Eine Spatzenfamilie
Edit 21:30 h: Pssst! Die Spatzen schlafen tief und fest!




Gestern fand zu Ehren meines Geburtstages ein großes Konzert und Feuerwerk in den Gärten der Welt statt, dem grünsten Konzertsaal Berlins. Ist natürlich Quatsch und nur halb richtig, denn es war zwar mein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, aber gefeiert wurde eigentlich Giuseppe Verdis 200.Geburtstag - ohne seine Anwesenheit. Dafür war ich dort, auch wenn mein Geburtstag erst in zehn Tagen ist. Und es war wunderbar, nur leider etwas zu feucht und kühl des abends, man sollte seinen Geburtstag öfter mal eher feiern. Es versteht sich, daß bei dem Konzert all die bekannten und beliebten Melodien Verdis aus Rigoletto und Nabucco erklangen, wobei das, was die Massen hier begeistert, mir im Grunde weniger gefällt. Ich bevorzuge die Melodien aus La traviata, welche ebenfalls reichlich gespielt wurden. Insgesamt 150 Musiker gaben ihr Bestes auf der Bühne. Nach einer längeren Pause, als es anfing zu dämmern, zogen die Chöre mit einem Fackelzug hinauf und zum Schluß wurde die Musik mit einem wunderschönen Feuerwerk untermalt. Als die Menge - es waren enorm viele Leute gekommen - sich am Ende durch den einzigen Ausgang hinaus drängelte, hörte man solche Sätze wie: "Det war richtig jut! Det war schön - dieses Gesinge und diese vielen Chöre - hach, so wat hab ick noch nich erlebt! Ick fand det viel schöner als im letzten Jahr." Den Berlinern hat es gefallen.




Seemannsschmaus:
Rucola-Salat mit geröstetem Räucherschinken, Forelle und Spargel
Lammrücken mit Gremolata, serviert mit geröstetem Kürbis, Süßkartoffeln, gerösteter Gemüse-Terrine und Rosmarin
Eis-Parfait mit Kornflocken und Schokoladenstreuseln verfeinert
Am fünften Tag war es so naß, wie es auf einer Seereise sein sollte, denn es goß in Strömen. Da wir ausflugsfrei hatten, richteten wir uns auf einen eher ruhigen Tag ein. Kurz nach dem Mittagessen, als wir faul herumlagen, gongte der Bordfunk und der Kapitän gab durch, daß wir in Kürze backbords die Yacht des norwegischen Königs passieren würden, auf der zur Zeit das schwedische Königspaar zu Gast sei, weil beide Königspaare befreundet sind. Das interessierte nicht viele, aber ich packte mich trotzdem so wetterfest wie möglich ein und ging auf Deck, um eventuell einen Blick auf den norwegischen König zu erhaschen. Den jungen Rezeptionisten hatte man ebenfalls an Deck geschickt. Er sollte dort mit einer norwegischen Fahne winken. Vielleicht tat er es aber auch freiwillig und undienstlich, Norweger können recht patriotisch sein. Die Yacht fuhr vorbei, erwiderte unser Getute und Gewinke mit ein paar Gruß-Quiekern, doch von den Passagieren war nichts zu sehen. Kein Wunder, bei diesem Wetter gehen Königspaare bestimmt nicht extra an Deck, um ihre Untertanen zu sehen.

Die königliche Yacht
Nachmittags legten wir für einige Stunden in Tromsø an und obwohl es immer noch in Strömen regnete, gingen mein Bruder und ich ohne die anderen an Land. Bei meinem Bruder lag es auch daran, daß er seinen Rasierschaum vergessen hatte und nun unbedingt welchen brauchte, denn meine Schwägerin wollte ihn nicht mit einem Seebären-Vollbart. So flitzten wir erst umher, um eine Drogerie zu finden, was gar nicht so einfach war, und fanden schließlich ein Einkaufscenter mit einem Supermarkt, wo er Rasierschaum erstehen konnte. Zwischendurch schauten wir ein bißchen auf dem Markt vorbei, der gerade stattfand, und wo sie schöne norwegische Pullover und Strickjacken hatten, allerdings alle zu teuer für mich. An Tromsø fielen mir zwei Dinge auf, die ich schon in Trondheim bemerkt hatte, nämlich die Sauberkeit und die üppigen kommunalen Bepflanzungen. Und während die Besonderheit in Trondheim die alten Schiffsdocks waren, waren es hier in Tromsø die dicken Katzen, die überall herumsaßen, was ich richtig putzig fand. Man sagt ja im allgemeinen, daß die Menschen im Norden größer sind als die Menschen im Süden. Ich sah in Tromsø eine echte Walküre, ein bis zwei Köpfe größer als ich (und ich zähle mit 1,76 schon als groß), stämmig und blond. Aber das mit der Größe scheint nicht nur auf Menschen zuzutreffen, sondern auch auf Pflanzen. Ich habe bisher nirgends solche riesenhaften Löwenzahnpflanzen gesehen wie an jeder Ecke in Tromsø. Da es weiterhin aus Kannen regnete und ich fleißig fotografierte, machte meine Kamera langsam schlapp. Immer mehr Wasser kam in die Linse, so daß die Fotos nach und nach verwässerten, bis überhaupt nichts mehr scharf abzubilden war. Ab da mußte ich aufhören zu fotografieren, weshalb die Kirchenbesichtigung nicht dokumentiert ist. Auf vielen Fotos sieht man verwischte und verlaufene Stellen - das ist das Wasser in der Kamera, aber dafür sind sie absolut authentisch. Seewetterfotos eben.



Ziemlich begossen und nass kehrten wir auf unser Schiff zurück, welches hier zwischen zwei Häuserzeilen zu sehen ist. Doch zum Abend klarte es auf und eine strahlende Mitternachtssonne leuchtete durch die Nacht. So war es oft, wenn es tagsüber regnete.

Blick auf Sklervøy


