film gesehen, hätte ich wahrscheinlich schallend losgelacht. Ich weiß nicht, ob die Norweger generell auf Kriegsfuß mit Gemüse stehen oder nur dieser spezielle Küchenchef, aber egal welches Gemüse, ob Spargel, Bohnen, Rosenkohl oder was auch immer, es war stets so roh, als hätte man es nur im Vorbeigehen kurz in warmes Wasser getaucht, und schmeckte meistens nach gar nichts. Es ironisch "bißfest" zu nennen, wie es einige Gäste taten, war da ziemlich kompromissbereit. Wenn man allerdings weiß, daß in Norwegen kaum Gemüse angebaut wird, weil dort ab August bereits wieder die Nachtfröste beginnen, wird das Ganze verständlicher.
Glücklicherweise wurden zum Mittags-Buffet zwei bis vier warme Mahlzeiten angeboten, so daß ich mir stets mittags den Bauch vollschlug und das Dinner, den "Firlefanz" wie es mein Bruder nannte, mehr als Showeinlage genoß, denn neugierig war ich natürlich, da die Gänge sich meist viel besser und exotischer anhörten, als sie schließlich waren. Weniger schmackhaft ist in Norwegen, neben Bier und Wein, was ich bereits erwähnte, weiterhin das Brot. Sehr gut waren dagegen die Soßen, auch im Buffetangebot, und die Desserts. Es gab Passagiere, munkelte man, die sich ausschließlich vom Dessertangebot ernährten. Zu jedem Mittagsbuffet fand man bis zu zehn verschiedene Nachtische - Kuchen, Eis, Cremes, Götterspeise, Kompott, Pudding - wenn man sich da durch essen wollte, mußte man sich seine Verdauungsreserven gut einteilen. Reichlich im Angebot waren außerdem Fisch, Kaviar, Meeresfrüchte und exotisches Obst. Zu den Mahlzeiten trank man exzessiv Wasser, denn außer zum Frühstück gab es nur das schiffseigene Wasser kostenlos, welches auf dem Schiff selbst hergestellt und in Plastikkaraffen gereicht wird. Natürlich konnte man auch andere Getränke kaufen,aber bei diesen Preisen überlegte es sich die Mehrheit sehr genau, denn 0,33 l Saft kosten umgerechnet 6 EUR und 0,33 l Bier ungefähr 10 EUR. Daher sagt man wahrscheinlich, Norwegen sei teuer, was man so allerdings nur für Touristen stehen lassen kann. Die Norweger selbst verdienen im Schnitt das Dreifache von dem, was wir verdienen, und unter diesem Gesichtspunkt sind es für die Norweger humane Preise. Daher rührt sicher die Diskrepanz, daß ich für den von uns bezahlten stattlichen Preis den Service doch eher mittelmäßig fand, vergleichbar einem Zwei-Sterne-Hotel. Zudem hatten wir das Pech, daß bei unserer Fahrt nicht einmal kostenlose Wolldecken zur Verfügung gestellt wurden, wie in den Katalogen angekündigt, sondern Decken ebenfalls gekauft werden sollten, wenn man eine benötigte.

Da wir gerade von Pech reden, zwei Tage vor der Reise ereilte mich ein viel größeres, denn ich bekam mal wieder einen Hexenschuß, einen besonders gemeinen. Ich konnte mich nur noch an den Türrahmen klammern mit dem Gedanken, nie wieder irgendeine Bewegung machen zu können, und ließ mich schließlich, als ich nicht mehr klammern konnte, wie ein Käfer auf den Fußboden fallen. Dort versuchte ich mich mit Yogaübungen zu dehnen, um irgendwie auf die Beine zu kommen, allerdings sahen die Übungen mehr aus nach "Überfahrene Katze, die noch nicht ganz tot ist und hilflos herumzappelt". Wenn man so auf allen Vieren herumkriecht, weil das die einzige Fortbewegung ist, die noch geht, hat man wirklich viel Zeit darüber nachzudenken, wie bescheuert die Menschheit doch war, sich auf zwei Beine zu stellen. Ich war total fertig und dachte zuerst, ich muß die Reise sausen lassen. Zum Glück hatte ich diverse starke Schmerzmittel zu Hause, bei denen ich nur schnell schaute, wieviel ich davon nehmen kann, ohne eine Überdosis zu riskieren, und so gedopt gelang es mir doch, die Reise anzutreten und die erste Woche zu überstehen, allerdings wäre es schöner gewesen, sich frei bewegen zu können und beim Sitzen in den Ausflugsbussen und auf dem Sonnendeck nicht ständig den trotz Schmerzmitteln pochenden und ziehenden Nerv zu spüren. Der erste Ausflug am zweiten Tag dauerte gleich acht Stunden, die zum größten Teil aus Sitzen bestanden. Am Ende dieses Ausflugs war mein Rücken total steif, aber irgendwie auch taub, so daß ich scherzhaft zu den anderen sagte, ich hätte meinen Nerv wohl tot gesessen. Ich erzähle das alles nur, um nicht zu viel Neid aufkommen zu lassen. Abgesehen von diesen Unannehmlichkeiten finde ich, daß ich mir das Gute, das mir zur Zeit widerfährt, redlich verdient habe.

