Der Weinstock im Schattenkübel macht sich richtig gut. Sogar den Krankenhausaufenthalt ohne Wasserversorgung hat er unbeschadet überstanden, während die Topinambur, trotz Unkrautimage, schon schlaff in den Seilen hing. Jetzt bekommt er ständig neue Blätter und rankt und rankt. Erstaunlich. Das hätte ich nicht erwartet. Gestern wunderte ich mich auch, weil ich zwei neu gekaufte Kelch-Wasserspender befüllte und innerhalb von 20 Minuten, in denen ich nicht auf dem Balkon war, befand sich in einem der Kelche nur noch eine Pfütze, trotz vorherigen Gießens. Also goß ich wieder voll, stellte aber nach 30 Minuten fest, daß erneut alles weg war. Ich goß den Kelch das dritte Mal voll und bis zum Abend war wieder alles weg. Da erwischte ich wohl irgendeine Säuferpflanze, denn bei den anderen Wasserspendern habe ich das noch nie erlebt.
Inzwischen habe ich außerdem meine Yogaübungen wieder aufgenommen, die ich seit zwei Monaten in all der Aufregung mangels Ruhe überhaupt nicht mehr gemacht habe. Für die lange Zeit hat meine Beweglichkeit relativ wenig gelitten, die Kraft allerdings schon. Ich probierte erstmal alle Yogaübungen aus, die ich oft oder weniger oft übe, um zu schauen, was noch geht. Dabei stellte ich fest, daß es sich beim Durchstrecken des linken Armes jetzt anfühlt, als sei unter der Achsel etwas zusammengewachsen, was den Arm zurückhält und unangenehme Spannung erzeugt. Immer etwas Neues, um sich Sorgen zu machen.
Der Tischler kam heute, immerhin sehr nett, und lobte meine selbstgelegten Dichtungen am vor 10 Jahren neu eingesetzten Fenster, an welchem ich immer Feuchtigkeitsprobleme habe. Ich erwiderte, daß ich mich auch sehr genau belesen hätte, wie man die Dichtungen richtig anbringt, worauf er erklärte, daß dies noch nicht einmal manche Tischler wüßten. Die Fensterbauer wußten anscheinend auch nicht sehr viel, denn der Tischler erweiterte den Zwischenraum des Außenfensters, wogegen der Zwischenraum des Innenfensters viel kleiner sein sollte, wie er sagte. Ziemlich schnell war er mit allen Fenstern durch und ich dachte, die angekündigten Maler kommen gleich hinterher, aber als ich ihn danach fragte, erfuhr ich, daß die Maler nicht heute, sondern irgendwann in nächster Zeit mal kommen. Der eine der beiden läge nämlich im Krankhaus und sie wüßten gar nicht, wie sie bis Oktober die Fenster der gesamten Häuserzeile schaffen sollten. Na toll! Da habe ich gestern wie blöd alle Fenster frei geräumt und fange dann irgendwann wieder von vorne an. Überhaupt hatte ich ja gehofft, daß ich, wenn ich die beiden Termine am nächsten Montag abgearbeitet habe, endlich mal ein wenig zur Ruhe komme und zumindest ansatzweise noch etwas vom Sommer habe (genießen kann man das ja nicht gerade nennen). Aber dieses Jahr ist wirklich wie verhext. Wenn ich hier mit heilen Nerven rauskomme, grenzt das an ein Wunder.
Und auch die Brust hört nicht auf weh zu tun. Es hat mir niemand gesagt, daß dies so lange alles dauert. Wenn ich mal ein bißchen Zeit und Muße finde, klebe ich mir die Brust unten und vorne mit breiten Tapes ab, weil es dann weniger schmerzt (vielleicht weil sie mehr gestützt wird), aber in den letzten Tagen, in denen ich so viel geräumt und gehoben habe, hatte ich natürlich keine Zeit und dies nicht gemacht. Entsprechend schlimm fühlte sich dann abends auch die Brust an, wie ein einziges Wundsein, und wenn sie sich so anfühlt, traue ich mich immer gar nicht mehr, das Bustier auszuziehen, weil ich Schreckliches darunter befürchte. Manchmal geht wohl meine lebhafte Phantasie etwas mit mir durch. Gestern war es dann so, daß sich die äußere Seite anfühlte, als sei mir ein neuer Knochen gewachsen. Und wenn ich mich bücke oder ähnliche Bewegungen mache, ist es immer so, als würde eine störrische Folie in meiner Brust abknicken und gegen die Haut stoßen. Das ist alles so gruselig. Wenn ich bisher nicht hypochondrisch war, dann werde ich es sicher jetzt. Auch auf die Leiter zu steigen ist gerade sehr abenteuerlich, denn egal wie ich sie stelle, mit dem linken Arm komme ich nirgends gut ran. Im Schlaf drehe ich mich außerdem immer mal wieder automatisch auf den Bauch, was aber nicht funktioniert, bzw. nur halb, wenn ich die rechte Brust belaste. So langsam fürchte ich, daß noch nicht einmal bis September alles richtig verheilt sein wird, aber mit meiner Geduld und mit meinen Nerven bin ich bald am Ende.