Aus oben genannten Gründen kaufte ich mir in Norwegen einen Schmerzbalsam (Pilegrimsbalsam), den ich als Souvenir mit nach Hause brachte, was mich jetzt ärgert, denn leider erinnert mich dieses Souvenir genau an den unschönen Teil der Reise. Wenn der Schmerzbalsam Wunder wirken würde, würde ich ja sofort wieder nach Norwegen fahren, wenn er aufgebraucht ist, aber es ist nur einer von vielen, der höchstens bei kleineren Blessuren etwas nützt. In meinem geführten Reisetagebuch, in welchem man viele Tips für besondere Andenken findet, steht der Vorschlag, man solle von seiner Reise einen beliebigen Hygieneartikel mitbringen und auf jeder weiteren Reise einen neuen Artikel dieser Art kaufen, um eine andere Art der Souvenir-Sammlung aufzubauen. Das heißt, dieser Schmerzbalsam könnte der Beginn einer großartigen Sammlung von Schmerzbalsamen aus aller Herren Länder werden, ganz gewiß eine ganz neue und heilsame Art der Andenken-Sammlung. Aber nein, ich kann mich beherrschen, solch eine Souvenir-Sammlung will ich nicht haben.
Ein etwas schöneres Andenken sind die Handstulpen, die ich mir kaufte, und die glitzernden Steine, die ich am Svaritsen-Gletscher einsammelte. Ich habe den Gletscher komplett abgeräumt, die nachfolgenden Touristen werden sich wundern, weil keine Steine mehr da sind.

Souvenir NorwegenSouvenir Norwegen


Dieses Video ist übrigens rein zufällig am Gletscher entstanden, ich muß wohl auf den Videoauslöser gekommen sein:

Freitag, 5. Juli 2013

Walwetter

Ferne Begleiter bleiben sie -
als wollten sie nicht ängstigen,
sondern schwerelose Tänzer
auf der diamantenen Bühne sein,
die ihnen die wogende Flut bereitet

Folgen meinem Weg über das Meer,
folgen mir bis an den Ort,
wo die Sonne in zwei Teile fällt,
zerbrochen von dem Spiegel,
der Welten voneinander trennt

Wo das Blau noch blau sein darf,
Vergißmeinnicht nicht vergessen sind
von Seelen, die einen Hafen suchen.
In ihren glänzenden Bäuchen
das Urwissen des Lebens, prall.

Schlafen die Riesen (sicherlich),
treiben sie in ihren Wellenkissen,
träumen von der Glut der Sonne
jenseits der Grenzen ihrer Heimat
und den Rätseln des Kontinents

Looking for the whales

Als wir vom Svaritsen-Gletscher aus mit dem Schnellboot unserem Mutterschiff folgten und zum ersten Mal Wale sahen.

Norwegen 6Norwegen 4

Norwegen 7

Norwegen 5

Donnerstag, 4. Juli 2013

Hurtig reisen

Machen wir uns nichts vor, auch die Hurtigruten-Schiffe, obwohl Postschiffe und viel kleiner als die großen Kreuzfahrtschiffe, sind im Grunde eine Art schwimmendes Altersheim. Jedenfalls dürfte mehr als die Hälfte der Passagiere das 60. Lebensjahr überschritten haben. Leute mit Krücken und Rollatoren findet man ebenfalls einige auf dem Schiff. Ein alter Herr, der mit uns an Bord ging, war so klapprig und mühte sich mit solch einem riesigen Koffer ab, daß mein Bruder feixte, der hätte bestimmt in dem Koffer seine Pflegekraft. Man kann auf so einem Schiff durchaus ganz entspannt herumgondeln, draußen sitzen oder drinnen in diversen Bars und Gesellschaftsräumen, ein bißchen gucken, sich den ganzen Tag vollfressen, Schläfchen machen und sich bespaßen lassen, denn sogar einen Bordmusiker gibt es. Dieser klimpert und singt allerdings so grauenvoll, daß es sehr von Vorteil ist, bereits schwerhörig zu sein. Ab und zu trällert auch mal die Bardame ein Liedchen, bei dieser sollte man aber besser schon ganz taub sein, wenn man es nicht werden will.