Nach der Arbeit gehe ich mit Kolleginnen in eine sehr weitläufige Sauna, in welcher wir nackt herumlaufen. Während ich irgendwo stehe, fällt mir gegenüber eine blonde Frau auf, deren Brüste etwas seltsam aussehen. Es wirkt so, als hätte sie sich diese vergrößern lassen und jetzt sind sie wie zusammengewachsen. Unauffällig checke ich außerdem, ob sie eingefallene Stellen hat, so wie ich. Dabei bemerke ich, daß sie meine Brüste ebenfalls genau mustert und mit ihrer Nachbarin tuschelt. Ich höre wie sie sagt, daß meine Brustwarze merkwürdig sitzt. Ich fühle mich getroffen und lege schnell einen Arm über die Brust. Dabei schaue ich hinunter und stelle fest, daß die Brustwarze, die nach der OP ziemlich weit außen gesessen hat, nun plötzlich extrem weit nach innen gerutscht ist. Irgendetwas stimmt hier nicht. Sofort befinde ich mich in einem Krankenhaus, allerdings werden meine Zähne behandelt und nicht meine Brust. Ständig kommen neue Ärzte vorbei und keiner weiß davon, was der andere macht oder gemacht hat. Einige haben gebohrt, andere wollen bohren und ich erkläre jedem, daß an den beiden betroffenen Zähnen, dem linken kleinen Schneidezahn und einem Backenzahn auf der anderen Seite, bereits gebohrt wurde. Das fehlte noch, daß die mir zweimal darin herumbohren! In einem Krankenbett wird eine hochschwangere junge Frau angeschoben. Ihr Bauch ragt wie eine große Kugel aus dem Bett. Auch bei ihr soll etwas an den Zähnen gemacht werden, allerdings erst nach der Entbindung. Die Frau scheint es nicht eilig zu haben, denn sie sagt zu mir: "Die Ärzte können ruhig ein bißchen warten. Ich bin noch lange nicht soweit." Dann fällt ihr auf, daß sie völlig unbedeckt im Bett liegt und sie zieht sich schnell die Decke über, allerdings nur bis über den Bauch. Die Brüste bleiben frei und mir fällt auf, daß sie sehr wohlgeformt und symmetrisch sind.
kaufte ich mir heute. Die Bilder passen gut zu meiner Stimmung und überhaupt hoffe ich ja, daß der September und die Reise an die Ostsee in diesem Jahr nochmal etwas Gutes bringt, denn ansonsten kann man das ganze Jahr total in die Tonne kloppen. Außerdem habe ich jede Menge ungesundes Zeugs eingekauft: Nuts, Eis, Cola, abgepackte Rosinenschnecken, Grillwürstchen mit Schinkenspeck und Teewurst (im Krankenhaus hatte ich dauernd Hieper auf Teewurstbrot und war dann enttäuscht, wenn es nur Leberwurst gab). Aber das hier ist ein Notfall, da brauche ich sowas. Und demnächst kann ich mir dann auch meine neuen Leckerlis aus der Apotheke abholen. Bisher nahm ich ja Antihormone, die ich nun aber nicht mehr nehmen soll, da sie anscheinend nicht wirken und stattdessen muß ich Aromatasehemmer schlucken. Ich wurde schon vorgewarnt, daß diese zu Knochen- und Gelenkschmerzen führen. Und dabei bin ich gerade so froh, daß bis auf die Brust natürlich, absolut nichts weh tut, nicht einmal der Rücken. Ich glaube, wenn das mit der Brust nicht wäre und all den physischen und psychischen Beeinträchtigungen, wäre ich fit wie lange nicht mehr. 'Wäre', 'hätte', 'Fahrradkette'. Der Wirkstoff steht übrigens auf der Doping-Verbotsliste.

Mein Kartenblatt
Irgendwo werde ich als Hilfskraft eingestellt und soll zuerst lernen, wie man Haare flicht. Als Übungsobjekt wird mir ein gutaussehender schwarzer Typ mit riesigen weißen Zähnen zur Verfügung gestellt. Er trägt Rasterzöpfe, die zu einem einzigen Zopf zusammengebunden sind. Daß ich an ihm das Haareflechten üben soll, scheint ihn nicht so zu begeistern, jedenfalls hält er mir nur ein paar Stummel seiner Koteletten hin. Etwas fummelig diese zu flechten, denke ich mir, und spekuliere darauf, einen seiner Zöpfe auseinanderwickeln zu dürfen. Dazu öffne ich seine zusammengehaltenen Haare, eine Situation, die ich sehr erotisch finde, auch wenn seine Haare nicht so weich sind, daß ich schwach werde, wie ich feststelle. Ich schaue mir einen der Zöpfe genauer an: Er ist flach und sieht aus, wie aus einzelnen feinen Haaren zusammengewebt. Hm, so fein bekomme ich das niemals hin, weshalb ich meinen Plan aufgebe, einen der Zöpfe auseinander zu wickeln und wieder zusammen zu flechten. Stattdessen versuche ich mich doch besser an seinen Koteletten, was ihm ebenfalls viel lieber ist. Meinen Versuchen hält er dann auch geduldig stand, bis wir beide eng aneinandergelehnt einschlafen.
Die Männer haben auch heute auf meine dicke Brust gestarrt, fiel mir auf. Da scheint schon eine Körbchengröße mehr zu reichen. Und ein Mariechenkäfer mochte mich und klebte die ganze Zeit irgendwo an mir dran. Leider bin ich völlig sinnlos früh um 6 Uhr aufgestanden, da ich einen MRT-Termin um 9 Uhr in Charlottenburg hatte, aber dort bin ich nie angekommen. Ich dachte mir nämlich, mit der S-Bahn wäre ich schneller als mit dem Bus, von welchem ich ja auch noch durch halb Charlottenburg hätte laufen müssen, nur herrschte bei der S-Bahn das Chaos. Von dem Schienenersatzverkehr wußte ich nichts und erfuhr ich erstmal auch nichts, da in der S-Bahn keine Durchsage erfolgte, so daß ich mit der Ringbahn hübsch wieder zurückfuhr. Dann erneut in die andere Richtung und alles in knüppeldickenvollen Waggons mitten im Berufsverkehr. Schließlich in den Bus, wo ich festgestellt habe, daß schnoddrige Busfahrerinnen wohl eine besondere Spezialität von Charlottenburg sind, denn woanders erlebe ich sowas nicht. Als sie mal scharf bremste meinte sie: "Entschuldigung! Alles in Ordnung? Hat sich irgendjemand verletzt?" und etwas später setzte sie hinzu: "Tja, so is das. Ick habe ja eigentlich schon mein eigenes Gleisbett beantragt, aber keins jekriegt. Jetz muß ick weiter am Straßenverkehr teilnehmen." Und an der Endhaltestelle dann: "Und schön vorsichtig beim Aussteigen. Nicht daß sich doch noch jemand die Nase verbiegt!" Von dort dann wieder die nächste S-Bahn suchen und warten, warten, warten. Leider erfolgten hier falsche Durchsagen, was ich aber erst nach zwanzig Minuten mitbekam. Und viele andere waren so verzweifelt wie ich, schienen aber zu denken, ich wüßte, wie es weiter und wo es lang geht, weshalb ich alle Nase lang von Leuten gefragt wurde. Irgendwann in den Massen und in der prallen Sonne habe ich aufgegeben, weil ich bald kurz vorm Hitzschlag stand und der Termin eh schon lange vorbei war. Ich bin also um 6 Uhr aufgestanden und drei Stunden im Berufsverkehr und in der Hitze durch Berlin gegondelt und das für nichts. Und von dem wenigen Schlaf und der Herumfahrerei bin ich jetzt völlig fertig. Gleich als ich zu Hause war, fiel ich auf das Bett und sackte augenblicklich weg, aber sofort klingelte das Telefon. Zu Mittagsschlaf bin ich also ebenfalls nicht gekommen.