Gehört man zu den jüngeren Passagieren, die etwas mehr von Land und Leuten sehen möchten, dann ist der Name von Hurtigruten Programm. Man hat zwar oft Gelegenheit zu Landgängen, da das Schiff jeden Tag mehrmals irgendwo anlegt, und es werden sehr viele Ausflüge angeboten, so daß man theoretisch jeden Tag einen mitmachen könnte, aber alles muß immer sehr schnell gehen, hurtig eben. Das ist verständlich, denn schließlich hat das Schiff wichtige Aufgaben zu erfüllen und einen festen Fahrplan, der möglichst eingehalten werden sollte. Deshalb sind die Liegezeiten in den diversen Häfen sehr kurz, manchmal nur eine halbe Stunde, manchmal eine ganze und selten auch mal vier Stunden. Selbst die werden eng, wenn man sich eine Stadt anschauen möchte. Mit gemütlich bummeln oder sich in ein Cafè setzen ist da nicht viel, sondern man braucht flinke Füße, damit man etwas sieht und trotzdem pünktlich zur Abfahrt wieder am Hafen ist. Wenn man nicht laufen, sondern sich mit dem Bus herumfahren lassen will, muß es ebenfalls schnell gehen. Oft beginnt ein Ausflug in einem Hafen und endet in einem anderen, wo man das Schiff rechtzeitig erreichen muß. Das kann manchmal eng werden, und die Fotostopps immer kürzer. Anfangs sind es noch zehn Minuten, später fünf und irgendwann nur noch zwei Minuten, bevor der Busfahrer seinen Motor wieder anwirft als Zeichen, daß sich nun alle zum Bus zu sputen haben. Besichtigt man zwischendurch Kirchen oder Museen, reicht die Zeit nie, um alles richtig zu sehen, sondern höchstens dafür einen kurzen Überblick zu bekommen. Wenn das Schiff Verspätung hat, kann es sogar vorkommen, daß "Ausgangssperre" verhängt wird, d.h. das Schiff legt zwar irgendwo an, allerdings ist es den Passagieren untersagt, für Stippvisiten von Bord zu gehen. Einmal haben wir erlebt, daß ein Hafen überhaupt nicht angelaufen wurde, weil man feststellte, daß niemand von Bord und auch niemand auf das Schiff wollte. So holt man Verspätungen, zum Beispiel bei technischen Problemen, wieder ein.

Auf dem ganzen Schiff gibt es Lautsprecher für die Bordfunkdurchsagen, selbst in den Kabinen. Über diese Durchsagen erfährt man, welcher Hafen gerade angefahren wird, wann die Abfahrtszeit ist, Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, die man im Moment von Bord aus sehen kann und das alles in drei bis vier Sprachen. So verpaßt man selbst dann nichts, wenn man gerade sein Mittagsschläfchen hält. Jede Kabine hat außerdem Telefone, mit denen man einfach mit der Kabinennummer in jede andere Kabine telefonieren kann. Die Kabinen der Mittelklasse sind winzig, ein Bettsofa, ein Klappbett, eine Ecke abgeteilt für die allerwinzigste Naßzelle, die aber trotzdem Fußbodenheizung, Dusche, Waschbecken, Klo und Fön hat, einige Schränke, kleiner Schreibtisch mit Stuhl und Tischchen passen gerade so hinein. Mein Klappbett war erstaunlich bequem.

Fön HurtigrutenKabine 2Kabine 3
Der Fön in den Kabinen

Kabine 1Schiff 6


Wir hatten unsere Kabine auf Deck 5, welches das einzige Deck ist, auf dem man von außen einmal um das ganze Schiff laufen kann. Das führte immer mal wieder zu diesen Ausblicken:

Schiff 5


Von außen ist es nicht gut möglich in die Kabinen schauen, weil das Glas verspiegelt ist, manches sieht man aber trotzdem, vor allem je näher es am Fenster ist, oder wenn Licht eingeschaltet wurde. Von Deck 5 bis Deck 7, dem höchsten Deck, gibt es am Heck Sonnendecks mit Stühlen, die besonders bei Sonnenschein heiß begehrt sind.