Ich finde ja, es ist schon eine ziemliche Zumutung, daß von jemandem nach einer großen OP und mit Schmerzen verlangt wird, bei Hitze und Berufsverkehr durch ganz Berlin zu fahren. Patient sein war früher auch mal anders. Heutzutage muß man als Patient richtig Leistung bringen, nix mit Ausruhen. Einen Tag nach der OP wird man aus dem Bett geschmissen und soll Gymnastik machen, egal ob und welche Schmerzmittel man bekommt, und eine Woche nach der OP hat man bitteschön wieder rundum zu funktionieren. Ganz schön krank das alles, aber es ist ratsam, tatsächlich schnell wieder zu funktionieren, denn ansonsten besteht die Gefahr, daß man so mit hilfreichen Drogen aufgepäppelt wird, daß man abgeht wie ein atomisierter Duracell-Hase. Das böse Erwachen folgt dann aber schnell, wie ich ja an meiner Zimmergenossin sehen konnte. Gibt es eigentlich schon einen Ratgeber "Überleben im Krankenhaus"?
eine einzelne dicke Brust scheint schon zu reichen, damit die Männer gucken, jedenfalls haben sie heute gegafft. Vielleicht lag es aber auch daran, daß ich von innen heraus gestrahlt habe, denn ich wurde ja früh radioaktiv kontaminiert und bleibe das für 12 Stunden. Der Zeitpunkt des Termins um 9 Uhr war selten dämlich, denn nach dem Spritzen hatte ich zwei Stunden Auslauf bis zur Untersuchung, aber im Einkaufscenter war noch alles verrammelt, also nichts mit shoppen. Hätte ich allerdings sowieso keine richtige Lust dazu gehabt, da mich andere Dinge beschäftigen. Brüste zum Beispiel. Und die kann man dort nicht kaufen. Auch nach der Untersuchung ins Kino zu gehen funktioniert so nicht, da viel zu früh. Glücklicherweise hatte zumindest der Biomarkt schon offen, so daß ich mir genug zum Trinken kaufen konnte, und dann saß ich knapp zwei Stunden auf den immerhin bequemen Sesseln im Einkaufscenter, trank wie ein Weltmeister und brütete vor mich hin. Von der Spritze am Anfang merkte ich gar nichts und die Schwester fragte mich zu den Überresten des Blutergusses an meinem Arm, was ich da hätte. Ich antwortete, das dies eine Blutabnahme gewesen sei und sie meinte, das verstehe sie gar nicht, ich hätte doch so schöne Venen. Sag ich ja, an meinen Venen lag die Sauerei an meinem Arm nicht. Vielleicht sollte ich der Schwester, die das Blut abgenommen und mir dann die Kanüle wieder rausgerissen hat, mal rein zufällig einen Bluterguss am Schienbein verpassen, falls ich sie wiedertreffe. Aber immerhin heilt so ein Bluterguss wieder ohne das etwas zurückbleibt, ganz im Gegensatz zu anderen Dingen. Und die gute Nachricht - mein Skelett zeigt kaum Abnutzungserscheinungen. Oder wie eine Orthopädin mal meinte, mit meinen Bandscheiben und anscheinend auch mit meinen Knochen könnte ich Hundert werden, wenn da nicht....aber lassen wir das.
Wenn man im Internet über Brustimplantate nachliest, erfährt man, daß viele Frauen mit Implantaten über ein kaltes Gefühl in der Brust berichten. Also davon habe ich noch nichts bemerkt. Im Gegenteil - mir kommt die Brust mit Implantat wärmer vor, ganz besonders wenn es heiß ist. Und wenn ich damit in der Sonne sitze, fühlt es sich beinahe an, als hätte ich einen Hitzestau dahinter. Da muß ich wohl aufpassen, daß mein Herz nicht Feuer fängt. Vielleicht kommt das mit dem kalten Gefühl ja im Winter, wenn das Implantat Kälte speichert. Anders herum wäre es natürlich viel nützlicher, wenn es im Sommer Kälte und im Winter Wärme speichert. Vielleicht kann man die Brust bei Hitze ja eine Weile in den Kühlschrank hängen, um ein Kühlaggregat zu bekommen und im Winter umgekehrt in heißes Wasser. (Nein, ausprobieren werde ich das nicht.) Ich würde gerne aufhören, über Brüste zu schreiben, aber tut mir leid, das wird wohl noch länger Thema bleiben. Bei Amazon habe ich mir einen Multi-Vorrat an spanischem Turron geordert. Das reicht für eine Weile Frustessen.
Lebensmüde. Das ist einfach zu viel Leben im Moment und fast alles davon von der häßlichen Sorte. Bizarr daran ist, daß ich das alles ja eigentlich mache, um zu überleben. Aber wenn ich dann in dem ganzen Schlamassel sitze und mal kurz zum Nachdenken komme, frage ich mich: "Ähm, wozu wolltest du nochmal überleben?" (Für schmerzhafte Brust-OPs und den ganzen Spaß?) In dieser Stimmung hätte ich mich im Grunde einfach entspannt hinsetzen können und abwarten, was kommt. Aber dabei wäre es mir wahrscheinlich wieder zu gut gegangen, um so zu denken. Ziemlich paradox.
Obwohl ich gestern erst punktiert wurde, ist die Brust schon wieder so groß, daß ich fürchte, bis zum nächsten Montag wird sie wohl wie ein Luftballon zerplatzt sein. Und ich ärgere mich über Menschen, die zwar kräftig austeilen, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollen, aber kein einziges Mal etwas einstecken und verzeihen können, selbst wenn sie wissen, daß man in einer seelischen Extremsituation steckt. Aber hey - ich glaube, die machen es genau richtig und ich bin einfach die Doofe, die immer zu gutmütig und nachsichtig ist. Ich sollte es wie sie machen und mir das schleunigst abgewöhnen. Zum Glück bin ich lernfähig. Kein Pardon mehr forever. Wenigstens das Regenwetter hat etwas Gutes. Ich fühle mich verstanden und muß nicht in meinem Panzer schwitzen.
Letztens fand ich das erste Mal ein Mineralwasser, das mir tatsächlich schmeckt, und weil ich wissen wollte, was darin genau enthalten ist, googelte ich und fand diese Liste vom Urangehalt diverser Mineralwasser:
http://www.geobiologe24.de/img/Uran-Mineralwasserliste.pdf
Mein neues Lieblingswasser ist zum Glück nicht verseucht, aber es ist schon erschreckend, wieviele Mineralwasser betroffen sind.
Eigentlich dachte ich ja, wenn ich die OP hinter mir habe, kann ich erstmal Luft holen und wieder etwas zur Ruhe kommen, aber das war wohl ein Irrtum. Die nächsten drei Wochen sind voller Termine, Ärzte und Handwerker. Donnerstag soll ich zur Knochenszintigrafie und Freitag mal wieder bis nach Charlottenburg zum Bauchraum-MRT. Und jedesmal, wenn ich auf die Brust gucke, mache ich mir neue Sorgen. Ich wußte schon, warum ich es so lange wie möglich vermieden habe. Gestern versuchte ich mal ein bißchen zu hüpfen, das tat aber weh, so daß die meisten Choreografien, die ich sonst so übe, wegfallen. Stattdessen dachte ich mir selbst eine aus, die Spaß macht, aber Hüpfen und viel Arm weglässt. Die mußte ich natürlich üben und ich übte so viel, bis ich völlig verschwitzt war, was ich ja eigentlich ebenfalls vermeiden wollte. Beim Duschen schaute ich mir die Brust mal genauer an und die Form war jetzt sehr viel besser, allerdings mußte ich heute feststellen, daß dies nur am Wasser in der Brust lag, welches vorhin punktiert wurde und das sich schön gleichmäßig auch auf die flache Seite verteilte. Die Brust war zwar doppelt so groß und fühlte sich an, als würde sie jeden Moment explodieren, aber von der Form war es ok. Dafür sah aber gestern die Brustwarze sehr eigenartig aus, ganz blutunterlaufen und schorfig. Sie sah eigentlich so aus, als könne man sie selbst wie Schorf wegkratzen. Nun ist es bei diesen OPs so, daß die Brustwarze schon mal absterben und abfallen kann. Es gibt zwar irgendein Verfahren, mit welchem das Risiko vermindert wird, aber das wurde bei mir wohl nicht angewendet, zumindest weiß ich nichts davon. Natürlich bekam ich gleich einen Schreck, aber beim Nachsorgetermin vorhin schien die Ärztin nicht beunruhigt und meinte, die sei nur ein bißchen verschorft und erhole sich wieder. Na gut, ich war erst mal erleichtert, wenn