Schiff 3Schiff 2


Ich habe es nur ein einziges Mal bei dichtem Nebel und ca. um Mitternacht erlebt, daß ich alleine auf dem Deck saß, was aber durchaus angenehm war, da es es zwar nebelig doch weder kalt noch windig gewesen ist. Apropos Wetter - wir hatten bis auf Schneestürme so gut wie jedes Wetter, das man sich vorstellen kann. Und es wechselte rasant, manchmal gab es mehrere Wetterlagen an einem Tag. Zum Beispiel war es oft so, daß es tagsüber regnerisch und bewölkt war, aber abends aufklarte und eine herrliche Mitternachtssonne die ganze Nacht hindurch schien.

Das ist unser Schiff, als es von uns in Molde nach einem Ausflug heiß ersehnt wurde, aber Verspätung hatte:

Schiff 4



Und dies ist der Hinweis darauf, wo sich die Rettungsboote befinden:

Schiff 1

Im übrigen mußten wir, um überhaupt an Bord zu dürfen, zu Beginn eine Sicherheitseinweisung absolvieren, die jedoch nur aus einem englischsprachigen Film bestand, der abgespielt wurde. Dafür bekam man ein Siegel auf seinen Kabinenschlüssel geklebt. Ich glaube, in einem echten Notfall wäre das nicht sehr effektiv gewesen, aber man denkt ja immer ' bei uns wird schon nichts passieren'.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Ouvertüre | Norwegen 2

Die erste Urlaubskarte ist heute beim Empfänger eingetrudelt, dann wird sicher auch meine bald ankommen. Ich hab mir nämlich selbst eine Trollwarnung vom Nordkap aus nach Berlin geschickt. Als Souvenir sozusagen.

Norwegen 1

Norwegen 4

Norwegen 3

Dienstag, 2. Juli 2013

Ouvertüre | Norwegen

Ouvertüre | Norwegen

Es beginnt...

Montag, 1. Juli 2013

Stockfisch und Bier

Bei mir gab es heute Gurkennudeln, ich habe einen Spiralschneider gekauft, mit dem man super Gurken, Zuccini oder anderes Gemüse zu Spaghetti verarbeiten kann. Dazu könnte man sich gut alle möglichen Soßen ausdenken, aber ich bin immer zu faul und nehme einfach Kartoffelcreme.

Gurkennudeln

Danach verspeiste ich das letzte Stück Stockfisch, welches ich noch aus Norwegen hatte, zu deutschem Bier. In Norwegen wird Stockfisch - an Gestellen getrockneter Fisch - wie Chips geknabbert und dazu gehört unbedingt Bier. Stockfisch schmeckt ein bißchen wie Stroh mit Fischgeschmack, jedenfalls gewöhnungsbedürftig, ist aber sicher gesünder als andere Snacks. Leider ist Alkohol in Norwegen nicht nur verdammt teuer, sondern schmeckt auch überhaupt nicht, sei es nun Bier oder Wein. Man weiß gar nicht, ob nun Stockfisch den Biergeschmack oder Bier den Stockfischgeschmack verbessern soll. Harte Sachen gibt es gar nicht oder selten, es ist außerdem verboten in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Das hat den Vorteil, daß man nirgends Leute mit Bierbüchsen herumlungern sieht. Einer der Reiseleiter erzählte jedoch, daß man gerne mal selbst destilliert, allerdings sollte man sämtliche Einladungen zu entsprechenden Gebräuen lieber ablehnen, denn das letzte Mal, als er dazu eingeladen wurde und davon getrunken hatte, wußte er drei Tage lang seinen Namen nicht mehr.

Bei einer anderen Spezialität, die mir in Norwegen aufgefallen ist, handelt es sich um karamellisierten Ziegenkäse. Das klingt zuerst noch nicht schlimm, aber das Witzige ist, daß er zu Kuchen oder Waffeln gereicht wird. Bei einem Ausflug durften wir das zum Kaffee ausprobieren: Waffeln mit einer Scheibe Käse oben drauf. War aber gar nicht so schlecht.

Gerne probiert hätte ich ebenfalls die Moltebeeren, habe leider jedoch nirgends eine zu Gesicht bekommen. Nur als Sirup beim Dinner und als zuckerfreie Drops, die ich mir kaufte, konnte ich den Geschmack dieser Beeren erahnen.

Stockfisch
Stockfisch

Stockfischgestelle-Lofoten
Gestelle mit Stockfischen auf den Lofoten