auch trotzdem nicht ganz unbesorgt. Dann fragte ich die Ärztin, ob denn die Schwellung bald wieder weggehe, wobei ich auf ausgebeulte innere Seite der Brust zeigte. Die Ärztin schaute irritiert und meinte, das sei keine Schwellung, sondern das Implantat. Öhm... Ich hoffe ja immer noch, daß das alles nur eine Schwellung ist und das Implantat irgendwann flach in der ganzen Brust liegt, schließlich ist die Brust jetzt auch ohne Wasser etwas größer als die andere und ich kann mir nicht vorstellen, daß dies beabsichtigt ist. Ich hab in der letzten Nacht das erste Mal auf der linken Seite gelegen in der Hoffnung, daß das Implantat dann etwas in die Mitte rutscht, scheint aber nicht viel zu helfen. Das Implantat steht wie eine Eins irgendwo neben der Brustwarze, also falls das alles nicht doch nur eine Schwellung ist, hoffentlich. Bei diesen ganzen Aufregungen wegen der Brust denke ich immer noch manchmal, vielleicht wäre es doch besser, alles wegmachen zu lassen auf beiden Seiten. Denn dann ist es einfach nur flach und ich muß mir keine Sorgen mehr machen, ob die Brustwarze nach rechts oder links schaut, Beulen drin sind oder die eine Brust anders als die andere aussieht. Dann ist halt alles flach und die Narben kann man übertätowieren. Und wozu schleppe ich meine Problembären eigentlich noch mit mir herum? Männer schauen mich eh nicht mehr an, für die bin ich schon viel zu alt. Wenn ich früher auf die Straße gegangen bin, gab es Aufmerksamkeit, wenn ich heute auf die Straße gehe, registriert man mich nicht einmal mehr, wenn ich an einer Baustelle vorüberlaufe. Nicht daß mich das sehr stören würde, früher hat es mich eher genervt, doch wenn man für Männer sowieso nur noch Luft ist, helfen auch keine Brüste mehr, außer sie sind medizinballgroß, und darauf kann ich verzichten. Mit Kindersegen habe ich wohl ebenfalls nicht mehr zu rechnen. Und falls ich jemals in meinem Leben noch einmal die Lust und die Muße habe, einen Roman zu schreiben, dann weiß ich auch schon, wie der erste Satz lauten wird: "Ich hatte perfekte Brüste."
Das Krankenhaus hat riesige Schlafsäle, in denen die Patienten wie Kraut und Rüben herumliegen. Erinnert ein wenig an Lazarette in Kriegszeiten. Mit mir im Krankenhaus befindet sich Armin Rohde, der meine Füße massiert, was sehr angenehm ist. Eine andere, etwas blasse Patientin kommt zu mir und sagt, daß ich heute entlassen werde. Ich frage, von wem sie das gehört hätte, aber sie meint nur, daß sie es weiß. Tatsächlich soll ich entlassen werden, weshalb ich mich jetzt anziehen muß. Ich wähle ein ärmelloses, weißes Oberteil mit langen Fransen, dessen Säume goldfarben eingefaßt sind. Es hat einen Rückenreißverschluß, den ich nicht ganz geschlossen bekomme, weshalb ich eine andere Patientin bitte, mir zu helfen. Das tut sie und sagt, ich sähe aus, wie aus dem Raumschiff Enterprise, was wohl als Kompliment gemeint ist. Am Eingang des Krankenhauses höre ich die Stimme meiner Mutter. Sie ist es wirklich und ich wundere mich, was sie hier macht, denn sie weiß nichts von meinem Krankenhausaufenthalt. Seltsamerweise trägt sie einen Krankenhausnachthemd. Sie wird doch nicht als Patientin hier sein? Jedenfalls verstecke ich mich erstmal, bevor ich schließlich das Krankenhaus verlasse. In einem Bett in der Ecke liegt meine Mutter und schläft. Ihre Nase sieht irgendwie seltsam dünn und rot aus.
Der Traumdeuter meint dazu:
"Verläßt man ein Krankenhaus, deutet das auf eine persönliche Reifung hin, durch die man nach einer Phase der seelischen Not selbständiger und unabhängiger geworden ist."
So langsam reicht es dann aber auch mit den Reifungen.